Wein to go: Der Fass-Automat im Weinberg

Super süffige Idee von Winzern in Österreich

 

Immer mehr Winzer und Gemeinden in Österreich installieren originelle und gut temperierte Wein-Automaten für ein Picknick im Freien. Dies ist nicht nur eine Antwort auf die Schließung der Heurigen und anderer Gastronomiebetriebe, sondern soll auch weiter Bestand haben. Die Trinkbuden stehen in der Natur und an Plätzen, wo man sonst eher keinen Wein findet. Eine solch süffige Idee könnte man sich auch in Deutschland und seinen Weinregionen vorstellen.

Der Bio-Weinautomat der Familie Auer steht inmitten der Weinberge von Pfaffstätten, rund 30 Kilometer von Wien entfernt am beliebten Wanderweg, dem 1.  Wiener Wasserleitungsweg. Lukas und Mathias Auer haben ihre Idee vom Weinautomaten handwerklich gut umgesetzt und alles bedacht. Der Automat steht in einem Weinfass aus Holz, auf dem Dach wurden sechs Photovoltaikmodule aufgebaut, die den notwendigen Strom für den Automaten generieren. Im Inneren des Fasses befinden sich Batterien, welche mit der erzeugten Mehrenergie tagsüber aufgeladen werden und in der Nacht dann den Automaten mit dem notwendigen Strom versorgen. Somit ist der Bio-Weinautomat komplett autark. Er läuft zu Hundertprozent ökologisch, jede benötigte Energie wird direkt an Ort und Stelle produziert. Das Fass wurde auf einem Anhänger installiert und ist mobil.

Weinautomat im Weinberg

Auers´s Bio-Weine sind direkt am 1. Wiener Wasserleitungsweg zur Verkostung zu bekommen. Der Automat ist 24 Stunden, 7 Tage die Woche in Betrieb und enthält zu jeder Zeit gekühlte Weine, Gläser (kein Kunststoff) und andere Besonderheiten. Ausflügler können den Wein inmitten der Weinberge trinken und die Aussicht genießen –  an einem eigens hergerichteten Genuss-Platzerl auf selbstgebauten Paletten-Möbeln.

 

 

Photocredit: Weingut Auer




Deutschland versinkt im bürokratischen Corona-Sumpf

Kritisches Statement

vom Chef der Hoteldirektoren

Jürgen Gangl

 

Ein Jahr Corona und die Hotellerie findet nicht statt. Sie wird in möglichen Öffnungs-Überlegungen und Lockerungsplänen nicht einmal mehr erwähnt. Eine gesamte Branche wird von der Politik schlichtweg ignoriert. Wir werden „nach hinten verschoben“, „vertagt“, „folgen irgendwann“. Da stellt sich doch die Frage, ist das Vorsatz? Es ist erschütternd dabei zuzusehen, wie die Politik versucht, ihre Maßnahmen bestmöglich zu vermarkten und zu rechtfertigen, anstatt sich darauf zu konzentrieren, den Lockdown schnellstens abzuschaffen. Im Super-Wahljahr duckt sich das politische Berlin weg, und das auf Kosten der Bürger und ganzer Branchen, die mittlerweile nicht mehr nur am Rande der Existenz stehen.

Von allem zu wenig und alles viel zu spät

Immer wieder werden Lockerungen in Aussicht gestellt und Stufenpläne präsentiert, die kaum nachvollziehbar sind. Es wird gestritten und Schuld zugewiesen. Dabei liegen alle derzeit bekannten Mittel, die zur Bekämpfung der Pandemie notwendig sind, mittlerweile auf dem Tisch: Es gilt zu impfen, zu testen und Kontakte digital zu verfolgen. Doch in einem hochentwickelten Land wie Deutschland gibt es von allem zu wenig und alles viel zu spät: Es wurde zu wenig Impfstoff bestellt und der vorhandene dann auch noch schlechtgemacht. Schnelltests gibt es bereits seit dem vergangenen Sommer. Die wurden aber monatelang konsequent ignoriert. Nun werden sie als Wundermittel angepriesen, was sie bei Weitem nicht sind, und außerdem sind trotz vollmundiger Ankündigung kaum welche vorhanden. Ein Schnelltest, der laut Experten maximal sechs bis acht Stunden Gültigkeit besitzt, ist beim besten Willen keine Alternative zu einer Impfung. Dient vielleicht das Schnelltest-Desaster als PR-Maßnahme zur Ablenkung vom Impf-Debakel? Nicht zu vergessen auch die Millionen Euro für die Entwicklung einer Corona-App, die zur Verfolgung der Kontakte und damit zur Pandemiebekämpfung nicht wirklich viel beiträgt. Funktionierende digitale Systeme aus der Privatwirtschaft werden einfach – ich mag es kaum sagen – ignoriert. Dann wären da noch die Gesundheitsämter, die nach wie vor per Fax kommunizieren.

