Gourmet-Hotel im Rheingau: Raub der Kronjuwelen

Kronenschlösschen wird Opfer von Einbrechern

 

Die Liste der

gestohlenen Flaschen

 

Romanée-Conti, Petrus, Mouton, Lafite, Latour & Co

 

Wer hätte nicht gerne flüssige Schätze wie Château Petrus und Romanée- Conti im Keller?  Hans B. Ullrich, Besitzer des Kronenschlösschens im Rheingau, hat über 30 Jahre diese und andere Kostbarkeiten gesammelt. Jetzt wurden aus dem Weinkeller des Hotels Raritäten im Wert von rund 400.000 € gestohlen. Um es den Dieben etwas schwerer zu machen und etwaige Käufer zu warnen, haben wir unten die Liste der geraubten Weine aufgeführt, einige mit den jeweiligen Nummern, die der schnellen Identifizierung dienen.

Die Einbrecher haben sich an ausgesuchten Flaschen vergriffen, die bei Sammlern hoch im Kurs stehen, aber andere Pretiosen, etwa seltene Rieslinge, ignoriert. Von 70.000 gelagerten Flaschen haben sie offenbar ganz gezielt 500 mitgehen lassen. Die legendären Petrus-Weine sind komplett gestohlen worden, ebenso die gesuchten Pinot Noirs der Domaine Romanée-Conti, darunter der berühmte La Tache, der allein schon einen Wert von über 10.000 € hat.

Glashaus

Ein Luxusproblem? Nein, ein wirtschaftliches. Auch eine renommierte Luxusadresse wie das Kronenschlösschen hat in Zeiten der Corona-Krise zu kämpfen. Es war ein gutes Stück Kapital, was dort im Keller lag und jetzt der Gier zum Opfer fiel. Hinzu kommt der emotionale Verlust, denn viele Flaschen lassen sich nicht wieder beschaffen. Hans B. Ullrich setzte seine Trouvaillen bei Raritätenproben ein, zu denen Kenner von überall her zusammenkamen. Auch beim Gourmet & Wein-Festival, das jetzt vom 25. Februar bis 14. März stattfinden soll, wurden oft große Weine à la Mouton, Lafite, Lafleur sowie Champagner von Krug und Roederer an die Tische gebracht. Und genau auf diese Raritäten  hatten es die Diebe abgesehen. Sie nutzten die Corona-Krise und das in diesen Tagen geschlossene Kronenschlösschen, um ungestört die massiven Kellertüren aufzubrechen. Tatzeit: Mittwochabend/Donnerstagfrüh (13./14. Januar).

Wahrscheinlich haben die Einbrecher im Auftrag gehandelt, vielleicht wollen sie die Weine aber auch auf dem Schwarzmarkt verkaufen. Florian Richter, der Sommelier des Kronenschlösschens, hat zwar nur wenig Hoffnung, will aber nichts unversucht lassen, damit die Flaschen vielleicht doch noch auftauchen. Er bittet Sammler, Weinhändler und andere Zielpersonen, auf welche die Diebe zukommen könnten, um Wachsamkeit und Mithilfe. Helfen kann dabei die Liste der gestohlenen Weine sowie die Nummern der drei teuersten Romanée-Contis.

2007 Romanée-Conti 0,75l
02641
2006 Romanée-Conti 0,75l
02403
2004 Romanée-Conti 0,75l
02532

 

Die Liste der gestohlenen Weine I mit einem Klick

 

Die Liste der gestohlenen Weine II mit einem Klick

 

Die Liste der gestohlenen Weine III mit einem Klick




Der Hammer: Höchstpreis bei Versteigerung für den neuen Monte Vacano

Ein neuer Rheingau Riesling vom Weingut Robert Weil

in der Großflasche überrascht im Kloster Eberbach

 

Als der Hammer des Auktionators bei der diesjährigen Versteigerung der deutschen Prädikatsweingüter im Kloster Eberbach im Rheingau zum dritten Mal auf das Versteigerungspult schlug, stand es fest: die Los-Nummer 25, der Monte Vacano 2018 in der Balthazar-Flasche (12 Liter) wurde zu einem sensationellen Preis zugeschlagen. Mit dem Ausgebot von 1.500 € gestartet, ging die Großflasche für 18.000 € netto an ihren neuen Besitzer.

