Incantina: So schlecht kann doch kein Italiener sein

Ist das schon Fake

oder noch Essen?

 

Vom Interieur sieht das Lokal Incantina in der Frankfurter Taunusstraße wie eh und je aus. Man wähnt sich nach wie vor bei einem guten Italiener, der die Regionalküche und mehr noch die Weine der Emilia-Romagna mit Engagement vertritt. Es kommt aber leider alles ganz anders, endet in einem Fiasko und einer beispiellosen Missachtung jeglicher Gastlichkeit.

Wir haben die Mäntel noch an und werden im Stehen von der Kellnerin (auf englisch) nach den Getränkewünschen gefragt. Nach einem Blick auf die Weinkarte bestellen wir den Otello Nero Lambrusco von Ceci. Ein Kellner schenkt den Rest aus einer Flasche ein, der unübersehbar ausgesprudelt ist. Wir lassen ihn zurückgehen, was mit einer gewissen Ungläubigkeit quittiert wird. Auch beim zweiten Lambrusco handelt es sich um Resteverwertung, der Spumante hat keine Perlage mehr und ist so natürlich nicht zu genießen. Jetzt endlich wird eine neue Flasche geöffnet. Wir sind höchst misstrauisch geworden und fragen bei jeder weiteren Bestellung dreimal nach, ohne vernünftige Antworten zu bekommen.

Zunächst wird Weißbrot auf den Tisch gestellt, einfach so, ohne Olivenöl. Wir wollen, wie so oft zuvor, mit einer Aufschnittplatte starten, mit Parmaschinken, Coppa, Salami und Mortadella. Bislang stets von allerbester Qualität und eine wahre Freude. Vor allem: Immer zu haben. Nur heute nicht. Warum? „Gibt es nicht mehr“. Steht aber nach wie vor aktuell auf der Webseite und ist angeblich mittags und abends zu haben.

Die Karte ist sehr sehr klein, mittags darf man nicht viel erwarten, aber doch wenigstens Qualität? Richtig angelacht werden wir von kaum einer Position, wir wählen mehr verzweifelt als hoffnungsvoll Tortellini Bolognese (15 €) mit Käsesauce Parmigiano Reggiano. Unsere Frage, was hierbei „Bolognese“ genau zu bedeuten hat, kann vom Service nicht beantwortet werden. Wir fragen, ob hier ein Ragout/Hackfleisch dabei ist, was ohne weitere Erklärung bleibt. Die Tortellini kommen in einer belanglosen Käsesauce daher, das Gericht ist vollkommen gewürzfrei und ohne jegliches Leben. Wir probieren einige Happen und lassen den Teller in all seiner Freudlosigkeit stehen. Bei den Garganelli alla Puttanesca (17 €) mit Sardinen (statt Sardellen), Kapern und Oliven, die eigentlich Temperament haben müssten, erleben wir im Grunde das gleiche müde Schauspiel. Scharf-würzig oder zumindest pikant ist hier nichts. Von Knoblauch oder vielleicht Peperoncini keine Spur, einige wenige Kapern kullern dumpf auf dem Teller herum, Sardinen oder Sardellen, wie es eigentlich richtig wäre, sind nicht einmal in Spurenelementen vorhanden. Obendrein alles trocken und staubig. Angeblich soll Oregano vorhanden sein, was zum Glück aber nicht stimmt. Ein solches Häuflein Elend haben wir jedenfalls noch nie bei einem Italiener erlebt. Wir haben keine Lust darauf und lassen den Teller stehen.

Nur so nebenbei: Den aufgetischten Salat, nicht angemacht und leblos, würden wir nicht einmal an Hasen verfüttern. Völlig nekrotisch auch eine als „Minestrone“ angekündigte Suppe, die aus einer Brühe und einigen Gemüseschnitzen besteht. Was mag der Koch von Beruf sein? Schlechter italienisch gegessen haben wir weder in Frankfurt noch sonst auf der Welt noch nie. Der Service fragt, ob wir etwas anderes zu essen haben möchten, was wir verneinen. Sollen wir etwa noch weiter dermaßen schlecht essen? Alle Gerichte werden berechnet. Und sind doch keinen Cent wert.

