Balthasar Ress hat das erste Lokal in der neuen Altstadt in Frankfurt eröffnet

Weinbar & Vinothek

 

Der Rheingau kommt nach Frankfurt

 

Gaststätten und Cafés gibt es zwischen Dom und Römer viele, aber noch keine einzige moderne Weinbar. Auf diese Lücke setzt das Weingut Ress aus dem Rheingau und will damit die Frankfurter ansprechen. „Die Touristen kommen von allein, in den Abendstunden wollen wir aber das lokale Publikum erreichen“, meint Betreiber Christian Ress. Die Weinbar ist mit 30 Innenplätzen und einer kleinen Terrasse für 20 Gäste überschaubar. Die in der Nähe zu findende Weinschirn entspricht mehr dem Bild der klassischen Weinstube und verfolgt ein anderes Konzept.

Christian Ress (Mitte) mit Team: Michele, Maleshika, Serkan & Nina (l.n.r.)

Schon jetzt gibt es bei Ress allein 25 offene Weine, später will Christian Ress alle Flaschen glasweise servieren, „auch kostspielige Bouteillen“. Der Riesling-Gutswein „Von Unserm“ kommt in zwei Qualitäten auf den Tisch und eignet sich gut zum Einstieg (7 und 11,50 € für 0,2l). Ein Musterexemplar von „Everybody´s Darling“ ist der Pinot Noir Rosé-Sekt, der feinperlig und frisch viel Charme ausbreitet. Das Gros wird vom Weingut Ress selbst gestellt, aber aus Frankreich und Italien steuern befreundete Weingüter auch einige Flaschen bei. Beim Champagner setzt man auf Pol Roger, vom Brut Reserve bis zur Prestigecuvée Winston Churchill. Diese Flasche kostet 379 €, die Brut Reserve ist für 16 € das Glas (0,1l) zu bekommen. Der Kaffee stammt von der Frankfurter Kaffeerösterei, die Peter Gerigk führt, der gleich gegenüber am Markt ebenfalls ein eigenes Café eröffnen wird. Was bei ihm der Cappuccino kostet, steht noch nicht fest, in der Weinbar von Ress wird er mit stattlichen 4 € berechnet. Gekocht wird nicht in der Weinbar, es soll eine kleine Snack-Karte geben, aber die Metzgerei Dey eröffnet ja gleich nebenan.    

Das Konzept aus Weinbar und Weingeschäft funktioniert bereits in Wiesbaden erfolgreich, weshalb Christian Ress auch für Frankfurt sehr zuversichtlich ist. Die Weinbar in Frankfurt wird von Serkan Müller geleitet, die im Frankfurter Tigerpalast lernte und zuletzt im Restaurant Schönemann im Sofitel an der Alten Oper als Restaurantleiterin und Sommelière arbeitete. Mit dabei ist die Rhein-Main-Betriebsleiterin Nina Baumgärtner, die zwischen Wiesbaden und Frankfurt pendelt.

An der attraktiv gestalteten Weinbar fallen nicht allein die Weinklimaschränke und die güldene Bartheke auf, die großen und an Pusteblumen erinnernden Lampen sind ebenso Eyecatcher. Über der Bar, wo bald schon ein riesiger Spiegel hängen soll, steht geschrieben, dass hier bald ein schöner Spiegel hängen soll. Die Idee könnte man jahrelang aufrecht erhalten, weil sie im Gedächtnis hängenbleibt. Vielleicht noch mehr als ein Spiegel.

Früher stand an gleicher Stelle der jetzigen Ress-Weinbar das barocke Gasthofgebäude Grüne Linde. Das im 18. Jahrhundert erbaute Original prägte den Platz am Hühnermarkt mit seinem Dreiecksgiebel und dem Occulifenster im Mansardendach. Das Erdgeschoss ist relativ hoch und verfügt daher über große Fensteröffnungen, die der kleinen Bar eine gewisse Weite geben. 1877 befand sich im Erdgeschoss der Grünen Linde eine Kolonialwarenhandlung, ab 1935 wurde es als Gasthaus genutzt. Die Weinbar ist nun die moderne Fortschreibung dieser Geschichte.

Weinbar & Vinothek Balthasar Ress, Frankfurt, Markt 13a. Täglich ab 11 Uhr geöffnet.

Photocredit: Barbara Fienhold

 

 




Anleger 511 im Rheingau säuft kulinarisch ab

Das schöne Ausflugsziel

am Rhein lädt nicht mehr

zum Essen ein

 

Was ist nur aus diesem schönen Lokal am Rhein in Eltville geworden? Die Speisekarte ist eine Farce. Ein entsetzliches Sammelsurium ohne jede persönliche Note. Flammkuchen, Schweinenackensteak, Linguine. Geht es noch einfallsloser? „Für den Kenner“ gibt es Weinbergschnecken mit Kräuterbutter für 9,40 €. Der Kenner wird es meiden. Als „Snacks zum Wein“ eine Bretzel mit Butter für 2,70 €. Sind wir am Frankfurter Flughafen?

Fatale Frikadelle

Die Frikadelle auf Glasnudelsalat (10,20 €) ist ein kulinarischer Kretin. Wer denkt sich einen solchen Blödsinn aus? Und was ist hier der Koch von Beruf? Die Frikadelle wird in einer grauenhaften süßsauren Pampe ertränkt, die mit einigen wenigen Glasnudeln, viel Paprikagemüse und holzigem Sellerie kurz aufgewärmt wurde. Mehr Unfähigkeit auf einem Teller lässt sich kaum finden.  

Fährt man aus Frankfurt in den Rheingau um Apfelwein zu trinken? Und dann auch noch Possmann! So wird der Rhein zum Mainstream. Der Longwein war immer gut, jetzt wird er mit einem vertrockneten Zweiglein Minze und einem Brocken Ingwer aufgetischt – nichts davon gibt so etwas wie Aroma ab. So wird das nur eine mäßige Weinschorle für zu viel Geld. Auf der Weinkarte findet man keine animierenden offenen Weine und bei den Flaschen lediglich einige ordentliche Tropfen, aber auch hier wieder keine Individualität. Der Kaffee/Cappuccino war zuvor besonders gut, jetzt ist er noch wässriger als der Rhein.

Ein Bild aus besseren Tagen

Man sitzt noch immer schön direkt am Rhein und sieht die Schiffe gemächlich vorbeiziehen. Optisch mag man auf den ersten Blick nur wenige Veränderungen wahrnehmen. Dann aber sieht man Plastik-Kakteen auf den Tischen, wo früher alles hübsch und mit frischem Grün dekoriert war. 

