Villa Kennedy wird ein Althoff-Hotel: Wiedereröffnung 2024

Eines der schönsten Hotels

in Frankfurt bleibt als

Luxusherberge bestehen

 

Eine gute Nachricht für Frankfurt und die Hotellerie: Nach einer Renovierung soll die ehemalige Villa Kennedy im Herbst 2024 als ein Althoff Hotel wiedereröffnet werden. Die Nobelmarke „Collection“ der Gruppe steht auch für ambitionierte Gastronomie. Darüber aber herrscht bei Althoff derzeit noch Schweigen

Die Villa Kennedy wurde 2006 als ein Rocco Forte Hotel eröffnet und war rein optisch ein absoluter Leckerbissen. Die Gastronomie hat es indes zu keinem Zeitpunkt geschafft über eine beliebige Mittelmäßigkeit hinauszukommen. Das Hausrestaurant Gusto war für die Frankfurter kein Anziehungspunkt, dafür umso mehr die schöne Terrasse. Im März 2022 war Schluss mit dem gesamten Betrieb. Danach sorgte der Besitzer der Immobilie selbst für Spekulationen über die Zukunft des Hauses, da man jede Option überprüfe – auch die Umwandlung in ein Altersheim. Das ist nun vom Tisch.

Althoff Hotel Frankfurt, neues Zimmer

Althoff einigte sich mit Conren Land, dem Vertreter der Eigentümergesellschaft der Immobilie, über eine Neupositionierung am Markt. Vorgesehen ist ein Hotel mit 147 Zimmern und Suiten, darunter zwölf Signature Loft Suiten und eine 320 Quadratmeter große Präsidenten Suite. Details zum Konzept sowie weitere Informationen über die gastronomischer Outlets sowie Spa und Tagungseinrichtungen folgen später in diesem Jahr. Erst dann wird auch der neue Name des Hotels bekanntgegeben.

Als Villa Speyer wurde das herrschaftliche Wohnhaus 1901 von dem Frankfurter Architekten Alfred Günther in den historisierenden Formen der Gotik und der Renaissance für die Bankiersfamilie von Speyer erbaut. Ab 1948 beherbergte es das Max-Planck-Institut für Biophysik, nach dessen Wegzug 2003 die Privatisierung des Anwesens erfolgte und schließlich die Umwandlung in ein Hotel. Die Villa Speyer ist bis heute der historische und schönste Teil des weitläufigen Gebäudes.

Dr. Matthias Schreier, Vorstand der Conren Land AG, meint: „Ein Luxushotel und die Villa Speyer, das passt einfach zusammen.“ Entsprechend groß war das Interesse von potenziellen Nutzern und Betreibern aus der internationalen Luxushotellerie. „Wir haben uns bewusst für Althoff Hotels entschieden, denn der Name steht für jahrzehntelange Erfahrung und Qualität.“

Die Gesellschafter der Althoff Gruppe, Thomas Althoff und Frank Marrenbach, freuen sich über die exklusive Ergänzung ihrer Kollektion und den Standort: „Das Haus ist ein großartiges Objekt in einer unvergleichlichen Lage – im grünen Stadtteil Sachsenhausen, fußläufig vom Main und in der Nähe des berühmten Museumsufers, zugleich aber nur zwölf Minuten Fahrzeit vom Frankfurter Flughafen entfernt.“

Bei aller Begeisterung darf genau das aber nicht übersehen werden: Die Lage ist keineswegs so optimal. Das Hotel befindet sich weit ab von der Innenstadt, die nur mit dem Wagen zu erreichen ist (und etwas mühsam mit der Straßenbahn). Außerhalb des Hotels befinden sich nur Straßen und keine Geschäfte oder andere nette Offerten des öffentlichen Lebens. Dieses Manko wurde bereits von den Vorgängern sträflich ignoriert, die neuen Betreiber sollten sich besser darauf vorbereiten.

Ludwig Fienhold

Siehe auch BISS Artikel „Althoff verliert Neckarvillen in Frankfurt“




Das einstige Gourmet-Schloss Lerbach eröffnet wieder  

Die Althoff-Legende wird von

den Dorint-Hotels übernommen

 

Schloss Lerbach und Sternekoch Dieter Müller sind Geschichte und in den Köpfen untrennbar verbunden. Er machte aus dem wunderschön gelegenen Hotel im Park eine Gourmet-Destination erster Klasse. Gerichte wie Cannelloni von Weinbergschnecken und Provence-Kräutern auf Mangold mit Fontina-d´Aosta-Sauce bleiben genau so lebhaft in Erinnerung wie die Terrasse mit Blick ins Grüne. Nach jahrelangem Leerstand kommt nun Bewegung auf, aus dem einstigen Althoff-Hotel wird ein Hotel der Dorint-Gruppe. 2026 soll Schloss Lerbach Bergisch Gladbach – vor den Toren der Rheinmetropole Köln – als 4-Sterne-Superior Dorint Hotel neu eröffnet werden.

