So schmeckt Italien: Die besten Adressen

Ein Stiefel voll Leidenschaft

 

Die besten Italiener

in Deutschland

 

Italien ist kein Land. Italien ist die Projektion unserer Begierden und Sehnsüchte. Italien hat noch das Chaos, um einen tanzenden Stern zu gebären, wie es sich Friedrich Nietzsche wünschte. Mit schöner Schlichtheit Ekstasegerichte zu schaffen, scheint gerade den Italienern zu gelingen. Viele Menschen kann man mit einem Teller Pasta glücklich machen, gut aber, dass es einige italienische Ristorante gibt, die noch etwas mehr bieten. Diese stellen wir heute in unserem gewohnt subjektiven und bissfesten kulinarischen Ranking vor.

 

Top Ten Frankfurt

 

1. Carmelo Greco

Carmelo Greco

Carmelo Greco

Die Küche der Mütter hat sich Ausnahmekoch Carmelo Greco regelrecht einverleibt. Wenn er seine emotionale Basis mit kreativer Energie umsetzt, ist er am besten: Mit Flusskrebsen und Minze gefüllte Ravioli im Muschelsud; cremige Blutwurst-Ravioli mit Gänsestopfleber und Sauerkraut; Steinbutt all´ Osolana mit Rosinen, Pinienkernen und kandierten Tomaten. Carne su Carne, Carpaccio und Tatar vom Simmentaler Rind mit weißem Trüffel, sowie ofenfrisches Costata-Kotelett gehören zu den Hausklassikern. Ein angenehmer Service und das noble Ambiente lassen die triste Wohnsiedlung vor der Tür vergessen. Besondere Freude macht uns die starke Verbesserung der Weinkarte, die auch Unbekanntes und nicht nur die üblichen Verdächtigen präsentiert.

Carmelo Greco, Frankfurt, Ziegelhüttenweg 1-3, Tel. (069) 60 60 89 67  

 

2. Biancalani

Famoser Raviolo

Ein moderner Klassiker. Andreas Busse und sein Team bescheren verfeinerte Klassik und kreative Italo-Küche. Probier-Tipp: Wolfsbarsch mit Thymian und Rosmarin und Gambero Rosso in Garnelenfond mit geräuchertem Fenchel, Fenchelcreme und frittiertem Dill. Es gibt auch sonst einige italienische Adressen, die bekannt für ihre Saucen sind, doch nur wenige kümmern sich in einer solchen Leichtigkeit dem Thema. Im Biancalani sind es eher selten muskulöse Reduktionen, sondern mehr luftige und doch ausdrucksvolle Fonds, die jeweils im Mini-Milchkännchen à part serviert werden. Diese Essenzen der Küche sind das ganz besondere Charakteristikum des Biancalani. Herausragende individuelle Weinkarte, lässiges Ambiente, entspannte Atmosphäre. Eines der am besten gestalteten Restaurants und die schönste offene Küche der Stadt. 

Biancalani, Frankfurt, Walther-von-Cronberg-Platz 7-9, Tel. (069) 68 97 76 15

 

 

3. Fabbri-ca

Fabbri-Ca

Aus einem Beautysalon im schönen Frankfurter Westend wurde ein kleines feines Lokal. Es gibt nur eine Schiefertafel mit knapp zehn Gerichten, doch die sind ausnahmslos gut. Luigi Fabbri besinnt sich auf die Kernkompetenz der italienischen Küche. Gute Produkte, sensibel zubereitet und temperamentvoll gewürzt. Basta. Ein solch saftig-zartes, kräuterwürziges Kotelette wie hier muss man lange suchen. Bravo! Die mit Muskatkürbis gefüllten Cappellacci fallen wunderbar schlotzig aus, die Lasagne aus dem Ofen haben wir schon sehr lange nicht mehr so gut bekommen. Das Risotto marinara bringt eine Meeresbrise und schön durchgezogenes Garnelenaroma auf den Teller. Die frisch aufgeschnittene Porchetta hat Klasse, ebenso der fein geschnittene Gorgonzola mit Senffrüchten. Die kühle Creme aus gerösteten Pistazien ist umwerfend gut und sollte keinesfalls verpasst werden. Durch die offene Küche kann man jeden Handgriff sehen.Der Prosecco von Dal Din ist immer gut für einen Einstieg, beim Costaripa vom Gardasee freut man sich über sommerliche Düfte von Zitronenmelisse und Kräutern und der Soave Montesei von Le Battistelle ist eine in jeder Hinsicht reife Leistung – Kräuter und reife Früchte mit seidig-cremiger Frische.

Fabbri-ca, Frankfurt, Westendstr. 73, Tel. (069)677 779 44.

 

4. Pasta Davini

Pasta Davini

Ganz viel Italien und vor allem Toskana auf kleinstem Raum. Allerbeste frische Pasta. Mit Lammragout, Weißweinsauce & Miesmuscheln oder als Bolognese. Je nachdem, welche der talentierten Hausfrauen gerade kocht, wechselt das Angebot. Selbst die Gnocchi sind hier richtig gut und die Spaghetti alla Carbonara gibt es natürlich ohne Sahne. Die Saucen sind allesamt zum Wegschlecken. Rosi Stern, geborene Davini, ist in der Toskana verwurzelt und sorgt mit ihrem Team für einen netten, kompetenten Service. Die Atmosphäre: Eng, laut, heiter. Es gibt keine Speisekarte, die Preise machen auch nicht misstrauisch. Ohne Reservierung hat man keine Chance.

Pasta Davini, Frankfurt, Heiligkreuzgasse 9a, Tel. 069 57805106.

 

 

 

5. Promis

Saro Barbagallos Speisekarte verrät bereits die Individualität des Lokals: Luftgetrocknetes und dezent geräuchertes Rib-Eye mit Feldsalat und Castelmagno-Käse, dem berühmten Grotten-Käse aus dem Piemont. Lauwarmes Spanferkel-Carpaccio. Oder Pizza mit Mozzarella, geräuchertem Provola-Käse und Tiroler Speck. Die Pasta ist umwerfend gut, immer schlotzig und süffig, stets so fleischig wie nötig und so filigran wie möglich. Hausgemachte Tagliatelle mit Kräuterseitlingen und hausgemachte Pappardelle mit Wildschweinragout muss man genau so probiert haben, wie hausgemachte Trofie mit Kalbsragout. Die Ragouts haben Substanz und eine Qualität, wie man sie eher selten findet. Ein absolutes Highlight ist die Pasta con Sarde aus der sizilianischen Heimat von Saro Barbagalo. Die saftigen Mezzi Paccheri vereinen sich hinreißend mit Wildfenchel, Sardinen/Anchovis, Frühlingszwiebeln, Peperoncini, Rosinen, gerösteten Pinienkernen und in Olivenöl geschwenkten Semmelbröseln. Letizia Barbagolla führt den Service mit bemerkenswerter Selbstherrlichkeit. Letizia bedeutet eigentlich „die Fröhliche“, was kaum zu glauben ist.

