Goldene Sparschweine in der Badewanne

Für das Design & Lifestyle-Hotel nhow ist Geld Kunst

 

Ein bunter Hund umringt von grauen Betonmäusen. Das nhow Hotel in Frankfurt lässt die triste Umgebung schnell vergessen. Lobby, Zimmer und Rooftopbar strahlen mit ihren Farben und Formen Fröhlichkeit aus, man bekommt als Gast gleich gute Laune. Die Zimmer beschäftigen das Auge durch popartige Kunst, originelles Design und einen imposanten Ausblick über die Stadt.

Das Hotel liegt nur wenige Minuten vom Hessischen Hof entfernt, nahe Messe und Hauptbahnhof. Strategisch günstig, obwohl  die Innenstadt nur mit dem Auto oder der U-Bahn zu erreichen ist. Der sperrige Name nhow ist die Design & Lifestylemarke der spanischen NH Hotel Gruppe. Der Künstler David Zuker hat mit viel Pop Art die Zimmer und Suiten heiter in Szene gesetzt, die Geldschein-Motive über den Betten sind plakative Blickfänger. Das Thema “The Art of Money” zieht sich durchs ganze Hotel und interpretiert die Bankenstadt Frankfurt auf ironische Weise. Der Auftritt wird Spielernaturen ansprechen, für die auch Geld und Geldverdienen Kunst sein kann.

Kreditkarten im Großformat dienen als Zimmernummern. Auch auf den Zimmern kann man viele amüsante Details entdecken: Goldene Sparschweinchen in der transparenten grünen und freistehenden Badewanne, ein Telefon mit Wählscheibe, die aber auf Tastendruck funktioniert, Spreewaldgurken in der Minibar.

Das Haus zieht sich 190 Meter hoch, 14 Stockwerke der insgesamt 47 Etagen bieten Geschäftsreisenden und Touristen mit 375 Zimmer Platz. Ein besonderes Angebot hält das nhow Frankfurt für Flugbegleiter/innen bereit, die im Hotel einquartiert sind. Ihnen steht mit The Vault ein eigener, mit Küche, Sofa und Getränken ausgestatteter Bereich offen. Die Übernachtungspreise beginnen bei 150 Euro für zwei Personen im Doppelzimmer inklusive Frühstück. Weitere Informationen unter www.nhow-hotels.com/de/nhow-frankfurt/.

Photocredit: Barbara Fienhold

 

BISS Artikel über Sky Bar & Restaurant im nhow Hotel




Aus Trares wurde 1895: Nicht perfekt, aber sympathisch

Das neue Lokal im

Frankfurter Nordend

spricht junge Gäste an

 

Das Lokal im Frankfurter Nordend war einmal das Restaurant Trares mit anspruchsvoller Küche. Die neuen Besitzer wollen es mit einem anderen Konzept und lässiger Atmosphäre deutlich lockerer angehen. Eine kleine und dennoch persönliche Weinauswahl, Tapas und Snacks sowie Musikabende sollen ein jüngeres Publikum ansprechen. Neu ist das Brunch-Angebot am Wochenende.

Der junge Service ist offensiv freundlich und versteht es auch die Weine animierend einzusetzen. Ein Wein ist aber so auffällig, das er gewaltig auf sich aufmerksam zu machen versucht: Rock Me Amadeus vom Weingut Hammel aus der Pfalz. Das schrille Etikett lässt eigentlich nichts Gutes erahnen, die Cuvée aus Sauvignon Blanc und Grünem Veltliner wirkt aberwitzig. Die Überraschung ist um so größer, der Wein schmeckt gut, die kühne Mischung ist gelungen und so harmonisch und saftig, dass Freude aus dem Glas springt. Das Weingut Hammel bringt sogar das Kunststück fertig, den vergessenen Wein „Liebfrauenmilch“ wieder positiv ins Bild zu rücken. 300 Jahre Tradition prägen eine seriöse Handschrift, da können die Etiketten noch so schräg sein.