Politisches Versagen

Insgesamt versinkt Deutschland in einem bürokratischen Corona-Sumpf. Aber Bürokratie und Pandemie gehen einfach nicht Hand in Hand. Wer das für zu viel Politiker-Schelte hält, der sollte nicht übersehen, dass das immer offensichtlichere politische Versagen enorme, nicht wieder zu reparierende Negativ-Auswirkungen insbesondere auch auf die Hotellerie hat. Der wurde jüngst vom RKI hoch offiziell bestätigt, kein Pandemietreiber zu sein und über exzellente Hygienemaßnahmen und Sicherheitspläne zu verfügen. Die stringente Ignoranz gegenüber unserer Branche ist schon lange nicht mehr mit Inzidenzen, Wellen und Mutanten zu rechtfertigen. Vor einem Jahr kam die Pandemie aus heiterem Himmel als „höhere Gewalt“ über uns. Seitdem hatten wir Zeit, viel darüber zu lernen.

Mit der Geduld am Ende

Es ist uns allen klar, dass wir mit dem Virus leben müssen. Wir wissen auch, wie das ganz pragmatisch funktionieren kann. In den USA beispielsweise läuft derzeit eine Impfkampagne sondergleichen. Nachdem dort die Impfungen zu Beginn noch schleppend anliefen, wird nun im Rekordtempo geimpft. Zuletzt sind im Schnitt 2 Millionen Impfdosen am Tag verabreicht worden. Deutschland kommt auf etwas mehr als 200.000. Wenn die USA voraussichtlich im Mai durchgeimpft sind, sind wir schlimmstenfalls noch im Lockdown. Spätestens angesichts solcher Zahlen kann sich kein Politiker in Deutschland mehr aus der Verantwortung ziehen und die Situation weiter verschleppen. Wir haben ein Jahr lang alles mitgetragen, unsere Geduld kann nun wahrlich nicht mehr weiter strapaziert werden. Wir haben gelernt, mit Verantwortung umzugehen, unsere Politik bleibt uns da einiges schuldig.

 

Kolumnist Jan Fleischhauer in Focus Online

 Ich schalte den Fernseher aus, wenn Angela Merkel auftaucht. Ich ertrage es einfach nicht mehr: die tantenhafte Selbstzufriedenheit, mit der jede Nachfrage weggebügelt wird, die Nachlässigkeit in der Wortwahl, die ein fundamentales Desinteresse an den Folgen der eigenen Politik verrät. Wenn Angela Merkel in einem Nebensatz fallen lässt, dass man Schulen, Theater und Sportvereine öffnen werde „und eines Tages die Hotels“, ist das für Menschen, deren Existenz an so einem Hotel hängt, ein Satz, der sie um den Schlaf bringt. Eines Tages? Auf Focus Online kam eine Hotelbesitzerin zu Wort, die berichtete, dass sie von diesem Satz jetzt nachts träume.“

Photocredit: HDV Deutschland




Villa d´Este am Comer See: Schaukelnde Träume

Zwei Legenden am See

 

250 Jahre

Bootsmanufaktur Riva

 

Hotelgäste genießen exklusiven Einstieg

 

Zwei Ikonen – ein See: Gäste der Villa d ́Este, die vom eigenen Steg in See stechen, tun dies stilecht an Bord einer Riva. Das italienische Familienunternehmen ist Kult und liegt nur wenige Bootsminuten vom Luxushotel entfernt, seit jeder verbindet die beiden eine enge Partnerschaft. Cantiere Ernesto Riva, der Name ist Legende. Jetzt kann die Bootsmanufaktur auf  250 Jahre zurückblicken.

