Küchenwechsel im Goldmund: Daniel Schönberger hat das Restaurant verlassen

Wieder ein Talent

weniger in Frankfurt

 

Immer mehr Köche

suchen die Sicherheit

 

Küchenchef Daniel Schönberger hat das Restaurant Goldmund im Frankfurter Literaturhaus verlassen. Das ist keine läppische Personalie, sondern ein Verlust, denn dieses Talent geht damit leider auch der Gastronomie und anspruchsvollen Gästen verloren. An seine Stelle rückt im Februar Ralf Groß, der bislang unbeschrieben blieb. Das Restaurant Goldmund ist eines der schönsten Restaurants in Frankfurt und war bis letztes Jahr auch eines der besten.

Daniel Schönberger

Schönberger kam 2019 ins Goldmund, das bis dahin kulinarisch nicht weiter aufgefallen war. Durch den Lockdown blieb ihm nicht viel Zeit, doch die nutzte er, um sein Können zu zeigen und verfeinerte klassische Gerichte über den Pass zu schicken, die in Frankfurt in dieser Qualität selten vorkamen. Wir erinnern uns noch gerne an den zarten Schweinebauch mit krosser Kruste, nebst Flusskrebsen, Artischocken, Rettich, Estragoncreme und aromatischen Oberräder Tomaten. Kein Gramm zu viel, keine Penetranz der Aromen, einfach nur Finesse. Großartig war auch der zarte und perfekt rosa gebratene Kalbstafelspitz in seidiger und ausdrucksvoller Jus mit Kohlrabi, Bohnen-Cassoulet, Holunderbeeren und luftgetrocknetem Schinken. Beim Wildfang-Kabeljau mit Pfahlmuscheln erlebte man nicht nur einen Star auf dem Teller, sondern gleichberechtigte Partner unter allen Komponenten, die sich zu einem ganzen Großen zusammenfügten: Geschmeidiges und gekräutertes Perlgraupen-Risotto, geschmorte Paprika und einen wunderbaren Safran-Fischsud

Goldmund im Literaturhaus, Schöne Aussicht 2

Schönberger war davor unter anderem Souschef im Kempinski in Gravenbruch und beim seligen und doch unvergessenen Restaurant Hessler in Maintal sowie Küchenchef bei Döpfners in Frankfurt, betrieb mit dem Jacobs in Dreieich sein eigenes Lokal und führte die Küche bei Star Clipper Segelschiffen und von Aida Cruises.

Daniel Schönberger arbeitet jetzt bei Lufthansa Taste & More (Betriebsgastronomie) und möchte nur noch für seine Familie kochen. Die Situation in der Gastronomie und vor allem der Personalmangel waren für ihn nicht mehr tragbar. Auch der frühere Goldmund-Mitinhaber Martin Peters und seine Frau sind  nicht mehr im Goldmund tätig. Und noch etwas: Die Bewertung von „Falstaff“ auf der Restaurant-Webseite steht für die bisherigen Küchenleistungen von Daniel Schönberger. Auf dieses Niveau muss die neue Küchencrew erst einmal wieder kommen.

Ludwig Fienhold

Photocredit: Barbara Fienhold




Eröffnung Royal Atlantis Dubai: Hotel fliegt Beyoncé für 24 Mio Dollar ein 

Neues Luxus-Resort

mit acht Restaurants

 

Der Superlativ ist in Dubai zu Hause. Am Wochenende wurde das Hotel Royal Atlantis pompös eröffnet, als „ultraluxuriösestes“ Resort der Welt. Ganz unbescheiden auch die Gage von Beyoncé, die für 24 Millionen Dollar eingeflogen wurde. Scheichs drum. Es sorgten außerdem viele bekannte Köche für ein Festmenü, das mit blauem Hummer, Wagyu Bresaola und einer tonnenschweren Torte für Aufsehen sorgte.

Das architektonisch schräge Hotel beherbergt 795 Zimmer und Suiten, die sich über 43 Stockwerke in die Höhe ziehen. Die Gäste haben unter acht Restaurants von Celebrity-Köchen die Wahl. Neben dem allgegenwärtigen Nobu Matsuhisa sind dies José Andrés, Costas Spiliadis, Mich Turner, Gastón Acurio sowie die für ihre Couture-Torten bekannte Ariana Bundy. Die Gäste des Grand Reveal Weekend waren die ersten, die das vielseitige kulinarische Angebot erleben konnten, bevor Atlantis The Royal im Februar offiziell eröffnet. Das speziell zusammengestellte Feast of Dreams-Menü bot Kulinarisches aus aller Welt, darunter blauen Hummer aus dem peruanischen Restaurant La Mar, Pizza mit Wagyu Bresaola nach sizilianischer Art.