Auf der Karte stehen viele alte Bekannte aus der Weinwelt, bei denen man sich ganz gut aufgehoben fühlt: Pinot Noir von Chat Sauvage aus dem Rheingau, Rotwein-Cuvée „Steinkönig“ von Wagner-Stempel aus Rheinhessen, Weißburgunder von Höfflin aus Baden oder Chardonnay von Kruger-Rumpf von der Nahe. Lobenswert, dass die Weine in drei verschiedenen Größen angeboten werden, 0,1l, o,2l und 0,75l.

Die Speisekarte ist klein, bietet vieles, was man allerorten derzeit so bekommt und will vor allem die Küche nicht zu sehr herausfordern und überfordern. Das Risotto mit Frankfurter Grüner Soße war erstaunlich gut, die mäßige Aufschnittplatte mit Schinken wirkte wie mal schnell vom Discounter geholt. Insgesamt: Unkomplizierte Gastfreundschaft und entspannte Atmosphäre, nicht perfekt, aber sympathisch.

Warum 1895? In diesem Jahr wurde das Haus gebaut, in dem übrigens immer noch die Besitzerin, Frau Trares, lebt.

LF

Bar, Bistro, Café 1895, Frankfurt, Luisenstraße 7, Tel. 069 949 43878.

www.1895-ffm.de

Di-Sa 18-0 Uhr, Samstag und Sonntag nur noch Brunch 9.30-15 Uhr sowie Kaffee & Kuchen 15-17 Uhr.

Photocredit: Biss Verlag




Grandhotel Nassauer Hof in Wiesbaden: Reinfall mit Luxus-Gast

Urteil: Mehr als drei Jahre

Haft für Betrüger

 

Wieso konnte ein Gast

über zwei Jahre logieren

ohne zu zahlen?

 

Der Nassauer Hof in Wiesbaden wird seinem Namen auf unschöne Weise gerecht. Solche Nassauer hat das Grandhotel jedenfalls noch nie erlebt. Gut zwei Jahre wohnte ein Betrüger mit Frau und Hund in dem Luxushotel ohne für das Zimmer zu bezahlen und ließ auch noch andere Rechnungen offen. Es geht nicht um eine kleine Zechprellerei, sondern um schweren Betrug und über 230.000 Euro. Jetzt wurde der Betrüger zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt, ohne Bewährung.

Die damalige Hoteldirektorin Carla Lopes hat das Betrügerpaar offenbar zu lange gewähren lassen. Der Gast hatte sie mit einer angeblichen Krebserkrankung getäuscht, die er vorgab in Wiesbaden behandeln zu lassen, doch auch dann muss man hellhörig werden, wenn Zahlungen über einen längeren Zeitraum ausbleiben. Zudem stellt sich die Frage, warum der Dauernörgler, der sich über Kakerlaken und anderes mehr beschwerte, nicht freiwillig abreiste, wenn es ihm denn im Hotel so arg missfiel. Das sind Fragen, die sich die damalige Hoteldirektorin Carla Lopes vor dem Amtsgericht in Wiesbaden stellen lassen musste, das den Fall verhandelte. Der Betrug wurde erst beendet, als der neue General Manager Jakob Stöhrer den Posten von Carla Lopes übernahm.

Terrasse Gourmetrestaurant Ente, Nassauer Hof Wiesbaden

Die portugiesische Hotelmanagerin Carla Lopes wechselte im Sommer 2019 vom Hotel Kempinski Marbella/Estepona nach Wiesbaden in den Nassauer Hof, also zeitnah mit dem Check-in des betrügerischen Gästepaars. Etwa genau so lang wie sie die verantwortliche Managerin war, wohnte auch der Betrüger im Haus. Carla Lopes verließ den Nassauer Hof nach nur zwei Jahren und führt inzwischen das neue und moderne Revo-Projekt in München-Neuperlach, eine Wohnstätte für Hotelgäste und Langzeitmieter, die auch Küche und Spülmaschine vorfinden. Jedenfalls etwas anderes als das Grandhotel Nassauer Hof und auch die anderen Hotels, für die Carla Lopes zuvor arbeitete.