Im Internet und bei Facebook werden falsche Öffnungszeiten genannt, wer also wie einst samstags um 10 Uhr zum Frühstück kommt, steht vor verschlossenen Türen. Frühstück gibt es ohnehin gar nicht mehr, geöffnet wird samstags und sonntags um 11, aber auch dann kann man nur trinken oder Bretzel und Kuchen bekommen, die Karte ist erst ab 12 Uhr im Einsatz. Auf die Frage, warum im Internet falsch kommuniziert wird, hört man tatsächlich die allerdümmste Trump-Regel: Alles Fake. Leider erscheint das ganze Lokal Anleger 511 in Eltville nur noch wie ein Fake. Schade, denn einst gehörte es zu unserem Lieblingsadressen. Jetzt ist der Anleger 511 nur noch eine Blamage für den ganzen Rheingau.

Ludwig Fienhold

 

 




Restaurant-Kritik Weinsinn: Frankfurt hat eine neue Topadresse

Starker Start von

Julian Stowasser

 

Von Ludwig Fienhold

 

Das Restaurant Weinsinn in Frankfurt hat innerhalb kurzer Zeit gleich zwei Küchenchefs verloren: André Rickert arbeitet jetzt im Bidlabu nahe der Freßgass, Alexandre Sadowczyk wurde nach nur drei Monaten ausgewechselt. Für ihn steht jetzt mit Julian Stowasser ein hochmotiviertes Talent am Herd, das gleich am ersten Tag einen fabelhaften Eindruck machen konnte.

Amuse: Rote Bete Baiser

Amuse Rote Bete Baiser

Die Speisekarte im modischen Stakkato gibt sich eher verschwiegen, dafür sind die Gerichte selbst vielsagend. Filigrane Detailarbeit auf kleinstem Raum, das Rote Bete Baiser mit gepoppter Aalhaut als Amuse wird mit Dill-Mayonnaise, Räucheraalcreme, Kräutergelee und Röstzwiebel zubereitet und ist eine so köstliche Delikatesse, dass man sich schon auf den nächsten Appetithappen freut. Und der fällt ganz anders aus, was intelligente Dramaturgie verrät. Die feine saftige Rinderzunge mit Bayrisch Kraut und Wasabischaum ist Weltküche mit regionalem Charakter. Einen solch lustvollen Happen hätten wir auch gerne als Hauptgang. Beim zarten Oktopus mit Artischocke wird die Passionsfrucht als Gel und Schaum eingesetzt, mit dienender Süße wie alte Winzer sagen würden. Der kleine Urwald aus Blättern und Kräutern überlädt den Teller etwas und offenbart einen gewissen Spieltrieb, zeigt sich aber geschmacklich stimmig. Die Makrele kann ein ziemlich fieser Fisch sein, mit mürbem Gewebe und Brackwasser-Duft. Im Weinsinn aber kommt eine pralle Makrele mit klarer Struktur auf den Tisch. Rotkraut, Dashi-Sud und wunderbar schmelzige sardische Fregola-Pasta-Kugeln fließen mit Souplesse zusammen. Man kann auch den Sommer perfekt auf einem Teller einfangen, im Weinsinn gelingt dies mit einem punktgenau gebratenen Saibling mit rosa Kern, Holundcercreme, marinierten Gürkenwürfeln und in Holunder eingelegtem Chicorée. Jedes Gericht zeichnet sich durch Finesse und Stilsicherheit aus. Bis hin zu den Desserts darf man als Gast ein Highlight nach dem anderen erleben. Wie man aus nicht gerade vielversprechenden Zutaten etwas Großartiges kombinieren kann, beweisen Sandorn-Eis, Gewürzkuchen, Karotte, Nougat und Ziegenkäse.

Saibling

Saibling

Der Küche wohnt eine Raffinesse inne, die zwar intelligent gesteuert und überlegt erscheint, aber auch viel Herz spüren lässt. Jedes Detail sitzt, doch sollte man es mit dem Gelen, Tüpfeln und Schäumen nicht übertreiben. Die Küche lässt gerne asiatische Aromen einfließen, aber so, als wäre dies bei den Gerichten schon immer so gewesen. Diese Stilsicherheit basiert auf allerbester Lernfähigkeit. Julian Stowasser (im Bild oben und unten rechts) war vier Jahre Souschef von Jan Hartwig, der im Bayerischen Hof mit dem Atelier ein veritables 3-Sterne-Restaurant führt. Stowassers Souschef Moritz Stauber ist ebenfalls gut geschult, hat im legendären Bareiss und auch in Bangkok gearbeitet. Das Küchenteam wurde völlig neu aufgestellt und hat mit dem im alten Weinsinn nichts mehr gemein – außer dem erstklassigen Ergebnis. Von Julian Stowasser und seiner Crew ist allerdings noch mehr zu erwarten, hier baut sich wahrscheinlich etwas ziemlich Großes auf.

WeinsinnDas Restaurant Weinsinn wird zwar von Matthias Scheiber geführt, der gemeinsam mit seiner Frau Milica auch noch das großartige Gustav betreibt, doch hält er sich im Service zurück und überlässt ganz richtig zwei anderen Protagonisten die Bühne: Sommelier Dietmar Fritz und Wheena Roisch. Das Weinsinn zeichnet sich nach wie vor durch Weinkompetenz aus, die Karte hat gerade in Deutschland und Frankreich viel zu bieten. Dietmar Fritz kommt zudem ohne das nervige Sommeliergehabe aus und weiß einfach kurzweilig zu beraten. Während das vorherige Weinsinn im Westend recht klein war, breitet sich nun an neuer Stelle eine Großzügigkeit aus, wie sie selten zu erleben ist. Die Tische, von denen man auf die offene Küche blicken kann, stehen in angenehmen Abstand zueinander. Das Restaurant zeigt Design und Kunst, schafft aber vor allem durch seine enorme Raumhöhe und eine  sonst kaum zu erlebende Luftigkeit eine sehr angenehme und entspannte Atmosphäre. Die kleine und bescheidene Hinterhofterrasse wird derzeit nur zum Aperitif genutzt, im nächsten Jahr sollen dort 22 Gäste Platz finden. Das Lokal befindet sich im Bahnhofsviertel, aber nicht im wuseligen Bereich, sondern am Rande und näher zum Theaterplatz.

 

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Weinsinn

 

 

 

 

 

 

Weinsinn, Frankfurt, Weserstraße 4, Tel. (069) 56 99 80 80.

Dienstag bis Samstag, ab 18.30 Uhr, Sonntag + Montag geschlossen.

www.weinsinn.de

 

 

Oktopus

Oktopus

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rinderzunge, schnalzig

Rinderzunge, schnalzig

 

 

 

 

 

 

 

Sandorrn-Dessert

Sandorrn-Dessert

 

 

 

 

 

 

 

Weinsinn

 

 

 

 

 

 

 

 

Weinsinn

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Photocredit: Barbara Fienhold

 




Warnung vor dem Garen mit Stickstoff

Techniken der Molekularküche auf dem Prüfstand

 

Nach Italien sind die USA das zweite Land, das Techniken der Molekularküche skeptisch sieht. Am 30. August hat die einflussreiche Food and Drugs Administration (FDA) vor dem Garen mit flüssigem Stickstoff gewarnt. Konkret bezieht sich die Warnung nicht auf den Stickstoff selbst, sondern auf besonders populäre Arten der Zubereitung „am Verkaufsort, unmittelbar vor dem Verzehr“, was natürlich auch den Speisesaal und den Bartresen erfasst.