Promis, Frankfurt, Gartenstr. 17, Tel. 069 619 951 50

 

6. Brighella

Steinbutt im Brighella

Feine Küche, faire Preise, freundlicher Service und gute Weine bieten ausreichend Gründe für einen Besuch. Leo und Mario führen das Ristorante nun schon 30 Jahre erfolgreich und werden nicht müde, sich zu engagieren. Probier-Tipps: Bullen-Charolais-Filet mit Pfefferkruste in samtiger Jus, saftig fleischiger Steinbutt in delikater Gin-Creme-Sauce, Pasta mit Bottarga. Trink-Tipps: Ceretto aus dem Piemont, Valentino-Spumante, Poggio alle Gazze von Ornellaia.

Brighella, Frankfurt, Eschersheimer Landstr. 442, Tel. 069 53 39 92

 

 

 

 

7. Settimo Cielo

Gute kulinarische Leistungen in einer Kontinuität, wie sie für Frankfurter Italiener eher selten ist. Probier-Tipps: Gegrillte Seezunge mit frischen Kräutern, Ossobuco mit Polenta. Die Tagliolini mit Flusskrebsen in Hummersauce und die hausgemachten Kaninchen-Tortelloni mit schwarzem Trüffel gehören auch zu den Must-have.

Settimo Cielo, Frankfurt, Eckenheimer Landstr. 86, Tel. 069 59 67 38 08

 

8. Scuderia

Massimo Desortes von der Scuderia im Westend weiß ganz ausgezeichnet Pasta zuzubereiten, beispielsweise Fettucine mit Pilzen und Spaghetti mit Muscheln. Auch Fisch und Meeresfrüchte sind immer eine Empfehlung. Eine sprechende Speisekarte birgt immer Gefahren und Missverständnisse. Eine gedruckte Speisekarte könnte davor schützen und wäre uns lieber.

Scuderia, Frankfurt, Feuerbachstr. 23, Tel. 069 72 54 80

 

9. A Casa di Tomilaia

A Casa di Weine und Olivenöl vom eigenen Weingut. Ein paar leckere Antipasti mit frisch aufgeschnittener Fenchelsalami und Tiroler Schinkenspeck, hausgemachte frische Pasta, gutes Brot und allerbestes Olivenöl von der eigenen Plantage sowie Weine von den eigenen Weingütern des Betreibers Tom Bock – und fertig ist das Erfolgsrezept dieses lebhaften Lokals. Das sollte man bestellen: Picci-Pasta mit feingehacktem Rinderragout; Wildschweinragout mit prallen Pappardelle und Pilzen; Brasato von der geschmorten Rinderschulter. 

A Casa di Tomilaia, Frankfurt, Florentinisches Viertel, Walther-von-Cronberg-Platz 9, Tel. (069) 68977625

 

 

10. Lella Mozzarella

Lella Mozarella Das Gute-Laune-Lokal ist so etwas wie die Blaue Grotte mit Bewirtung. Heiteres Meerestürkis lässt die Gäste in eine Urlaubsatmosphäre abtauchen. Dazu trägt auch der einsatzfreudige Service bei. Die Tische stehen sehr eng, geflüstert wird dennoch nicht. Lesebrillen und kleine Frotteehandtücher als Servietten in Maledivenblau sind neckische Begleiter. Gute klassische Italo-Gerichte machen Freude: Tagliata, Rinderfiletscheiben aus der Gusspfanne, sowie hausgemachte fleischig-saftige Pappardelle mit geschmortem Ochsenragout zählen zu den Highlights. Sogar die sonst banalen Gnocchi schmecken hier geschmeidig und sind wie vieles andere selbstgemacht. Die gut abgeschmeckte Fischsuppe ist zu recht einer der Bestseller, die sonst nicht oft zu bekommenden Spaghetti alla Puttanesca mit Kapern, Knoblauch, Sardellen und Peperoncini sind ein toller Muntermacher. Selbstredend sind viele Mozzarella-Varianten zu haben, von der Bio-Käse-Manufaktur L´abbate aus der Nachbarstadt Offenbach. Es gibt zudem erstklassigen Aufschnitt von Parmaschinken, Fenchelsalami oder Coppa, der mit einem Glas Wein für eine schöne Zeit schon reichen würde. Die Weinauswahl entspricht dem ganzen Konzept, ist bezahlbar, aber nicht anspruchslos.

Lella Mozzarella, Frankfurt, Mörfelder Landstraße. 137, Tel. 069 663 667

 

Unsere Favoriten-Liste unterliegt der Aktualisierung und wird auch bei den Bewertungen ergänzt und erneuert. Durch diesen stetigen Wechsel kann es in der Reihenfolge auch Veränderungen geben.

 

Top Five Deutschland

 

1. Carmelo Greco, Frankfurt

Carmelo Greco

Carmelo Greco 

Feinsinnige phantasievolle italienische Küche (siehe Top Ten Frankfurt). Große Steigerung bei der Weinauswahl, für die der ehemalige Sommelier Enrico Resta verantwortlich ist, dessen Vorliebe für autochthone Rebsorten auf unser besonderes Interesse stößt.

Carmelo Greco, Frankfurt, Ziegelhüttenweg 1-3, Tel. (069) 60608967.

 

 

 

2. Im Schiffchen bei Enzo, Düsseldorf

Feine kreative italienische Küche mit schönen Kombinationen: San Remo Zahnbrasse, Amalfi-Zitrone, marinierter Fenchel, Tropea-Zwiebeln und Tränen von Taggiasca-Oliven oder mit Steinpilzen und Kalbsbries gefüllte Pacchero-Pasta nebst Kalbsjus und Trüffelschaum. Tolle Desserts. Es gibt aber auch wunderbar Traditionelles wie Trüffelpizza. Der gut eingesetzte französische Einschlag kommt nicht von ungefähr, Hausherr Jean-Claude Bourgueil führte an gleicher Stelle fast vier Jahrzehnte lang sein 2-Sterne-Restaurant Schiffchen und hört jetzt mit 71 Jahren weitgehend auf, will aber auch noch teilweise mit am Herd stehen. Küchenchefin ist seine langjährige Mitarbeiterin Nina Ranger, als Gastgeber tritt weiter Enzo Caso mit Stil und Freundlichkeit auf.

Im Schiffchen bei Enzo, Düsseldorf, Kaiserwerther Markt 9, Tel. 0211 40 10 50.