Gäste der Villa d’Este können die schnittigen Motorboote und Yachten privat buchen und die Produktionsstätte in Laglio besuchen, wo das heutige Familienoberhaupt Daniele Riva mehr über den Bootsbau am Comer See und prominente Riva-Fans verrät.

Bis heute legt das Familienunternehmen größten Wert auf edelste Materialien, elegantes Design und gewissenhafte Facharbeit. So stammt das verwendete Holz aus den verschiedenen Regionen Italiens, 25 Farbschichten sollen vollendete Optik schaffen. Highlight für die Gäste ist es eine Riva selbst zu erleben, direkt am Steg der Villa d’Este bei einer exklusiven Fahrt mit dem hauseigenen Boot.

Die zu den Leading Hotels of the World gehörende Villa d‘Este hat 152 Zimmer und Luxussuiten sowie vier edle Privatvillen und liegt direkt am Ufer des Comer Sees, der mit seiner beeindruckenden Landschaft als schönster See Italiens gilt und für viel Glamour steht. Das Anwesen beeindruckt nicht nur mit seiner außergewöhnlichen Atmosphäre und der unter Denkmalschutz stehenden Architektur, sondern auch mit seiner weitläufigen Parkanlage, dem berühmten Nymphäum mit seinen zahlreichen Brunnen- und Wasserspielen sowie dem auf dem See schwebenden Pool. Die Villa d ́Este liegt rund 40 Autominuten vom Flughafen Mailand-Malpensa entfernt. Das Hotel eröffnet wieder am 28. April 2021.

Photocredit: Villa d´Este




Gerbermühle: Legende kommt in neue Hände, Gekko übergibt an Bumb

Küchenchef

Jörg Ludwig  bleibt

 

Beliebtes Frankfurter Ausflugsziel

 

Die Gerbermühle wird künftig von der Binding Brauerei gepachtet und von Familie Hirsch betrieben. Als Besitzer der Liegenschaften bleiben die bisherigen Betreiber Micky Rosen und Alex Urseanu von der Gekko Group auch weiterhin mit der Gerbermühle verbunden. Die neuen Betreiber aus Sachsenhausen sind keine Unbekannten in der Frankfurter Gastro-Szene: Mit ihrem Bumb Junior Finest Cateringbringt Familie Hirsch knapp 30 Jahre Erfahrung in der Frankfurter Gastronomie mit. Sie will das Haus nach einem offiziellen Statement im Sinne der Eigentümer fortführen. Dazu zählt auch, dass alle Arbeitsplätze in Hotel und Restaurant erhalten bleiben.

Gerbermühle, Hotel-Lobby

Die Gekko Group reduziert damit ihr Portfolio und will sich weiter auf den Ausbau der Marken Roomers, Gekko House, Moriki und Chicago Williams konzentrieren. „Wir sind sehr froh, mit der Binding Brauerei als Pächter und mit der Familie Hirsch als Betreiber zwei sehr erfahrene und renommierte Partner als Nachfolger gefunden zu haben, die das Restaurant und das Hotel in unserem Sinne weiterführen werden“, kommentieren Micky Rosen und Alex Urseanu die Übergabe der Gerbermühle. „Mit dem Roomers ParkView am Grüneburgpark haben wir ein sehr spannendes Projekt in der Pipeline. Außerdem prüfen wir derzeit noch ein paar weitere Projekte.“

Die „Gekkos“ übernahmen die Gerbermühle im Jahr 2007 und bauten diese um und aus. Viele Frankfurter, welche die geschichtsvolle Gerbermühle nicht nur als Goethes Liebesnest schätzten, sondern den Bau gerne weiter im alten Zustand gesehen hätten, waren über die Entwicklung wenig erfreut. Trotz der Modernisierung ist die Gerbermühle eines der beliebtesten Ausflugsziele der Frankfurter geblieben. Die Lage am Main und der große Biergarten sind ein Garant dafür. Die Küche unter der Führung von Jörg Ludwig hat zum Erfolg beigetragen.

