Caviar House: Das beste Lokal am Frankfurter Flughafen

Last call, please proceed immediately to Caviar House!

 

Der Frankfurter Flughafen ist verbrezeltes Gelände. Die allgegenwärtigen Teigwaren sind allerdings auch oft letzte Rettung vor mäßigem und überteuertem Essen. Als Gast erlebt man am Rhein-Main Airport meist Turbulenzen. Einen sicheren Landeplatz bietet Anspruchsvollen jedoch das Caviar House. Zaren-Lachs, Kaviar und Champagner sowie leckere Sandwichs verschaffen einen guten Start.

Es gibt tatsächlich ein Lokal am Frankfurter Flughafen, bei dem man sich Flugverspätung fast schon wünscht, nur um ein wenig mehr Zeit dort verbringen zu können. Eigentlich sind es drei Adressen, denn das Caviar House ist gut an verschiedenen Stellen vertreten – zwei im Terminal 1, eine besonders sympathische im Terminal 2.

Lachs Tatar

Lachs Tatar

Der Balik Lachs gehört zum Feinsten, was es in diesem Genre gibt. Genauer das Tsar Nikolaj Filet, das man nicht dünn geschnitten, sondern in fingerdicken Tranchen genießt. Für 35 € kann man glücklich werden, ab 50 € auch zwei Personen. Wer weniger Zeit hat, für den ist das Balik Tatar Sandwich eine gute Alternative. Es ist saftig, gut gewürzt und passt ebenfalls zum Champagner. Für sechs Euro gibt es nichts Besseres am Frankfurter Flughafen.

Die Balik-Farm in den Toggenburger Bergen in der Schweiz hat kulinarisch Geschichte geschrieben. Ende der siebziger Jahre wurde sie vom Schauspieler und Lebenskünstler Hans Gerd Kübel aufgebaut, einem modernen Gargantua, der in seiner barocken Art ewig auf der Suche nach besonderen Genussmitteln war. „Balik“ steht im Russischen für den mittleren Teil entlang des Rückgrats vom Lachs. Das wahre Balik-Geheimnis aber steckt in einem speziellen Räucherverfahren.  Der selige Hans Gerd Kübel hat es seinerzeit einem Russen entlockt, nach dessen Vorgaben er auch einen ganz besonderen Räucherofen fabrizierte. Die vor allem aus Norwegen stammenden Lachse erhalten ihr fein-würziges Aroma von drei verschiedenen geheim gehaltenen Holzarten.

Balik Lachs Tsar Nikolaj

Balik Lachs Tsar Nikolaj

Außer dem Lachstatar-Sandwich werden auch noch andere Happen im Caviar House am Frankfurter Flughafen angeboten: Sandwichs mit Pata Negra Schinken, Beef, Baby Lobster, Entenleber, Flusskrebsen, Gravlax und Kaviar. Kaviar in allen Größen und Qualitätsstufen ist Standard, wobei sich die kleinen Shots für den fliegenden Konsum am besten eignen. Eine weitere schöne Offerte: Ein Glas Champagner und 10 Gramm Kaviar für 28 €. Neben dem guten Caviar House Champagner stehen Bollinger und andere Sorten parat, den Hauschampagner gibt es bereits für 50 € die Flasche. Glasweise passen die Champagner ebenfalls ins Budget (12 – 15 €). Zudem machen die Weißweine von Künstler, Stigler und Dönnoff Spaß.

Das Shop-Lokal bietet nur wenige Plätze, meist am Bartresen. Das stört überhaupt nicht, zumal sich ein netter Service professionell um die Gäste kümmert. Die Caviar House Filialen befinden sich leider nicht im öffentlichen Bereich und sind erst nach der Passkontrolle zu besuchen. Es gibt aber auch einen cleveren und gut funktionierenden Gate-Service, der nach Absprache alle Produkte an jeden x-beliebigen Ort am Flughafen bringt.