 

3. Acetaia, München

Feinste kreative italienische Küche im flauschigen Jugendstilrestaurant. Giorgio Maetzke aus dem Piemont interpretiert nicht nur Klassisches neu, sondern blickt viel weiter über den Tellerrand. Die phantasievollen Gerichte werden bildhübsch präsentiert. Die saftig-fleischige Rotbarbe mit Fenchel-Hirse-Flan wäre schon fabelhaft, doch geräuchertes Fischfond-Gelee setzt die Pointe. Weitere Empfehlungen: Fagottoni mit Edelfischfüllung nebst gebratenen Steinpilzen und Petersiliensaft. Gratinierte Paccherie mit Rehragout und Bohnencreme. Risotto, mit Tegernsee-Bier angegossen, nebst Erbsen und Guanciale-Speck. Freundlicher und kompetenter Service, Michele Perego führt stil- und geschmacksicher durchs Menü. Ausgezeichnete Weine, wobei die autocchtonen Rebsorten besondere Beachtung verdienen.

 

3. Tafelspitz 1876, Düsseldorf

Trotz seiner blassen Fassade ein reines Sonnenschein-Restaurant. Das liegt an den pure Lebensfreude ausstrahlenden Gerichten, dem herzlichen Service und den vielen guten Weinen, auch bei den offen Ausgeschenkten. Daniel Dan-Ben kombiniert mutig, aber nicht übermütig. Schweinebauch mit Hibiskus-Sauce ist ungewöhnlich und ungewöhnlich gut. Gänseleber-Eis, Olivenschokolade und Pfirsich schmeckt ebenso aufregend wie Spanferkel mit Shrimps in Portweinbutter und famoser Vichyssoise. Probiert haben muss man auch Frutti di Mare, die natürlich anders als beim Italiener an der Ecke ausfallen. Allerbeste Carabinero, zarter Tintenfisch, mit Garnelenfarce gefüllten Kalmar, geschmeidige Fregola-Sarda mit Borlottibohnen-Schaum. Übrigens: Tafelspitz haben wir hier noch nie gesehen.

 

5. Biancalani, Frankfurt

Biancalani-Titel - 1Amüsante Küche, die zwischen klassisch und kreativ changiert. Siehe Top Ten Frankfurt.

Biancalani, Frankfurt, Walther-von-Cronberg-Platz 7-9, Tel. (069) 68 97 76 15

 

 

Unsere Top Five Texte werden stetig aktualisiert, Kritiken und Rangfolgen können sich ändern.

 

Italiener-TomateDas Titelbild sowie das nebenstehende mit Tomate stammen von der Künstlerin Ute Ringwald, die im Schwarzwald geboren wurde und in Bad Vilbel bei Frankfurt lebt und arbeitet. Ihre opulenten, farbenfrohen und ironischen Aquarelle sind oft von genießerischen und erotischen Motiven geprägt und haben eine lebensfrohe Ausstrahlung. www.uteringwald.de www.facebook.com/ute.ringwald.malerei 

Photocredit: Barbara Fienhold, Trattoria Promis, A Casa di Tomilaia, Acetaia




Neue Altstadt Frankfurt: Was ist eigentlich mit der Gastronomie los?

Jetzt hat die Kaffeerösterei Hoppenworth & Ploch eröffnet

 

Neue Lokale, viele Touristen, keine öffentlichen Toiletten

 

Der offizielle Begriff „Neue Altstadt“ ist genau so ein ungeschicktes Konstrukt, wie teilweise das Quartier selbst. Wer die Enge sucht, wird sich dort wohlfühlen. Die Horden an Touristen, die durch die Gassen geschleust werden, mögen der Statistik nutzen, der Gastronomie bescheren sie kaum Kunden. Ganz im Gegenteil: Die Fremdenführer lassen ihre ungeordneten Gruppen stets so nah an die Gasttische kommen, dass dies einer Belästigung gleichkommt. Noch sind auch nicht längst die Wohnungen in der Neuen Altstadt vermietet, weil auch hier das Zusammenspiel von Mietern, Touristen und Gastronomie nicht geordnet scheint.

Die für das Terrain verantwortliche Dom Römer GmbH empfindet die Enge der „Neuen Altstadt“ gerne als authentisch. Dann muss sie auch die Notdurftwilden und ihre Hinterlassenschaften als historisch bewerten, denn früher stank es hier ja ordentlich nach Kloake. In der Neuen Altstadt gibt es keine Toiletten, es sei denn man sucht ein Lokal auf. Es gab bislang auch keine Hinweise auf die unterirdischen und so gut wie nicht sichtbaren Toiletten am unweiten Paulsplatz. Wie sollten unsere ausländischen Touristen von Guangzhou bis Offenbach aber dorthin finden? Die Fremdenführer erklären jeden Giebel vom Dom, aber wissen sie auch von den wahren Bedürfnisse ihrer Schützlinge?

Sommelier Dave Müller, Weinbar Ress

Man hat in der Neuen Altstadt so viel verbaut, vor allem Geld, aber an öffentliche Toiletten dachte niemand. Jetzt machen jene Probleme, die nicht lange nach einem WC suchen wollen. Unappetitliches gibt es in der Neuen Altstadt gewiss manches, aber leider schafft es auch die Gastronomie nur teilweise Appetit zu machen. So eine kleine Filiale aus der Kleinmarkthalle, wie die von der Metzgerei Dey, vermag natürlich nicht die Lebendigkeit der ehemaligen Metzgerschirne wieder auferstehen zu lassen. Aber dort, wo die Schirne waren, kann man seine Bratwurst, Frankfurter Würstchen oder andere Imbisshappen an Stehtischen essen. Gleich daneben zeugt die Wein-Bar vom Rheingauer Weingut Ress indes von einem Gestaltungswillen, wie er nicht überall zu spüren ist. Die kleine Bar zieht keineswegs nur die eiligen touristischen Besucher an, sondern besonders stark das lokale Publikum. Man trifft auf weltoffene, kommunikative und durstige Gäste. Eine angenehme Mischung, wie sie in diesem Biotop bislang eher selten zu sehen ist. Die Weine von Ress sind meist von knackiger Art, wie sie Menschen mit Angst vor Säure wahrscheinlich nicht angenehm erscheinen. Für diese eignet sich am besten der ohnehin empfehlenswerte Rosé und der Rosé-Sekt, gerade bei warmem Wetter eine schöne Auffrischung. Für uns die beste Wahl bleibt der frische, animierende und trinkflüssige Riesling „Von Unserm“. Er muss nur richtig gekühlt sein, was hier auch stets der Fall ist. Die Barhappen machen auf ihre ganz einfache und bescheidene Weise Spaß. Allein das sehr gute geröstete Brot mit dem delikaten Schmalz der Metzgerei Dey ist top. Das Backwerk von „Zeit für Brot“, der Spundekäs, der Grillschinken und noch mehr der Jamon Iberico sowie die guten Käse vom Rheingauer Affineur beweisen Qualität. Gleich gegenüber lässt sich in der Tagesbar eine Krönungswurst verspeisen, je nach Gusto mit Apfelwein oder Champagner. Die Krönungswurst ist nichts anderes als ein Synonym für Frankfurter Würstchen. Wenn im Kaiserreich ein Haupt gekrönt wurde, gab es fürs Volks Reste vom Festmahl, mithin Frankfurter Würstchen. So lassen sich Namen vergolden.

