Affäre Ribéry: Jetzt redet das Steak | BISS

Affäre Ribéry: Jetzt redet das Steak

Steaks

Nach dem Tor

ist vor dem Eigentor

 

Gut, ich bin nur ein Stück Fleisch, aber auch ich will gut behandelt werden. Wer mich mit Blattgold überzieht, verdeckt meine schöne Kruste und zeigt keinen Respekt vor meinen inneren Werten. Ein Steak ist ein Steak ist ein Steak. Und trägt keinen Schmuck. Nicht mal als Dry Aged Beef, denn Schmuck macht nicht jünger.

In Dubai, Abu Dhabi oder Doha wird alles mit Blattgold überzogen, was nicht weglaufen kann. Als ich noch ein Rind war, hätte ich davonlaufen können. Ich habe einen guten Stammbaum, der weiter reicht als bis zu meiner Großmutter. Franck Ribéry hat den ganzen Abend nicht mit mir gesprochen, nicht einmal ein Bäuerchen gemacht. Er war auch viel zu sehr mit Twitter beschäftigt, um den Vogel abzuschießen. Fußballspieler müssen keine Feinschmecker sein, benehmen sich aber manchmal wie Rapper.

Das Gold auf meiner Haut ist nur eine Narrenkappe und macht die lächerlich, die es benutzen. Gold ist kein Gewürz und schmeckt nach nichts. Goldlegierungen sind reine Kosmetik, sehen aber nicht einmal gut in Verbindung mit Fleisch aus. Darauf muss man auch nicht neidisch sein. Statt Blattgold hätte man auch Danziger Goldwasser über mich gießen oder die Fahne des FC Bayern München auf mich pflanzen können. Oder mich in Polypropylenstoff hüllen dürfen, den der Künstler Christo für die Verkleidung des Berliner Reichstags benutzt hat. Dann wäre aus dem Steakausbesuch wenigstens ein künstlerisches Happening geworden.

Das Steaklokal „Nusr-Et“ ist mehr bei Promis als bei Gourmets bekannt, der Name soll „Sieger“ verheißen. Nicht nur Franck Ribéry, auch Mesut Özil war schon dort, aber der lässt sich ja mit allem fotografieren, außer mit gutem Essen. Steakhaus-Betreiber Nusret Gökce ist gelernter Metzger und weiß, seinen Schnitt zu machen. Wer seine Steaks aber mit Sonnenbrille schneidet wie er und nicht Stevie Wonder heißt, ist ein Blender und sonnt sich nur im eigenen Spiegel. Nusret Gökce wurde zum Goldesel. Und ich war mal ein gutes Steak, das jetzt mit Füßen getreten wird wie ein Fußball.

LF

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Print Friendly, PDF & Email

 

Die Support Box


Spenden an BISS:
Frankfurter Sparkasse
IBAN DE45 5005 0201 0344 0439 75

Wir möchten auch weiterhin unseren Lesern einen ungehinderten kostenfreien Zugang zu unserem BISS Magazin und allen Artikeln ermöglichen. Dennoch kann kein Medium, ob Print oder Internet, ohne Anzeigen und anderweitige Unterstützung auskommen. Deshalb glauben wir mit einer Support Box eine legitime und freundliche Art der Förderung für unser einzigartiges Projekt gefunden zu haben, wobei jeder Betrag willkommen ist.
 
Unterstützen Sie BISS, das kulinarische Magazin – mit PayPal.