Ludwig Fienhold

 

Caviar HouseCaviar House & Prunier, Frankfurt Flughafen, Terminal 1, Departure B. Tel. (069) 695 97808.

Terminal 1, Departure Z. Tel. (069) 697 13022.

Terminal 2, Departure D-E. Tel. (069) 690 30041.

Alle Adressen sind täglich von 6 – 22 Uhr geöffnet.

www.caviarhouse-prunier.com

  

 

 

Titel: Caviar House, Fotos: Barbara Fienhold




Neu und nicht zerbrechlich: Wohnzimmer-Bar Bonechina

Alt-Sachsenhausen wird wieder ein Stück besser

 

The Good, the Bad & the Ugly. Die Guten sind im Frankfurter Kneipenrevier Alt-Sachsenhausen so rar wie Helden in einem Italo-Western. Aber es gibt immer mehr Standhafte, die dem radauhaften Umfeld trotzen und mit Qualität, Witz, Charme und dezentem Auftritt überzeugen. Das individuelle Hotel Libertine Lindenberg, die kreative Eventlocation Der kleine Mann mit dem Blitz, die Bar Old Fashioned oder die hippe Wundertüte Showmanship sind leuchtende Beispiele einer positiven Entwicklung des größtenteils kaputten Saufquartiers. Jetzt wurde im ältesten und kleinsten Haus Alt-Sachsenhausens in der Großen Rittergasse die Bar Bonechina eröffnet – und damit ein weiterer Pflasterstein der Hoffnung gesetzt.

Die Barkeeper Sven Riebel, Bjoern Gutowski, Dominik Andes

Die Barkeeper Sven Riebel (Mitte), Bjoern Gutowski, Dominik Andes

Die neue Bar Bonechina liegt am Rand von Alt-Sachsenhausen und befindet sich in dem wahrscheinlich ältesten Haus des Viertels, das 1747 entstand. Bonechina wird von Keramikfliesen beherrscht, die den Raum wie ein geripptes Apfelweinglas erscheinen lassen. Eine Reminiszenz an das Apfelwein-Quartier Alt-Sachsenhausen. Das Barkonzept ist auch dem Format geschuldet. Viel mehr als eine Minibar kann man auf 35 qm nicht schaffen, weshalb die starre Tresen-Beziehung als Schranke zwischen Gast und Barkeeper geradezu durchbrochen werden musste. Alle scharen sich vor allem um einen Trinkbrunnen – einen Porzellan-Elefanten, aus dessen Mund Tonic Water strömt. Kaum mehr als 20 Personen finden dort Platz. Die Gäste können selbst aktiv werden und sich nach Anleitung eigene Drinks zubereiten. Man wählt zwischen vorgemischten Drink-Klassikern und verfeinert diese mit aromatisierten Eiswürfeln – von Vetiver-Süßgras bis Sandelholz gibt es vielfältige Variationen. Außerdem gibt es die italienischen Weine von Tomilaia & Friends.

Bonechina aussenDie neue Bar Bonechina mag klein sein, erscheint aber strukturiert und kompakt. Auch Barkeeper Sven Riegel wirkt nicht gerade zerbrechlich. Man kennt ihn aus dem Tiny Cup im Seven Swans, wo er indes ebenfalls noch aktiv ist. Bonechina befindet sich gegenüber vom supernetten Hotelchen Libertine Lindenberg und ist damit ein verlängerter Arm für Gäste, die noch eine Bar zum Festhalten suchen. Dass die Bar Bonechina zur ideenreichen Lindenberg-Gruppe gehört, versteht sich fast von selbst.