Wilhelm Weil mit Big Bottle

Damit erzielte der Premieren-Jahrgang dieser neuen Premium-Marke mit „familiären Wurzeln“ aus dem Weingut Robert Weil einen „phantastischen Preis“, wie Wilhelm Weil verkündete. Auch die mitversteigerten Magnum-Flaschen des Monte Vacano erreichten mit 520 € ein bemerkenswertes Ergebnis. Schon die limitierte Anzahl der 1.200 Flaschen dieses Rieslings waren kurz nach ihrer Premiere im Sommer letzten Jahres ebenso dreifach überzeichnet, so dass die Subskription dafür frühzeitig beendet werden musste.

Die Trauben für den Monte Vacano kommen aus einer besonderen Parzelle im Kiedricher Berg mit dem historischen Katasternamen Lay. Sie liegt am Übergang von der Lage Gräfenberg zum Turmberg. Als der Gründer des Weingutes, Dr. Robert Weil, 1875 begann im Kiedricher Berg Weinberge zu kaufen, konnte er diese besondere Parzelle dank der Mitgift seiner Frau, aus der Familie der Edlen von Vacano, erwerben. Der Riesling aus dieser Parzelle trug fortan den Namen Monte Vacano und blieb als eine „family affair“ ausschließlich den Familien Weil und Vacano vorbehalten. In den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts schlief diese Tradition ein und wurde jetzt mit dem 2018er Jahrgang wieder aufgenommen, wobei nun der Wein für alle zugänglich ist.

Das Versteigerungsgeschehen war dieses Jahr den Zeiten geschuldet ausschließlichen im Online-Format zu verfolgen. Die seit über 200 Jahren im Rheingau traditionelle „nasse“ Versteigerung mit einer Vorprobe der Auktionsweine und der nochmaligen Probe vor jedem Los-Aufruf konnte so nicht durchgeführt werden. Dennoch gestalteten die im Laiendormitorium persönlich anwesenden Kommissionäre mit dem Auktionator und den Winzern eine erfolgreiche und unterhaltsame Versteigerung. Das war auch einem zweiten Livestream aus dem Kloster Eberbach zu danken, bei dem mit Interviews das Versteigerungsgeschehen kommentiert wurde. Und so war auf diesem Stream auch beim finalen Zuschlag des Monte Vacano das Tütenknallen zu hören, mit dem im Laiendormitorium in langer Tradition außergewöhnliche Höchstpreise gefeiert werden.




Lohningers große Klassik: Das könnten wir jeden Tag essen

Ochsenbackerlgulasch, Wiener Schnitzel

und Pinzgauer Kaspressknödel

 

Genuss zum Mitnehmen

 

Lohninger To Go ist wie Lohninger To Stay. Fast. Die entspannte Atmosphäre im schönen Restaurant in Frankfurt ist schwer zu ersetzen, aber die Gerichte für zu Hause haben die Klasse, die man von diesem Spitzenlokal gewöhnt ist. Ochsenbackengulasch, Wiener Schnitzel, Kaspressknödel und eine Crème brûlée, wie sie besser nicht sein kann.

Das fabelhafte Ochsenbackengulasch mit Serviettenknödel lieben wir seit den Zeiten Mario Lohningers im Silk und Micro (Cocoon Club). Es ist von einer solch superben Schlotzigkeit und Würz-Raffinesse, dass man nie mehr mit dem Essen aufhören möchte.

