Wir schaffen das nicht: Mit Pasta kann man sich auch nur genudelt fühlen   

Das neue Lokal Rimini in Frankfurt will mehr als es kann

 

Mit Fettucine Alfredo werden noch immer in Rom die Touristen gequält. Doch in Frankfurt fällt die Torture brutaler aus. Dort gibt es im neuen Rimini am Domplatz Tagliatelle Alfredo, die zudem nicht dem Klassiker entsprechend mit Butter und Parmesan zubereitet werden. In Frankfurt schwimmen sie in einer Art dünnen Milchsauce, die nach rein gar nichts schmeckt. Der darüber gestreute Käse soll ein 24 Monate gereifter Parmesan sein, erscheint aber als geschmacksneutraler Industriekäse, der alles so banal lässt, wie es ist. Die Pasta wurde wahrscheinlich nicht in Salzwasser gekocht. Das Gesamtergebnis ist ein fader Klumpen Pasta. Pasta Alfredo kann man durchaus auch so machen, dass es einigermaßen schmeckt. Die Weine, die man wegen ihrer schwachen Qualität als Pizzaweine bezeichnen muss, kosten dreiste 8/8.50 € das Glas (0,2l). Man will ein junges Publikum ansprechen, es ist aber vor allem ein Konzept für Ahnungslose und solche, die wenig Erfahrung haben. Ein Social Media Lokal.

Wein mit Domblick

Alfredo im Rimini

Es gibt keine richtige Küche, keinen Koch. Vorbereitetes wird aufgewärmt. Eine Küche darf es in diesem Gebäude am Dom wegen des Brandschutzes auch nicht geben. Das Rimini ist ein schlichtes Lokal, das vorgibt preiswert zu sein. Preis und Leistung stehen aber in keinem guten Verhältnis zueinander. Die Tagliatelle Alfredo kosten 16 €, die Tagliatelle Tartufo mit Trüffelbutter verschlingen 24 €. Insgesamt werden 8 verschiedene Pasta-Varianten angeboten, mit Preisen von 14 bis 24 €. Die Rigatoni Carbonara (18 €) gib es weit besser (siehe Pasta Carbanora im Marcos Bild unten).

Am Domplatz wimmeln die Touristen. Die Location ist gut und verspricht Erfolg. Die Hochtische vor der Tür zwingen zu einer ungesunden und ungemütlichen Haltung. Im nüchternen Kachel-Lokal möchte man aber noch viel weniger sitzen, weil es stickig ist und fürchterlich nach Käse riecht. Die durchaus sympathische Crew kann den schlechten Eindruck nicht kompensieren.

Eine gute Carbonara im Restaurant Marcos

Für Pasta-Liebhaber gibt es in Frankfurt zum Glück echte Restaurants. Wenn wir sehr gute Pasta essen möchten, gehen wir ins Naná ins Westend. Für ihr Pasta-Feeling schätzen wir das Brighella in Eschersheim und das Pasta Davini im Gerichtsviertel. Für gut und preiswert stehen La Perla Nero in Enkheim und Marcos in Sachsenhausen. Es gibt jedenfalls ausreichend richtige und richtig gute Köche, die für ein authentisches Pasta-Erlebnis sorgen.

Ludwig Fienhold

 

Fotos: Barbara Fienhold




Restaurant Naná in Frankfurt: Family Style auf sizilianisch

Gutes Konzept, neue Ideen, sinnliche Pasta

 

Ein Jahr lang

mit an der Spitze

 

Das stylische Restaurant Naná ist eines der Glanzlichter in der Frankfurter Gastronomie. Das gilt auch gut ein Jahr nach der Eröffnung. Alles hier ist anders als bei den meisten italienischen Lokalen, vor allem hat man es mit einem durchdachten Konzept zu tun. Die Menüs sind kreativ und betonen wie die Betreiber ihre sizilianische Herkunft. Eine bessere Pasta wird man zudem kaum finden.

William Vitale

Im Gegensatz zu vielen Topadressen bietet man im Naná nicht nur ein Menü an, sondern auch gute und andersartige Gerichte à la carte. Man besinnt sich auf die Kernkompetenz der italienischen Küche und serviert Pasta in Hochform. Einer unserer großen Favoriten: Saftige Spaghettone mit Bottarga di Tonno. Feinsinnig auch die zarten Linguine mit goldenem Knoblauch, exzellentem Olivenöl, etwas Chili und Pfeffer sowie hervorragenden Sardellen. Ein weiterer fabelhafter Nana-Klassiker ist die hausgemachte Pasta mit Thunfischeintopf, karamellisierten Zwiebeln, Miso und Schwarzer Zitrone. Der langsam gegarte Thunfisch und der Sud gehen eine besonders delikate Verbindung ein, die bis zum letzten Gabelbissen begeistert.

