Villa Rothschild: Gourmet-Gipfel

Das schönste Open Air Fest des Jahres

 

Bei bestem Sommerwetter herrschte auch bei den Gästen und Köchen eitel Sonnenschein. Obwohl beim 12. Gourmet-Gipfel in der Villa Rothschild über 450 Besucher kamen, gab es kaum Gedränge. Der Park bot ausreichend Auslauf und Platz für Gespräche. Begleitet von Champagner, Sekt und guten Weinen. Acht Köche arbeiteten unter Dampf in heißen Küchen. Kulinarisch funkelte es an vielen Stellen, am Schluss brillierte wie immer ein großes Feuerwerk.  Einige Highlights des Open Air Events:

Köche & Service vor dem Ansturm. Danach waren sie aber auch noch entspannt.

 

Sebastian Prüßmann (r.), Villa Rothschild, Mario Lohninger vom Lohninger in Frankfurt.

Oliver Heberlein (l.) Landgut Falkenstein, Wolfgang Otto von Otto Gourmet.

Sauer eingelegte Edelmarane vom Plöner See & Finkenwerder Apfel auf Knäckebrot: Schöne Kombi von Christian Michel vom Hotel Atlantic in Hamburg.

Sommeliere Nina Birk hatte famose Weine von der Quinta de Soalheiro aus Portugal dabei. Schöner Rosé, strahlend frischer Alvarinho „Granit“. Die führt Hendrik Thoma von „Wein am Limit“ im Programm, der ebenfalls präsent war.

Fein-fruchtiges Sommergericht von Anton Schmaus, Restaurant Storstad: Kingfish, Togarashi, Holunder, Erdbeere, Wildreis.

Mario Lohninger (l.) erinnerte mit seinem gegrillten Sirloin Lollypop an alte Silk-Zeiten im Cocoon Club. Wurstexperte Glasstetter brachte Tütchen mit toller Wurst mit.

Fabelhafte Früchte von Lindnerfood.

Oliver Heberlein & Küchencrew.

Peking Duck nach Art von Philipp Vogel Orania in Berlin.

Wer Champagner hat, hat auch gute Laune: Thomas Schreiner von Laurent Perrier brachte nicht nur seinen „Hauschampagner“ mit, sondern auch den erstklassigen Delamotte, Bruder vom grandiosen Champagner Salon.

Photocredit: Barbara Fienhold

Nach dem kulinarischen kam das pyrotechnische Feuerwerk




Pleiten, Pech & Pannen: Die verzweifelte Gastronomie

Ein Kommentar mit BISS

 

Kofler & Kompanie befinden sich in der Insolvenz, Jamie Oliver floppt mit seinen italienischen Restaurants, an denen allein 1.300 Stellen hängen, der Kettenbetrieb Vapiano ist schwer angezählt. Die Reihe von Pleiten, Pech & Pannen in der Gastronomie setzt sich dramatisch fort.

Klaus-Peter Kofler (r. oben im Bild) camoufliert sein Scheitern mit jenen Worthülsen, die man aus Wirtschaft und Politik kennt und schon lange nicht mehr hören kann. Solche Verschraubtheiten und Plattitüden, die nach Vernunft klingen wollen, aber Verzweiflung erkennen lassen, sollen Glaubwürdigkeit herstellen und bewirken genau das Gegenteil. Warum sagt in einem solchen Fall niemand: Ich habe Fehler gemacht, ich bin gescheitert und will alles versuchen, es wieder besser zu machen? Eine Insolvenz ist kein endgültiger Untergang und birgt noch eine Chance.

Jamie Oliver, der sich mit einigen Millionen und einem überschaubaren Imperium hätte begnügen können, hat sich einfach überhoben. Er konnte sich vor Jahrzenten mit einer schlichten Fernseh- und Volksküche einen Namen machen, besaß aber überhaupt keine Kompetenz für die italienische Küche. Jetzt setzt er auf Veggie, was eher einer Verzweiflungstat gleicht. Seine Art zu kochen ist längst passé, sein Charme verschossen. Warum will er nicht einfach loslassen? Der einst schlanke freche Jamie ist dickleibig und behäbig geworden. Um seine Finanzen (angeblich über 200 Millionen Pfund) muss man sich (noch) keine Sorgen machen, um seinen Seelenfrieden vielleicht eher.

Die Kölner Betriebskette Vapiano ist angezählt, wobei die pseudo-italienische Art und die fehlende Qualität eigentlich nie eine Chance hätten haben dürfen. 2017 hatten die einstigen Shootingstars der Systemgastronomie ein Minus von 30 Millionen zu verzeichnen. Man will nachbessern. Wie tot darf man sein, um noch wiederbelebt werden zu können?

Die Deutsche Bank streicht Stellen, statt den Vorstand zu streichen, der zum Scheitern des Unternehmens geführt hat. Man muss kein Sozialist sein, um den allgegenwärtigen Werteverlust zu erkennen. Dieser Werteverlust ist kein wirtschaftlicher, es ist der Werteverlust der Ehrlichkeit und der Glaubwürdigkeit.

Fast jedes vierte Unternehmen im Gastgewerbe in Deutschland ist laut der Wirtschaftsauskunftei Creditsafe überschuldet. Manche wirtschaften schlecht, viele übernehmen sich. Die Ursache dafür ist wie bei fast allen Krankheiten multifaktoriell. Beim Patienten Gastronomie liegt der Grund des Scheiterns oft in der Selbstüberschätzung, gepaart mit Geltungsbedürfnis und Raffsucht. Solche Beweggründe münden nur selten in einer wahrhaftigen Wertschätzung der Person, weil diese nur im Gleichklang mit einem glaubwürdigen Charakter entstehen kann.