Prime Filet Tatar

Was sollen wir noch mehr zum Wiener Schnitzel von Lohninger sagen, wir haben es längst zum Weltkulturerbe erklärt. Natürlich schmeckt es am besten, wenn man es frisch im Restaurant serviert bekommet, aber man kann das gute Stück ja auch so schnell wie möglich nach Hause bringen und dort gleich verspeisen. Außerdem schmeckt ein Wiener auch noch lauwarm und sogar kalt. Der auffrischende Gurkensalat, der saftige Kipfler Erdäpfel-Salat und die süß-herben Pinzgauer Preiselbeeren bieten beste Begleitung.

Mario Lohningers Vater Paul steht bis heute mit ihm am Herd und weiß, wie man Tradition aufs Herzhafteste umsetzen kann. Die Oberpinzgauer Kaspressknödel mit Spitzkrautsalat werden nach seinem Rezept zubereitet und sind für Mario die besten, die er kennt. Fluffig und zart sind sie und schön kraftvoll im Geschmack. Dazu gibt´s Spitzkrautsalat und Steirisches Kürbiskernöl.

Das erstklassige und saftige Hereford Prime Filet Tatar wird à la minute frisch zubereitet. Perfekt gewürzt mit Essiggurken, Kapern, Sardellen, Schalotten und Sojasauce plus Olivenöl, Parmesansplittern und Dijon-Mayonnaise. Auf der ringförmigen angelegten Delikatesse thront ein gegarter Bio-Dotter, der beim Anschneiden sämig ins Fleisch fließt. Umwerfend gut. Kann man auf dem Teller anrichten, lässt sich aber auch ganz bequem aus der aus der Liefer-Box genießen.

Eine wirklich gute Gänseleberterrine muss man in Deutschland lange suchen. Beim Lohninger findet man gar eine ganz großartige. Man merkt eben, dass Mario Lohninger auch in Paris gearbeitet hat, und dann auch noch gleich beim ehemaligen Drei-Sterne-Koch Guy Savoy. Die feine, delikate und leicht cremige Gänseleber gibt es im Glas mit 200 Gramm. Eigentlich reicht das spielend für zwei Personen, einen Tag oder auch zwei Tage. Man wird aber garantiert mehr wollen.

Crème brûlée kann ein ziemlicher Langweiler sein. Bei Lohninger wird Genusssucht daraus. Besser geht´s nicht. Mit im Spiel sind Tonkabohnen und der hochwertige Musvovadozucker aus Mauritius. Deshalb wird die Crème auch nicht geflämmt, weil dieser Zucker sonst nur verbrennt. Ungemein zart und cremig.

Fritatten-Suppe kennen die Älteren noch als einfaches Gericht, beim Lohninger wird sie aufwendiger und besser zubereitet. Mit Rindfleisch, Fritatten und konzentrierter Ochsenschwanzkraftbrühe.

Maine Hummer

Auf der To Go Speisekarte stehen noch andere Verlockungen, vom tollen Grammelschmalz bis zum Hummer. Die Abholer bekommen die Speisekarte mit auf den Weg, auf der sämtliche Gerichte über QR-Codes auf YouTube abgerufen werden können. Dort sieht man auf informative und unterhaltsame Weise, wie Mario Lohninger seine wunderbaren Klassiker live zubereitet und den Zuschauern manch nützliche Tipps gibt.

Die Gerichte erhält man in adretten appetitlichen Verpackungen aus Mais und Rohrzucker, sie biologisch abbaubar sind. Im Grunde kann man alles gleich aus der Verpackung essen, ohne das Gefühl von Fast Food und Pappe zu haben.

Wie viele andere Toplokale konnte sich auch das Lohninger anfangs nicht mit Take Away anfreunden. Weil der Lockdown nun schon gefühlte Jahre andauert und kein Ende abzusehen ist, hat man sich aber zum Weiterkochen entschieden. Die ersten Wochen „Lohninger To Go“ waren sehr erfolgreich, das Lokal wurde überrannt. Die übernächste Woche gibt es als besondere Tagesofferte Rouladen. Da wird es kein Halten geben.