Eine besondere, sympathische und letztlich auch preislich gastfreundliche Idee ist das Menü Family Style auf sizilianisch. Man teilt sich 3 Vorspeisen, 3 Hauptgerichte und ein Dessert. Das alles ist mehr als genug und kostet pro Person 75 €. Es gibt beispielsweise Rinder-Tatar mit Schalotten, knackigen Senfkörnern und geräucherter Mayonnaise. Oder roten rohen und marinierten Thunfisch mit sizilianischen Zitrusfruchtscheibchen und Grapefruit. Sehr gut auch das gegrillte Rindfleisch vom Black Angus mit einer schönen Gemüse-Rotwein-Reduktion nebst süßen Karotten und selbstgemachtem leichtem Aprikosenketchup. Mit dabei ist stets ein Dessert to share, meist der wunderbar cremige Vanille-Flan mit Brioche und Thymian-Streuseln. Mitinhaber und Küchenchef Salvo Maggiore versucht einen anderen Weg zu gehen und setzt auf individuelle Ideen und modifizierte Gerichte seiner sizilianischen Heimat. Eine wichtige und wohltuende Abwechslung in Frankfurt, das von immergleichen Italienern dominiert wird.

Salvo Maggiore

Das großartige hausgemachte Brot gehört zum Standardrepertoire. Gemeinsam mit dem hervorragenden sizilianischen Olivenöl ist es schon ein Statement, doch die geschlagene Butter aus aromatischen Siccagno-Tomaten macht es zu einem Erlebnis. Es ist beim Menü inklusive. Die auf der Karte stehenden 4,50 € beziehen sich nur auf Gäste, die noch unbedingt einen Nachschlag haben möchten.

Das Ambiente ist schick und heiter, die Formen und Farben machen gute Laune. William Vitale und sein Team sorgen für einen lockeren, netten und kompetenten Service. Beim Wein sollte man als Gast auf Flaschen aus Sizilien setzen, aber auch die Rebsorte Roero Arneis aus dem Piemont bringt hier Gutes auf den Tisch.

Salvo Maggiore

Von Dienstag bis Freitag gibt es ein Business Lunch, Gruß aus der Küche, Vorspeise und ein Pasta-Teller (18,50 €). Die Speisekarte  mit Sharing Menü und Gerichten à la carte wird ebenfalls angeboten.

Samstags ist das Restaurant jetzt durchgängig mittags bis abends geöffnet, zwischen 12 und 16 Uhr steht Aperitivo auf dem Programm, nach italienischer Art, Weine und anderes by the glass und Appetithappen dazu. In der Restaurantmitte gibt es bereits einen Hochtisch mit bequemen Stühlen für solche Gelegenheiten. Neben der hübschen Arcaden-Terrasse, die inzwischen von der Fassadenbaustelle befreit wurde, soll es im nächsten Sommer auf der anderen Seite des Hauses auch Plätze geben, die man nur auf eine Kleinigkeit und ein Glas aufsuchen kann.

Ludwig Fienhold

 

 

 

Restaurant Naná, Frankfurt, Grüneburgweg 95,

Tel. 069 714 363 48.

Di-Fr. 12-14.30 und 18.30-22.30 Uhr

Sa 12-22.30 Uhr

So + Mo geschlossen

www.nanáconvivial.de

Fotos: Barbara Fienhold

 

Linguine mit Knoblauch | Olivenöl | Pfeffer | Sardellen

 

Gegrilltes Black Angus

Parmigiana in drei Texturen

Wolfsbarsch in Fischjus

Aromatische Tomaten, Stracciatella Burrata

Roter Thunfisch

Pasta mit Thunfischeintopf

Rinder Tatar

 

 

 

 

 

 

 

 

 




Der neue Vintage Salon Champagner: Die Magie der zarten Perlage

Großer Champagner

für Feintrinker

 

Neue und alte Jahrgänge

mit Esprit

 

