Café Hauptwache: Kampf um ein heiß begehrtes Objekt in Frankfurt | BISS

Café Hauptwache: Kampf um ein heiß begehrtes Objekt in Frankfurt

Cafe Hauptwache

Ein Lokal wird zum Politikum

 

Die Politik kocht gerne ihr eigenes Süppchen. Mehr zum Thema Essen hat sie selten beizutragen. Politiker sind so gut wie nie Genießer, urteilen aber über Restaurants. Derzeit vor allem, weil sie diese schließen lassen. Das fällt ihnen deshalb leicht, weil sie ohnehin selten in Restaurants zu Gast sind, schon gar nicht in den Guten.

In Frankfurt am Main wurde die Gastronomie ebenfalls stets ignoriert, plötzlich aber wird sie zum Ziel einer merkwürdigen Begutachtung. Das Café Hauptwache, so urteilt die FDP, sei zu touristisch und preislich unakzeptabel. Deshalb wäre ein Betreiberwechsel von Vorteil. Das Café Hauptwache wird seit 20 Jahren von Sam Kamran geführt, der alles andere als Everybodys Darling ist und sich mit seiner militanten Veganer-Offensive ziemlich vergaloppierte. Aber er hat gerade die letzten Jahre das Café Hauptwache eben nicht nur bei Touristen beliebt gemacht, sondern auch die Frankfurter gewonnen. Der Kaffee war tadellos, man fand eine Handvoll guter Weine, und beim Essen wurde man auch fündig, die Weißwürschtl waren sogar erstaunlich gut. Einen solch netten und flinken Service findet man außerdem auch nicht oft in der Stadt, schon gar nicht in solchen Großbetrieben wie dem Café Hauptwache. Das wussten auch die Kollegen aus der Gastronomie zu schätzen, die hier täglich zu Gast waren.

Das denkmalgeschützte Café Hauptwache ist nicht nur ein bedeutender historischer Ort in Frankfurt, es auch die zentralste Adresse überhaupt. Es gibt nicht viele Plätze, wo man länger die Sonne genießen kann. Und: Dieses Lokal bot auch auf der Terrasse in den kalten Monaten durch Heizstrahler und Decken eine warme Bleibe für Gäste. Das alles wissen die Politiker nicht, weil sie dort nie oder selten waren.

Verwaltet wird das Café Hauptwache vom Amt für Bau und Immobilien (Liegenschaftsamt), der Hauptpächter ist die Radeberger Gruppe (Binding). Der Vertrag mit der Brauerei läuft im Oktober 2021 aus, entsprechend der mit dem Gastronomen Sam Kamran. Danach soll die Pacht neu ausgeschrieben werden. Wir werden das alles sehr genau verfolgen, denn bislang hat die Stadt selten eine glückliche Hand bei der Vergabe von Pachtverträgen in der Gastronomie gehabt. Wir möchten in diesem Zusammenhang nur an zwei besonders gravierende und blamable Fälle erinnern: Bis heute ist es nicht gelungen, eine Gastronomie im Ratskeller des Rathauses zu etablieren, was vor allem an den absurden Preisvorstellungen für die Pacht liegt. Ganz in der Nähe zerfällt zusehends in der Braubachstraße das Steinerne Haus, eines der letzten alten Wirtshäuser der Stadt, das längst renoviert gehört. Das Gebäude wird langsam zur Ruine.

Ludwig Fienhold

Photocredit: Barbara Fienhold


 

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