Photocredit: Gekko Group




Restaurant Trares: Christopher Crell geht, Thierry Felden & René Postel kommen

Gastronom ist

vom Lockdown genervt

und zieht nach Portugal

 

Gastronom Christopher Crell aus Frankfurt hat die Nase voll vom ewigen Lockdown in Deutschland und wandert nach Portugal aus. Sein Restaurant Trares im Nordend übernimmt am 1. März Thierry Felden, Küchenchef wird René Postel, der zuvor im Restaurant Frankfurter Botschaft gute Leistungen zeigte und unter anderem bei Alfred Friedrich in der Golden Kron mit am Herd stand. Thierry Felden ist in der Gastronomieszene sehr bekannt und hatte bis vor kurzem die Frankfurter Botschaft als Restaurantleiter geführt. Zu seinen Stationen gehörten außerdem Ernos Bistro, die Villa Merton und das Micro von Mario Lohninger.

René Postel

Als Christopher Crell im August 2015 sein Trares eröffnete, ging er voller Elan an den Start. Seit Corona ist alles anders. Crell, der stets die unverhältnismäßig restriktive Corona-Politik kritisierte, sah keine andere Möglichkeit mehr, als sein Lokal aufzugeben. Crell ist einer der wenigen in der Branche, der seine Meinung offensiv äußert und Haltung zeigt. Er sehe für sich keine Chance mehr in Deutschland, weil er den Lockdown weder psychisch noch wirtschaftlich überstehen könne. Zudem habe er weder für November noch Dezember die versprochenen staatlichen Hilfen bekommen. Und das bei ausbleibenden Einnahmen.

Christopher Crell

Christopher Crell (Bild oben) hatte schon immer ein Faible für Portugal, das Land, die Menschen, die Weine und das Essen. Bei vielen Reisen wurde aus Sympathie Liebe, jetzt ist die Zeit reif für einen Sprung in ein neues Leben. Crell hat ein kleines Stück Land gepachtet und will dort in einem Häuschen leben. Wie schon jetzt, möchte er weiter visuell mit seinen Küchen-Ideen präsent bleiben, ob auf Youtube, Instagram oder bei privaten Sendern. Christopher Crells Geschäftspartner, Christian Weber, nimmt sich erst einmal eine längere Auszeit.

Thierry Felden

Was wird sich am Restaurant Trares ändern? Wie Thierry Felden im Gespräch erklärte, will man die Terrasse noch etwas verschönern und den Innenhof beleben, der bei vielen gar nicht bekannt ist. Die Küche von René Postel wird in etwa so ausfallen, wie in der Frankfurter Botschaft, „eher noch einen Tick besser.“ Das ist ein Wort, denn dort waren die Küchenleistungen von Postel bereits sehr gut, wie unser letzter Besuch zeigte. Die Weinkarte im neuen Trares soll nach den Worten von Thierry Felden keinen Mainstream bieten und eher unbekannte Weingüter zu fairen Preisen auflisten. „In Südfrankreich habe ich ein paar sehr schöne Entdeckungen gemacht, die auch preislich interessant sind.“ Klar, dass Thierry Felden bei seiner Weinkarte einen französischen Akzent setzen möchte, er will aber auch lokale und regionale Erzeuger berücksichtigen. Mit dabei ist in jedem Fall Andreas Schneider mit seinen Apfelweinspezialitäten. Das neue Trares startet zunächst mit einem kleinen Team. Man ist bereits gut aufgestellt, aber für einen Koch wäre noch Platz. Thierry Felden will den Namen Trares behalten. Wer rätselt, was dieser bedeuten mag, bitteschön: Es ist der Name der Hausbesitzerin, der Christopher Crell zu besonderem Dank verpflichtet ist.