Es geht auch anders: Johann Lafer, der oft von Häme begleitete Fernsehkoch und Unternehmer, war im Grunde nichts anderes als ein fleißiger Mensch. Er hat inzwischen die Stromburg abgegeben und betreibt nur noch sein Hightech-Kochstudio. Lafer hat losgelassen. Und wirkt so entspannt wie selten zuvor.

Ludwig Fienhold

 

 

 




Die Sommerhits: Rosé Festival in der WineBank

Offener Ausschank in der WineBank Frankfurt

 

Der Rosé hat sich vom Modetröpfchen zum Lustwein entwickelt. Dennoch gibt nach wie vor viel Mainstream. Aus dem Meer der Mittelmäßigkeit haben wir dennoch einige ausgezeichnete Tropfen herausgefischt. Eine gute Auswahl davon wird es am 26. August in der Frankfurter WineBank im Ausschank geben. Ab 19 Uhr kann man verschiedene Rosé-Weine glasweise zu Sonderkonditionen bekommen. Eine weitere Folge der Serie Weine mit BISS, bei der indes nicht moderiert, sondern getrunken und geplaudert wird.

 

Château Minuty befindet sich über dem Golf von Saint-Tropez und wird von üppigen Palmen, Platanen und Rosen romantisch verzaubert. Der elegante Rosé M schimmert lachsrosa im Glas und ist von seidiger Struktur. Der Wein ist animierend trocken, ungemein frisch und wird dezent von einer feinen Fruchtigkeit begleitet. Der zarte Duft von Beeren und Kräutern ist so präsent wie nötig und so zurückhaltend wie möglich. Es setzt jedenfalls gleich eine enorme Trinkfreude ein, die bei der ersten Flasche nicht beendet sein wird. Der Minuty M wird aus den Rebsorten Grenache, Cinsault und Tibouren erzeugt. Für uns ein Rosé par excellence. Endverbraucherpreis ca. 11 €. Gesehen & getrunken bei Beesdo & Cap.

Der zarte Provence-Rosé Clos Beylesse von der Domaine l´Abbaye schwebt federleicht über die Zunge und hinterlässt durch seine komplexe Art dennoch einen bleibenden Eindruck. Fein, frisch, harmonisch, elegant und so mediterran, dass er überall ein Meer vors Auge zaubert. Sublime Aromen von Kräutern, Zitrus, Blaubeeren und Melone verweben sich sanft ineinander. Die Assemblage aus Syrah, Grenache, Cinsault haut nicht auf die Pauke, sondern will mit bedächtiger Ausgeglichenheit überzeugen. Die auffällige blaue Flasche soll vor schädlichen UV-Einflüssen schützen und länger frisch halten sowie die Nähe des Weinguts zum Meer widerspiegeln. 19 €. Gesehen & getrunken bei Soul Food von Thomas Funke,

Mehr Urlaub in einem Glas kann es kaum geben: Die Domaine de Marchandise schenkt uns einen so köstlichen, nach praller Lebensfreude und Sinnlichkeit schmeckenden Rosé-Wein ein, wie er kaum besser sein kann. Er zeigt sich frisch, saftig, dicht und präzise in Ausdruck und Aromatik, wobei ihn ein Hauch Waldbeeren und ein Touch Grapefruit abrundet. Der Rosé Côte de Provence aus den Rebsorten Syrah, Grenache und Cinsault lädt durch seine kühle Noblesse zum Weitertrinken ein, was gerade für die Gastronomie wichtig ist, die nicht möchte, dass die Gäste nach dem ersten Glas müde werden und sich gelangweilt fühlen. Man kann diesen fabelhaften Wein zu gegrillten Fisch und der würzigen Knoblauch-Kräuter-Küche Südfrankreichs trinken, er lässt sich aber auch ganz einfach solo genießen. 11,80 €. Gesehen & getrunken im Frischeparadies.

Der Rosé Cuvée Prestige von Féraud entfaltet die Düfte der Provence. Klassisch, aromatisch, finessenreich, diskret kräuterwürzig, umweht von Limone und Pfirsich und mit leichtem knackfrischen Biss. Die Domaine des Féraud ist seit 2011 im Besitz des Hamburgers Markus Conrad, der die Qualität der Weine von Jahr zu Jahren steigern konnte, wobei ihm nicht nur seine verschiedenen Roses außerordentlich gut gelingen, sondern auch die Rotweine. 12,90 €. Gesehen & getrunken bei Wein am Limit von Hendrik Thoma.

Der lachsrosa schimmernde Rosé Miraflors von Lavage aus der Region Roussillon ruft geradezu nach Sushi, wobei gegrillter Fisch und Krustentiere auch bestens passen. Saftig, frisch, floral, zurückhaltende und doch spürbare Aromen von Granatapfel, Limette und Orange. Eine sensible salzige Mineralität macht den Rosé ausgesprochen faunisch und animierend. Rebsorten: Grenache Gris und Mourvedre.Geschmacklich ein Luxus-Rosé, preislich aber moderat. 10 €. Gesehen & getrunken bei Belvini.

