Ein Bett im Weinberg

Quinta de Sant´Ana:

Poesie zum Trinken

 

Das historische Weingut

bietet eine traumhafte Kulisse

für Feste und Urlaub

 

Von Ludwig Fienhold

 

Die weißen Tauben flattern wie bestellt um das Hochzeitspaar. Über 100 sind dabei, um mitzufeiern, denn bei solchen Festen fallen mehr als nur ein paar Krümel für sie ab. Die lautlosen blitzsauberen Täubchen gehören zur Quinta de Sant´Ana wie Esel Stringflower, Münsterländer Chicca und Rhodesian Ridgeback Abelha sowie namenlose Hühner, Schweine und Schafe. Die Quinta ist inzwischen als Eventlocation weltbekannt und beschert der Gemeinde über 40 Hochzeiten im Jahr. Gradil, ein bis zur Leblosigkeit verschnarchtes Nest 30 Kilometer nördlich von Lissabon, fällt nur durch seine stattliche Kirche São Silvestre und das ansichtskartenschöne Weingut auf. Der Ort selbst hat gerade einmal 1000 Einwohner, die fast alle so wirken wie hundert Jahre verheiratet. Ohne das Weingut würden in Gradil nur selten Hochzeiten stattfinden. Doch Padre Paulo Serra kann sich Dank der Quinta über enormen Zuwachs freuen, auch im Klingelbeutel.

Quinta de Sant AnaKaren Creed aus Irland und Peter Charmant aus Ghana haben die Quinta de Sant ´Ana wegen ihrer „poetischen Schönheit“ ausgewählt. Sie und ihre 120 Gäste wollen es so natürlich wie möglich, mit Taubengeflatter, aufgeregten  Hühnern und herumpurzelnden Kindern. Sie möchten Gäste sein in diesem organischen Betrieb, wo alles lebt und arbeitet, und jederzeit ein Schwein auf die Schleppe treten könnte. Die Geschichte dieses alten Adelsitzes hat noch mehr zu bieten als Ferkeleien, wenn sie auch nicht ganz davon befreit ist. Immerhin basiert sie auf einer erotischen Romanze zwischen Dom Luis, König Ludwig I. von Portugal aus dem Hause Sachsen-Coburg und Gotha, und seiner Geliebten, der Sängerin und Schauspielerin Rosa Damasceno, der er Ende des 19. Jahrhunderts die Quinta de Sant ´Ana samt einem Theater dort schenkte. Heute finden dort Feiern mit bis zu 200 Gästen statt. Das Landgut thront mit der milden Würde eines greisen Patriarchen über dem von Eukalyptushainen, Korkeichen und Orangenbäumen umgebenen Dorf Gradil. Es gehört zu den Casa Nobres, jenen Adelssitzen und Herrenhäusern, die ihre Tore für zahlende Gäste öffnen und sie an ihrem privaten und geschichtsvollen Leben teilhaben lassen. Die Kapelle der Quinta, ein Kleinod aus dem Jahr 1743 mit wertvollen Kacheln und einer Statue der heiligen Ana, hat manche Gäste zur Heirat verführt. Mag sein, dass dort der Sitz der Seele des Landguts ist, doch findet sich an so vielen Stellen ein guter Geist.

Ann Frost

Ann Frost

Ann von Fürstenberg und ihr Mann James Frost haben die Quinta de Sant ´Ana von Gustav Baron von Fürstenberg übernommen. Das Erbe wäre beinahe verloren gegangen, denn der Baron wurde während der portugiesischen „Nelken“-Revolution im Jahre 1974 mit anderen Großgrundbesitzern aus dem Land vertrieben. Weil ein portugiesischer Freund den Besitz treuhänderisch weiter führte und für ihn rettete, konnte Baron von Fürstenberg aber bald wieder mit Frau und sieben Kindern einziehen. Der Flintenexperte und Sportschützenlehrer wurde in Fachzeitschriften wie „Wild & Hund“ als einer der Besten der Branche gefeiert, in einem Nachruf im Jahr 2007 hieß es standesgemäß, er sei „im Pulverdampf ergraut“. Es ist sicher kein Zufall, dass die ebenfalls sehr forsche und sprachlich zielsichere Tochter Ann heute wieder mit genau sieben Kindern, allesamt Söhne, auf der Quinta lebt, seit nun fast 30 Jahren.

Die Hausgäste und schon gar nicht die Hochzeiter ahnen etwas von den Mühen und dem harten Kampf von Ann ums wirtschaftliche Überleben in den Anfangsjahren. Sie genießen eine unbeschwerte Atmosphäre an einem Ort, bei dem an der schönsten Stelle des Lebens die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Die Gäste wohnen einige Meter separat vom Haupthaus der Familie. Von dem Balkon des Caseirohauses schauen sie auf den beschaulichen Hof des Landguts und die sich dahinter hochziehenden Weinberge. Man riecht vor dem Caseirohaus hocharomatische Walderdbeeren und wird dabei an der Nase herumgeführt. Der unwiderstehliche Duft stammt von blauen Erdbeertrauben, die sich durch die Pergola ziehen. Man kann sie sich pflücken und zum Frühstück essen oder als Marmelade genießen, ebenso wie den selbstgemachten Eukalyptushonig. Auf dem Landgut wird nicht nur die gute Luft geteilt, auch der Pool mit Ausblick auf die Weinberge. Das nahe Hühnergehege sieht man nicht, hört aber einen von schweigsamen Hennen umgluckten Hahn, der mitunter kräht als müsste er Tarzan synchronisieren.

QuintaAlles auf der Quinta de Sant ´Ana lebt, atmet und duftet. Auch der Wein, dessen Flaschenetikett die zwei mächtigen Palmen aus dem Garten des Landguts zieren. James Frost taut beim Thema Wein auf. Er ist auf einer Farm in der ländlich geprägten englischen Grafschaft Dorset groß geworden und träumte immer davon Weinbauer zu werden. Während seiner Armeezeit kam er ins deutsche Münster und lernte dort Ann kennen, ohne zu wissen, dass sich damit gleich zwei Liebschaften erfüllen würden. Ann studierte seinerzeit Grafik-Design, wovon noch zahlreiche Bilder in der Quinta Zeugnis geben. Heute, sagt die inzwischen 48 Jahre alte und künstlerisch talentierte Ann, sei ihr als einzig Kreatives die Pflege von Garten und Blumen geblieben.