Diese für die Hotellerie sehr spannende Neuigkeit gaben der Dorint Aufsichtsratsvorsitzende Dirk Iserlohe und Dorint Geschäftsführer Jörg T. Böckeler gemeinsam mit den neuen Eigentümern der Schloss- und Parkanlage, der Schloss Lerbach GmbH & Co KG des Investorenpaares Ute Reißdorf und Heribert Landskron-Reißdorf, auf der Internationalen Tourismus-Börse in Berlin bekannt.

So soll das neue Schloss Lerbach aussehen

Geplant ist eine design-orientierte Hotelanlage für Geschäftsreisende und Individualgäste. Im Mittelpunkt soll das renovierte Schlossgebäude mit seinen 125 Zimmern und Suiten stehen. Sämtliche Pläne für die Revitalisierung des gesamten Areals – inklusive einer Erweiterung mit Zimmern, Konferenzräumen und einem SPA mit Pool – sind mit dem Eigentümer inzwischen konzeptionell abgestimmt. Baubeginn ist für 2024 vorgesehen. Mit der Neueröffnung wird das Dorint Schloss Lerbach Bergisch Gladbach dann über 30 Zimmer und Suiten im Schlossgebäude, 70 Gästezimmer im Neubautrakt und weitere 25 Zimmer, darunter auch fünf Maisonette-Suiten und eine Signature Suite, in den bestehenden Nebengebäuden verfügen.

Ein Gourmet-Restaurant wie einst wird es nicht mehr geben. Das neue Restaurant mit 140 Plätzen soll mit einem regional und saisonal orientierten Speise- und Getränke-Angebot für alle Mahlzeiten ausgelegt sein. Darüber hinaus ist auch ein französisches „LeBistrot99“ vorgesehen, in dem Kunst, legere frankophile Lebensart und typisch französische Bistrot-Küche mit der rheinischen Lebensart und Küche kombiniert werden. Die klassische Hotelbar mit Außenterrasse und die Wintergarten-Lounge mit Zugang zur Außenterrasse sollen der zentrale Treffpunkt der Gäste werden.

Als weiteres Highlight ist der Weinkeller gedacht. In diesem können beispielsweise im Rahmen von Incentives, Weinproben und Wine & Dine-Abende durchgeführt werden. Dazu wird es auch eine eigene Küche für Kochkurse geben. Ergänzt wird das neue Hotel durch einen SPA-Bereich mit Indoorpool, Saunen, Ruhezonen, Treatmentzimmern, einer Fitness-Lounge und einem Schwimmteich für den Sommer.

LF




Althoff verliert Hotel Neckarvillen in Frankfurt 

Problemlage: Ein Juwel

im Bahnhofs-Trash

 

Von Ludwig Fienhold

Das Frankfurter Bahnhofsviertel ist vom hippen Ausgehrevier längst zum trashigen Problemfall geworden. Ausgerechnet dort wurde mit den Neckarvillen ein Schmuckkästchen als Hotelensemble eröffnet, das von Anfang an gegen Tand und Schmodder ringsum anzukämpfen hatte. Nun haben die Betreiber, die Althoff-Gruppe in Köln, und der Besitzer der Immobilie, die Gloram Real Estate in Frankfurt, ihre Trennung bekanntgegeben. Nach nur drei Jahren, wobei das Hotel durch den teilweisen Corona Lockdown vielleicht nicht genug Zeit für eine gute Performance fand, gerade diese Zeit aber weit besser hätte nutzen können, um die Öffentlichkeit und Frankfurt auf sich aufmerksam zu machen.

Angeblich habe das Hotel „wirtschaftlich erfolgreich“ betrieben werden können, wie es ebenso offiziell wie fadenscheinig heißt. Wenn ein Hotel wirtschaftlich erfolgreich ist, muss man ja eigentlich nichts ändern, schon gar nicht die Zusammenarbeit kündigen. Es soll auch unterschiedliche Auffassungen in der Positionierung des Hotels gegeben haben. Auf unsere Nachfrage hin, heißt es wiederum, „In Hinsicht auf das Team, die Gastronomie und die Partnerbetriebe bleibt alles unverändert, sodass die Neuerungen für die Gäste nicht sichtbar sein werden.“ Spätestens jetzt drängt sich die wiederholte Nachfrage auf, was man denn anders und besser machen wolle, wobei sich Besitzer „Gloram“ bedeckt hält und nichts weiter dazu sagen möchte. Nur dies: „Das Neckarvillen Boutique-Hotel wird ab dem 1. Juli unter eigener Leitung fortgeführt.“ Althoff ist raus, Investor Gloral Real Estate glaubt es alleine besser zu können.

Die Probleme bleiben indes die gleichen. Das Bahnhofsviertel schreckt alle ab, die allein durch ihre Schuhe signalisieren mehr Geld zu haben, als jene, die in diesem Viertel im Elend leben. Vor der Haustür des Hotels am Jürgen von Ponto Platz treffen sich Dealer und andere unangenehme Gestalten, die den ohnehin trist gestalteten Brunnen tagtäglich in eine Müllhalde verwandeln. Dieser Platz soll immerhin die Terrasse des hochpreisigen Petit Royal des Hotels sein – mehr Widerspruch geht nicht.

