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Trares - 1 (1)

Restaurantkritik Trares: Neuer Shooting Star in Frankfurt

Thierry Felden & René Postel starten stark

 

Allez hop! Mit einem Sprung schon jetzt weit oben angekommen. Das neue Restaurant Trares zeigt gleich nach dem Start Klasse und hat die Fertigkeiten, es noch weiter zu bringen. Küche, Keller, Service und Atmosphäre bieten ein sehr stimmiges Gesamtpaket. Das Frankfurter Nordend mit Merianplatz und Berger Straße hat nun die erste anspruchsvolle Adresse, die auch für Besucher von außerhalb interessant ist.

René Postel (l.), Thierry Felden

In Frankfurt sind einige Lokale verschwunden, weitere werden uns noch verlassen. Es gibt aber auch Neueröffnungen, die nicht nur Lücken schließen, sondern Eigenständigkeit von Format zeigen. Beim Restaurant Trares ist nur der Name geblieben, mit dem Vorgänger Christopher Crell die Hausbesitzerin ehren wollte, sonst aber hat sich vieles verändert. Mit einigen Handgriffen sowie Pflanzen auf der kleinen und weiß eingedeckten Straßenterrasse und dem Innenhof, wurde das Trares innen und außen aufgemöbelt. Thierry Felden (oben im Bild), bekannt aus Ernos Bistro, Micro von Mario Lohninger, Villa Merton und  Frankfurter Botschaft (alle Frankfurt), hat nach langen Jahren als Restaurantleiter und Sommelier nun sein erstes eigenes Restaurant eröffnet. Gewinnen konnte er als Küchenchef René Postel, der bereits als Souschef bei Alfred Friedrich in der Golden Kron sowie im Offenbacher schauMahl und als Küchenchef in der Frankfurter Botschaft sein Talent offenbarte.

Tatar

René Postel startet mit Verve und hat schon jetzt einige Signature Gerichte, mit denen er auch zuvor glänzte. Das wunderbare Tatar vom Weideochsen mit gelierter Oxtail Soup, Eigelb vom Maran-Huhn, Kartoffelmoussline und geräuchertem Urkrustenbrot, wird sich als ausdrucksstarker Hausklassiker einen sicheren Platz auf der Speisekarte sichern (mit oder ohne Kaviar). Exemplarisch, zeitlos und einfach spitze bereits das Amuse, das schon mehr ein ausgereiftes eigenständiges Gericht war: Gebratene Wachtelbrust in Wachtel & Trauben-Jus sowie in Salzkruste gegarter Sellerie. Bei der tadellosen Praline von Büsumer Krabben mit grünem Spargel, markanten Erbsencoulis und feiner Beurre Blanc macht gerade die viel zu selten eingesetzte Buttersauce den Unterschied zwischen gut und sehr gut.

Sapphire Lachs

Charakteristisch für die Küche: So viel Old School wie möglich, so viel moderne Ideen wie nötig. Diese Melange wirkt dann unwiderstehlich, wenn sie auf solides Handwerk und gute Produkte stößt. Genau das ist hier der Fall, etwa beim filigranen, confierten Sapphire Lachs mit schwarzem Rettich, Gurke und einer Emulsion aus Granny Smith. Der Lachs begeistert durch seine milde, buttrige und dahinschwebende Süße. Omega 3 in seiner schönsten Form. Ein weiteres Fischgericht in Perfektion: Gebratener Kabeljau und Pulpo, Raviolo von weißen Bohnen in Pulpo-Jus. Ein Highlight der Küche ist Poitrine de Porc, saftiger Schweinebauch mit krosser Kruste in delikater Kümmeljus mit Ofenspitzkohl, Schalottencreme, Pfifferlingen und eingelegten roten Zwiebeln. Auf jedem Teller kraftvolle Finesse, großartige Würzungen, hochsolides Handwerk. Für diese Qualität moderate Preise. Die kleine Speisekarte setzt auf Qualität, von uns aus darf sie ruhig so kompakt bleiben.

Krosser Schweinebauch

Die Weinkarte muss auch nicht stundenlang gelesen werden, verrät aber eine eigenständige Handschrift. Der würzig-duftige Provence-Rosé von Château Régusse ist ein Allroundtalent, mit dem man ein ganzes Menü begleiten könnte, der aber auch solo großen Spaß macht. Mit dem Champagner von Legras & Haas kann man nichts falsch machen, der Weißburgunder Zazo der Alten Grafschaft ist eine gute Wahl, die Rotweine von Rings und Kuhn haben Charakter. Einen Wein den man leicht übersehen könnte, weil man vielleicht auch schon lange keinen guten Sancerre mehr im Glas hatte, ist der glasklare, trockene, mineralische, kräuterwürzige und nur dezent fruchtige Sauvignon Blanc „Le Paradis“ der Domaine Vacheron von der Loire, der ein schönes Finish mit Holunder und Minze hinlegt.