Dass der Betrüger zu über drei Jahren Haft verurteilt wurde, ist nun das unrühmliche Ende dieser Affäre. Die Hoteldirektorin hat sich nicht nur durch das schneidige Auftreten des Gauners blenden lassen, sondern wurde auch von ihm eingeschüchtert. Er wollte mit seinen unschönen Erlebnissen im Hotel an die Presse gehen und erfand offenbar eklige Geschehnisse von Kakerlaken im Zimmer, Würmern im Salat, schimmligen Walnüssen und andere Gaukeleien, die so gehäuft vorkamen, dass keine erfahrene Hoteldirektorin darauf hereinfallen hätte dürfen. Vor allem hat Carla Lopes sich ganze zwei Jahre lang hinhalten lassen und es dem Betrüger viel zu leicht gemacht. Zum ersten Mal in seiner langen Geschichte wurde das Grandhotel Nassauer Hof in Wiesbaden von einer Frau als Direktorin geführt. Carla Lopes konnte in der kurzen Zeit ihrer Tätigkeit nicht viel von sich reden machen – dafür umso mehr im Nachhinein mit dieser unrühmlichen Geschichte.

In bester Lage gegenüber dem historischen Kurhaus und dem Staatstheater gelegen, verfügt das traditionsreiche Grandhotel über 159 Zimmer und Suiten. 1813 erstmals eröffnet, ist der Nassauer Hof ein Vorreiter in vielen Bereichen der Luxushotellerie und setzte Maßstäbe. Als erstes Haus in Deutschland wurde der Nassauer Hof im Jahr 2005 mit fünf Sternen Superior ausgezeichnet. Er beherbergt die einzige Zigarren-Bar Wiesbadens und mit dem Gourmetrestaurant Ente das einzige Sternerestaurant der Stadt. Seine Auszeichnung mit einem Michelin-Stern trägt das Restaurant – einmalig in Deutschland – schon seit über 40 Jahren in Folge.

LF




Neueröffnung in Berlin: Restaurant Macionga überrascht

Originelles Konzept:

Große Weinkarte

Bockwurst & Caviar

 

André Macionga war 16 Jahre Restaurantleiter und Chefsommelier für Tim Raue. Jetzt hat er im Berliner Westen sein eigenes Restaurant eröffnet, das auf seinen Namen hört. Gemeinsam mit Küchenchef Sebastian Leyer serviert er im Macionga ungewöhnliche Gerichte aus regionalen Zutaten und Weine, wie man sie eher selten findet.

Sebastian Leyer kochte zuvor im Restaurant Le Faubourg, dem originellen Pauly Saal sowie dem schönen Gut Boltenhof in Fürstenberg und betreibt eine Gärtnerei für „Gourmet-Gemüse“. Seine Küche will ohne Luxus-Zutaten auskommen. Leyers Lieblingsgemüse ist Sellerie, mit dem er sich die unterschiedlichsten Variationen ausdenkt. Im Keller des Restaurants verwandeln sich auch Kieferzapfen in großen Einmachgläsern zu vielseitigen Speisebegleitern – vom süßen Sirup bis zum knusprigen Topping auf gebratenem Schweinebauch an Zwiebelmarmelade. Wer diese Speise auf der Zunge spürte, soll den Geschmack nicht mehr vergessen. Leyer: „Ich bin Kochnerd und beschäftige mich in jeder wachen Stunde mit Essen.“