Das denkmalgeschützte Ensemble aus vier benachbarten Gebäuden mit 133 Zimmern zählt zu den schönsten Häusern im Bahnhofsviertel, die historischen Sandsteinfassaden mit Elementen aus Neobarock, Neoklassizismus und Jugendstil und ihre aufwendigen Dach-Schnitzereien wurden glanzvoll in Szene gesetzt. Die Zimmer sind nicht gerade groß, aber attraktiv im Stil von Art déco gestaltet. Jeder Schubladengriff ist von geschmeidiger Haptik, die schlanken Lichtschalter mag man ständig berühren. Das Auge wohnt mit. Dunkles Mahagoniholz, edles Messing, geflämmtes Parkett, samtige Stoffe und Leder. Lampen, die wie Kunstwerke erscheinen.

Mit dem Restaurant Petit Royal Frankfurt und der French Bento Bar haben die Neckarvillen zwei optisch sehr anspruchsvolle Outlets geschaffen, die das lokale Publikum dennoch nicht erreichten. Überhaupt hat das Hotel viel zu wenig auf sich und seine Gastronomie aufmerksam gemacht. Der Name Althoff steht immerhin für besondere kulinarische Leistungen.

Althoff musste schon sein Hotel Main Plaza in Frankfurt aufgeben, dass architektonisch ebenfalls glänzen konnte und anfangs mit Volker Drkosch einen außergewöhnlich guten Spitzenkoch engagieren konnte, der im Restaurant Bricks eine großartige Sterne-Küche bot. Das alles änderte nichts daran, dass sich der Besitzer, die Aachener und Münchener Versicherungs AG, von der Luxushotelgruppe Althoff trennte, weil das Hotel Main Plaza wirtschaftlich nicht erfolgreich genug war. Das Hotel wurde von den Lindner Hotels & Resorts als Betreiber übernommen, die aus dem spannenden New York Style Hotel eine gewöhnliche Tagungsstätte und ein Übernachtungshaus für Fußballteams machten und auf eine ambitionierte Gastronomie verzichteten.

Photocredit: Barbara Fienhold

 

WEIN-RARITÄTEN DINNER MIT ROMANÉE-CONTI

im Restaurant Medici in Frankfurt

 




Neueröffnung am Opernplatz: Casa de Rosé

Schick, bunt,

lässig und rosarot

 

Jetzt kämpfen sieben Lokale

am prominentesten Platz der Stadt um die Gunst

und das Geld der Gäste

 

Das gastronomische Ensemble am Frankfurter Opernplatz hat soeben Zuwachs bekommen: Das Casa de Rosé ist ziemlich bunt geworden und macht mit verspielten Formen und Farben gute Laune. Das Konzept ist noch nach vielen Seiten offen, man will Restaurant und Weinbar sein, zum Essen bitten und Gäste willkommen heißen, die nur etwas trinken möchten. Betreiber sind Adnan Sejfic und  Dennis Rimonti, die auch das Lokal Via Monte Napoleone auf der Bockenheimer Landstraße führen. Die größte Überraschung aber: Küchenchef ist René Postel, der zuvor in den Restaurants Trares, Frankfurter Botschaft und Golden Kron am Herd stand. Nach dem Ende von Trares wechselte er ins Franziska in den Henninger Turm, blieb dort aber nur einige Monate. Mit ihm ziehen zwei weitere Mitarbeiter vom Franziska ins neue Casa de Rosé. Restaurantleiter Julian Kammerer kommt aus dem Frankfurter Hof.

Inhaber Dennis Rimonti (r.) und Restaurantleiter Julian

Im Eingangsbereich, dem für uns schönsten Teil des Lokals, breitet sich vor einer Weinklimaschrankfront ein Compartment mit kleinen Tischen und Stühlen aus, die wie für ein Café eingerichtet wirken, aber vor allem jene anziehen sollen, die gerne einfach nur ein Glas trinken möchten, was sich vor und nach dem Opernbesuch auch anbietet. Das Lokal befindet sich in der Phase Soft Opening, die Speisekarte ist klein gehalten und soll auch nicht üppig werden (Preise 12-29 €). Es gibt einige Rosé (Weine und Champagner), der Rosé Champagner von Saint- Gall kostet 18,50 € (0,1l). Es gibt so einiges für die Gaja & Tignanello-Fraktion, wir schätzen die Heitlinger-Weine aus dem Kraichgau. Wir haben in diesem nagelneuen Lokal noch nicht gegessen und auch nichts getrunken und geben deshalb jetzt und heute auch noch keine Bewertung ab.

Der Opernplatz ist Frankfurts attraktivster Ort und im Sommer die schönste Sonnenbank der Stadt. Es gibt dort so etwas wie eine Rangfolge, die Poleposition hält das Amoroso inne, weiter nach hinten Richtung Hotel Sofitel muss man mehr auf sich aufmerksam machen. Das Casa de Rosé ist das letzte Lokal in der Reihe, aber auch dort sitzt man mit seitlichem Blick auf die Alte Oper. Die Mietpreise sind überall hoch, wer sich an diesem Platz verrechnet, wird nicht lange bleiben.