Kabeljau & Pulpo

Thierry Felden und sein motiviertes Service-Team sorgen für eine entspannte, legere Atmosphäre. Tischdecken erscheinen oft zu formell und bieder. Doch auf dieser kleinen Terrasse weht damit ein charmanter Chic durch die sonst unscheinbare Nebenstraße.

Ludwig Fienhold

 

 

Wachtelbrust

Trares, Frankfurt, Luisenstr. 7, Tel. 069 94943878.

www.trares.restaurant.de

Di – Do 18 – 23 Uhr, Fr. + Sa 18 – 24 Uhr.

So + Mo Ruhetag

A la carte 8 – 35 €,  Menüpreise 58 (3 Gänge), 68 (vier Gänge), 80 (5 Gänge).

 

Photocredit: Barbara Fienhold

Posted in 2021, Aktuelles, Juli 2021Kommentare deaktiviert für Restaurantkritik Trares: Neuer Shooting Star in Frankfurt

Christopher Crell in Portugal - 1

Restaurant Trares: Christopher Crell geht, Thierry Felden & René Postel kommen

Gastronom ist

vom Lockdown genervt

und zieht nach Portugal

 

Gastronom Christopher Crell aus Frankfurt hat die Nase voll vom ewigen Lockdown in Deutschland und wandert nach Portugal aus. Sein Restaurant Trares im Nordend übernimmt am 1. März Thierry Felden, Küchenchef wird René Postel, der zuvor im Restaurant Frankfurter Botschaft gute Leistungen zeigte und unter anderem bei Alfred Friedrich in der Golden Kron mit am Herd stand. Thierry Felden ist in der Gastronomieszene sehr bekannt und hatte bis vor kurzem die Frankfurter Botschaft als Restaurantleiter geführt. Zu seinen Stationen gehörten außerdem Ernos Bistro, die Villa Merton und das Micro von Mario Lohninger.

René Postel

Als Christopher Crell im August 2015 sein Trares eröffnete, ging er voller Elan an den Start. Seit Corona ist alles anders. Crell, der stets die unverhältnismäßig restriktive Corona-Politik kritisierte, sah keine andere Möglichkeit mehr, als sein Lokal aufzugeben. Crell ist einer der wenigen in der Branche, der seine Meinung offensiv äußert und Haltung zeigt. Er sehe für sich keine Chance mehr in Deutschland, weil er den Lockdown weder psychisch noch wirtschaftlich überstehen könne. Zudem habe er weder für November noch Dezember die versprochenen staatlichen Hilfen bekommen. Und das bei ausbleibenden Einnahmen.

Christopher Crell

Christopher Crell (Bild oben) hatte schon immer ein Faible für Portugal, das Land, die Menschen, die Weine und das Essen. Bei vielen Reisen wurde aus Sympathie Liebe, jetzt ist die Zeit reif für einen Sprung in ein neues Leben. Crell hat ein kleines Stück Land gepachtet und will dort in einem Häuschen leben. Wie schon jetzt, möchte er weiter visuell mit seinen Küchen-Ideen präsent bleiben, ob auf Youtube, Instagram oder bei privaten Sendern. Christopher Crells Geschäftspartner, Christian Weber, nimmt sich erst einmal eine längere Auszeit.

Thierry Felden

Was wird sich am Restaurant Trares ändern? Wie Thierry Felden im Gespräch erklärte, will man die Terrasse noch etwas verschönern und den Innenhof beleben, der bei vielen gar nicht bekannt ist. Die Küche von René Postel wird in etwa so ausfallen, wie in der Frankfurter Botschaft, „eher noch einen Tick besser.“ Das ist ein Wort, denn dort waren die Küchenleistungen von Postel bereits sehr gut, wie unser letzter Besuch zeigte. Die Weinkarte im neuen Trares soll nach den Worten von Thierry Felden keinen Mainstream bieten und eher unbekannte Weingüter zu fairen Preisen auflisten. „In Südfrankreich habe ich ein paar sehr schöne Entdeckungen gemacht, die auch preislich interessant sind.“ Klar, dass Thierry Felden bei seiner Weinkarte einen französischen Akzent setzen möchte, er will aber auch lokale und regionale Erzeuger berücksichtigen. Mit dabei ist in jedem Fall Andreas Schneider mit seinen Apfelweinspezialitäten. Das neue Trares startet zunächst mit einem kleinen Team. Man ist bereits gut aufgestellt, aber für einen Koch wäre noch Platz. Thierry Felden will den Namen Trares behalten. Wer rätselt, was dieser bedeuten mag, bitteschön: Es ist der Name der Hausbesitzerin, der Christopher Crell zu besonderem Dank verpflichtet ist.

Ludwig & Barbara Fienhold  

 

Photocredit: Barbara Fienhold, privat

Posted in 2021, Aktuelles, Archiv, Februar 2021Kommentare deaktiviert für Restaurant Trares: Christopher Crell geht, Thierry Felden & René Postel kommen

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