André Macionga (l.), Sebastian Leyer

Küchenphilosophisch sieht sich Leyers Aromenwelt mit jener in Nürnbergs Etz von Felix Schneider und der von Billy Wagners Nobelhart & Schmutzig verwandt. Sebastian Leyer: Wir machen keine Geheimnisse aus unseren Zutaten und verraten gerne, wo man sie kaufen kann. So unterstützen wir unsere Lieferanten und sorgen dafür, dass Gäste zu Hause selbst ausprobieren können, was man aus richtig guten Produkten zubereiten kann. Nicht alltäglich auch das gesamte Konzept, in dem Bockwurst und Caviar Platz haben. Neben der Speisekarte gibt es Urkraft-Menü sowie eine Kneipenkarte mit hausgebackenem Brot und Wurschtplatte.

Die Weinkarte trumpft mit über 700 Positionen auf, was in diesen sparsamen Zeiten ungewöhnlich ist. Die Flaschenpreise liegen zwischen 22 Euro für einen Sauvignon Blanc von der Loire und 2.222 Euro für den 1967er Süßwein von Château Yquem. Allein die Champagnerauswahl ist bemerkenswert. Den Schwerpunkt bilden jedoch Maciongas selbst kreierte Cuvées, die in Zusammenarbeit mit bekannten Winzern aus aller Welt entstanden, beispielsweise mit dem meisterlichen Horst Sauer aus Franken oder dem großartigen Rainer Schnaitmann in Württemberg.

Macionga, Berlin, Xantener Straße 9, Do – Mo ab 18 Uhr.

www.restaurantmacionga.com

 

Photocredit: Macionga




Barchef-Wechsel in der Traube Tonbach: 38 Jahre gerührt & geschüttelt

Bernhard Stöhr geht,

Ian McBain kommt

 

 

Ein Barkeeper sollte auch Entertainer-Qualitäten haben und seine Gäste mit stimmungsvollen Getränken und ebensolchen Gesprächen unterhalten können. Bernhard Stört kannte das ganze Repertoire und setzte gegen manches Trübsal auch einen Witz aus seiner Humorschatzkiste ein. Jetzt verlässt er nach 38 Jahren die Bar der Traube Tonbach, die für ihn und viele Gäste ein Hort der guten Laune war. An seine Stelle rückt Ian McBain nach, der aus dem Roomers in Baden-Baden wechselt.

Bernhard Stöhr

Stöhr kam1984 aus dem Ferienhotel Sonnenalp in Sonthofen mit 27 Jahren zur Traube nach Tonbach. Die Bar des Traditionshotels wurde für 38 Jahre das zweite Zuhause des gebürtigen Österreichers. Mit Fachwissen, Fingerspitzengefühl und stets tadellosem Anzug überzeugte der heute 65jährige nicht nur, wenn es um die Drinks für seine Gäste ging. „Bernhard Stöhr wurde mit seiner ausgeglichenen, empathischen Art für unsere Familie und unser Team eine nicht wegzudenkende Vertrauensperson. Stets offen, seriös und kompetent begegnete er jedem im Hotel auf Augenhöhe“, würdigte ihn Hotelier Heiner Finkbeiner in seiner Abschiedsrede.

Seit 1977 war Stöhr Mitglied der Deutschen Barkeeper Union (DBU) und von 1996 bis 2012 selbst Präsident der Berufsvereinigung. „Zu seinem Cocktail-Repertoire gehören einige Eigenkreationen, mit denen er zahlreiche Auszeichnungen und Wettbewerbe gewann“, erinnert der Hotelchef. In seiner Karriere erhielt Stöhr neun Goldmedaillen auf der Stuttgarter Fachmesse Intergastra. Bei Cocktail- und Technikmeisterschaften war er nicht nur in Tokio, Singapur, Göteborg, Lissabon oder Rio im Einsatz, sondern auch als Jurymitglied weltweit gefragt.