Ludwig & Barbara Fienhold  

 

Photocredit: Barbara Fienhold, privat




Masterpiece-Hotel für die Insel-Legende Capri

Restart einer Insel-Ikone

 

Zwei-Sterne-Koch will authentische Küche servieren 

 

Ab April 2022 soll ein neues Schmuckstück auf der Insel Capri glänzen: Die Oetker Collection und Reuben Brothers verwandeln Capris erstes, im Jahr 1822 erbautes Hotel in ein elegantes und exklusives Haus mit 50 Zimmern und Suiten. In unmittelbarer Nähe zur berühmten Piazzetta gelegen, umfasst das Hotelensemble ein Rooftop-Restaurant und eine Rooftop-Bar mit atemberaubendem Blick, einen eigenenBeachclub, ein neues Pool-Deck sowie ein Spa und High-Fashion Boutiquen. Das Hotel La Palma wird die neu gestaltete Inkarnation des ursprünglichen Hotels, das über so viele Jahre hinweg Zuhause namhafter Künstler, Dichter, Schriftsteller und Musiker aus aller Welt war. Nach der Wiedereröffnung soll es erneut zum Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens der Insel werden.

 

Capri, La Palma Hotel, Rooftop-Restaurant

Bei der Umgestaltung des 50-Zimmer- und Suiten-Hotels im pulsierenden Zentrum Capris wurde darauf geachtet, diese Ikone aus dem Jahr 1822 neu zu interpretieren und damit die Geschichte des ersten und ältesten Hotels der Insel zu würdigen. Getreu der Mission, an besonderen Orten besondere emotionale Verbindungen zu schaffen, soll das erste italienische Masterpiece Hotel der Oetker Collection das Lebensgefühl der Insel widerspiegeln. Das Hotel befindet sich im Besitz von Reuben Brothers und stellt den jüngsten Meilenstein ihrer europäischen Development-Aktivitäten dar.  Dazu gehört auch legendäre Nachtclub La Taverna Anema e Core, einer bei vielen Prominenten beliebter Hot-Spot der Insel, der ebenso Teil des Gebäudeensembles ist. Das Hotel La Palma bietet zwar ein gänzlich neues Pool-Deck samt Bar, doch der eigene Beach Club an der Südküste Capris ist auch nur eine kurze Autofahrt entfernt.

Während der Renovierung wird die Zimmeranzahl des Hotels reduziert, von 80 auf 50 Zimmer, darunter 18 Suiten, alle mit eigenem Balkon oder Terrasse. Im Herzen der Insel gelegen, ist das Hotel ein guter Ausgangspunkt für die Entdeckung der Sehenswürdigkeiten, etwa der nadelförmigen Felsenformationen Faraglioni oder des Augustusgartens,  selbst die berühmte Blaue Grotte ist schnell erreichbar. Für die Augen bietet Capri viel, aber auch für den Gaumen. Gennaro Esposito, der sich weit über die Grenzen von Kampanien mit seinem Zwei-Sterne Restaurant Torre del Saracino einen Namen gemacht hat, ist für die gastronomische Leitung von Gennaro’s Restaurant (Bar und Terrasse) verantwortlich. Inspiriert vom Purismus der Kochkunst Capris in den 50er Jahren, will er für eine unprätentiöse und authentische mediterrane Küche sorgen. Einen atemberaubenden Blick auf Capri und das Meer bietet das Rooftop-Restaurant & Bar Bianca, das bis spät in die Nacht geöffnet hat. Und jetzt bitte schon mal die Platte von Rudi Schuricke auflegen, „Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt“.

Frederic Boländer




Braucht es jetzt einen Michelin? Neue Sterne für Mainz

Nach dem Brand: Drei Sterne für temporaire Schwarzwaldstube in Baiersbronn

 

Klaus Erfort verliert

seinen dritten Stern

 

Die Restaurants haben geschlossen, der Guide Michelin 2021 öffnet seine Seiten. Überraschungen gab es nur ganz wenige. Die eigentliche Überraschung ist höchstens, dass es trotz der Lage überhaupt schon jetzt einen Michelin geben kann. Für Diskussionsstoff dürfte die Abwertung von Klaus Erfort aus Saarbrücken sorgen, der aus dem Olymp der Drei-Sterne-Köche verstoßen wurde und jetzt mit zwei Sternen auskommen muss.

Die Verleihung wurde digital aus einem Pariser Studio vorgenommen. Die Moderatorin Anette Burggraf, welche die ausgezeichneten Köche mit den immer gleichen banalen Fragen quälte, hätte es durch ihre peinliche Moderation fast geschafft, dass man schon gleich am liebsten davongelaufen wäre. Wir hielten durch und konnten eine mit Werbung gespickte Preisverleihung erleben, bei der Michelin-Chef Gwendal Poullennec die Preise virtuell überreichte. Der Michelin erscheint am 10. März.

