Endlich gute Bowls von einem Spitzenkoch

Hai Minh Hoang hat sein

erstes eigenes Lokal

in Frankfurt eröffnet

 

Ich mag keine Bowls. Es wird zu viel in einen Topf beziehungsweise in eine Schüssel geworfen, was nicht zusammenpasst und oft wie eine Resteverwertung aussieht. Ich mag auch kein Obst im richtigen Essen mit Fisch oder Fleisch. Und ich will ein Gericht auch nicht aus Müslischalen oder Salatschüsseln essen. Bowls sind hippes Fastfood für Instagram-Junkies, denen es eigentlich gar nicht um den guten Geschmack geht. Sie befriedigen ihr Gewissen, weil sie glauben, etwas Gesundes zu sich zu nehmen. Dabei haben die meisten Bowls überhaupt keine klar definierte Aussage, sondern mischen nervös zusammen, was nicht unbedingt zusammen gehört. Für jemanden, der lieber drei, höchstens vier Komponenten mit präzisem Ausdruck auf dem Teller hat, sind Bowls keine Bereicherung der Esskultur. Bowls sind ein Sammelsurium mit Hyperaktivitätsstörung. Impulsiv, unruhig, unkonzentriert. Kennt man von vielen Kindern, gibt es aber auch in der Gastronomie.

Hai & Giao Nguyen

Es existiert nur ein Lokal, in dem ich Bowls gerne esse, das neue U Bowl in Frankfurt. Dort ist ein Koch am Werk, ein erstklassiger Koch, der sein Talent längst bewiesen hat und jetzt etwas ganz anderes macht – aber auch das eben gut. Hai Minh Hoang war bis vor wenigen Monaten noch Küchenchef in der Frankfurter Botschaft und hat dort eine ausgezeichnete euroasiatische Küche etabliert, wie sie auf diesem Niveau selten zu erleben ist. Davor arbeitete er als Souschef bei Altmeister Alfred Friedrich in den Frankfurter Sternerestaurants Lafleur und Tigerpalast. Gemeinsam mit seiner Frau Giao Nguyen hat Hai nun sein eignes kleines und sehr appetitlich und adrett gestaltetes Lokal in der Frankfurter Töngesgasse nahe der Kleinmarkthalle eröffnet. Dort gibt es köstliche Bowls, die man auch nach eigenem Gusto und mit wenigen Komponenten zusammenstellen kann. Die freundlichen Betreiber führen mit Geduld durch das Menü, das nur bei der ersten Bestellung ein wenig verwirrend sein mag.

Egal, welche von den aufgelisteten Bowls man wählt, sie sind harmonisch bestens aufeinander abgestimmt und schmecken ausgezeichnet. Bei „Gangnam Hottest“ erlebt man ein schönes Zusammenspiel aus Yakitori-Chicken, Garnelen, Kimchi-Aioli, Gurke, Tomaten, Blaubeeren, Röstzwiebel, Goji-Beeren und Mango. Die U-Special-Bowl  zeigt ebenfalls Klasse: Gebratenes Beef, Tobiko-Kaviar, Maracuja-Erdnuss-Sauce, Frühlingslauch, Jalapeño, Karotten-Chutney, Ananas, Kokosnuss-Chips, Quinoa Pops. Man kann sich aber auch aus allen offerierten Einzelteilen seine persönliche Bowl zusammenstellen und könnte schon mit dem guten Sushi-Reis und der intensiven Kabayaki-Sauce glücklich werden. Die Saucen muss man einfach mögen, ob Wasabi-Teriyaki, Yuzu-Kimizu oder Ponzu-Tonkatzu, alle hausgemacht. Ich liebe vor allem die substantiellen Protein-Komponenten: Flambierten Lachs, Yakitori-Hühnchen oder japanischen gegrillten Aal, die man sich ganz einfach mit wenigen Zutaten auch ohne Obst und Toppings bestellen kann. Ab 9,80  ist man dabei, es gibt nur wenige Tische, auch deshalb alles als Take Away.

Das neue U-Bowl ist keines der beliebigen Betriebe der Systemgastronomie, sondern eine individuelle Adresse mit Feeling für asiatische Aromen. Deshalb freut man sich als Gast auch über einen persönlichen Service und gute Weine, unter anderem von den Weingütern Wittmann, Becker und Knipser. Es gibt sogar einen würzigen Grünen Veltliner von Ott, der gut zur Asia-Küche passt. Der überrascht vielleicht, ist aber kein Zufall: Alfred Friedrich, der österreichische Mentor des Deutsch-Vietnamesen Hai, ist für ihn wie ein zweiter Vater. Von ihm hat er viel gelernt, auch das Verständnis für Wein.