Die Golden Mile an der Alten Oper hat jetzt ihr Limit erreicht, es gibt keinen Platz mehr für Lokale (die gegenüberliegende Alte Oper mit ihrer Gastronomie befindet sich trotz der Nähe schon wieder auf einem anderen aber ebenfalls ausreservierten Terrain). Um die Gunst der Gäste buhlen nun: Amoroso, Charlot, Operncafé, Papa Enj, Schönemann im Sofitel, das neue Alfio´s und das superneue Casa de Rosé. Auffällig ist die stark italienische Ausrichtung der Platzhirsche. Das Casa de Rosé will aber kein weiterer Italiener sein, sondern sich von den anderen Mitbewerbern abheben.

Ludwig Fienhold

Casa de Rosé, Frankfurt, Opernplatz, Tel. 0151 17610686.

Di-Sa 11-1 Uhr, So-Mo11-0 Uhr.

 

Photocredit: Ludwig Fienhold




Schlosshotel Friedrichsruhe startet mit neuer Servicespitze

Restaurantleiter Sören Weiland und

Sommelier Max Johne frischen Team auf

 

Das Schlosshotel Friedrichsruhe, eines der schönsten Hideaways in Deutschland, ist wegen seiner Topgastronomie seit vielen Jahren als Gourmet-Destination bekannt. Das Hotel und insbesondere das Zwei-Sterne-Restaurant Le Cerf werden jetzt durch zwei neue Spitzenkräfte verstärkt: Gastronomieleiter Sören Weiland und Sommelier Max Johne.

Sören Weiland

Sören Weiland führt als Gastronomieleiter gemeinsam mit Sterne-Koch und Küchendirektor Boris Rommel den gesamten gastronomischen Bereich des Hotels, zu dem fünf  Outlets gehören, darunter das 2-Sterne-Restaurant Le Cerf und die Jägerstube. Sören Weiland machte 2011 seinen Abschluss als Restaurantfachmann im Schlosshotel Friedrichsruhe und kehrt damit jetzt in seine berufliche Heimat zurück. Weitere Stationen seiner Karriere unter anderem: Restaurantleiter beim Sterne-Italiener Ai Pero in Andernach, Restaurantleiter im Sternerestaurant Kai3 im Hotel Budersand auf Sylt. Sören Weiland zur Seite steht Barbara Schäfer im Service, die vom Bareiss in Baiersbronn nach Friedrichsruhe wechselte.

Max Johne

 

Max Johne arbeitete unter anderem als Assistent der Restaurantleitung und zweiter Sommelier im Restaurant Caroussel und dem weinkompetenten Bean & Beluga in Dresden sowie im Restaurant Aqua im Ritz-Carlton in Wolfsburg. Max Johne steht Sören Weiland zur Seite und trat am 1. März seine neue Stelle im Schlosshotel Friedrichsruhe in Zweiflingen im Hohenloher Land an. Der bisherige Gastronomiedirektor Dominique Metzger, der dort über 14 Jahre tätig war und jetzt mit seiner Frau in deren schwedische Heimat zog, galt als einer der besten Gastgeber, den das Land zu bieten hatte – in solch übergroße Schuhe muss man erst einmal hineinkommen. Doch Hoteldirektor Jürgen Wegmann ist sich sicher, dass er mit den beiden Neubesetzungen passende Größen gefunden hat. Gerade angesichts der massiven Personalprobleme in der Hotellerie & Gastronomie musste die Suche nach neuen Mitarbeitern in Toppositionen noch gründlicher ausfallen. Nach zahlreichen Gesprächen mit Bewerbern, die sich über vier Monate hinzogen, fiel die Wahl auf Sören Weiland (32) und Max Johne (34), die beide in Dresden geboren wurden.

LF 

Fotos: Barbara Fienhold




Wenn Yoko Ono Tinte und Wein mischt

Das Weingut Nittardi

in der Toskana

und seine berühmten Künstler

 

Yoko Ono ist eine von 40 weltbekannten Künstlern, die exklusiv Etiketten und sogar Einwickelpapier für das italienische Weingut Nittardi entworfen haben. Der Chianti Classico 2005 Casanuova di Nittardi trägt das Miniaturkunstwerk „Imagine You“, das sie im Original mit Tusche auf Büttenpapier entworfen hat. Die Bed & Peace Japanerin hat längst das Bett im Amsterdam Hilton verlassen und ist gerade muntere 90 Jahre geworden. Als der Frankfurter Galerist Peter Femfert sie für seine Kunst-Etiketten gewinnen konnte, stieg er gleich ins Flugzeug, um sie persönlich im Dakota Building in New zu besuchen, das zu trauriger Berühmtheit gelangte, weil just davor John Lennon erschossen wurde.