Die FDA erklärt: „Flüssiger Stickstoff kann, obwohl er nicht toxisch ist, schwere Schäden an Haut und inneren Organen verursachen, wenn er wegen der extrem niedrigen Temperaturen… falsch gehandhabt oder versehentlich eingenommen wird. Das Einatmen des Dampfes, der von einer Nahrung oder einem Getränk freigesetzt wird, die durch die Zugabe von flüssigem Stickstoff unmittelbar vor dem Verzehr hergestellt wurde, kann ebenfalls zu Atembeschwerden führen, insbesondere bei Personen mit Asthma…. Die FDA hat schwerwiegende – und in einigen Fällen sogar lebensbedrohliche – Verletzungen, wieSchäden an Haut und inneren Organen, die durch flüssigen Stickstoff verursacht werden, der noch in Lebensmitteln oder Getränken vorkommt, festgestellt. Es gab auch einen Bericht über Schwierigkeiten beim Atmen nach dem Einatmen des Dampfes, der durch flüssigen Stickstoff freigesetzt wurde, wenn er unmittelbar vor dem Verzehr hinzugefügt wurde. Verletzungen entstanden durch die Handhabung oder Verzehr von Produkten, die durch Zugabe von flüssigem Stickstoff unmittelbar vor dem Verzehr hergestellt wurden, selbst nachdem der flüssige Stickstoff aufgrund der extrem niedrigen Temperatur des Lebensmittels vollständig verdampft ist.“

Bereits Geschädigte werden gebeten, sich bei „MedWatch“ registrieren zu lassen. Die Technik des Garens mit flüssigem Stickstoff wurde vor etwa 15 Jahren durch Köche wie Ferran Adrià (El Bulli, Spanien) und Heston Blumenthal (The Fat Duck, England) populär. In den USA wird sie in Restaurants und Bars sowie bei Speiseeishändlern eingesetzt.

Jörg Zipprick

 

Weitere Quellen:

https://www.fda.gov/Food/RecallsOutbreaksEmergencies/SafetyAlertsAdvisories/ucm618058.htm?utm_campaign=CFSANCU_Nitro_08302018&utm_medium=email&utm_source=Eloqua

http://www.foodswinesfromspain.com/spanishfoodwine/global/training/cooking-techniques/cooking-technique-detail/REC2017737083.html

https://www.youtube.com/watch?v=t3VPeyYL-fI

https://www.youtube.com/watch?v=zYZwYxrJi0Y

https://www.bbc.com/news/uk-england-lancashire-34269286

https://www.theguardian.com/uk/2012/oct/08/teenager-stomach-liquid-nitrogen-cocktail

https://www.ahgz.de/regional-und-lokal/koch-verliert-bei-kochexperiment-beide-haende,200012165962.html




Rosé-Wein: Die Farbe des Sommers

Vom Modetröpfchen

zum Lustwein

 

Es gibt Tage, an denen man sich nur mit einem Rosé anfreunden möchte. Im Sommer  sind solche Begegnungen besonders häufig. Wir haben viele gute Freunde unter den Roséweinen, wobei die Qualität weltweit gestiegen ist. Es ist aber ein Unterschied, ob man Rosé in Bad Wimpfen oder an der Côte d´ Azur trinkt. Die azurblaue Küste ist ein Quell für den lebensfrohen Rosé. Gut, meist werden überteuerte Touristenweine aufgetischt, aber es gibt auch herausragende Beispiele abseits vom Mainstream.

Das Château Minuty befindet sich über dem Golf von Saint-Tropez und wird von üppigen Palmen, Platanen und Rosen romantisch verzaubert. Der elegante Rosé M schimmert lachsrosa im Glas und ist von seidiger Struktur. Der Wein ist animierend trocken, ungemein frisch und wird dezent von einer feinen Fruchtigkeit begleitet. Der zarte Duft von Beeren und Kräutern ist so präsent wie nötig und so zurückhaltend wie möglich. Es setzt jedenfalls gleich eine enorme Trinkfreude ein, die bei der ersten Flasche nicht beendet sein wird. Der Minuty M wird aus den Rebsorten Grenache, Cinsault und Tibouren erzeugt. Für uns ein Rosé par excellence. Endverbraucherpreis ca. 11 €. Wird von vielen Händlern geführt.

Mehr Urlaub in einem Glas kann es kaum geben: Die Domaine de Marchandise schenkt uns einen so köstlichen, nach praller Lebensfreude und Sinnlichkeit schmeckenden Rosé-Wein ein, wie er nicht besser sein kann. Er schwebt in perfekter Harmonie über die Zunge und zeigt sich frisch, saftig, dicht und präzise in Ausdruck und Aromatik, wobei ihn ein Hauch Waldbeeren und ein Touch Grapefruit abrundet. Der Rosé Côte de Provence aus den Rebsorten Syrah, Grenache und Cinsault lädt durch seine kühle Noblesse zum Weitertrinken ein, was gerade für die Gastronomie wichtig ist, die nicht möchte, dass die Gäste nach dem ersten Glas müde werden und sich gelangweilt fühlen. Man kann diesen fabelhaften Wein zu gegrillten Fisch und der würzigen Knoblauch-Kräuter-Küche Südfrankreichs trinken, er lässt sich aber auch ganz einfach solo genießen. Am meisten Freude bereitet er, wenn man ihn im wunderschönen Roquebrune-sur-Argens trinkt oder im nahen Weingut der Domaine de Marchandise. Es gibt ihn aber auch im Frischeparadies in Frankfurt, wo man ihn ebenfalls mit viel Spaß im Glas im Bistro zu den Fischgerichten trinken kann. Zu bestellen auch bei www.alleswein.com  Endverbraucherpreis: 11,40 €.

 

 

Der bekannteste Promi-Rosé ist der von Brad Pitt und Angelina Jolie und ihrem Château Miraval in der Provence, der von der Weinfamilie Perrin vinifiziert wurde. Uns hat der Tropfen (17 €) nicht beeindruckt, möge er auch von vielen übermäßig gelobt werden. Ein anderer und eher interessanter Rosé mit Starstatus ist gerade auf den Markt gekommen und trägt den schönen Namen: Diving into Hampton Water. Das Etikett ist eines Design-Preises würdig und regt ganz sicher zum Kauf an. Der Wein entstammt einer gemeinsamen Idee von dem amerikanischen Rocksänger Bon Jovi, dessen Sohn Jesse Bongiovi (so der richtige Familienname) und dem ehemaligen französischen Rugbyspieler Gérard Bertrand, der längst sein eigenes Weingut in Südfrankreich betreibt. Man wollte mit diesem gemeinsamen Rosé südfranzösisches Savoir-Vivre und den lässigen Lifestyle der US-Ostküste einfangen. Die Trauben für den Wein (Grenache, Cinsault, Syrah, Mourvedre) stammen aus dem Languedoc. Im Haus in den Hamptons von Bon Jovi wurden Roséweine bislang als „rosa Saft“ getrunken. Ihr Rosé ist aber kein „Bed of Roses“. Der Hampton Water Rosé (ca. 19,95 € bei Weinwolf, Beesdo & Cap) hat eine forsche Frische, entfaltet diskrete Fruchtaromen mit leichter Dominanz der Himbeere, wirkt aber zu keiner Zeit blumig. Diving into Hampton Water lädt auf schöne und auffrischende Weise zum Abtauchen ein.