Quinta-de-Sant-Ana-7Der Basiswein der Quinta de Sant ´Ana und ihrer 14 Hektar Rebland ist die autochtone Sorte Fernão Pires. Ein grundehrlicher Tropfen, der hier einmal nicht wie so oft in Portugal nach Kohl und welken Blumen riecht, sondern frisch und leicht zitrusfruchtig. Noch mineralischer, mit typischen Johannis- und Stachelbeeraromen ausgestattet und vom leichten Meersalz des nahen Atlantik spürbar aufgefrischt, schmeckt der Sauvignon Blanc. Völlig ungewöhnlich für die Region Mafra und auch sonst fürs Land ist der Riesling, dessen Jahrgang 2010 reife Petroltöne aufweist, wie man sie in Deutschland bei eher älteren Rieslingen erleben kann. Weinkritiker Robert Parker findet diesen Wein „einfach fantastisch“ und bewertete ihn mit 90 Punkten. Unter den Roten ist die Reserva 2006 am markantesten – eine elegante Cuvée aus Touriga Nacional und Aragonez. Von den Weinen gibt es jeweils nur wenige tausend Flaschen. Hausgäste können sich rund um die Uhr im Weinladen bedienen und notieren ihren Verbrauch auf einem Zettel. Ehrlich trinkt am längsten.

Wer auf der Quinta de Sant ´Ana wohnt, sitzt beim Wein an der Quelle. Beim Essen muss man auf bestimmte Tage in der Woche warten, an dem ein Dinner angeboten wird. Es lohnt sich. Hauskoch Marco Moura ist einer der talentiertesten jungen Köche Portugals, der eine Gabe für sehr gute verfeinerte Landhausküche hat. Dass er mit der berühmten Fado-Sängerin Ana Moura befreundet ist, die von Mick Jagger und anderen Showgrößen als musikalische Begleitung gefragt ist, sieht er nicht als Trittbrett in eine bessere Welt. Er will durch seine Küche wahrgenommen werden und keinen Promibonus bekommen. Er bringt mit seinen Gerichten die Aromen Portugals auf den Teller, aber eben eine sehr entscheidende Prise feinfühliger als oft. Das fließende Risotto mit zartem Pulpo, geräucherter Alheira-Wurst und Koriander hat ebenso Klasse wie der Kabeljau mit Kichererbsenmousse. Ein Dessert von der Güte des Karottenkuchens mit Mandeln, Orangen-Zitronen-Mousse, Vanille-Eis und warmem Schoko-Kirsch-Kuchen mit flüssigem Kern wird man nicht oft in Portugal finden.

Die Weinfamilie

Die Weinfamilie

Während die normalen Hausgäste der Quinta ein eher unscheinbares Dasein führen, sind die Hochzeitsgäste kaum zu übersehen. Clubbesitzer aus London, Unternehmer aus Lissabon oder Models aus Paris bringen Glamour in ein Dorf, in dem die Frauen beinahe schon putzend mit ihren Schlappen übers klobige Kopfsteinpflaster schlurfen und die Männer gerne so uneitel so aussehen, als kämen sie gerade vom Feld. In Gradil trinkt man in den Lokalen Wasser, Wein und Bier aus einer einzigen Art von klobigem Glas, der Wunsch nach einem anderem stößt auf Irritation. Im Café Joãozinho am alles umfassenden Kirchplatz schenkt der wie ein etwas niedlich gefälschtes Porträt von Pablo Picasso aussehende Wirt Wein aus Wasserflaschen aus – als Gast hofft man, es gut zu überstehen. QuintaIn der Bar do Adro daneben treffen sich die, die lieber im Dunklen als auf einer Terrasse sitzen. Das benachbarte Lokal Faisão beginnt wieder aufzuleben, der Mann der Wirtin wurde von seinem Reitpferd zu Tode geschleift, was zur längeren Ruhezeit führte. Im Café Delicia gibt es den einzigen frisch gepressten Orangensaft im Ort und eine Leckerei aus Schokolade und Keksen, die im alten Deutschland „Kalter Hund“ hieß. Der Dorfmetzger führt mit seinem Caçador ein kompromisslos fleischlastiges Lokal, in dem die Größe der Portionen beeindruckender als deren Zubereitung ist. Das beste Lokal von Gradil ist das Take Away mit Papiertischdecken und ständig laufendem Fernseher, in dem eine adrette Köchin mit wie festgewachsen wirkendem Hygieneplastikhäubchen ganz allein hinter der Theke wunderbare Schlichtheiten zubereitet: Fisch, Hühnchen, Hackfleischbällchen, Schweinebraten, Knoblauchreis. Nur wenige Gäste bleiben zum Essen, die meisten holen sich ihre Bestellungen ab und halten während der Wartezeit ein Schwätzchen.

Gradil sonnt sich, wolkenlos und zartblau. Über der Quinta de Sant ´Ana schweben wie Schutzheilige die weißen Tauben, ganz sanft und so leise, als wollten sie niemand aus den Träumen wecken.

Quinta de Sant ´Ana, Gradil, Mafra, Portugal, Tel. 00351 261 963 550. www.quintadesantana.com

 

Photocredit: Quinta de Sant ´Ana, Barbara Fienhold

 

 




Neue Lokale zum Weggehen & Wegsehen

Gastro News Rhein-Main

 

Showmanship

Eine Bereicherung für das malade Altstadtrevier in Frankfurt-Sachsenhausen scheint das neue Pop-up-Lokal Showmanship zu werden. Es wurde jetzt in dem am heftigsten verwinkelten Haus der Stadt in der Paradiesgasse 17 eröffnet. Einst war hier ein abenteuerlich zwischen romantisch und kitschig changierendes Ensemble zu Hause: Das Lokal Marco Polo, die Taberna Royal, der Kaiserkeller sowie das von anderen Betreibern geführte Gaslight. Es war immer in jeder Hinsicht aufregend dort Gast zu sein, zumal Essen und Service oft die Grenze der Erträglichkeit überschritten, insbesondere am Schluss. Die letzten vier Jahre stand das gespenstische Haus leer und schien vollends zu verkrümeln. Steen Rothenberger und seine Geschwister, die mit ihrem sehr gelungenen Hotel Libertine Lindenberg und anderen Projekten die Altstadt von Sachsenhausen zu erneuern versuchen, haben hier wieder einmal Mut bewiesen. Gemeinsam mit James und David Ardinast (von Stanley Diamond, Maxie Eisen und Ima) möchten sie im neuen Showmanship ein weltoffenes Lokal entstehen lassen, von dem noch niemand weiß, wohin es eigentlich genau führen wird. Marco PoloDas gastronomische Experiment steht aber auf der Basis von individueller Atmosphäre, kuriosem Ambiente und ungewöhnlichen Weinen nebst kleinen Delikatessen. Bei der Eröffnung gab es leckeres Ceviche und großzügig viele Bio/Orange-Weine von Cool Climate. Manche kaum trinkbar, andere spannend, vor allem der natürliche ohne Zusätze und auf der Flasche vergorene sowie leicht perlende Wein von Fuchs & Hase aus dem Kamptal zeigte die ganze Vielschichtigkeit dieser spannenden Sorte der „Petillant Naturel“. Die Mondscheinburg macht jedenfalls Hoffnung und könnte mehr als ein Pop-up werden. Zunächst soll alles für ein Jahr laufen. Den Namen Showmanship kann man mit Selbstdarstellung oder wirkungsvollem Auftritt übersetzen, in diesem Fall aber am besten mit Budenzauber.