Wir fragen beim männlichen Service hinter der Theke nach, ob hier und heute Italiener in der Küche stünden, weil so nie ein Italiener kochen würde. „Wir haben zwei Italiener in der Küche“, meint der Mitarbeiter. Kurz danach verlässt ein Mann mit Turban die Küche.

Das Lokal Incantina mag immer ein klein wenig chaotisch gewesen sein, aber nie schlecht, Massimo Ancarani hat in über 12 Jahren ein Lokal mit guter und klarer regionaler Ausrichtung aufgebaut. Und mit einem Schlag zerstört eine Handvoll Dilettanten alles. Was ist geschehen? Auf der Webseite ist immer noch der langjährige Betreiber Massimo Ancarani zu sehen, was Vertrauen schafft, sich aber als Etikettenschwindel herausstellt. Denn Geschäftsführer ist inzwischen Davide Frascari, der neue Präsident der „Enoteca Regionale Emilia-Romagna“ und Verantwortliche für die Absatzförderung der heimischen Weine. Er sollte schleunigst einmal nach Frankfurt kommen, um zu sehen, was in seinem Namen und mehr noch im Namen dieser wunderbaren Region Emilia-Romagna für Schindluder getrieben wird.

Ludwig Fienhold

 




Drei einzigartige Vulkan-Insel-Weine von Santorini, La Palma, Sizilien

Trinken statt heizen

 

Alle reden von Terroir, diese drei Weine von Vulkan-Inseln zeigen wahre Bodenhaftung. Jeder Wein für sich ein Ereignis. Alles Vulkan-Weine, aber ganz unterschiedliche wunderbare Charaktere.  

 

Santorini, Mikra Thira, 2020

Die Weine von Santorini haben einen phänomenalen Aufstieg an Qualität genommen, was sich oft auch im Preis ausdrückt. Die weiß-blaue Ansichtskartenschönheit ist längst eine Wein-Destination geworden. Auf der Vulkan-Insel wachsen Weine, wie man sie nur auf einem solch einzigartigen Boden ziehen kann. Man findet einige absolute Bravourstücke, der Wein von Mikra Thira gehört dazu.

Das Garagenweingut Mikra Thira ist selbstbewusst genug, um zu behaupten, dass sie mit den besten Assyrtiko Griechenlands keltern. Hendrik Thomas, Master Sommelier und entdeckungsfindiger Weinhändler, sieht darin einen der besten Weißweine Griechenlands und überhaupt der Welt. Und wirklich: Hier fließt etwas Großartiges ins Glas und verströmt so viel lustvolle Energie, die rauschig macht, weil man nicht aufhören möchte. Diese Kraft und Frische wird über die wunderbare Salzigkeit transportiert, die vielen erstklassigen Vulkan-Weinen innewohnt. Dazu kommt eine pikante Limettenfrische, ein Hauch Mirabelle und allerfeinste Kräuternoten. Genial. Ein Wein, der das Herz wärmt und die Sinne erfrischt.

50 % im Stahltank ausgebaut, 50 % auf der Feinhefe im gebrauchten französischen Fässern. Mit 2,3 % Restzucker schön trocken. Man sollte der Flasche 20 Minuten Luft gönnen oder gleich dekantieren.

 

La Palma, Bodega Azul Perdido, Alma de Tacende, 2019

Der erste Schluck schmeckt, als habe der Teufel das Gegengift für Weihwasser ausgeschüttet: Schwefel, Vulkan-Asche, Kaminfeuer, gegerbtes Leder, ungezügelte Wildheit. Das greift tief in die Seele. Hinter der rauen Schale steckt beim zweiten Schluck ein weicher leicht süßer Kern aus reifer Kirsche, schnapsiger Pflaume und orientalischen Gewürzen sowie einem Touch Kaffeebohne mit dezent digestifer Bitternote. Dekantieren tut dem Wein gut, in der Flasche schmeckt er auch nach Tagen noch, am besten aber am zweiten Tag.