Ludwig Fienhold

 

 




Deutschlands beste Italiener: Marcello Fabbri vom Anna Amalia wird Weinbar-Koch

Veränderungen an der Spitze

  
Sternekoch Marcello Fabbri vom Restaurant Anna Amalia im historischen Hotel Elephant in Weimar zählte für uns zu den besten drei Italienern in Deutschland. Nach 25 Jahren hört er dort auf, weil das Hotel jetzt mehr auf Regionalküche setzen möchte. Die gab es zwar schon längst gut gemacht im einstigen schönen Kellerlokal, das neue Hotelmanagement der Arcona-Hotels in Rostock hat jedoch andere Pläne. Marcello Fabbri wechselt offiziell am 18. September in die Weinbar Weimar. Das erfolgreiche Weinkonzept, unter anderem mit mehr als 100 offenen Offerten, wird beibehalten. Doch schon bald wird es mehr als Barfood geben, denn Marcello Fabbri will ein kleines feines Menü und andere Gerichte mit Italo-Feeling und Qualität servieren. 
 
Der 47 Jahre alte Fabbri hielt seit 2003 ununterbrochen einen Michelin-Stern und war gerade in den Anfangsjahren engagierter als die meisten seiner Mitbewerber. Er hätte das Talent gehabt, das erste italienische Restaurant in Deutschland mit zwei Sternen zu führen, aber das Hotel Elephant neigte schon immer zu dickhäutiger Behäbigkeit und hat sein Spitzenrestaurant nicht gut genug verkauft.  
 
Unvergessen bei Marcello Fabbri: Mürbe geschmortes Ochsenschwanz-Brasato in kraftvoll-eleganter Rotweinsauce; Tintenfisch-Risotto mit geschmorten Calamaretti; Kabeljau in Holundersauce; Paprika-Risotto mit Garnelen und Pesto-Eis; Zanderwürstl in der Kartoffelkruste; Cannellini-Bohnen-Sülze.
 
Marcello Fabbri hat noch einige Gastspiele in Deutschland zu absolvieren und denkt über weitere Engagements nach. Sein Nachfolger im Hotel Elephant wird Johannes Wallner, der bislang im Restaurant Clara im historischen Erfurter Kaisersaal arbeitete und ebenfalls mit einem Stern glänzen kann. Elephant und Kaiseraal haben vor allem eine Gemeinsamkeit: Sie nutzen das Internet schlecht bis gar nicht, um sich zu präsentieren.  
 

Küchenchef Kubenz

Für die italienischen Spitzenrestaurants in Deutschland ist der Abgang von Marcello Fabbri weit mehr als eine kleine Veränderung, die Topliga ordnet sich neu. Neben Carmelo Greco beweist das besonders kreative und neu konzipierte Biancalani in Frankfurt, wie italienische Küche auch gehen kann. Das Aquarello von Mario Gamba in München, Enzo im Düsseldorfer Schiffchen und Ana Sgroi in Hamburg gehören zu den Top Five. Die meisten Spitzenitaliener in Deutschland zeigen wenig Mut zur Veränderung. Oft werden Klassiker dezent modernisiert.  Wenn Carmelo Greco gut in Form ist, serviert er unschlagbar famose Gerichte. Wenn das Biancalani in Frankfurt weiter so phantasievoll bleibt und seine Position noch beständiger ausweitet, hätte es das Potential sich an die Spitze in Deutschland zu setzen.   
 
Ludwig Fienhold
 
Siehe auch BISS-Artikel „So schmeckt Italien“ mit den besten italienischen Restaurants in Deutschland




Restaurant Ente: Wiesbaden bleibt Entenhausen

Kulinarische Bravourstücke

Topweine & Servicestärken

 

Von Ludwig Fienhold

Die Ente ist eines der ältesten Gourmet-Restaurants in Deutschland, aber nicht in die Jahre gekommen. Sie hält seit fast vier Jahrzehnten einen Michelin-Stern, wobei mit Michael Kammermeier die Küche in den letzten Jahren so gut wie nie zuvor wurde. Auch aktuelle Besuche belegen dies eindrucksvoll.

Küchenchef Michael Kammermeier ist gereift und hat die Vierzig übersprungen. Mag sich in Wiesbaden und auch im Hotel Nassauer Hof viel verändert haben, seine Ente hält dem Gegenwind stand. Das Wappentier steht immer in irgendeiner Variante auf der Speisekarte. Die Heide-Ente aus dem Rohr ist ein großartiger und am Tisch tranchierter Klassiker, die gehobelte Entenleber mit Quitte, Quittengelee, Kakaosplittern und Salzbutterbrioche könnte man täglich essen, und die Challans-Ente gehört zum Besten, was man überhaupt bekommen kann.

Ente in allen Varianten

Ente, am Tisch tranchiert

Die rosa gebratene Challans-Ente ist ein Bravourstück. Sie ist saftig, zart und feinaromatisch, doch die ganz große Pointe setzt die knusprige und umwerfend gut gewürzte karamellisierte Haut. Schwarzer Pfeffer, Szechuanpfeffer, Senfkörner, Fenchelsaat, Piment, Koriander, essbare Lavendelblüten, Steineichenhonig und Meersalz sind die Grundlage dafür. Und Paradieskörner, auch Guineapfeffer genannt. Dieser dient nicht nur als Gewürz und Heilkraut, man kann auch Rauschmittel daraus machen. Wir sind jedenfalls süchtig nach dieser Ente. Michael Kammermeier variiert die Canards de Challans und wählt als Begleitung Kürbisspätzle, Rosenkohl und Zimtblütenjus oder Sellerie Pumpernickel-Knödel, Pfifferlinge und Chicorée. Sehr schön auch die Challans-Ente mit Bohnencreme, Pfirsichspalten und Steinpilzen. Kammermeier gehört zu den wenigen Köchen in Deutschland, die auch mit einer Entenpresse arbeiten – ein schönes Schaustück, das eine wunderbare Sauce aus Entensaft, Cognac und Madeira ermöglicht.