Yoko Ono „Imagine You“

Alle Künstler, die für Nittardi arbeiten, werden ausschließlich mit Wein entlohnt. Die Pointe bei Yoko Ono: Sie trinkt keinen Wein. Zum Glück erzeugt das Weingut Nittardi auch ein sehr gutes und von ihr geschätztes Olivenöl, mit dem ihre Kunst honoriert werden konnte. In diesem Jahr feiert „Die Galerie“ 40 Jahre Wein & Kunst. Dem Jubiläum der Etiketten-Künstler aus aller Welt war eine eigene Ausstellung mit allen Originalexponaten gewidmet. Dario Fo, Tomi Ungerer, Horst Janssen, Friedensreich Hundertwasser, Mikis Theodorakis, Rudolf Hausner, Paul Wunderlich, Bruno Bruni, Elvira Bach und die übrigen  Künstler waren in der Galerie von Peter Femfert unter einem Dach vereint. Ungewöhnlich ist, dass alle Künstler nicht allein ein Etikett gestalten, sondern auch mit einer anderen Vorlage das Einwickelpapier für die Flaschen (siehe Bild ganz oben). Die einzigartige Ausstellung wird wahrscheinlich von Frankfurt aufs Schlosshotel Friedrichsruhe bei Zweiflingen ziehen und dort mit einem Nittardi-Wein-Dinner eröffnet. Der genau Termin wird noch bekanntgegeben.

Der Frankfurter Galerist Peter Femfert und seine Frau Stefania Canali besitzen in der Toskana auch ein Weingut, das von Sohn Léon önologisch geführt wird. Im 12. Jahrhundert erzeugten dort Benediktiner Mönche in der „Villa Nectar Dei“ in Siena bereits Wein.1540 kaufte das Anwesen Michelangelo. So viel Historie macht fast schon trunken. Bei Nittardi fließen Wein und Kunst auf lustvolle, exzentrische und nie langweilige Art zusammen. Das Weingut war anfangs 3 Hektar groß und ist inzwischen auf 40 Hektar gewachsen, jährlich kommen insgesamt rund 100.000 Flaschen der Kollektion in Umlauf. Der Verkauf geht in 30 Länder. Die Sommeliere Paula Bosch von Münchner Tantris war eine der ersten, die den Wein auf die Karte setzte. Heute hat ihn Schloss Elmau sogar glasweise im Ausschank, neben Sternerestaurants ist Nittardi aber auch bei Insider-Lokalen wie dem Reuters in Frankfurt zu haben.

Für die 40jährige Jubiläums-Edition des aktuellen Jahrgangs 2020 von Casanuova di Nittardi wurden gleich sechs Künstler ausgewählt, darunter der junge Chinese Pengpeng Wang, der in Italien lebt. Der Casanuova ist ein reiner Sangiovese aus der Einzellage Vigna Doghessa. Ein klassischer Chianti Classico mit Aromen von leicht süßer Kirsche, saftiger Pflaume, einem Hauch Lavendel sowie einer Prise weißem Pfeffer.

Noch einige andere Weine (ohne Künstleretikett): Der Belcanto von Nittardi ist seinem Namen entsprechend freundlich im Ton und schmeichelt durch seine zarte Frucht und die weichen Tannine. Ein leichter Einstieg in die Welt der Nittardi-Weine. Die  Chianti Classico Riserva 2019 aus Sangiovese und Merlot hat mehr Substanz, Kraft und mit 14,5% auch mehr Alkohol. Erdige Old School Signatur mit Würze und Frucht. Als Charmeur wird der Ad Astra 2019 aus Sangiovese, Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc vielen Gefallen. Ganz wunderbar zum Frühling passt der noch junge wilde und voll Aromen flirrende Ben, ein Vermentino Maremma 2022. Ein vibrierender Weißwein mit einem Duft aus Zitrusfrüchten und Gewürzen sowie einer aparten Salzspur, die das Meer spüren lässt.

Es ist eine Freude in diese Weine einzutauchen und die einzigartige Kulturlandschaft der Toskana sinnlich und künstlerisch erleben zu können. Es gibt Galerien und es gibt Galerien, die atmen, weil sie Kultur und architektonische Ästhetik vereinen. Die Galerie von Peter Femfert macht obendrein mit den Nittardi-Weinen noch ein weiteres Fass auf.

Ludwig Fienhold

Die Galerie, Frankfurt, Grüneburgweg 123, Tel. 069 971 471 0

www.die-galerie.com

Fotos: Barbara Fienhold (9), Nittardi (1)

 

 




Neue General Manager für Marriott und Westin Grand in Frankfurt 

Können Peter Reischl und Tino Lindner Zeichen setzen?

 

Peter Reischl (52) übernimmt die Leitung des Frankfurt Marriott Hotels, Tino Lindner (48) wird General Manager des Westin Grand Frankfurt. Beide verbindet eine lange Karriere bei Marriott International. Was aber werden sie bewirken, verbessern und ändern können? Das Marriott wird nach wie vor von seiner Lage an der Messe profitieren, das Westin Grand wird weiter gegen die unschöne und problematische Lage an der Konstablerwache und einen erheblichen Standortnachteil ankämpfen müssen.

Peter Reischl (l.) und Tino Lindner

Das Marriott hat bislang keine Spuren hinterlassen, schon gar nicht kulinarisch. Das war beim Westin noch anders, als es ein Arabella Grand Hotel war. Das Restaurant Premiere war Anfang der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts immerhin so gut, dass es nicht nur Hotelgäste, sondern auch die Frankfurter besuchten. Heinz Immhof war seinerzeit Küchendirektor. Es gab manchen guten Chef, Torsten Ambrosius war besonders gut, blieb aber nur wenige Wochen. Das Gesicht des Restaurants war lange Zeit Vincenzo Ambrosio, der über die Tische und einen Weinkarte mit über 300 Positionen herrschte. Wir können uns noch gut an seinen Clark Gable Schnurbart und sein kommödiantisches Talent erinnern.