Gastón Acurio, Nobu Matsuhisa, Mich Turner, Costas Spiliadis, Ariana Bundy, José Andrés

Zum Abschluss des Abends gab es eine Auswahl an Desserts von The Little Venice Cake Company, die Mich Turner gehört, einem Konditor und Bäcker, der Süßes und Brote für Königshäuser und Stars herstellt. Die Auswahl umfasste eine Himbeer- und Rosen-Buttercremetorte, Karamell-Mürbegebäck sowie einen riesigen Celebration Cake, mit einem Gewicht von einer Tonne, 1,50 Metern Höhe und 1,50 Metern Breite. Die üppige Torte bestand aus sieben Schichten und war mit 25 handgefertigten Zuckervögeln und 80 handgemalten Schmetterlingen verziert, für deren Herstellung sieben Konditoren sechs Tage benötigten. Aufgetischt wurde das monumentale Zuckerstück 1.200 Gästen.

Photocredit: Kevin Mazur und Jeff Spicer, Getty Images, für Atlantis The Royal

 




Aldi Weine im Test: Zurück bleibt ein fader Geschmack

Was ist nur mit den

Wein-Kritikern los?

 

Beim Essen kann Aldi überraschen, sei es bei den Croissants oder sogar mit dem Ofen-Lachs. Wie unsere Testbesuche immer wieder zeigen, bleibt die Weinabteilung eine Schwachstelle. Darüber können auch nicht die immerhin noch akzeptablen Flaschen von Fritz Keller oder Perrin (z.B. Rosé La Ferme Julien) hinwegtäuschen.

Dass in der Weihnachtszeit und weiter in den Winter hinein noch leichte Sommerware verkauft werden soll, wirkt nicht allein anachronistisch, sondern auch nachlässig und somit wenig vertrauenswürdig. Ein „Summer Season“ feinherb aus Rheinhessen gehört zeitig ausgemustert. Oder zeitig bei einer Betriebsfeier eingesetzt.

Weine von Aldi

Natürlich darf Aldi im Regal die Sonne scheinen lassen so lange er will, vielleicht kann sich noch jemand für die vergessenen Sommer-Weine erwärmen. Dunkle Wolken ziehen allerdings bei anderen Flaschen auf, die wegen mangelnder Qualität zu keiner Jahreszeit passen. Gerade Spanien bietet so viel Gutes, dass es schon eine Kunststück ist, hierbei in die Tonne zu greifen. Der Marques de Montejos 2020 aus Castilla Y Leon (Rebsorte Mencia, Preis: 5,99 €) ist ein müder plumper Klops, dick, breit, laut und ohne jegliche Finesse. Im Mund hinterlässt er nichts als einen stumpfen Geschmack. Die Flasche wirbt mit zwei Aufklebern: James Suckling 91 Points, Guia Penin 90 Punkte. Wie so etwas zustande kommt, bleibt rätselhaft, wirft aber kein gutes Licht auf den spanischen Weinführer und den englischen Journalisten. Wodurch haben sie sich in die Irre führen lassen? Diese Diskrepanz verlässt jedenfalls den Boden einer etwa unter Geschmacksache subsumierten Fehleinschätzung.

Es gibt Flaschen bei Aldi, die zumindest von der Anmutung her nicht Minderwertig wirken. Das Etikett vom Grauburgunder von Josef Müller  (4,49 €) beispielsweise. Das Wappen signalisiert Tradition, der Hinweis auf ein über 300 Jahre altes Familienweingut schafft ein gewisses Vertrauen. Die Bezeichnung „Bio-Wein und „vegan“ ist einem vermuteten Trend geschuldet, sagt aber nichts über die Qualität aus.

Geschmacklich zeigt sich der Wein flau und disharmonisch. Er wirkt wie ein Cocktail aus Banane und Klebstoff. Auf einem Schützenfest im Sommer mit viel Eiswürfeln merkt es vielleicht niemand, aber der Wein hat einfach keine Qualität und macht selbst für diesen gering erscheinenden Preis keine Freude. Für zwei Euro mehr bieten viele Winzer in Deutschland weit solidere Weine an.