Ian McBain

Die Frage, was eine gute Bar ausmache, beantwortete der erfahrene Altmeister einmal so: „Eine gute Bar hat eine Seele. Das ist eine ganz bestimmte Mischung aus Musik, Gesprächen, Menschen und ihren Lieblingsgetränken sowie einem Barmann, der sein Handwerk liebt.“

Diese Einschätzung teilt auch für Stöhrs Nachfolger als Barchef Ian McBain. Der gebürtige Frankfurter kam bereits Anfang 2021 aus dem Roomers in Baden-Baden nach Tonbach. An der Seite von Stöhr übernahm McBain nach und nach die Verantwortung für die Bar. Zum Einstand als Chef der Bar servierte er als Signature Cocktail einen alkoholfreien Drink aus alkoholfreiem Gin, selbst gemachtem Fenchelsirup, Mandel-Orgeat, frisch gepresstem Zitronensaft, Birnensaft und Ingwerlimonade.

Frederic Boländer




Küchenwechsel im Goldmund: Daniel Schönberger hat das Restaurant verlassen

Wieder ein Talent

weniger in Frankfurt

 

Immer mehr Köche

suchen die Sicherheit

 

Küchenchef Daniel Schönberger hat das Restaurant Goldmund im Frankfurter Literaturhaus verlassen. Das ist keine läppische Personalie, sondern ein Verlust, denn dieses Talent geht damit leider auch der Gastronomie und anspruchsvollen Gästen verloren. An seine Stelle rückt im Februar Ralf Groß, der bislang unbeschrieben blieb. Das Restaurant Goldmund ist eines der schönsten Restaurants in Frankfurt und war bis letztes Jahr auch eines der besten.

Daniel Schönberger

Schönberger kam 2019 ins Goldmund, das bis dahin kulinarisch nicht weiter aufgefallen war. Durch den Lockdown blieb ihm nicht viel Zeit, doch die nutzte er, um sein Können zu zeigen und verfeinerte klassische Gerichte über den Pass zu schicken, die in Frankfurt in dieser Qualität selten vorkamen. Wir erinnern uns noch gerne an den zarten Schweinebauch mit krosser Kruste, nebst Flusskrebsen, Artischocken, Rettich, Estragoncreme und aromatischen Oberräder Tomaten. Kein Gramm zu viel, keine Penetranz der Aromen, einfach nur Finesse. Großartig war auch der zarte und perfekt rosa gebratene Kalbstafelspitz in seidiger und ausdrucksvoller Jus mit Kohlrabi, Bohnen-Cassoulet, Holunderbeeren und luftgetrocknetem Schinken. Beim Wildfang-Kabeljau mit Pfahlmuscheln erlebte man nicht nur einen Star auf dem Teller, sondern gleichberechtigte Partner unter allen Komponenten, die sich zu einem ganzen Großen zusammenfügten: Geschmeidiges und gekräutertes Perlgraupen-Risotto, geschmorte Paprika und einen wunderbaren Safran-Fischsud

Goldmund im Literaturhaus, Schöne Aussicht 2

Schönberger war davor unter anderem Souschef im Kempinski in Gravenbruch und beim seligen und doch unvergessenen Restaurant Hessler in Maintal sowie Küchenchef bei Döpfners in Frankfurt, betrieb mit dem Jacobs in Dreieich sein eigenes Lokal und führte die Küche bei Star Clipper Segelschiffen und von Aida Cruises.

Daniel Schönberger arbeitet jetzt bei Lufthansa Taste & More (Betriebsgastronomie) und möchte nur noch für seine Familie kochen. Die Situation in der Gastronomie und vor allem der Personalmangel waren für ihn nicht mehr tragbar. Auch der frühere Goldmund-Mitinhaber Martin Peters und seine Frau sind  nicht mehr im Goldmund tätig. Und noch etwas: Die Bewertung von „Falstaff“ auf der Restaurant-Webseite steht für die bisherigen Küchenleistungen von Daniel Schönberger. Auf dieses Niveau muss die neue Küchencrew erst einmal wieder kommen.

