Lachen und Trinken verboten: Ordnungs-Starrsinn im Frankfurter Vorzeigerevier Neue Altstadt

Gäste sind Störenfriede, Terrassen Krachmacher

 

Jetzt werden die Bürgersteige hochgeklappt

 

Frankfurts fotogenes Vorzeige-Revier, die sogenannte Neue Altstadt, hatte von Anfang an Probleme und zeigt immer mehr Risse. Jetzt werden dort die Bürgersteige hochgeklappt, gibt es ab 22 Uhr kaum noch Leben. Die Lokale schließen nicht nur ihre Terrassen, sondern gleich ganz. Und das ausgerechnet jetzt, wo die Sommersaison bei bestem Wetter startet und Menschen Lust aufs Flanieren, Plaudern und Trinken im Freien haben. Das Quartier ist nun abends das, was es schon immer war: Eine Kulisse. Das Ordnungsamt will es so. Der eine oder andere Anwohner auch. So wird alles zu Tode beruhigt.

Weinbar Ress

Dabei gibt es in der Innenstadt Lärm ohne Ende. An der Hauptwache, im Bahnhofsviertel und in Alt Sachsenhausen tobt die Party-Meute. Auf dem Römerberg finden mehrmals die Woche lärmende Veranstaltungen und Demonstrationen statt, nicht selten mit über 120 Dezibel wie jetzt beim Paulskirchenfest. Das Recht der Anwohner auf Ruhe interessiert dabei niemand. Die Neue Altstadt aber, in der abends ohnehin nicht allzu viel los ist, soll zu Tode beruhigt werden. Erstes Opfer ist die Weinbar vom Weingut Ress. Diese soll um 22 Uhr keinen Terrassenbetrieb mehr führen und auch innen für Ruhe sorgen. Nach den Worten des Betreibers Christian Ress sollen „soziale Geräusche“ wie „Unterhaltungen und Gelächter“ sogar im Innenbereich unterbleiben, bei Verstößen gegen genau definierte Lärmgrenzen drohen Bußgelder oder sogar die Schließung des Lokals. Demnach sollen selbst im Sommer Fenster und Türen geschlossen bleiben. „Wir müssen leider bis auf weiteres, auch am Wochenende, pünktlich um 22 Uhr schließen“, lässt Christian Ress wissen, wobei es da ja im Sommer fast noch hell ist. Offenbar haben sich Anwohner beim Ordnungsamt beschwert. Davon ist die gesamte Gastronomie in der Neuen Altstadt betroffen, doch keines der anderen Lokale wurde nach 22 Uhr so gut besucht wie die Weinbar von Ress und kann die Restriktionen des Ordnungsamts daher vielleicht eher verschmerzen.

Hühnermarkt

Christian Ress kann nicht verstehen, dass die Stadt einerseits rund 125 Millionen Euro aus dem städtischen Haushalt investiert, um einen „Besuchermagnet mit internationaler Relevanz“ zu erschaffen und dann anderseits die Gäste am späten Abend wieder vertreiben lässt, wenn diese die einmalige Atmosphäre der Neuen Altstadt bei einem Glas Wein genießen wollen. Nach den Vorstellungen der Stadt Frankfurt sollte aus der historisch mal mehr, mal weniger glücklich nachgebauten Neuen Altstadt „ein zentraler Ort der Begegnung für die Menschen“ werden. Dem widerspricht der Starrsinn des Ordnungsamts mit seinem weltfremden Vorgehen. Man kann Menschen nicht aus einem vergnüglichen Viertel verbannen, schon gar nicht nach 22 Uhr und in lauen Sommernächten. Vor allem am Wochenende beginnt für viele erst am späten Abend der vergnügliche Teil des Tages, gerade in der Hitze des Sommers. Auch internationale Gäste, zumal wenn sie aus Spanien oder Italien kommen, wissen die Gunst des späten Abends zu nutzen und werden solche Maßnahmen zu recht als provinziell empfinden. In der Gastronomie wird abgesehen davon nach 22 Uhr besonders viel Getränkeumsatz gemacht. Vor allem aber: Belebung ist nicht nur für die Stimmung gut, sie trägt auch zur Sicherheit bei – tote Viertel dagegen sind ein Sicherheitsrisiko.

Die Mieter, die mit voller Kenntnis über die Gastronomie in die Neue Altstadt einzogen, hätten wissen müssen, dass es in einem solchen Quartier, der von internationalem touristischen Interesse ist, auch lebhaft zugehen kann. Außerdem ist ein Großteil einer gewissen Geräuschkulisse nicht den Besuchern der Gastronomie anzulasten, sondern volltrunkenen Horden, die vom Saufquartier Alt-Sachsenhausen durch die Altstadt ziehen. Außerdem kommen auf dem Hühnermarkt auch gackernde Jugendliche zusammen, die sich ihre Vodkaflaschen selbst mitbringen, um Geld zu sparen, aber den Hühnermarkt als Kulisse zum Feiern beanspruchen.

Gute Nacht Freunde

Die Neue Altstadt. Schon der Name ist ein unsinniges Konstrukt. Besucher, die sich vor allem der Optik wegen einfinden, kennen das Viertelchen eigentlich nur im Vorbeigehen. Ein Blick hinter die hübschen Fassaden zeigt Risse im Gemäuer. Eine Schwachstelle ist ein Teil der Gastronomie, die sich zu sehr an Touristen orientiert. Drei Adressen aber heben sich positiv hervor, das Café von Hoppenworth & Ploch, die Weinbar vom Weingut Ress aus dem Rheingau und die Metzgerei Dey, die ihren Kunden einige Stehtische gönnt, wo früher die Schirne zu Hause waren, und deren Fleischwurst auch wirklich lobenswert ist.