Highlights der Küche

Zander im Erbsensud

Seezunge und glasierter Hahnenkamm in Teriyaki mit Speck-Dashi; Kabeljau mit geschmolzener Gänseleber mit Sellerie, Graupen, Pinkel und Grünkohlsaft; bretonischer Rochenflügel mit Erbsengnocchi, Holunderblütenessig und Schweinskopfjus. Längst arbeitet man auch wieder näher am Gast. Das kraftstrotzende Kalbskotelett wird am Tisch im Ganzen vorgelegt und aufgeschnitten, was die Vorfreude erhöht. Ein solch athletisches, saftig-zartes Stück Lebenskraft bekommt man in dieser Qualität nicht oft.

Neues von der Speisekarte

Entenherzen

Der pralle Steinbutt, der mit einer hauchdünnen Scheibe vom Kalbskopf belegt wird, steht harmonisch im Einklang mit sautiertem Kopfsalat und feinem Schinkensaft. Bestens gegarter Zander und kleine Chorizo-Scheibchen mit Pfifferlingen und Zartweizen werden durch einen noblen und leicht süßlichen Erbsensud geadelt. Beim Tataki vom Aberdeen Angus wird raffinierte Power-Würze aus Teriyaki, Chili, Koriander und schwarzer Knoblauchpaste forsch eingesetzt, wobei die Küche sonst eher die leisen Töne schätzt. Ente wird nicht nur in konventioneller Art serviert, die Küche traut sich auch immer etwas, denn sie kann auf neugierige Gäste zählen. Die französischen Entenherzen im Schwarzbrotmantel mit Brennnesselcreme, Senfkörnern und zartem Kohlrabi sind ungewöhnlich und sehr gut. Als Gast kann man immer wieder spannende Kombinationen erwarten. Auch bei den Desserts: Pfirsichtarte mit Basilikum, Himbeeren und Quinoa-Krokanteis.

Weinberatung

Sommeliere & Restaurantleiterin Marcella Schaefer

Die beiden Sommeliers Kai Schattner und Sebastian Mac Lachlan Müller haben die Ente und ihre Gäste in besten Weinen baden lassen. Solche kompetenten Charaktere werden immer seltener, doch Nachfolgerin Marcella Schaefer (zuvor Pickelein) setzt guten Geschmack, Fachwissen und Charme so gut ein, dass man auch gerne ein Glas mehr trinkt. Es macht jedenfalls unglaublich viel Freude, sich gleich von ihr die richtigen Weine zu den Gerichten empfehlen zu lassen. Etwa einen wunderbar gereiften Gewürztraminer von der Domaine Zind-Humbrecht zum peppigen Tatiki oder den verführerisch expressiven Grünen Veltliner vom Schloss Gobelsburg aus dem Winzer-Paradies Langenlois, der zum Zander im Erbsensud genauso gut passte wie zu den Entenherzen. Die Weinkarte listet nicht mehr wie einst über 1000 Positionen, sondern rund 400, aber wenn die Qualität wie hier in der Ente stimmt, reicht das vollkommen aus. Zudem soll es ab Herbst noch eine Raritätenkarte mit 50 besonderen Weinen geben. 

Aussichten

Küchenchef Michael Kammermeier

Dem Grandhotel Nassauer Hof stehen weitere gravierende Veränderungen bevor. Nach dem Abschied von Karl Nüser im Dezember 2015 gab es gleich zwei schnelle Managementwechsel, jetzt wird Carla Lopes als Direktorin das Hotel führen (siehe BISS-Artikel „Das Granddhotel Nassauer Hof wird erstmals von einer Frau geführt“). Der starke Mann bleibt jedoch der Unternehmer Dirk Iserlohe, Dorint-Aufsichtsrat und Konzernchef der Finanzholding Honestis. Er will den Nassauer Hof im nächsten Jahr deutlich umgestalten und aus einstigen Hotelzimmern neue und größere Luxusresidenzen machen. Am Schluss soll es 105 Zimmer und 15 Residenzen geben. Der Nassauer Hof wird Teil der neuen Premiumlinie Hommageder Dorint-Hotelgruppe werden, zu der auch das Parkhotel in Bremen, der Söl´ring Hof auf Sylt und das Maison Messmer in Baden-Baden gehören. In solchen Zeiten der starken Umbrüche bleibt das Restaurant Ente eine wichtige Konstante.

 

Hotel Nassauer Hof, Restaurant Ente, Wiesbaden, Kaiser-Friedrich-Platz 3-4, Tel. 0611 133 666. Geöffnet Di-Fr: 18.30 – 22 Uhr, Sa 12 – 15 Uhr und 18.30 – 22 Uhr. www.nassauer-hof.de

Terrasse

Lammrücken

Dessert

Tatiki

Amuse

Pre-Dessert

 

 

 

 

Photocredit: Barbara Fienhold

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 




Neues Hotel Roomers Park View für Frankfurt

Hotelturm mit Skyline-Bar

am Grüneburgpark

 

Im noblen Frankfurter Westend, direkt am Grüneburgpark, soll ein zweites Roomers entstehen. Nach den Worten der Betreiber, Micky Rosen und Alex Urseanu, ist die Eröffnung für Ende 2020 geplant. Das Roomers Park View soll 136 Zimmer und Suiten bekommen und mit Parkblick im Grüneburgweg 102 entstehen. Das Hotel will sich auf Suiten fokussieren und ein nicht alltägliches Gastronomiekonzept präsentieren. Die Bar in der 19. Etage bietet einen Blick auf die Skyline, im 18. Stockwerk entsteht ein exklusiver Spa. Wie bereits im Roomers in Baden-Baden, konnte die Gekko Group für das Interior Design den Mailänder Designer und langjährigen Freund der Gruppe Piero Lissoni verpflichten.

Das Gesamtprojekt umfasst zwei Gebäude, der Hotelturm wird dabei 19 Stockwerke umfassen und ein weiterer Turm 26 Stockwerke. Hier entstehen Eigentumswohnungen, die den Service des Roomers in Anspruch nehmen können. Projektentwickler und Vermieter ist ein Joint Venture der RFR Gruppe der Immobilienriesen Aby Rosen und Michael Fuchs (New York) und dem Immobilienkonzern Hines (Housten). Mit Aby Rosen und Michael Fuchs arbeiten Alex Urseanu und Micky Rosen bereits seit dem ersten Roomers in der Gutleutstraße in Frankfurt zusammen.

Die Gekko Group mit Hauptsitz in Frankfurt am Main wurde im Jahr 2001 von Micky Rosen und Alex Urseanu gegründet. Zum Portfolio gehören in Frankfurt das Hotel Roomers, das Bristol Hotel sowie die Design Hotels The Pure und Gerbermühle. Darüber hinaus zählen 300 möblierte Apartments, die Bristol Bar, die Gekkos Bar sowie das Restaurant Moriki in den Deutsche-Bank-Türmen zur Gekko Group. Seit 2016 expandiert das Unternehmen in Deutschland und so eröffnete im November 2016 das Roomers in Baden-Baden, im März 2017 das Provocateur in Berlin und zuletzt im Oktober 2017 das Roomers in München. Die neue Hotelbrand „Gekko House“ wird in Frankfurt Ende 2019 seine Türen öffnen und das Roomers Park View im Frankfurter Westend voraussichtlich Ende des Jahres 2020 die ersten Gäste empfangen.