Die Präsentation eines neuen Jahrgangs vom raren Champagner Salon ist immer ein Ereignis. Dieser Terroir-Champagner aus besten Grand Cru Lagen in Mesnil-sur-Oger wird ausschließlich aus Chardonnay erzeugt, aber nur in besonders guten Jahren, was in der über hundertjährigen Geschichte der Kellerei keine 50 Mal geschah. Er kommt nur in homöopathischen Dosen von rund 30.000 Flaschen auf den Markt, von denen kaum mehr als 2000 Deutschland erreichen. Zum Vergleich: Moët & Chandon produziert über 30 Millionen Flaschen im Jahr. Die Qualität von Salon hat ihren Preis, derzeit liegt er beim aktuellen Jahrgang 2015 bei 1.200 €. Dieser und andere Champagner von Salon wurden im Sternerestaurant Ente im Hotel Nassauer Hof in Wiesbaden im kleinen Kreis verkostet.

Kühle, mineralische Stilistik, vibrierender Druck, messerscharfe Präzision. Der Salon 2015 wirkt sehr clean und puristisch. Ultra-feine Perlage, temperamentvolle Frische, 6 Gramm Dosage, mutet aber noch trockner an. Von jugendlicher Ungeduld, benötigt insgesamt noch Zeit, ausreichende Belüftung von wenigstens 20 Minuten und immer ein großes Weinglas.

Der Jahrgang 2002 von Salon war der erste des 21. Jahrhunderts. Und gleich ein ganz Großer. So viel Feinheit, diskreten Charme und schwebende Leichtigkeit erlebt man selten. Die Aromen von Citrus, Birne und Mandel flirren, der für die Kreideböden durchaus typische Ingwerton ist nur hauchzart präsent. Mehr als Brioche entdeckt man die von Proust verewigten Madeleines. Die dichte Perlage und ihre winzigen schnellen Bläschen entfalten im Mund sofort schmeichelndes Wohlgefühl und eine delikate Aromatik, die leicht salzig hinterlegt ist und ungemein animierend wirkt. Selten war ein reiner Chardonnay-Champagner jedenfalls so subtil, raffiniert und filigran. Das trifft noch mehr auf den in der Ente getrunkenen 2002 aus der Magnumflasche zu, ein Meisterwerk von Weltklasse, wie man es nicht oft erlebt. Eine solche Finesse und Sinnlichkeit vermitteln ein hoch emotionales Erlebnis.

Man kann Champagner mit allseits bekannte Luxusprodukten kombinieren oder mit Qualitätserzeugnissen wie dem zarten Schinken vom schwarzen baskischen Kintoa-Schwein – eine gute Empfehlung, die von Salon selbst kommt. Vielleicht sogar solo ohne jegliche Begleitung und weit ab von lauten Menschen und störenden Gerüchen, denn der Salon ist ein tiefer Schluck innerer Einkehr für stille Genießer.

Ludwig Fienhold

 

Die exklusive Tafelrunde in der Ente wurde von Thomas Schreiner begleitet, dem Vice President von Laurent-Perrier. Die Moderation übernahm Christian Rimoldi, er ist Export Director von Salon und Delamotte. Salon gehört zu Laurent-Perrier, dem größten familiengeführten Champagnerhaus. Ebenso wie Delamotte, das sich vor allem dem Blanc de Blancs verschrieben hat.




Abrissbirne: Die Ente im Nassauer Hof in Wiesbaden verliert ihr Gesicht

Grandhotel Nassauer Hof in Wiesbaden spielt verrückt

 

Kommentar

von Ludwig Fienhold

 

Es ist unglaublich. Das schönste Schmuckstück im Restaurant Ente und im ganzen Hotel Nassauer Hof, die von Anekdoten und Sagen umwehte Bartheke soll abgerissen werden und auf Nimmerwiedersehen verschwinden. Ich bin kein Klimakleber, werde mich aber an der Theke anketten, um meinen Protest gegen diesen unsinnigen Akt der Vernichtung auszudrücken. Hinter dieser Entscheidung steckt kein kluger Kopf, sondern eine Abrissbirne.

Es heißt, die Beseitigung der Bartheke sei notwendig, um die Küche zu erweitern. Wie bitte? Das Restaurant wird seit 45 Jahren mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet und benötigt weniger eine andere Küche als mehr ein größeres Küchenteam.