Diving into Hampton Water: Der Name ist ebenso bemerkenswert wie das Etikett. Dieser Wein entstammt einer gemeinsamen Idee von dem amerikanischen Rocksänger Bon Jovi, dessen Sohn Jesse Bongiovi (so der richtige Familienname) und dem ehemaligen französischen Rugbyspieler Gérard Bertrand, der mit önologisch professioneller Begleitung längst sein eigenes Weingut in Südfrankreich betreibt. Man will mit diesem süffigen Rosé südfranzösisches Savoir-Vivre und den lässigen Lifestyle der US-Ostküste einfangen. Die Trauben für den Wein (Grenache, Cinsault, Syrah, Mourvedre) stammen aus dem Languedoc. Im Haus in den Hamptons von Bon Jovi wurden Roséweine bislang als „rosa Saft“ getrunken. Ihr Rosé ist aber kein „Bed of Roses“. Der Hampton Water Rosé (ca. 16 € bei Weinwolf und Beesdo & Cap) hat eine forsche Frische, entfaltet diskrete Fruchtaromen mit leichter Dominanz der Himbeere, wirkt aber zu keiner Zeit blumig, sondern vor allem saftig, fein, anregend und luftig. Bei Weinen von Prominenten und solchen mit besonders attraktiven Etiketten herrscht oft Misstrauen – der Hampton Water ist jedoch von unwiderstehlichem und unprätentiösem Genuss.

Am zauberhaften Gardasee kann man schnell in mäßigen Weinen ertrinken, es gibt aber auch exzellente Erzeuger, die durch Qualität und Finesse überzeugen. Costaripa hat dort den Rosé neu interpretiert, mit mehr Finesse und Tiefgang. Der filigrane Rosa Mara ist von seidiger Struktur und schönster Harmonie. Auch der Rosé Spumante ist fabelhaft und so viel besser als manche gehypten Nobeldoofel. Mattia Vezzola gehört zu den Pionieren und gleichzeitig zu den Avantgardisten am Gardasee. 12,60 €. Gesehen und getrunken bei Giovo (My Gourmet 24).

Arnot Roberts gilt als Vorreiter der amerikanischen Indie Wine Scene. Seine Weine sind nur in kleiner Menge in Deutschland zu bekommen und dies nicht ganz preiswert. Ein ungewöhnliches Weingut in Nordkalifornien, mit ziemlich eigenwilligen Gewächsen. Wie kommt man auf die Idee, einen eigentlich portugiesischen Touriga Nacional als Rosé zu erzeugen?  Das Ergebnis ist ein nobler, sehr trockner und angenehm erfrischender Wein, der ganz und gar unkalifornisch herb und eher französisch erscheint. Ein Überraschungswein, für 23,90 €. Gesehen & getrunken bei Wein am Limit von Hendrik Thoma.

Der Mineral Soalheiro Rosé aus Portugal ist so schlank und glasklar, wie man sich das von einem Rosé wünscht. Kühle, frische Stilistik, swingender Trinkfluss. Dieser Blend aus Alvarinho und Pinot Noir passt sehr gut zu Meeresfrüchten und Knoblauch-Gambas. 13,60 €. Gesehen & getrunken bei Hendrik Thoma und Wein am Limit.

Trotz modernen Auftritts, ist der Léoube Love in seiner Stilistik eher traditionell ausgerichtet. Prägend war der Rosé-Pionier Ott, dessen Sohn Romain inzwischen Weinmacher bei Léoube ist und auf bio-dynamisch und umweltfreundliche Landwirtschaft setzt. Das Chateau liegt im Herzen von Cap Bénat in Meernähe, umgeben von Reben, Gärten und Olivenhainen. Leoube macht verschiedene Rosé-Weine, auch einen interessanten Sparkling. Der Loveist ein sehr guter Einstieg und beschwingter als der alkoholreiche Secretvon Léoube. Blasses Pink, angenehm trocken, ein Hauch von Mandarine und Johannisbeere. Auch die salzige Meerbrise schmeckt man im Glas. Lädt zu Meeresfrüchten ein. 12,50 €. Gesehen und getrunken bei Weinhandel Steines in Oberding.

Ludwig Fienhold

 

 

Art der Veranstaltung: Rosé Festival, offener Ausschank

Ort: Weinbar in der WineBank Frankfurt, Meisengasse 9, neben Parkhaus Börse

Tel: 069 21 93 94 88

Tag: Montag, 26. August

Zeit: 19 Uhr

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 




Der Sommer in Flaschen: Durstlöscher mit Finesse

Top Ten der Weine für

den Open Air Genuss

 

 

Der Sommer verlangt nach Weinen, die frisch, leicht, schlank, mineralisch, heiter und belebend sein müssen. Sie sollen kühl und animierend ausfallen und Lust auf mehr machen. Aber natürlich immer auf der Basis von Qualität. Wir wollen nicht die üblichen Verdächtigen und Granden wiederholen, sondern stellen unsere persönlichen Durstlöscher mit Finesse vor, individuell und speziell. Eine Auswahl der

 

Nr. 1

Der Riesling Kalkgestein vom Weingut Arnold aus der Pfalz verkörpert die Sommerfrische schlechthin. Dieser dynamische und lustvolle Wein verbreitet auf Anhieb gute Laune. Er flitzt über die Zunge, aber mit makellosem Abgang. Ein eleganter Durstlöscher auf hohem Niveau. Und das zum sensationell kleinen Preis von 6,90 €.

 

Nr. 2

Die Domaine de Marchandise schenkt uns einen so köstlichen, nach praller Lebensfreude und Sinnlichkeit schmeckenden Rosé-Wein ein, wie er nicht besser sein kann. Er präsentiert sich frisch, saftig, dicht und präzise in Ausdruck und Aromatik, wobei ihn ein Hauch Waldbeeren und ein Touch Grapefruit abrundet. Würzig, saftig, prall und sexy. Der Rosé Côte de Provence aus den Rebsorten Syrah, Grenache und Cinsault lädt durch seine kühle Noblesse zum ewig Weitertrinken ein. 11,40 €. Bei Frischeparadies.

 

Nr. 3

Der Riesling Paulessen von Andreas Bender gleicht einem knackig frischen Biss in einen saftigen Apfel. Diesen belebenden, schlanken und wahrhaft mineralischen Wein aus Steillagen von Mosel und Ruwer hat Bender so glasklar angelegt hat, dass er für enorm viel Trinkfreude sorgt. Eine große Entdeckung für kleines Geld: 8 €.