Ludwig Fienhold

 

Siehe auch diese Wein Tests von BISS bei Aldi:

 

https://www.fienholdbiss.de/aktuelles/aldi-weine-im-test-kylie-minogue-suess-sauer/

 

https://www.fienholdbiss.de/aktuelles/wein-quiz-wer-wird-millionar-aldi-jauch/

 

https://www.fienholdbiss.de/aktuelles/aldi-weine-grauen-oder-genuss/




Wenn die Pasta Trauer trägt: Das Ristorante Fabbri-ca macht zu

Frankfurt verliert

einen seiner Top-Italiener

 

Letzte Gelegenheit

für einen Besuch

 

Eines der besten italienischen Lokale, das Fabbri-ca im Frankfurter Westend, wird Mitte März schließen. Inhaber und Küchenchef Luigi Fabbri wird 70 und will jetzt keine Gäste mehr, sondern nur noch Ruhe einkehren lassen. Sechs Jahre sorgte das Wohnzimmerlokal in der Westendstraße für allerbeste italienische Küche. Jetzt gibt es die letzte Gelegenheit für einen Besuch.

Kotelett

Die hausgemachte Pasta ist fabelhaft, selbst die von uns gerne vernachlässigte Lassagne schmeckt köstlich. Das Risotto marinada bringt eine frische Meeresbrise und schön durchgezogenes Garnelenaroma auf den Teller. Die mit Muskatkürbis gefüllten Cappellacci fallen wunderbar schlotzig aus. Umwerfend gut ist obendrein das Iberico Kotelett. Ein solch saftig-zartes, kräuterwürziges Kotelette mit röschen Bratkartoffeln hat Seltenheitswert. Fast alle Gerichte im Fabbri-ca sind Highlights und bei den Gästen so beliebt, dass die Küche bis heute immer viele der Hausklassiker bereithält. Ein Must-have ist auch die wunderbare gekühlte Creme aus gerösteten Pistazien, die sogar Dessert-Verweigerer begeistern sollte.

Luigi Fabbri besinnt sich auf die Kernkompetenz der italienischen Küche. Gute Produkte, sensibel zubereitet und temperamentvoll gewürzt. Basta. Auf der handgeschriebenen Tafel werden kaum mehr als zehn Gerichte angeboten. Nur weil das Lokal im feinen Westend liegt, wird es von manchen als „teuer“ begutachtet. Nein, das Fabbri-ca ist nicht teuer und gemessen an der Qualität jeden Cent wert

Die moderate Preispolitik setzt sich bei der Weinkarte fort. Es gibt nicht allzu viel aber man wird ausreichend Gutes und Überraschendes erleben. Der Prosecco von Daldin ist immer gut für einen Einstieg, begleitet aber auch sehr stimmig und belebend ein ganzes mediterranes Menü. Beim exzellenten Costaripa vom Gardasee spürt man den Winterblues vertreibende Düfte von Zitronenmelisse und Kräutern. Zum sympathischem Preis kann man sich auch über eine Flasche vom erstaunlich guten, schlanken, saftigen und trinklustigen Verdecchio Quota 311 von Piersanti aus der Region Marken freuen. Und es gibt sogar einen schönen Lambrusco, der sich längst von seinem einstigen mäßigen Ruf befreien konnte.

Luigi Fabbri und Genny Guadalupi führen das Lokal mit persönlicher Hand und ohne jegliche Effekthascherei. Die kleine Terrasse werden die Gäste leider nicht noch einmal erleben können.

Ludwig Fienhold

 

Fabbri-ca, Frankfurt, Westendstr. 73, Tel. (069) 677 779 44

www.fabbri-ca-ristorante.de

 




Noma in Kopenhagen: Umstritten, berühmt und bald geschlossen

René Redzepi will nur noch ein Lebensmittellabor haben

 

René Redzepi verkündet nicht nur das Aus für sein Drei-Sterne-Restaurant Noma in Kopenhagen. Er sieht auch die Spitzenküche an einem Bruchpunkt, der nach Veränderung ruft. Eine Küche auf allerhöchstem Niveau mit zermürbendem Arbeitseinsatz würde nicht mehr funktionieren und rechne sich nicht, man müsste Menüpreise von 500 € vom Gast verlangen. Der 45 Jahre alte dänisch-mazedonische Koch will Ende nächsten Jahres den Restaurantbetrieb einstellen und fortan nur noch ein Lebensmittellabor führen, das neue Gerichte und Produkte für seinen  E-Commerce-Betrieb Noma Projects entwickelt. Er sieht seine Rolle künftig eher als Chief Creative Officer und weniger als Koch. Redzepi verkündet das auf seiner Seite und in der New York Times.