Ludwig Fienhold

 

U Bowl, Frankfurt, Töngesgasse 46, Tel. 069 2100 9185. Täglich von 11.30 – 21 Uhr durchgehend geöffnet, Sonntag geschlossen.

 

 

Photocredit: 6 x Barbara Fienhold, 1 x U Bowl

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 




Neueröffnung Allgaiers im Westend: Lokal für Weinfreunde

400 Flaschen, schönes Kellergewölbe, hübsche Terrasse

 

Das Frankfurter Westend müsste eigentlich Little Italy heißen, die Übermacht der Lokale dieser Prägung ist deutlich. Um so besser, dass Stefan Allgaier mit seiner deutsch-französischen Küche das noble Viertel nicht verlassen hat und nur von der Liebigstraße auf die andere Seite des Westends in die Feuerbachstraße zog. Dort drücken und nerven ihn weder der Mietpreis, noch der Vermieter. Im neuen und schön ausgestatteten Allgaiers war vorher das italienische Leon zu Hause.

Stefan Allgaier (im Bild oben) ließ die Korken knallen und feierte im exklusiven Kreis die Neueröffnung seines Restaurants, das er gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Marina Witte führt. Sie ist für den Service verantwortlich, während Stefan Allgaier die Küche führt, wobei der langjährige Mitarbeiter Jean Lazare Mburanumwe noch immer an seiner Seite am Herd steht. Das Restaurant war auch schon in den Vorjahren für seine Weinkompetenz bekannt und zeigt dies auch jetzt wieder mit rund 350 Offerten, die wohltemperiert aus den vier Klimaschränken kommen. Europäische Weine stehen klar im Vordergrund, vor allem deutsche und französische. Auch die schäumende Weine wurden ganz nach persönlichen Vorlieben ausgesucht, neben einem sehr guten Sekt vom Gut Hermannsberg von der Nahe sind gleich drei verschiedene und herausragende Champagner von Roger Coulon zu haben, den man hierzulange eher selten findet. Württemberg findet auf den Weinkarten verschwindet gering statt, auch im Allgaiers gibt es nur eine Position, die aber erstklassig ist: der Lemberger von Rainer Schnaitmann.

Stefan Allgaier

Das Souterrainlokal im hübschen Weinkellerlook verfügt über 40 Plätze, auf der Terrasse können 18 Gäste bewirtet werden. Die Oldtimer-Berkel-Aufschnittmaschine aus dem Jahr 1926 wird gut ins Licht gesetzt. Sie ist nicht nur Deko, sondern liefert präzise und hochfein geschnittenen Schinken, derzeit wunderbaren Parma und Jamon Iberico. Damit und einem gutem Wein kann man bereits glücklich sein, doch gibt es noch andere Begehrlichkeiten, beispielsweise die fleischigen Utah Beach Austern, die keineswegs in den USA zu verorten sind. Bei der Landung der Alliierten in der Normandie im Zweiten Weltkrieg war dies der Deckname für einen französischen Küstenabschnitt. Neben einem Flammen-Gasherd hat sich Stefan Allgaier auch einen Beefer Grill angeschafft, der dem Fleisch noch mehr Aroma und Würze geben soll. Auf Küchenklassiker wie Tournedos Rossini, gegrillten Pulpo mit Birnen, Bohnen und Speck oder gefüllten Ochsenschwanz mit frischen Pfifferlingen, Zuckermais und Burgunderjus wird man auch im neuen Allgaiers nicht verzichten müssen. Ins ehemalige Allgaiers in der Liebigstraße ziehen Massimo Sparrago und seine Frau Rebecca Kuppel ein, Massimo Sparrago ist Souschef der Villa Merton in Frankfurt.

LF

Allgaiers, Frankfurt, Feuerbachstr. 5, Tel. 069  98 95 66 11.

Mo – Fr. 12 – 14.30 Uhr, 18 – 22 Uhr (Küche), Sa 18-22 Uhr, So zu.

www.allgaiers.eu

 

 

 

 

 

 

 

Photocredit: Barbara Fienhold




Ein Tisch im Kornfeld

Das Landwehrstübchen:

Lokal mit Urlaubsgefühl

am Rand der Stadt

 

Mitten in einem Gestrüpp aus Feldern, Wiesen und Kleingärten am Rande der Stadt steht ein kleines gastliches Häuschen. Wäre es nicht ein Lokal mit realem Essen und Weinen, könnte man es für ein Fabelwesen halten, so unwirklich steht es plötzlich vor einem. Aber aufgepasst: Es ist kein normales Lokal, sondern ein Versteck, das Navi oder Pfadfindersinn erfordert. Der Patron, Peyman Far, führt sein Landwehrstübchen mit Engagement und Schalk. Jetzt wurden zwei neue junge Köche eingestellt, die der alten Linie zwar treu bleiben, sie aber behutsam auffrischen wollen.