Die Geschäfte in der Neuen Altstadt? Vor allem die Hunde scheinen geschäftig. Eine der wenigen Konstanten ist die Apotheke. Kopfschmerzmittel helfen aber nicht gegen das Gedränge, wenn viele Gruppen und ihre Tour Guides sich in den schmalen Gassen breit machen. Man muss jedenfalls ein rustikales Gemüt haben, um sich hier wohl zu fühlen. Hunde und leider auch Menschen schätzen die Neue Altstadt als Toilette. Die Toiletten am nahen Paulsplatz sind den Besuchern offenbar zu weit, wobei Ortsfremde den Weg nicht kennen. Es stinkt in diesem Viertelchen jedenfalls vieles derart zum Himmel, dass Gott schon längst aus allen Wolken gefallen sein müsste.

Ludwig Fienhold

Photocredit: Barbara Fienhold

A N Z E I G E

 

 




Essen gehen ist gut, zu Hause essen oft noch besser

Schlechte Gastronomie

bringt uns zum Kochen

 

Wir kochen wieder mehr zu Hause. Die Leistungen haben in erschreckend vielen Restaurants dramatisch abgenommen. Aufschwung spürt man vor allem bei den Preisen, während Küche und Service immer schwächer werden. Natürlich nicht überall, aber in einem unübersehbaren und erschreckenden Maß. Der Ärger bringt uns zum Kochen.

Das Rebgut im badischen Lauda-Königshofen ist eine „Weinherberge“ mit schönen Zimmern und einem adretten Restaurant. Wir hatten dort vor einigen Jahren hervorragend gegessen. Obwohl alles wie immer aussah, wurde der letzte Besuch zum Desaster, wir hatten es mit einem komplett neuen Team zu tun, was nicht gleich zu erkennen war. Aber  schon nach dem ersten und wenig appetitlichen Gang fragten wir den Service, ob der Küchenchef heute nicht am Herd stünde. Richtig: Angeblich war er krank, vielleicht kam er aber auch nicht, weil keine Reservierungen vorlagen und wir als Walk-ins die einzigen und auch noch überraschenden Gäste waren. Wenn eine Küchenmannschaft ohne Chef nicht gut genug ist, sollte man an einem solchen Tag erst gar nicht aufmachen. Wenn der Küchenchef glaubt, dass sein Team auch ohne ihn funktioniert, hat er sich verschätzt und zeigt sich als ahnungslos. Beide Versionen sind fahrlässig. Jedenfalls war ein Gang schlechter und dilettantischer als der andere. Wir hatten spontan auch noch ein Zimmer reserviert, was die Rechnung unnötig erhöhte, weil wir im guten Glauben waren, dass das Rebgut  noch immer eine gute Adresse wäre. Solche herben Enttäuschen sind längst keine Ausnahme und häufen sich inzwischen auf ein nicht mehr zu akzeptierendes Maß.

Wir hören oft, man sollte einem Lokal doch noch eine zweite Chance geben. Mit wie vielen Besuchen sollen wir unsere Zeit verschwenden und  und wie viel Geld sollen wir denn noch zum Fenster hinauswerfen, bis jemand endlich gut ist und eine zufriedenstellende Leistung liefert? Meist ist klar erkennbar, dass ein zweiter Besuch völlig überflüssig ist, da keine Qualität oder gar so etwas wie ein Talent vorhanden ist. Oft fragt man sich, was der Koch eigentlich von Beruf ist.

Die Negativerlebnisse häufen sich in einem nie zuvor erlebbaren Maß. Und das in allen Bereichen, vom einfachen Gasthaus bis zum Sternerestaurant. Die Gründe dafür sind bekannt, aber nicht zu akzeptieren. Fehlende Fachkräfte bei Küche und Service sind kein Anlass, die Gäste schlecht zu behandeln und auch noch Geld dafür zu verlangen. Oft sind die Probleme hausgemacht – die Größe der Speisekarte übersteigt die Kapazität in der Küche, um nur ein Beispiel zu nennenKurzum: Die positiven Besuche wiegen die gesamte Misere nicht mehr auf. Natürlich haben wir oft hervorragend gegessen: im 360 Grad in Limburg, dem Le Cerf im Schlosshotel Friedrichsruhe oder bei Lohninger in Frankfurt sowie vielen anderen mehr. Es gibt nach wie vor viele Lokale, die gut in der Küche und beim Service aufgestellt sind. Warum wohl gelingt es diesen und anderen nicht? Das alles ändert aber nichts am Eindruck, dass wir mit einem ungeheuren Qualitätsverlust in der Gastronomie zu tun haben – und das bei steigenden Preisen.

Während wir früher fünfmal in der Woche essen gingen, bleiben wir jetzt auch gerne zu Hause, um uns Enttäuschungen zu ersparen. Ich kann kochen, meine Frau noch viel besser. Vor allem italienisch, asiatisch oder amüsant deutsch. Sie bereitet Risotto à la minute zu, so wie man das hierzulande bei kaum einem Italiener bekommt. Vor allem nicht in solch  verschiedenen und kreativen Varianten. Und sie macht Pasta, wie wir sie  höchst selten außer Haus genießen können. Pasta mit würziger Nduja und karamellisierten Rotweinzwiebeln, authentische Carbonara mit Guanciale und zerstoßenem schwarzen Pfeffer oder feines Limonen/Carnaroli-Risotto. Beim Zuhause-Essen haben wir also gut zu essen, müssen uns nicht über schlechtem Service, mäßige und falsch temperierte Weine in schlechten Gläsern ärgern.

Wir wollen weder Zeit noch Geld verschwenden, wissen aber auch dass die Restaurants die letzten großen Bühnen der Erlebniskultur sein können und auch noch immer sind. Die Gastronomen sollten aber nicht nur ihre Probleme sehen, auch die Gäste haben mit den gestiegenen Preisen und anderen Missständen zu kämpfen, die uns eine unfähige Politiker eingebrockt hat. Die Gastronomen sollten wissen, dass wir manches schlucken, aber keinesfalls überzogene Preise für schwache Leistungen. Wir wollen nichts geschenkt bekommen, manchmal bedarf es ja nur ganz wenig. Freundlichkeit und ein Lächeln kosten nichts.