Das Gekko House wird eine völlig neue Brand im Portfolio der Gekko Group. Das erste Haus soll auf der Mainzer Landstraße Ende nächsten Jahres eröffnen, ein Neubau mit 130 Zimmern. Gekko House wird eine junge coole Brand, ein Lifestyle-Hotel mit der gleichen DNA und gleichen Philosophie wie Roomers, aber jünger und noch unkomplizierter, meint Micky Rosen. Es wird ohne Spa, Portier, 24h Roomservice oder Tagungsbereich auskommen. Im Blickpunkt stehen aber auch hier Food & Beverage, mit Bar, Restaurant und Dachterrasse. Das Restaurant im Erdgeschoss wird ein Chicago Williams, ein BBQ-Restaurant Konzept, wie es bereits in Berlin-Mitte existiert.




Die Sterne von Amsterdam: Restaurant Ciel Bleu

Das Hotel Okura hat gleich drei Sterne-Restaurants

 

Die lässigste Stadt Europas

 

Alles gut von

Imbiss bis Gourmet

 

Von Ludwig Fienhold

 

Erotik-Museum, Sex-Museum, Haschisch-Museum – das schafft nur Amsterdam. Im Gegensatz zu Frankfurt oder Berlin sind dort sogar die Radfahrer erträglich. Mit dem Okura hat die Stadt ein einmaliges Gourmet-Hotel zu bieten, in dem gleich drei Sterne-Restaurants zu Hause sind. Die beiden japanischen Lokale sind schon gut, aber das 2-Sterne-Restaurant Ciel Bleu von Onno Kokmeijer verführt noch mehr. Gänseleber-Eis, Earl Grey Mousse und Bier-Granité mögen nach Effekthascherei klingen, werden aber geschmacklich subtil wie alles hier zubereitet. Einige ehemalige Amsterdamer Sterne-Köche wollen nur noch Spaß haben und Geld verdienen. In der Ron Gastrobar tischen bildhübsche Mädels beste Bistroküche und gerne auch Weine und Champagner aus der Magnum auf. Ron Blaauw führt außerdem The Fat Dog, einen sympathischen Imbiss mit richtig guten Hot Dogs. Der Laden ist immer brummvoll. Amsterdam ist eine der ganz wenigen Weltstädte, die sehr entspannt sind. Und das liegt nicht am allgegenwärtigen Cannabis.

Onno Kokmeijer

Onno Kokmeijer

Das Hotel Okura in Amsterdam ist nun wirklich mal ein Gourmet-Tempel, mit gleich drei Spitzenrestaurants. Wie bei japanischen Adressen nicht unüblich, erscheint vieles recht sachlich, doch die ausgezeichnete Weinkarte vom Belgier Noël Vanwittenbergh im Restaurant Ciel Bleu verhilft dem Namen entsprechend in eine blaue Himmelsstimmung. Im 23. Stock schwebt man ohnehin schon in den Wolken, was die spannende Küche von Onno Kokmeijer deutlich verstärkt. Das Restaurant ist seit Jahren jeden Abend ausgebucht (60 Plätze + Chefs Table), 80 Prozent der Gäste sind Externe.

Es gibt inzwischen so viele Signature Gerichte im Ciel Bleu, weshalb die Küche diese immer wieder auf die Karte bringen muss. Eine der schönsten Delikatessen sind dabei die ätherischen zartknackigen Langustinen mit einem Hauch Granny Smith in seidiger Gänselebersauce. Als elegantes, geschmeidiges und komprimiertes Stück Lebensfreude begeistert King Crab mit Kaviar vom sibirischen Stör und Eiscreme von Beurre Blanc nebst  Limette. Fein, aromatisch, leicht – die Küche vom Ciel Bleu hat eine ganz beschwingte Handschrift. Ein wenig Entertainment am Tisch gehört auch dazu. Beim Seebarsch mit Tintenfisch und Yuzu-Öl in Pulpo-Boullion schwebt eine frische Brise mit dem Teller ein, die Consommé wird in einer Kaffeemaschine serviert.

Le Ciel bleu

Le Ciel bleu

Rücken und Sattel vom britischen Dorset Lamm werden in einem Miniaturgrill am Tisch nachbereitet und mit geröstetem Quinoa bereichert. Dieser perfekt zubereitete und eher rustikale Teller passt sich als Fleischgang gut in die sonst mehr kreativen Kapriolen ein und verhilft zu einer willkommenen Deftigkeit. Das Ciel Bleu beschert einen Reigen von Highlights, bis hin zu den Desserts: Gänseleber-Eis mit einer Sherry- und Kaffee-Emulsion, das Earl Grey Mousse mit Lychee-Granité wird mit dem hoteleignen Imperial Stout Bier serviert.

Amuse Thai

Amuse Thai

Im Restaurant wird der sogenannte französische Service gepflegt: Immer präsent, nie aufdringlich. Maître Pasquinel Kolk und sein Team treten nicht formell, sondern locker gastfreundlich auf. Sommelier Noël Vanwittenbergh ähnelt ein wenig dem verschmitzten Albert Einstein und kann viele geniale Weine anbieten. Der Chefs Table, der wie eine Bar um die Küche aufgebaut ist, gibt einen besonders guten Einblick in die Arbeit von Onno Kokmeijer und seiner rechten Hand Arjan Speelmann. Man sieht oft, dass die beiden richtig Spaß an ihrer Arbeit haben und gute Vertreter der lässigsten Stadt Europas sind.

Ciel Bleu im Hotel Okura, Amsterdam, Ferdinand Bolstraat 333.

Tel. 0031 206787450. www.okura.nl

Preise: 150 – 240 € (ab 5 Gänge)

Täglich 18.30 – 22 Uhr, Sontag geschlossen

 

Japan Deluxe

Yamazato Sake-Dinner

 

Küchenchef Tomikawa

Küchenchef Tomikawa

Ein besonders hochwertiges Gourmet-Erlebnis der japanischen Art bietet das Yamazato im Hotel Okura. Küche im Kaiseki-Menü-Stil (1 Michelin Stern), klassisches Japan-Ambiente am Seerosenteich mit Koi-Fischen und die einzige Sake-Sommeliére Hollands formen eine erfreulich entspannte Genusswelt. Die mild lächelnden Servicedamen im Kimono schlurfen anmutig und Teekännchen schwenkend von Tisch zu Tisch. Der ebenfalls sichtbar gut gelaunte Küchenchef Tomikawa stammt aus Tokio und lebt seit 19 Jahren in Amsterdam. In seiner Brigade arbeiten 20 Mitarbeiter, alle kommen aus Japan.