René Redzepi erregte weniger Aufsehen durch seine Kochkünste und fiel mehr wegen seines andersartigen Konzepts auf. Er setzte nicht auf Luxusprodukte aus Frankreich oder Italien, sondern auf heimische Naturalien. Aktuell wird gegrilltes Rentierherz auf einem Bett aus frischem Kiefernholz und Safraneis in einer Bienenwachsschale serviert.

Seit dem Start von Noma vor zwanzig Jahren mögen sich viele an extravagante Details erinnern, den in der Holzschatulle servierten Käfer oder Ameisen auf Crème fraîche. Das klingt nach „Dschungelcamp“ generiert aber regelmäßig Schlagzeilen.

Es fragt niemand, ob das alles den Gästen Spaß macht, aber auch den Mitarbeitern ist dieser oft genug vergangen. 16 Stunden Arbeitspensum zählten in der Hochzeit des Lokals zur Normalität. In der Küche durfte auch nur stumm gearbeitet werden, Heiterkeitsbekundungen wurden untersagt.

LF

Photocredit: reneredzepinoma




Neue Gastronomie im Frankfurter Humperdinck-Haus

Das Restaurant Aureus von Christian Senff zieht um

 

Die noble Adresse im Westend erlebte Tops & Flops

 

Das Restaurant im noblen Haus im Frankfurter Westend stand zwei Jahre leer, jetzt will Mitte Februar Christian Senff mit seinem Aureus vom Kettenhofweg in den Grüneburgweg umziehen. Die Adresse ist adrett, hat aber auch einige Schwachstellen.

Das Haus im Grüneburgweg 95, in dem der Struwwelpeter-Schöpfer Heinrich Hoffmann und der Komponist Engelbert Humperdinck wohnten, liegt zwischen Grünburgpark und der Feldbergstraße, die mit ihren zahlreichen Lokalen und Galerien ein beliebtes Ausgehrevier ist. So richtig glücklich wurden im Humperdinck-Haus aber die wenigsten Gastronomen. An gleicher Stelle war zuletzt das Crazy Kraken beheimatet, das nach nur einem Jahr Insolvenz anmelden musste. Der Betreiber Christian Mook machte dafür nicht den lächerlichen Namen oder das kuriose Ambiente verantwortlich, sondern gab den mangelnden Parkplätzen die Schuld, die durch Fahrradabstellplätze und Poller noch rarer wurden. Davor betrieb Mook dort das Lokal Surf ´n Turf, das nicht weiter der Rede wert ist.

Hochwertige Gastronomie gab es an der Stelle aber in den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts. Edmund Teusch und Willi Tetz etablierten dort mit dem Humperdinck eines der besten Restaurants von Frankfurt und legten den Grundstein für das kulinarische Humperdinck-Haus. Die beiden kamen aus Berlins erstem Zwei-Sterne-Restaurant Maitre von Henry Levy. Fast zehn Jahre sorgten Tetz und Teusch für Topleistungen, wobei es nur Weine aus Frankreich und Deutschland gab (250 Positionen), was heute trendig wäre, damals aber außergewöhnlich anmutete. Küchenchef Willi Tetz starb als junges Talent im Frühjahr 1992. Sein Nachfolger Michael Grasel konnte mit der Qualität durchaus mithalten, doch den Betreiber Edmund Teusch zwang letztendlich die hohe Miete zur Aufgabe, wobei die schöne Terrasse nicht genutzt werden durfte.

1996 übernahm Alfred Friedrich (links im Bild) das Humperdinck und machte daraus Frankfurts bestes Restaurant, während der Brückenkeller, in dem er zuvor fünf Jahre Küchenchef war, auf Talfahrt ging. Alfred Friedrich übertraf alle Erwartungen und lief im Humperdinck zur Hochform auf, so feinsinnig und furios kochten nur wenige. Stardirigent James Levine und Künstler der New Yorker „Met“ waren so begeistert, dass sie während eines Gastspiels in Frankfurt gleich dreimal hintereinander reservierten. Ein Highlight jagte das andere. Kalbsbriesravioli mit weißen Trüffeln, von gerösteten Haselnüssen überkrustete Gänsestopfleber mit Feigenconfit, geschmorter Tafelspitz und Tafelspitzsülze mit Liebstöckelmousse. Gewürzt mit den Tränen der Freude eines Gastes.

Ludwig Fienhold




Sekt: Feuerwerk der Perlen

Top Lagen-Riesling von Barth

Der Schützenhaus Sekt

ist ein Volltreffer

 

Deutscher Sekt war Jahrzehnte lang meist ein blubbernder Ballermann mit Lizenz zum Sodbrennen. Das hat sich inzwischen gründlich geändert. Noch nie zuvor gab es so viele gute schäumende Weine wie jetzt bei uns. Das Wein- und Sektgut Barth in Hattenheim im Rheingau gehört zu den Pionieren des deutschen Sektwunders. Seit über 30 Jahren wird dort Sekt erzeugt.