 

Nr. 4

Der Grüne Veltliner Reserve Ried Mühlberg 2017 vom Weingut Gruber Röschitz in Niederösterreich ist ein Glanzstück unter den Spezies dieser Rebsorte. Delikate Wiesenkräuter, Orangenzeste und eine unwiderstehliche Saftigkeit zeichnen dieses Prachtstück aus, von dem man nicht genug bekommen kann. Preis: 20 €.

 

Nr. 5

Dieser Spanier hat Biss: La Ola del Melillero vonVictoria Ordonez, 2017, ist ein wunderbar schlanker, geradliniger, frischer, stahlklarer Wein aus der Region Serrias de Málaga. Überraschung: Der sehr trockene Tropfen entstammt der andalusischen Sherry-Rebe Pedro Ximénez. Preiswürdig ist auch das schöne Etikett, zu dem es eine gute Story gibt – trinken und nachlesen. Ein Spitzenwein zum freundlichen Preis: 17,50 €.

Nr. 6

Cava Pedregosa, Petit Cuvée. Cava wird so unterschätzt, dass es gegenüber den vielen mäßigen Champagner und flachen Prosecchi eine Schande für die Welt des Schaumweins ist. Dabei füllt Cava genau die Lücke zwischen allen bemerkenswerten Perlen. Wenig Säure, geradlinig trocken, dichte Perlage. Es gibt Spitzencavas, die ziemlich nah am Champagner sein wollen, es gibt aber auch Cavas, die einfach nur Spanien repräsentieren möchten. Einer der reintönigsten, feinsten Cavas ist der klarlinige Pedregosa.  Für diesen erstaunlichen Preis gibt es nichts Besseres, nicht nur bei Cava. Ein Cava, der nur Cava sein will, kein Sekt und kein Champagner. Wir haben ihn im derzeit originellsten Restaurant Marbellas entdeckt, dem kreativen Tapas-Lokal Back. Preis: Unglaubliche 5,90 €.

 

Nr. 7

BellIdea, Garganega.

Die bescheidene und überaus sympathische Winzerfamilie Dal Bosco von Le Battistelle erzeugt individuelle Weine, die zu den allerbesten in der Soave-Region zählen. Das Gut liegt genau gegenüber von seinen drei Weinlagen in Brognoligo, das als die alte Seele von Soave geachtet wird. Die gerade einmal sechs Hektar ergeben charaktervolle, elegante, mineralische, würzige und von einer leichten Meeresbrise umwehte Tropfen. Der BellIdea aus der Rebsorte Garganega entspringt einer Kooperation mit dem Frankfurter Weinhändler Guido Giovo. Kaum Säure, geringer Alkoholgehalt, schöner Trinkfluss. Ein wenig Holunder und ein Hauch Zitrus schwingen bei diesem trocknen Wein von sonnigem Gemüt mit. Es gibt ihn exklusiv bei Giovo in Mühlheim: 14,90 €.

 

Nr. 8

Riesling (alter)native von Clemens Busch.

Clemens Busch von der Terrassenmosel ist für seine edelsüßen Weine bekannt, er kann aber auch ganz anders. Sein Riesling (alter)native ist bone-dry, aber nicht auf staubige, sondern recht saftige Art. Getragen von kühlem Schiefer und salziger Finesse, beschwingt durch eine dezent moussierende Lebhaftigkeit und beflügelt von moderatem Alkohol (11,5 %), darf man Schluck für Schluck der Sonne eine Abkühlung abtrotzen. Ökologisch korrekt, nicht filtriert und geschönt, gerät dieser kühne Wein zum vitalen Naturburschen – und hat doch nichts gemein mit jenen trüben Orange-Brausen, die das Land überschwemmen wollen. Preis: 16,50 €.

 

Nr. 9

Sexy MF von Wechsler

Auch Rotweinfreunde müssen im Sommer nicht auf dem Trocknen sitzen und durstig bleiben. Hitze und Rotwein vertragen sich nicht, deshalb ist der naturtrübe und dunkle Rosé aus dem Spätburgunder Mariafeld genau das Richtige für sie. Katharina Wechsler aus Rheinhessen hat ihn sehr trocken und mit nur leichten Gerbstoffen belassen. Er changiert mit verführerischen Aromen zwischen Blaubeerkuchen brut und Waldbeer-Eistee. Alles andere, nur nicht langweilig. Preis: 11,90 €.

 

Nr. 10

Veräppelt, Winzer-Apfelwein.

Der freche „Veräppelt“ müsste eigentlich aus Frankfurt kommen, stammt aber aus Wertheim. Er ist ein Apfelwein vom Winzer. Norbert Spielmann hat diesen Trunk seiner eigenen Natur entsprechend vorwitzig, forsch und lustig entworfen. Aber nicht als flaches Partygedöns, sondern als seriösen, prallvollen, fein perlenden, nach frischen Äpfeln schmeckenden Schoppen. Wenn die Sonne knusprig knistert, gibt es nichts Besseres auf der Welt als erfrischendes Gegenmittel. Norbert Spielmanns Buddy, der Gewürz-Häuptling und einstige Sterne-Koch Ingo Holland, hat dazu als modernen Gegenentwurf zum Gerippten ein formschönes, griffiges und haptisch so angenehmes Glas in gedrehter Wellenoptik namens „Gewelltes“ ersonnen, das man nicht mehr aus der Hand geben möchte – schon gar nicht, wenn der „Veräppelt“ darin schwappt.  Veräppelt für 4,70 € bei Norbert Spielmann in Wertheim. Die mundgeblasenen Kristallgläser „Gewelltes“ beim Alten Gewürzamt in Klingenberg oder der Apfelweinhandlung Jens Becker in Frankfurt.

