Gerbermühle: Legende kommt in neue Hände, Gekko übergibt an Bumb

Küchenchef

Jörg Ludwig  bleibt

 

Beliebtes Frankfurter Ausflugsziel

 

Die Gerbermühle wird künftig von der Binding Brauerei gepachtet und von Familie Hirsch betrieben. Als Besitzer der Liegenschaften bleiben die bisherigen Betreiber Micky Rosen und Alex Urseanu von der Gekko Group auch weiterhin mit der Gerbermühle verbunden. Die neuen Betreiber aus Sachsenhausen sind keine Unbekannten in der Frankfurter Gastro-Szene: Mit ihrem Bumb Junior Finest Cateringbringt Familie Hirsch knapp 30 Jahre Erfahrung in der Frankfurter Gastronomie mit. Sie will das Haus nach einem offiziellen Statement im Sinne der Eigentümer fortführen. Dazu zählt auch, dass alle Arbeitsplätze in Hotel und Restaurant erhalten bleiben.

Gerbermühle, Hotel-Lobby

Die Gekko Group reduziert damit ihr Portfolio und will sich weiter auf den Ausbau der Marken Roomers, Gekko House, Moriki und Chicago Williams konzentrieren. „Wir sind sehr froh, mit der Binding Brauerei als Pächter und mit der Familie Hirsch als Betreiber zwei sehr erfahrene und renommierte Partner als Nachfolger gefunden zu haben, die das Restaurant und das Hotel in unserem Sinne weiterführen werden“, kommentieren Micky Rosen und Alex Urseanu die Übergabe der Gerbermühle. „Mit dem Roomers ParkView am Grüneburgpark haben wir ein sehr spannendes Projekt in der Pipeline. Außerdem prüfen wir derzeit noch ein paar weitere Projekte.“

Die „Gekkos“ übernahmen die Gerbermühle im Jahr 2007 und bauten diese um und aus. Viele Frankfurter, welche die geschichtsvolle Gerbermühle nicht nur als Goethes Liebesnest schätzten, sondern den Bau gerne weiter im alten Zustand gesehen hätten, waren über die Entwicklung wenig erfreut. Trotz der Modernisierung ist die Gerbermühle eines der beliebtesten Ausflugsziele der Frankfurter geblieben. Die Lage am Main und der große Biergarten sind ein Garant dafür. Die Küche unter der Führung von Jörg Ludwig hat zum Erfolg beigetragen.

Photocredit: Gekko Group




Restaurant Trares: Christopher Crell geht, Thierry Felden & René Postel kommen

Gastronom ist

vom Lockdown genervt

und zieht nach Portugal

 

Gastronom Christopher Crell aus Frankfurt hat die Nase voll vom ewigen Lockdown in Deutschland und wandert nach Portugal aus. Sein Restaurant Trares im Nordend übernimmt am 1. März Thierry Felden, Küchenchef wird René Postel, der zuvor im Restaurant Frankfurter Botschaft gute Leistungen zeigte und unter anderem bei Alfred Friedrich in der Golden Kron mit am Herd stand. Thierry Felden ist in der Gastronomieszene sehr bekannt und hatte bis vor kurzem die Frankfurter Botschaft als Restaurantleiter geführt. Zu seinen Stationen gehörten außerdem Ernos Bistro, die Villa Merton und das Micro von Mario Lohninger.

René Postel

Als Christopher Crell im August 2015 sein Trares eröffnete, ging er voller Elan an den Start. Seit Corona ist alles anders. Crell, der stets die unverhältnismäßig restriktive Corona-Politik kritisierte, sah keine andere Möglichkeit mehr, als sein Lokal aufzugeben. Crell ist einer der wenigen in der Branche, der seine Meinung offensiv äußert und Haltung zeigt. Er sehe für sich keine Chance mehr in Deutschland, weil er den Lockdown weder psychisch noch wirtschaftlich überstehen könne. Zudem habe er weder für November noch Dezember die versprochenen staatlichen Hilfen bekommen. Und das bei ausbleibenden Einnahmen.

Christopher Crell

Christopher Crell (Bild oben) hatte schon immer ein Faible für Portugal, das Land, die Menschen, die Weine und das Essen. Bei vielen Reisen wurde aus Sympathie Liebe, jetzt ist die Zeit reif für einen Sprung in ein neues Leben. Crell hat ein kleines Stück Land gepachtet und will dort in einem Häuschen leben. Wie schon jetzt, möchte er weiter visuell mit seinen Küchen-Ideen präsent bleiben, ob auf Youtube, Instagram oder bei privaten Sendern. Christopher Crells Geschäftspartner, Christian Weber, nimmt sich erst einmal eine längere Auszeit.