 

 

 

Mein Gott, Hugo!

Hugo'sDas Hugo´s hat sich bei der Münchner Küsschen-Schickeria erfolgreich nach oben geschmust, ist in Hamburg nach wenigen Monaten grandios gescheitert und will nun in Frankfurt mit einer neuen Dependance Karriere machen. Ahnungslose Stümper unter den Journalisten reden von Kult-Getränken und Kult-Pizza, ohne zu begreifen, dass „Kult“ einer anderen Qualität und Geschichte bedarf. Bei den Getränken handelt es sich um unter dem Mittelmaß liegenden Prosecco, bei der Pizza um solche, die es beim Italiener an der Ecke auch gibt. Die unter dem Signum „Hugo“ angebotenen Weine werden ohne genauere Angaben gelistet , die von uns probierten enttäuschen. Auch den Hausdrink, den Hugos, haben wir an anderer Stelle weit besser bekommen. Der Service ist stellenweise herzig, aber hoffnungslos überfordert und alles andere als geschult. Der Speisesaal auf der ungünstig liegenden 1. Etage ist kantinesk, von der Terrasse blickt man keineswegs auf die Frankfurter Skyline, sondern vor allem auf eine Wand. Das riesige Lokal – Pizza, Bar, Lounge –  könnte vielleicht Gruppen Spaß machen, die woanders keinen Platz bekommen.

 

 

Yours

Your'sVon ähnlichem Ausmaß wie das Hugo´s ist das neue Yours in der Frankfurter Fahrgasse. Bis jetzt vor allem ein gigantischer Stühlefriedhof vor der Tür. Eine schöne Terrasse sieht anders aus. Innen geht es so zu, wie man das von den Yours-Lokalen her kennt, es wird geklotzt. Eines der größten und interessantesten Objekte der Stadt, das Gebäude an der Brauchbachstraße 1, wo zuvor ein Schwulen-Club zu Hause war, hat nach drei Jahren des Umbaus nun endlich die Tür geöffnet. Der Gastro-Multi Yours, ein australisches Unternehmen mit Franchisenehmern in Frankfurt, ist bekannt für Party, Poker, Tabledance, Karaoke und riesige Bildschirme, über die bevorzugt Sportereignisse ausgestrahlt werden. Die Lokale stehen nicht für eine kulinarisch anspruchsvolle Küche, sondern vor allem für Entertainment. Auf der Speisekarte findet man Känguru, Krokodil und Emu. Das neue Yours wird von Yury Fierer betrieben, der noch weitere Lokale in Frankfurt und Wiesbaden führt.

 

wewe

Im Umfeld von What´s Beef und Klosterhof hat in der Frankfurter Weißfrauenstraße das Café wewe eröffnet. Dahinter steckt der Name Wessinger, der in Neu-Isenburg und Bad Vilbel bereits zwei bekannte Adressen führt. Süßes & Salziges steht im Angebot und wendet sich vor allem an die gerade entstandenen und noch entstehenden Großgebäude mit Büros und Wohnungen ringsum. Es gibt aber auch neben Kaffee und hausgemachter Limo verschiedene Craft Biere sowie Weine von Kuhn, Pfannebecker und Knewitz.

 

The Golden Wing

hieß ein Lokal am Flughafen in Egelsbach, das nun seine Wiederauferstehung an der Schweizer Straße 15 in Frankfurt erleben soll. Fine Dining & More verspricht Geschäftsführer Oliver Storz. Zuvor waren an gleicher Stelle eine hippige Boutique und kurze Zeit auch ein Saftladen zu Hause. Trotz prominenter Lage auf der Schweizer keine einfache Ecke, zumal das Lokal nicht eben groß ist.

 

André Großfeld sorgt für Chaos

Großfeld (r.), Küchenchef Draisbach (l.), Showmacher Jungeli

Großfeld (r.), Küchenchef Draisbach (l.), Showmacher Jungeli

André Großfeld, engagierter Patron der schönen Villa Merton im noblen Frankfurter Diplomatenviertel, ist kulinarisch auch wieder für das zwischen dem 30. November und 31. Dezember stattfindende Dinner-Varieté „Chaos“ in Darmstadt auf dem Karolinenplatz verantwortlich. Es verspricht neben Gastronomie auf Sterne-Niveau auch Artistik & Comedy. Die drei Gänge (auch vegetarisch wählbar) werden vor der Show serviert, damit die Gäste ungestört bleiben. Es gibt beispielsweise rosa gebratenen Rücken und Pflanzerl vom Rind mit Wirsinggemüse, Perlzwiebeln, Kartoffel-Soufflé und Trüffeljus. Auf der Karte stehen 20 Weine, darunter Mosel-Großmeister Markus Molitor. Das Zelt ist so gestaltet, dass es von jedem Platz eine ungehinderte Sicht auf die Bühne gibt. Mehr Informationen auf der gut gemachten Webseite: www.dacapo-variete.de

 

 

Photocredit: Barbara Fienhold
 
 



Neueröffnung: Tartufi & Friends

Trüffel-Lounge: Nobel-Hobel im Frankfurter Westend

 

Alles Trüfel, oder was? Im neuen Tartufi & Friends wird über alles Trüffel gehobelt, was nicht weglaufen kann. In dem aufwendig gestalteten Restaurant im noblen Frankfurter Westend ist jede Ecke gestylt, doch der vertikale Garten ist der größte Eyecatcher. Bei der natürlichen Tapete ist jedes Kraut echt, doch sollte man das Grünzeug nicht für den eigenen Teller rupfen.