Ludwig Fienhold




Witziger wohnen: Das neue Hotel Lindley Lindenberg

Wohngemeinschaft mit Dachterrasse,

Kräutergarten und Unami Balls

 

Das dritte Hotel der Lindenberg-Gruppe hat heute am 1. Juli im Frankfurter Ostend eröffnet. Dieses Ereignis wurde schon zuvor mit 500 Gästen gefeiert, denen das Haus für einen langen Abend offenstand. Das Lindley Lindenberg wurde mit Gespür für optische Erlebnisse sowie Charme und Detailfreude gestaltet. Vieles hat Witz, wie die Vintage-Version des stillen Örtchens.

Das 100-Zimmer-Hotel, das sich mehr als Gästegemeinschaft verstanden sehen will, befindet sich in der parallel zur Hanauer Landstraße verlaufenden und noch unbekannten Lindleystraße, die nach dem Londoner Ingenieur William Lindley benannt wurde. Lindley Lindenberg setzt wie die anderen Avantgarde-Herbergen der kleinen individuellen Gruppe auf das Erlebnis der Gästegemeinschaft, in der Langzeitmieter und Übernachtungsgäste nicht nur einfach wohnen, sondern auch eine Vielzahl an Gemeinschaftsräumen gemeinsam beleben. Übernachtungsgäste sind genauso willkommen wie solche, die für Tage, Wochen, Monate oder gar Jahre ein zweites Zuhause suchen und Bindung finden möchten.

Die 100 Gästezimmer des Hauses sind in ihrer räumlichen Größe auf ein Minimum beschränkt, denn das Leben findet da draußen statt. Lindenberg sieht sich seit 2012 als Vorreiter des sogenannten Collaborative Living, bei dem Zugang eine größere Rolle als Besitz spielt. Je nach Wunsch und Vorhaben wählt der Gast einen Bereich der Nutzung aus und taucht in die Gemeinschaft ein. „Die Lindenberg Häuser reflektieren damit den gesellschaftlichen Bedarf nach gemeinschaftlichem Wohnen und Arbeiten. Eine neue Wohnqualität mit Wir-Gefühl bei gleichzeitiger Möglichkeit zur Individualität“, heißt solch eine Konzeption im offiziellen Jargon.

Im Restaurant Leuchtendroter im Erdgeschoss werden morgens, mittags und abends kreative vegetarische Gerichte aus regionalen Produkten serviert: Unami Balls, Zwiebel-Pilz-Kugeln mit eingekochten Kirschen & Liebstöckel; Cellery Carbonara, Sellerienudeln mit geräucherter Rote Bete, confiertem Eigelb & Haselnüssen; The Krauts, Spitzkohlwickel gefüllt mit Rahmsauerkraut, dunkler Soße & Weintrauben; Burnt Butter Buckwheat,Nussbutter-Eiscreme mit Buchweizen-Müsli, Topinambur & Honig. An der dazugehörigen Weinbar findet man eine kompakte Auswahl an Weinen und Schaumweinen. Ein spezieller Ort ist der duftige Kräurerraum mit vielen selbstgezogenen Arten. Dieser repräsentiert die zum Hotel gehörenden Braumannswiesen im Taunus bei Frankfurt, einem ökologisch bewirtschafteten Wald- und Wiesen-Terrain, auf dem all jene Kräuter und Gemüse gedeihen, die man für die Küche einsetzt. Für Steen Rothenberger, der neben den Lindenberg Hotels auch das vegetarische Restaurant Seven Swans führt, sind die Braumannsweisen sein „wichtigstes Projekt“.

Bäckerei: Angeschlossen an das Restaurant gibt es hier Ofenfrisches wie Sauerteigbrot, belegte Stullen, Croissants und hausgemachte Kuchen sowie Fair-Trade Kaffee von lokalen Partnern.

Bar Marmion: In der Bar im 5. Stock werden Klassiker der Barkultur ebenso in ihren ursprünglichen Versionen, wie auch in neuen Interpretationen serviert. Weine und Spirituosen stehen ebenfalls bereit. Betreiber der Bar sind Torsten Martini (sic!) und Malwin Hiller.

Anders als Restaurant, Bäckerei und Bar bleiben die weiteren Gemeinschaftsräume exklusiv den Hotelgästen vorbehalten und sind nur zu bestimmten Anlässen Externen zugänglich: Die Gemeinschaftsküchen,

die Gute Stube mit kleiner, aber mit Bedacht zusammengestellter Plattensammlung und Bibliothek zum Lesen und Musikhören,

das Panoptikum als Tagungs-, Event-, Arbeits-, Kino- und Konzertraum mit Rube Goldberg Installation und eigenem Kulturprogramm,

der Cowork-Space als mietbarer Arbeitsplatz oder Konferenzraum,

der Baumraum zum Ruhefinden,

der Kräuterraum – ein Indoor Farming Konzept, betrieben von den Braumannswiesen für das letzte Blatt, das die selbstgekochte Sauce verfeinert,

der Fitnessraum – in dem Workout-Kurse angeboten werden und in dem individuell trainiert wird und nicht zuletzt

die Dachterrasse, ein Ort zum Entspannen mit Blick auf das Mainbecken und Frankfurt.