Ludwig Fienhold

 

 




Cool: Die besten Eissalons in Frankfurt

Die neue Nr.1:

La Dolce Vita in Oberrad

 

Das Firenze am Walther-von-Cronberg-Platz in Sachsenhausen, bislang Frankfurts bester Eissalon, musste leider wegen der Insolvenz des Betreibers Tom Bock aus wirtschaftlichen Gründen schließen, die Eisdiele Aroma in der Windmühlstraße im Bahnhofsviertel kommt auch nicht mehr zurück, der Hausbesitzer will die Fläche anderweitig nutzen. Der Betreiber, das Unternehmen Villa Vita in Marburg, hat aber auch keine Lust sich eine neue Bleibe zu suchen. Dafür haben wir eine neue Nr. 1., für uns ist das Eiscafé La Dolce Vita in Oberrad derzeit die beste Adresse in Frankfurt.

Wir haben uns diesmal auf die italienischen Eismacher konzentriert, weil sie uns geschmacklich und handwerklich am besten gefallen. Die Eissorten kosten in Frankfurt im Schnitt 1,60 – 2,00 €. Meist bekommt man mehr als eine normale Portion, egal ob gespachelt oder gekugelt wird. Der Preisanstieg ist zu verschmerzen, obwohl es besser wäre kleinere Portionen zu machen, damit man mehrere Sorten probieren kann. So ist man meist schon nach einer Portion satt. Vanille, Pistazie und dunkle Schokolade sind wegen der Rohstoffknappheit nicht immer zu bekommen. Oft  gibt es sie auch nur in eher schwacher Qualität. Bei den guten Eissalons sind sie nach wie vor ungeschönt und in echter Qualität zu haben, aber auch dann nicht unbedingt täglich.

1. Platz

La Dolce Vita, Oberrad, Offenbacher Landstr. 348

Dieser kleine sympathische Familienbetrieb macht ausgezeichnetes Eis und hervorragende Torten und Kuchen. Das Eis „Grüne Soße“ ist ein Geniestreich. Es wird auf der Basis der Kräuter der Oberräder Gärtnerei Schecker und Joghurteis hergestellt und ist so geschmeidig, zart und delikat kräuterwürzig, dass man es sich auch als eigenständiges Essen vorstellen kann. Der eine oder andere hat sich an diesem speziellen Eis versucht, doch niemand gelingt es so gut wie dem Dolce Vita von Mario Rosso und seiner Frau Sonia.

Joghurteis gibt es bei vielen, aber auch das gelingt dem Dolce Vita besonders gut. Unsere sonstigen Favoriten: Holunder, Kokos, Käsekuchen/Mango. Kugel 1,70 €. Wie sehr hier das Handwerk beherrscht wird, zeigen auch die fabelhaften hausgemachten Torten und Kuchen, allen voran Himbeere-Mascarpone und Käsesahne. Sogar das Tiramisu ist so wunderbar wie zu den Anfangszeiten der guten Italiener in Deutschland. Old School, solides Handwerk, Geschmackstalent. Hausgemachte Torten und Kuchen in dieser Qualität gibt es sonst kaum in der Stadt, schon gar nicht für 3,50 €.

Eiscafé Dolce Vita, Buchrainplatz/Offenbacher Landstr. 348, Tel. 069 96 86 42 79. Täglich geöffnet 10-21 Uhr, Sonntag 11-21 Uhr.

La Dolce Vita

 

2. Platz

Dolce, Innenstadt, Freßgass

Endlich wieder eine Adresse, die unsere angeschlagene Freßgass kulinarisch aufwertet. Wir haben im Dolce schon viel probiert, aber noch nie eine Niete gezogen. Geschmacklich top, Konsistenz und Temperatur perfekt. Besonders gut: Raffaelo, Karamell, Amarena, Pistazie, Amarena, Haselnuss, Cookies.

 

3. Platz

Milano, Sachsenhausen, Schweizer Str. 22

Nach einigen Ups and Downs scheint der Eissalon jetzt wieder stabiler in den Leistungen zu sein. Oft besucht, nie eiskalt erwischt worden. Die neue Sorte Holunder/Buttermilch ist extraklasse. Die Melange aus Guave, Maracuja und Limette sowie Karamell mit Fleur de Sel sind fabelhaft, auch Basilikum mit Zitrone muss man probiert haben, schmeckt an heißen Tagen noch besser.

 

 

 

 

 

 

4 . Platz

Fontanella, Bahnhofsviertel, Kaiserstr. 36

Dieser Eis-Salon, den es schon seit 1957 gibt, zeigt jahrelange stabile Qualität. Klassische Sorten und neue Kreationen sind durchweg top: Nussiges Opera, feines Panna Cotta, allerbestes Pistazie, schmelziges Cheesecake mit Karamell, aromatische Walnuss, feines Giotto, perfektes Kokos. Das ausgezeichnete Eis Tiroler Strudel besteht aus 18 verschiedenen Zutaten, darunter Apfel, Zimt, Kokos sowie in Malagawein getränkte Rosinen (gibt es leider selten). Die traditionellen Sorten wie Vanille, Haselnuss und Amarena sind auch immer eine Empfehlung.

 

5. Platz

Ostend Eis, Ostendendstr. 58

Adriano, der Eisheilige, betrieb ganz in der Nähe sein großartiges Eiscafé Pavone und war anschließend zwei Jahre Eismacher im Firenze am Walther-von-Cronberg-Platz. In seiner kleinen Eisdiele gibt es vor allem die Klassiker der italienischen Eiskunst: Vanille, Pistazie, Amarena, Haselnuss und andere mehr. Wenn es heiß wird schmeckt Limone-Basilikum besonders gut. Es gibt keine Kugeln, es wird nach alter italienischer Tradition gespachtelt. Adrianos Eiskreationen gehören längst zur Spitze des Eisbergs in der Stadt.