Weinbar Ress

Kein Lokal hat wie geplant eröffnet, manches mehr als ein Jahr später. Auch im Haus „Zu den drei Römern“ gähnte lange die Leere, jetzt bewegt sich etwas. Das Café mit dem langen Namen Pasteleria Estrela Doce hat nun am ersten Augustwochenende eröffnet. Das Lokal des Ehepaars Bayram und Sevilay Tulan will der Herkunft entsprechend portugiesische und türkische Spezialitäten anbieten, Erzeugnisse aus der Bäckerei und Konditorei, aber auch Mittagsgerichte. In dem Neubau wurden im Lokal im Erdgeschoss unter anderem originale rotsandsteinerne Renaissance-Arkaden verbaut sowie den Bögen alle Kerben, Brandnarben, Absplitterungen und Risse belassen, die der Krieg ihnen zufügte. Das türkisch-portugiesische Lokal am Eingang zum ehemaligen Krönungsweg könnte den schmalen Eingangsbereich gut nutzen – obwohl nur wenige Tische vor die Tür gestellt werden dürfen. Ein Handicap, Terrassenplätze sind überlebensnotwendig.

Das neue Café von Hoppenworth & Ploch, links im Bild

Glanz in die Neue Altstadt dürften die Kaffee-Avantgardisten Hoppenworth & Ploch bringen, die nun schon etwas früher als gedacht heute am 1. August eröffnet haben (Mitinhaber Julian Ploch oben r. im Bild). Das neue Café hat 20 Sitzplätze und einige Stehplätze im Gastraum innen sowie 16 Plätze auf der Terrasse, wobei auch die Fensterbänke zusätzlich genutzt werden können. Die Sortimentshandschrift wird nach den Worten von Matthias Hoppenworth „ganz klar Specialty Coffee in der gewohnten Qualität und mit der Philosophie von Hoppenworth & Ploch sein, ohne das Publikum in der Neuen Altstadt zu überfordern.“ Wer einfach nur auf einen guten Cappuccino vorbeikommen will (3,20 €), soll genau so auf seine Kosten kommen wie Nerds, die sich in die Altstadt verirrt haben. Außerdem bieten Hoppenworth & Ploch Röstkaffees, Geschirr vom Studio Hartmud (Craft Tableware) und ausgesuchtes Equipment für zu Hause an. Darüber hinaus soll es ein Angebot an Snacks und Speisen geben, bei dem die hausgemachten Kuchen nicht fehlen, die mit Zutaten von regionalen Erzeugern und Lieferanten hergestellt werden. Die Tarte mit Himbeeren und Kokos beispielsweise ist ausgezeichnet. Ergänzt werden soll das Angebot abends mit alkoholischen Getränken, getreu dem Motto „coffee keeps me going until it’s time for wine.“ Die ersten zwei Wochen wird es allerdings keine Weine und nur Kaffee geben.

Filialleiter Viktor Keil (l.) und Julian Ploch

Wer den Touristengruppen aus dem Weg gehen will, sollte eher montags kommen, wo unsere Bilder entstanden sind. Oder sich bei Badia ins Schirncafé setzen, wo man wie von einem Logeplatzt das Treiben in der Neuen Altstadt ganz nahe und doch aus sicherer Distanz beobachten kann.

Ludwig Fienhold

 

Photocredit: Barbara Fienhold




Endless Summer: Urlaubsweine aus Portugal und Spanien

Flüssiges im Weinbistro gang & gäbe

an der Mainpromenade in Frankfurt

 

Der Sommer geht in die Verlängerung. Im Weinbistro gang & gäbe kann man auf der Terrasse noch entspannt Wein trinken, garniert mit Blick auf den Main und die Frankfurter Skyline. Bei dem Special „Endless Summer“ gibt es sieben handverlesene Urlaubsweine, von sommerlich leicht bis herbstlich frisch. Das Angebot mit reduzierten Preisen läuft bis 15. September, danach sind die Weine und Speisen zu normalen Preisen zu haben.

Es soll locker zugehen, eine Moderation wird es nicht geben. Brigitte Weinhold, die ihren Namen lebt, wird aber für Fragen bereitstehen und ein betreutes Trinken möglich machen. Es wird Weine aus den beliebten Urlaubsländern Portugal und Spanien geben, zwei Weindestinationen, die bei uns in der Gastronomie noch mehr Beachtung verdient hätten, wobei gute Weine aus Portugal fast schon eine Rarität sind.

Mit dabei: Der knackig-frische Espumante 3 B Rosé Extra Brut von Filipa Pato aus Bairrada. 3 Bsteht für die Weinregion Bairrada und die autochthonen Rebsorten Baga und Bical, die Basis für diesen sehr trocknen Schaumwein. Rieslingfreunde finden nur selten andere Weißweine, die zu ihnen passen. Der Granitböden entspringende Alvarinho der Quinta de Soalheiro Granit ist von einem derart reintönenden mineralischem Ausdruck und kühler Stilistik, dass jedes Glas Lust auf das nächste macht. Einen endlosen Sommer signalisiert auf besonders leichtlebige Weise der Rosé Mineral von Soalheiro, der heiter über die Zunge flitzt.

Wie gut gekühlte Rotweine bei sommerlichen Temperaturen schmecken können, zeigt der Nat Cool vom Ausnahmewinzer Dirk van Niepoort. Dieser dezent perlende, beerenduftige und würzige Wein verbindet auf saftig trinkfreudige Weise den Sommer mit dem Herbst. Außerdem sind bei Endless Summer noch diese bemerkenswerten spanischen Weine zu haben: La del Vivo von Raul Perez aus dem Bierzo; Habla la Tierra von den Bodegas Habla aus der Extremadura sowie der Llenca Plana aus Katalonien. Auf der Special-Sonderkarte: Gambas al ajillo, Pulpo Carpaccio, Miesmuscheln, Sardinen und gebratene Chorizo.

