Restaurantkritik: Bootshaus-Lokal Backschaft

Offenbach bricht

zu neuen Ufern auf

 

Die Zeit war längst reif für ein Bootshaus-Restaurant. Wir hätten es zwar lieber in der Nähe des Eisernen Stegs in Frankfurt gesehen, doch in Offenbach ist man wohl neuen Ideen gegenüber aufgeschlossener und verhindert diese nicht mit beschränkender Bürokratie. Jedenfalls ist das schwimmende Restaurant am Mainufer in Offenbach vor Anker gegangen. Das Ergebnis ist so bestechend originell und schön, dass man dafür auch von Frankfurt aus hinschwimmen würde.

Backschaft Das 37 Meter lange Schiff wurde bis unter den Kiel aufwendig und detailverliebt restauriert. Besitzer Gunnar Ohlenschläger und Betriebsleiter Marco Sönke haben hier etwas vom Stapel gelassen, das wegen seiner maritimen Fantasie gleich auf den ersten Blick begeistert. Hier musste nicht nur viel Geld in die Hand genommen werden, sondern auch solides Handwerk greifen. Holzplanken-Romantik mit Kachelofen und Messing-Schiffsglocke, die Seitenfenster im Restaurant stammen aus ehemaligen Eisenbahnwaggons der DDR-Reichsbahn. Der 112 Jahre alte Oldtimer war einst als Ausflugsschiff in Berlin und Potsdam auf Tour und hat noch nie so gut ausgesehen wie heute.

Backschaft 45 Gäste finden im Glasdach-Restaurant Platz, die Schwimmwesten befinden sich gleich unter den Sitzbänken. Der Name Backschaft bezeichnet die an einem Tisch speisende Mannschaft von Marine- und Handelsschiffen. Küchenchef Patric Dresbach und seine rechte Hand Jordy Van der Ven arbeiten in einer offenen Küche (Bild oben), die sich durch geschickte Illumination ins rechte Licht setzt. Die Gerichte changieren zwischen Regionalem und Weltläufigkeit und greifen mitunter trendige Details aus aller Welt auf, die jedoch keineswegs willkürlich erscheinen. Vor allem geschieht alles auf der soliden Basis handwerklicher und geschmacklicher Qualität. Das spürt man bereits beim Cappuccino von Blumenkohl mit Mandelschaum und Currychip und merkt man noch mehr beim Kabeljau im Rieslingteig mit Sauce Tartar, marinierten Bamberger Hörnchen und Wildkräutern. Die Küche gefällt mit schönen Herzhaftigkeiten, die gut zur Atmosphäre passen. Die geschmorte US-Semerrolle mit Rahmwirsing, Portweinbirne und Ochsenherzrübe ist ein Paradebeispiel. Die Semerrolle ist deutlich preiswerter als ein Rinderfilet, aber nicht universell einsetzbar. Grillen sollte man sie keinesfalls, geschmort oder als Tatar ist dieses Teilstück der Rinderkeule aber besonders gut einsetzbar. Es ist prima, wenn Küchen solche Entdeckungen verwenden und damit so überraschen können, dass man damit auch eine Erkenntnis für zu Hause mitnimmt. Eine nette Überraschung sind in der Backschaft stets auch die Maul-Würfe – so heißen hier die Appetithappen, weil Begriffe wie Amuse gueule und Amuse bouche abgegriffen erscheinen.

Patrick Scheib

Patrick Scheib

Dass die Weinkarte klein ist, muss kein Nachteil sein. Doch fehlt ihr trotz einiger guter Flaschen einfach noch der Charakter. Sonst sind aber keine Leichtmatrosen an Bord. Auch nicht beim Service, der engagiert durch den Abend führt. Patrick Scheib (zuvor Medici und Vaivai) fühlt sich ganz offensichtlich in seinem Matrosenaufzug wohl. Die Bar im Unterdeck ist ein Schmuckstück zum Wohlfühlen. Barkeeper Patrick Oli Schneider weiß seine Gäste zu unterhalten und mit guten Cocktails zu bewirten.

Vieles in der Backschaft gibt es auf keinem Schiff. Das schwimmende Restaurant ist obendrein tatsächlich manövrierfähig und hat inzwischen sogar einen richtigen Kapitän. Mit ihm kann es durch die Gewässer cruisen, mit 160 Gästen an Bord. Man darf große Bullaugen machen.