Mainz holt kulinarisch stark auf: Tobias Schmitt, der erst vor kurzem vom Frankfurter Lafleur ins Favorite nach Mainz wechselte, kann sich jetzt mit einem Stern schmücken. Ebenso Philipp Stein von Steins Traube in Mainz-Finthen. Torsten Michel von der temporaire Schwaldwaldstube in Baiersbronn , dessen Bewertung wegen des Brandes in der ehemaligen Schwarzwaldstube ausgesetzt wurde, erhielt in diesem Jahr nun die drei Sterne zurück. Klaus Erfurt in Saarbrücken verliert seinen dritten Stern. Dem Frankfurter Tigerpalast wurde der Stern gestrichen. Hans Haas erhielt den neuen „Mentor Chef Award“.

Hannes Finkbeiner & Torsten Michel

Außerdem 17 neue Bib Gourmand-Adressen für gute Küche zu fairen Preisen. Insgesamt enthält der Guide 327 Häuser, in denen Gäste ein komplettes Drei-Gänge-Menü für maximal 39 Euro bekommen. Es wurden auch auffällig viele Bibs gestrichen, was wohl der wirtschaftlichen Schieflage vieler Lokale geschuldet ist. 

Viele würden jetzt sicher gerne in einige der ausgezeichneten Lokale gehen, werden aber durch falsche politische Entscheidungen daran gehindert.

 

Hier mit einem Klick alle neuen, alten und gestrichenen Michelin-Sterne aufrufen:

 

Neue Sterne und verlorene Sterne

 

Bib Gourmand

 

Photos: Screenshots aus der Live-Übertragung




Wird die Villa Kennedy eine Senioren-Residenz?

Frankfurt könnte wieder

ein Luxushotel verlieren

 

Könnte es sein, dass Frankfurt nach dem Verlust des Hessischen Hofs ein zweites Luxushotel verlieren wird? Die Villa Kennedy wurde verkauft, die weitere Nutzung hängt auch von der Entwicklung auf dem Hotelmarkt ab, der gerade alles andere als stabil ist. Es ist sogar denkbar, dass aus dem 5-Sterne-Hotel eine Senioren-Residenz werden könnte. Eine entsprechende Prüfung dieser Möglichkeit hat bereits stattgefunden. Auf der anderen Seite läuft der Mietvertrag mit dem Hotel noch viele Jahre.

Neuer Eigentümer des Hotels ist der ebenfalls in Frankfurt ansässige Immobilieninvestor Conren Land. Der Besitz wechselte, wie die Immobilien-Zeitung schreibt, für eine Summe im oberen zweistelligen Millionenbereich. Der Verkäufer der Villa Kennedy, das Immobilienunternehmen DIC  Asset AG in Frankfurt, reduziert damit weiter sein Hotelgeschäft.

Betreiber des Fünf-Sterne-Hotels, das mit knapp 20.000 Quadratmetern Mietfläche fast die gesamte Immobilie umfasst, ist die in London residierende Rocco Forte Gruppe, die ein Dutzend Luxushäuser in Europa führt. Der Bau des gesamten Ensembles der Villa Kennedy kostete 72 Millionen Euro. Das 2006 eröffnete Luxushotel hat 127 Zimmer und 36 Suiten. Historisches Herzstück der Anlage ist die denkmalgeschützte Villa Speyer, die 1901 für Eduard Beit von Speyer errichtet wurde.

 

Photocredit: Barbara Fienhold




Tragödie um Frankfurter Gastronomen: Sam Kamran ist tot

Trauer, Schmerz und Wut

 

Hätte dieser Tod verhindert werden können? Ist dies das erste prominente und tragische Opfer unter den Gastronomen? Seine Freunde konnten Sam Kamran nicht helfen und auch die Feuerwehr vermochte ihn nicht mehr zu retten. Sam Kamran (41) kam beim Brand seiner Wohnung in der Frankfurter Lindenstraße im Westend ums Leben.