Christine & Mark Barth

Vor über fünf Jahren übernahm Mark Barth das Weingut von seinen Schwiegereltern, wobei seine Leidenschaft dem Sekt gilt. Für ihn „die feinste Form der Erfrischung.“ Engagiert in Angriff genommen wurde der Gedanke des Lagensekts. Die Trauben dafür stammen eben nicht irgendwoher, sondern aus den Spitzenlagen des Weinguts, dem Hattenheimer Hassel und dem Hattenheimer Schützenhaus. Rebsorte und Herkunft könne man so noch besser darstellen, meint Barth. „Sekt muss Charakter zeigen, was man gerade mit Riesling besonders gut herausarbeiten kann.“ Seit 2007 gibt es jedes Jahr diese besonderen handwerklichen Sekte, „die auch tolle Essensbegleiter sind, gerade zu asiatischen Gerichten.“ Beim High End Erzeugnis „Lagensekt“ spielt man mit 39 € und 69 € preislich in der Champagnerliga. „Ein Spitzensekt entsteht nur aus einem Spitzenwein“, weiß Barth. Seine Erzeugnisse schmecken entsprechend weinig und schlagen nicht bloß Blasen. Mark Barth selbstbewusst: „Früher wurde bei besonderen Anlässen Champagner getrunken, heute kann es auch ein hervorragender Sekt sein.“ Bei vielen guten Adressen in der Gastronomie weiß man das, im Kronenschlösschen und dem Krug in Hattenheim im Rheingau oder der Ente in Wiesbaden sind Barth-Sekte gelistet.

Schützenhaus Riesling Brut Nature 2016

Der Riesling Schützenhaus ist ein Volltreffer. Jede feine Perle scheint in eine Cremekapsel gehüllt, doch hinter dieser zarten Seite steckt auch ein straffer frischer Rieslingcharakter. Kein blumiger Kitsch, keine penetrante Frucht, mit nur 2,50 g/l Restsüße ausgesprochen trocken. Auch der Duft von frischem Brot rückt diesen Sekt mehr auf die Champagnerebene, wenngleich der Rheingau als Herkunft stets spürbar bleibt. Animierend ist auch diese leichte quicke Salzigkeit im Nachhall, die Lust aufs nächste Glas macht. Der Schützenhaus-Riesling „Erste Lage“ gehört zu den wenigen Lagensekten, die es in Deutschland gibt. Die Grundweine stammt aus den Plateau-Parzellen dieser Lage und werden im großen Holzfass ausgebaut. Der in traditioneller Flaschengärung erzeugte Sekt liegt 60 Monate auf der Hefe bis er handgerüttelt und degorgiert wird. Preis: 39 €.

 

 

Ultra  Brut Pinot Brut Nature 2015

Mit 72 Monaten liegt dieser Sekt grundsätzlich ungewöhnlich lange auf der Hefe, aber auch so lange wie kein anderer Sekt von Barth. Der Grundwein ist ein Blanc de Noir aus Spätburgunder, Jahrgang 2015. Aromen: Apfel, schwarze Johannisbeere, ein Hauch Holunder. Ein Kraftpaket mit Frische. Cremig, dezente Würze, feine und langanhaltende Perlage. Preis: 35 €.

 

 

 

Pinot Noir Brut Rotsekt

Dieser Pinot ist ein Freigeist, ein freier Flaschengeist, der sich recht ungezügelt in alle Richtungen entwickelt, dabei aber die Balance hält und Haltung bewahrt. Wir haben es nicht mit einem Rosé zu tun, sondern mit einem Rotsekt, den man nicht oft in Deutschland erlebt. Man hat viel Wein im Glas, erlebt deutlich den würzig-delikaten Spätburgunder. Barth lässt ihn drei vier Tage auf der Maische gären, wodurch er viel Farbe und Beerenaroma extrahiert. Die Kirsche spielt sich aromatisch in den Vordergrund und wird durch zarten Veilchenduft etwas runder gemacht. Dennoch ist der Pinot Noir Brut ein auch ein herber Charakter mit leichter Bitterkräuternote. Kein Schmeichler, etwas grobe Perlen und ein ganz kurzer Abgang ohne Nachhall. Alles in allem sehr fleischig, was ihn für Fleischgerichte tauglich macht. Auch dieser Sekt braucht Luft, besser mindestens 15 Minuten vor dem Genuss öffnen. Preis: 27 €.