Yannick & Jona

Yannick Frischberger und Jona Bonnet haben die Hotelküche verlassen, weil sie ihnen keinen Spielraum gab, schon gar keinen kreativen. Im Frankfurter Landwehrstübchen wird ihnen mehr freie Hand gelassen. Mit Melonen-Kaltschale, geräucherter Kirschtomate, Johannisstrauchöl und Senfsaat gelingt der sommerliche Einstieg sehr gut. Auch das Landschwein, mit Apfel, Kartoffel und Pistazie passt bestens zum rustikalen Charme des Landwehrstübchen.

Landschwein

Nein, das Landwehrstübchen ist keine Fine Dining Adresse, sondern  weit eher eine Abtauch-Destination für gestresste Städter, die sich in schöner Atmosphäre bei unkomplizierten Essen entspannen wollen. Die kleine Terrasse bietet jedenfalls viel Urlaubsgefühl. Unter den Weinen gefällt uns beispielsweise der Grüne Veltliner von Rudi Pichler. Es gibt auch noch den einen oder anderen guten Tropfen, wobei die Karte ruhig noch besser werden darf.

Ja, wir haben manche Kritik vernommen, weil das Lokal nur Bargeld akzeptiert. Auf der Webseite wird dies auch so mitgeteilt, wer aber liest das schon alles. Man sollte also gleich bei der Reservierung nachfragen, ob dem noch so ist oder auch andere Zahlungsmittel möglich sind.

LF

Gastgeber Peyman Far

Landwehrstübchen, Frankfurt

Sachsenhäuser Landwehrweg 371
Tel. 069 635440.

www.landwehrstuebchen.de

 




Gastronomie: Die Corona-Krise weckt üble Ideen

Lieferanten sollen

auf Geld verzichten

 

Die Corona-Krise taugt nicht als Beispiel dafür, dass man aus der Not eine Tugend machen kann. Es gibt sogar Gastronomen, welche die Not für sich auf perfide Art und Weise nutzen wollen. In Frankfurt machen Restaurantbetreiber die Runde, die bei ihren Lieferanten einen Schuldennachlass von 60 bis 70 % anfordern. Wenn sie diesem Verlangen nicht nachkämen, würde man die Geschäftsbeziehungen beenden müssen, zumal das künftige Schicksal der eigenen Gastronomie ohne diesen Nachlass nicht mehr gewährleistet sei. Dieses Ansinnen greift krakenhaft um sich. Es ist deshalb so verwerflich und asozial, weil die meisten Lieferanten, egal aus welcher Branche, selbst große Probleme haben und in Geldnöten sind. So sieht keine Solidarität aus, so offenbart sich nur einmal mehr die ewig gleiche Raffgier, Egomanie und kriminelle Energie kaputter Typen in der Branche – denen man keine Chance geben darf.

LF

 

 




Comeback für Restaurant 959 Heidelberg mit Tristan Brandt

Zwei-Sterne-Koch wird Geschäftsführer

 

Das Restaurant 959, eine der beliebtesten und besten Adressen Heidelbergs, hat ab sofort wieder geöffnet und überrascht mit dem ehemaligen Zwei-Sterne-Koch Tristan Brandt, der hier aber nicht am Herd steht, sondern Geschäftsführer ist. Küchenchef bleibt Dustin Dankelmann, während Sommelière Sabine Schlecht und Barchef Frank Sobania als Neubesetzung für frischen Wind sorgen.

Das Restaurant 959 Heidelberg hat die vergangenen Monate als kreative Schaffenspause genutzt und startet jetzt mit frischen Ideen, kulinarischen Überraschungen und neuen Teammitgliedern wieder durch. Mit Mannheims Kochtalent Tristan Brandt konnte ein Geschäftsführer gewonnen werden, der sowohl die Expertise als Zwei-Sterne-Koch des OPUS V sowie die Erfahrung als Geschäftsführer der engelhorn Gastro GmbH mit neun Betrieben und über 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einbringt. Gemeinsam mit Küchenchef Dustin Dankelmann und dem 959 Heidelberg-Team will Tristan Brandt das Restaurant- und Barkonzept weiterentwickeln.

Tristan Brandt, Dustin Dankelmann, Frank Sobania, Sabine Schlecht (v.l.n.r.)