Ludwig Fienhold

Photocredit: Barbara Fienhold




Eröffnung Royal Atlantis Dubai: Hotel fliegt Beyoncé für 24 Mio Dollar ein 

Neues Luxus-Resort

mit acht Restaurants

 

Der Superlativ ist in Dubai zu Hause. Am Wochenende wurde das Hotel Royal Atlantis pompös eröffnet, als „ultraluxuriösestes“ Resort der Welt. Ganz unbescheiden auch die Gage von Beyoncé, die für 24 Millionen Dollar eingeflogen wurde. Scheichs drum. Es sorgten außerdem viele bekannte Köche für ein Festmenü, das mit blauem Hummer, Wagyu Bresaola und einer tonnenschweren Torte für Aufsehen sorgte.

Das architektonisch schräge Hotel beherbergt 795 Zimmer und Suiten, die sich über 43 Stockwerke in die Höhe ziehen. Die Gäste haben unter acht Restaurants von Celebrity-Köchen die Wahl. Neben dem allgegenwärtigen Nobu Matsuhisa sind dies José Andrés, Costas Spiliadis, Mich Turner, Gastón Acurio sowie die für ihre Couture-Torten bekannte Ariana Bundy. Die Gäste des Grand Reveal Weekend waren die ersten, die das vielseitige kulinarische Angebot erleben konnten, bevor Atlantis The Royal im Februar offiziell eröffnet. Das speziell zusammengestellte Feast of Dreams-Menü bot Kulinarisches aus aller Welt, darunter blauen Hummer aus dem peruanischen Restaurant La Mar, Pizza mit Wagyu Bresaola nach sizilianischer Art.

Gastón Acurio, Nobu Matsuhisa, Mich Turner, Costas Spiliadis, Ariana Bundy, José Andrés

Zum Abschluss des Abends gab es eine Auswahl an Desserts von The Little Venice Cake Company, die Mich Turner gehört, einem Konditor und Bäcker, der Süßes und Brote für Königshäuser und Stars herstellt. Die Auswahl umfasste eine Himbeer- und Rosen-Buttercremetorte, Karamell-Mürbegebäck sowie einen riesigen Celebration Cake, mit einem Gewicht von einer Tonne, 1,50 Metern Höhe und 1,50 Metern Breite. Die üppige Torte bestand aus sieben Schichten und war mit 25 handgefertigten Zuckervögeln und 80 handgemalten Schmetterlingen verziert, für deren Herstellung sieben Konditoren sechs Tage benötigten. Aufgetischt wurde das monumentale Zuckerstück 1.200 Gästen.

Photocredit: Kevin Mazur und Jeff Spicer, Getty Images, für Atlantis The Royal

 




Aldi Weine im Test: Zurück bleibt ein fader Geschmack

Was ist nur mit den

Wein-Kritikern los?

 

Beim Essen kann Aldi überraschen, sei es bei den Croissants oder sogar mit dem Ofen-Lachs. Wie unsere Testbesuche immer wieder zeigen, bleibt die Weinabteilung eine Schwachstelle. Darüber können auch nicht die immerhin noch akzeptablen Flaschen von Fritz Keller oder Perrin (z.B. Rosé La Ferme Julien) hinwegtäuschen.

Dass in der Weihnachtszeit und weiter in den Winter hinein noch leichte Sommerware verkauft werden soll, wirkt nicht allein anachronistisch, sondern auch nachlässig und somit wenig vertrauenswürdig. Ein „Summer Season“ feinherb aus Rheinhessen gehört zeitig ausgemustert. Oder zeitig bei einer Betriebsfeier eingesetzt.