Ludwig Fienhold

 

Lohninger, Frankfurt, Schweizer Str. 1

www.lohninger.de

Bestellungen nur telefonisch unter 069/24 75 57 860

von 10 – 20 Uhr

Abholzeiten: Donnerstag 17 – 20 Uhr, Freitag – Sonntag 12 – 14 Uhr und 17 – 20 Uhr.

 

 

Photocredit: Barbara Fienhold 




Mord mit Riesling Kabinett Rabenhalde

Wenn das Fernsehen kulinarisch wird

 

Das Fernsehen ist kein guter Lehrmeister. Vor allem, wenn es um kulinarische Details in Krimis und anderen Unterhaltungssendungen geht. Ständig wird Rotwein aus Weißweingläsern oder umgekehrt getrunken. Stillos ist es, wenn selbst ein Genießer wie der Serienanwalt Falk ein Weinglas am Kelch würgt, als hätte er einen zahlungsunwilligen Klienten vor sich. Im Kölner Tatort „Plattgemacht“ stirbt ein Obdachloser, als er einen Riesling Kabinett „Rabenhalde“ von Wilhelm Stoll vom Jahrgang 2007 trinkt.  Auch bei den Requisiten sollte man korrekt arbeiten und dem Fernsehzuschauer keinen Riesling aus einer Bordeauxflasche auftischen. Nachgoogeln hat keinen Zweck, es gibt diesen Wein nicht, man wollte offenbar keinen real existierenden Winzer mit einem Mord in Verbindung bringen. Obwohl es auch durchaus verkaufsfördernd hätte sein können. Jauch hätte mit seinen Weinen da bestimmt mit gemacht.

Im „Traumschiff“ nach Rio vermisst Heinz Hoenig in seinem Wein Aromen von Zitrusblättern, getrocknetem Heu, Mango, Vanille und Tanninen. Interessante Mischung, aber Tannine sollte er in einem Weißwein eher nicht entdecken dürfen. Viel unwirklicher erscheint aber, dass ein Weinkellner solche Anmaßungen völlig widerspruchslos entgegennimmt. Überhaupt nicht den tatsächlichen Begebenheiten entspricht eine „Tatort“-Folge aus Ludwigshafen, in der auf dem Hotelzimmer beim Obst ein scharfes und spitzen Messer liegt – was in keinem Hotel der Welt zu finden ist, weshalb das Obst oft ungeschält liegen bleibt. In diesem Fall aber taugte das Messer als Waffe, aber erst nachdem die Täterin eine ebenfalls in der Obstschale befindliche Mandarine mit den Fingern geschält hatte.

Irrungen sieht man nicht nur in den Niederungen des Fernsehens, sondern selbst in der großen Kunst. Bis heute gibt es in den Feuilletons kein klares Bild über das weltberühmte Gemälde von Max Beckmann „Selbstporträt mit Sektglas“. In dem Kühler vor ihm ist eine Flasche zu sehen, die eher einer Sektflasche gleicht. Kunstkenner glauben hingegen zu wissen, dass Beckmann stets Champagner trank, am liebsten gleich eine Flasche. In der Zeit als das Bild entstand, also 1919, gab es in Deutschland vor allem Sektschalen oder Sektflöten. Champagnergläser, wie heute üblich, waren unbekannt. Das Glas auf dem Bild ist ein eher normales Sektglas, jedenfalls keine Flöte oder Schale, was aber in dieser Zeit nicht oft im Einsatz war. Beckmann kann genau daraus aber durchaus Sekt oder Champagner getrunken haben. Im Gegensatz zu heute machte man seinerzeit keinen großen Unterschied zwischen Sekt und Champagner, weil beides als exklusiv galt. Champagner würde jedoch besser zu Beckmann passen, jedenfalls hätten wir ihm diesen eher gegönnt.