Thierry Felden

Was wird sich am Restaurant Trares ändern? Wie Thierry Felden im Gespräch erklärte, will man die Terrasse noch etwas verschönern und den Innenhof beleben, der bei vielen gar nicht bekannt ist. Die Küche von René Postel wird in etwa so ausfallen, wie in der Frankfurter Botschaft, „eher noch einen Tick besser.“ Das ist ein Wort, denn dort waren die Küchenleistungen von Postel bereits sehr gut, wie unser letzter Besuch zeigte. Die Weinkarte im neuen Trares soll nach den Worten von Thierry Felden keinen Mainstream bieten und eher unbekannte Weingüter zu fairen Preisen auflisten. „In Südfrankreich habe ich ein paar sehr schöne Entdeckungen gemacht, die auch preislich interessant sind.“ Klar, dass Thierry Felden bei seiner Weinkarte einen französischen Akzent setzen möchte, er will aber auch lokale und regionale Erzeuger berücksichtigen. Mit dabei ist in jedem Fall Andreas Schneider mit seinen Apfelweinspezialitäten. Das neue Trares startet zunächst mit einem kleinen Team. Man ist bereits gut aufgestellt, aber für einen Koch wäre noch Platz. Thierry Felden will den Namen Trares behalten. Wer rätselt, was dieser bedeuten mag, bitteschön: Es ist der Name der Hausbesitzerin, der Christopher Crell zu besonderem Dank verpflichtet ist.

Ludwig & Barbara Fienhold  

 

Photocredit: Barbara Fienhold, privat




Masterpiece-Hotel für die Insel-Legende Capri

Restart einer Insel-Ikone

 

Zwei-Sterne-Koch will authentische Küche servieren 

 

Ab April 2022 soll ein neues Schmuckstück auf der Insel Capri glänzen: Die Oetker Collection und Reuben Brothers verwandeln Capris erstes, im Jahr 1822 erbautes Hotel in ein elegantes und exklusives Haus mit 50 Zimmern und Suiten. In unmittelbarer Nähe zur berühmten Piazzetta gelegen, umfasst das Hotelensemble ein Rooftop-Restaurant und eine Rooftop-Bar mit atemberaubendem Blick, einen eigenenBeachclub, ein neues Pool-Deck sowie ein Spa und High-Fashion Boutiquen. Das Hotel La Palma wird die neu gestaltete Inkarnation des ursprünglichen Hotels, das über so viele Jahre hinweg Zuhause namhafter Künstler, Dichter, Schriftsteller und Musiker aus aller Welt war. Nach der Wiedereröffnung soll es erneut zum Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens der Insel werden.

 

Capri, La Palma Hotel, Rooftop-Restaurant

Bei der Umgestaltung des 50-Zimmer- und Suiten-Hotels im pulsierenden Zentrum Capris wurde darauf geachtet, diese Ikone aus dem Jahr 1822 neu zu interpretieren und damit die Geschichte des ersten und ältesten Hotels der Insel zu würdigen. Getreu der Mission, an besonderen Orten besondere emotionale Verbindungen zu schaffen, soll das erste italienische Masterpiece Hotel der Oetker Collection das Lebensgefühl der Insel widerspiegeln. Das Hotel befindet sich im Besitz von Reuben Brothers und stellt den jüngsten Meilenstein ihrer europäischen Development-Aktivitäten dar.  Dazu gehört auch legendäre Nachtclub La Taverna Anema e Core, einer bei vielen Prominenten beliebter Hot-Spot der Insel, der ebenso Teil des Gebäudeensembles ist. Das Hotel La Palma bietet zwar ein gänzlich neues Pool-Deck samt Bar, doch der eigene Beach Club an der Südküste Capris ist auch nur eine kurze Autofahrt entfernt.