 

Weinbistro gang & gäbe, Frankfurt, Walther-von-Cronberg-Platz 1, Tel. 069 58 00 50 517.

service@dasgangundgaebe.de

www.dasgangundgaebe.de

 

 

 

 

 

 

 

 




Bethmannstraße Frankfurt: Ein neues Gastro-Quartier entsteht

Bar-Restaurant Sensasion und Café Dalma haben eröffnet

 

Gleich hinter dem Standesamt bahnt sich neues Gastro-Glück an. Die Bethmannstraße hat inzwischen sogar eine eigene Haltestelle bekommen, wobei man sich nun mit der Bahn bis vor die Tür der neuen Adressen bringen lassen kann: Motel One, Café Dalma und Bar-Restaurant Sensasion.

Café Dalma

Das neue Café Dalma hat gerade erst seine Tür geöffnet und nimmt einen gleich durch sein charmantes Interieur in die Arme. Wiener Kaffeehaus-Charakter vermischt sich mit Vintage-Bar-Design. Alles mit persönlicher Note handgestrickt, aufgeschäumt durch Gefühl und Sinn für das alte Frankfurt. Der Cappuccino kommt kräftig in die Tasse, die Frankfurter Rösterei Due Mani macht sich auch an dieser Stelle beliebt, gehört aber immer noch zu den Geheimtipps. Abends will man nach den Worten der Betreiberfamilie vom Café zur Weinbar wechseln und wörtlich einen fließenden Übergang schaffen. Derzeit hat das Café Dalma von 8 bis 19.30 Uhr geöffnet und sonntags geschlossen, doch wird es nach der Anlaufphase neue Zeiten geben.

Seyavash Franke & Sanny

Vor drei Jahrzehnten war an gleicher Stelle noch eine düstere Pilsstube zu Hause, dann stetig wechselnde Läden. Gleich nebenan befindet sich ein abenteuerlicher Chinese, der gerne große Gruppen einfängt und keine Rücksicht auf europäische Zungen nimmt, was zumindest für einige Frankfurter besonders anziehend ist. Nur wenige Schritte weiter hofft das Indian Curry Castle auf wachsenden Zuspruch durch die neue Entwicklung in der Bethmannstraße. Gleich daneben hat vor zwei Tagen die Restaurant-Bar Sensasion eröffnet, dort war zuvor der Eintracht-Shop ansässig. Von der Einrichtung her sieht das Lokal wie eine samtige Bar aus, Eyecatcher sind die beiden Schaukelplätze an der Theke. Viele Cocktails, einige Mittagsgerichte und ein moderater DJ-Einsatz am Wochenende stehen bislang auf dem Programm. Ein Humidor nebst separatem Raucherzimmer sind auch vorhanden. So etwas wie ein Konzept wird sich indes noch entwickeln. Inhaber Soroosh Gadegki-Far ist erst einmal froh, dass er diese Location vor sieben Monaten entdeckt hat. Sein Bruder Seyavash (im Bild oben) hilft ihm im Lokal, Mitstreiter sind unter anderem noch Barchef Fabio Billante (zuvor 22n Bar im Eurotheum) und Serviceleiterin Sanny. Das Lokal Sensasion hat Montag bis Donnerstag von 11 bis 23 Uhr geöffnet, Freitag und Samstag bis 1 Uhr, Sonntag bleibt es geschlossen. Gleich nebenan wird übrigens noch ein Laden mit Kaffee und Kuchen eröffnen.

Gegenüber hat sich das Motel One auf dem Gelände des ehemaligen Bundesrechnungshofs sehr gut entfaltet. Die Bar gehört zu den nettesten Meeting-points in Frankfurt und hat 24 Stunden lang geöffnet. Das fidele Design, das Frankfurt als Goethe- und Buchmessen-Stadt salopp aufgreift, macht Laune. Der lockere und einsatzfreudige Service ebenso. Trink-Tipp: Die saftig-süffigen Weine von Heitlinger zum einladenden Preis. Die Bethmannstraße liegt günstig zwischen Theaterplatz und Römer und ist auch von der Hauptwache schnell zu Fuß zu erreichen. Im neuen Bethmann-Quartier geht noch mehr.

FB   

 

 




Champagnerluft: Alexandre Sadowczyk hat sein l´Ecume eröffnet

Frankfurt ist gespannt auf diese neue Adresse

 

Die Fette Henne war gestern, jetzt kocht hier der schlanke Alexandre Sadowyc in seinem ersten eigenen Restaurant: L´Ecume. Schaum bedeutet das unter anderem in Französischen. Alex wurde in Reims geboren, wo die Babys statt Schnuller einen Champagnerkorken in den Mund gesteckt bekommen. Auf Champagnerqualität legt der Franzose selbstredend großen Wert, mit seinem Hauschampagner, der Grande Reserve von Fourny & Fils aus dem Premier Cru Weindorf Vertus, belegt er dies. Im Ecume soll es nur Champagner von kleinen individuellen Kellereien geben und damit solche, die man in der Stadt sonst nirgendwo findet.

Alex und seine Frau Yana

Alex steht gemeinsam mit seinem Weggefährten und Freund Fabian Hildebrandt am Herd, der länger in Österreich zu Hause war und ein gutes Händchen für Desserts hat. Alexandre Sadowczyk hat in Paris in guten Restaurants gearbeitet und auch im Frankfurter Sterne-Restaurant Lafleur Station machen können. Doch mit dem ersten eigenen Restaurant wird mit einem Schlag alles anders. Hier muss er nun wirklich zeigen, was in ihm steckt. Die Speisekarte ist klein, es gibt neun Positionen. Das ist gut so, denn dies kann der Küche zu mehr Qualität und Konzentration verhelfen. Es gibt alles à la carte, Menüs (4-6 Gänge) kann man sich für 59, 69 und 79 € zusammenstellen. Das Ambiente ist Bistro-like, das schönste Teil ist die gekachelte Theke. Dort kann man auch nur auf ein Glas vorbeikommen oder ein ganz lässig ein Tellerchen im Stehen verputzen.

Fabian Hildebrandt

Zur kleinen feinen Eröffnungsfeier des Restaurants L´Ecume gab es einige Häppchen, die Freude gemacht haben, aber nicht Gegenstand einer Kritik sein können. Vorbesitzer Franco Carlucci, der an gleicher Stelle die Fette Henne betrieb und jetzt das Tischlein deck dich führt, war auch dabei. Die Weinkarte vom L´Ecume mag noch nicht ganz fertig sein, aber es gibt schon jetzt ausreichend Flaschen und guten Champagner, die eine Anfahrt mit der Straßenbahn sinnvoll machen – die Station Friedberger Platz liegt vor der Tür.