Dieser Wein ist ungewöhnlich und alles andere als Everybody´s Darling. Er wurde aus den autochthonen Rebsorten Listan Negro, Negramoll, Baboso Negro und Tintilla Vejariego komponiert. Der Weinberg wird ausschließlich in Handarbeit bewirtschaftet, beim Düngen kommt Ziegenmist zum Einsatz. Der 15 Monate lange Ausbau erfolgt in gebrauchten Barriques und 300 Liter Fässern. Alles ungeschönt und unfiltriert abgefüllt. Es gibt nur 850 Flaschen. Weinberg Bodega Azul Perdido im Bild ganz oben.

La Palma, die heftig verbrannte Vulkan-Insel, spuckt Feuer und Asche, die in vielen Weinen auch zu spüren ist. In diesem Wein brennt aber auch die Leidenschaft.

 

Sizilien, Montecarrubo, Il Carubo, 2020

Der Wein hat sizilianisches Temperament. Wild und ungestüm. Ist aber nicht hitzig, wie so viele andere aus Sizilien. Das Weingut Montecarrubo liegt neben dem Krater eines erloschenen Vulkans. Im Glas brodelt ein superbes Elexier aus Kräutern, schwarze Oliven, Brombeeren, Leder, Mokka, Lakritz. Würzige Waldluft kommt auf. Man fühlt sich an die nördliche Rhone erinnert, wo der Syrah dominiert. Der Carubo ist muskulös, aber nicht breit, eher elastisch wie ein Balletttänzer. Elegant, feinsinnig, lustmachend. Mit jedem Schluck wird er besser, öffnet seinen Schlund und gibt viel Aromatik frei. Nicht überhitzt, kühle Charakteristik, mit frischer Säure und süßem Kern. Seine Kraft zieht er aus der Substanz und nicht über den Alkohol, denn dieser intensive Rote hat gerade einmal 12%. Syrah steht mit 60% im Vordergrund, 40% Merlot bringen ihm eine schöne runde Frucht. Ausgebaut wird er in gebrauchten Barriques aus Pomerol. Der Carubo ruft nach Lamm und Grillfleisch. Vor allem ruft er nach mehr.

Der kühle Kopf hinter diesem starken Weingut ist Peter Vinding. Er hat einen ungewöhnlichen Weg vom Kriegsreporter zum Weingutsbesitzer genommen und steht für Eigenwilligkeit und Individualitätsdenken wie nur wenige in der Weinwelt. Nach vielen Arbeitsstationen, vor allem in Frankreich, ist er inzwischen in Sizilien heimisch geworden und betreibt dort auf knapp zehn Hektar sein Weingut Montecarrubo, das für extrem spannende Weine sorgt.

Ludwig Fienhold

 

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Die Gastro-Krise ist auch eine Krise der Gäste

Erst nachdenken und

dann die Preise anpassen

 

Kommentar von Ludwig Fienhold

 

Wir sind auf der Seite der Gastronomie. So lange sie gut, solide und seriös arbeitet. Man sollte es aber auch nicht übertreiben. Lange hat man viele Nachlässigkeiten mit der Corona-Krise erklärt. Jetzt werden Preissteigerungen und nachlassende Leistungen bei Küche und Service mit dem Ukraine-Krieg und der Energiekrise entschuldigt.

Gastronomen sollte aber auch bedenken, dass Gäste die gleichen Probleme wie sie haben und auch mehr für Lebensmittel, Energie und auch Restaurantbesuche zahlen müssen.

Auch Gäste haben zu leiden, wenn fehlende Mitarbeiter in Küche und Service zu schlechteren Leistungen führen.

Nicht jedes Pfefferkorn ist teurer geworden, bei Schinken gibt es keine Probleme wegen Lieferengpässen in China und wenn Hirsch aus heimischer Jagd vor der Tür gleich ein Drittel mehr kosten soll, hört sich das wie Jägerlatein an.