 

Weitere Empfehlungen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Siena

Nähe Zoo, Sandweg 1

Vanille, Kokos, Panna Cotta und vieles mehr sind zum Dahinschmelzen. Seit vielen Jahren von zuverlässiger Qualität. Freundlicher Service.

Michielin

Nordend-West, Eschersheimer Landstr. 46

Ein Eis wie aus Großmutters Zeit. Authentisch, klar in der Aussage und einfach wunderbar altmodisch. Haselnuss, Vanille, Erdbeere, Blutorange, Pfirsich, Pflaume, Zitronen-Eis aus sizilianischen Limonen sowie Tartufo, Pistazie und Cooky.

Christina

Nordend-West, Eckenheimer Landstr. 80/Ecke Wielandstr.

Gut sind Dulce de Leche und Zuppa Englese, auch Vanille, Pistazie, Haselnuss, Karamell und Stracciatella sind eine Empfehlung.

Alberto

Innenstadt, Nahe Konstabler Wache, Vilbeler Str. 34

Vanille und Pistazie sind eine Empfehlung, auch Sahne-Kirsch und Karamell. Neu und gut: Orange-Ananas-Ingwer.

L´Incontro

Sachsenhausen, Darmstädter Landstr. 50

Uncharmante Lage, aber solides Eis, vor allem die klassischen Sorten.

Text: Ludwig Fienhold 

Photocredit: Barbara Fienhold




Ahr-Wein: Eine schöne Entdeckung an der Biegung des Flusses

Weingut Burggarten: Kann denn ein Blanc de Noir wirklich so gut sein?

 

Man sollte die Ahr nicht nur als tödliches Flutschicksal sehen, sondern sie wieder mehr als lebendige Weinregion wahrnehmen. Es gibt dort viele bekannte Größen wie Adeneuer, Stodden oder Meyer-Näkel, man kann  aber auch noch Entdeckungen machen. Das Weingut Burggarten in Heppingen bietet ein gutes Beispiel, denn sein Blanc de Noir macht richtig Spaß.

Das Weingut erzeugt klassische Spätburgunder, einen bemerkenswerten Rosé, sogar einen überraschend guten Sauvignon Blanc, vor allem aber einen erstaunlichen Blanc de Noir. Diese Spezies halten wir eigentlich für ziemlich überflüssig und waren um so erstaunter, als wir diesem Exemplar von der Ahr begegneten. Dieser weiß gekelterter Spätburgunder aus dem Jahrgang 2022 ist von einer freudigen Frische und animierenden Saftigkeit, dass man sich damit den ganzen Sommer auffrischen möchte. Das ist kein Modetrunk für gelangweilte Aperol-Lümmel, sondern ein hochwertiges Erfrischungsgetränk. Cremig, dicht, elegant, schwungvoll und mit viel Wein im Mund. Kühle Stilistik und leichte Salzigkeit bringen eine schöne Leichtigkeit mit ein, die Aromen von Apfel, Limette und Mandarine schweben hindurch. Nichts ist penetrant an diesem Wein, alles fließt ganz harmonisch zusammen. Lebhaft, straff und voll Energie. Auch farblich strahlt dieser weiße Spätbürgunder Ausgeglichenheit aus, warmtönend goldfarben mit leichtem Kupferschimmer. Mit 11 € einer der preiswertesten Weine von Burggarten, für uns aber der heimliche Star.

Einen guten deutschen Rosé zu finden ist nicht einfach, der „Drei Brüder Rosé“, Jahrgang 2022, ist ein schönes Fundstück. Eine tolle Sommererfrischung, leicht, beschwingt, noch ein wenig moussierend. Angenehm dezente Frucht mit einem Hauch Walderdbeere, ohne jegliche Dropsigkeit. Gute Balance von Frucht und Säure, sehr ausgeglichen. Der Preis von 11 € entspannt auch. Die „Drei Brüder Kollektion“ (Blanc de Blanc, Cuvée Noir, Rosé, Reserve) bietet geschmacklich und preislich einen guten Einstieg ins Weingut Burggarten.

Beim Blanc de Noir plagen uns Vorbehalte, aber auch beim deutschen Sauvignon Blanc. Wir haben gute Gründe dafür, lassen uns aber gerne überraschen, wie im Fall vom Weingut Burggarten, das mit dem Heimersheimer Sauvignon Blanc 2022 ebenfalls eine gute Arbeit abliefert. Man spürt die typischen Aromen von Stachelbeeren und Maracuja, aber durch eine elegante Cremigkeit abgepuffert und dadurch überhaupt nicht so nervig wie dieser Bukett-Wein sonst sein kann. Es finden eher frische Düfte von Heu und Gras zur Nase und ein delikater Hauch Holunder. Zusammen ein schönes stimmiges Geschmacksbild. Auch bei diesem Wein erlebt man diese lebhafte und anregende  Saftigkeit, die einige Weine von Burggarten auszeichnet und den Trinkfluss ungemein erhöht.

Das Weingut Burggarten wird von der Familie Schäfer in der 4. Generation betrieben und umfasst 15 Hektar Rebfläche. Der größte Teil der Weine wird im Holzfass ausgebaut. 80 Prozent (Jahresproduktion 120.000 Flaschen) werden ab Hof verkauft. Zum Weingut gehören auch ein Gästehaus mit zwanzig Zimmern sowie eine Straußwirtschaft.

