Sky Full of Dope: Kunst für den Platz der Dealer und Halunken | BISS

Categorized | 2026, Aktuelles, August 2026

Sky Full of Dope: Kunst für den Platz der Dealer und Halunken

Kunst an der Konsti

Konstablerwache Frankfurt:

Mehr Marktleben und Grün

statt der Kunstposse

Sky Full of Hope

 

Ein Kommentar von

Ludwig Fienhold

 

Man hätte auch eine Wäscheleine über den Platz ziehen können. Mit den sauberen Westen der Verantwortlichen, die eine solche Installation für Kunst halten. Und deren Westen dann Tag um Tag mehr mit Taubenschiet verdreckt werden, welche die Konstablerwache ebenso bevölkern wie Dealer und andere Halunken. Der trostlose Platz bleibt öde und wurde lediglich zu einem Schauobjekt für den Landesrechnungshof und den Bund der Steuerzahler, die wieder neues Material für Steuerverschwendungen erhalten. 2,3 Millionen Euro Steuergeld wurden sinnlos einem Luftikus geopfert. Aber auch für geschenkt würde diese Kunstposse keinen Gewinn bedeuten.

Die Konstablerwache ist schon seit den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts Treffpunkt der Drogendealer und Taschendiebe, die sich von hier aus ihre vielen Fluchtwege suchen konnten, die von der Konsti und der Zeil abgehen. Inzwischen sind immer mehr Gewaltbereite mit kurzer Zündschnur und andere Menschen mit dissozialer Persönlichkeit hinzugekommen, denen man ebenso wenig begegnen möchte, wie dem Hängeobjekt „Sky Full of Hope“.

Ausgerechnet diese missglückte Installation soll helfen, die sozialen Spannungen zu lösen, die an diesem überaus hässlichen Ort herrschen. Man könnte sich viel eher vorstellen, dass noch mehr Taschendiebe dieses Terrain für sich entdecken, weil sie viele arglose Touristen ankommen sehen und Menschen, die so lange in die Luft auf die Installation über dem Platz starren, bis sie in aller Ruhe ausgeraubt werden können.

Frankfurt hat einige scheußlichen Plätze, die Konstablerwache ist ein Musterbeispiel für städtebauliches Elend. Kein Wunder, dass sich dort entsprechend Menschen wohl fühlen, deren eigene Trostlosigkeit dazu passt. In dieses Bild fügt sich nun die Installation „Sky Full of Hope“ der amerikanischen Künstlerin Janet Echelmann ein, vor allem die vier martialischen Stahlstützen der Installation machen den Platz brutalstmöglich erbarmungswürdiger. Dass Oberbürgermeister Mike Josef dieses Objekt für das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft und für die Demokratie sieht, passt auch intellektuell ins Bild der Trostlosigkeit. Für den bekannten Architekten und Kritiker der Installation Wolfgang Böhm ist das „unerträgliches Geschwafel“.

Während des Aufbaus mussten die Marktstände für einen Monat weichen, die der einzige Lichtblick an der Konstablerwache sind. Die Installation wird zwischen November und Februar wieder abgehängt, weil sonst Eis auf den Markt fallen könnte. Ganz verschwinden wird dieses Trugbild erst nach drei Jahren. Die Installation ist nur gemietet, der Griff ins Portemonnaie der Bürger dagegen bleibt endgültig. Niemand wurde gefragt, ob man so etwas finanzieren wolle, auch nicht das Stadtparlament. Namentlich verantwortlich für die Kunstposse sind Oberbürgermeister Mike Josef, Kulturdezernentin Ina Hartwig und Stephanie Wüst, die für das Dezernat Wirtschaft, Recht und Stadtmarketing verantwortlich ist. Viele fordern von Ihnen eine vollständige Offenlegung aller Kosten, Finanzierungsquellen und Verträge.

Eine von vier Stahlstützen an der Konstablerwache, Fotos: Biss-Magazin.

Die grässlichen Stahlstützfeiler bleiben, künftige Verwendung ungewiss. Die Konstablerwache ist kaum mit Kunst zu retten, sondern durch noch mehr Marktleben an vielen Tagen, mehr Bäume und Grün und Plätze, die zum Verweilen einladen. An den beiden Tagen des Wochenmarktes, Donnerstag und Samstag, sieht man ein offenes bürgerliches Zusammensein. Zumindest während der Öffnung der Marktstände, danach übernehmen wieder Gauner und Gestörte den Platz.

Schaut Euch die Konstablerwache an, wo ein Lappen in den Seilen hängt und die Stadt ins Lächerliche zieht. Aber: Wenn man es genau betrachtet, passt die Installation letztendlich doch zu Frankfurt – als Symbol für die allgemeine Fantasielosigkeit, den fehlenden Gestaltungswillen, den Mangel an Ästhetik und Stil, undurchsichtige Geschäfte und lausige Politik. Man könnte immer noch eine Wäscheleine über den Platz ziehen…

 

 

Auf vielen Fotos wirkt das Kunstobjekt viel größer als in Wirklichkeit und scheint den ganzen Platz zu überspannen. Wenn man sich an der Konstablerwache selbst ein Bild macht, wirkt es mickrig und deplatziert. Gute und kunstvolle Fotos lassen sich dessen ungeachtet von der Installation vor allem bei Dunkelheit machen.

 

 

 

 

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