Corona: Trockengelegt und maskiert | BISS

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Corona: Trockengelegt und maskiert

Keine guten Aussichten

Warum sind Hotels und

Restaurants eine Gefahrenquelle?

 

Dass auch Frankfurt ein Hotspot werden würde, haben wir uns anders vorgestellt. Per definitionem ist dies ein Ort von großer Anziehungskraft, jetzt aber soll Frankfurt angeblich nur eine fiese Virenschleuder sein. Restaurants und andere appetitliche Stätten müssen um 23 Uhr schließen, Verbot von Alkohol auf öffentlichen Plätzen, nahezu überall Maskenpflicht, sogar im Freien. Einschränkung der Freiheit und des Lebens.

Die Dehoga, der Interessenverband der Hotellerie und Gastronomie, ist schwach bei Stimme und wird offenbar überhört. Protestnoten zeigen kaum Wirkung. Die ersten Gastronomen erteilen Politkern und Behörden Hausverbot. Sollen sie doch zu Hause bei Pommerscher Kartoffelsuppe versauern (Lieblingsgericht von Angela Merkel). Der Frankfurter Gastronom Pino Fichera, der drei Lokale betreibt, hat dies immerhin mit redlicher Wut ausgesprochen.  Natürlich bringt dies genauso wenig, wie ein „Beherbergungsverbot“, ist aber immerhin ein Statement.

Man wartet stündlich darauf, dass das Tragen von Zipfelmützen als Schutz verordnet wird, weil das Robert Koch Institut glaubt, das Virus könne auch über das Haupt und die Haare direkt ins Hirn eindringen. Die Zipfelmützen, so hört man schon jetzt, würden dann besonders stark wirken, wenn sie in Verbindung mit Scheuklappen einhergingen.

Das inzwischen in großen Teilen durch die Gerichte gekippte „Beherbergungsverbot“ müsste uns eigentlich zu Flüchtenden machen. Geht aber nicht, denn die Menschen aus Hotspots sind nirgendwo willkommen. Wir werden zu Asylanten in der eigenen Heimat. Inzwischen nimmt die Politik wieder Abstand vom „Beherbergungsverbot“, weil dieses nicht „zielführend“ und „verhältnismäßig“ sei, wie ja auch die Gerichte erkannt haben. Zu dieser Einsicht hätte man auch vorher kommen und der Bevölkerung ein weiteres unnötiges Angstszenario ersparen können.

Jeden Tag wird ein neues „Risikogebiet“ ausgerufen. Genau genommen kann man nirgendwo gefahrlos reisen, nicht einmal in Deutschland. Dabei war die Welt schon immer ein Risikogebiet und der Weg zum Briefkasten mit Vorsicht zu genießen.

Hotels und Lokale aller Art sind ein Teil der Lebenskultur. Mit sozialer Wirkung. Menschliche Begegnungen, Kommunikation, emotionaler Austausch – wir müssen in Kontakt und im Gespräch bleiben. Sperrstunden schaffen Isolation und tote Städte. Das wirkt sich auch auf das Sicherheitsgefühl aus. Leere Straßen und U-Bahnhöfe vermitteln Angst. Es gibt viele Menschen, die zu später Stunden arbeiten und auch wieder sicher nach Hause kommen wollen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel wollte einen „schlanken Staat“, was nicht nur ihrer Kleidergröße widerspricht. Zum Schlanksein werden derzeit vor allem die meisten Bürger/innen gezwungen, deren finanzielle Ausgezehrtheit nah ins Verhungern übergeht. Ganz fett geht es derweil in Berlin zu: Das Bundeskanzleramt ist mit über 25.000 Quadratmetern die größte Regierungszentrale der westlichen Welt. Und soll durch einen Neubau auf 50.000 Quadratmeter verdoppelt werden, was mit Kosten von über 600 Millionen Euro verbunden ist. L´ état c´est moi.

Allen Erfahrungen nach, geht von Hotels und Restaurants keine Gefahr aus. Wenn es irgendwo auf dieser Welt ein kontrolliertes, ja gar betreutes Wohnen und Trinken gibt, dann genau dort. Doch jetzt werden Hotels und Restaurants als Brutstätten von gefährlichen Viren dargestellt und dadurch an den Rand ihrer Existenz gebracht. Was haben eigentlich Politiker im Glas, die derart realitätsfern urteilen? Ein Verbot von Alkohol und anderen Barbituraten für Politiker wäre hingegen wirklich wünschenswert. Jeder, der Bonn kannte und Berlin kennt, weiß was dort konsumiert wird – von Politikern. Gerade nach 23 Uhr.

Die Welt steht derzeit wie sturzbetrunken auf dem Kopf. Ist aber leider ganz nüchtern dabei. Jeder Tag beginnt mit einem Irrtum. Zahlen, die keine Fakten sind, wollen einen Algorithmus vortäuschen, der den gesunden Menschenverstand ersetzen soll. Wenn ein Literaturnobelpreis an die triviale Louise Glück gehen kann, ist im Grund alles möglich. Natürlich auch ein Beherbergungsverbot für Deutsche in Deutschland. Und die Idee, das Lüften einen Virus in Luft auflösen kann. Wir wünschen der Politik mehr Sauerstoff fürs Gehirn.

Ludwig Fienhold

 

Photocredit „Keine guten Aussichten“: Ludwig Fienhold

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