Ludwig Fienhold

 

Weingut Burggarten, Ahr, Heppingen (Bad Neuenahr-Ahrweiler). Landskroner Straße 61.Telefon: 02641 21280.

www.weingut-burggarten.de

 




Die Villa Rothschild in Königstein hat wieder eröffnet

Neue Spitze: Philipp Schlosshauer ist Küchenchef, Dirk Schäfer General Manager

 

Nach über einem Jahr Ruhestand eröffnet die Villa Rothschild in Königstein wieder. Das Restaurant war geschlossen, es herrschte kein normaler Hotelbetrieb, man konnte das Haus und seinen Park nur als Eventlocation buchen. Ab 18. Mai ist das historische Kleinod nun wieder für alle zugänglich, mit einigen Veränderungen. Mit Dirk Schäfer hat das Hotel einen zumindest für die Öffentlichkeit sichtbaren neuen General Manager bekommen, Philipp Schlosshauer ist jetzt Küchenchef. Dirk Schäfer ist auch schon länger für das Schwesterhotel Falkenstein Grand als Direktor verantwortlich und tritt mit der Wiederbelebung der Villa Rothschild nun in seiner Doppelrolle hervor.

Philipp Schlosshauer

Der 34 Jahre alte gebürtige Brandenburger Schlosshauer wuchs in Luckenwalde nahe Berlin auf, wo sein Interesse an gutem Essen früh geweckt wurde. „Da die Mahlzeiten in unserer Schule schlecht waren, ging ich mittags immer mit Freunden zum Essen zu meinen Großeltern“, erzählt Philipp Schlosshauer. „Mein Großvater zog eigenes Gemüse und hielt Hühner im Garten, meine Großmutter war eine sehr gute Köchin. Von beiden habe ich viel gelernt.“

Die erste wichtige Station war für Schlosshauer Berlin, wo er im Vau, dem seligen und mit einem Michelin-Stern ausgezeichneten Restaurant von Kolja Kleeberg, seine Kochlaufbahn als Demi Chef de Partie startete. Nach einem Aufenthalt in Australien kehrte Schlosshauer als Chef de Partie ein weiteres Mal ins Vau zurück, bevor er 2016 als Junior Sous Chef ins damals von Tim Raue geführte Restaurant Sra Bua im Hotel Adlon wechselte. Es schlossen sich Stationen im Castello del Sole am Lago Maggiore, im Kempinski Hotel Berchtesgaden sowie im Regent Berlin als Sous Chef an. Von dort zog es ihn im Sommer 2020 in den Taunus ins Falkenstein Grand, das wie die Villa Rothschild ebenfalls zu den Broermann Hotels gehört. In der Villa Rothschild legt er nun seine erste Speisekarte im Restaurant vor, das ja im Titel „Grill & Health“ führt und entsprechend Wert auf Vegetarisches und Grillgerichte legt. Es gibt aber auch so interessante Speisen wie das auf Heu gegarte Kalbsfilet mit Ebbelwoi-Jus.

 

Photocredit: Barbara Fienhold, Villa Rothschild

 




Durst de Luxe: Das Restaurant Medici und seine stimulierende Weinkarte

Burgunder-Raffinessen, Raritäten, preiswerte Highlights

 

Das Frankfurter Restaurant Medici ist für seine gute Küche bekannt, der Keller kann aber auch Erstaunliches bieten. Die Weinkarte hat sich in den letzten Jahren gewaltig entwickelt. Große Burgunder von Romanée-Conti gehören hier allein wegen der alljährlichen Raritäten-Dinner zum Repertoire, doch auch sonst warten in unterschiedlichen Preisklassen Überraschungen. Hier einige Kelche, die man nicht an sich vorüberziehen lassen sollte

Die Domaine Tessier bietet so viele brillante und feinsinnige Weine, dass man sich allein damit einige schöne Abende machen könnte. Es sind puristische, mineralische, elegante, präzise austarierte Weine von  Harmonie und Finesse. Paradebeispiel ist der famose Meursault „Les Casse Têtes“ (230 €) vom Jahrgang 2019, aber auch der preiswerte „Les Herbeux“ beeindruckt (58 €). Von diesen Lustmachern gibt es gleich fünf verschiedene Varianten plus zwei Magnumgrößen.

Weiße Burgunder können mitunter durch einen zu forschen Einsatz von neuem Holz geschmacklich penetrieren und nerven. Marc Colin geht sehr feinfühlig damit um, seine Weine zeichnen sich durch blitzsaubere Reintönigkeit, Mineralität und Frische aus. Die Familie besitzt erstklassige Lagen in Chassagne und Santeney sowie Parzellen in den Grand Crus Weinlagen Batard-Montrachet und Corton-Charlemagne. Besonders ans Herz gewachsen sind dem Familienweingut die Weine von Saint Aubin. Von dort kommt der 1er Cru „Le Sentier du Clou“, Jahrgang 2003, von dem es nur wenige Flaschen gibt.

Das Restaurant Medici könnte leicht prahlen, aber das liegt den beiden Betreibern, den Brüdern Christos und Stamatios Simiakos, nicht. Allein die Auswahl an 45 Flaschen verschiedener Lagen und Jahrgänge vom legendären Romanée-Conti ist beeindruckend, die Jahrgänge reichen bis 2012 (siehe Artikel zum Raritäten-Dinner mit Romanée-Conti), bei Preisen zwischen 560 und 9.000 €

Burgunder sind der Schwerpunkt der vielfältigen Weinkarte. Darunter klangvolle Namen à la Coche-Dury, Lucien le Moine, Thomas Morey oder Etienne Sauzet. Mit Francois Mikulski geht es  preiswerter, aber immer noch sehr anspruchsvoll zu. Der Ausnahmewinzer, Nachbar von Coche-Dury, gilt noch als Geheimtipp. Die naturnahen, authentischen und glasklaren Weine von Francois Mikulski sind stets schnell vergriffen. Im Medici gibt es vier Offerten, Meursault und Saint Aubin Blanc sowie einen großartig geradlinigen, zitrusfrischen, dezent salzigen und zartcremigen Cremant zum sympathsichen Preis.