LF

Bonechina, Frankfurt, Große Rittergasse 64, Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag 19-02 Uhr. Freitag bis Montag für geschlossene Veranstaltungen verfügbar. www.bonechinabar.com

 

Photocredit: Steve Herud (2), Barbara Fienhold (1)

 

 




Gourmet-Festival: Super Saucen & Schicke Sommeliers

Das große Genuss-Festival im Rheingau

will auch Spaß vermitteln

 

Sternekoch Nick Brill (**) schickt in seinem monumentalen Kathedralen-Restaurant The Jane in Antwerpen allabendlich 220 Couverts, stemmt das dank seiner robusten und routinierten Art aber gut. Obwohl es auch beim Rheingau Gourmet & Wein-Festival sportlich zugeht, muss ihm sein Gastspiel fast wie eine Erholung vorgekommen sein. Eines seiner Signature Gerichte ist der pochierte Hummer in Beurre Blanc/Dashibutter mit geräucherter Rote Bete und Lachskaviar. Wegen seiner Ausdruckskraft wahrhaft ein Paradestück, bei dem die wunderbare klassische Beurre Blanc ein Revival erlebt. Bei den Jakobsmuscheln mit Sellerie, Apfel und einem Sorbet aus Mandarinen und Sake wurden die Meeresfrüchte beinahe zur Begleiterscheinung, denn der ausgesprochen harmonische Sud war so finessenreich, dass man sich nur an ihm schon berauschen konnte (beim Dinner mit Meerrettich, beim Lunch ohne, was besser kam).

Nick Bril (r.), Simon Stirnal (M.), Justin Leone (r.)

Nick Bril (r.), Simon Stirnal (M.), Justin Leone (l.)

Das Restaurant The Jane in Antwerpen ist eine der spannendsten und am besten besuchten Adressen Europas. Dieses Lokal gibt einen Ich-will-Spaß-Trend vor, der bald alles andere links und rechts stehen und vergessen lässt. Er basiert auf dem Willen der Gäste größtmögliches Vergnügen in lässiger Atmosphäre erleben zu wollen, bei gutem Essen und ausgesuchten Weinen. Der Küchenchef des Kronenschlösschens Simon Stirnal hatte jedenfalls großen Spaß, gemeinsam mit Nick Bril am Herd zu stehen, der sehr salopp daherkommt, aber ein Arbeitstier ist. Simon Stirnal selbst glänzte mit einem Rehrücken mit Grünkohl, gesüßten Kartoffeln und einer ausgezeichnetem Wacholderjus. Überhaupt geht der Oscar beim Menü an die Saucen.

Justin Leone

Justin Leone

Das Besondere am Rheingau Gourmet & Wein-Festival ist nicht allein das außergewöhnliche Programm mit internationalen Branchengrößen und Newcomern. Beispielhaft ist auch, dass die begleitenden Winzer oder Weingutsbesitzer persönlich dabei sind und mit am Tisch sitzen. Etwa Urban Kaufmann, ein Schweizer Käse-Experte, der vor einigen Jahren das Rheingauer Weingut Hans Lang kaufte. Sein frischer Riesling „Tell“ animierte mit freudigem Trinkfluss und seine feinfruchtige elegante Riesling Auslese 2017 „Schützenhaus“ zeigte, dass auch Weine mit Restsüße nicht satt machen und nach mehr verlangen. Schön auch, wieder einen guten alten Bekannten aus dem Bordeaux zu treffen – Château Cantemerle (2000 und 2005), ein echter Klassiker, der angenehm unmodern geblieben ist. Modern und trotzdem angenehm ist Justin Leone, der das Tantris in München auch mittags zu einem heiteren Weintrinkertreff machen konnte. Er hat zwar zuvor viele Jahre in Chicago bei Grant Achatz im Alinea gearbeitet, ist aber eigentlich Kanadier, was ihm angesichts der USA-Politik derzeit ganz recht ist. Justin Leone moderierte mit gewohnter Lässigkeit im schicken Dress. Solche entspannten Sommeliers wünscht man sich öfter.