Klassische Gerichte, modern interpretiert: Seit seinem Einstieg als Küchenchef des 959 Heidelberg vor einem Jahr überzeugte Dustin Dankelmann viele Kritiker von seinem Talent. Mitte März 2020 setzte Corona dieser Erfolgs-Story zunächst ein Ende. Das Restaurant 959 und seine schönen Terrasse sowie Pino’s Bar mussten kurz vor der Sommersaison die Türen schließen. Die Zwangspause wurde genutzt, um neue, regionale Lieferanten kennenzulernen. Zudem wurde zwischenzeitlich ein Gemüse- und Kräutergarten angelegt.

Als eine erste Aufgabe für Tristan Brandt galt es Sommelier & Barchef zu finden, die zum Team und dem Gesamtkonzept passen. Mit Sabine Schlecht wurde eine neue Sommelière gefunden. Die studierte Chemikerin, die nach langjährigem Aufenthalt in den USA ihre Liebe zu Wein entdeckte und anschließend einen eigenen Laden für französischen Wein und Käse eröffnete sowie später als Sommelière im Hotel Palace und Hotel Adlon in Berlin tätig war, freut sich auf ihre neue Herausforderung: „Mich reizt der fantastische und hochwertige Weinbestand, aber auch die kreative moderne Küche von Dustin Dankelmann, die ich in meine Arbeit mit dem Wein einfließen lassen kann.“ Als neuen Barchef präsentiert Tristan Brandt Frank Sobania. Beide verbindet eine langjährige Zusammenarbeit. So war Sobania als Barchef unter Leitung von Tristan Brandt im engelhorn Dachgarten und für die Events im OPUS V tätig.

Restaurant 959 Heidelberg

Das Restaurant 959 Heidelberg serviert mittags ein Mini-Menü für 20 Euro sowie Bodenständiges, wie Rindergulasch, geschmortes Lamm oder Wiener Schnitzel. Abends ist das Kreativmenü zu haben, 7 Gänge für 130 €. Außerdem werden 16 Gerichte à la carte offeriert, darunter die in zwei Gängen servierte Hausspezialität, das Freilandhuhn von Chapon Bressan aus der Bresse-Region (48 € p.P.). Küchenchef Dustin Dankelmann hat bei den Zunftgrößen Stefan Steinheuer (Bad Neuenahr), Yannick Alléno (Paris) und Klaus Erfort (Saarbrücken gelernt und gearbeitet.

Restaurant 959 Heidelberg,  Montag 18-23 Uhr, Dienstags bis Samstag 12-23 Uhr. Sonntag geschlossen. Friedrich-Ebert-Anlage 2, Tel. 06221 6742959.      www.959heidelberg.com.

Photocredit: Elmar Witt




Restaurant-Kritik: Medici in Frankfurt

Gänseleber, Currywurst

und große Burgunder

 

Sehr erfolgreich, fast immer ausgebucht, extrem beliebt. So viel Friede, Freude, Eierkuchen wirkt fast schon langweilig. Doch das Restaurant Medici überrascht immer wieder mit neuen Ideen und ungewöhnlichen Kunstgriffen. Es gibt jedenfalls nicht viele Restaurants, wo mit gelassener Selbstverständlichkeit eine Currywurst und Raritäten von Romanee-Conti gleichzeitig zu haben sind. Die Basis der populären Adresse aber ist: Anspruchsvolle Küche mit Bodenhaftung. Diese Restaurantkritik wurde einen Tag vor dem Shutdown wegen der Corona-Krise veröffentlicht und hat deshalb durch eine Wiederholung eine neue und stärkere Aufmerksamkeit verdient, weil es jetzt ja wieder halbwegs normal in einigen Teilen der Gastronomie läuft. Am Konzept und der Qualität des Restaurants Medici hat sich nichts geändert. Aber: Die Betreiber sind inzwischen unter die Weinhändler gegangen und bieten über 600 verschiedene Flaschen an.

Stamatios (l.) und Christos

Das Medici ist kein Italiener, wie man leicht vermuten könnte. Und auch kein Grieche, wie der Name der Brüder Stamatios und Christos Simiakos in die Irre führt, die das Lokal seit 17 Jahren betreiben. Die beiden wurden im rheinischen Gummersbach geboren und haben in Spitzenrestaurants gelernt und ihre Karriere begonnen, bei Alfons Schuhbeck, Jörg Müller und Dieter Müller oder Hans-Peter Wodarz. Es gibt zwei kulinarische Gesichter vom Medici, das schnelle und preiswerte Mittagsgeschäft und die aufwendigeren und mehr kreativen Abend-Gerichte. Die Medici-Brüder sehen ihre Darbietungen als „Modern European Cuisine“.

