Generation Riesling: Newcomer & Entdeckungen | BISS

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Generation Riesling: Newcomer & Entdeckungen

Generation Riesling - 4

Die etwas frischere Weinverkostung

 

Deutsche Weine

unter Palmen

 

 

Bei Christian Hirsch heißen die Premiumweine „Großes Geweih“ und spießen damit die Klassifizierung „Großes Gewächs“ auf. Das Weingut Hörner hat auch null Bock auf klassische Einteilungen und nennt sich lieber nach Hornvieh, wobei der „Horny Rosé“ ein schönes Wortspiel ist. Die Flaschenetiketten vom Gut Emil Bauer waren schon immer frecher als andere: „No Sex, Drugs & Rock´n Roll just Riesling.“ Unter dem Verbund „Generation Riesling“ haben sich junge forsche Winzer mit neuen Ideen zusammengefunden und wollen gegen eingefahrene Hierarchien und eingestaubte Muster mit Heiterkeit aufmucken. Die Verkostung fand im prächtigen Gesellschaftshaus des Frankfurter Palmengartens statt.

Großes Geweih, Christian Hirsch

Großes Geweih, Christian Hirsch

Der Slogan von Christian Hirsch lautet kurz und deutlich „Hirsch ist Wild“, mit dem er 13 verschiedene Weine präsentiert. Seinen Trollinger „Großes Geweih“ empfindet er persönlich als „rebellisch“. Jedenfalls gerät bei ihm dieser Rote ausdrucksvoll und liegt weit über dem gewohnten Rebensaft dieser Spezies. Dies gilt auch für den Lemberger, den der schwäbische Nachwuchswinzer mit Statur versehen hat. Sein Cabernet Sauvignon ist nur in sofern international, dass er international mithalten kann. Bestseller ist die Cuvée „Rot & Wild“, eine saftig-samtige, würzige und sehr ausbalancierte Verschmelzung aus Lemberger, Merlot und Cabernet, die aus dem Glas heiter zwitschert und gute Laune macht. Über die 7,50 € dafür darf man sich ebenfalls freuen. Kein flacher Terrassen-Tropfen, sondern ein konzentrierter, zupackender, frischer Sommerwein ist der Rosé Saignée, der das Zeug zum Platzhirsch hat. Winzer wie Christian Hirsch sind die Entdeckungen, die solche Weinverkostungen wertvoll und spannend machen.

Saal im Palmengarten

Saal im Palmengarten

Bei der „Generation Riesling“ sind nicht nur Rieslinge zu finden. Es fehlen auch viele der etablierten Weingüter. Aber man trifft gerade dort bei den Verkostungen einige interessante Newcomer. Etwa Weinreich aus Rheinhessen, der mit seinem Riesling-Gutswein eine hochsolide Basis zeigt. Lisa Bunn aus Nierstein erzeugt mit ihren Weinen vom Roten Hang recht spezielle Rieslinge. Der Niersteiner offenbart frische Apfelnoten und schöne Kräuterwürze, während der Dienheimer Riesling aparte Noten von Fenchel und einen Hauch Minze aufweist. Das Weingut Sinß von der Nahe gehört schon zu den bekannten Entdeckungen und kann mit dem einfachen Riesling ebenso überzeugen, wie mit dem Riesling Römerberg. Wenn nur alle ihre Erzeugnisse so fröhlich, kompetent und ehrlich kommentieren könnten, wie Susanne Winterling, wäre die Weinwelt noch besser. Die Sekte aus dem pfälzischen Niederkirchen sind genauso frisch und heiter wie sie. Das gilt auch für Martin Bauer vom Weingut Emil Bauer. Bei ihm darf man nicht nur originelle Etiketten erwarten, sondern auch knackige Weine zu netten Preisen.

Bei den Veranstaltungen der „Generation Riesling“ geht es legerer als sonst zu, es wird nach der Verkostung noch ein DJ eingesetzt und Platz zum Tanzen gelassen. Besonders gut aber: Alle Weine standen den ganzen Abend über gutgekühlt zum Nachverkosten oder einfach nur munter trinken parat. Die „Generation Riesling“ wurde vom Deutschen Weininstitut ins Leben gerufen und zählt heute über 500 Mitglieder. Die Winzer sind nicht älter als 35 Jahre alt und touren mit ihren Verkostungen durch ganz Deutschland. Man möchte das mitunter zu formell und verstaubt präsentierte Thema Wein fröhlicher und anregender präsentieren.

Ludwig Fienhold

 

Photocredit: Barbara Fienhold

 

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