Während der Renovierung wird die Zimmeranzahl des Hotels reduziert, von 80 auf 50 Zimmer, darunter 18 Suiten, alle mit eigenem Balkon oder Terrasse. Im Herzen der Insel gelegen, ist das Hotel ein guter Ausgangspunkt für die Entdeckung der Sehenswürdigkeiten, etwa der nadelförmigen Felsenformationen Faraglioni oder des Augustusgartens,  selbst die berühmte Blaue Grotte ist schnell erreichbar. Für die Augen bietet Capri viel, aber auch für den Gaumen. Gennaro Esposito, der sich weit über die Grenzen von Kampanien mit seinem Zwei-Sterne Restaurant Torre del Saracino einen Namen gemacht hat, ist für die gastronomische Leitung von Gennaro’s Restaurant (Bar und Terrasse) verantwortlich. Inspiriert vom Purismus der Kochkunst Capris in den 50er Jahren, will er für eine unprätentiöse und authentische mediterrane Küche sorgen. Einen atemberaubenden Blick auf Capri und das Meer bietet das Rooftop-Restaurant & Bar Bianca, das bis spät in die Nacht geöffnet hat. Und jetzt bitte schon mal die Platte von Rudi Schuricke auflegen, „Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt“.

Frederic Boländer




Braucht es jetzt einen Michelin? Neue Sterne für Mainz

Nach dem Brand: Drei Sterne für temporaire Schwarzwaldstube in Baiersbronn

 

Klaus Erfort verliert

seinen dritten Stern

 

Die Restaurants haben geschlossen, der Guide Michelin 2021 öffnet seine Seiten. Überraschungen gab es nur ganz wenige. Die eigentliche Überraschung ist höchstens, dass es trotz der Lage überhaupt schon jetzt einen Michelin geben kann. Für Diskussionsstoff dürfte die Abwertung von Klaus Erfort aus Saarbrücken sorgen, der aus dem Olymp der Drei-Sterne-Köche verstoßen wurde und jetzt mit zwei Sternen auskommen muss.

Die Verleihung wurde digital aus einem Pariser Studio vorgenommen. Die Moderatorin Anette Burggraf, welche die ausgezeichneten Köche mit den immer gleichen banalen Fragen quälte, hätte es durch ihre peinliche Moderation fast geschafft, dass man schon gleich am liebsten davongelaufen wäre. Wir hielten durch und konnten eine mit Werbung gespickte Preisverleihung erleben, bei der Michelin-Chef Gwendal Poullennec die Preise virtuell überreichte. Der Michelin erscheint am 10. März.

Mainz holt kulinarisch stark auf: Tobias Schmitt, der erst vor kurzem vom Frankfurter Lafleur ins Favorite nach Mainz wechselte, kann sich jetzt mit einem Stern schmücken. Ebenso Philipp Stein von Steins Traube in Mainz-Finthen. Torsten Michel von der temporaire Schwaldwaldstube in Baiersbronn , dessen Bewertung wegen des Brandes in der ehemaligen Schwarzwaldstube ausgesetzt wurde, erhielt in diesem Jahr nun die drei Sterne zurück. Klaus Erfurt in Saarbrücken verliert seinen dritten Stern. Dem Frankfurter Tigerpalast wurde der Stern gestrichen. Hans Haas erhielt den neuen „Mentor Chef Award“.

Hannes Finkbeiner & Torsten Michel

Außerdem 17 neue Bib Gourmand-Adressen für gute Küche zu fairen Preisen. Insgesamt enthält der Guide 327 Häuser, in denen Gäste ein komplettes Drei-Gänge-Menü für maximal 39 Euro bekommen. Es wurden auch auffällig viele Bibs gestrichen, was wohl der wirtschaftlichen Schieflage vieler Lokale geschuldet ist. 

Viele würden jetzt sicher gerne in einige der ausgezeichneten Lokale gehen, werden aber durch falsche politische Entscheidungen daran gehindert.

 

Hier mit einem Klick alle neuen, alten und gestrichenen Michelin-Sterne aufrufen:

 

Neue Sterne und verlorene Sterne

 

Bib Gourmand

 

Photos: Screenshots aus der Live-Übertragung




Wird die Villa Kennedy eine Senioren-Residenz?

Frankfurt könnte wieder

ein Luxushotel verlieren

 

Könnte es sein, dass Frankfurt nach dem Verlust des Hessischen Hofs ein zweites Luxushotel verlieren wird? Die Villa Kennedy wurde verkauft, die weitere Nutzung hängt auch von der Entwicklung auf dem Hotelmarkt ab, der gerade alles andere als stabil ist. Es ist sogar denkbar, dass aus dem 5-Sterne-Hotel eine Senioren-Residenz werden könnte. Eine entsprechende Prüfung dieser Möglichkeit hat bereits stattgefunden. Auf der anderen Seite läuft der Mietvertrag mit dem Hotel noch viele Jahre.