Die Küche

Gänseleber-Gerichte gelingen hier besonders gut und verraten den ambitionierten Background der Küche. Ein Teller bleibt in bester Erinnerung: Gästestopfleber mit schönen Zwetschgen und feinfruchtiger Zwetschgensauce, Gänselebermousse, Joghurtkrokant und köstlichen Arme-Ritter-Würfel. Zwei Beispiele aus der aktuellen Karte zeigen Charakteristika der Küche, die weltumspannend ist ohne belanglos international zu sein. Meist werden nur wenige Komponenten eingesetzt, oft kulinarische Lieblingsstücke einer größtmöglich kompatiblen Gästegruppe: Gebratenes Skreifilet mit wildem Brokkoli und Yuzu-Süßkartoffelcreme oder Pulpocarpaccio mit Papaya-Mango-Salsa, Chorizo und geschmorter Paprika. Ausgezeichnete Produktqualität und handwerkliches Können bieten dafür die richtigen Voraussetzungen.

Seit Neustem steht auch eine Currywurst im Angebot, eine gelungene rustikale Delikatesse. Sehr gute Fleischqualität, harmonisch-würzige hausgemachte Currysauce und selbstgemachte Pommes Frites. Toll, dass es so etwas in dieser Qualität in einem Restaurant gibt. Ein Bravo auch für die hausgemachte und erstklassige Rinderfrikadelle auf lauwarmem Kartoffelsalat mit Senfcreme. Beide Gerichte sind jeweils Teil eines kleinen Mittagsmenüs.

Man erkennt im Medici an vielen Details das Qualitätsbewusstsein. Am Olivenöl, den Oliven, dem Fleur de Sel und ganz gewiss am ausgesuchten Käse vom Maitre Affineur Waltmann – etwa dem wundervollen, auf Heu gereiften cremigen Pithiviers au Foin aus dem Îl-de-France. Ohne Produkterkenntnis funktioniert auch kein Schinken. Im Medici gibt es eine längst liebgewonnene Aufschnittmaschine mit Schwungrad, die präzisen Schnitt und saftige Ergebnisse liefert.

36 Monate gereiften Parmaschinken, feinsten San Daniele, Gran Reserva Serrano oder besten aromatischen Jambon Noir de Bigorre (alle als kleine und große Portion). Mittags und abends, aber auch gerade in der absolut mageren Zeit in Frankfurt, die Menschen zwischen 15 und 18 Uhr hungrig herumirren lässt.

Die Weine

Im Medici hat man begriffen, dass es eine Klientel gibt, die gerne große Weine trinkt und dazu nur eine Kleinigkeit essen will. Zu dieser kaufkräftigen Gruppe gehören auch jene, für die Champagner und Currywurst kein Widerspruch, sondern beste Ergänzung ist. Die Kenner und die Neugierigen werden hier mit entsprechenden Offerten gut bedient. Es gibt nicht viele Restaurants in Deutschland, die eine Kollektion von der Domaine de la Romanée Conti listen, denn diese absoluten Raritäten sind extrem hochpreisig und werden vom Weingutsbesitzer Bertrand de Villaine im Burgund beziehungsweise dem Exklusivimporteur in Deutschland, Albert Kirdorf, in ganz kleinen Mengen zugeteilt. Neben anderen großen Burgundern und Bordeaux sind im Restaurant Medici ausreichend Weine für Business Budgets zu haben, etwa ein Riesling von Querbach aus dem Rheingau oder der Sauvignon Blanc von Knewitz aus Rheinhessen.

Das Ambiente

Am gediegenen Ambiente hat sich in all den Jahren wenig geändert, wegen der starken Nachfrage wurden schon vor längerer Zeit Plätze an der Bar eingerichtet, die das Lokal und die Stimmung auflockern und von Individualisten geschätzt werden. Links neben der Eingangstür befinden sich in einer Nische auch die etwas intimeren Zweiertische, während die beliebten Fensterplätze aufgereiht sind und mehr Uniformität ausstrahlen.

Der Service

Restaurantleiter Stefan Krenzer dirigiert den freundlichen Service vom ersten Tag an und bleibt, wie das ganze Team, auch an hektischen Tagen von heiterer Entspanntheit. Im Medici trifft man viele langjährige Mitarbeiter, die Fluktuation im Service ist eher gering, für Frankfurter Verhältnisse sehr gering. Vom engagierten Barkeeper bis zum geschätzten Spüler wurde über all die Jahre ein ziemlich stabiles Team aufgebaut.

Besonderheiten

Das Restaurant Medici im Frankfurter Stadtzentrum hat sich in all den Jahren immer beliebter gemacht, für manche gar unentbehrlich. Ein sehr hoher Stammgastanteil spricht dafür. Die zentrale Stadtlage lässt sich auch gut in eine Shopping-Tour einbauen. Die gastronomische Dichte in der Weißadlergasse ist enorm, wobei jedes Lokal mit einem anderem Konzept arbeitet. Das Medici gehört zu den besten und beliebtesten Adressen fürs Mittagessen. Das täglich wechselnde Business Lunch Menu ist gut & preiswert: 2 Gänge 18 €, 3 Gänge 21,50 €. Bei den sehr preiswerten Lunch-Offerten kann man natürlich nicht so anspruchsvoll auftischen, wie bei den kreativen Menüs.