Ludwig Fienhold

Wein & Sekthaus Barth, Hattenheim im Rheingau, Bergweg 20, Tel. 06723 4375. www.weingut-barth.de

Photocredit: Weingut Barth




Champagner-Kapseln als Sammelobjekt

Placomusophilie ist keine

neue Krankheit,

sondern Trophäenjagd

 

Man sieht sie bei Champagnerproben herumschleichen und zunächst nur zögerlich nippen, denn sie haben noch etwas anderes im Blick, das sie neben Geschmackseindrücken mitnehmen möchten: Die „Plaque de Muselet“, jene Kapseln, die auf dem Korken wie Krönchen sitzen. Oft sind sie kleine Kunstwerke und deshalb auch längst zu begehrten Sammelobjekten geworden. Die Placomusophilie ist keine neue Krankheit, sondern der Begriff für genau diese besondere Sammelleidenschaft.

Meist werden sie nur „capsule“ oder „muselets“ genannt  und gehören in Frankreich zu begehrten Trophäen – bei einigen nur mit selbstgetrunkenen Flaschen, bei den meisten jedoch mit allem, was sie bekommen können. Die bunten Metallplättchen haben vor allem in Frankreich, aber auch Italien und Spanien einen Hype ausgelöst, der nun mehr und mehr in Deutschland zu erleben ist. Manche Champagnerkellereien informieren auf ihren Webseiten eigens die Sammler mit Daten, etwa Brunot in Dizy unweit von Epernay. Man weiß, dass die Champagnerhütchen letztlich auch Werbung sind, je ansehnlicher sie ausfallen, desto mehr machen sie die Runde.

Die Metallkapseln zwischen Agraffe und Korken dienen aber nicht nur als Zierde oder Marketingutensil, sie sind auch nützlich. Als Urheber gilt Adolphe Jacquesson, der 1844 Muselet und Agraffe/Drahtkorb verwendete, um die Champagnerflasche richtig dicht zu verschließen. Verzierte Metallkapseln setzte allerdings erst das Champagnerhaus Pol Roger 1906 ein und zeigte damit, wie man ein Luxusprodukt auch stilvoller und individueller gestalten konnte. Mit etwas Glück lässt sich die Placomusophilie auch in bare Münze umsetzen, ein Korkendeckelchen von Pol Roger aus dem Jahrgang 1923 wurde bereits vor vielen Jahren auf einen Wert von über 3.000 € geschätzt.

Manche sammeln diese Objekte nur, andere setzen sie hübsch eingerahmt in Szene oder legen damit ganze Tische aus. Dux-Design (0175 24 37 394) macht daraus sogar individuelle Handtaschenhalter, jene Haken, mit denen man Handtaschen, Einkaufstüten und anderes mehr an den Tisch hängen kann, damit sie nicht am Boden herumliegen müssen. Das sieht nicht nur hübscher aus, sondern schützt auch besser vor Diebstahl.

Ludwig Fienhold

Champagner-Handtaschenhalter

TH-Kollektion ChampagnerDer beste Freund der Frau mag Champagner sein, doch der schönste und nützlichste ist ein Handtaschenhalter im Champagner-Look von Dux Design. Dort gibt es verschiedene Einzelstücke, bei denen die unterschiedlichsten Champagner-Kapseln zu besonders individuellen Schmuckstücken verarbeitet werden (35-40 €).

Dux Design Tel. 0175 24 37 394.

 




Champagner: Entdeckungen & Newcomer

Die Edelperlen des Jahres

 

Als Perlentaucher konnten wir in diesem Jahr viel Neues, Spannendes und Aufregendes entdecken. Wir haben davon eine kleine feine Auswahl mit unseren ganz persönlichen Favoriten getroffen. Es sind nicht die allseits bekannten Namen, sondern unbekannte Größen und Newcomer.

De Watère

 

De Watere Champagner

Die drei Sorten von diesem noch jungen Champagnerhaus sind alle erstklassig (59-145 €) Der Rosé war lange ausverkauft, jetzt konnten wir auch diesen verkosten und sind ebenso begeistert wie von den beiden weißen Brüdern. De Watère in Avenay-Val-d’Or ist mit elf Jahren noch jung, die Rebstöcke mit über 50 Jahren aber ausreichend alt. Die Basis für diesen handwerklichen Spitzenchampagner: Reifezeit von bis zu acht Jahren. Nur Trauben aus eigenem Anbau, Premier-Cru Lagen im Vallée de la Marne in der Champagne. Das Ergebnis: Feinschliff, geschmackliche Präzision, in sich ruhende Harmonie.