Ludwig Fienhold

Barkeeper Patrick Schneider

Barkeeper Patrick Schneider

Backschaft, Offenbach, Mainstraße (Parkplatz Mainufer), Tel. (069) 800 70 70. Geöffnet: Restaurant Di – Sa 17.30 – 24 Uhr (Küche 22.30 Uhr), Bar Di –Do 19 – 1 Uhr, Fr. + Sa 19 -2 Uhr.Vorspeisen 14 – 19 €, Hauptgerichte 23 – 27 €, Desserts 10-11 €. www.backschaft-offenbach.de

 

 

 

 

Photocredit: Backschaft, Barbara Fienhold

 

 




Drinksmith Bar: Sechs Craft Biere vom Fass

Großartiges vom Getränkeschmied Stefan Schmidt

 

Das Frankfurter Brückenviertel in Sachsenhausen wird immer mehr zu einem munteren Ausgehrevier. Mit der „Drinksmith Neighbourhood Bar“ in der Wallstraße gegenüber vom „Markt im Hof“ ist ein guter Neuzugang zu verzeichnen. Die Barbarossa-Schänke hatte so einen Bart und musste auch aus Altersgründen abdanken. Von der alten Pilsstube ist nur noch die Theke geblieben, doch mit sehr schönen handgefertigten Kacheln wurde Farbe in die düstere Pilsstube gebracht.

Jannis

Jannis

Besonders bemerkenswert: Es gibt gleich sechs frisch gezapfte Craft-Biere, die richtig gut sind. Vor allem das Drinksmith Helle aus der Kronberger Getränkeschmiede von Stefan Schmidt –  großartig! Gehaltvoll und doch süffig, würzig und voll praller Lebensfreude springt es nur so über die Zunge und verlangt nach mehr. Das Taunus-Bier ist ohnehin eine Entdeckung, denn der Meister verzapft auch noch andere erstklassige Sorten (Rauchbier, Märzen, Festbier und mehr). Im Drink Smith gibt es indes nur das Helle. Dafür aber noch weitere gute Sorten von anderen Bier-Handwerkern, etwa das malzig-schwere Dolden Porter. So macht Bier wieder Spaß. Spannend sind zudem die Bier-Cocktails, wobei der pfälzische Winterling-Sekt auch gut ist. Betrieben wird die neue Kneipen-Bar von Zachary Smith, der zuvor im Walon & Rosetti in der Moselstraße arbeitete. Samstags steht Jannis Artemis hinterm Tresen, ein kundiger Charaktertyp und cooler Barkeeper.

Drinksmith, Frankfurt, Wallstr. 14, Mo – Do 18 – 1 Uhr, Fr 18 – 3 Uhr, Sa 13 – 3 Uhr, So 18 – 1 Uhr.   




Atelier Wilma: Außer Spesen nichts gewesen?

Michael Riemenschneider ist nicht auf dem Damm

 

Nachdem der Gastronom Michael Riemenschneider seine Lokale in Kitzbühel und Bad Homburg aufgeben musste (siehe BISS-Artikel Michael Riemenschneider verliert zwei Lokale), existiert nur noch sein Frankfurter Lokal Atelier Wilma. Dort ist er seit vielen Wochen nicht mehr anzutreffen. Stattdessen kocht der Restaurantleiter – so schnell wird man vom Kellner zum Koch. Versuche mittags zu reservieren, verlaufen ins Leere. Offenbar läuft das Mittagsgeschäft nicht gut genug.

Ein Besuch unseres Mitarbeiters Jeffe Mangold verlief, sagen wir einmal,  aufschlussreich. Er erlebte den sichtlich gut gelaunten Restaurantleiter Max Schnell, der im Handumdrehen zum Küchenchef wurde, weil der ehemalige Küchenchef Alexander Sadowczyk seit 31. Dezember 2016 nicht mehr am Herd steht und Michael Riemenschneider nicht so ganz gesund ist. Der Herr Riemenschneider, so hieß es bei dem Besuch unseres Autoren, wäre krank. Genau deshalb kocht ganz flink der Herr Schnell, der zuvor noch die Gäste als Servicechef bediente. Eine Speisekarte wird unserem Tester nicht vorgelegt, die Küche arbeitet freihändig. Damit bleibt aber auch die Preisgestaltung nicht transparent.

Offenbar macht die Küche nach wie vor vieles, was schon zuvor praktiziert wurde: Schlichte Sous Vide Zubereitung, die auch wegen der leichten Praktizierung um sich greift. Manchen Gerichten tut dies indes nicht gut, denn unser Tester Jeffe Mangold bekam ausgerechnet sein Lamm (mit Porridge) nur lauwarm serviert. Jus oder andere Saucen gab es nicht, das macht ja Arbeit und könnte auch leicht fehlendes Talent offenbaren. Das Wildbret vom Taunushirsch irritierte, da bei dem Besuch im März noch Schonzeit herrschte. Später wurde eingeräumt, dass es sich wahrscheinlich um Damhirsch aus dem Zuchtgehege handeln würde. Bei Wachtel mit Bulgur gab es keine Probleme, auch der Skrei einwandfrei.  Insgesamt aber „keine kreativen Überraschungen und nur allseits bekannte Kombinationen“ notiert unser Tester. Endpreis: 215,50 €, für 2 Personen, 4 Gänge, sechs offene Weine und Wasser. Es wird, wie schon bei der Reservierung mitgeteilt, nur Bargeld akzeptiert, was gerade für derlei hochpreisige Restaurants keineswegs üblich ist, aber den Schelm Böses denken lässt. Fazit unseres Testers: Trotz entsprechender Auszeichnung kein Sterne-Niveau und schon gar nicht vergleichbar mit anderen Sternerestaurants in Frankfurt.