Ludwig Fienhold

 

Restaurant Medici, Frankfurt, Weißadlergasse 2, Tel. 069 21 99 07 94. Mo-Sa Küche ab 11.30-22.30 Uhr, Sonntag zu.

https://www.restaurantmedici.de

 

Photocredit: Barbara Fienhold

 

 

 

 




Neueröffnung: The Duchy im Breidenbacher Hof in Düsseldorf

Bitte probieren: Kaviar Carbonara

und Lachs mit gerösteter Soja-Sauce

 

Dass der Breidenbacher Hof Düsseldorfs erste Logieradresse ist, dürfte bekannt sein. Wie gut die Brasserie dort ist, hat sich noch nicht so ganz herumgesprochen. Jetzt hat sie mit neuem Konzept und frischem Design eröffnet und mit ihr auch noch andere Outlets im Hotel, wie die neue Raw Bar.

Küchenchef Philipp Ferber und sein Team servieren eine raffinierte Brasserie-Küche mit Kreationen à la Kaviar Carbonara oder Färöer Lachs mit gerösteter Sojasoße, aber auch Einheimisches wie Himmel & Ähd. Als Inspiration und Namensgeber für das neue Restaurant diente das ehemalige Herzogtum Berg (engl. Duchy), dessen Hauptstadt Düsseldorf einst war. Eine Epoche, die in ihrer unaufgeregten Eleganz stilvoll und gemütlich war und der offiziellen Darstellung des Hotels nach somit als perfektes Sinnbild für die Umgestaltung des Restaurants steht.

Ein weiteres Highlight des Restaurants ist die neue Raw Bar, an der Gäste feine Meeresfrüchte und andere  Delikatessen, kreative Drinks und ausgesuchte Champagner genießen können. Ob eine kurze Auszeit vom Einkaufsbummel auf der naheliegenden Königsallee, ein kleiner Snack zwischendurch oder nur für ein Glas Champagner – an der Raw Bar steht unkomplizierter Luxus im Vordergrund.

 

www.capellahotels.com/en/capella-dusseldorf

Reservierungen: 0211/ 160 900 oder theduchy.bbh@capellahotels.com




Weine mit BISS: Neues Lugana-Dinner im Brighella

Die Weine vom Gardasee haben Wellen geschlagen

 

Von Ludwig Fienhold

 

Das Dinner mit ausgesuchten Lugana-Weinen vom Gardasee im Frankfurter Ristorante Brighella war ein solcher Erfolg, dass es am 11. September wiederholt werden soll. Auf die Gäste warten ein feines Menü und ausgesuchte Lugana-Weine, der Favorit von uns und den Gästen, L´ Lac von Cavalchina, ist wieder dabei. 4 Gänge und 4 verschiedene Weine sowie ein Spumante werden zum Freundschaftspreis von 78 € angeboten, Wasser und Kaffee inklusive.

Mario Borazio vom Brighella

Die sanfte Brise am südlichen Gardasee und die kalkhaltigen, lehmigen und steinigen Böden verleihen dem Lugana trinkfreudige Frische, kühle Mineralität, feine Fruchtigkeit und animierende Salzigkeit. 170 Winzer teilen sich gerade einmal 1.100 Hektar Rebland. Der kalifornische Riese Robert Mondavi besitzt alleine über 1.300 Hektar. So überschaubar das DOC Weingebiet Lugana auch sein mag, die Weine fallen in der Qualität enorm unterschiedlich aus. Wir haben eine Top-Auswahl zusammengestellt. Diese soll vor allem das Qualitätsbewusstsein der Winzer zeigen, aber auch die verschiedenen Geschmacksrichtungen und Stilistiken, denn trotz einer gewissen Typizität gibt es multimodale Sinneseindrücke.

Spaghetti mit Bottarga

Mit dabei sind zweit sehr unterschiedliche Weine, die das Spektrum der Lugana-Region zeigen: Der schmelzige, charmant-elegante Prestige-Lugana Gocco d´Oro von Bulgarini, der einen filigranen Duft von Wiesen und Kräutern, Mandeln, Pfirsich und Mirabelle ausbreitet. Und der erfrischend trockene Capotesta der Cascina Maddalena, der als mineralischer Terroir-Wein die ganz andere Seite zeigt. Im Gegensatz zu den meisten Lugana-Weinen, die jung getrunken werden sollten, ist er erstaunlich lagerfähig.