LF

Restaurant l´Ecume, Frankfurt, Friedberger Landstraße 62, Tel. 069/90 43 73 07.

www.restaurant-lecume.de

 

Photocredit: Barbara Fienhold

 

 




Einzigartige Neueröffnung: Das weltweit erste Bikini Art Museum in Bad Rappenau

Hotel mit Penthouse-Dachterrasse & 24-Stunden-Gastronomie

 

Das weltweit erste Bikini-Art-Museum will nicht einfach nur sexy sein, sondern ein Kunst & Kulturprojekt mit gesellschaftspolitischem Anspruch werden. Man plant Standorte an berühmten Stränden wie der Copacabana (Rio de Janeiro), dem Miami Beach (Miami), dem Venice Beach (Los Angeles) oder der Côte d’Azur (St. Tropez) sowie in High-Fashion Metropolen wie Tokio, Paris, Hong Kong oder New York. Doch erstmals zu sehen sein wird das Bikini-Art-Museum im baden-württembergischen Bad Rappenau. In der Silvesternacht soll es knallartig eingeweiht werden.

Historisch und doch unterhaltsam in Szene gesetzt, werden Filme, Fotos und Gemälde gezeigt. Die mit 10 Metern größte Bikini-Figur der Welt soll auf dem Dach montiert werden und weit sichtbar sein. Für die Museumsgründer steht die Geschichte des Bikinis im engen Zusammenhang mit der Emanzipation der Frauen und deren Mut zur Weiblichkeit. Neben dem schön anzusehenden Bikini in verschiedensten Varianten soll daher „die Geschichte des Kampfes der Frau – über Jahrhunderte hinweg und heute noch andauernd – auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper dargestellt werden.“

Heute schwer vorstellbar, dass der Bikini mal als skandalös empfunden wurde. Neben der Geschichte des Bikinis bekommen die Besucher des Museums auch Filmszenen und Bildmaterial aus verschiedenen Jahrzehnten zu sehen, die Models und andere Menschen in den Bademoden der verschiedenen Modeepochen zeigen. Aufwendig inszeniert werden Models wie Naomi Campbell oder Giselle Bündchen nebst Ikonen wie Ursula Andress oder Brigitte Bardot in Filmausschnitten, Plakaten und Bildern mit Seltenheitswert präsentiert. Cool: Eine Sonderausstallung widmet sich der völlig aus der Mode gekommenen Badekappen. Museumsinitiator Alexander Ruscheinsky hat für sein Bikini-Projekt Exponate aus der ganzen Welt zusammengetragen und erhält immer wieder Material von begeisternden Unterstützern für sein kunstsinniges Unternehmen. „Es wird kein langweiliges Museum“, verspricht er: „Da ist richtig Action drin.“

Das Bikini-Art-Museum wird Teil des bereits bestehenden modernen Best Western Hotels, das mit einer Penthouse Suite mit Dachterrasse aufmerksam macht (250 € die Nacht). Das Hotel wird bis September noch aufgestockt und will am Ende 100 Zimmer anbieten. Weitere Highlights: Kostenlose Tesla Supercharger Station, ein rund um die Uhr geöffnetes Restaurant plus Biergarten.

Penthouse Suite

BikiniARTmuseum, Bad Rappenau,

Buchäckerring 42, an der Autobahnausfahrt A 6 Bad Rappenau.

www.bikiniartmuseum.com/home

 

 




Lunch mit Jaguar: Automobilmesse kulinarisch

Das mobile Restaurant

von Soul Food

 

Imbissstationen gibt es einige im Außenbereich auf der Messe, ein eigenes Restaurant in der Halle leistet sich kaum ein Aussteller. Jaguar Land Rover hat an seinem Stand eine VIP Lounge eingerichtet, in der Spitzenkoch Thomas Funke auf kleinstem Raum großartige Gerichte serviert. Er und sein Team von Soul Food haben hier aus dem Nichts ein Restaurant aufgebaut und vom Teller bis zum Konvektionsofen alles angeschleppt, was in einem gastronomischen Betrieb benötigt wird. Gleich am ersten Tag musste die Crew Vollgas geben, als über 300 Medienvertreter aus aller Welt anrollten. „Wer gut zu essen bekommt, bleibt auch länger am Stand und kann sich besser informieren“, weiß Thomas Funke der zum dritten Mal als Hauskoch von Jaguar Land Rover verpflichtet wurde, was unter Caterern als besondere Auszeichnung gilt.

Schotten-Salm

Bereits an einer Kleinigkeit merkt man das Streben um Qualität: Die luftigen Muffins, die mit sehr gutem Lachs und Meerrettichcreme belegt sind, hat der fränkische Ausnahmebäcker Arnd Erbel hergestellt. Die Gäste schwelgen mit Blick auf die blitzenden Automobile von Highlight zu Highlight: Wachtelpraline mit getrüffeltem Wildkräutersalat; schottischer Salm mit Frankfurter grüner Kräuter-Sauce und Kartoffelstampf; Kalbsrücken aus dem Odenwald in Portweinjus. Unser Primus inter pares: Mit Bourbon glasierte Rinderschulter nebst Selleriepüree, schwarzen Bohnen und grünem Spargel. Top auch die Desserts, etwa die Scones mit wunderbarer hausgemachter Beerenmarmelade und das weiße Vanille-Espuma mit mariniertem Mangosalat. Zum Essen darf es Cremant von der Loire, Wein aus dem Rheingau oder Bier vom Schwarzwald sein. Das Servicepersonal ist so aufmerksam, wie man sich das in jedem Restaurant wünscht.

Die VIP Lounge in der Halle 11 wurde schick inszeniert. Hinter den Kulissen geht es weniger glamourös zu, die Küche muss mit einem Platz vorliebnehmen, den sonst allein ein Spüler braucht. Für einen Profi wie Thomas Funke kein Problem, er sucht solche Herausforderungen und bleibt auch im größten Trubel ganz entspannt. „Logistik ist das A und O“, meint er, „wer gut vorbereitet ist und die Abläufe kennt, wird auch in der Hitze des Küchengefechts Ruhe bewahren.“ An einem Tag auf der Messe sind zweimal 3 Köche und zweimal 4 Servicemitarbeiter im Wechsel im Einsatz. Für die Hunderte von Tellern, Gläsern, Messern und Gabeln ist kein Platz zum Spülen, weshalb hier die sogenannte Non-Food Logstik einspringt. In diesem Fall holt der Servicedienst Profimiet das ganze benutzte Geschirr ab und bringt es blitzsauber wieder zurück. Alles in allem eine logistische und eine kulinarische Glanzleistung, wenn es Sterne für Event-Caterer wie Thomas Funke & Soul Food gäbe, würden sie gehörig funkeln.

Ludwig Fienhold

Soul Food, Kelkheim, Frankfurter Str. 172, Tel. 0172 6971061.