Siehe auch Leserbriefe dazu

 




Gastro News Frankfurt

TNT im Palais Thurn & Taxis

 

In das schmucke Palais Thurn & Taxis in der Frankfurter Innenstadt zieht endlich wieder gastronomisches Leben ein: Im Mai will dort TNT die Türen öffnen. Hinter dem explosiven Namen stecken Mohammed Rahimi und Sadi Sanlav, die zudem die Lokale Druckwasserwerk, Harveys, Weidenhof, The Legends, Rinks, Little Italy und Dunkin Donuts betreiben. Vor einigen Monaten war an gleicher Stelle noch das Frohsein (zuvor Frohsinn) zu Hause. Der Innenhof gehört zu den schönsten Plätzen der Stadt. Das hat auch die attraktiv gestaltete Parfümerie Kobberger so gesehen und im Palais gleich gegenüber Quartier bezogen. Der stets präsente und kundenfreundliche Klaus Kobberger freut sich, einen munteren Nachbarn zu bekommen, der den Platz beleben wird.

 

Eis-Kunst-Lauf für die Zunge

FirenzeDer für uns beste Eis-Salon der Stadt, das Firenze am Walther-von-Cronberg-Platz, hatte ja sogar den Winter über geöffnet und startet jetzt die Saison mit neuen Kreationen: Mandel-Krokant und Nougat muss man probiert haben. Selbst die von uns wenig geschätzten Sorten Orange und Erdbeere sind großartig. Man kann jetzt sogar die Waffel- und Bechergröße wählen und dadurch bei kleinerer Portionierung auch mal drei, vier verschiedene Sorten schaffen (siehe Bild). Die Preise sind gemessen an der hohen Qualität und Handwerkskunst extrem kundenfreundlich.

 

 

Riesling-Tage sind gute Tage

Der 3. Frankfurter Riesling-Tag sollte wieder ein schöner Tag werden. Im Horst der Adlerwerke nahe der Galluswarte kommen einige besonders bemerkenswerte Winzerinnen und Winzer zusammen. Allein Juliane Eller und ihre „Juwel“-Tropfen würden den Besuch lohnen. Es gilt aber auch Irene Söngen aus dem Rheingau zu entdecken, die einen hervorragenden Sekt erzeugt. Und den trockenen Philipp Kettern von der Mosel. Neben individuellen Weinmachern stehen handverlesene Weinhändler parat. Insgesamt können über 100 Rieslinge verkostet werden, wobei der Eintritt von 10 € ein Geschenk ist. Samstag, 22. April, 14 – 20 Uhr. www.frankfurter-riesling-tag.de




Albtraum Neswine

Weinfreunde sitzen auf

dem Pulverfass

 

Ein Bericht aus der Schleuderkegelkolonne

 

Von Peter Hilgard

 

Das Aufsichtsratsmitglied einer kleinen Textilfirma, Martin F. war, zusammen mit seinem Chauffeur, auf dem Wege zur Jahressitzung dieses Gremiums am nächsten Tag in einer fränkischen Kleinstadt. Ein Motorschaden zwang die beiden Herren in einem nahe gelegenen Dorf eine Werkstatt aufzusuchen. Da es schon spät geworden war, entschloss man sich statt im Zielort im Dorfgasthof zu nächtigen. Die Speisekarte im Hotel war eher bescheiden und eine Weinkarte nicht vorhanden. Der Chauffeur wählte ein Bauernomelette, zu dem er sich ein Bier bestellte. Herr F. bat die Kellnerin um ein Glas stilles Mineralwasser, aber bitte in einem großen Weinglas! Als ihm die verwunderte Bedienung das Glas auf den Tisch stellte, griff  er in seine Jackentasche und holte ein kleines Tütchen hervor, in Form und Größe einem Umschlag für einen Teebeutel nicht unähnlich. Er riss eine Ecke auf und kippte den Inhalt in das Glas. Das Wasser färbte sich durch das Pulver tief rot. Er schwenkte das Glas vorsichtig und schnupperte: „Ist o.k.“ ließ er verlauten, während sein Chauffeur ihm wie versteinert gegenüber saß und versuchte das leere Tütchen über den Tisch zu sich zu ziehen. Er las, immer noch reglos: „NESWINE – Red  Bordeaux, Type Pomerol“. Während Herr F. sichtlich zufrieden an dem Glas hing und schnupperte, war sein Chauffeur verwirrt und unsicher ob des gerade Erlebten.