Ich kann auch den Satz nicht mehr hören „Danke, dass Sie mithelfen das Klima und unseren Planeten zu schützen“, mit dem alle möglichen Sparmaßnahmen gerechtfertigt und sogar noch begrüßt werden sollen. Es stecken doch nur ganz persönliche wirtschaftliche Interessen dahinter.

Cafés haben nette Zugaben wie Cookies und andere Gebäckstücke zum Kaffee/Cappuccino so gut wie überall gestrichen, aber gleichzeitig die Preise dafür erhöht, 4 Euro für ein Tässchen sind keine Seltenheit. Croissants, die offenbar über Umwege von Venus und Merkur zu uns gelangen oder aus rarem usbekischem Mehl hergestellt werden müssen, erscheinen in ihrem Preis ebenso aberwitzig. 2,80 € für ein normales Hörnchen, das bei Aldi in oft sogar besserer Qualität für 55 Cent zu haben ist, wirkt wie Straßenraub.

Ausschließlich Menüangebote ohne à la carte mochten wir noch nie und empfinden sie als Zwang. In diesen Tagen muss man es als noch unangenehmer sehen. Nicht wenige Restaurants wollen damit für mehr Umsatz sorgen, was als Rechnung aber nicht unbedingt aufgeht. Es gibt Gäste, die gar nicht erst in ein Lokal mit Menüzwang kommen. Es gibt Gäste, die à la carte ebenso viel und vielleicht sogar noch mehr Umsatz machen würden. Die einfache Lösung wäre, bei einem Menü die einzelnen Positionen jeweils mit Preis zu kennzeichnen, damit man sie auch einzeln bestellen kann. Und das bei einem Menüpreis, der verlockender als à la carte ist und vielleicht den einen oder anderen dann doch in diese Richtung lenkt. Jede andere Reglung muss dem Gast wie eine gastronomische Diktatur vorkommen. Der selige Heinz Winkler von der Residenz Aschau war ein Freund von Gerichten à la carte, man kann dort bis heute ganz hochwertig auch nur den einen oder anderen Gang bestellen.

Der Gastronom darf sich nicht über den Gast stellen und nur seine Wünsche und Erfordernisse sehen, sonst könnte er schnell allein bleiben. Er lebt von den Gästen und sollte sich auch an deren Bedürfnisse orientieren. Wenn es keine zahlungswilligen und zahlungsfähigen Gäste mehr gibt, gibt es schon bald auch keine funktionierende Gastronomie mehr. So einfach, so wahr.

Der verlängerte Sommer ist vorbei, die Terrassensaison hat ein Ende. Die Ausgehfreude lässt nach. Mit jeder neuen Schreckensnachricht über Inflation und Preisschocks vergeht den Menschen Lust und Laune. Sie werden jetzt mehr denn je ihr Geld zusammenhalten und sparen – sparen für die Krise. Vielleicht noch für einen Urlaub. Gespart wird aber zuerst an Restaurantbesuchen. Wie schon seitjeher.

Photocredit: Barbara Fienhold




Lockstoff mit Tücken

Auch Fälscher und Schweine

lieben Trüffel

 

Alles, was gut und teuer ist, wird auch gefälscht. Trüffel sind die teuerste Delikatesse der Welt, weshalb man einiges wissen und beachten muss.

Der weiße Trüffel treibt die Menschen wieder in den Wahnsinn – die einen wegen der Preise, die anderen wegen ihrer ungebremsten Lust darauf. Für manche ist es nur ein stinkiger Pilz, doch Liebhaber berauschen sich am Duft. Die stark erotische Ausstrahlung erregt auch die Tierwelt. Säue reagieren aus großer Lust auf die reife Frucht, da der Geruch den Sexual-Lockstoffen des Ebers gleicht. Ihre ungebremste Freude missfällt jedoch den italienischen Trüffelsuchern, da die Schweine nicht selten die begehrte Knolle selbst verputzen. Deshalb werden meist abgerichtete Hunde bevorzugt, die ganz diszipliniert arbeiten. Solche Spürhunde kosten allein schon 20.000 Euro und mehr, wobei sich deren Einsatz lohnt. Es wurden von bösen Konkurrenten aber auch schon Trüffelhunde vergiftet. Schüsse auf unliebsame Mitbewerber und Trüffelsucher gehören ebenfalls zum Geschäftsrisiko.