 

Kräutergarten

FACTSHEET

Adresse: Frankfurt, Lindleystrasse 17

Eröffnet: Heute am 1. Juli 2019

General Manager: Denise Omurca, Christian Velthuizen, Nils Jansen

Betreiber: Lindley Lindenberg GmbH

Betriebstyp: Gästegemeinschaft

Gesamtfläche: 3716 Quadratmeter

Zimmer: 100

Gemeinschaftsräume: 17

Zimmerpreise: ab 89 Euro pro Nacht, ab 1299 Euro pro Monat

Photocredit: Barbara Fienhold




Schlafkapseln statt Hotel: Check-in der Alpträume

Neues Billig-Konzept

startet in Deutschland

 

Es muss vielleicht nicht immer ein Grandhotel sein, was jetzt aber in Deutschland auf den Markt drängt, ist so krass das Gegenteil, dass mancher lieber schlaflos bleiben möchte. Für die Erfinder der Space Kapseln ist dies allerdings eher die Umsetzung eines Kindertraums und soll an ein Raumschiff erinnern. Für uns, die wir großzügige Betten und Zimmer mit Blick bevorzugen, erscheint das alles wie ein Alptraum ohne Hotel-Sterne. Diese Lowest Budget Übernachtungen sind ab sofort in Karlsruhe zu finden, nächste Standorte sollen Frankfurt und Heidenheim sein. Die Nacht in einer Schlafkapsel kostet ab 45 €.

Das erste Projekt der Gründer von area 24/7 smart hotels &apartments hat bereits in Karlsruhe mit 16 Schlafkapseln eröffnet. In Frankfurt sollen es 160 spacige Schlafkapseln sein. Um die Kapseln herum schart sich ein großer Bereich mit Küche, Waschmaschine, Kaffeevollautomat und Arbeitsbereich, der von allen Gästen gemeinsam genutzt wird. Einzelduschen und Toiletten sind ebenso vorhanden, aber eben für alle. Nur in die Kapseln ziehen sich die Gäste allein zurück, wie die Raupen in einen Kokon.

Für die Macher von area 24/7 entsteht eine völlig neue Apartment- und Hotel-Kategorie, bei dem der allseits aufkommende Begriff von „Sharing“ bemüht wird. Die Schlafkapseln selbst sind mit HD-Androidfernseher ausgestattet, die mit sämtlichen Apps ausgerüstet werden können. Kostenfreie WLAN ist standardmäßig im gesamten Hotel oder Apartment verfügbar und ermöglicht es jedem, überall und jederzeit arbeiten zu können. In jeder Schlafkabine befinden sich zudem Safe und Klimaanlage. Eine Nacht in einer Schlafkapsel ist über www.area247.de buchbar.

Photocredit: area 24/7

 




Flüssige Highlights: Die Genuss-Serie Weine mit BISS geht weiter

Der Sommer in Flaschen

Und andere Termine für Weintrinker

 

Bei der ausverkauften Event-Reihe „Weine mit BISS“ auf der schönen Mainterrasse im Weinbistro gang & gäbe in Frankfurt Sachsenhausen trafen sich Wissensdurstige und Fachtrinker. Sechs Weine aus Deutschland, Frankreich und Spanien standen im Mittelpunkt, der seidige und glasklare La Ola del Melillero aus Andalusien und der ungemein dichte und saftige Grüne Veltliner Ried Mühlberg von Gruber Röschitz aus Niederösterreich gingen bei der Abstimmung unter den Gästen als die Favoriten hervor.

Siegerwein

Brigitte Weinhold von gang & gäbe moderierte den Abend ebenso kurzweilig wie informativ. Das Weinbistro hat sich seit dieser Sommersaison mit einem neuen Konzept und frischem Team aufgestellt und setzt dabei deutlich auf seine Weinkompetenz. Das kleine Familienunternehmen betreibt unter anderem noch mit der Alten Textilfabrik eine spannende Eventlocation in der Taunusstraße im Bahnhofsviertel. Retro-Charme und cooler Loft Look mischen sich hier auf lässige Weise. Dort soll es am 2. August besonders prickelnd zugehen, wenn die Korken knallen und sechs verschiedene schäumende Weine vorgestellt und getrunken werden. Es soll ein buntes Sortiment geben, Perlweine, Méthode Champenoise oder die angesagten Pet Nat. Es gibt zudem Snacks und Wasser. Location: Frankfurt, Alte Textilfabrik, Taunusstraße 19. Uhrzeit 19- 21.30 Uhr, Preis pro Nase 35 €. Weitere Infos über Facebook.

Die nächste Folge der Serie „Weine mit BISS“ soll im August beim Spitzenitaliener Carmelo Greco stattfinden. Dabei wird man nicht die üblichen Verdächtigen treffen, sondern ausschließlich Weine aus autochthonen Rebsorten von kleinen und eher unbekannten italienischen Weingütern. Mehr dazu demnächst hier in BISS.

Wissensdurstiger Gast




Aureus: Neues stylishes Restaurant mit spektakulärem Goldmuseum

Frankfurt wird auch gastronomisch immer reicher

 

Das dürfte der spannendste gastronomische Neuzugang des Jahres werden: Ein Restaurant mit Goldmuseum. Beide eröffnen jetzt am 25. Mai im Frankfurter Westend. Das Restaurant Aureus wird von Christian Senff betrieben, der nach langen Wanderjahren seine Heimat gefunden hat. Sein  glanzvolles Schmuckkästchen bietet gute Voraussetzungen, um zum Publikumsmagneten zu werden – eine Goldgrube ist es schon per se.

Location

Die denkmalgeschützte Villa aus dem Jahr 1863 ist ein Eycatcher. Helle Natursteinfassade, große Terrasse. Hausherr ist die Frankfurter Degussa (Bank und Goldhandel), die hier ein sehenswertes Goldmuseum und einen Goldhandel-Shop betreibt. Die Lage nahe der Alten Oper im Kettenhofweg ist zentral und doch ruhig.