„Unser Gemüse kommt aus Holland und ist gut“, meint Tomikawa, „doch ein Großteil des Fischs wird jede Woche frisch dem Süden Japans geliefert.“ Für ein anspruchsvolles japanisches Restaurant wie das Yamazato bildet gute Rohware das Rückgrat der Küche. Daraus entstehen messerscharfe Sashimi-Gerichte, blitzsaubere Fischsuppen und feine Meeresfrüchte. Küchenchef Tomikawa liebt die Kinome Leafs vom japanischen Pfefferbaum und setzt die hauchzart nach Pfeffer, Minze und Limone schmeckenden Blätter auch gerne ein. Und er mag Kirschblüten, die ebenfalls Verwendung finden. Zum Beispiel bei der Kirschblütenessenz, die mit Sekt aufgegossen wird und ein ganz sanftes Aroma entfaltet. OkuraDer Back Cod ist ein Must-eat. Der saftige buttrige Fisch, mariniert und gegrillt, wird mit Kirschblüten, zimtigen Soyabohnen, Eiweiß mit Wasabi sowie Sakehefe-Schaum on top sinnlich kombiniert. Ob gedämpfter Aal mit süßen Reiskuchen oder Hühnchen mit Sansho-Pfeffer, die Küche arbeitet geschmacklich ungemein sensibel und präzise. Normalerweise wird wenig Fleisch im Menü angeboten, zumal dies beim Sazanka nebenan mehr im Vordergrund steht, dem einzigen Teppanyaki-Restaurant in Europa mit einem Michelin-Stern.

OkuraSake-Sommelière Saskia Smeenk setzt im Restaurant Yamazato, wenn es denn der Gast wünscht, zu jedem Gang Wein und Sake nebeneinander ein. Obwohl die Weine gut passen, harmonieren die Sake stets eine Spur besser zu den Gerichten. Japan meets Japan. Eine solch noble Mariage von Sake und Speisen findet man selten auf der Welt. Der Sake Soma no Tengu, der „Waldgeist“ aus Shiga, ist ein unfiltrierter Stoff, wolkig wie die Japaner sagen. Er ist rund, cremig, dicht strukturiert und wird von einer noblen Süße getragen, die einen Hauch Kokos spüren lässt. „Das ist so etwas wie der Chardonnay unter den Sake, aber ein sehr guter“, wie Saskia Smeenk meint. Sie und ihre Sake allein machen einen Restaurantbesuch zu einer heiteren und genussvollen Lehrstunde.

 

OkuraYamazoto, täglich von 18 – 21.30 Uhr, Samstag + Sonntag 12 – 14 Uhr. Tel. 00 31 20 6787 450.

 

Photocredit: Barbara Fienhold

 




Robuchon: Erinnerungen an einen der letzten der großen Köche

Geniestreiche mit Kartoffelbrei,

Ravioli und Schweinskopf

 

Von unserem

Frankreich-Korrespondenten

Jörg Zipprick

 

Der französische Jahrhundertkoch Joël Robuchon starb mit 73 Jahren an Krebs. Sein Name steht für ein weltumspannendes Imperium mit Restaurants in Paris, Bangkok, Hong Kong, Las Vegas, London, Macao, Monaco, Montréal, New York, Shanghai, Taipei und Tokio. Doch jenseits allen Erfolgs steht Robuchon auch für eine Küche der Intelligenz und Präzision, die uns heute bitter fehlt. 

Robuchon hatte streng genommen zwei Küchenleben, und beide stellte er unter das Motto „Konsequenz und Effizienz“. Das erste Leben begann mit 15 Jahren, als er das elterliche Heim verließ, um die „Tour de France des Compagnons“ zu beginnen, die härteste und schwierigste Ausbildung von ganz Frankreich: Als Wandergeselle müssen die Berufsanfänger dabei jahrelang für einen Hungerlohn von Compagnon zu Compagnon ziehen um ihr Metier zu erlernen. Für den letzten Schliff sorgten bei Robuchon einige Jahre im Berkeley, damals eine der Top-Adressen, in der sich das vornehme Paris flambierte Kalbsnieren, Pfeffersteak und Pistazienkuchen schmecken ließ. 1970 unterschrieb der zukünftige Jahrhundertkoch seinen ersten Vertrag als Küchenchef – auf dem Seine-Boot „Ile de France“. Vier Jahre lang bewirtete er dort Touristen, bevor er den Herd des Pariser Hotels Concorde-Lafayette an der Porte Maillot übernahm. Die drei Restaurants des 1000-Zimmer-Hauses und die kulinarische Tagesarbeit vom Frühstücksservice bis zum Bankettbetrieb hielten den jungen Joël schwer in Atem. „Dabei lernt man Disziplin“ sagte er mir einmal. Eine Qualität die auch sein nächster Arbeitgeber, das Hotel Nikko, zu schätzen wusste: Robuchon durfte hier zum ersten Mal zeigen was er kann und kochte die triste Betonburg in Rekordzeit in die Riege der begehrten Schlemmeradressen. Gäste und Kritiker wurden auf den Mann aus dem westfranzösischen Poitiers aufmerksam, das neue Küchentalent beteiligte sich an Kochwettbewerben wie dem Prix Taittinger – und gewann. Die zwei Sterne, mit dem der Michelin seine Arbeit würdigte, durfte er 1981 beim Umzug in sein eigenes Restaurant, nach dem Vorbesitzer „Jamin“ genannt, mitnehmen.

Robuchon & Team

Anfang der achtziger Jahre verdaute die französische Gastronomie die Exzesse der Nouvelle-Cuisine-Zeit. Die Cuisiniers der Grande Nation begannen gerade, die ersten Kiwi-Lieferungen abzulehnen und sich die Frage zu stellen, was man den Gästen außer Brokkolimousse denn sonst noch anbieten könnte. Und dann eröffnete das Jamin, ein Lokal mit klaren schnörkellosen Gerichten ohne Firlefanz und störendes Beiwerk, immer bestens durchdacht, realisiert und präsentiert. Als einer der Ersten schmückte Robuchon die Karte seines neuen Restaurants mit verfeinerten Versionen klassischer und ländlicher Gerichte, ließ Lammbraten in Salzkruste, Merlan Colbertoder Schweinskopf Ile de Franceservieren. „Ich habe einfach das Gegenteil der anderen gemacht“ erklärte Robuchon. So wurde das Jamin zu einem der „Geburtsorte“ der französischen Küche von heute, mit feiner, raffinierter Cuisine, die dennoch von der ländlich-rustikalen „Cuisine du terroir“ inspiriert blieb. „Zu kochen wie Robuchon“ lautete schnell der Traum einer ganzen Generation junger Küchenchefs. Die wenigen Plätze für Lehren und Stagen waren heiß begehrt – obwohl über die Arbeitsbedingungen die wildesten Gerüchte kursierten. „Im Jamin gibt es nicht einmal genug Bestecke fürs Personalessen, wer nicht gut arbeitet bleibt hungrig“, lautete eines davon. „Wer den berühmten Kartoffelbrei nicht richtig anrührt, muss die Töpfe mit dem verkorksten Püree selber auslöffeln“, ein anderes. Aber eine Lehre bei Robuchon öffnete die Tür zur ganz großen Karriere. 