Neuer Eigentümer des Hotels ist der ebenfalls in Frankfurt ansässige Immobilieninvestor Conren Land. Der Besitz wechselte, wie die Immobilien-Zeitung schreibt, für eine Summe im oberen zweistelligen Millionenbereich. Der Verkäufer der Villa Kennedy, das Immobilienunternehmen DIC  Asset AG in Frankfurt, reduziert damit weiter sein Hotelgeschäft.

Betreiber des Fünf-Sterne-Hotels, das mit knapp 20.000 Quadratmetern Mietfläche fast die gesamte Immobilie umfasst, ist die in London residierende Rocco Forte Gruppe, die ein Dutzend Luxushäuser in Europa führt. Der Bau des gesamten Ensembles der Villa Kennedy kostete 72 Millionen Euro. Das 2006 eröffnete Luxushotel hat 127 Zimmer und 36 Suiten. Historisches Herzstück der Anlage ist die denkmalgeschützte Villa Speyer, die 1901 für Eduard Beit von Speyer errichtet wurde.

 

Photocredit: Barbara Fienhold




Tragödie um Frankfurter Gastronomen: Sam Kamran ist tot

Trauer, Schmerz und Wut

 

Hätte dieser Tod verhindert werden können? Ist dies das erste prominente und tragische Opfer unter den Gastronomen? Seine Freunde konnten Sam Kamran nicht helfen und auch die Feuerwehr vermochte ihn nicht mehr zu retten. Sam Kamran (41) kam beim Brand seiner Wohnung in der Frankfurter Lindenstraße im Westend ums Leben.

Mittags, wenn die Sonne am höchsten stand, konnte man Sam Kamran stets in seinem Café Hauptwache sehen. Das ganze Jahr über, denn die Terrasse wurde auch im Winter beheizt. In seiner besten Zeit betrieb er sechs Lokale und eine Event-Location. Das Café Hauptwache und die naheliegende Party-Location Mantis Roofgarden waren das Herzstück, auch wirtschaftlich. In jungen Jahren übernahm er bereits das begehrte Café Hauptwache im Zentrum der Stadt, dessen Pachtvertrag jetzt nicht mehr verlängert wurde.

Obwohl Sam Kamran viel von sich in den sozialen Netzwerken preisgab, wussten die wenigstens etwas über ihn. Er fühlte sich als Weltbürger, war zu Teilen Iraner, Ägypter und Deutscher. Über seine Liebe zu Brasilien und Kalifornien erzählte er gerne. Weniger bekannt war sein Enthusiasmus für Literatur. „Ich denke gerne“, sagte er knapp dazu. Sam Kamran hatte ein Lachen so breit wie die Frankfurter Skyline. In den letzten Monaten verdunkelte sich sein Weltbild.

Natürlich haben einige Gastronomen nicht erst seit der Corona-Krise Probleme, auch bei Sam Kamran war dies so. Aber Corona wirkt wie ein Brennglas und vergrößert das Negative ins Ausweglose. Die Corona-Politik vermittelt Hoffnungslosigkeit. Wie muss es in Sam Kamran die letzten Tage und Stunden ausgesehen haben. Auf Instagram zeigte er sich nicht nur von seiner heiteren Seite, am Schluss war auch vom Tod die Rede. Wie immer auch die genauen Umstände des Todes von Sam Kamran ausgesehen haben, schon jetzt machen sich Trauer, Schmerz und Wut breit.

Ludwig Fienhold




Michelin Frankreich 2021: Kaum Zeit zum Essen, aber gleich 57 neue Sterne

Restaurant-Tests in Zeiten von Corona und Lockdown

 

Le Figaro wundert sich und spart nicht mit Kritik

 

Niemand geht essen, außer den Michelin-Inspektoren. Sie wollen sich und die Köche offenbar nicht als Hungerleider sehen, obwohl sie das wegen Corona faktisch sind. Der neue Guide Frankreich 2021 serviert gleich 54 neue Sterne-Adressen, zwei Zweisterner und mit Alexandre Mazzia und seinem AM in Marseille ein neues 3-Sterne-Restaurant (Gericht von ihm im Bild). Das allerdings hat wegen der Krise geschlossen.

Wer soll das verstehen?