Prestige Brut Rosé de Saignée

Ein famoser Saignée, ausschließlich sortenrein aus Pinot Noir rot gekeltert, was ihm mehr Tiefe, Saft und Expressivität verleiht. Eine aufwendige und kostspieligere Methode, bei der man sein Handwerk beherrschen muss.  Der Champagner erscheint dunkel wie ein Samtvorhang auf großer Bühne, kein plärrendes Pink. Feinste Perlage, seidige Struktur, wölkchenzart, duftig. Viel Walderdbeere und Himbeere, ein wenig ploppt Johannisbeere auf, Finale mit einem Dash Holunder.

Prestige Brut Blanc 

Feinste Perlage, dicht und lange anhaltend. Ungemein feinduftig, Harmonie in Reinkultur, balanciert wie ein Seiltänzer. Zartcremig und geschmeidig, dabei so animierend, dass man ihn in größeren Schlucken trinkt. Nichts tönt laut, die Aromen fließen gebirgsquellfrisch ineinander. Ein wenig Apfelfrucht, etwas Gebäck, ein Hauch von Apfelbeignets, ein Anflug von Mandelcreme. Mehr Chopin als Beethoven. 80% Pinot Noir, 20% Chardonnay.

Ten 21

Ein schöner Duft von Bäckerei und Brioche, ein Hauch Hefe. Florale Frische, Orangenzeste, Zitrus, Wiesenblumen, Crème brûlée. Zum Reinbeißen. Ausgesprochen harmonisch, sehr rund und weich, Säure ist nicht spürbar. Ein vitaler, reintöniger Champagner mit Charakter und Finesse. Ten steht für das Gründungsjahr, 21 für den Jahrgang. 50% Pinot Noir, 50% Chardonnay.

 

Valentin Leflaive 15/40

Der Burgunder-Winzer Olivier Leflaive erzeugt unter den Namen  Valentin Leflaive auch Champagner, bislang sind ein Dutzend verschiedener Sorten zu bekommen. Besonders gut gefällt uns der straighte und feinsinnige 15/40, ein Grand Cru, Extra Brut, Blanc de Blancs, aus Avize/Oger. Angenehm niedrige Dosage von 4,0 g. bei 12,5% Alkohol. Straff, präzise wie ein Laserstrahl. Entspannt und ausgeglichen wie ein Zen-Meister. Mineralisch im besten Sinne, ein Terroir-Champagner. Sehr trocken, aber nicht bösartig kalkig. Geschmeidig, elegant, hochfein. Keine Hefe, keine Brioche, keine Butter, keine barocke Perlage. Aber richtig griffig, gebirgsquellfrisch, kristallin. Eher der Zitrustyp, ein klein wenig nussig, vor allem schlank. Der Preis von 49,99 € ist gemessen an der hohen Qualität äußerst korrekt. Jede Cuvée von Leflaive zeigt auf dem Etikett einen speziellen Code. So wurde der Extra Brut Blanc de Blancs 15/40 in den Parzellen von Cramant und Avize erzeugt, 2015 war das Jahr der Grundassemblage, die Dosage des Zuckers beträgt 4,0 g pro Liter.

 

André Clouet

Eine der größten Entdeckungen in der Champagne ist André Clouet, der bislang nur in der Fachwelt bekannt ist. Wir sind vom ganzen Sortiment begeistert, das preislich von 36 bis 88 € reicht, wobei bereits der Einstiegschampagner fabelhaft ausfällt. Der junge selbstbewusste Champagnerwinzer sieht sich unter den Top Five, was keineswegs übermütig erscheint. Die Grande Reserve Bouzy Grand Cru (Pinot Noir) ist für uns der preiswerteste Einstieg in die Welt der erstklassigen Champagner (36 €). Feinste Perlage, dichte Cremigkeit, Briochenote zum Anbeißen, frisch-fruchtige Aromen von Apfel und Birne mit einem nussigen Touch. Es ist aber vor allem diese süffige persistente Mousseux, die zum ewigen Weitertrinken anregt. Vielleicht nicht so charmant, aber muskulöser und straffer erscheint der Silver Brut Nature Grand Cru, Non Dosage. Ein weiß gekelterter Pinot Noir von großem Charakter, der trotz seines Preises unter 30 € ganz ganz oben mitspielt. Mit der Dream Vintage Kollektion von André Coulet bewegt man sich endgültig im Olymp, beispielsweise mit dem Brut Millesime 2009, einem hundertprozentigen Chardonnay aus Grand Cru Lagen. Pure Mineralität, packende Konzentration und delikate Zitrusfrische für karitative 59 €.