Fatih Akerdem

Der wahrscheinlich prägendste Charakter des Hotels aber war Fatih Akerdem, der als Barkeeper im Auge des Orkans arbeitete und selbst mit rüpelhafte Gästen noch kultiviert umgehen konnte. Der Raki-Spezialist arbeitete über 33 Jahre im Arabella bzw. im Westin und beendete seine Karriere vor der Renovierung und damit vorübergenehden Schließung des Hauses. Letztes Jahr wurde das Westin Grand wiedereröffnet, wenn man durch die Lobby bis zur Bar geht, wirkt alles noch immer unfertig, wie in einem Möbelhaus ohne persönliche Note. Die könnten zumindest Mitarbeiter einbringen, die es noch zu entdecken gilt.

LF

Photocredt: Marriott Hotels, Fienhold




Plop Art: Neue Wein & Champagnerbar in Frankfurt hat eröffnet

Gregor´s Boutique Vinothek

im Westend

 

Von Ludwig Fienhold

 

Gregor´s Boutique Vinothek auf der Bockenheimer Landstraße wird Furore machen und  Weinenthusiasten begeistern. Für Frankfurt ist dieser Neuzugang ein Ereignis, denn hier wird kompromisslos auf Qualität sowie Weingüter und Champagnerkellereien gesetzt, die sonst wenig oder gar nicht in der Gastronomie erscheinen. Ob an der handgemauerten Theke mit Messingplatte, dem Bar-Rondell mit freischwebenden Champagnerflaschen oder den mit flauschigem Plüsch von Steiff-Kuscheltieren überzogenen Bänken, es soll eine beschwingte Atmosphäre herrschen, wozu ja auch das eine oder andere Glas verhilft.  Die 260 Quadratmeter laden zum sitzen, stehen und flanieren ein, Inhaber Gregor Bernd wünscht sich eine kommunikative und kontaktfreudige Stimmung. Sein Sortiment ist bereits andersartig, aber auch er selbst verfügt über ein gastronomisches Alleinstellungsmerkmal: Gregor Bernd ist gelernter Winzer und studierter Önologe. Er hat sich aber schon zuvor mit einem Weinlokal am Frankfurter Oederweg einen Namen gemacht, das er fünf Jahre lang betrieb.

Wer kennt schon Charlot Tanneux und die herausragenden Champagner dieser kleinen Kellerei, die von Vincent Tanneux geführt wird? 4,4 Hektar und eine limitierte Produktion von 30.000 Flaschen im Jahr. Biologischer und biodynamischer Weinbau. Reife in gebrauchten Holzfässern, keine Schönung und Filtration. Terroir-Champagner mit Charakter, Vincent selbst nennt sich „Terroir-Weinbauer“.  Alles eigene Weinberge aus sechs verschieden Orten. Verwendet werden die klassischen Sorten Chardonnay, Pinot Noir und Pinot Meunier, aber auch fast vergessene historische wie Arbanne und Petit Messlier. Vincent Tanneux leistet sich das absolut ungewöhnliche Vergnügen im Jahr bis zu 27 verschiedene Cuvées zu erzeugen, von manchen gibt es nur 300 Flaschen. Ein Meisterwerk ist der Chardonnay en parure de roses, Extra Brut, Millésime 2015, der 10% Pinot Meunier enthält und dadurch einen schönen Roséton und subtile Duftigkeit erfährt. Energetisch, elegant, delikat cremig, körpervoll, aromenreich und von gelassener Größe. Dieser Champagner braucht ein großes Glas, in Gregors Vinothek werden die Allrounder von Gabriel verwendet. Gregor will so viele Champagner von diesem und anderen kleinen Champagner-Winzern wie möglich einsetzen, im Wechsel auch stets einen glasweise.

Gregor´s Boutique Vinothek hat zum Start über 300 verschiedene Weine und Champagner im Sortiment und will gegen Ende des Jahres auf stattliche 400 kommen. Ein gutes Dutzend davon wird es im offenen Ausschank geben. Die Gäste können sich aber auch jede Flasche aus den Regalen holen und für 20 Euro plus auf den Verkaufspreis im Lokal trinken. So kann man selbst große Weine und Champagner, die in einem Restaurant weit höher kalkuliert werden und kostspielig sind, etwas unbeschwerter genießen. Unter „Fine Wines“ werden besonders hochwertige Weine offeriert, beispielsweise ein Puligny Montrachet von der Domaine Pernot Belicard – 22 € das Glas (0,1l), 110 € die Flasche. Die Weine und Champagner lagern in verschiedenen Kühlzonen und werden perfekt temperiert serviert.