Frederic Boländer




Restart: Hotel Atlantic Hamburg

Nach drei Jahren Renovierung

mit neuem Design

ins Jahr 2021

 

Man freut sich über jedes neue oder herausgeputzte Hotel, weil es in dieser narkotisierten Welt ein Lebenszeichen ist. Nach drei Jahren Renovierung wurde das Hotel Atlantic an der Außenalster wieder eröffnet. Die Hamburger Luxusadresse (Jahrgang 1909) wird nicht mehr von Kempinski betrieben, sondern ist jetzt Teil der Autograph Collection, der Nobelmarke von Marriott. Ungeachtet dessen gehört das Atlantic zu den exklusiven Broermann Health & Heritage Hotels, wie unter anderem auch die Villa Rothschild und das Falkenstein Grand.

Atlantic Restaurant

Atlantic Bar

In den vergangenen drei Jahren erhielten unter anderem die Lobby, die Atlantic Bar, das Atlantic Restaurant sowie der Alstersalon ein neues Design. Mit dem Atlantic Grill & Health hat ein neues gastronomisches Konzept Einzug gehalten. Darüber hinaus wurden die historischen Festsäle mit ihren aufwändigen Stuckarbeiten restauriert. Die künstlerische Gesamtleitung der Neugestaltung lag in den Händen von Titia große Broermann. Zimmer gibt es bereits ab 153 € die Nacht, solche mit Lake View sind für 213 € zu haben. Die Suiten verlangen mindestens 468 €, wobei die Superior Balcony Suite die Krönung darstellt und durch einen Balkon mit Panoramablick auf die Außenalster besticht.

Photocredit: Hotel Atlantic Hamburg




Jubel ohne Trubel: 10 Jahre BISS

Zwischen al dente

und dolce far niente

 

10 Jahre BISS. Und noch immer alle Zähne. Natürlich hätten wir das Jubiläum unseres kulinarischen Internet-Magazins gerne gefeiert, aber die Corona-Politik zwingt uns zu einer eher intimen Gedenkstunde.

So bleibt uns der bedächtige Jubel ohne Trubel. Wir freuen uns und mit uns eine stetig wachsende Leserschaft, die das Individuelle, Kritische, Unliebsame und auch Ironische schätzt. Etwas Ähnliches wie BISS gibt es weder im Internet, noch bei den Print-Medien. Wir sind anders, und wir sind gerne anders. Restaurantkritiken und andere kritische Berichte, wie sie bei uns stehen,  werden in den herkömmlichen Magazinen, ob Food oder Lifestyle nicht mehr veröffentlicht, meist mit Rücksicht auf wirtschaftliche Interessen.

Wir werden zu einer inneren Einkehr veranlasst, würden aber viel lieber in die Lokale einkehren, die uns verwehrt bleiben – aus nicht gerechtfertigten Gründen. Wir wollen das BISS-Jubiläum selbstverständlich noch feiern. An einem sonnigen Tag und mit richtigen lachenden Gesichtern.

Ludwig & Barbara Fienhold und BISS-Team 




Feinkost: Aus Emma Metzler wird jetzt Tante Emma

Delikatessen, Weine

und ein tolles Brot

 

Das Restaurant Emma Metzler am Frankfurter Museumsufer ist immer einen Besuch wert, auch jetzt, wo man aus der Not eine Tugend machen musste. Das Lokal kann zwar derzeit keine Gäste bewirten, sie aber mit anderen Köstlichkeiten zum Mitnehmen glücklich machen. Allein das wunderbare Sauerteigbrot macht glücklich. Es wird ständig neu gebacken, denn die Nachfrage ist groß. Aber es gibt noch mehr. Eingekochtes, Fermentiertes, Eingelegtes, ausgesuchte und nicht überall zu findende Weine und auch Kochbücher und andere gedruckte Delikatessen.