Burke Darko (l.), Alessandro Cocco

Burke Darko (l.), Alessandro Cocco

Ob  Pizza, Thunfischtatar, Fettuccine oder Lammkeule, kein Gericht ohne Trüffel. Es gibt sogar Trüffel-Drinks. Ob es passt oder nicht, das Konzept verlangt nach Trüffeln. Auf der Speisekarte werden gleich die Preise für die inkludierten schwarzen und weißen Trüffel angegeben. Noch besser wäre es, wenn man noch die Grammzahlen erfahren könnte. Die Saison für weiße Trüffel hat noch nicht begonnen und nimmt ihren Anfang erst im Oktober, doch stehen sie schon auf der Karte. Woher sie kommen, will niemand verraten. Weiße Trüffel sind deutlich teurer als schwarze Trüffel. Schwarze Trüffel kann man gleich in der Küche verarbeiten, weiße Trüffel sollten immer frisch auf das fertige Gericht gehobelt werden – am besten am Tisch, allein schon aus Vertrauensgründen. Die Preise für Hauptgerichte bewegen sich zwischen 30 und 76 €. Die Eröffnung mit Pressedinner wollen wir nicht bewerten. Ein gut gemeinter Rat aber dennoch: Trüffel machen nur Sinn, wenn sie Aroma haben und nicht bloß als Dekoration eingesetzt werden. Bei einem weiteren Besuch erlebten wir eine Bestätigung des ersten Eindrucks. Alles sehr unprofessionell, niemand, der Bescheid weiß. Der Franciacorta Spumante, die Hausmarke, war plötzlich nicht mehr vorhanden und wurde zudem als Prosecco deklariert. Mit den üblichen Problemen einer Anfangsphase kann man nichts erklären oder gar entschuldigen. Bei einem solch wichtigtuerischen und hochpreisigen Auftritt hat einfach alles zu stimmen. Bislang stimmt jedoch manches eher bedenklich. Auch die vollmundige Aussage von Küchenchef Alessandro Cocco, dass er mindestens einen Michelin-Stern für seine Leistungen anstrebe. Auf welchem Planeten lebt er denn? Davon ist man derzeit jedenfalls eine Galaxy weit entfernt.

Tartufi Das Restaurant wurde regelrecht modelliert, nichts erinnert mehr an den Vorgänger, das schlichte Pizza- und Pasta-Lokal Il Camino. Auch am Restaurant-Ambiente werden sich die Geister scheiden. Manche werden es als zu überladen, durchgestylt und neureich empfinden, andere als optisch besonders anspruchsvoll. Die Weinkarte setzt bei ihren 75 Positionen in erster Linie auf Italien und bekannte Namen wie Gaja oder Jermann. Der preiswerteste Wein ist für 28 € zu haben, Weine glasweise 9 – 16 €, Spumante/Champagner glasweise 12 – 18 €.

Tartufi Das neue Restaurant Tartufi & Friends bietet 50 Plätze, auf der Terrasse weitere 60. Neben den adrett dekorierten Tischen wartet auch eine Lounge-Ecke mit Feuerstelle. Dank integrierter Heizelemente soll die Terrasse auch bei kühlen Temperaturen geöffnet bleiben. An der Bar mit neun Plätzen sind auch Gäste willkommen, die nur ein Glas Wein oder einen Cocktail genießen möchten. Zum Restaurant gehören außerdem eine separate Zigarren-Lounge und eine Feinkost-Theke.

Gründer und Ceo von Tartufi & Friends ist der italienische Modeunternehmer Alberto Sermoneta. Das erste Restaurant dieser Gruppe entstand 2014 am Fuß der Spanischen Treppe in Rom, danach folgten Mailand und London. Nach Frankfurt soll ein weiteres Trüffel-Lokal in Dubai eröffnen. Die Expansion im Ausland erfolgt weitgehend durch Franchisepartner. Inhaber in Frankfurt sind der Unternehmer Burke Darko aus Ghana beziehungsweise Wiesbaden und der Immobilienhändler Ahmad Almekhaizim aus Kuwait. In der Küche führt Alessandro Cocco aus den Abruzzen die Regie, dessen Biografie ziemlich geschönt wurde. Insgesamt sind offiziell 15 Mitarbeiter in der Küche und im Service beschäftigt.

Tartufi & Friends neuTartufi & Friends hat sich mit dem Westend durchaus eine gute Adresse ausgesucht. Die Feldbergstraße ist ein schönes Ausgehrevier mit vielen Luxuswohnungen, wobei das Kutscherhaus, ein ehemaliges Remisengebäude der Neurenaissance aus dem Jahr 1891, hervorsticht. Das Restaurant Tartufi befindet sich in einem weniger schönen Haus, wobei dadurch der Kontrast zwischen dem unteren Edel-Look und der darüber liegenden banalen Wohnfassade noch größer wird.

Ludwig Fienhold

 

Tartufi & Friends, Frankfurt, Feldbergstr. 3, Tel. (069) 72 18 82.

Geöffnet von Mo-So, 12-24 Uhr durchgehend. www.tartufiandfriends.it

 

Photocredit: Tartufi&Friends Frankfurt, Barbara Fienhold




Die besten deutschen Spätburgunder

Das neue

Gourmet & Wein-Festival

im Rheingau

 

Das Festival mag zwar erst zwischen dem 23. Februar und dem 12. März 2017 stattfinden, doch manche Tickets sind schon jetzt zu bekommen. Die meisten Reservierungen finden in den ersten Tagen und Wochen statt, weshalb man nicht zu lange zögern sollte. Eine vielversprechende Weinrunde steht für den 3. März im nächsten Jahr unter dem Titel „Die besten deutschen Spätburgunder“ an. 18 deutsche Winzer werden persönlich ihre großen Pinot Noirs präsentieren. Gerade die deutschen Spätburgunder haben in den letzten Jahren enorm an Qualität und Nachfrage gewonnen. Die Spitzenweine darunter sind begehrt und mit Preisen zwischen 40 und 80 € pro Flasche nicht eben günstig zu bekommen. Umso spannender wird es sein, gleich 18 Pinots an einem Tag kennenzulernen. Darunter Chat Sauvage (2013 Rüdesheimer Drachenstein, Rheingau); Schlossgut Diel (2013 Pinot Noir Caroline, Nahe); Dr. Heger (2012 Dr. Heger-Vorderer Winklerberg Spätburgunder GG, Kaiserstuhl-Baden); Huber (2013 Bienenberg Spätburgunder GG, Baden); Hessische Staatsweingüter Kloster Eberbach (2012 Assmannshäuser
Höllenberg Crescentia Spätburgunder trocken Goldkapsel „Versteigerungsrarität“, Rheingau); Franz Keller (2012 Eichberg Spätburgunder GG, Kaiserstuhl-Baden); Molitor (2012 Brauneberger Klostergarten, Pinot Noir, Mosel); Seeger (2013 Spätburgunder Spermen GG, Baden); Jean Stodden (2013 Herrenberg Spätburgunder GG, Ahr). Das vollständige Programm für das Rheingau Gourmet & Wein-Festival 2017 wird Mitte Oktober veröffentlicht, über die Highlights werden wir regelmäßig in BISS berichten.