Das Restaurant-Ambiente

Das Aureus, benannt nach einer antiken römischen Goldmünze, ist sehr stilvoll gestaltet. Aber weit eher mit italienischer Grandezza und fernab jeglicher Protzerei. Eichenparkett, handgearbeitete Wandgemälde, mundgeblasene Weingläser von Zieher, Besteck von Robbe & Berking. Tische mit Schubladen fürs Besteck, damit der Service gleich am Gast nachlegen kann. Bequeme Stühle und Sitze, teilweise mit, ja natürlich, senfgelben Sitzkissen. Die güldenen kabellosen Tischlämpchen sind wie alles hier von apartem Schick. Souvenirjäger aufgepasst, Mitgehen lassen lohnt sich nicht: Die Leuchten können nur vom Besitzer wieder aufgeladen werden und sind mit einer beim Hersteller registrierten Seriennummer versehen, die kein anderes Akkuladegerät zulässt. Das Restaurant hat 30 Sitzplätze, die Terrasse 25. Die Köche und Service-Mitarbeiter werden alle mit einem maßgeschneiderten Dress ausstaffiert, der mit einem Goldfaden durchzogen ist.

Hausherr & Küchenchef

Goldfinger Christian Senff hat nach eigenem Bekunden keine Sterne-Ambitionen, zeigt sich aber bei Konzept und Ambiente so engagiert, dass es dennoch darauf hinauslaufen könnte. Der telegene und fernseherfahrene Küchenchef hat schließlich im Deidesheimer Hof bei Sternekoch Manfred Schwarz gelernt und danach unter anderem bei Spitzenköchen wie Christian Bau und Kolja Kleeberg gearbeitet. Christian Senff wollte nicht schon immer Koch werden und hatte eher an eine Sportkarriere gedacht. Immerhin war er einst im Rennrodler-Team vom Hackl Schorsch.

Die Küche

Christian Senff arbeitet auf der Basis einer deutsch-französischen Küche. Chichi und Chemiebaukästen lehnt er ab. Insgesamt sind in der Küche vier Mitarbeiter am Werk, alle Mitte 30. Küchenchef ist neben Senff der Engländer Matthew Dedman. Die Speisekarte fällt so kompakt aus, wie es sich für ein kleines Team gehört, das auf Qualität setzt. Beispiele: Short Rib aus dem Rauch mit Mais und Gewürzjus: Ochsenschwanz-Ravioli; Ikarimi-Lachs mit 7 Frankfurter Kräutern, Meerrettich und Gurkensalat; Kabeljau mit Kräuter-Risotto. Die Weinkarte ist eher als klein gedacht und noch in Arbeit.

Konzept

Das Aureus wird von Christian Senff und seiner Partnerin Esther Gerber geführt. Unter einem Dach vereinen sich Restaurant und Café, mit dem auch die Besucher des Goldmuseums angesprochen werden sollen. Das Café gleich hinter der eindrucksvollen Rezeption des Goldmuseums hat täglich geöffnet und bietet Kaffee von Hoppenworth & Ploch und Kuchen sowie einen wechselnden Eintopf oder Suppen an. Wichtig fürs Geschäft sind die Gesellschaften und Veranstaltungen, für die sich das eindrucksvolle Haus ideal anbietet. Mit Catering hat Senff schon früh seine wirtschaftliche Basis geschaffen. Dies gilt auch für das neue Areus, bei dem das à la carte Geschäft die Kür darstellt, Gesellschaften aber die Pflicht sein werden. Das Restaurant kann bei Events 100 Gästen Platz bieten. Es gibt aber noch einen Keller mit eigener Küche und der eindrucksvollen Rothschild-Goldsammlung. Dort darf man sich wie im Geldspeicher von Dagobert Duck fühlen. Der sakral illuminierte Rothschild-Raum gehört zu den Event-Highlights im neuen Aureus. Das ganze hochwertige und mit moderner Technik ausgestattete Gebäude hat einen großen Millionenbetrag erfordert. Diese Investition mündete in Eleganz und keine vordergründige Wichtigtuerei.

Die Hintergrund-Story

Um das Restaurant im Goldmuseum haben sich einige namhafte Gastronomen beworben. Christian Senff war Werbefigur für die Uhren von Degussa und hatte dadurch bereits einen guten Kontakt. Das aber reichte nicht. Er musste vor einer Degussa-Jury auch noch unter Zeitdruck ein Zehn-Gänge-Menü kochen, das letztlich alle überzeugte.

Ludwig Fienhold

 

Aureus, Restaurant & Café, Frankfurt, Kettenhofweg 27, Tel. 069 920 388 95. Restaurant Mo-Fr 11.30-14.30 Uhr, Do-Sa 18-23 Uhr. Café Bar Mo-Sa 10-18 Uhr, So 11-16 Uhr.

www.christiansenff.de

 

Photocredit: Barbara Fienhold




Ristorante Promis in Frankfurt: Famoses Comeback

Der Top-Italiener

begeistert wieder

mit Pasta & Co.

 

Die Pasta von Saro Barbagallo ist einfach top. Wer glaubt, dass dies bei den meisten Italienern in Frankfurt so wäre, kennt die Italiener in dieser Stadt nicht. Das Ristorante Promis in Sachsenhausen gehört zu den Ausnahmeerscheinungen. Allein die Pasta ist jeden Besuch wert. Auch deshalb, weil es hier nicht die üblichen Langweiler und Nervtöter gibt.

Ein Relaunch macht jeder früher oder später, die Überarbeitung dieses Lokals ist nun wirklich gelungen. Natürlich sind die schöne Steinwand und der mächtige Murano-Kristallleuchter, der über dem ganzen Lokal schwebt, Eyecatcher. Vor allem aber mag man die raffinierten, schönen, hochwertigen und kabellosen Tischleuchten nicht aus dem Blick verlieren wollen, die am Abend auf dezente Weise ihre ganze Magie entfalten.