Große Namen allein machen noch keine große Weinkarte aus. Es muss auch gute Weine zu kleinen Preisen geben, was weit schwierigem umzusetzen ist. Gerade die preiswerten Weine sollten mit Sorgfalt ausgewählt werden, wie es hier  geschieht. Die Domaine A.F. Gros in Pommard hat vom guten Bourgogne Haute Côtes de Nuit bis zum großen Richebourg Grand Cru eine erstaunliche Kollektion zu bieten, wovon im Medici 13 Qualitäten bereitstehen. Schon der Pinot Noir/Bourgogne 2018 macht mit seiner delikaten Saftigkeit und unkomplizierten Art viel Freude (58 €).

Bemerkenswerte burgundische Weine gibt es auch bei uns, der Chardonnay von Bietighöfer aus der Pfalz gehört dazu. Diesen schmelzigen und leicht rauchigen Wein sieht man nicht oft auf den Weinkarten in Deutschland, im Medici ist er zu haben. Überhaupt gibt es dort ausreichend Weine, die ohne monetäre Anstrengungen und Fanfaren auskommen. Im Sommer muss es etwas Frisches und Beschwingtes sein, so wie ihn der Grüne Veltliner „Fels“ von Leth aus dem östereichischen Wagram verkörpert. Dass er zum karitativen Preis angeboten wird, animiert noch mehr. Vielleicht sollte man beim nächsten Besuch im Medici erst einmal auf die Weinkarte schauen und zuerst den Wein bestellen und dann erst das Essen. Die Küche hat seit fast 20 Jahren seine Qualität erhalten und kann bald ein großes Jubiläum feiern. Mittags kommen gerne die eher eiligen Businesspeople zum preiswerten Lunch, abends genießt man in Ruhe mehrere Gänge. Man kann aber auch ganz salopp und zwischendurch einen hervorragenden Schinkenteller bestellen, der stets top ist. Er läss sich ganz unkompliziert frisch aufgeschnitten auf der Terrasse gabeln oder an einem der Hochtische an der Bar, am besten natürlich mit einem Wein.

Ludwig Fienhold

Photocredit: Barbara Fienhold

Restaurant Medici, Frankfurt, Weißadlergasse 2, Tel. 069  21 99 07 94

Di – Sa 11.30 – 22 Uhr

www.restaurantmedici.de




Schrader Cellars: Der sanfte Riese aus dem Napa Valley

Müssen gute Weine

teuer sein,

müssen teure Weine

gut sein?

 

 

Müssen gute Weine teuer sein, müssen teure Weine gut sein? Die Weinwelt ist voller Fragen, denen man sich nur schluckweise nähern kann. Die kalifornischen Cabernet Sauvignon von Schrader werden im Schnitt zwischen 360 und 418 Euro gehandelt, der amerikanische Wein Advokat Robert Parker hat sie mit hohen und höchsten Bewertungen gepusht.

Eine Probe der Weine im Sofitel an der Alten Oper in Frankfurt gab Einblicke in den hochpreisigen Schrader-Kosmos. Es war die erste Präsentation dieser Weine in Europa. Der Schrader T6 aus dem Jahrgang 2018 aus der Weinlage Beckstoffer To Kalon ist ein durchaus typischer und geschmeidiger Vertreter dieses speziellen Weinguts in Oakville. Er ist gut, gut gemacht. Gefällig, ein Everybodys Darling, nur nicht von jedem Darling bezahlbar. Ein mentaler Wein, der schon im Kopf entstand und so designt wurde. Eine gute Wahl für Society-Trinker. Er ist zwar schnell im Glas präsent, wird aber mit jeder Minute besser.

Auch beim Schrader RBS 2018 merkt man, dass er viel Luft benötigt oder noch besser gleich dekantiert werden muss. Der CCS gleichen Jahrgangs ist von ähnlicher Stilistik. Bei jedem Schluck fragt man sich, warum es ausgerechnet derart technische Buchstaben sein müssen, die als Titel auf dem Etikett zu sehen sind (sie stehen für Klone). Das weckt keine Sinnlichkeit.

Ein bedingt sinnlicher, vor allem aber sehr schicker Wein ist der Schrader CCS aus dem Jahrgang 2019. Feinfruchtig, elegant, harmonisch. Mehr Begeisterung löst der gereifte Schrader RBS aus dem Jahr 2014 aus. Ein sanfter Riese aus dem Napa Valley, wo ja viele Weine entstehen, die Kraft über Alkohol oder durch Booster-Aromatik beziehen. Laute Weine eben und keine dezenten feinsinnigen Vertreter. Der RBS 2014, die Wiederholung dieses Kürzels ist entsetzlich, aber notwendig, wirkt durchaus frisch und ist doch schön gealtert. Cassis, Maulbeere, saftige Zwetschge, schwarze Kirsche, ein Hauch orientalische Würze. Seidig, schlank, elegant und alles andere als fett.

Es gibt in Frankfurt kein Restaurant mit diesen Weinen und auch sonst sind sie nicht wirklich in der Gastronomie präsent. Die Kalkulation ist problematisch, selbst wenn man sie nur unwesentlich im Verkauf an den Gast im Preis aufschlagen wollte. Schrader Cellars Weine sind in erster Linie „Collectors Choice“, für Sammler bestimmt, die sie in privatem Kreis genießen.

Ludwig Fienhold

 




Suzy´s Smoke Shack BBQ droht das Ende

Bürokratie versus Kreativität

 

Gastronomen wird es schwer gemacht, kreative Ideen zu verwirklichen. Eine der spannendsten Neueröffnungen in Frankfurt steht vor dem Aus, Suzy´s Smoke Shack BBQ droht das Ende. Bei Suzy Günther waren in letzter Zeit alle möglichen Ämter zu Besuch, das Bauamt mahnt Nutzungsänderungen an. Suzy´s musste alle Events für den Mai absagen und schließen. Wieder einmal macht die Bürokratie den ohnehin schon gebeutelten Gastronomen das Leben schwer, in diesem Fall das Überleben unmöglich.