E-Mail: info@soulfood.de

www.soulfood.de

Porträt von Thomas Funke und Soul Food:

https://www.fienholdbiss.de/aktuelles/private-cooking-der-spitzenkoch-fuer-zuhause/

 

Photocredit: Barbara Fienhold

 

 

 




Private Cooking: Der Spitzenkoch für Zuhause

Thomas Funke und seine

mobile kreative Küche

 

Soul Food

Catering für die Seele

 

Knuspriger Oktopus, geröstete Mandeln, aromatisches Cornicabra-Olivenöl mit würzig-fruchtigem Kirsch-Gazpacho: Ein solch famoses Gericht kann man eventuell in Spitzenrestaurants bekommen, Thomas Funke bringt es seinen Gästen ins Haus. Auch die Carabineros mit Safranrisotto, Krustentierfond, Erbsen, Minze und krosser Schweinehaut gehören zu Funkes Repertoire, schmecken umwerfend gut und können bei ihm mit gebucht werden. Manche haben Soul in der Stimme, Thomas Funke hat ihn in den Händen.

Thomas Funke

Sein Talent hat Thomas Funke über die Jahre ausbauen können. Zu seinen Stationen gehörten der Frankfurter Brückenkeller und die Egener Höfe am Tegernsee. Funke kochte in der Blütezeit des Frankfurter Museumslokals Schirn, die damals Klaus-Peter Kofler betrieb und bei dem er auch zweitweise für die gesamte Cateringküche verantwortlich war. Er lernte viel beim eigenwillig-kreativen Koch Günter Seeger in Atlanta, der heute in New York immer noch mit einen Stern im Michelin geehrt wird.

Seit 10 Jahren führt Thomas Funke mit Soul Food sein eigenes Unternehmen. Er catert für wenige Gäste genau so leidenschaftlich, wie für 1000 Personen auf einer großen Gala oder bei einer rustikalen Feier. Unvergessen sein Einsatz in einem noblen Teppichhaus in Frankfurt, wo er hinter zusammengebastelten Pappkulissen auf einem Platz so klein wie zwei Bettvorleger für 100 Gäste Essen herausschicken musste. Auf der IAA begleitet Funke kulinarisch zum dritten Mal in Folge Jaguar Land Rover, ein hoch begehrter Auftrag, der bei Catering-Unternehmen einer Auszeichnung gleichkommt. Thomas Funke und sein Team überraschen mit einer individuellen Frischeküche. Kein Konzept von der Stange, kein Mainstream, kein Convenience. Stattdessen Seelennahrung à la minute. „Wir bauen dem Kunden ein Restaurant im eigenen Haus, im Garten oder jeder anderen Location“, meint Thomas Funke. Im Grunde ist er viel weniger Caterer und weit mehr Gastgeber.

 

Locations

Gutshof Bessenbach

Jedes Haus, jeder Platz, jeder Ort, eigentlich kann alles bespielt werden. Soul Food bietet auch eigene Locations an, eine Fabrikhalle mit Oldtimern in Kronberg, ein altes Kino in Offenbach oder einen riesigen Gutshof mit Seerosenteich in Bessenbach bei Aschaffenburg, der sich für große Gesellschaften oder viel Platz benötigende Automobil-Präsentationen besonders eignet.

Essen & Trinken

Thomas Funke liebt Schmorgerichte. Paradebeispiel: 36 Stunden lang gegarter Duroc-Schweinebauch (Bild oben r.) mit asiatisch-orientalischen Aromen, zehn Jahre alter Sojasauce, Zimt, Sternanis, Cumin und Reiswein sowie würzigem Dip aus fermentierter Paprika und Chili. Es sind außerdem immer gute Weine im Programm, beispielsweise Trenz (Rheingau), Geil (Rheinhessen), Emil Bauer (Pfalz). Für Weihnachtsfeiern, die ja schon jetzt von vielen gebucht werden, breitet Thomas Funke schöne Aromen mit solchen Gerichten aus: Ragout vom heimischen Reh mit Kardamom und Sternanis, Sesam-Rotkohlsalat und Kelkheimer-Apfel-Zimtknödel, Spekulatius-Crunch; Oberräder Kräutersalat mit Punschdressing, Lauch-Butternut-Strudel, Maronen-Knusper; knusprige Mulard-Ente mit weihnachtlicher Gewürzjus, Rosenkohlgemüse, Preiselbeer-Gnocchi; Delice von der Orange mit Raw Schokolade, Schwarzbrot- Olivenerde, Glühweineis.

Themen

Neben der hochkarätigen individuellen Küche von Thomas Funke gibt es auch andere Konzepte, die für größere Gesellschaften sehr kompatibel sind: Bowl Food, Brain Food, Flying Buffet, Streetfood. 

Lieferanten

Bevorzugt Bauern in der Umgebung aus der Heimat von Thomas Funke (Rodgau, Kelkheim) und dem Frischeparadies Frankfurt. Allein der Sensationsbäcker Arnd Erbel aus dem fränkischen Dachsbach und sein fabelhaftes Brot belegen das hochwertige Produktverständnis von Soul Food.

Team

Thomas Funke kann sich auf ein starkes Team stützen, in der Küche, beim Eventbereich und im Service. Peggy Braun kennt man noch als einsetzstarke und heiter-offensive Servicekraft aus den Toplokalen Juan Amador, Carmelo Greco und Biancalani.

Preise

Bei jedem Catering oder Private Dining gilt: Je mehr Personen, desto mehr verringert sich rein rechnerisch der Preis. Preisbeispiele können nur ungefähr eine Orientierung bieten: 66 € pro Person, inklusive hochwertigem Geschirr, guten Gläsern, Weinkühler, Küche, Köche, Servicepersonal. Ohne Getränke und Fahrtkosten. Weitere Infos siehe unten.

Ludwig Fienhold

 

Soul Food, Kelkheim, Frankfurter Str. 172, Tel. 0172 6971061.

E-Mail: info@soulfood.de

 

https://www.soulfood.de

http://gutshof-unterbessenbach.de

 

 

 

 

 

 

 

 




Hotel & Gastro News

Personalkarussell: Abgang von drei Direktoren

 

Eduard Singer hat bereits vor Wochen sang- und klanglos den Hessischen Hof in Frankfurt verlassen. Sein Abgang als General Manager blieb in der Öffentlichkeit unbemerkt, was nicht einmal verwundert. Für den Rückzug mag es manche Gründe geben, vor allem könnte sich Singer degradiert gefühlt haben, weil er eine Regionaldirektion in Kronberg vorgesetzt bekam und dorthin Report abzulegen hatte. Ein Nachfolger für Singer wurde noch nicht berufen. Das Bild oben zeigt die neue Terrasse des Hessischen Hofs.