Der Michelin macht Politik, widersprüchliche Politik. Ende November 2020 gab sich Gwendal Poullenec, Internationaler Direktor des Guide Michelin, noch als Tugendwächter: „Wir haben den New Yorker Guide verschoben, bis es eine Erholung gibt“, sagte er der New York Times. „Bewertungen sind nicht angemessen, wenn so viele Restaurants geschlossen sind.“[1] Da kannte er wohl schon die Bewertungen in Italien, Spanien oder Belgien, alles Länder, in denen Bewertungen wohl doch angemessen waren. Zur Erinnerung: In Italien gab es harte Lockdowns, landesweit und regional nach einem Ampelsystem. Die Restaurants mussten landesweit vom 10.3.2020 bis zum 18.5.2020 und dann wieder ab 18.10.2020 schließen. Regional gab es weitere Schließungen. In Spanien hingegen wurden die Restaurants vom  14.3.20 bis zum 3.5.20, je nach Region auch vom 4.5.20 – 30.9.20 dichtgemacht. Mehrere Gastronomen schlossen aus Vorsicht oder weil Mitglieder der Brigade erkrankten. Das war z.B. beim bekannten El Celler de Can Roca in Girona der Fall.[2]

Beim Figaro schwappt Kritik über

In Frankreich sieht es nicht anders aus: Die Restaurants schlossen vom 16. März bis 1. Juni und dann wieder ab 28. Oktober 2020, regional gab es schon zuvor abendliche Ausgangssperren, welche die Hoffnung auf geregelten Abendservice zunichtemachten. Etliche Drei-Sterne-Lokale öffneten ihre Türen nicht, darunter das Le Cinq im Pariser George V (Le Squer) oder das L’Arpège von Alain Passard, ebenfalls in Paris. Gagnaire renovierte und öffnete dann für ein paar Wochen. Nun werden sie nicht nur alle „aktuell bewertet“. Und was sagt Herr Poullennec dazu: „on a mis les bouchées doubles »[3]. Ein französisches Wortspiel, das für „schneller machen“ und „schneller essen“ stehen kann. Um die Lokale aktuell zu bewerten, haben die Inspektoren einfach schneller gefuttert. Ein Schelm, wer Schaum vor den Mund bekommt.

Die Website Food & Sens meinte, die Selektion 2021 sei „eine gute Nachricht für Guide Sammler.[4] „Le Figaro“ drückte es härter aus: „Es könnte Michelin peinlich sein, diese Ausgabe zu rechtfertigen, insbesondere wenn es darum geht, den Fortschritt der Ermittlungen dieser berühmten Inspektoren in den letzten zwölf Monaten zu beleuchten. Wie konnten sie Adressen… größtenteils testen (und nochmals testen)? Wie kann man unter solchen Bedingungen ein Haus integrieren oder abstufen? Die Undurchsichtigkeit der Methode, die Bedingungen der Inspektionen, der Verdacht auf Privilegien, kurz gesagt, die Sauciere mit Vorwürfen sollte auf die Tischdecke überschwappen.“[5]

Michelin-Tester werden zu Schnellessern

Der große Gewinner der kuriosen Selektion ist Alexandre Mazzia aus Marseille, der während der Pandemie mit drei Sternen ausgezeichnet wird. La Merise in Laubach und Hélène Darroze in Paris erhalten zwei Sterne. Doch es gibt auch Verlierer, deren Sterne die „schneller essenden“ Inspektoren einkassierten, darunter Le Châteaubriand in Paris, die beiden Ateliers de Robuchon in Paris sowie das ebenfalls früher doppelt besternte Robuchon-Lokal in Monaco, La Poule au Pot des bewährten Jean-Francois Piège – sie verlieren jeweils einen Stern.

Einige Köche hatten Konzeptänderungen angekündigt, die offenbar von den Schnellessern nicht gebilligt wurden: Rabanel in Arles, Saquana in Honfleur, Gill in Rouen, Le Grand Véfour in Paris, La Bastide de Capelongue. Damit wird die zwei Sterne-Klasse in Frankreich deutlich ausgedünnt. Ob die Michelin-Abtrünnigen, die ihre Restaurants in der Pandemie neu ausrichten, über den richtigen Riecher verfügten oder im Gegenteil auf die legendären Umsatzzuwächse, die angeblich mit den Sternen einhergehen verzichten, zeigt sich bei der nächsten Jahresbilanz.

Der Michelin France scheint in einem Parallel-Universum zu leben, in dem es weder Pandemie, noch Entlassungen von Mitarbeitern in Küche und Service gibt. Vielleicht ist den Inspektoren das schnelle Essen doch nicht gut bekommen.