Nicht oft wird man auch die Weine von Valentino Butussi aus dem Friaul in der Gastronomie erleben können, in der Frankfurter Vinothek stehen verschiedene Qualitäten bereit. Ein weißer Friulano im offenen Ausschank und der tiefgründige Santuari 2026 als Flasche. „Butussi ist eines unserer Aushängeschilder“, schwärmt Gregor Bernd. Er hat zwar seine Stärken bei Frankreich und Italien, sucht aber auf der ganzen Welt nach Weinen, die zu ihm und seinen Ansprüchen passen. Es hat sich ergeben, dass Gregor meist mit ökologisch handelnden Winzern zusammenarbeitet und nur direkt von ihnen bezieht. Einen großen französischen Pinot Noir sollte man sich ebenfalls schon notieren, der ungemein konzentrierte Gevrey-Chambertin Village 2017 der Domaine Tawse aus dem Burgund ist von solch famoser Finesse und Souplesse, dass man in fassweise trinken möchte.

Eine Vinothek ist kein Restaurant, aber es gibt sehr gute Delikatessen, San Daniele Schinken, Käse aus der Käsestube in der Schillerstraße sowie ein Tagesgericht von Deli Kat gegenüber, aber keine warmen Speisen. Für die Sommersaison ist vor der Tür eine kleine Terrasse mit 25 Plätzen vorgesehen. Das Weinlokal hat jetzt eröffnet. Die Bockenheimer Landstraße im Westend ist so ziemlich die einzige Prachtstraße der Stadt, die den Namen Boulevard verdient. Jetzt noch mehr, weil Gregors Boutique Vinothek internationales Format hat und für Besucher aus allen Ländern spannend ist.

Gregors Boutique Vinothek, Frankfurt, Bockenheimer Landstraße 47, Tel. 069 50 92 74 55. info@gregors-wein.de

Mo – Fr. 16 – 23 Uhr, Sa 11 – 23 Uhr, So geschlossen.

Photocredit: Barbara Fienhold




Villa Kunterbunt in den Wolken: Sky Bar & Restaurant in Frankfurt

Neueröffnung in

185 Metern Höhe

 

Das nhow Hotel will alles

nur nicht langweilig sein

 

Die Sky Bar im Hotel nhow ist schon jetzt ein Hotspot und wird im Sommer wegen seiner großen Terrasse noch heißer begehrt sein. So hoch kratzt derzeit kein anderes Lokal in Deutschland an den Wolken, der Ausblick in 185 Metern zeigt Frankfurt in ungeahnter Weite. Die Sky Bar gibt es seit einigen Tagen, das Restaurant eröffnet jetzt am 1. März.

Die Menschen stehen vor den Aufzügen Schlange, es können nicht alle auf einmal mitgenommen werden, denn mehr als 170 Gäste dürfen aus Sicherheitsgründen keinen Platz finden, obwohl die Kapazität es zuließe.

Dadurch gibt es trotz des Ansturms auch kein großes Gedränge. Wer es etwas weniger turbulent haben möchte, sollte mittwochs und donnerstags kommen und das Wochenende meiden. Gemütlich wird es so oder so nicht, dazu ist die Musik einfach zu laut, sind die Plätze zu dicht angeordnet. Das Publikum ist größtenteils jung, obwohl sich ältere Hotelgäste und After Work Trinker dazugesellen, was die Altersspanne etwas elastischer macht.

Chef Herfort

Die Sky-Terrasse geht rundum und bietet eine erstaunliche Perspektive, die Stadt Frankfurt erscheint im Puppenstubenformat und wirkt aus der Höhe gesehen geradezu übersichtlich. Man entdeckt viele bekannte Gebäude wie den nah gelegenen Hessischen Hof, der von hier oben in eine Hand zu passen scheint. Derzeit ist die Terrasse kaum möbliert, was sich zum Sommer hin ändern wird. Dann soll auch ein Segeltuchdach vor der Sonne schützen. Vor der Musik schützt nichts, vielleicht besinnt sich das Hotel noch und merkt, dass wummernde Bässe nichts mit Lebendigkeit zu tun haben, sondern einfach nur nerven und jedes Gespräch sabotieren.

Bar und Restaurant gehen fast nahtlos ineinander über, wobei dort die Boxen nicht direkt aufs Ohr gehen. Auch das Restaurant hat nicht vor durch Gemütlichkeit und eine warme Atmosphäre zu überzeugen, sondern ist der Appendix der Bar mit Tischen. Den vielen Gästen, die hier durchschleichen, um nach der Toilette zu suchen, möchte man an dieser Stelle laut zurufen, dass sich die Toiletten vor der Bar befinden – auf dem dunklen blau-schwarz flirrenden Gang, hinter geheimnisvoll verborgenen Türen, die man nur mit allergrößtem Spürsinn und schärfsten Augen hoffentlich nicht zu spät erkennen wird.