RotweinpulverIst diese Geschichte wahr? Vielleicht noch nicht ganz, aber die ersten Schritte zu ihrer Verwirklichung sind bereits getan. Im April 2014 wurde in den USA Alkoholpulver zum Konsum offiziell freigegeben. Zunächst hat man Rum-, Tequila- oder Bieraromen dazu gemischt und bot entsprechende „Instant Cocktails“ bzw. “Instant Beers” an. Hintergrund ist das berüchtigte Laborgerät namens “Schleuderkegelkolonne” (engl.: Spinning Cone Column). Es vermag auf physikalische Art jede Flüssigkeit, so auch Wein, in seine Bestandteile aufzuspalten. Diese können dann wieder in beliebigen Verhältnissen zusammengebaut werden, d.h. Alkoholgehalt, vielfältige Aromen und Tannine können pulverisiert und exakt und reproduzierbar zu einem beliebigen „Wein“ komponiert werden. Selbstverständlich gibt es keine Jahrgangsangaben, denn die Willkür der Meteorologie hat die Schleuderkegel-Technik endlich in ihre Schranken gewiesen.

Ich habe gelesen, dass im Staate Kalifornien angeblich bereits an die 500 Kellereien eine teure Schleuderkegelkolonne besitzen und für die Weinbereitung nutzen. In Europa hat man dieser Manipulation eine regulatorische Absage erteilt. Das erwähnte Fraktionierungsverfahren ist für die Weinherstellung nicht zugelassen. Trotzdem können die „Kunstweine“ aus Übersee auf den europäischen Markt kommen und mit den lokalen, weitestgehend „unverfälschten“ Tropfen in Wettbewerb treten. Nebenbei bemerkt, Weinpulver mit Burgundergeschmack gibt es schon, allerdings wird es bislang, Gott sei Dank, nur zum Kochen empfohlen.

Manipulationen während der Vinifikation sind bei den Winzern eine uralte Unsitte und wurden, wie wir aus zahlreichen Quellen zuverlässig wissen, schon im Altertum angewendet. Häufig ging es darum Fehler im Wein zu beseitigen. Dies geschah durch Zugabe verschiedenster Ingredienzien, die den fehlerhaften Geschmack und Geruch überdecken sollten. In modernen Zeiten sind Methoden wie die Umkehrosmose, bei der aus dem Wein Wasser entfernt wird, oder die Zugabe von Holzspänen zur Aromatisierung en vogue. Auch das Hinzufügen bestimmter Chemikalien um sensorisch ungewünschte Moleküle zu binden und dadurch zu eliminieren ist gang und gäbe. Dünnen Mosten gibt man Zucker oder Honig zu, um den Alkoholgehalt hoch zu puschen. Leider muss die Anwendung dieser Techniken nicht auf dem Etikett vermerkt werden, d.h. der Konsument läuft auch bei uns in Europa Gefahr nicht das wirkliche Original am Gaumen zu spüren. Daher ist und bleibt Vertrauen in die Ehrlichkeit der Arbeit einer Kellerei, egal aus welcher Weinregion, das wichtigste Qualitätskriterium für den anspruchsvollen Genießer.

 




Moderne Thai-Küche mit frozen Curry

Highlight: Thai meets French

von Henry Yde Andersen

und viele gute Weine

 

Viele Köche meinen, sie müssten mit Luxusprodukten auftrumpfen, um überzeugen zu können. Dabei kann es viel beeindruckender sein, wenn jemand aus vermeintlich Einfachen etwas Gutes macht. Die Gurke zählt gerade bei Spitzenköchen zu den geächteten Lebensmitteln. Umso schöner war deshalb der Einsatz des munteren dänischen Sternekochs Henrik Yde Andersen, der eine banale Gurke zur Delikatesse machte und sie damit aus dem trostlosen Dasein als Trivialstück befreite. So etwas gehört zu den bereichernden Erlebnissen des grundsätzlich sehr lehrreichen Rheingau Gourmet & Wein-Festivals, bei dem man als Gast nicht nur bewirtet wird, sondern auch viele Denkanstöße und kulinarische Anregungen bekommt, die weit über das Festival hinausreichen, das jetzt zu Ende gegangen ist. Ein Highlight war unter anderem die moderne Thai-Küche des Dänen. Solche überzeugend eigensinnigen Charaktere erwartet man bei solch einem Gourmet-Gipfel, denn sie überraschen mit individuellen und nicht austauschbaren Gerichten.