 

Kronenschlösschen Sommerterrasse

Hotel Kronenschlösschen, Eltville-Hattenheim, Tel. 06723-640, Freitag, 3. März 2017, 11.45 Uhr.  

info@kronenschloesschen.de

www.kronenschloesschen.de

 

Preis für Tasting & Lunch: 185 €. Pauschalpreis inkl. Empfang im Begrüßungszelt (ab 11.00) mit Geldermann Brut und Amuse-Gueules, Gourmetmenü von Sternekoch Simon Stirnal, 18 Top-Spätburgunder, Wasser, Kaffee.
 Moderation: Kai Schattner.




Im Firenze herrscht weiter Eis-Zeit mit einer neuen Winter-Kollektion

Der wunderbare

Eis-Salon Firenze

feiert eine Party

mit neuen Kreationen

 

Bislang zogen im Winter viele Eismacher gen Süden und hinterließen uns zwischen November und Februar in ihren Läden Lebkuchen, Socken oder sonstigen Krimskrams. Doch manche lassen uns nicht eiskalt abblitzen und servieren weiterhin Eis. Das Firenze in Sachsenhausen, Frankfurts bester Eis-Salon, zeigt weiterhin Flagge und macht mit einem anderen Sortiment und neuen Ideen Lust auf einen Besuch.

Eiscafe FirenzeDort gibt es zwar immer noch einige Klassiker à la Vanille, Haselnuss und Pistazie, aber auch neue Sorten mit winterlichen und weihnachtlichen Aromen. Zur nagelneuen Winter-Kollektion vom Eisheiligen Adriano gehören etwa Apfelstrudel-Eis, Orange/Spekulatius, Rum/Karamell, Zimt/Pflaume, Birne/Ricotta, Walnuss/Feige oder Karamell mit Fleur de Sel. Das Eis-Sortiment wird zudem mit einem Pasticceria-Sortiment ergänzt, italienischem Feingebäck, das man solo oder zum Kaffee genenießen kann. Der Eis-Salon Firenze wird auch in der kalten Jahreszeit samstags und sonntags von 11 bis 20 Uhr geöffnet sein. In den Arkaden vor dem Salon sorgen Heizstrahler für ein leicht sommerliches Gefühl. Davon abgesehen gibt es Eis auch „to go“ in Frischhalteboxen für Zuhause.

„Summer Closing – Winter Opening Party“ ruft das Firenze aus und lädt zur Winter-Welcome-Party am kommenden Sonntag, 30.Oktober, zwischen 15 und 19 Uhr an den Walther-von-Cronberg-Platz 13 nach Sachsenhausen. Dabei sollen erstmals die neuen Winter-Kreationen präsentiert werden. Italienische Gitarrenmusik live und einen DJ gibt´s gratis dazu. Danach kann man weiterhin von Musik begleitet in der benachbarten der Casa di Tomilaia weiterfeiern – auch mit Eis.

Eis-Salon Firenze, Frankfurt, Walther-von-Cronberg-Platz 13, Tel. (069) 380 39 595. Geöffnet von 10 bis 22 Uhr. Gleich gegenüber befindet sich ein Parkhaus. 

Photocredit: Barbara Fienhold

 

Firenze: Frankfurts bester Eis-Salon

 

Eissalon Firenze Adriano, der Eisheilige, ist zurück. Seine meisterhaften zart-cremigen Kreationen gibt es jetzt am Walther-von-Cronberg-Platz. Gleich neben der Italien-Trilogie aus A Casa di Tomilaia, Demarchi Bar und Biancalani, die von Tom Bock geführt wird, dem mit seinem Firenze ein neuer Coup gelungen ist, der das Viertel noch qualitätsvoller und italienischer werden lässt. Dort entstand ein kleiner origineller Eispalast, mit amüsantem Design und Plüsch-Sofas, die aussehen wie Eiskugeln mit Fell.

Nein, dämliches Schlumpf-Eis und andere Modetorheiten findet man nicht im Firenze. Aber allerbestens gemachte Klassiker und einige behutsam umgesetzte neue Ideen. „Classico“ und „Fantastico“ nennen sich die beiden Abteilungen. Firenze – Gelateria Artigianale heißt es mit Betonung auf die traditionelle und handwerkliche italienische Eismacherkunst. Beste und frische Zutaten sind nicht nur beim Kochen die Voraussetzung für gutes Essen. Adriano (Bild oben rechts) arbeitet täglich in seiner Eis-Manufaktur und verwendet nur frisches Obst, schöne Beeren und andere gute Produkte. Für das hervorragende Vanille-Eis werden frische Eier und Bourbon-Vanille aus Madagaskar verwendet, beim Pistazien-Eis echte Pistazien und keine Fakes. Natürliche und hochwertige Zutaten, Schmelz, Dichte, perfekte Struktur und feine Aromen sind die Parameter für hohe Qualität. Bei Adriano im Frankfurter Eis-Salon Firenze schmeckt man das. Ein Großteil der Eiscafés in Deutschland bedient sich dagegen mit Fertigprodukten, Pasten und Pulvern aus der Lebensmittelindustrie. Statt Butter und Sahne wird billiges Pflanzenfett verwendet.

Firenze EisWelche Sorten im Eis-Salon Firenze wir empfehlen können? Alle! Selbst das von uns sonst wenig geschätzte Eis mit Banane oder Erdbeeren schmeckt hier erstklassig. Aber natürlich haben wir Vorlieben. Vanille-Eis ist ein Must-have, Haselnuss und Stracciatella ohnehin, zudem Mango, Malaga, Kokos, Himbeere und Limone sowie Gianduia, Nuss-Nougat. Völlig hingerissen sind wir von einem hierzulande gar nicht oft zu bekommenden großen Klassiker: Fior di Latte, das legendäre Milchblumeneis. Unglaublich, was man aus Milch, Rahm, einem Hauch Mascarpone und etwas Zucker machen kann – klar wie Gebirgswasser und in der Cremigkeit einfach erste Sahne. Im Firenze gibt es keine Eiskugeln, es wird gespachtelt, für jede Sorte gibt es eine andere Spachtel Das entspricht italienischer Tradition, denn dabei wird das Eis ein klein wenig cremig-luftiger und gewinnt an Geschmack. Eis gilt etwa bis zu acht Stunden als frisch. Im Firenze wird es es täglich in der Manufaktur hinter der Theke frisch zubereitet. Die gespachtelte Portion ist deutlich größer als eine übliche Kugel und kostet sehr preiswerte 1,20 €.