Von der rund um die Bar und das Restaurant verlaufenden Terrasse hat man einen erstaunlichen Ausblick, im Restaurant selbst merkt man davon weit weniger. Das Restaurant wurde nicht für Sesselromantiker konzipiert, es geht modern, munter und farbenfroh zu. Entsprechend salopp ist auch der Service, der alles nur nicht förmlich erscheinen will. Mehr als überraschend ist dennoch der Einsatz von allerfeinsten Riedel-Gläsern, die selbstverständlich zur Weinkultur dazugehören, aber der Schrecken aller Spülmaschinen und Spüler sind. Wir wünschen ihnen ein langes Leben. Die „Wine Glass Company“ Riedel  ist ja in Kufstein in Tirol zuhause,  der General Manager des nhow Hotels Hermann Spatt stamm ebenfalls aus Österreich, das verbindet. Es gibt nur eine vorläufige kleine Weinkarte mit einem guten Dutzend auch offener Offerten, wobei uns der Grüne Veltliner gefiel.

Im Restaurant gibt es eine kompakte Karte mit insgesamt 19 Gerichten, mehr würde der Küche auch nicht guttun (Vorspeisen 17-25 €, Hauptgerichte (27-45 , Desserts 13-15 ). Der Stilmix lässt kalifornische, asiatische und orientalische Einflüsse zu, so wie man das auch in den internationalen Küchen von Dubai gewohnt ist, wo Küchenchef Marvin Herfort die letzten Jahre gearbeitet hat. Für klassische Saucen und andere besonders aufwendige Handwerklichkeiten bleibt kaum Zeit. Die sparsam besetzte Küche muss neben den 25 Restaurantplätzen auch für das Bar Food sorgen, wobei alles erstaunlich flink geht. Bei einem ersten Besuch konnten wir Eindrücke gewinnen, die man als grundsätzlich ausfindig machen kann.  Dazu gehört der Hang die Gäste gerne satt zu machen. Die Speisen sind in ihrer Struktur amerikanisch und „rich“, der gut gegarte Miso-Kabeljau – wie man ihn weltweit liebt, vom Nobu her kennt und doch immer wieder anders erlebt – fällt intensiv und würzig aus. Herzhaft gewürzt auch die zarte US Querrippe mit breiigem Süßkartoffel-Mango-Püree, Baby-Karotten sowie Pekannuss & Quinoa-Knusper. Gehaltvoll der Yuzu-Käsekuchen und die Passionsfrucht Crème Brûlée mit Kokos, die bei aller Mächtigkeit einfach gut schmeckte. Eine Küche, die alles nur nicht langweilig sein will.

LF

nhow Hotel, Frankfurt, Brüsseler Str. 1-3, vorerst geöffnet mittwochs bis samstags 18 – 01:00

BISS Artikel über das nhow Hotel

 

 

Photocredit: Barbara Fienhold




Chardonnay: Slowenien-Edi überrascht mehr als der große Franzose

Verkostung in der

Vinothèque Michel Briedé

 

Es gab einmal das bissige Kürzel „ABC“: Anything but Chardonnay. Es entstand, weil man die üppigen und nach neuem Holz und Vanille schmeckenden Chardonnays einfach satt hatte. Sie kamen in erster Linie aus Kalifornien und dem Napa Valley. Dort ist man zwar auch schon längst schlanker und feiner im Auftritt geworden, neigt aber immer noch zu einer gewissen Überladung. Die Welt des Chardonnays ist aber weit vielseitiger und nicht so einfach einzuordnen. Gut, dass es Lokale wie Michel Briedés Vinothek in Frankfurt gibt, die Verkostungen ermöglichen, um das Geschmacksbild zu erweitern.

Bei der Blindverkostung blieben die Gäste ein wenig orientierungslos und konnten die Chardonnays nicht gleich einem Land zuordnen. Genau so war es auch beabsichtigt. Der Chassagne-Montrachet „Les Houillères“ der Domaine Bader-Mimeur war noch unschwer dem Burgund zuzuordnen und gefiel auf Anhieb durch seine klassische eleganten Art. Sonst war das meiste eher unerwartet. Die größte Überraschung gab es durch einen besonders charmanten, harmonischen, cremigen und feinen Chardonnay, der von burgundischer Statur war, aber aus Slowenien unweit der italienischen Grenze und der Weinregion Friaul stammte. Der Winzer Edi Simcic gehört zu den besten seines Landes und hat so viel Gutes zu bieten, dass Michel Briedé gleich sieben Weißweine in sein Sortiment aufnahm (alle auch glasweise zu haben).

Beim kalifornischen Indigo Eyes fühlte man sich kurz in die Anfangsjahre im Napa Valley erinnert – oaky, smokey. Ein ziemlich opulenter Bursche, der dann aber ganz sympathisch wurde, weil er mit der Fenchel-Salsiccia einen guten Pairing Partner fand. Zu allen acht Weinen gab es kleine und passende Happen. Solche amüsanten und spannenden  Weinverkostungen gibt es nicht oft, vor allem nicht auf einem guten Niveau zum moderaten Preis. Michel Briedé lag daran sehr unterschiedliche Chardonnays zu zeigen und nicht nur eine allseits bekannte Art und Stilistik. Es lohnt sich auf seiner Seite nach solchen Verkostungen zu sehen, die es in lockerer Reihenfolge das ganze Jahr über gibt. Der fabelhafte Champagner von Breton Fils, der jetzt bei der Chardonnay-Verkostung zu erleben war, wird dann auch wieder auftauchen.

LF

Photocredit: Barbara Fienhold