Ludwig Fienhold

 

 

Bei den Einkaufsquellen bitte auf BISS berufen

De Watère bei:

www.de-watere.com

Leflaive bei:

www.frischeparadies-shop.de/valentin-leflaive-champagne-avize-grand-cru-brut.html

André Clouet bei Lobenberg:

www.gute-weine.de

Photocredit: Barbara Fienhold, De Watère, Lobenberg, Frischeparadies




Neueröffnung am Frankfurter Opernplatz: Alfios

Jetzt kämpfen sechs Lokale

am prominentesten Platz

der Stadt um die Gunst

und das Geld der Gäste

 

An Frankfurts Golden Mile reihen sich mit der Neueröffnung des Restaurants Alfio´s nun sechs Restaurants aneinander. Guiseppe Greco, der bereits das Grecos auf der Berger Straße sowie die Lokale  Quattro und Rustico an der Konstablerwache führt, hat nun seinen vierten Betrieb eröffnet. Das Alfio´s steht für den Namen mütterlicherseits, Sant´ Alfio heißt aber auch ein Dorf auf Sizilien, das für seinen riesigen Kastanienbaum über die Grenzen hinaus bekannt ist.

Was Lage, Ausstattung, Anspruch und Preise anbelangt, zählt das neue Alfio´s zu den Edel-Italienern in Frankfurt. Es liegt am Ende der Gastronomiezeile am Opernplatz, wo das Sofitel steht. Gestartet wurde in den ersten drei Tagen der Eröffnung mit Koch Saro Barbagallo, der das Promis in Sachsenhausen kulinarisch begleitete und auch im Grecos an der Berger Straße Regie am Herd führte. Die schöne Pasta con Sarde aus seiner sizilianischen Heimat gab es nur zum Entree, vielleicht hält sie aber doch noch Einzug auf die Speisekarte im Alfio´s, Inhaber Greco und sein Küchenchef sind immerhin beide aus Sizilien. Saro Barbagallo wird die nächsten drei Monate in Australien unterwegs sein, verspricht aber wieder nach Frankfurt zurückzukehren.

Guiseppe Greco (r.) & Saro Barbagallo, Alfio´s

Die Weinkarte ist derzeit nur in Fragmenten vorhanden, die Speisekarte ist ebenfalls noch nicht vollendet, grundsätzlich setzt man im neuen Alfio´s auf wechselnde, vom Service annoncierte Tagesempfehlungen und die Sea Food Theke, in der frisch auf Eis drapiert Luxusexemplare auf Bestellungen warten. Interessant klingen außerdem: Sizilianisches Sashimi Thunfisch Tataki mit Blutorange und Fenchel und Risotto aus Carnaroli-Reis mit Garnelen und Mascarpone-Zitrone. Vorspeisen: 19,90 – 26,90 €, Pasta 18,90 – 28,90 €, Hauptgerichte 32,90 – 49,90 €. Man rechnet am Opernplatz mit einem finanzstarken Publikum und Gästen, die nicht schwarze Tagliolini mit Hummer und Blattgold scheuen. Vorerst ist das Restaurant täglich durchgehend von mittags bis abends geöffnet. Die große Theke lädt auch nur zu einem Glas Wein ein (ab 11,50 € für 0,2l).

Die Golden Mile an der Alten Oper hat ihr Limit fast erreicht, es gibt kaum noch Platz für Lokale (die gegenüberliegende Alte Oper mit ihrer Gastronomie befindet sich trotz der Nähe schon wieder auf einem anderen aber ebenfalls ausreservierten Terrain). Um die Gunst der Gäste buhlen derzeit also nun: Amoroso, Charlot, Operncafé, Papa Enj, Schönemann im Sofitel und Alfio´s. Auffällig ist die stark italienische Ausrichtung der Platzhirsche. Eine kulinarisch sinnvolle Mischung bildet diese Gastromeile nicht ab. Und schon bald kommt noch ein Italiener dazu, Dennis Rimonti, Betreiber des Via Monte Napoleone auf der Bockenheimer Landstraße, will neben dem Alfio´s eine Weinbar eröffnen.

Ludwig Fienhold

 

Alfio´s, Frankfurt, Opernplatz, www.alfios-frankfurt.de ist noch nicht in Betrieb

Photocredit: Fienhold

Alfio´s Toilette

Opernplatz Frankfurt

Wo ein Fiat ist, ist auch ein Italiener