Ludwig Fienhold

Menü Nick Bril

Jakobsmuschel & Mandarine * Hummer & Dashibutter * Rehrücken & Wacholderjus * Weiße Schokolade & Paprika

 

Das Gourmet-Festival geht noch bis zum 12. März, hier das Programm dazu:

Gourmet Festival Programm 2017 mit einem Klick

 

Festival-Gründer HB Ullrich

Festival-Gründer HB Ullrich

 

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Photocredit: Barbara Fienhold




Guide Michelin Frankreich: Garin löst Caspar ab

Gilbert Garin übernimmt die Chefredaktion

der Deutschen Juliane Caspar

 

Von Jörg Zipprick

 

Vielleicht mehr als nur ein Personalwechsel: Gilbert Garin (55) ist neuer Chefredakteur des französischen Guide Michelin und löst damit die Deutsche Juliane Caspar ab. Auch sonst geht der Michelin neue Wege

Der gelernte Koch Gilbert Garin steht seit 2004 im Dienste des Guides. Dort testete er nicht nur, sondern soll sich auch während der strategisch wichtigen Erweiterungen der Guide-Michelin-Familie im Ausland bewährt haben. Garin gehört derzeit zu den dienstältesten Inspektoren. Insider attestieren ihm Zuverlässigkeit, kulinarische Sachkenntnis und großes Fachwissen im Hinblick auf die umfangreiche Datenbank des Guides. Damit bestätigt sich einmal mehr, dass der Posten des Chefredakteurs des Michelin France heute nicht mehr auf Lebenszeit vergeben wird. Unter André Trichot (1968-1985) und Bernard Naegellen (1985-2000) war das anders, doch seit der kurzen Amtsperiode von Derek Brown gibt es keine Dauer-Direktoren mehr. Ob Juliane Caspar aufsteigt oder umsteigt, bleibt abzuwarten, eine Pressemitteilung besagt, dass sie anderweitig Verantwortung im Hause übernehmen wird („appelée à d’autres responsabilités au sein du Groupe“).

Ohne große Verlautbarungen hat sich der Michelin in den letzten Jahren gewandelt. Auswüchse wurden – diskret – beschnitten: Der flamboyante Fausto Arrighi (Michelin Italia), der es mit dem Anonymat nie so genau nahm, gehört heute ebenso wenig zum roten Guide wie ehemalige Inspektoren, denen die Branche eine Nähe zu gewissen großen Köchen nachsagte.

Mit dem Aufkauf von „Bookatable“ und „restaurantes.com“ wurden 2016 zwei Schwergewichte im Bereich Online-Reservierung übernommen. Branchenexperten vermuten eine Investition im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich, die sich freilich mittelfristig als lukrativ entpuppen sollte: Zweistellige Umsatzzuwächse pro Jahr gelten als möglich. Smartphone-Apps des Guide werden inzwischen vorrangig behandelt, in Shanghai erschien die Applikation vor der gedruckten Ausgabe. Partnerschaften mit Fremdenverkehrsämtern oder Sponsoren werden jetzt akzeptiert. Und der Guide setzt ganz auf neue und soziale Medien: Vor der Präsentation des nächsten Guide France gab es eine Twitter-Konferenz mit Inspektoren.

Gut möglich, dass Michelin damit ein Mittel gegen den Leserschwund der Guides und den Finanzierungsengpass der Restaurantkritik gefunden hat.

 

Zipprick-Buch

 

 

 

 

 

 

Buch von Jörg Zipprick

 

 




Rheingau Gourmet Festival: Junge Winzer & Gereifte Käse

Einige preiswerte Highlights

des Rheingau

Gourmet & Wein Festivals

 

The same procedure as every year? Nein, beim 21. Rheingau Gourmet & Wein-Festival hat sich manches geändert. Man schaut nicht nur nach den Küchensternen und weltbekannten Weingütern, sondern gibt auch Newcomern eine Chance. Ricky Saward vom Frankurter Lokal Chairs und Matthias Walter vom Burgrestaurant Staufeneck in Salach sind zwei von fünf Hoffnungsträgern, die beim Galadinner der „Young Chefs“ am 4. März im Kronenschlösschen in Hattenheim ihr Talent zeigen wollen. Begleitet werden sie von erfrischend guten Winzern, etwa Friedrich Becker jun. aus der Pfalz und Jochen Dreißigacker aus Rheinhessen. Moderator und Sommelier Kai Schattner sorgt dafür, dass es auch rhetorisch nicht trocken zugeht.