Weine von Aldi

Natürlich darf Aldi im Regal die Sonne scheinen lassen so lange er will, vielleicht kann sich noch jemand für die vergessenen Sommer-Weine erwärmen. Dunkle Wolken ziehen allerdings bei anderen Flaschen auf, die wegen mangelnder Qualität zu keiner Jahreszeit passen. Gerade Spanien bietet so viel Gutes, dass es schon eine Kunststück ist, hierbei in die Tonne zu greifen. Der Marques de Montejos 2020 aus Castilla Y Leon (Rebsorte Mencia, Preis: 5,99 €) ist ein müder plumper Klops, dick, breit, laut und ohne jegliche Finesse. Im Mund hinterlässt er nichts als einen stumpfen Geschmack. Die Flasche wirbt mit zwei Aufklebern: James Suckling 91 Points, Guia Penin 90 Punkte. Wie so etwas zustande kommt, bleibt rätselhaft, wirft aber kein gutes Licht auf den spanischen Weinführer und den englischen Journalisten. Wodurch haben sie sich in die Irre führen lassen? Diese Diskrepanz verlässt jedenfalls den Boden einer etwa unter Geschmacksache subsumierten Fehleinschätzung.

Es gibt Flaschen bei Aldi, die zumindest von der Anmutung her nicht Minderwertig wirken. Das Etikett vom Grauburgunder von Josef Müller  (4,49 €) beispielsweise. Das Wappen signalisiert Tradition, der Hinweis auf ein über 300 Jahre altes Familienweingut schafft ein gewisses Vertrauen. Die Bezeichnung „Bio-Wein und „vegan“ ist einem vermuteten Trend geschuldet, sagt aber nichts über die Qualität aus.

Geschmacklich zeigt sich der Wein flau und disharmonisch. Er wirkt wie ein Cocktail aus Banane und Klebstoff. Auf einem Schützenfest im Sommer mit viel Eiswürfeln merkt es vielleicht niemand, aber der Wein hat einfach keine Qualität und macht selbst für diesen gering erscheinenden Preis keine Freude. Für zwei Euro mehr bieten viele Winzer in Deutschland weit solidere Weine an.

Ludwig Fienhold

 

Siehe auch diese Wein Tests von BISS bei Aldi:

 

https://www.fienholdbiss.de/aktuelles/aldi-weine-im-test-kylie-minogue-suess-sauer/

 

https://www.fienholdbiss.de/aktuelles/wein-quiz-wer-wird-millionar-aldi-jauch/

 

https://www.fienholdbiss.de/aktuelles/aldi-weine-grauen-oder-genuss/




Wenn die Pasta Trauer trägt: Das Ristorante Fabbri-ca macht zu

Frankfurt verliert

einen seiner Top-Italiener

 

Letzte Gelegenheit

für einen Besuch

 

Eines der besten italienischen Lokale, das Fabbri-ca im Frankfurter Westend, wird Mitte März schließen. Inhaber und Küchenchef Luigi Fabbri wird 70 und will jetzt keine Gäste mehr, sondern nur noch Ruhe einkehren lassen. Sechs Jahre sorgte das Wohnzimmerlokal in der Westendstraße für allerbeste italienische Küche. Jetzt gibt es die letzte Gelegenheit für einen Besuch.

Kotelett

Die hausgemachte Pasta ist fabelhaft, selbst die von uns gerne vernachlässigte Lassagne schmeckt köstlich. Das Risotto marinada bringt eine frische Meeresbrise und schön durchgezogenes Garnelenaroma auf den Teller. Die mit Muskatkürbis gefüllten Cappellacci fallen wunderbar schlotzig aus. Umwerfend gut ist obendrein das Iberico Kotelett. Ein solch saftig-zartes, kräuterwürziges Kotelette mit röschen Bratkartoffeln hat Seltenheitswert. Fast alle Gerichte im Fabbri-ca sind Highlights und bei den Gästen so beliebt, dass die Küche bis heute immer viele der Hausklassiker bereithält. Ein Must-have ist auch die wunderbare gekühlte Creme aus gerösteten Pistazien, die sogar Dessert-Verweigerer begeistern sollte.