Pop up Store nennt man sich nun neudeutsch, wie so viele. Dabei klänge Tante Emma gemütlicher und treffender. Das Lokal wurde einladend zum Lädchen umgestaltet. Neu im Programm sind eingemachte Suppen und Eintöpfe, etwa Lammeintopf mit weißen Canellinibohnen und Rosmarin, Maronen-Quittensuppe oder Bio-Wurzelgemüseeintopf mit Liebstöckel. Die Suppengläser fassen 400ml, sind als Hauptgericht für eine Person gedacht und können ungeöffnet einen Monat lang haltbar bleiben.

Inzwischen gibt es auch eine Kühl/Metzger-Theke. Angeboten werden beispielsweise das Fleisch einer vierjährigen Aberdeen-Angus-Kuh und eines zweijährigen Duroc-Schweins, alles nach Wunsch portioniert. Dazu kann man hausgemachte Saucen im Glas kaufen, Rinder-Rosmarin-Jus, Schweinejus mit Salbei & Sherry sowie Lammjus. Anton de Bruyn und sein Team beraten gerne und geben auch fachkundige Tipps für zu Hause.

Lebensmittel Pop Up: Mittwoch – Sonntag von 15 bis 20 Uhr.

Weitere Infos, auch über Menü-Angebote: https://emmametzler.de/journal/

 

 

 

 

Photocredit: Barbara Fienhold




Tantris: Benjamin Chmura wird Nachfolger von Hans Haas

Neues Konzept mit

zwei Restaurants

 

Benjamin Chmura, zuvor Chef de Cuisine im legendären französischen Drei-Sterne-Restaurant Troisgros bei Roanne, wird Nachfolger von Hans Haas im Münchner Tantris. Der 31 Jahre alte Chmura hat in einigen Spitzenrestaurants gearbeitet, darunter die Auberge de l’Ill“ der Familie Haeberlin im Elsass und das Pariser Le Cinq im Hotel George V zu Zeiten von Frédéric Simonin und Éric Briffard. Bei Troisgros war er über drei Jahre Küchenchef. Das Tantris soll nach Umbauarbeiten im Sommer 2021 wieder eröffnet werden.

Benjamin Chmura (oben im Bild mit den Tantris-Eigentümern Eichbauer) ist gebürtiger Kanadier, wuchs aber in Brüssel auf. Er ist Sohn eines bekannten israelischen Dirigenten, seine Mutter ist Deutsche, weshalb er mehrsprachig zu parlieren versteht. Chmura hat sein Team europaweit rekrutiert und wird die noch offenen Positionen in der Küche in den nächsten Monaten nach und nach besetzen.

Sabine & Felix Eichbauer, Benjamin Chmura, Hans Haas, Siggi Schelling, Matthias Hahn (v.l.n.r.)

Seit zwei Jahren war klar, dass sich Hans Haas aus dem Münchner Tantris verabschieden würde. Die Tantris-Eigentümer Sabine und Felix Eichbauer stellten sich schon damals die Frage, wie ihr Restaurant für die Zukunft gewappnet und personell aufgestellt werden soll. 50 Jahre eines solch großen kulinarischen Erbes sind eine Herausforderung. Das Tantris soll nach einer Renovierungsphase im Sommer 2021 wieder eröffnen – mit zukünftig zwei eigenständigen und gleichwertigen Restaurants. In dem einen soll weiter die große Oper mit kreativen Menüs stattfinden. Das neu hinzukommende Restaurant im Gartensalon des Gebäudes wird die fünf Jahrzehnte umspannende kulinarische Geschichte des Tantris mit seinen Küchen-Klassikern widerspiegeln. Dort rücken Service und Gäste noch enger zusammen, denn es wird eine gute Sitte wiederbelebt und die Kunst des Präsentierens, Tranchierens und Vorlegens zelebriert. Der Küchenchef für das neue Restaurant im Gartensalon steht noch nicht fest.