Genau diese Bar aber ist als Profitcenter unentbehrlich. Dort wurden mehr Champagner und große Weine getrunken als irgendwo im Hotel. Dort fanden mehr heitere, intime und besinnliche Gespräche statt als in ganz Wiesbaden. Und dort fühlte sich jeder Gast wohler als in jeder Suite.

Das Grand Hotel Nassauer Hof ist längst ein anderes geworden und gehört zu Dorint, wobei die Immobilie inzwischen an die Avila Gruppe verkauft wurde. Völlig egal, es entwickelt sich etwas in eine Richtung, dass die Klientel des Nassauer Hofs mehr als nur irritiert. Das Hotel wird Ende 2025 wegen einer Renovierung für zwei Jahre geschlossen. Auch die Ente soll einem Facelift unterzogen werden, obwohl sie das schönste Restaurant Deutschlands ist. Das prägnante Deckengemälde bleibt wohl erhalten, nicht aber die Bartheke. Ungewiss ist auch die Zukunft der Ente. Sie soll zunächst als Pop-up bestehen bleiben, aber eben nicht in Wiesbaden, sondern irgendwo anders. Aber die Ente ist nur die Ente mit dieser grandiosen Terrasse, der fabelhaften Bartheke und dem Küchenchef Michael Kammermeier, dessen Zukunft in den Sternen steht, die schon gar nicht der Michelin zu deuten vermag.

Deckengemälde in der Ente

 

Fotos: Fienhold, BISS Magazin




Lanzarote: Aus Vulkankratern kriecht ein einzigartiger Wein

Das neue Weingut Althay

bietet Klasse statt Masse

 

Von Ludwig Fienhold

 

Die Vulkan-Insel Lanzarote wird immer mehr zu einer Wein-Destination. Mit Althay gibt es jetzt eine weitere neue und sehr gute Bodega. Eine Verkostung mit dem Jahrgang 2023 kam zu einem vielversprechenden Ergebnis. Hier entsteht etwas, das einmal groß werden könnte, und jetzt schon sehr gut ist.

Enrique Spinola

Enrique Spínola empfängt uns in einer großen Garage in Playa Honda, wo die Fässer lagern und die Stahltanks stehen. Die eigentliche repräsentativere Bodega befindet sich im vulkanischen Weinmittelpunkt der Insel in La Geria, wo gerade ein Boutique-Hotel und eine Vinothek entstehen. Althay bietet derzeit sechs verschiedene Sorten. Das Weingut steht erst am Anfang, zeigt aber bereits deutlich, wohin die Reise geht. Die Besitzer, die Geschwister Martina Eduardo und Enrique Spínola, haben noch viel vor. Martina ist die Architektin des Projekts, Enrique der Weinmacher, der auch noch als Anwalt arbeitet.

Der Blanco aus Malvasia, Listan Blanco und Diego offenbart trotz der mineralischen und salzigen Lanzarote-Charakteristika eine weniger bekannte Seite der Inselweine und schüttet einen ganzen Obstkorb aus, ohne dabei eine kitschige Frucht zu entwickeln. Er ist schön schlank und saftig, voluminös und doch nicht fett.

Der wunderbar eigensinnige Rosé aus Listan Negro und Malvasia Volcanica, der mehr orange als rosa schimmert, hallt durch seine delikate Aromen aus Apfel, Hagebutte und Orangenzeste lange nach und bleibt als ein Wein in Erinnerung, der ziemlich viel ist, nur kein langweiliger Mainstream.  Der Listan Negro entsteht durch Ganztraubenpressung,  stammt aus einer 120 Jahre alten Parzelle und wird dort in knapp zwei Meter tiefen Erdgruben gezogen. Der Malvasia gibt ihm die inseltypische frische Salznote. Man kommt schneller zum Ergebnis, wenn man diesen Rosé eine halbe Stunde vor dem Trinken öffnet.

Ein über hundert Jahre alter Vulkankrater, an dem sich ein Bauernhof angesiedelt hat, bildet den Grundstock für diesen ungewöhnlichen Stoff. Der Malvesia Caldera Tinasoria wird in Edelstahl und 500-Liter-Fässern aus französischer Eiche ausgebaut. „Ein Wein, der sich besonders gut für die Gastronomie eignet“, meint Enrique. Dieser vitale und vollmundige Malvasia, der intensiv nach reifen Früchten duftet, braucht ein Essen, wobei ihn seine belebende Salzigkeit leicht erscheinen lässt.