Luigi Fabbri besinnt sich auf die Kernkompetenz der italienischen Küche. Gute Produkte, sensibel zubereitet und temperamentvoll gewürzt. Basta. Auf der handgeschriebenen Tafel werden kaum mehr als zehn Gerichte angeboten. Nur weil das Lokal im feinen Westend liegt, wird es von manchen als „teuer“ begutachtet. Nein, das Fabbri-ca ist nicht teuer und gemessen an der Qualität jeden Cent wert

Die moderate Preispolitik setzt sich bei der Weinkarte fort. Es gibt nicht allzu viel aber man wird ausreichend Gutes und Überraschendes erleben. Der Prosecco von Daldin ist immer gut für einen Einstieg, begleitet aber auch sehr stimmig und belebend ein ganzes mediterranes Menü. Beim exzellenten Costaripa vom Gardasee spürt man den Winterblues vertreibende Düfte von Zitronenmelisse und Kräutern. Zum sympathischem Preis kann man sich auch über eine Flasche vom erstaunlich guten, schlanken, saftigen und trinklustigen Verdecchio Quota 311 von Piersanti aus der Region Marken freuen. Und es gibt sogar einen schönen Lambrusco, der sich längst von seinem einstigen mäßigen Ruf befreien konnte.

Luigi Fabbri und Genny Guadalupi führen das Lokal mit persönlicher Hand und ohne jegliche Effekthascherei. Die kleine Terrasse werden die Gäste leider nicht noch einmal erleben können.

Ludwig Fienhold

 

Fabbri-ca, Frankfurt, Westendstr. 73, Tel. (069) 677 779 44

www.fabbri-ca-ristorante.de

 




Noma in Kopenhagen: Umstritten, berühmt und bald geschlossen

René Redzepi will nur noch ein Lebensmittellabor haben

 

René Redzepi verkündet nicht nur das Aus für sein Drei-Sterne-Restaurant Noma in Kopenhagen. Er sieht auch die Spitzenküche an einem Bruchpunkt, der nach Veränderung ruft. Eine Küche auf allerhöchstem Niveau mit zermürbendem Arbeitseinsatz würde nicht mehr funktionieren und rechne sich nicht, man müsste Menüpreise von 500 € vom Gast verlangen. Der 45 Jahre alte dänisch-mazedonische Koch will Ende nächsten Jahres den Restaurantbetrieb einstellen und fortan nur noch ein Lebensmittellabor führen, das neue Gerichte und Produkte für seinen  E-Commerce-Betrieb Noma Projects entwickelt. Er sieht seine Rolle künftig eher als Chief Creative Officer und weniger als Koch. Redzepi verkündet das auf seiner Seite und in der New York Times.

René Redzepi erregte weniger Aufsehen durch seine Kochkünste und fiel mehr wegen seines andersartigen Konzepts auf. Er setzte nicht auf Luxusprodukte aus Frankreich oder Italien, sondern auf heimische Naturalien. Aktuell wird gegrilltes Rentierherz auf einem Bett aus frischem Kiefernholz und Safraneis in einer Bienenwachsschale serviert.

Seit dem Start von Noma vor zwanzig Jahren mögen sich viele an extravagante Details erinnern, den in der Holzschatulle servierten Käfer oder Ameisen auf Crème fraîche. Das klingt nach „Dschungelcamp“ generiert aber regelmäßig Schlagzeilen.

Es fragt niemand, ob das alles den Gästen Spaß macht, aber auch den Mitarbeitern ist dieser oft genug vergangen. 16 Stunden Arbeitspensum zählten in der Hochzeit des Lokals zur Normalität. In der Küche durfte auch nur stumm gearbeitet werden, Heiterkeitsbekundungen wurden untersagt.

LF

Photocredit: reneredzepinoma