Neu im Team ist Matthias Hahn, der als Executive Chef eingesetzt wird und somit für die gesamte Kulinarik im Tantris verantwortlich ist. Siggi Schelling, die Souschefin von Hans Haas wird sich mit einem eigenen Lokal in München selbstständig machen. Hans Haas hat vor, sich noch mehr seiner Kunst zu widmen. So fertigte er beispielsweise aus dem Unterkiefer eines Kalbskopfs eine Skulptur an. Könnte auch ein schönes Schmuckstück für das neue Trantris sein.

Ludwig Fienhold

Photocredit: Agency People Image, Michael Tinnefelt

 

 

 

 

 




Manchmal liegt auch im Keller Geld: Jäger der flüssigen Weinschätze

Nicos Hornivius handelt mit trinkbaren Antiquitäten & unentdeckten Kostbarkeiten

 

Nicos Hornivius geht in den Keller, um zu lachen. Es muss natürlich ein Weinkeller sein. Am besten einer, in dem viele gute und spezielle Flaschen lagern, damit er Freude hat. Nicos ist Weinexperte, begutachtet und taxiert Weinsammlungen, damit deren Besitzer über den Wert eine Expertise bekommen. Schließlich sind Weine längst eine Wertanlage geworden. Nicos kauft aber auch ganze Keller. Meist von privaten Sammlern, die nicht selten aus Altersgründen keine rechte Lust mehr auf Wein haben. Oder er kauft Weine von Gastronomen, die ihre Bestände reduzieren und zu Geld machen wollen. Nicos ist ständig auf der Suche nach Weinschätzen.

Bei seiner Nachforschung auf flüssige Antiquitäten stößt der Weinfachmann auf große Bordeaux und Burgunder sowie prominente Italiener. Immer auf der Suche ist er nach Spitzen wie Petrus, Latour, Mouton Rothschild, Lafite Rothschild, Romanée Conti oder Sassicaia. Aktuell fahndet Nicos nach Château Pavie, der zwar nicht im Weinolymp thront, aber wegen seiner Qualität auch sehr viele Liebhaber hat. Interessant für den Weinhändler sind zudem Großflaschen von Château Montrose aus den Jahrgängen 1982, 1989, 1990, 2003 sowie 2009 und 2010. An dieser detaillierten Suche sieht man bereits, wie speziell das Thema ist.

Nicos Hornivius stöbert durch hochwertige Weinsammlungen und Weinkeller, kauft aber auch einzelne Flaschen. Er ist seit 1996 mit seinem Unternehmen Francfort Tradehouse in Mörfelden-Waldorf zu Hause. Nicos sammelt selbst besondere Weine und ist nicht nur Händler, sondern auch Genießer. Genau das macht vielleicht den Unterschied.

Francfort Trade House, Jourdanallee 16,
Mörfelden-Walldorf, Tel. 06105 71073
info@fthouse.de

www.fthouse.de

 




Darf´s etwas mehr sein? Der Gault & Millau Deutschland 2021 und sein Nährwert

Anspruch frisst

Wirklichkeit auf

 

Der neue Gault & Millau Deutschland 2021 ist da und mit ihm machen sich wieder Ärger und Freude breit. Bei den Köchen und sicher auch beim Leser. Es ist mühsam, darüber zu debattieren, warum Klaus Erfort (Gästehaus Klaus Erfort in Saarbrücken) und Christian Jürgens (Überfahrt am Tegernsee) von 19,5 Punkte auf 19 Punkte herabgestuft wurden und damit den Küchenolymp verlassen mussten, während der allseits überbewertete Tim Raue so kritisch beschrieben wird, dass man eher 17 Punkte erwartet hätte.

Keine gute Idee ist es auch, die kleineren Auszeichnungen (13/14 Punkte) ganz verschwinden zu lassen, denn sie boten gerade den sonst gerne vernachlässigten Lokalen die Möglichkeit auf ihr Engagement aufmerksam zu machen. Nicht wenige Köche im Gault & Millau haben davon abgesehen so klein angefangen und sich dann hochgearbeitet. Und: Adressen, die früher 13 oder 14 Punkte erhalten hätten, bekommen jetzt gleich überzogene 15 Punkte und bringen so die Balance der einst vernünftig angelegten Struktur ins Taumeln.