 

Die Weine

Spumante Rosé Perlage von Bulgarini

Lac von Cavalchina

Capotesta, Cascina Maddalena

Gocco d´Oro, Bulgarini

Rosé Rosa Mara von Costaripa

 

Das Menü

Sashimi Lachs , marinierter Romanaherzen-Salat, Kichererbsencreme

Spaghetti, Lemongras , Bottarga

Bachsaibling, Auberginen, Blumenkohl, Beluga-Linsen, Safran-Creme-Sauce

Limettenschnitte, Zitronen-Sorbet

 

Preis

78 € für Menü, Weine, Wasser und Kaffee

 

Termin

Freitag, 11. September, 19 Uhr

Reservierung notwendig

 

Adresse

Brighella, Frankfurt, Eschersheimer Landstraße 442.

Tel. 069 53 39 92.

Email: info@brighella.de

 

Die Weinhändler

Vipino, Planegg, Tel. 089 8950 1414, www.vipino-wein.de

Sommeliers, Weinjournalisten und andere Vorkoster sind für das interessante Angebot verantwortlich. Zum Thema Lugana gibt es gleich 60 Angebote, 3 davon werden beim Lugana-Dinner im Brighella serviert: Spumante Rosé Perlage von Bulgarini, Lac von Cavalchina und Gocco d´Oro, Bulgarini.

Karl Kerler, Nürnberg, Tel. 0911 588 28 43, www.karl-kerler.de

Sehr individueller kompromissloser Weinhandel. Dort findet man vor allem einen richtig trocknenen Lugana bemerkenswert, der Ecken und Kanten hat und den wir deshalb gerne präsentieren: Capotesta, Cascina Maddalena. Ein Mini-Weingut.

Giovo, Mühlheim am Main, Tel. 06108 900 80, www.giovo.de

Guido Giovo belieferte einst gefühlt jedes italienische Lokal im Rhein-Main-Gebiet, was an seinem sehr persönlichen und kompetenten Einsatz lag. Die Nachfolger müssen sich dem nun würdig erweisen. Aus ihrem Sortiment haben wir den feinen Rosé Rosa Mara von Costaripa ausgewählt.




Lokal in Flammen: Frankfurt trauert um das Blaue Wasser

Das kleine Paradies am Mainufer wurde zerstört

 

Als ob Corona nicht schon genug wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Schaden anrichtet, jetzt wurde auch noch eine der schönsten Locations im Rhein-Main-Gebiet durch einen nächtlichen Brand zerstört. Der Schaden soll sich auf 350.000 € belaufen. Laut Feuerwehr kann Brandstiftung ausgeschlossen werden, ist der Brandherd in der Küche auszumachen. Nun droht dem Blauen Wasser im Osthafen der Abriss.

Ein Grundstück, ein Lokal unmittelbar am Main ist äußerst selten. Das Blaue Wasser hatte einen Charme, wie man ihn eher in Südfrankreich vermuten würde. Diese verwegene Mischung aus Sinnlichkeit und Fröhlichkeitkennt man aus Filmen des letzten Jahrhunderts, aber weniger aus dem wirklichen Leben. Es gibt kein anderes Lokal in Frankfurt mit einem solchen flirrenden Flair. Dass es über Nacht ausgelöscht wurde, macht traurig – Blaues Wasser mit schwarzem Trauerrand.

Das Blaue Wasser war zuvor ein abseitiges Bordell, bevor es als Blaues Wasser zur absoluten In-Location wurde. Laster gab es in zweifacher Hinsicht, denn Radfahrer waren seinerzeit auf der Franziusstraße nicht unterwegs, sondern vor allem Lastwagen. An den F35 FKK Beach Club erinnerten nicht nur die Gogo-Stangen, das ganze Haus hatte einen Hauch von Verruchtheit, der den Besuch noch reizvoller machte.

Bei der Eröffnung im Jahr 2016 hatten die Betreiber noch ganz andere Pläne, das abenteuerlich wirkende Anwesen sollte zu einem Kulturzentrum mit Musikveranstaltungen werden. Für Hochzeiten, Firmenfeiern und andere Events wurde es schon recht schnell gerne gebucht. Man hätte an diesem zauberhaften Ort auch nur Würstchen und viel Wein und andere Alkoholika verkaufen können, doch man wollte die Gäste auch mit gutem Essen locken. Auf der Speisekarte standen bevorzugt Grillgerichte, wie sie zu einem solchen „Strandlokal“ bestens passen. Egal, was auf den Tisch kam, man spüre das Engagement, es gut machen zu wollen, was sich im Lauf der Jahre noch steigerte. Küchenchef war in der Anfangszeit Mario Schmehle, ein Mitarbeiter von Mario Lohninger und seinem unweit betrieben einzigartigen Silk & Micro im Cocoon Club.

