Gastronomie-Mahnmal: 1000 leere Stühle | BISS

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Gastronomie-Mahnmal: 1000 leere Stühle

leereStühle Titel - 1

Stiller Protest auf dem Frankfurter Römerberg

 

 

Eine unwirkliche Erscheinung: Tausend Lokale an einem Platz. Leider nur eine Inszenierung. Tausend leere Stühle standen auf dem Römerberg stellvertretend für die Frankfurter Gastronomie. Ein traurig-schönes Bild, leere Stühle, leere Restaurants, leere Kassen. Eine Klage in aller Stille zelebriert. Keine Demonstration, sondern eine Kunstaktion. Das ist erlaubt und obliegt dem Straßenverkehrsamts. Unter den Blicken der Polizei, die sich an der Nikolaikirche postiert hatte, versammelten sich viele Stühle und ganz wenige Gastronomen, um alles, was einem Auflauf gleichkommen könnte, zu vermeiden. Die Stühle waren nicht anonym und trugen die Namen der Restaurants: Lohninger, Landwehrstübchen, schauMahl, Bidlabu, VaiVai, A Casa di Tomilaia, Stanley Diamond, Zur Golden Kron und Hunderte mehr. Die in Reih und Glied stehenden Stühle erinnerten an einen Soldatenfriedhof. Ein großes Kreuz als Eis-Skulptur verstärkte die Trauerfeier. Die Kunstaktion war nach zwei Stunden beendet, der Corona-Spuk ist noch lange nicht vorbei.

Die Gastronomie wird noch lange unter der Krise zu leiden haben, viele werden es gar nicht überleben. Da sind sich auch die Gastronomen James Ardinast (Stanley Diamond, Bar Shuka) und Madjid Djamegari (Gibson) sicher. Selbst wenn die Lokale wieder öffnen sollten, wird man wegen des Sicherheitsabstand weniger Plätze anbieten können. Außerdem bleibt die Frage: Wie viele Gäste überhaupt kommen werden, meint James Ardinast. „Wenn wir die Lokale wieder hochfahren und Kosten für Personal, Waren und anderes mehr entstehen, aber nur wenige Gäste zu bewirten sind, ist das wirtschaftlich nicht zu halten.“

Das gastronomische Mahnmal „Die leeren Stühle“ ist in 75 Städten in Deutschland zu erleben. In Frankfurt soll es nach Möglichkeit jeden Freitag an wechselnden Plätzen stattfinden, etwas dem Waldstadion oder dem Opernplatz. Man will damit die Öffentlichkeit und die Politik auf sich aufmerksam machen. Im Gegensatz zur Politik haben die Menschen längst bemerkt, was ihnen durch die Schließung der Lokale verlorengegangen ist. Restaurants sind ja längst keine bloßen Sättigungsbetriebe mehr, sondern Teil der Kulturlandschaft, Orte des sozialen Austauschs und der Begegnung, Selentröster und Fanale des Lebens.

Die Initiative Frankfurt e.V. (IGV) von Madjid Djamegari und James Ardinast will auf der in den nächsten Tagen startenden zentralen Online-Plattform FFMLY mit vielfältigen Ideen, Initiativen und Aktionen ihren 90 Mitgliedsbetrieben helfen und die (noch ausbleibenden Gäste) ansprechen. www.ffmly.de

LF & BF

 

 

Photocredit: Barbara Fienhold

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