Sandra Dubonnet

 

Die neuen Sterne Michelin 2021 mit einem Klick

 

Gewinner & Verlierer Michelin 2021 mit einem Klick

 

Photocredit: AM Marseille, Gericht von Alexandre Mazzia

 

[1] https://www.nytimes.com/2020/11/24/dining/zagat-michelin-coronavirus.html

[2] https://www.foodandwinegazette.com/15868

[3] https://www.ouest-france.fr/economie/hotellerie-restauration/malgre-le-covid-19-michelin-va-reveler-son-palmares-7121691

https://www.lhotellerie-restauration.fr/journal/restauration/2020-05/guide-michelin-2021-les-restaurants-seront-evalues-quand-ils-seront-prets.htm

 

[4] https://foodandsens.com/f-and-s-live/le-palmares-du-guide-michelin-2021-sera-presente-le-18-janvier-prochain-lors-dune-ceremonie-uniquement-diffusee-en-ligne/

[5] https://www.lefigaro.fr/vox/medias/emmanuel-rubin-le-guide-michelin-devait-il-decerner-des-etoiles-cette-annee-20210115




Gourmet-Hotel im Rheingau: Raub der Kronjuwelen

Kronenschlösschen wird Opfer von Einbrechern

 

Die Liste der

gestohlenen Flaschen

 

Romanée-Conti, Petrus, Mouton, Lafite, Latour & Co

 

Wer hätte nicht gerne flüssige Schätze wie Château Petrus und Romanée- Conti im Keller?  Hans B. Ullrich, Besitzer des Kronenschlösschens im Rheingau, hat über 30 Jahre diese und andere Kostbarkeiten gesammelt. Jetzt wurden aus dem Weinkeller des Hotels Raritäten im Wert von rund 400.000 € gestohlen. Um es den Dieben etwas schwerer zu machen und etwaige Käufer zu warnen, haben wir unten die Liste der geraubten Weine aufgeführt, einige mit den jeweiligen Nummern, die der schnellen Identifizierung dienen.

Die Einbrecher haben sich an ausgesuchten Flaschen vergriffen, die bei Sammlern hoch im Kurs stehen, aber andere Pretiosen, etwa seltene Rieslinge, ignoriert. Von 70.000 gelagerten Flaschen haben sie offenbar ganz gezielt 500 mitgehen lassen. Die legendären Petrus-Weine sind komplett gestohlen worden, ebenso die gesuchten Pinot Noirs der Domaine Romanée-Conti, darunter der berühmte La Tache, der allein schon einen Wert von über 10.000 € hat.

Glashaus

Ein Luxusproblem? Nein, ein wirtschaftliches. Auch eine renommierte Luxusadresse wie das Kronenschlösschen hat in Zeiten der Corona-Krise zu kämpfen. Es war ein gutes Stück Kapital, was dort im Keller lag und jetzt der Gier zum Opfer fiel. Hinzu kommt der emotionale Verlust, denn viele Flaschen lassen sich nicht wieder beschaffen. Hans B. Ullrich setzte seine Trouvaillen bei Raritätenproben ein, zu denen Kenner von überall her zusammenkamen. Auch beim Gourmet & Wein-Festival, das jetzt vom 25. Februar bis 14. März stattfinden soll, wurden oft große Weine à la Mouton, Lafite, Lafleur sowie Champagner von Krug und Roederer an die Tische gebracht. Und genau auf diese Raritäten  hatten es die Diebe abgesehen. Sie nutzten die Corona-Krise und das in diesen Tagen geschlossene Kronenschlösschen, um ungestört die massiven Kellertüren aufzubrechen. Tatzeit: Mittwochabend/Donnerstagfrüh (13./14. Januar).

Wahrscheinlich haben die Einbrecher im Auftrag gehandelt, vielleicht wollen sie die Weine aber auch auf dem Schwarzmarkt verkaufen. Florian Richter, der Sommelier des Kronenschlösschens, hat zwar nur wenig Hoffnung, will aber nichts unversucht lassen, damit die Flaschen vielleicht doch noch auftauchen. Er bittet Sammler, Weinhändler und andere Zielpersonen, auf welche die Diebe zukommen könnten, um Wachsamkeit und Mithilfe. Helfen kann dabei die Liste der gestohlenen Weine sowie die Nummern der drei teuersten Romanée-Contis.