Auf Lanzarote gibt es keine Weinberge in unserem Sinne, sondern vulkanische Krater und Erdlöcher, die sich an allen Orten verteilen, besonders konzentriert aber in La Geria vorkommen. Der Althay Listan Negro stammt von unterschiedlichen Orten, vor allem aus Geria. Dieser saftige Einstiegsrotwein ist frisch und leicht und schmeckt nach roten Früchten und etwas Paprika. Weit komplexer fällt sein großer Bruder aus, der Listan Negro Avelina. Er ist ein Einzellagenwein von Geria aus über zweihundert Jahre alten Reben. Reine Handarbeit, ungeklärt und ungefiltert. Ein ungemein tiefgründiger Wein, mit einem sinnlichen Duft von Champignons, Waldboden sowie sublimer Würze mit einem orientalischen Touch. Weich, rund, satt. Ausbau in Betontanks und französischer Eiche. Für uns aktuell der beste Rotwein von Lanzarote. Die Weine von Althay sind Raritäten mit einer geringen Jahresproduktion, die je nach Sorte 1.200 bis 7.600 Flaschen beträgt. Die Handelspreise liegen zwischen 25 und 30 Euro – was angesichts der Qualität, der aufwendigen Herstellung und der Limitierung nur recht und billig ist.

 

Fotos: Barbara Fienhold




Vermut gegen Schwermut: Ein großartiges Elixier von der Wein-Insel Lanzarote

Der Italiener Davide begeistert

mit einem ungewöhnlich

guten Drink

 

Wir haben nicht alle Vermouth dieser Welt probiert, kennen aber keinen besseren als den Primo von Davide von der Wein-Insel Lanzarote. Auch der baskische 3-Sterne-Koch Martin Berasategui war begeistert von dem Kräuter-Elexier. Das Besondere an Primo: Er ist schlank, sinnlich, elegant kräuterwürzig, trocken und weinig. Man merkt bei ihm mehr als bei den meisten dieser Spezies, dass er auf einem sehr guten Wein basiert.

Davide verließ vor zehn Jahren seine italienische Heimat, mit Sohn, Katze und vielen Ideen. Er wurde in Turin geboren und arbeitete bei einem Fernsehsender in Rom, wo er auch ein Lokal betrieb. Nach einem Urlaub auf Lanzarote wusste er, dass er dort länger bleiben wollte. Bevor er ans Werk ging, änderte er seinen Nachnamen rein künstlerisch von Musci (Muschi gesprochen) auf Primo, was sich auch besser auf den Etiketten macht und einprägsam ist. Davide ist ein super sympathischer Charakterkopf mit Feingefühl. Sein außergewöhnliches Talent und sein Gespür für die richtigen Proportionen verleihen seinem Vermut Format und Klasse.

Kurzgefasst, ist Vermouth meist ein mit Kräutern, Gewürzen und Früchten aromatisierter und aufgespriteter Wein. Der Vermut Blanco (spanische Schreibweise) wird mit einem Malvasia Vulcanica und der Rebsorte Diego von den Bodegas Los Bermejos erzeugt, einem der besten Weingüter auf der Insel. Essenziell bei der Herstellung sind die unterschiedlichen Botanicals, die diesem Vermut Charakter und Geschmack geben. Beim Primo Blanco spielt Artemisio eine wichtige Rolle, der Beifuß kommt in diesem Fall aus den Alpen im Piemont. Orangenschale von Lanzarote. Vermouth-Kraut, Chinarinde, Salbei, Zimt Koriander, Gelber Enzian und anderes mehr in der Rezeptur machen ein unwiderstehliches Getränk daraus. Es bezieht seine Kraft nicht aus dem Alkohol (15%), sondern der Kraft der Natur. Bei diesem Mixtum compositum hat man das Gefühl, das Beste aus einer Apotheke zu probieren und sich damit gesund trinken zu können. So wunderbar kann Medizin schmecken. Vermut gegen Schwermut.