Die Spreu vom Weizen trennt sich ja auch bei Pistazien-Eis, denn dabei werden sehr oft Mandeln verwendet und Spinat oder anderes zum Färben. Gute Pistazien sind nicht gerade preiswert und kosten mindestens 50 Euro das Kilo, weshalb meist billige Varianten vorgezogen werden. Im Eis-Salon Firenze legt man deshalb auch Wert auf die Feststellung „Pistacchio di Bronte” als Ursprungsbezeichnung für die Pistazienqualität. Eine Täuschung liegt oft auch bei Bananen-Eis vor, das keineswegs gelb ausfallen muss, wie viele denken. Nicht wenige scheinen offenbar wirklich zu glauben, dass Eis aus den gelben Schalen gemacht wird und nicht aus der Banane selbst, die ihrer Natur entsprechend ziemlich blass ist. Außerdem: Eis mit Substanz schmilzt weniger schnell als dünnes wässriges. Das Eis von Adriano ist gehaltvoll, ohne fett und süß zu sein. Kühle Perfektion, Handwerkskunst erster Klasse und geschmackliche Finessen gehen Hand in Hand.

Der neue und von Tom Bock gestaltete Eis-Salon Firenze ist keine spießige Eisdiele und hat die Idee der Gelateria mit neuem Leben erfüllt. Eismacher Adriano Paneghel, der bereits mit Frau und Tochter das Pavone gegenüber der EZB in Frankfurt betrieb, hat sich in jeder Hinsicht verbessert. Einen guten Cappuccino aus der Rösterei Mokaflor in Florenz gibt es obendrein. Fazit: Nicht bloß ein weiteres Eiscafé in Frankfurt, sondern schlichtweg der beste Eis-Salon der Stadt.

Ludwig Fienhold

 

Photocredit: Barbara Fienhold

 




Villa Leonhardi: Palmen, Wein & Tapas

Goose im Palmengarten

 

Weinabende auf

toller Terrasse

 

Darf man fragen, ob der Frankfurter Palmengarten-Direktor Matthias Jenny was an der Waffel hat? Er verpachtet das schönste Restaurant der Stadt ausgerechnet an Imbissler, die für Waffel-Kreationen bekannt sind, obwohl einige Top-Gastronomen unbedingt die Villa übernehmen wollten. Jenny hatte offenbar Interesse daran, Newcomern Einlass zu gewähren, da diese keine großen Forderungen stellen und ein anderes Publikum in den Palmengarten ziehen. Die Rechnung scheint aufzugehen. Die Goose-Trucker sind keine dummen Gänse, sondern engagierte junge Typen, die nun für drei Jahre das Restaurant übernehmen. Fortan heißt es: Villa Leonhardi by Goose.

Villa Leonhardi Die Villa Leonhardi wurde sehr unterhaltsam in Szene gesetzt, die aktuelle Kunstausstellung „Blümchen-Sex“ schmückt jeden der ohnehin schon attraktiven Räume. Einige Wände wurden in Gelb, Orange und Türkis getaucht und wirken doch nicht überschminkt. Die Villa Leonhardi ist jedenfalls kein Gourmettempel mehr, sondern ein munteres Haus mit amüsantem Innenleben und kleinem saloppem Speiseangebot. Vorerst hat das Lokal von Montag bis Freitag (12-16.30 Uhr geöffnet sowie jeden Donnerstag zusätzlich ab 18 Uhr. Es gibt einige ordentliche Weine, unter anderem von Hammel aus der Pfalz und dem Winepunk aka Marco Zanetti. Sein Prosecco Mazel Tov ist kein Blümchen-Schaumwein, sondern ein knackiger und schwungvoll perlender Tropfen. Die Waffeln stehen stets auf der Karte, etwa herzhafte Waffel mit Pininienkernen, Büffelmozzarella, Wassermelone und Parmaschinken. Noch nicht aufzufinden war indes der hervorragende Cheesecake vom Gosse-Truck. Die Preise sind eher dezent, wobei man sich fragt, warum ein Handkäs mit Musik 8,90 € kosten muss. Wird die Musik vielleicht mit Champagner angereichert? Nein, das Handkäs-Tatar ist sehr gut angemacht und wird nicht mit billigen Essig gestört, zudem ist etwas Salat dabei. Preiswert?

Villa Leonhardi Im Service sind keine Profis, aber zauberhafte junge Mädels, die mit ihrem Charme jede Schwäche ausbügeln. Die Villa Leonhardi by Goose befindet sich in einem permanenten Entwicklungsstadium und bietet sich auch für Gesellschaften an, womit ja bereits der Vorgänger seine Haupteinnahmequelle hatte. Nach Auskunft des Betreibers, Gökhan Kaba, will man trotz des überschaubaren und auf viele Münder ausgerichteten Angebots auch eine anspruchsvolle Seite zeigen. Deshalb hat man sich zwei Mitarbeiter aus dem erstklassigen Frankfurter Restaurant Seven Swans geholt. Wäre schön, wenn diese sich auch bei den Speisekarten einsetzen und bemerkbar machen könnten. Vor allem donnerstags bei „Palmen, Wein & Tapas“ zwischen 18 und 23 Uhr herrscht in der Villa Leonhardi eine besonders schöne Stimmung, wobei man dann auch keinen Eintritt für den Palmengarten zahlen muss, sondern durch den Haupteingang der Villa an der Zeppelinallee 18 freien Einlass findet. An gewissen Tagen finden auch Wein-Events statt. Zu diesen Nippvisiten kommen interessante Akteure – etwa 2 Winzer, 8 Weine, 8 Gänge für 69 €. Wenn man vielleicht Hasen hoppeln sieht, so liegt dies nicht unbedingt am Alkohol, die munteren Kerlchen zieht der Palmengarten ganz lässig jeden Tag aus dem Hut und lässt sie über die Wiesen springen. Die Terrasse der Villa Leonhardi gehört jedenfalls zu den schönsten in Frankfurt.

Villa Leonhardi Manches ist noch nicht so ganz klar. Warum heißen hier ganz normale Gerichte „Tapas“, die weder von der Portionierung, noch von den Preisen her wirklich solche sind? Es muss ja nicht spanisch zugehen, doch sollte man den Begriff auch nicht willkürlich wählen, nur weil gerade die ganze Welt Tapas unters Volk schmeißt. Ungut ist aber vor allem, dass Restaurantgäste mittags nur über den Palmengarten Einlass finden und zusätzlich 7 € zahlen müssen. Das kommt natürlich Direktor Matthias Jenny zugute, der dadurch mehr zahlende Besucher für „sein“ Revier verbuchen kann. Für das Goose-Team ist das alles andere als ein Vorteil. Jedenfalls war diese Reglung mit allen anderen Betreibern der Villa Leonhardi nicht zu machen und ist erst jetzt als Bedingung ins Spiel gekommen. Ist das fair?