Saros (oben im Bild) Gerichte würden auch in einer Garage schmecken, aber wir freuen uns, dass wir sie in einem formidablen Restaurant genießen können. Die Speisekarte verrät schon einiges: Luftgetrocknetes und dezent geräuchertes Rib-Eye mit Feldsalat und Castelmagno-Käse, dem berühmten Grotten-Käse aus dem Piemont. Lauwarmes Spanferkel-Carpaccio. Oder Pizza mit Mozzarella, geräuchertem Provola-Käse und Tiroler Speck. Man spürt allein an diesen Details, dass es hier jemand anders und besser machen will. Und so schmeckt es dann auch. Aber gerade die Pasta offenbart als italienische Kernkompetenz die Klasse im Promis: Immer schlotzig und süffig, stets so fleischig wie nötig und so filigran wie möglich. Hausgemachte Tagliatelle mit Kräuterseitlingen und hausgemachte Pappardelle mit Wildschweinragout muss man genau so probiert haben, wie hausgemachte Trofie mit Kalbsragout. Die Ragouts haben Substanz und eine Qualität, wie man sie eher selten findet. Es sind vor allem richtige Ragouts und nicht durch Tomatenpappe in die länge gezogene Flüssignahrung.

Pasta con Sarde

Der individuelle Charakter des Lokals Promis wird durch eigenständige, typisch regionale und sonst kaum zu findende Ideen deutlich. Ein Highlight ist die Pasta con Sarde aus der sizilianischen Heimat von Saro Barbagallo. Die saftigen Mezzi Paccheri vereinen sich hinreißend mit Wildfenchel, Sardinen/Anchovis, Frühlingszwiebeln, Peperoncini, Rosinen, gerösteten Pinienkernen und in Olivenöl geschwenkten Semmelbröseln. Fantastico!

Der Service wird von Letizia Barbagallo mit erstaunlicher Selbstherrlichkeit geführt. Letizia bedeutet eigentlich „die Fröhliche“, was kaum zu glauben ist.

Ludwig Fienhold

 

Promis, Frankfurt, Gartenstr. 17, T: 069/619 951 50
www.promis-frankfurt.de

Geöffnet: Mo–Sa 11.30 –14.30 Uhr, 18-23 Uhr

 

 

 

 

Photocredit: Barbara Fienhold




Julien Renard: Ein Garagenwinzer lässt es perlen

Neue Naturweine

in der Emma Metzler

 

Manchmal erwartet man nichts und wird überrascht. Bei einem Wein-Dinner in der Emma Metzler überraschte aber etwas weniger der Wein als der Winzer selbst, der einen ungewöhnlichen Weg nahm. Julien Renard wuchs im südfranzösischen Toulon auf, wo schon Bertolt Brecht und Thomas Mann Exil suchten. Renard studierte zunächst Theaterwissenschaften. Doch vom Beruf des Dramaturgen wurde er enttäuscht, weil es eben auch bei Intellektuellen um Machtspiele geht, wie man sie eher in profaneren und geschäftigeren Berufen verortet. Julien Renard fand schließlich seine Heimat in Winningen an der Terrassenmosel. Dort begann er eine Winzer-Lehre bei dem renommierten Weingut Heymann-Löwenstein, zudem arbeitete er auch auf dem Weingut Bürgermeister Carl Koch in Oppenheim am Rhein, das von dem Apotheker und Erfinder Carl Koch 1833 gegründet wurde und inzwischen für seine biologisch kultivierten und charaktervoll reintönigen Weine bekannt ist.

Julien Renard

Christian Lebherz

Julien Renard setzt ebenfalls auf ökologischen Weinbau, wobei sich Riesling und Müller-Thurgau lediglich auf einem halben Hektar entfalten. Renard lebt in einer ehemaligen Scheune, darunter bilden zwei Garagen die Zelle des Weinguts. Im Frankfurter Museumslokal Emma Metzler stellte Julien Renard nun seinen ersten Jahrgang vor, begleitet von Christian Lebherz von der Weinhandlung Cool Climate. Für normale Weintrinker war dies gewiss nicht einfach, weil die Weine in diesem sehr jungen Stadium einer Fassprobe gleichkamen. Doch man konnte bereits sehen, wohin die geschmackliche Reise geht und darf sich auf die Entwicklung freuen. Vor allem der leicht perlende und sehr animierende Pet Nat (Pétillant Naturel) vom Müller-Thurgau zeigt durch seine vitale, trockne und ursprüngliche Art Qualität und bietet sich als idealer Begleiter für einen Sommerabend an. Pet Nat ist ja der aktuelle Schaumwein-Trend und im Grunde die Urform der Flaschengärung. Pet Nat unterscheidet sich von anderen schäumenden Weinen vor allem durch sein natürliches Verfahren: Die Weine erleben nur eine Gärung, die im Fass beginnt und in der Flasche ohne Zusatz von Zucker und Hefen beendet wird. Daher auch der Name pétillant naturel, natürlich schäumend. Mit diesem Erzeugnis ist Julien Renard jedenfalls schon etwas Gutes gelungen, denn viele schäumende Weine dieser Machart sind ziemlich trübe Brausen. Auf dem auffälligen Etikett von Renards Flaschen ist auch ein Fuchs zu sehen, wie schon sein Name im Französischen ausdrückt. Noch origineller ist aber, dass dieses Etikett das Abbild des Fensters einer Dönerbude im Moseldörfchen Winningen ist.

Ludwig Fienhold