Coole Winzer der Generation Riesling verspricht ein Festival mit Tasting und Fingerfood am 7. März im Kronenschlösschen von 11.30 – 16.30 Uhr. Für soziale 48 € erlebt man 30 Weingüter und ihre Vertreter im Begrüßungszelt, im Restaurant und im Bistro. Neben Riesling sind auch Pinot Noirs zu verkosten, insgesamt 100 verschiedene Weine. Mit dabei sind beispielsweise Braunewell, Knewitz, Sinß oder Emil Bauer & Söhne (Bild oben: Martin Bauer). Eine Veranstaltung, bei der nicht gekleckert wird und gute Stimmung garantiert ist.

Affineur Reiner Wechs

Affineur Reiner Wechs

Viele schielen immer nach französischem Käse, dabei reift ein ganz besonderer auch im Rheingau. Der Beruf des Affineurs hat in Frankreich eine lange Tradition, hierzulande umweht den „Käse-Verfeinerer“ noch der Duft des Exotischen. Jeder Affineur hat seinen persönlichen Stil und versucht, seinen Käse so einzigartig wie möglich zu machen. Er spürt die besten Käse auf und pflegt die Rohkäse in seinen eigenen Reifekellern, bis sie im idealen Klima das typische Aroma und den perfekten Reifegrad erreichen. Die Rheingau-Affineure Anke Heymach und Reiner Wechs (Vater und Tochter) produzieren heimische Käse-Spezialitäten in bester Qualität: Rheingauer Runde (Munstertyp-samtweich, würzig-zart); Rheingauer Spätburgunder-Tresterkäse (Rarität, im Gewölbekeller gereift und eingelegt im Spätburgundertrester); Zisterzienser-Käse (kräftiger Bergkäse, würzig und markant) Äppelwoi-Käse; Bierkäse (aus dem Vorarlberg, mit Rheinhessen Bräubier verfeinert); Honig-Nuss-Käse; Blauschimmel-Lakritze. Die Milch stammt von heimischen Ziegen und Schafen, die Käse reifen in verschiedenen Gewölbekellern, unter anderem im Weingut Jakob Jung.

Beim Käse-Lunch am 2. März um 12 Uhr im Kronenschlösschen gibt es diese erstklassigen handwerklich verarbeiteten Käse sowie zum Abschluss noch einen Fourme d´Ambert im Blätterteig gebacken mit glasierten Portwein-Äpfeln. Dazu rare Ports von Ramos Pinto. Zuvor werden ausgesuchte Weine von Jakob Jung (Rheingau) und Sybille Kuntz (Mosel) serviert.

Das 21. Rheingau Gourmet & Wein-Festival, das vom 23. Februar bis 12. März stattfindet, ist für viele Überraschungen und spannende Events gut.

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Gourmet Festival Programm 2017 mit einem Klick

 




Gourmet-Festival: Bayrischer Japaner & Rosenmuskateller

Das bunte kulinarische Festival perlt vor Vergnügen

 