Villa Leonhardi Die Zukunft der Villa Leonhardi ist noch lange nicht gesichert. Bis zu fünf Millionen soll angeblich die Renovierung der Villa kosten. Kein Gastronom, der da mitziehen wollte. Und schon gar nicht die finanziell ewig zaudernde Stadt. Wer die Villa begutachtet, kann kaum glauben, dass sie derart renovierungsbedürftig ist, sieht man einmal von der Küche und den Kühlräumen ab. Warum überprüft dies eigentlich niemand? Die jetzige Lösung gilt für drei Jahre und soll als Gemischtwarenladen möglichst viele Besucher in den Palmengarten lenken. In der Geschichte der Villa gab es wechselnde Betreiber und mit Thomas Quecke Mitte der 90er Jahre den besten aller Küchenchefs dort.

Ludwig Fienhold

 

Villa Leonhardi by Goose, Frankfurt, Zeppelinallee 18. www.goose-ffm.de

Photocredit: Barbara Fienhold

 




Der extravagante Belgier Nick Bril kocht im Rheingau

Hoher kulinarischer Besuch zum Gourmet-Festival

 

Nick Bril und Sergio Herman zählen zu den am höchsten ausgezeichneten Köchen in Europa. Zusammen haben sie in Antwerpen das Restaurant „The Jane“ eröffnet, eine der am meisten angesagten und viele Wochen im Voraus ausgebuchten Adressen überhaupt. Jetzt kommt der Zwei-Sterne-Koch Nick Bril (Foto rechts in seinem Restaurant) in den Rheingau, um beim Gourmet- und Wein-Festival ein raffiniertes Menü zu servieren. Viele Tickets sind wie üblich beim Festival schon ausverkauft, auch für das Bril-Menü am 26. Februar 2017 sind nur noch wenige haben.

Begleitet wird das Dinner von Riccardo Ricci Curbastro und seinem Franciacorta Saten Brut 2012, den Weingütern Kühling-Gillot, Battenfeld-Spanier und Eva Fricke. Bekannte toskanische Rotweine runden das Weinerlebnis ab, Carlo Franchetti präsentiert aus seiner Tenuta di Trinoro Le Cupole und Campo di Magnacosta. Digestif: Cognac aus dem traditionsreichen Familienunternehmens Delamain, beim Festival gibt es die Rarität Cognac Delamain Vesper Xo – Grande Champagne.

Moderation: Justin Leone, Head-Sommelier Tantris, München.

Ort: Kronenschlösschen in Eltville-Hattenheim im Rheingau

Datum: 26. Februar, 19.30 Uhr, Empfang ab 18.30 Uhr

Preis: 250 € (Dinner, Spumante, Wein, Digestif, Wasser, Kaffee)

Reservierungen:

Hotel Kronenschlösschen, Eltville-Hattenheim, Tel. 06723-640 

info@kronenschloesschen.de

www.kronenschloesschen.de

Das vollständige Programm des Gourmet-Festivals mit einem Klick:

 

www.rheingau-gourmet-festival.de/programm/

 

 




Die besten deutschen Sekte

Beim Gourmet- und Wein-Festival im Rheingau

 

Deutscher Sekt war viele Jahre kein Thema, weil er einfach in den meisten Fällen zu wenig Qualität zeigte. Inzwischen hat er jedoch so enorm zugelegt, dass man ihn – und mit ihm – feiern kann. Das Gourmet- und Wein-Festival im Rheingau gibt dem Sekt eine eigene große Bühne. 17 verschiedene deutsche Perlen werden insgesamt zu trinken sein. Begleitet von einem Menü des Zwei-Sterne-Kochs Christoph Rainer aus dem Frankfurter Tigerpalast.

Kronenschlösschen

Kronenschlösschen

Das Rheingauer Weingut Georg Breuer hat schon immer einen herausragenden Sekt erzeugt, ebenso das Wein- und Sektgut Barth in Hattenheim. Beide sind bei dieser prickelnden Veranstaltung vertreten, wie alle Winzer nicht nur flaschenweise, sondern auch persönlich. Barth stellt seinen 2011 Hattenheimer Hassel Riesling Brut aus Grosser Lage vor, eine hochpreisige Rarität. Das Schlossgut Diel ist mit seinem 2008 Dorsheim Goldloch Riesling Brut Nature vertreten, Raumland mit der 2009 Triumvirat Prestige Brut Grande Cuvée. Rebholz, Van Volxem, Schönleber sind gute Bekannte. Doch es gibt auch ausgezeichnete Neuentdeckungen zu machen: Das Weingut Wageck aus der Pfalz steuert eine erstklassige Cuvée Sekt Extra Brut bei, Irene Söngen aus dem Rheingau einen ungewöhnlich guten Spätburgunder Blanc de Noir Sekt Brut 2014.

Moderation: August F. Winkler. Datum: Freitag, 3. März 2017 um 19.30
im Hotel Kronenschlösschen in Eltville-Hattenheim. Tasting & Galadinner
Ablauf: Empfang im Begrüßungszelt (ab 18.15) mit Geldermann Brut und Amuse Gueules. Gourmetmenü in fünf Gängen vom 2-Sterne-Koch Christoph Rainer. 17 Sekte, Wasser, Kaffee zum Pauschalpreis: 190 €. Buchung: info@kronenschloesschen.de Telefon: 06723 640.



Die Karten für das Gourmet-Festival sind stets schnell vergriffen, weshalb man sich schon jetzt seinen Platz reservieren sollte. 

 

Christoph Rainer

Christoph Rainer

Zwei-Sterne-Koch Christoph Rainer (Tiger Gourmet-Restaurant, Frankfurt) hat eine Bilderbuch-Karriere gemacht: Nach seiner Ausbildung im Sternerestaurant Zum Adler war er im Schlosshotel Kronberg, es folgten Stationen bei den Drei-Sterne-Köchen Heinz Winkler in Aschau und Dieter Müller in Bergisch Gladbach, anschließend sieben Jahre in der Villa Rothschild, wo er bereits im ersten Jahr (2007) mit einem Stern ausgezeichnet wurde, 2010 folgte der zweite Stern. 2015 wurde er Chef de Cuisine im Tiger Gourmet-Restaurant und erhielt für seine Leistungen zwei Michelin-Sterne sowie 17 Punkte im Gault & Millau. Der gebürtige Hesse setzt auf das Wechselspiel von französischer und heimischer Kochkunst, mit vorwiegend regionalen Produkten.