Sprachlich merkwürdige Verzückungen

Im neuen Gault & Millau 2021, der erstmals bei Burda erscheint, sind nur halb so viele getestete Lokale aufgeführt wie zuvor. Die anderen werden lediglich kurz beschrieben, wobei man sich fragt, wieso an dieser Stelle Kommentare stehen, die einen Besuch suggerieren, aber wohl nur auf Informationen der Gastronomen oder älteren Tests beruhen. Welchen Mehr- oder Nährwert soll das haben? Welche Information für den Leser bedeutet die Begeisterung für große Weinkarten mit über 1000 Positionen, wenn nicht ein wenig genauer begründet, wird, warum diese so beeindruckend sein sollen. 50 handverlesene Weine können letztlich mehr Professionalität zeigen als 1000 wahllos ausgesuchte.

Das sind Scharmützel gegenüber der Kriegsbereitschaft, die der neue Chefredakteur des Gault & Millau, Christoph Wirtz, selbst ausgesprochen hat: Man wolle „deutlich journalistischer“ werden, meinte er mit Blick auf die vorangegangenen Jahre des Gault & Millau. Sind es Sätze wie „Und tanzen mit den Temperaturabstufungen aus lauwarmen Steinpilzen und dem kalten Sud Ringelreihen““, die Qualitätsjournalismus zeigen? Wollen wir wirklich von einem Tester oder gar Journalisten wissen, ob er eine „positive Verzückung auf die Lippen gezaubert bekam“? Ist es journalistisch, den Leser ständig mit den gleichen dröhnenden Begriffen zu überfüttern und immerfort „herrlich“, „fulminant“, „formidabel“, „süffig“ oder „hinreißend“ in die Welt zu schreien, oft mehrmals in nur einem einzigen Text? Viele Kritiken wirken trotz solcher Weckrufe gerade seltsam hohl und sprachlos, nicht wenige dilettantisch. So laienhaft kennt man das eher von Stadtblättern, wie dem Journal Frankfurt.

Geistloser Spuk

Der ständige Gebrauch von Ausrufezeichen verschafft den Restaurantkritikern keineswegs mehr Gehör und offenbart nur, dass sie solche verbalen Krücken brauchen, um sich bemerkbar zu machen und ihre von ihnen als bedeutsam empfundenen Sätze besser zu kennzeichnen. Wer hätte außerdem gedacht, dass es zu klassisch als Steigerung „ultraklassisch“ gibt. Oder meint der Autor vielleicht „altmodisch“? Dann sollte er einfach deutlich journalistisch werden. Auch beim ständigen Abfackeln von geschmacklichen „Feuerwerken“ gehen wir lieber in Deckung statt weiterzulesen. Man könnte mit diesen und noch weit mehr Beispielen ganz herrlich und ultraklassisch Ringelreihen tanzen.

Der Gault & Millau Deutschland von einst schaffte es in klaren präganten Beschreibungen ein Lokal und seine Küche zu charakterisieren. Jetzt gefällt man sich bevorzugt in bloßen Aufzählungen, von dem, was auf den Tisch kam und erfährt, dass der Tester mächtig viel gegessen hat. Den Gault & Millau Deutschland von einst kennzeichneten geistreiche Formulierungen, heiterer Wortwitz, feinsinnige Pointen und messerscharfe Kritiken. Diese lebendige Würze gepaart mit journalistischer Kompetenz und Glaubwürdigkeit waren überhaupt erst die Voraussetzungen für die Qualität und Existenzgrundlage dieses Gourmet Guides. Nein, früher war nicht alles besser, der Gault & Millau aber schon.

Ludwig Fienhold