Der bayrische Japaner Tohru Nakamura spricht präzises Hochdeutsch. Und so kocht er auch: deutlich genau, betont. Dem Michelin sind seine kulinarischen Aussagen zwei Sterne wert, der Gault & Millau verleiht ihm stattliche 18 Punkte und feiert ihn geradezu hymnisch. Der Sohn eines Japaners und einer Deutschen arbeitet in Geisels Werneckhof in München und war davor im Restaurant Vendôme bei Joachim Wissler und in der Oud Sluis von Sergio Herman. Jetzt gab Tohru Nakamura ein bemerkenswertes Gastspiel beim Rheingau Gourmet & Wein-Festival im Hattenheimer Kronenschlösschen. Schön, wie er eine Auster mit Salzwiesenkräutern und Dill in eine geschmackliche und optische Perle verwandelte. Als filigrane Finesse beeindruckte der kurzgegarte Langostino mit Liebstöckel-Emulsion, Sellerie-Creme und Limetten-Perlen. Erstaunlich, dass Tohru Nakamura auch aus den scheinbar einfachen Zutaten Südtiroler Speck & Käse, Vinschgauer Brot, Feige sowie japanischer Artischocke (Crosne) ein lustvolles warmes Gericht entwirft. Dieser Teller war der Weinbegleitung aus Südtirol geschuldet, wobei unter den zahlreichen Flaschen vor allem die Lagrein Riserva Taber 2010 von der Kellerei Bozen gefiel. Der wunderbar edelfruchtige Rosenmuskateller von Franz Haas begleitete als Rarität die hochfeinen Desserts von Tohru Nakamaru.

Tohru Nakamura

Tohru Nakamura

Es gibt eine Veranstaltung beim Gourmet-Festival, bei der nicht viel gekocht wird, und die trotzdem stets zu einem Ereignis wird: Caviar & Champagner. Selbst an einem trüben Mittag funkelt plötzlich die Sonne aus den Gläsern. Billecart-Salmon schafft das spielend, wobei es gleich drei Qualitäten gab: Reserve, Rosé, Brut 2004. Alles Klasse. Und wie es sich gehört in einem Weißweinglas serviert. So entfaltet sich guter Champagner, und selbst Nipper nehmen endlich einmal einen ordentlichen Schluck. Caviar von Prunier und der sagenhafte Balik Lachs „Tsar Nikolaj“ lechzen nach Champagner. Bei der Caviar-Verkostung wurden gleich vier verschiedene Sorten Caviar serviert, die sich allein durch ihren Salzgehalt recht unterschiedlich zeigten. So lernt man ganz nebenbei beim Essen. Der Küchenchef des Kronenschlösschens Simon Stirnal tischte einen prallen Steinbutt auf, der von cremigen Perlgraupen begleitet wurde. Vielleicht werden Perlgraupen das neue Risotto, zumal sie nicht so viel der Aufmerksamkeit bedürfen. Bei der älteren Generation sind sie nicht so beliebt, weil sie in der schlechten Zeit als Billiglebensmittel damit überfüttert wurde. Doch können Graupen richtig gut sein, wie man jetzt im Kronenschlösschen sehen konnte. Simon Stirnal schleppte sich mit kaputtem Fuß humpelnd in die Küche. Der letzte bei dem man dies erleben konnte, gehört einer ganz anderen Generation an: Harald Wohlfahrt kochte auch mit Gipsbein.

Steinbutt

Steinbutt

Nicht zu unterschätzen ist das Gourmet-Festival auch in seiner Funktion als gesellschaftliches Ereignis. Man trifft sich, plaudert, netzwerkt. Winzer, Weingutsbesitzer und auch Gastronomen sitzen mit am Tisch. Einige Gäste kommen seit 20 Jahren, manche nehmen während des Festivals gleich an einem Dutzend Veranstaltungen teil. Den Rekord hält allerdings der Festival-Gründer und Inhaber des Kronenschlösschens, Hans B. Ullrich, der bei jedem Event des Gourmet-Trubels dabei ist. Bei drei Veranstaltungen pro Tag und einem Verlauf von 18 Tagen eine erstaunliche Leistung.

 

Photocredit: Barbara Fienhold

 

Zaren-Lachs

Zaren-Lachs

Das Gourmet-Festival geht noch bis zum 12. März, hier das Programm dazu:

Gourmet Festival Programm 2017 mit einem Klick

 

 

 

 

 

 

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Austern-Perle

Austern-Perle

 

 




Die letzten Tickets: Rheingau Gourmet-Festival gestartet

Neue Winzer, junge Köche, große Namen

 