 

 Photocredit: Barbara Fienhold, Rebholz 

 

 




Restaurantkritik: Góc Phô Street Food

Neuer Vietnamese in Frankfurt startet gut

 

Wenn man das bezaubernde Lächeln von Phuong Anh Pham sieht, dann weiß man, was der Gastronomie am meisten fehlt: Lächeln. Die junge Frankfurterin mit vietnamesischen Wurzeln (im Bild rechts) führt ihr Lokal gemeinsam mit den Eltern und hat einen guten Start hinbekommen. Die Lage neben dem Dominikanerkloster in dem höchstens bei alten Frankfurtern bekannten Schärfengässchen, ist zwar zentral, erfordert aber doch ein wenig Pfadfindergeist. Die wechselnden Vorgänger des Lokals waren nicht besonders erfolgreich, doch das Góc Phô ist vom ersten Tag an gut besucht, auch von auffällig vielen Asiaten.

Goc Pho Kleine Familienbetriebe genießen einen Sympathiebonus. Wenn aber eine gerade einmal 23 Jahre alte studierte Betriebswirtin ein Lokal führt, so ist dies schon etwas Besonderes. Vater und Mutter arbeiten in der Küche, die Tochter zeigt gemeinsam mit anderen aparten Mitarbeiterinnen wie man einen freundlichen Service führt. Das mag mitunter noch nicht professionell erscheinen, wer aber so herzlich arbeitet, dem sieht man kleine Fehler gerne nach.

Die Karte ist klar gegliedert und versucht erst gar nicht durch eine falsche Vielseitigkeit zu blenden. Die vietnamesischen Sommerrollen sind den Frühlingsrollen vorzuziehen, weil sie mehr Frische, Substanz und Aromen bieten. Doch hier schmecken beide Varianten. Die fingerdünnen Frühlingsrollen Tom Stick mit Garnelen, Mungobohnen, Frühlingszwiebeln und Nuoc Mam Sauce, der klassischen Fischsauce, sind ein leckerer Einstieg. Bei den Garnelen im Süßkartoffelteig darf man sich an Kartoffelpuffer erinnern, wobei der Kartoffelmantel zum Glück nicht zu dick ausfällt. Die Süßkartoffel war durch das Frittieren indes leider nicht mehr als solche wahrzunehmen, was das Gericht aber keineswegs abwertet. Für Freunde würzigen Rauch-Aromas ist Bun Cha Ha Noi richtig: Marinierte Frikadellen aus Schweinefleisch mit gegrillten Schweinebauchstreifen und Reisnudeln. Goc Pho

An jedem Tisch steht ein Würz-Repertoire, darunter auch eine interessante Hoisin Sauce in der Flasche, wobei sie Geschmacksverstärker enthält. Ein Highlight ist die hausgemachte Sauce aus Speck, Garnelen, Zitronengras und Chili – sie macht sogar aus banalem Reis eine Delikatesse.

Pho (Faa gesprochen) steht für die traditionelle Suppe der vietnameischen Küche, die hier auch probiert werden sollte. Man könnte den Namen Góc Phô aber auch mit Stadt-Eck übersetzen. Interpretationen lässt auch der Stil des Lokals zu. Die Küche im neuen Góc Phô ist leicht rustikal und so gestrickt, dass sie Anfänger nicht erschreckt und Kenner nicht abschreckt. Das Lokal selbst sieht sich als einen Vertreter von Street Food.

Neben hausgemachten Limonaden und vietnamesischem Bier gibt es derzeit nur zwei Weine, diese aber immerhin von August Kesseler aus dem Rheingau –  Riesling und Rosé gehen gut mit der asiatischen Küche. Das einfache und ruhige Ambiente und die etwas triste Umgebung könnten all jene abschrecken, die Glamour suchen. Vielleicht ist das auch gut so.

Ludwig Fienhold

 

Goc PhoGóc Phô, Frankfurt, Schärfengässchen 6, Tel. (069) 29723639.

Geöffnet: Mo 17 bis 22 Uhr, Di-Do 11 bis 22 Uhr, Fr-Sa 11 bis 23 Uhr, So12 bis 22 Uhr. Preise: Vorspeisen 3,50 – 4,90 €, Hauptgerichte 7,50 – 14,90 €. 

 

 

 

 

 

 




Gastro News Rhein-Main

Neues Team für die Frankfurter Botschaft

 

Restaurantleiter

Thierry Felden

Küchenchef

Hai Hoang Minh

 

Die Frankfurter Botschaft am Main plätscherte viele Jahre vor sich hin. Jetzt kommt langsam Wellengang auf. Ein neues Team geht an den Start, mit Thierry Felden aus Restaurantleiter & Sommelier und Hai Hoang Minh als Küchenchef.

Hai Minh Huong

Hai Hoang Minh

Der Franzose Thierry Felden konnte sich schon bei Erno´s Bistro, Mario Lohningers Silk und der Villa Merton einen guten Namen machen. Sein junges sympathisches Serviceteam besteht aus ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Villa Merton und der Emma Metzler. Der 33 Jahre alte Küchenchef Hai Hoang Minh stammt aus Vietnam und will auch asiatische Aromen in die neue Speisekarte einfließen lassen. Zuvor war er Junior Souschef im Tigerpalast unter dem damaligen Küchenchef Alfred Friedrich. Als Friedrich ins Lafleur in den Palmengarten wechselte, nahm er Hai Hoang Minh gleich mit. Erfahrungen als Küchenchef sammelte Hoang in Albstadt-Ebingen bei Stuttgart im „Hotel Linde“, das vom Restaurantführer Gault & Millau seinerzeit mit 15 Punkten bewertet wurde. Familiäre Gründe brachten Hai nun wieder zurück nach Frankfurt. Man hätte den Neuanfang allerdings mit einer Namensänderung stärker signalisieren und sich von dem unsinnigen Lokalnamen Frankfurter Botschaft trennen können.

 

Restaurant Frankfurter Botschaft, Westhafenplatz 6 – 8,  Tel. (069)15 34 25 22. www.frankfurterbotschaft.de

 

 

Hannes Ceglarz

führt jetzt ein Gasthaus

 

Emma Metzler

Hannes Ceglarz hat sich als Küchenchef der leider verblichenen Emma Metzler in Frankfurt einen guten Namen gemacht. Jetzt betreibt er gemeinsam mit Nicolas Maloiseau das schöne Fachwerk-Gasthaus „Zum neuen Bau“ in Kronberg. Dort sind nicht die kreativen Gerichte zu haben, wie man sie aus Zeiten der Emma Metzler kennt. Auf dem Speiseplan stehen Roastbeef mit Bratkartoffeln, Speckbohnen und Remouladensauce, hausgemachte Frikadelle oder geschmorte Iberico-Schweinebäckchen. Wenn´s gut gemacht ist, macht das in diesem Lokal durchaus Sinn. Dazu gibts selbstgemachte Apfelweine und eine kleine Auswahl guter Traubenweine.