Suzy Günther hat aus einer Hinterhofgarage in der Uhlandstraße im Frankfurter Ostend eines der coolsten Lokale Deutschlands gemacht und tischte dort Pork Ribs, Pork Belly Burnt Ends, Rib Tips und andere Leckerbissen aus dem Smoker auf (siehe BISS Artikel „Diese Hinterhofhütte verdient einen Oscar für schräges Design“). In den letzten Wochen war die Hütte so voll wie nie, lief das Geschäft enorm gut. Doch die Behörden haben dem Lokal den weiteren Betrieb untersagt. Offenbar hatten sich Nachbarn beschwert und das Lokal beim Ordnungsamt, dem Bauamt und anderen Behörden angeschwärzt.

Suzy hatte sich gerade erst von einem Schicksalsschlag erholt, ihr Tankstellen-Imbiss in Gambach wurde von einem Truck überrollt. In Frankfurt sah sie endlich ihren Traum verwirklicht, der nun auch wieder zerstört werden soll. Sie erhofft sich Unterstützung von Freunden, dem Ausländerbeirat und anderen, die ihr helfen können. Suzy Günther will noch nicht aufgeben und ihre einzigartige BBQ Hütte retten, sucht aber für den Worst Case schon jetzt nach einer Location für ein anderes und vielleicht noch größeres Lokal. Hilfreiche Hinweise sind willkommen.

LF




Einfach gut: Der neue Japaner Nana´s Ramen in Frankfurt

Unser Lieblingsjapaner ist nicht edel, aber ehrlich

 

Von Ludwig Fienhold 

 

Selbst die oft gepriesenen japanischen Ramen-Lokale in Frankfurt haben uns nicht überzeugt und schon gar nicht begeistert. Nana´s Ramen im Frankfurter Bahnhofsviertel ist mehr als eine Nudelbar. Schon rein optisch, vor allem aber geschmacklich. Jedenfalls wurde dieses kleine Lokal in Rekordzeit zu unserem Lieblingsjapaner. Die meisten Japaner in der Stadt sind von klassischem Zuschnitt und den ewig gleichen Gerichten, nicht selten mit schlurfigem Service von sparsamer Freundlichkeit. Nana´s gehört zu den modernen Adressen mit jugendlicher und offensiver Art, bei der Herz und Humor zu spüren sind.

Teddybären halten die reservierten Plätze besetzt. Es gibt sehr viele Teddybären und kaum einen freien Platz, man sollte sich also einen Tisch sichern. Walk-ins könnten Glück haben und einen Sitzplatz direkt an der Theke vor der offenen Küche bekommen, davon gibt es jedoch nur drei. Das Publikum ist international, viele Japaner, aber auch Gäste aus anderen asiatischen Ländern haben dieses erst vor einigen Wochen eröffnete Lokal bereits entdeckt. Ein angenehmes, gelassenes, oft junges Publikum mit japanischen Reiseerfahrungen. Fast schon eine Fangemeinde von Nana´s, deren Bewertungen im Internet extrem positiv ausfallen.

Nana´s ist kein weiterer kostspieliger Edel-Japaner, bei dem die Preise eher selten mit der Qualität und schon gar nicht dem gesamten Esserlebnis mithalten können. Wir haben es hier nicht mit einem hochgezüchteten Pudel, sondern eher mit einer Promenadenmischung zu tun – aber mit einem Hund, den man gerne streicheln würde.

Nana´s ist kein puristischer Japaner. Man will etwas moderner und fröhlicher im Auftritt sein. Die Präsentationen sind chi-chi-frei und doch durchdacht bis hin zum eingelegten Rettich. Man erlebt würzige, gut abgeschmeckte Gerichte, die einfach Spaß machen und den Gast merken lassen, dass die Küche mental und handwerklich gut aufgelegt ist.

Die Speisekarte ist angenehm klein, eine Weinkarte gibt es nicht, auch sonst keinen Alkohol. Daran erinnern höchstens die Bierhumpen von „Kirin“, die zum Wasser gebracht werden. Man kann unter fünf Vorspeisen und drei Ramen-Hauptgerichten wählen. Bei den guten Einstiegshappen hat uns am besten Takoyaki gefallen, drei gegrillte und mit Gemüse und Oktopus gefüllte Weizenteigbällchen. Ramen gibt es in drei Varianten, von klassisch bis sehr würzig. Wir fanden die Tantan-Variante „Tokio Art“ herausragend, saftige dicke Nudeln mit leichtem Biss in einem delikaten Sud, der von Walnuss- und Sesamtgeschmack dominiert wurde. Mitgetragen wurde die mächtige Riesenschüssel geschmacklich zudem von Hackfleisch, gekochtem Gemüse, Sojasprossen und Frühlingszwiebeln. Vorsicht: Für ein erstes Date eignet sich Ramen nicht, denn es ist ein ziemliches Geschlabber, bei dem die Sauce Karussell fährt.

Zuvor war an gleicher Stelle das Restaurant Imori Kaiseki zu Hause, woran noch einige Details erinnern, vor allem die herzige Toilette. Ein Gast hinterließ im Netz gar einen bemerkenswerten Kommentar und meinte, dass die Toilette zum Streicheln wäre, was der Google-Übersetzung geschuldet sein mag, aber irgendwie auch stimmt. Bei Nana´s geht es ganz unverkrampft und lässig und dennoch professionell zu. Die zauberhaften jungen Servicemädels sind ungemein effizient, flink und freundlich, wie man das von guten Lokalen in Japan kennt. Sie zeigen aber auch Humor und lächeln und lachen gerne, wobei die Fröhlichkeit eher in einem dezenten Kichern Ausdruck findet. Bei der Verabschiedung der Gäste ertönt ein chorales, frohes und ehrlich gemeintes „Dankeschön“. Auch wir haben zu danken, Arigatō Nana´s.