Das Rheingau Gourmet & Wein Festival ist mit einer großen Welcome Party im Kloster Eberbach gestartet. Das Festival präsentiert sich in diesem Jahr deutlich jünger und trendiger als zuvor. Ein veganes Galadinner, originelle Dessert-Menüs, eine Nachmittags-Jause mit den 16 besten Würzölen und -Essigen zu Fingerfood, ein Lunch mit dem erstklassigen „Rheingau-Affineur“, junge Köche und Newcomer-Winzer sollen mehr Zeitgeist repräsentieren. Auf weltbekannte Spitzenköche wurde natürlich nicht verzichtet, mit dabei sind unter anderem die deutschen Drei-Sterne-Chefs Christian Bau, Sven Elverfeld und Klaus Erfort oder die internationalen Stars Nick Bril (Antwerpen), Rodolfo Gúzman (Santiago de Chile)und Henrik Yde Andersen (Kopenhagen).

Nick Bril

Nick Bril

Den Schlusspunkt des 21. Rheingau Gourmet & Wein Festivals setzt am 12. März die Abschiedsparty „Burgenland“, bei der noch einmal fünf internationale Sterne-Köche und vier nationale Spitzenköche ihre Kreationen präsentieren. Letzte Karten für die Abschiedsparty und einige wenige der Veranstaltungen des Gourmet-Ereignisses sind noch erhältlich. Restkarten gibt es beispielsweise für den Libanon-Lunch mit Thomas Figovc aus Beirut am 10. März. Weinliebhaber können noch Karten erwerben für den Raritäten-Lunch „Champagner & Bordeaux“ am 10. März oder das Tasting am 9. März, Grand Terroirs of Europe. Außerdem gibt es noch kleine Kontingente für Dinner-Events, beispielsweise für Tohru Nakamura am 5. März sowie Thomas Kellermann am 8. März.

Kronenschlösschen Sommerterrasse

Kronenschlösschen

 

Tickets erhältlich telefonisch unter Tel. 06723 640, per E-Mail unter info@kronenschlösschen.de oder unter www.rheingau-gourmet-festival.de. Diverse Festival-Arrangements mit ausgewählten Veranstaltungen werden auch mit Übernachtungen im Hotel Kronenschlösschen angeboten.




Sterne-Küche für Astronauten

Thierry Marx entwirft

Essen aus dem Space Labor

für Astronauten & Gäste

 

Der französische Sternekoch Thierry Marx vom Mandarin Oriental in Paris ist bekannt für seine abgespaceten kulinarischen Kreationen. Jetzt auch wortwörtlich: Marx entwarf verschiedene Speisen für den französischen Astronauten Thomas Pesquet, die dieser während seines sechsmonatigen Aufenthalts auf der Internationalen Raumstation ISS verputzen kann. Die Gerichte wurden vom French Food Innovation Center unter Regie von Thierry Marx und dem Chemiker Raphael Haumont entwickelt. Mit dem Hinweis: „Unter strengsten Gesundheits- und Sicherheitsrichtlinien.“

Thierry Marx hebt ab

Thierry Marx hebt ab

An den vier März-Dienstagen verwandelt sich das Restaurant Sur Mesure im Mandarin Oriental Paris in ein Raumschiff, in dem galaktische Sechs-Gänge Menüs mit Überraschungen und Gerichten wie Rinderzunge, Hähnchenbrust mit Morcheln oder Apfellebkuchen serviert werden. Das Menü ist für stattliche 230 € pro Person (exklusive Getränke) ausschließlich für den 7., 14. 21. und 28. März buchbar. Das Mandarin Oriental Paris begeht diese Kooperation außerdem mit dem „Planet Marx“, einem Kuchen in Mars-Form aus Schokolade und karamellisierten Birnen (siehe Foto) sowie fünf speziellen „Star“-Cocktails in der Bar 8.

 

 

 

 

 

Photocredit: Gabriel Otero




Restaurantkritik Block House: Noch mehr Steaks für Frankfurt

Geht noch mehr

oder wars das schon?