Ludwig Fienhold

Davide erzeugt neben dem Primo Blanco einen Rojo, der ebenfalls anspruchsvoll ist, wobei wir den Blanco fast unerreichbar gut finden. Den Vermut gibt es in einigen Top-Restaurants auf Lanzarote sowie in guten und auf Individualität setzenden Geschäften wie der Käserei Rubicon in Femés. Derzeit werden rund 10.000 Flaschen davon hergestellt.

www.primodelanzarote.com

Fotos: Barbara Fienhold




Käse, Wein und eine Inselschönheit

Die Queseria Rubicon im Bergdorf Femés

auf Lanzarote birgt Überraschungen

 

Das Bergdorf Femés liegt auf einer Höhe, auf die man sich in Korkenzieherform hochschrauben muss. Wer die „long and winding road“ geschafft hat, wird mit einem schönen Ausblick und der Queseria Rubicon belohnt.

Claudia von Rubicon

Die Käsestube gewinnt aus den 400 eigenen Ziegen die unterschiedlichsten Sorten in verschiedenen Reifegraden: Fresco (frischer Käse), (Curado (gereift), Semicurado (halbfester milder Käse), (Ahumado (geräuchert), Gofio (mit Mehl aus geröstetem Getreide). Man lässt auch gerne probieren, wobei richtige Verkostungen für ein geringes Entgeld angeboten werden. Nicht übersehen sollte man auch den cremigen Joghurt aus Ziegenkäse. Es sind solche individuellen und mit handwerklich hergestellten Erzeugnissen arbeitenden Geschäfte, die Lanzarote liebenswert machen.

Im Dorfladen findet man außerdem sehr gute Weine, meist die der Winzer-Avantgarde von Lanzarote, die man nicht im Supermarkt bekommt. Daneben gibt es regionale Marmeladen und andere Spezereien. Ein Besuch wird besonders angenehm, wenn Claudia, die Tochter des Hauses, im Verkaufsraum arbeitet. Sie sieht eher wie ein Vogue-Model aus, ist mehrsprachig und kann die Käsesorten charmant erklären.

Ludwig Fienhold

Fotos: BISS




Piká: Eine ziemlich merkwürdige Neueröffnung

Wer möchte schon Bauchspeck mit Stäbchen essen?

 

 

Die Akustik in diesem neuen Lokal ist nichts für schwache Nerven und sensible Ohren, es scheppert und lärmt, man muss schon Heavy Metall erprobt sein, um das zu mögen. Erstaunlich dabei, dass zumeist junge Publikum schaut nicht ins Handy, sondern kämpft mit lauten Gesprächen gegen den Hall an. Keine Dämmung erleichtert die Stimmung. Das ansehnliche Holzmobiliar, das optisch und akustisch Wärme brachte, wurde weitgehend eliminiert. Überall Metall, kühles schepperndes Metall. Das mag irgendwie modern sein, gemütlich ist es nicht.

Pancetta | Trüffelöl | Parmesan | Schwarzer Pfeffer

Der Pancetta/Bauchspeck ist extrem salzig, entsetzlich, dass er auch noch mit Trüffelöl ruiniert wird. Trüffelöl, das sollte sich nun wirklich längst herumgesprochen haben, gehört in keine gute Küche. Wer einen fetten Bauchspeck auch noch mit Öl einfettet, muss sich fragen lassen, was er von Beruf ist. Aberwitzig, dass der Pancetta mit Stäbchen gegessen werden soll. Brot gehört in diesem Lokal nicht zum Speck, auf unsere Nachfrage wird es aber nachgereicht. Die Portion Bauchspeck ist klein, der Speck klebt zusammen und lässt sich mit Stäbchen kaum essen, weil er erst einmal richtig geschnitten gehört. Der Teller kostet 9 €, was angesichts der schwachen Leistung dreist erscheinen muss.

Kleine Küche, kleine TellerDas Tunfisch-Tataki mit Ponzu, Zwiebel und Limette (Bild oben) fällt sehr säuerlich und leicht scharf aus, ist aber akzeptabel. Das Gericht wird mit offensiven 17 € berechnet, was übermütig wirkt. An den Nachbartischen wird die Sauce, die reichlich bemessen wurde, übriggelassen. Nicht weil sie schlecht wäre, sondern ganz einfach weil man sie mit Stäbchen nun mal nicht essen kann und weder ein Löffel noch Brot dazu serviert wird. Wir bitten den Service um Brot, uns wird umgehend Focaccia von der Bäckerei Ouwe gereicht (ohne Berechnung). Gutes Reklamationshandling, besser wäre es ohne Reklamationen auszukommen.