Henrik Yde Andersen

Henrik Yde Andersen

Henrik Yde betreibt in Kopenhagen das thailändische Sterne-Restaurant Kiin Kiin und ist ebenfalls für das ausgezeichnete Sra Bua by Kiin Kiin im Kempinski in Bangkok verantwortlich. Beim Gourmet-Festival im Kronenschlösschen im Rheingau gab er unter dem Thema „Thai-French“ einen Eindruck seines sehr persönlichen und doch authentischen Stils. Kurzum: Besser thailändisch als bei ihm kann man kaum sonst außerhalb Thailands essen, wobei es selbst in Thailand nur wenige Adressen gibt, die eine solch einfühlsam modernisierte Thai-Küche bieten. Das geeiste rote Thai-Curry mit Korianderblättern, Erdnüssen und Hummer war famos, auch deshalb, weil es Haute Cuisine und Street Food zusammenführte (im Bild oben). Mehr Thailand auf einem Teller geht nicht. Die Kombination war geschmacklich von großer Raffinesse und ließ die unterschiedlichen Düfte harmonisch aufeinander abgestimmt aufsteigen. Durch die leichte Vereisung wurde dem Curry die Schärfe genommen und war mehr prickelnd würzig wahrnehmbar. Eine Gurke ist eine Gurke ist eine Gurke. Doch was Henrik Yde diesem schlichten Gemüsegemüt alles an Aroma und Frische entlockt, machte riesige Freude, wozu auch die würzige Thai-Fisch-Marinade beitrug. Diese erfüllte den ganzen Raum und versetzte die Gäste in eine Garküche nach Bangkok. Die Thai-Küche kennt nur einfache und recht süße Desserts. Der gebratene Bananenkuchen mit Kokos-Eisflocken und gesalzenem Karamell-Eis indes begeisterte.

ServiceDie Tropfen der Topweingüter Breuer, Dönnhoff und Wirsching hatten es nicht leicht, mit diesem enormen Aromenspektrum der Thai-Küche einherzugehen, wobei der moderierende Wein-Experte Silvio Nitzsche sehr feinfühlig interpretierte und eine Expertise darüber abgab, wie intelligent und spitzfindig Sommeliers sein können.

Eines der besonderen Merkmale des Rheingau Gourmet & Wein-Festivals ist ja die persönliche Teilnahme der Winzer oder Weingutsbesitzer. Wenn jemand so erfrischend und eloquent ihre eigenen Weine vorstellt wie Theresa Breuer, dann freut man sich noch mehr auf das Glas. Das Burgenland war ebenfalls mit einigen guten Weinen vertreten, der Sauvignon Blanc Vogelgesang von Ernst Triebaumer präsentierte sich schlank und nervte nicht mit überzogener Aromatik. Das Weingut Pöckl vom Neusiedlersee gehört zu den besten Erzeugern Österreichs, die Cuvée Admiral 2013 aus Blauem Zweigelt, Merlot und Cabernet Sauvignon war einfach grandios. Learning by drinking: Kalifornische Weine findet man bei uns immer weniger auf den Karten, dabei lohnt es sich, sie im Blick und im Glas zu haben.  Der Sauvignon Blanc, oft besagter Nervtöter, überraschte auch hier. Lail Vineyards sind sonst eher für Rotweine bekannt, doch ihr Georgia Sauvignon Blanc 2012 hat subtiles Format. Weitere Glanzpunkte: Boar´s View Pinot Noir von Schrader sowie Angeli Syrah von Stolpman.

Geniale Gurke

Geniale Gurke

Simon Taxacher aus dem Burgenland gehört zu den besonders hochdekorierten Köchen (19 Punkte bei Gault & Millau, 2 Michelin-Sterne). Seine naturbeseelte Küche bringt viel von Acker und Feld auf den Teller: Okraschoten, Sellerie, Buchweizen, Artischocke, fermentierte Schalotten oder Yacón-Wurzel. Damit könnte auch der Frankfurter Kollege Andreas Krolik etwas anfangen, zu dessen doch sehr speziellen veganen Menü 100 Gäste kamen und damit überraschend viele. Der Österreicher Simon Taxacher geht behutsam vor und neigt nicht zu spektakulären Paukenschlägen. Sein Langostino mit feiner Artischocke und gerösteten Artischockenblüten (Kaviar des Feldes) badete gelassen in einem schönen Sud und verbreitetes leises Wohlgefühl. Das zarte Luma-Schwein mit fermentierten Schalotten setzte ebenfalls auf dezente Haptik und die Qualität dieses Schweizer Edelschweins. Dass aber ausgerechnet der Regionalkoch aus dem Burgenland mit dem internationalen, allgegenwärtigen und überbewerteten Wagyu Beef aufwartete, konnte man trotz perfekter Zubereitung als Stilbruch empfinden. Gibt es in Österreich nicht genug prädestinierte Rindviecher?