 

Cafés und Steakhäuser sind die derzeit am meisten expandierenden Sparten in der Gastronomie. Frankfurt hat zwar von beiden schon mehr als ausreichend, bekommt aber immer wieder Zuwachs. Jetzt ist mit dem Block House eine Grillhütte aus dem Reich der Systemgastronomie an den Frankfurter Börsenplatz gezogen. Die Lage ist zentral, wenngleich durch ein nicht gerade anspruchsvolles Umfeld keineswegs optimal.

Die stattliche Hausfassade verschafft einen guten ersten Eindruck. Von einem Ambiente mag man innen angesichts der tristen Ausstattung indes gar nicht sprechen. Die gesamte Atmosphäre hat etwas Gespenstisches und erinnert an die seligen Wienerwald-Lokale der 60er und 70er Jahre des letzten Jahrhunderts. Dazu passt auch der ungelenke, ungeschulte und auch noch unaufmerksame Service.

Die Steak-Auswahl kennt man aus den vielen anderen Block-Häusern, von Hamburg bis Peking. Fast 50 Gaststätten unter diesem Namen gibt es bislang, wobei die im Ausland als Franchise betrieben werden. Das neue Lokal in Frankfurt genießt mehr die Aufmerksamkeit des Firmengründers Eugen Block, der hier gleich persönlich nach dem rechten sah. Auswirkungen auf die Qualität beim Service und dem Interieur hatte dies jedoch nicht.

Man darf mit den üblichen Bekannten rechnen: Rumpsteak, Hereford Rib-Eye, Rib-Eye Mastercut mit 350 Gramm, Filet Mignon, American Tenderloin, T-Bone-Steak. Preise: 18,90 – 33,40 €. Die Steaks sind auf den ersten Biss tadellos, aber es fehlt dem Fleisch an Aroma und Würze. Und vor allem sind die probierten Steaks einfach nicht sexy. Schon gar nicht so sexy wie die vom Buffalo Steakhaus in der Nähe. Baked Potatoes & Sour Cream, Salate und Dressings – alles einwandfreie Systemgastronomie. Für normale Steak-Bedürfnisse reicht das alles durchaus und wird entsprechenden Zugang finden. Die Weine machen es vielen recht und reißen auch kein Loch in den Geldbeutel. Das größte Manko des neuen Steakhauses aber ist, dass es einfach keine Freude vermittelt und nicht unbedingt Lust auf einen erneuten Besuch macht.

LF

 

Block House, Frankfurt, Börsenplatz 5, Tel. (069) 219 965 66.
Täglich 11.30 – 24 Uhr, Sonntag  11.30 – 23 Uhr. 
 
 



Heiß: Die Winter-Kollektion der Eis-Manufaktur Firenze

Für Schnee können wir nicht sorgen, aber für Eis. Das beste Eis. Adriano macht nicht nur im Sommer hervorragende Sorten, sondern auch im Winter. Freitag, Samstag und Sonntag frisch in der kleinen Manufaktur im Eis-Salon Firenze am Walther-von-Cronberg-Platz in Sachsenhausen. Man kann es gleich im kleinen Café genießen, aber auch für zu Hause in Thermoboxen mitnehmen. Gespachtelt, nicht gekugelt. Solo immer gut, aber auch als Dessert nach dem Essen schön bequem. Es gibt nach wie vor einige Klassiker des Sommers. Uns gefallen alle Eis-Sorten, von der neuen Kollektion ganz besonders aber: Geröstete Mandeln, Zimt/Pflaume, Birne/Ricotta, Walnuss/Feige und Karamell mit Fleur de Sel. Aromatisch, elegant, zart-cremig – Eiskunstlauf für die Zunge.

Adriano, der Eisheilige

Adriano, der Eisheilige

Eis-Salon Firenze, Frankfurt, Walther-von-Cronberg-Platz 13, Tel. (069) 380 39 595. Im Winter geöffnet Freitag – Sonntag von 11 bis 20 Uhr. Gleich gegenüber befindet sich ein Parkhaus. 

Photocredit: Barbara Fienhold