Der Weinkarte fehlt eine persönliche Handschrift, Entdeckungen wird man keine machen. Außer der mangelnden Professionalität gibt es nichts Negatives über das Trio der Piká Weinbar zu sagen, der Service ist sehr freundlich, auch wenn er bei vollem Haus Mühe hat den Überblick zu behalten. Der neugierige Haushund ist sympathisch, kann aber leider nicht beim Tellertragen helfen.

Ludwig Fienhold

Pika Weinbar

Pika Weinbar

 

Die Lokale am Frankfurter Oederweg

Früher im Eccolo

Früher im Eccolo

Früher war hier am Oederweg/Ecke Sömmeringstraße der schrullige kulinarische Tante Emma Laden „Michas Essen & Trinken“ zu Hause. Danach zog 2015 die sehr schön gestaltete Weinbar „Eccolo“ dort ein, die von Alessandro Ciani leider nur kurz betrieben wurde. Die anspruchsvolle „Sömmering Weinbar“ hatte allein wegen des Außenbereichs schwer mit den Behörden zu kämpfen, die Franziska Lück unnötig viele Steine in den Weg legten. Vor wenigen Tagen nun zog das junge Team von Piká ein. Der Name ist etwas ungeschickt gewählt und soll für das spanische Picar stehen, was in der Küche hacken, schneiden oder zerkleinern bedeutet. Pica wird aber auch eine Essstörung genannt.

Fotos: Barbara Fienhold

 

Jetzt im Piká

Jetzt im Piká

 

 

 

 




Champagner Tasting  mit den raren Perlen von Piconnet

Winzer-Champagner mit der Küche von Luigi Fabbri

in Gregors Weinbar im Frankfurter Westend am 19. Oktober

 

Puristisch trocken ohne Dosage, präzise und doch mit einer Prise Charme. Die Champagner von Piconnet sind der richtige Stoff für Kenner und Freunde von handwerklich erzeugtem charaktervollem Champagner. Clément Piconnet wird gleich fünf ausgewählte Champagner nach Frankfurt in die Weinbar von Gregor Bernd bringen, um sie dort am 19. Oktober persönlich zu präsentieren.

Gregors Weinbar an der Bockenheimer Landstraße ist bekannt für ihr exzeptionelles Sortiment an Weinen und Champagner. Es gibt handverlesene und meist biologisch geführte Betriebe. In dieses Repertoire passen Clement  Piconnet und seine Partnerin Agathe, die seit 2014 ihr individuelles Champagnerhaus an der Côte des Bars im Süden der Champagne betreiben, wo sie knapp 8 Hektar Rebland besitzen und keine Trauben zukaufen müssen. Von diesem Winzer-Champagner gibt es insgesamt nur 31.000 Flaschen.

Die Champagner-Degustation inklusive schöner Tellergerichte von Luigi Fabbri wird zum sehr gastfreundlichen Preis von 130 € pro Person angeboten. Es gibt unter anderem die Champagner 3 Cepages 2021, Blancs de Noirs La Bretonne 2021 und
Le Pinot Blanc 2019 sowie zwei weitere Champagner.

Luigi Fabbri wird sechs kleine Gänge dazu servieren, z.B. Gemüsetörtchen mit Basilikum- und Tomatensauce, selbstgemachte Cappellacci mit Kürbis gefüllt und Ossobuco.

5 Champagner, 6 kleine Gerichte sowie Wasser zum Preis von 130 €. Die Verkostung wird moderiert. Sonntag, 19. Oktober, 16 Uhr, Frankfurt, Bockenheimer Landstraße 47, Tel. 069/50927455

www.gregors-wein.de

 




Es schmeckt noch: Edoardo Gregorelli hat das legendäre Restaurant Die Leiter übernommen

Spannende Rochade an der Frankfurter Freßgass

 

Von Ludwig Fienhold

 

Der Frankfurter Gastronom Edoardo Gregorelli hat das Restaurant Die Leiter in der Kaiserhofstraße an der Freßgass übernommen, das bislang von Chester Sauri betrieben wurde. Das Lokal ist eine kulinarische Rarität und kann auf 43 Jahre Geschichte blicken. Seinen Abschied nahm bei dieser Gelegenheit Restaurantleiter Fernando Mezzadra, der von Anfang an das Gesicht des Restaurants war. Was wird sich ändern, wie hat sich der Wechsel auf Qualität und Atmosphäre ausgewirkt? Unser erster Besuch gibt Antworten.