Eine sportliche, logistische und kreative Hochleistung muss man der Mannschaft des Kronenschlösschens bescheinigen. Küche und Service hatten täglich immerhin über 300 Gäste zu versorgen. Das Rheingau Gourmet & Wein-Festival ist zu Ende, doch das Jahresprogramm des Kronenschlösschens bietet noch viele weitere Highlights.

Ludwig Fienhold

 

KronenschlösschenInfos & Buchungen

Hotel Kronenschlösschen

Eltville-Hattenheim, Tel. 06723-640 

info@kronenschloesschen.de

www.kronenschloesschen.de

 

Photocredit: Barbara Fienhold




Weltneuheit Pop-Up-Hotel: Ein Bett im Lifeguard Tower am Strand

Originelle Logis am Meer

 

Originelle Unterkunft direkt am Sandstrand: Am Frishman Beach in der Mittelmeer-Metropole Tel Aviv wird ein Rettungsschwimmerhäuschen zu einer einzigartigen Hotelsuite mit Butler-Service. Gemeinsam mit der Stadtverwaltung und den „Brown Urban Hotels“ verwandelte das Israelische Tourismusministerium den Rettungsschwimmerturm in eine ungewöhnliche und luxuriöse Unterkunft, die alle Kriterien eines Fünf-Sterne-Hotels erfüllen will. Neben direkter Meernähe genießen die Gäste alle üblichen Annehmlichkeiten, etwa eine Verwöhndusche, Zimmerservice und ein üppiges Frühstück sowie einen persönlichen Butler.

Tel Aviv HotelDie exklusiven Übernachtungen im „Lifeguard Tower“ wurden nur im Rahmen der Aktion „Take me to Tel Aviv“ des Tourismusministeriums und der Stadt Tel Aviv verlost. Auf die Gewinner wartete eine viertägige Reise  inklusive Flügen und drei Übernachtungen, eine davon im Lifeguard Tower am Strand. Doch die Idee, aus einem banalen Rettungsschwimmerhäuschens ein so fabelhaftes Hotelchen zu machen, ist selbst preiswürdig und sollte Anregungen für andere sein.

Photocredit: Guy Yechiely




Caviar House: Das beste Lokal am Frankfurter Flughafen

Last call, please proceed immediately to Caviar House!

 

Der Frankfurter Flughafen ist verbrezeltes Gelände. Die allgegenwärtigen Teigwaren sind allerdings auch oft letzte Rettung vor mäßigem und überteuertem Essen. Als Gast erlebt man am Rhein-Main Airport meist Turbulenzen. Einen sicheren Landeplatz bietet Anspruchsvollen jedoch das Caviar House. Zaren-Lachs, Kaviar und Champagner sowie leckere Sandwichs verschaffen einen guten Start.

Es gibt tatsächlich ein Lokal am Frankfurter Flughafen, bei dem man sich Flugverspätung fast schon wünscht, nur um ein wenig mehr Zeit dort verbringen zu können. Eigentlich sind es drei Adressen, denn das Caviar House ist gut an verschiedenen Stellen vertreten – zwei im Terminal 1, eine besonders sympathische im Terminal 2.

Lachs Tatar

Lachs Tatar

Der Balik Lachs gehört zum Feinsten, was es in diesem Genre gibt. Genauer das Tsar Nikolaj Filet, das man nicht dünn geschnitten, sondern in fingerdicken Tranchen genießt. Für 35 € kann man glücklich werden, ab 50 € auch zwei Personen. Wer weniger Zeit hat, für den ist das Balik Tatar Sandwich eine gute Alternative. Es ist saftig, gut gewürzt und passt ebenfalls zum Champagner. Für sechs Euro gibt es nichts Besseres am Frankfurter Flughafen.

Die Balik-Farm in den Toggenburger Bergen in der Schweiz hat kulinarisch Geschichte geschrieben. Ende der siebziger Jahre wurde sie vom Schauspieler und Lebenskünstler Hans Gerd Kübel aufgebaut, einem modernen Gargantua, der in seiner barocken Art ewig auf der Suche nach besonderen Genussmitteln war. „Balik“ steht im Russischen für den mittleren Teil entlang des Rückgrats vom Lachs. Das wahre Balik-Geheimnis aber steckt in einem speziellen Räucherverfahren.  Der selige Hans Gerd Kübel hat es seinerzeit einem Russen entlockt, nach dessen Vorgaben er auch einen ganz besonderen Räucherofen fabrizierte. Die vor allem aus Norwegen stammenden Lachse erhalten ihr fein-würziges Aroma von drei verschiedenen geheim gehaltenen Holzarten.