2007 Romanée-Conti 0,75l
02641
2006 Romanée-Conti 0,75l
02403
2004 Romanée-Conti 0,75l
02532

 

Die Liste der gestohlenen Weine I mit einem Klick

 

Die Liste der gestohlenen Weine II mit einem Klick

 

Die Liste der gestohlenen Weine III mit einem Klick




Der Hammer: Höchstpreis bei Versteigerung für den neuen Monte Vacano

Ein neuer Rheingau Riesling vom Weingut Robert Weil

in der Großflasche überrascht im Kloster Eberbach

 

Als der Hammer des Auktionators bei der diesjährigen Versteigerung der deutschen Prädikatsweingüter im Kloster Eberbach im Rheingau zum dritten Mal auf das Versteigerungspult schlug, stand es fest: die Los-Nummer 25, der Monte Vacano 2018 in der Balthazar-Flasche (12 Liter) wurde zu einem sensationellen Preis zugeschlagen. Mit dem Ausgebot von 1.500 € gestartet, ging die Großflasche für 18.000 € netto an ihren neuen Besitzer.

Wilhelm Weil mit Big Bottle

Damit erzielte der Premieren-Jahrgang dieser neuen Premium-Marke mit „familiären Wurzeln“ aus dem Weingut Robert Weil einen „phantastischen Preis“, wie Wilhelm Weil verkündete. Auch die mitversteigerten Magnum-Flaschen des Monte Vacano erreichten mit 520 € ein bemerkenswertes Ergebnis. Schon die limitierte Anzahl der 1.200 Flaschen dieses Rieslings waren kurz nach ihrer Premiere im Sommer letzten Jahres ebenso dreifach überzeichnet, so dass die Subskription dafür frühzeitig beendet werden musste.

Die Trauben für den Monte Vacano kommen aus einer besonderen Parzelle im Kiedricher Berg mit dem historischen Katasternamen Lay. Sie liegt am Übergang von der Lage Gräfenberg zum Turmberg. Als der Gründer des Weingutes, Dr. Robert Weil, 1875 begann im Kiedricher Berg Weinberge zu kaufen, konnte er diese besondere Parzelle dank der Mitgift seiner Frau, aus der Familie der Edlen von Vacano, erwerben. Der Riesling aus dieser Parzelle trug fortan den Namen Monte Vacano und blieb als eine „family affair“ ausschließlich den Familien Weil und Vacano vorbehalten. In den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts schlief diese Tradition ein und wurde jetzt mit dem 2018er Jahrgang wieder aufgenommen, wobei nun der Wein für alle zugänglich ist.

Das Versteigerungsgeschehen war dieses Jahr den Zeiten geschuldet ausschließlichen im Online-Format zu verfolgen. Die seit über 200 Jahren im Rheingau traditionelle „nasse“ Versteigerung mit einer Vorprobe der Auktionsweine und der nochmaligen Probe vor jedem Los-Aufruf konnte so nicht durchgeführt werden. Dennoch gestalteten die im Laiendormitorium persönlich anwesenden Kommissionäre mit dem Auktionator und den Winzern eine erfolgreiche und unterhaltsame Versteigerung. Das war auch einem zweiten Livestream aus dem Kloster Eberbach zu danken, bei dem mit Interviews das Versteigerungsgeschehen kommentiert wurde. Und so war auf diesem Stream auch beim finalen Zuschlag des Monte Vacano das Tütenknallen zu hören, mit dem im Laiendormitorium in langer Tradition außergewöhnliche Höchstpreise gefeiert werden.




Lohningers große Klassik: Das könnten wir jeden Tag essen

Ochsenbackerlgulasch, Wiener Schnitzel

und Pinzgauer Kaspressknödel

 

Genuss zum Mitnehmen

 

Lohninger To Go ist wie Lohninger To Stay. Fast. Die entspannte Atmosphäre im schönen Restaurant in Frankfurt ist schwer zu ersetzen, aber die Gerichte für zu Hause haben die Klasse, die man von diesem Spitzenlokal gewöhnt ist. Ochsenbackengulasch, Wiener Schnitzel, Kaspressknödel und eine Crème brûlée, wie sie besser nicht sein kann.

Das fabelhafte Ochsenbackengulasch mit Serviettenknödel lieben wir seit den Zeiten Mario Lohningers im Silk und Micro (Cocoon Club). Es ist von einer solch superben Schlotzigkeit und Würz-Raffinesse, dass man nie mehr mit dem Essen aufhören möchte.