Mittags, wenn die Sonne am höchsten stand, konnte man Sam Kamran stets in seinem Café Hauptwache sehen. Das ganze Jahr über, denn die Terrasse wurde auch im Winter beheizt. In seiner besten Zeit betrieb er sechs Lokale und eine Event-Location. Das Café Hauptwache und die naheliegende Party-Location Mantis Roofgarden waren das Herzstück, auch wirtschaftlich. In jungen Jahren übernahm er bereits das begehrte Café Hauptwache im Zentrum der Stadt, dessen Pachtvertrag jetzt nicht mehr verlängert wurde.

Obwohl Sam Kamran viel von sich in den sozialen Netzwerken preisgab, wussten die wenigstens etwas über ihn. Er fühlte sich als Weltbürger, war zu Teilen Iraner, Ägypter und Deutscher. Über seine Liebe zu Brasilien und Kalifornien erzählte er gerne. Weniger bekannt war sein Enthusiasmus für Literatur. „Ich denke gerne“, sagte er knapp dazu. Sam Kamran hatte ein Lachen so breit wie die Frankfurter Skyline. In den letzten Monaten verdunkelte sich sein Weltbild.

Natürlich haben einige Gastronomen nicht erst seit der Corona-Krise Probleme, auch bei Sam Kamran war dies so. Aber Corona wirkt wie ein Brennglas und vergrößert das Negative ins Ausweglose. Die Corona-Politik vermittelt Hoffnungslosigkeit. Wie muss es in Sam Kamran die letzten Tage und Stunden ausgesehen haben. Auf Instagram zeigte er sich nicht nur von seiner heiteren Seite, am Schluss war auch vom Tod die Rede. Wie immer auch die genauen Umstände des Todes von Sam Kamran ausgesehen haben, schon jetzt machen sich Trauer, Schmerz und Wut breit.

Ludwig Fienhold




Michelin Frankreich 2021: Kaum Zeit zum Essen, aber gleich 57 neue Sterne

Restaurant-Tests in Zeiten von Corona und Lockdown

 

Le Figaro wundert sich und spart nicht mit Kritik

 

Niemand geht essen, außer den Michelin-Inspektoren. Sie wollen sich und die Köche offenbar nicht als Hungerleider sehen, obwohl sie das wegen Corona faktisch sind. Der neue Guide Frankreich 2021 serviert gleich 54 neue Sterne-Adressen, zwei Zweisterner und mit Alexandre Mazzia und seinem AM in Marseille ein neues 3-Sterne-Restaurant (Gericht von ihm im Bild). Das allerdings hat wegen der Krise geschlossen.

Wer soll das verstehen?

Der Michelin macht Politik, widersprüchliche Politik. Ende November 2020 gab sich Gwendal Poullenec, Internationaler Direktor des Guide Michelin, noch als Tugendwächter: „Wir haben den New Yorker Guide verschoben, bis es eine Erholung gibt“, sagte er der New York Times. „Bewertungen sind nicht angemessen, wenn so viele Restaurants geschlossen sind.“[1] Da kannte er wohl schon die Bewertungen in Italien, Spanien oder Belgien, alles Länder, in denen Bewertungen wohl doch angemessen waren. Zur Erinnerung: In Italien gab es harte Lockdowns, landesweit und regional nach einem Ampelsystem. Die Restaurants mussten landesweit vom 10.3.2020 bis zum 18.5.2020 und dann wieder ab 18.10.2020 schließen. Regional gab es weitere Schließungen. In Spanien hingegen wurden die Restaurants vom  14.3.20 bis zum 3.5.20, je nach Region auch vom 4.5.20 – 30.9.20 dichtgemacht. Mehrere Gastronomen schlossen aus Vorsicht oder weil Mitglieder der Brigade erkrankten. Das war z.B. beim bekannten El Celler de Can Roca in Girona der Fall.[2]