Balik Lachs Tsar Nikolaj

Balik Lachs Tsar Nikolaj

Außer dem Lachstatar-Sandwich werden auch noch andere Happen im Caviar House am Frankfurter Flughafen angeboten: Sandwichs mit Pata Negra Schinken, Beef, Baby Lobster, Entenleber, Flusskrebsen, Gravlax und Kaviar. Kaviar in allen Größen und Qualitätsstufen ist Standard, wobei sich die kleinen Shots für den fliegenden Konsum am besten eignen. Eine weitere schöne Offerte: Ein Glas Champagner und 10 Gramm Kaviar für 28 €. Neben dem guten Caviar House Champagner stehen Bollinger und andere Sorten parat, den Hauschampagner gibt es bereits für 50 € die Flasche. Glasweise passen die Champagner ebenfalls ins Budget (12 – 15 €). Zudem machen die Weißweine von Künstler, Stigler und Dönnoff Spaß.

Das Shop-Lokal bietet nur wenige Plätze, meist am Bartresen. Das stört überhaupt nicht, zumal sich ein netter Service professionell um die Gäste kümmert. Die Caviar House Filialen befinden sich leider nicht im öffentlichen Bereich und sind erst nach der Passkontrolle zu besuchen. Es gibt aber auch einen cleveren und gut funktionierenden Gate-Service, der nach Absprache alle Produkte an jeden x-beliebigen Ort am Flughafen bringt.

Ludwig Fienhold

 

Caviar HouseCaviar House & Prunier, Frankfurt Flughafen, Terminal 1, Departure B. Tel. (069) 695 97808.

Terminal 1, Departure Z. Tel. (069) 697 13022.

Terminal 2, Departure D-E. Tel. (069) 690 30041.

Alle Adressen sind täglich von 6 – 22 Uhr geöffnet.

www.caviarhouse-prunier.com

  

 

 

Titel: Caviar House, Fotos: Barbara Fienhold




Neu und nicht zerbrechlich: Wohnzimmer-Bar Bonechina

Alt-Sachsenhausen wird wieder ein Stück besser

 

The Good, the Bad & the Ugly. Die Guten sind im Frankfurter Kneipenrevier Alt-Sachsenhausen so rar wie Helden in einem Italo-Western. Aber es gibt immer mehr Standhafte, die dem radauhaften Umfeld trotzen und mit Qualität, Witz, Charme und dezentem Auftritt überzeugen. Das individuelle Hotel Libertine Lindenberg, die kreative Eventlocation Der kleine Mann mit dem Blitz, die Bar Old Fashioned oder die hippe Wundertüte Showmanship sind leuchtende Beispiele einer positiven Entwicklung des größtenteils kaputten Saufquartiers. Jetzt wurde im ältesten und kleinsten Haus Alt-Sachsenhausens in der Großen Rittergasse die Bar Bonechina eröffnet – und damit ein weiterer Pflasterstein der Hoffnung gesetzt.

Die Barkeeper Sven Riebel, Bjoern Gutowski, Dominik Andes

Die Barkeeper Sven Riebel (Mitte), Bjoern Gutowski, Dominik Andes

Die neue Bar Bonechina liegt am Rand von Alt-Sachsenhausen und befindet sich in dem wahrscheinlich ältesten Haus des Viertels, das 1747 entstand. Bonechina wird von Keramikfliesen beherrscht, die den Raum wie ein geripptes Apfelweinglas erscheinen lassen. Eine Reminiszenz an das Apfelwein-Quartier Alt-Sachsenhausen. Das Barkonzept ist auch dem Format geschuldet. Viel mehr als eine Minibar kann man auf 35 qm nicht schaffen, weshalb die starre Tresen-Beziehung als Schranke zwischen Gast und Barkeeper geradezu durchbrochen werden musste. Alle scharen sich vor allem um einen Trinkbrunnen – einen Porzellan-Elefanten, aus dessen Mund Tonic Water strömt. Kaum mehr als 20 Personen finden dort Platz. Die Gäste können selbst aktiv werden und sich nach Anleitung eigene Drinks zubereiten. Man wählt zwischen vorgemischten Drink-Klassikern und verfeinert diese mit aromatisierten Eiswürfeln – von Vetiver-Süßgras bis Sandelholz gibt es vielfältige Variationen. Außerdem gibt es die italienischen Weine von Tomilaia & Friends.

Bonechina aussenDie neue Bar Bonechina mag klein sein, erscheint aber strukturiert und kompakt. Auch Barkeeper Sven Riegel wirkt nicht gerade zerbrechlich. Man kennt ihn aus dem Tiny Cup im Seven Swans, wo er indes ebenfalls noch aktiv ist. Bonechina befindet sich gegenüber vom supernetten Hotelchen Libertine Lindenberg und ist damit ein verlängerter Arm für Gäste, die noch eine Bar zum Festhalten suchen. Dass die Bar Bonechina zur ideenreichen Lindenberg-Gruppe gehört, versteht sich fast von selbst.