Prime Filet Tatar

Was sollen wir noch mehr zum Wiener Schnitzel von Lohninger sagen, wir haben es längst zum Weltkulturerbe erklärt. Natürlich schmeckt es am besten, wenn man es frisch im Restaurant serviert bekommet, aber man kann das gute Stück ja auch so schnell wie möglich nach Hause bringen und dort gleich verspeisen. Außerdem schmeckt ein Wiener auch noch lauwarm und sogar kalt. Der auffrischende Gurkensalat, der saftige Kipfler Erdäpfel-Salat und die süß-herben Pinzgauer Preiselbeeren bieten beste Begleitung.

Mario Lohningers Vater Paul steht bis heute mit ihm am Herd und weiß, wie man Tradition aufs Herzhafteste umsetzen kann. Die Oberpinzgauer Kaspressknödel mit Spitzkrautsalat werden nach seinem Rezept zubereitet und sind für Mario die besten, die er kennt. Fluffig und zart sind sie und schön kraftvoll im Geschmack. Dazu gibt´s Spitzkrautsalat und Steirisches Kürbiskernöl.

Das erstklassige und saftige Hereford Prime Filet Tatar wird à la minute frisch zubereitet. Perfekt gewürzt mit Essiggurken, Kapern, Sardellen, Schalotten und Sojasauce plus Olivenöl, Parmesansplittern und Dijon-Mayonnaise. Auf der ringförmigen angelegten Delikatesse thront ein gegarter Bio-Dotter, der beim Anschneiden sämig ins Fleisch fließt. Umwerfend gut. Kann man auf dem Teller anrichten, lässt sich aber auch ganz bequem aus der aus der Liefer-Box genießen.

Eine wirklich gute Gänseleberterrine muss man in Deutschland lange suchen. Beim Lohninger findet man gar eine ganz großartige. Man merkt eben, dass Mario Lohninger auch in Paris gearbeitet hat, und dann auch noch gleich beim ehemaligen Drei-Sterne-Koch Guy Savoy. Die feine, delikate und leicht cremige Gänseleber gibt es im Glas mit 200 Gramm. Eigentlich reicht das spielend für zwei Personen, einen Tag oder auch zwei Tage. Man wird aber garantiert mehr wollen.

Crème brûlée kann ein ziemlicher Langweiler sein. Bei Lohninger wird Genusssucht daraus. Besser geht´s nicht. Mit im Spiel sind Tonkabohnen und der hochwertige Musvovadozucker aus Mauritius. Deshalb wird die Crème auch nicht geflämmt, weil dieser Zucker sonst nur verbrennt. Ungemein zart und cremig.

Fritatten-Suppe kennen die Älteren noch als einfaches Gericht, beim Lohninger wird sie aufwendiger und besser zubereitet. Mit Rindfleisch, Fritatten und konzentrierter Ochsenschwanzkraftbrühe.

Maine Hummer

Auf der To Go Speisekarte stehen noch andere Verlockungen, vom tollen Grammelschmalz bis zum Hummer. Die Abholer bekommen die Speisekarte mit auf den Weg, auf der sämtliche Gerichte über QR-Codes auf YouTube abgerufen werden können. Dort sieht man auf informative und unterhaltsame Weise, wie Mario Lohninger seine wunderbaren Klassiker live zubereitet und den Zuschauern manch nützliche Tipps gibt.

Die Gerichte erhält man in adretten appetitlichen Verpackungen aus Mais und Rohrzucker, sie biologisch abbaubar sind. Im Grunde kann man alles gleich aus der Verpackung essen, ohne das Gefühl von Fast Food und Pappe zu haben.

Wie viele andere Toplokale konnte sich auch das Lohninger anfangs nicht mit Take Away anfreunden. Weil der Lockdown nun schon gefühlte Jahre andauert und kein Ende abzusehen ist, hat man sich aber zum Weiterkochen entschieden. Die ersten Wochen „Lohninger To Go“ waren sehr erfolgreich, das Lokal wurde überrannt. Die übernächste Woche gibt es als besondere Tagesofferte Rouladen. Da wird es kein Halten geben.

Ludwig Fienhold

 

Lohninger, Frankfurt, Schweizer Str. 1

www.lohninger.de

Bestellungen nur telefonisch unter 069/24 75 57 860

von 10 – 20 Uhr

Abholzeiten: Donnerstag 17 – 20 Uhr, Freitag – Sonntag 12 – 14 Uhr und 17 – 20 Uhr.

 

 

Photocredit: Barbara Fienhold