Nana´s Ramen, Frankfurt, Mainzer Landstr. 125, Tel. 0152 225 499 87. Täglich 12-15 Uhr und 18-21.30 Uhr geöffnet, Dienstag geschlossen. 

Photocredit: Barbara Fienhold

 




Soave: Vom Suff-Wein zum Feintrinker-Stoff

Unsere Favoriten aus Italiens verkannter Weinregion

 

Manch einer vermutet hinter dem Begriff Soave keine Weinregion, sondern eine Discountermarke. Die oft dünnen charakterlosen Weine haben das Image dieses Weins nachhaltig beschädigt. Dabei gab es schon immer gute Winzer in Soave, spätestens aber seit dem Jahrgang 2013. Außerdem übernehmen immer mehr junge Winzer das Ruder, die andere Ansprüche haben. Bei ihnen merkt man besonders, dass Soave Qualität hat und Terroir zeigt. Um das kleine Städtchen im Hinterland von Verona wölben sich Hügel mit Vulkangestein, die ganz andere Weine hervorbringen als die in der Ebene. Grundsätzlich trifft der Name Soave sehr gut den Charakter der Weine, denn er bedeutet sanft, mild und anmutig. Doch inzwischen ist er auch recht spannend geworden. Soave steht für vulkanische Mineralität, feine Frucht, frische Zitrusnoten und eine wunderbar salzige Meerbrise. Diese animierende Melange lässt die Weine ungemein aufleben und ermüdet auch nicht nach dem zweiten Glas.

Die meisten Soave-Weine sollten frisch innerhalb von zwei Jahren getrunken werden. Die charakteristische autochthone Rebsorte Garganega ist die Basis der Appellation, meist wird sie zu 100 % eingesetzt. Die Winzergenossenschaften, deren Anteil bei gut 85 % liegt, haben andere Interessen als die kleinen Winzer. Man kann in europäischen Supermärkten Soave bereits für unglaubliche 1,99 € finden. Ein seriöser Soave kostet etwa zwischen 8 und 16 € und ist damit immer noch sehr preiswert.

Das Weindorf Soave hat gerade einmal 8000 Einwohner und ist in 20 Minuten vom Flughafen Verona aus zu erreichen. Es scheint, als gäbe es mehr Lokale, Weinläden und Cafés als Menschen. Vom Ortskern zu den Weinbergen sind es nur wenige Minuten, das Gebiet erschließt sich schnell und gehört auch optisch zu den besonders schönen Regionen Italiens. Tipp zum Schlafen und Essen: Damaranto. Wunderschönes Designhotel mit historischem Charme und modernen Ideen mitten in Soave. Sehr gute Küche, tolles Frühstück, nette Gastgeber.

LF

Eine Auswahl unserer Soave-Favoriten

I Stefanini

Alle drei Qualitäten zeigen Klasse und werden durch Mineralität, Duftigkeit und erfrischende Salzigkeit geprägt. Der Basiswein Il Selese ist kräftig, leicht kantig und saftig und vielleicht der trockenste des Trios. Monte di Toni zeigt Cremigkeit mit Biss und präsentiert sich mit dezent herber Frucht. Monte di Fice ist üppiger in der Frucht, aber auch würziger und ausdrucksvoller. Jedenfalls der Primus, wenngleich alle Vorzeige-Soave sind. Francesco Tessari ist pfiffiger als viele Mitbewerber und grenzt sich allein schon durch seine schönen Erntehelfer-Designer-Etiketten aus. Bilderbuch-Soave mit Charakter.

Le Battistelle

Die bescheidene und sympathische Winzerfamilie Dal Bosco erzeugt besonders individuelle Weine, die zu den allerbesten in der Soave-Region zählen. Das Gut liegt genau gegenüber von seinen drei Weinlagen in Brognoligo, das als die alte Seele von Soave geachtet wird. Die gerade einmal sechs Hektar ergeben charaktervolle, elegante, mineralische, würzige und von einer leichten Meeresbrise umspülte Tropfen. Der Soave Classico Montesei ist das frisch-energische Basisprodukt mit dichter Traubenaromatik und erreicht als Überzeugungsprodukt alle Geschmacksempfänger. Beim Soave DOC Classico Battistelle treten noch etwas mehr die Kräuteraromaten und Zitrusnoten hervor. Und der Roccolo del Durlo ist besonders floral und  kraftvoll.

Inama

Eines der bekanntesten Weingüter dieser Spezies. So ausgeglichen, schlank und doch ausdrucksvoll präsentieren sich nur wenige Weine in der Soave-Region. Flirrende Wiesenblumen und delikate Früchte, in ihrer Opulenz perfekt zurückgehalten von salzigen Mandeln und frischer Mineralität. Ein Maul voll Reben. Dieser Eindruck trifft auf die meisten Sorten von Inama zu, doch die Qualitäten können natürlich schwanken.

Marco Mosconi

Der Corte Paradiso springt mit Charme und Leichtigkeit über die Zunge und hinterlässt doch eine gehaltvolle Spur aus Mirabellen und Grapefruit sowie diesem auch wieder für den aktuellen Jahrgang typischen, ungemein auffrischenden Schuss salziger Meeresluft. Schwebende Duftigkeit, animierender Trinkfluss, schöne Cremigkeit. Ein moderner Klassiker mit deutlicher Soave-Identität. Großartig.

Filippi

Filippo Filippi ist Biowinzer und zählt zu den wenigen authentischen Erzeugern der Region. Auch sein Basiswein aus Castelcerino basiert auf der einzigartigen autochthonen Rebsorte Garganega, die nirgendwo sonst auf der Welt wächst. Hier gerät die Stilistik etwas anders und vielleicht deshalb besonders spannend und eigenwillig. Herbe Frische mit leichter Räuchernote wechselt mit Kräutern und mineralischer Frische. Wer knackige ungewöhnliche Rieslinge schätzt, wird sich leicht anfreunden.

Photocredit: Stefanini, Battistelle, Fienhold