Die Leiter servierte zuverlässig solide Gerichte, auf die man immer Lust hat – und so ist es jetzt auch noch. Küchenchef Alexander Gschaider aus der Steiermark steht bereits über 30 Jahre wie ein unerschütterlicher Fels am Herd. An der Speisekarte merkt man derzeit noch keine neue Navigation. Es gibt nach wie vor viele Klassiker des Hauses, wie Rinderfilet in Cognac-Pfefferglace, Fusilli mit Salsiccia oder Spaghetti „Fernando“. Das Wiener Schnitzel ist nach wie vor sehr gut, das feinfleischige saftige Vitello Tonnato in leichter und würziger Tunfischsauce gehört zu den besten dieser Spezies in der Stadt. Die Küche kann vital, die Küche kann beschwingt sein, eine solche Bandbreite der Lustbarkeiten ist auch deshalb bemerkenswert, weil alles stets auf der Basis von souveränem Handwerk und Qualität beruht. Zarter Hummer mit Hummerknödel und Kräuterseitlingen in feiner Hummersauce ist ein Paradestück dafür von der aktuellen Speisekarte. Ganz gewiss wird man nicht auf die fabelhafte gefüllte Barbarie-Ente verzichten, die es alljährlich im Winter gibt.

Hummer & PilzeEdoardo Gregorelli will nur ganz langsam Veränderungen vornehmen. Es muss die Kunst gelingen neue Gäste zu gewinnen und die alte Klientel zu halten. Dabei kann er auf Alexander Gschaider vertrauen, der deutsch, österreichisch, französisch und italienisch kochen kann, ohne ins belanglos Internationale abzugleiten. Der neue Patron sollte indes der Küche vertrauen und jetzt nicht noch einen weiteren Italiener etablieren wollen. Die Stärke von Alexander Gschaider liegt in seiner österreichischen Heimat begründet und sollte entsprechend genutzt werden. Italiener hat Frankfurt mehr aus ausreichend, auch einige sehr gute. Top-Österreicher gibt es seit dem Ableben von Alfred Friedrich nur noch Mario Lohninger. Das sollte man bei einer Überarbeitung des Konzepts im Auge behalten.

Wiener Schnitzel

Edoardo Gregorelli scheint ein Ironman zu sein, wenn man sieht mit welchem Elan er durchs Restaurant springt, denkt man nicht, dass andere in seinem Alter längst pensioniert wären. Der Service ist engagiert, inzwischen ist Carlo besonders präsent.

Vitello Tonnato

Edoardo Gregorelli ist seit einigen Jahrzehnten als fleißiger engagierter Gastronom bekannt, seine Lokale Garibaldi und Gregorellis gehörten zu den bestbesuchten der ganzen Stadt. Uns gefiel allerdings mit Abstand sein Golfo di Napoli in der Leipziger Straße in den Anfangsjahren seines Einsatzes am besten, wo Küche und Service spitze waren. Warum tut er sich das jetzt noch an, wo er sich doch beruhigt zurücklehnen könnte? Er möchte, so sagte er in einem Gespräch mit uns, etwas Gutes für seine Tochter aufbauen. Und da schien ihm die Leiter ideal, weil sie Geschichte, Stil und eine sehr treue Kundschaft hat und obendrein im Zentrum der Frankfurter Innenstadt liegt, wo anspruchsvolle Adressen immer weniger werden.

Viele werden Fernando vermissen

Edoardo Gregorelli, Carlo, Alexander Gschaider (v.l.n.r.)

Edoardo Gregorelli, Carlo, Alexander Gschaider (v.l.n.r.)

Optisch hat sich weder auf der Terrasse noch im Restaurant selbst etwas verändert, was angesichts der zeitlosen Bistro-Atmosphäre und ihrem lässigen Schick auch gut so ist. Der neue Patron will daran auch nichts ändern. Tutto bene?  Die Weinkarte wartet begierig auf Erneuerung. Da wurde sehr lange nichts mehr aufgefrischt. Trotzdem darf man vorerst beruhigt sein, die Leiter ist nach wie vor eine gute Adresse geblieben. Es besteht sogar die Chance, dass sie noch besser wird.

Die Leiter, Frankfurt, Kaiserhofstr. 11, Tel. 069 292121.

Dienstag – Samstag 12-15, 18-22 Uhr (Küche).

www.dieleiter.de

Fotos: Fienhold