Mit zunehmendem Erfolg wurde Robuchon zum Berater des Nahrungsmittelunternehmens Fleury-Michon. Neue Kreationen aus den Töpfen und Pfannen des Meisters wurden unterdessen im ganzem Land kopiert: Mit seinen „Ravioli von Langustinos und Kohl“ löste Robuchon eine regelrechte Ravioliwelle aus, die jahrelang in den Küchen der Hauptstadt tobte. Variationen seines weltberühmten Purée de Pommes de Terre – einem wunderbar geschmeidigen Kartoffelbrei, der zur Hälfte aus Butter besteht – schmücken bis heute die Karten zahlreicher Restaurants. Die Imitatoren beißen sich an dem vermeintlich einfachen Gericht buchstäblich die Zähne aus. Nicht allein die Butter macht nämlich die pürierten Erdäpfel zum Feinschmeckergericht, sondern vor allem die richtige Kartoffelsorte. Robuchon hatte, bevor er seine Neuschöpfung lancierte, endlose Versuchsreihen mit allen bekannten Varianten gestartet und entschied sich für die Agria. Ein intensives Verfahren, das typisch für seine Küche war. Während einige Köche fast schon „aus dem Herzen heraus“ kochten und andere mit Chemikern paktieren, praktizierte der Drei-Sterne-Koch aus Paris eine „Küche der Intelligenz“, in der Zufall keinen Platz hatte. Selbstverständlich hatte „J R“ – wie ihn der Schriftzug auf seinem Kochhabit damals diskret benannte – die besten Lieferanten, beschäftigte eigene Fischer in der Bretagne und verfügte sogar über ein eigenes Kartoffelfeld beim Produzenten Clot im Pariser Umland. Aber um jeden Tag dieselbe Qualität zu gewährleisten, wurde jedes Rezept aufs Gramm genau gewogen und vermessen. Damals war das neu. Neue Gerichte testete und verfeinerte Robuchon manchmal monatelang: So entstanden zum Beispiel die Jakobsmuscheln à la Quiberonnaise – in der Schale gekocht, um schonend den Eigengeschmack zu bewahren, und vor dem Servieren mit einer fantastischen Sauce aus Orangensaft, Butter, Dill, Gurken, Karotten und grüner Zitrone geschmacklich abgerundet. Oder ein „Turban von Langustinos“, tatsächlich ein Ring aus Krustentierfarce, bei dem ein Mantel aus Spaghetti im Mund für den richtigen Biss sorgte.

Robuchons zweites Leben begann in einem Alter, in dem andere sich auf die Rente vorbereiten oder definitiv abtreten. Der große Alain Chapel starb schließlich 1990 mit nur 53 Jahren nach dem abendlichen Service an einem Herzinfarkt. „Am 50. Geburtstag mache ich Schluss, ich möchte auf dem Höhepunkt meiner Laufbahn abtreten!“ sagte Robuchon. Er hielt ein Jahr länger durch, betätigte sich als Fernsehkoch und bereitete danach ein furioses Comeback vor. Als einer der ersten Köche glaubte er fest an den asiatischen Markt und gründete mit Jean-Claude Vrinat das Luxusrestaurant Taillevent-Robuchon in Tokio. Im Land der aufgehenden Sonne, wo er in seiner zweiten Lebenshälfte nochmal eine Familie gründete, ließ er sich für ein neues Restaurantkonzept inspirieren. Japanische Restaurants sind oft klein, acht bis zwölf Gäste sitzen an einer Theke und lassen sich vom Chef bekochen. So etwas, sagte sich Robuchon, sollte doch auch anderswo möglich sein. Im Jahr 2003 lancierte er das erste Atelier de Joel Robuchon. Und das war so ganz anders als seine bisherigen Lokale: Kein Superluxus am Tisch, keine Reservierungen, stattdessen offene Küchen, frische, simple Gerichte, die direkt vor den Gästen zubereitet wurden, lockerer Service. L’Atelier war nie ein intimes Lokal für Rendezvous oder Eindruck schindende Geschäftsessen. Aber ein Restaurant, das unseren Alltag um hervorragendes Essen bereichert: Ob Langustinos in Filo-Teig, Gemüse-Tempura, Kalbsbries mit Lorbeer oder Foie Gras Spieß mit Paprika – jedes Gericht wurde und wird noch immer mit der berüchtigten Robuchon-Perfektion zubereitet. Beste Zutaten und sekundengenaue Garzeiten waren selbstverständlich, auch wenn die Zubereitungen deutlich einfacher als früher ausfielen. Gerade weil man nicht reservieren konnte, standen in der ersten Filiale in der Pariser Rue de Bac manchmal 50 bis 80 Pariser für einen Platz an der Bar Schlange. Bald gab es Ateliers auch in London, Hongkong, Las Vegas, Tokio und New York. Robuchon eroberte Asien, feierte mit Casino-Inhabern auf Macao und wurde ganz nebenbei zum Koch mit den meisten Sternen auf der Welt. Sein Name wurde zur Marke, doch niemand konnte sich beschweren, dass die Qualität nicht stimmte. Robuchons zahlreiche Schüler galten immer als eine verschworene Bande, viele machten große Karriere. Doch er hatte auch Gegner und Neider, die gerne ihre Kumpels von der Presse motivierten, öffentlich zu erklären, seine Küche sei jetzt obsolet, heute müsse man in den Chemietopf greifen oder Gerichte mit schnellen Effekten Instagram-tauglich machen. Beides tat Robuchon nie. 

Wenn große Köche abtreten, werden sie im besten Fall zur Legende. Auguste Escoffier richtete man in seinem Geburtsort Villeneuve-Loubet ein Museum ein. Fernand Points „Pyramide“ wurde jahrzehntelang von seiner Witwe als „Gedenkstätte“ weitergeführt. Und auch bei „Dumaine“ in Saulieu wurden jahrelang nur Gerichte gekocht, die der große Meister noch persönlich ersonnen hatte. Robuchon trat heute ab, und wir werden sehen, was aus seinem weltumspannenden Imperium mit Restaurants in Bangkok, Tokio, Montreal, Paris, New York und anderswo wird. Vielleicht wird sein kulinarisches Reich zur Legende, vielleicht wird es von der jüngeren, besonders ambitionierten Generation zerlegt. Allen, die ihn gekannt haben, bleibt er als der Koch in Erinnerung, der ein simples Kartoffelpüree in eine Delikatesse verwandeln konnte.

Menü von Robuchon aus den 80er Jahren, als Jörg Zipprick das erste Ma(h)l dort tafelte

Photocredit: Robuchon