Matthias Martinsohn war einst Geschäftsführer des Cocoon Clubs und führte das Blaue Wasser unter anderem mit Goran Petreski, dem auch das sehr erfolgreiche VaiVai gehört. In der Eröffnungsphase des Blauen Wassers hieß es, dass man die städtische Liegenschaft im Erbbaurecht übernehmen wolle. Wenn eine entsprechende Genehmigung vorläge, wolle man das Gebäude abreißen und eine Kultur- und Eventstätte bauen. Das Gebäude, das nun wahrhaftig abgerissen wird, stand all die Jahre unversehrt an Ort und Stelle. Die Betreiber wurden vielleicht vom großen Erfolg selbst überrascht, denn eine stark vom Wetter abhängige Open-Air-Location hätte auch in der Hochsaison ins Wasser fallen können.

Die Betreiber wollen das Lokal so schnell wie möglich wieder aufbauen und eröffnen. Vielleicht wird das Blaue Wasser wie Phoenix aus der Asche steigen. Doch eine solche Patina, ein derartiger Shabby-Chic ist nicht beliebig reproduzierbar. Ähnlich wie bei der abgebrannten Schwarzwaldstube in der Traube Tonbach.

Ludwig Fienhold

Photocredit: Barbara Fienhold

 




Aus für 2-Sterne-Restaurant Werneckhof in München

Tohru Nakamura ist ein weiteres

prominentes Opfer der Corona-Krise

 

Der deutsch-japanische Spitzenkoch Tohru Nakamura ist ein weiteres prominentes Opfer der Corona-Krise in der Sterne-Gastronomie. Das Restaurant Werneckhof by Geisel ist ab sofort geschlossen. Wenngleich die Schließung des Restaurants von Nils Henkel auf Burg Schwarzenstein im Rheingau ein wenig anders gelagert ist, gab diesem die Krise den Rest.

„Abstandsregelungen und andere Hygieneauflagen lassen es in einem so kleinen Restaurant nicht zu, den gewohnten exzellenten Service für unsere Gäste zu gewährleisten“, so Michael Geisel und ergänzt: „Da es leider für uns alle nicht absehbar ist, wann eine für uns gewohnte Normalität wieder zurückkehren wird, haben wir uns schweren Herzens dazu entscheiden müssen, den Betrieb im Werneckhof mit sofortiger Wirkung endgültig zu schließen.“ Auffällig ist, dass im offiziellen Statement der Geisel-Brüder nur ganz allgemein dem Team für ihr Engagement gedankt wird, nicht aber insbesondere dem hoch dekorierten Küchenchef Tohru Nakamaru.

Küchenchef Tohru Nakamura und das ganze Team des Werneckhofs haben ihren Arbeitsplatz verloren, doch solche Profis werden gesucht. Dies trifft insbesondere auf Tohru Nakamaru zu, über dessen Zukunft bislang noch geschwiegen wird. Wenn man zugrunde legt, dass er in München bleiben wird, gibt es nicht allzu viele Möglichkeiten. Ein Wechsel ins ebenfalls mit zwei Sternen ausgezeichneten Tantris liegt nahe, weil die Amtzszeit von dessen Küchenchef, Hans Haas, in den nächsten Monaten abläuft.

Was haben Tohru Nakamura und sein Team nicht alles an Auszeichnungen erhalten: 2 Sterne im Michelin, 19 Punkte und „Koch des Jahres“ beim Gault Millau und anderes mehr. Als Sohn einer deutschen Mutter und eines japanischen Vaters verbindet der 37 Jahre alte Küchenchef auch kulinarisch die Welten von Tokio und München. Japanische Einflüsse finden sich auf vielen Tellern, so etwa, wenn er klassisch auf der Haut gebratene Dorade Royal auf feinem Koshihikari-Reis bettet, der mit Tomate und Sepia nach Risotto-Art gegart ist, und dazu zarten Oktopus, Miso-Rouille und eine schäumende würzige Fischsuppe anrichtet. Der bayrische Japaner Tohru Nakamura spricht präzises Hochdeutsch. Und so kocht er auch: deutlich genau, betont. Schön, wie er eine Auster mit Salzwiesenkräutern und Dill in eine geschmackliche und optische Perle verwandeln konnte. Als filigrane Finesse beeindruckte der kurzgegarte Langostino mit Liebstöckel-Emulsion, Sellerie-Creme und Limetten-Perlen. Vor seiner Zeit in München arbeitete Tohru Nakamura im RestaurantVendôme bei Joachim Wissler und in der Oud Sluis von Sergio Herman.

Photocredit: Geisel Hotels