Beim Figaro schwappt Kritik über

In Frankreich sieht es nicht anders aus: Die Restaurants schlossen vom 16. März bis 1. Juni und dann wieder ab 28. Oktober 2020, regional gab es schon zuvor abendliche Ausgangssperren, welche die Hoffnung auf geregelten Abendservice zunichtemachten. Etliche Drei-Sterne-Lokale öffneten ihre Türen nicht, darunter das Le Cinq im Pariser George V (Le Squer) oder das L’Arpège von Alain Passard, ebenfalls in Paris. Gagnaire renovierte und öffnete dann für ein paar Wochen. Nun werden sie nicht nur alle „aktuell bewertet“. Und was sagt Herr Poullennec dazu: „on a mis les bouchées doubles »[3]. Ein französisches Wortspiel, das für „schneller machen“ und „schneller essen“ stehen kann. Um die Lokale aktuell zu bewerten, haben die Inspektoren einfach schneller gefuttert. Ein Schelm, wer Schaum vor den Mund bekommt.

Die Website Food & Sens meinte, die Selektion 2021 sei „eine gute Nachricht für Guide Sammler.[4] „Le Figaro“ drückte es härter aus: „Es könnte Michelin peinlich sein, diese Ausgabe zu rechtfertigen, insbesondere wenn es darum geht, den Fortschritt der Ermittlungen dieser berühmten Inspektoren in den letzten zwölf Monaten zu beleuchten. Wie konnten sie Adressen… größtenteils testen (und nochmals testen)? Wie kann man unter solchen Bedingungen ein Haus integrieren oder abstufen? Die Undurchsichtigkeit der Methode, die Bedingungen der Inspektionen, der Verdacht auf Privilegien, kurz gesagt, die Sauciere mit Vorwürfen sollte auf die Tischdecke überschwappen.“[5]

Michelin-Tester werden zu Schnellessern

Der große Gewinner der kuriosen Selektion ist Alexandre Mazzia aus Marseille, der während der Pandemie mit drei Sternen ausgezeichnet wird. La Merise in Laubach und Hélène Darroze in Paris erhalten zwei Sterne. Doch es gibt auch Verlierer, deren Sterne die „schneller essenden“ Inspektoren einkassierten, darunter Le Châteaubriand in Paris, die beiden Ateliers de Robuchon in Paris sowie das ebenfalls früher doppelt besternte Robuchon-Lokal in Monaco, La Poule au Pot des bewährten Jean-Francois Piège – sie verlieren jeweils einen Stern.

Einige Köche hatten Konzeptänderungen angekündigt, die offenbar von den Schnellessern nicht gebilligt wurden: Rabanel in Arles, Saquana in Honfleur, Gill in Rouen, Le Grand Véfour in Paris, La Bastide de Capelongue. Damit wird die zwei Sterne-Klasse in Frankreich deutlich ausgedünnt. Ob die Michelin-Abtrünnigen, die ihre Restaurants in der Pandemie neu ausrichten, über den richtigen Riecher verfügten oder im Gegenteil auf die legendären Umsatzzuwächse, die angeblich mit den Sternen einhergehen verzichten, zeigt sich bei der nächsten Jahresbilanz.

Der Michelin France scheint in einem Parallel-Universum zu leben, in dem es weder Pandemie, noch Entlassungen von Mitarbeitern in Küche und Service gibt. Vielleicht ist den Inspektoren das schnelle Essen doch nicht gut bekommen.

Sandra Dubonnet

 

Die neuen Sterne Michelin 2021 mit einem Klick

 

Gewinner & Verlierer Michelin 2021 mit einem Klick

 

Photocredit: AM Marseille, Gericht von Alexandre Mazzia

 

[1] https://www.nytimes.com/2020/11/24/dining/zagat-michelin-coronavirus.html

[2] https://www.foodandwinegazette.com/15868

[3] https://www.ouest-france.fr/economie/hotellerie-restauration/malgre-le-covid-19-michelin-va-reveler-son-palmares-7121691

https://www.lhotellerie-restauration.fr/journal/restauration/2020-05/guide-michelin-2021-les-restaurants-seront-evalues-quand-ils-seront-prets.htm

 

[4] https://foodandsens.com/f-and-s-live/le-palmares-du-guide-michelin-2021-sera-presente-le-18-janvier-prochain-lors-dune-ceremonie-uniquement-diffusee-en-ligne/

[5] https://www.lefigaro.fr/vox/medias/emmanuel-rubin-le-guide-michelin-devait-il-decerner-des-etoiles-cette-annee-20210115