 

Franz Zimmermann, zuvor Direktor im Schlosshotel Kronberg, wechselte ja ins ebenfalls sehr stattliche Schloss Fuschl bei Salzburg, einst Drehort der Sissi-Filme mit Romy Schneider und damit weltberühmt. Die Schönheit des Anwesens konnte Zimmermann nicht lange fesseln, nach knapp einem Jahr verlies er das Schloss wieder. Es soll Unstimmigkeiten mit dem Besitzer, der Münchner Schörghuber-Gruppe beziehungsweise der Hausherrin Alexandra Schörghuber über die Führung und Personalfragen gegeben haben. Es muss jedenfalls ein heftiger Bruch gewesen sein, sonst hätte sich Zimmermann nicht nach so kurzer Zeit verabschiedet. Vielleicht kehrt er jetzt nach Frankfurt zurück, die Direktionsstelle im Hessischen Hof ist ja frei. Der Hessische Hof und das Schlosshotel Kronberg gehören beide zur Marke Prinz von Hessen.

 

 

Wechsel in der Führung des Brenners Park-Hotel & Spa: Frank Marrenbach, langjähriger Geschäftsführender Direktor des Brenners Park-Hotel & Spa, verlässt zum Januar 2020 das renommierte Stammhaus an der Lichtentaler Allee, um sich vollständig seiner Funktion als CEO der Oetker Collection zu widmen.„Nach 22 Jahren in der Leitung des Brenners fällt mir der Abschied nicht leicht. Die Eigentümerfamilie, der Beirat und ich sind aber gemeinsam zu der Erkenntnis gelangt, dass es richtig ist, wenn ich mich in Zukunft mit voller Kraft der Entwicklung der Oetker Collection insgesamt widmen kann“, meinte Marrenbach. Nachfolger wird Henning Matthiesen, der zuvor das Excelsior Hotel Ernst in Köln sieben Jahre lang führte.

 

Das Frankfurter Edelwirtshaus Zur Golden Kron von Alfred Friedrich und Pit Punda wird durch Stefan Nesshold einen starken Neuzugang erfahren. Nesshold, der unter anderem bei Mario Lohninger arbeitete und im Tigerpalast unter Alfred Friedrich mitwirkte, versteht sich genau auf die raffinierte Bodenständigkeit, die in dem alten Fachwerkhaus der Golden Kron auf den Tisch kommt. Stefan Nesshold hat seine Arbeit als Souschef bereits aufgenommen.

LF




Grandioses Tapas-Festival mit Juan Amador & Ingo Holland

Zwei Topköche zeigen

Großes im Kleinformat

 

Spicy, originell, traditionell, kreativ – mit Tapas kann man unendlich variantenreich spielen. Vor allem zwei Spitzenköche wie Juan Amador und Ingo Holland, die sich zusammentaten, um die Gäste mit 15 verschiedenen Tapas zu überraschen. Die Tickets für dieses einzigartige Ereignis waren schnell vergriffen, im Preis von 178 € waren auch acht unterschiedliche Weine und Wasser inklusive. 120 Gäste kamen auf die Genuss-Etage des Alten Gewürzamts nach Klingenberg am Main, wo Ingo Holland mit seinem Sohn Kilian ein großes Gewürzparadies betreibt, in dem auch viele Events und Hochzeiten stattfinden.

Juan Amador, der in der Nähe im Sailauf bei Aschaffenburg auch einst in den Weyberhöfen kochte, ist mit Ingo in alter Freundschaft verbunden, sonst wäre er auch nicht so leicht aus Wien zu locken gewesen, wo er kürzlich mit drei Michelin-Sternen geadelt wurde, die ihm nicht nur Ruhm, sondern vor allem noch mehr Arbeit bescheren. Juan Amador erinnerte sich noch gut an seinen Besuche in Ingo Hollands Restaurant Zum Alten Rentamt in Klingenberg, wo er seine erste Waldschnepfe und exotische Gewürz-Gerichte aufgetischt bekam.

Die Gäste des Tapas-Festivals genossen Traditionelles wie die Krokette vom Joselito-Schinken mit Petersilie und Aioli, Feines à la Ceviche vom Kingfish mit Gurke, Apfel und Jalapeno sowie Amadors großen Klassiker, die Mieral-Taube mit Kokos, Mango und Purple Curry. Einen Teil der Gerichte schickte Ingo Holland, den anderen Juan Amador. Jeder Biss war ein Genuss, doch einige Tapas-Teller glänzten noch mehr durch eine herausragende Geschmackstiefe: Der qualitativ hochwertige Barcelona-Bacalhau im würzigen Chorizomantel auf saftigen weißen Bohnen mit schwarzem Oliven-Crunch von Ingo Holland zeigte, wie großartig spanische Küche sein kann, die wir in Deutschland aber leider vermissen müssen. Die Potenz zum großen Klassiker offenbarte Juan Amadors geniales Österreich-Schmankerl, der gewürfelte Kalbstafelspitz mit Semmelkren, Senfgurke und Pilzen.

Ein typisches Ingo Holland-Gericht machte auch etwas traurig, weil er ja schon lange nicht mehr in seinem Restaurant steht und solche Delikatessen nur noch bei Gelegenheit serviert: Geräuchertes und mit Gewürznelke und Traubenbalsam lackiertes Schweinebäckchen auf Linsen und Dörrbirne. Auch das aromatische Waldmeistersüppchen mit Himbeer-Kakao-Sorbet wird man so nur noch selten erleben können. Ingo Holland, der im Sommer am liebsten Apfelwein trinkt, vor allem den vom Winzer und Weinhändler Norbert Spielmann aus Wertheim, zollte seinem Faible auch kulinarisch Tribut – der in Riesling kalt geschmorte Handkäse mit Apfelbalsam, geriebenem Boskoop und fermentierten Pfefferkörnern schmeckte einfach famos.

Ingo Hollands rechte Hand ist seit längerem Sohn Kilian, den es allerdings nicht in die Küche zog. Er ist im operativen Geschäft tätig und sorgt, wie jetzt beim Tapas-Festival, für einen reibungslosen und freundlichen Service. Einen solchen Reigen an wunderbaren delikaten Miniaturen gibt es selten, ein solches Festival von zwei Großmeistern wie Juan Amador und Ingo Holland ist bis lang einzigartig. Und wird es hoffentlich nicht bleiben. Die Begeisterung der Gäste dürfte sie zu einer Wiederholung ermuntern. Sollte es erneut stattfinden: Für ein solches Tapas-Festival lohnt sich der Weg aus ganz Deutschland.

Ludwig Fienhold

 

Photocredit: Barbara Fienhold