LF

Bonechina, Frankfurt, Große Rittergasse 64, Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag 19-02 Uhr. Freitag bis Montag für geschlossene Veranstaltungen verfügbar. www.bonechinabar.com

 

Photocredit: Steve Herud (2), Barbara Fienhold (1)

 

 




Gourmet-Festival: Super Saucen & Schicke Sommeliers

Das große Genuss-Festival im Rheingau

will auch Spaß vermitteln

 

Sternekoch Nick Brill (**) schickt in seinem monumentalen Kathedralen-Restaurant The Jane in Antwerpen allabendlich 220 Couverts, stemmt das dank seiner robusten und routinierten Art aber gut. Obwohl es auch beim Rheingau Gourmet & Wein-Festival sportlich zugeht, muss ihm sein Gastspiel fast wie eine Erholung vorgekommen sein. Eines seiner Signature Gerichte ist der pochierte Hummer in Beurre Blanc/Dashibutter mit geräucherter Rote Bete und Lachskaviar. Wegen seiner Ausdruckskraft wahrhaft ein Paradestück, bei dem die wunderbare klassische Beurre Blanc ein Revival erlebt. Bei den Jakobsmuscheln mit Sellerie, Apfel und einem Sorbet aus Mandarinen und Sake wurden die Meeresfrüchte beinahe zur Begleiterscheinung, denn der ausgesprochen harmonische Sud war so finessenreich, dass man sich nur an ihm schon berauschen konnte (beim Dinner mit Meerrettich, beim Lunch ohne, was besser kam).

Nick Bril (r.), Simon Stirnal (M.), Justin Leone (r.)

Nick Bril (r.), Simon Stirnal (M.), Justin Leone (l.)

Das Restaurant The Jane in Antwerpen ist eine der spannendsten und am besten besuchten Adressen Europas. Dieses Lokal gibt einen Ich-will-Spaß-Trend vor, der bald alles andere links und rechts stehen und vergessen lässt. Er basiert auf dem Willen der Gäste größtmögliches Vergnügen in lässiger Atmosphäre erleben zu wollen, bei gutem Essen und ausgesuchten Weinen. Der Küchenchef des Kronenschlösschens Simon Stirnal hatte jedenfalls großen Spaß, gemeinsam mit Nick Bril am Herd zu stehen, der sehr salopp daherkommt, aber ein Arbeitstier ist. Simon Stirnal selbst glänzte mit einem Rehrücken mit Grünkohl, gesüßten Kartoffeln und einer ausgezeichnetem Wacholderjus. Überhaupt geht der Oscar beim Menü an die Saucen.

Justin Leone

Justin Leone

Das Besondere am Rheingau Gourmet & Wein-Festival ist nicht allein das außergewöhnliche Programm mit internationalen Branchengrößen und Newcomern. Beispielhaft ist auch, dass die begleitenden Winzer oder Weingutsbesitzer persönlich dabei sind und mit am Tisch sitzen. Etwa Urban Kaufmann, ein Schweizer Käse-Experte, der vor einigen Jahren das Rheingauer Weingut Hans Lang kaufte. Sein frischer Riesling „Tell“ animierte mit freudigem Trinkfluss und seine feinfruchtige elegante Riesling Auslese 2017 „Schützenhaus“ zeigte, dass auch Weine mit Restsüße nicht satt machen und nach mehr verlangen. Schön auch, wieder einen guten alten Bekannten aus dem Bordeaux zu treffen – Château Cantemerle (2000 und 2005), ein echter Klassiker, der angenehm unmodern geblieben ist. Modern und trotzdem angenehm ist Justin Leone, der das Tantris in München auch mittags zu einem heiteren Weintrinkertreff machen konnte. Er hat zwar zuvor viele Jahre in Chicago bei Grant Achatz im Alinea gearbeitet, ist aber eigentlich Kanadier, was ihm angesichts der USA-Politik derzeit ganz recht ist. Justin Leone moderierte mit gewohnter Lässigkeit im schicken Dress. Solche entspannten Sommeliers wünscht man sich öfter.

Ludwig Fienhold

Menü Nick Bril

Jakobsmuschel & Mandarine * Hummer & Dashibutter * Rehrücken & Wacholderjus * Weiße Schokolade & Paprika

 

Das Gourmet-Festival geht noch bis zum 12. März, hier das Programm dazu:

Gourmet Festival Programm 2017 mit einem Klick

 

Festival-Gründer HB Ullrich

Festival-Gründer HB Ullrich

 

Infos & Buchungen

Hotel Kronenschlösschen

Eltville-Hattenheim, Tel. 06723-640 

info@kronenschloesschen.de

www.kronenschloesschen.de

 

 

 

Photocredit: Barbara Fienhold