Gut & echt

Manche Trüffelsucher machen sich nur nachts auf die Pirsch, weil sie nicht gesehen werden wollen. Es könnte ja passieren, dass sie verfolgt und um ihre Ausbeute gebracht werden. Noch besser ist die Suche bei Vollmond, weil man sich dann nicht einmal mit einer Lampe verrät. Unbefugtes Trüffelsuchen wird im Piemont mit Gefängnis bestraft. Das ist noch milde gegenüber dem, was zu erwarten ist, wenn lizenzierte Trüffelsucher ungebetene Gäste in ihrem Revier beim Räubern erwischen. Im Piemont gibt es ungefähr 4000 lizensierte Trüffelsucher.

Betrüger vermeiden Arbeit und wollen mit Fakes Geld verdienen. Immer häufiger werden wurmstichigen Pilze mit Sand und Erde aufgefüllt und mit künstlichem Trüffelaroma bestäubt. Doch der unvergleichliche natürliche Duft des weißen Trüffels ist nicht reproduzierbar, alle Versuche ihn kontrolliert zu züchten, schlugen bislang fehl, was seinen Mythos nur verstärkt. Ungeheuer, welcher Zauber den kleinen Waldschraten innewohnt, die unterirdisch an Baumwurzeln wachsen und so überirdisch gut schmecken. Der erotischste aller Pilze ist leider auch die kostspieligste Feinkost der Welt und stellt selbst Gänseleber, Hummer und Kaviar in den Schatten. Um Reinfälle zu vermeiden, ist man gut beraten ist, einen Händler oder Gastronomen seines Vertrauens zu kennen.

Ein echter weißer Trüffel vermag mit seinem Odeur binnen Sekunden einen ganzen Raum zu erfüllen, weshalb es im Piemont untersagt ist, diese in öffentlichen Verkehrsmitteln zu transportieren. In manchen Restaurants wird Trüffelgeschmack durch den Einsatz von synthetischem Trüffelöl vorgegaukelt. Mehr als ein Etikettenschwindel ist auch das Frisieren von trüffelähnlichen Erscheinungen, die im Handel erhältlich sind. Dort werden Falsifikate und andere dubiose Produkte mit Trüffelöl aromatisiert, wobei diese in den raffiniertesten Fällen eine Trüffelöl-Injektion erhalten. Ein original Alba-Trüffel ist sauber, verfügt über ein extremes und anhaltendes Aroma, ist fest wie eine Nuss und nicht etwa hohl. Er ist nie ganz weiß, changiert zwischen gold- und nussfarbig und weist ein cremefarbenes bis hellbraunes Fruchtfleisch auf. Ein guter Trüffel riecht intensiv, vor allem nach Knoblauch, Pilz, Heu, Gewürzen, ein wenig Moschus und sogar Honig – aber niemals nach Ammoniak. Wenn er dann noch labberig ist, handelt es sich um ein altes und nicht zu genießendes Exemplar. Die Trüffel-Saison ist exakt begrenzt und geht vom 21. September bis 31. Januar. Wenn man also außerhalb dieser Zeit Trüffel angeboten bekommt, sollte man besser die Finger davon lassen. Die Begrenzung hat auch einen tieferen Sinn: Trüffel brauchen Zeit, um Nachwachsen zu können.

Ludwig Fienhold

 




The Cooking Ape: Der Catering-Affe tischt wieder auf

Relaunch:

Alte Textilfabrik

und Juwel am Main

 

Die letzten zwei Jahre waren für das Frankfurter Catering-Unternehmen The Cooking Ape vor allem ein ziemliches Affentheater, das viel Zeit und Energie kostete, aber nur wenig an Umsatz brachte. Die Corona-Krise wurde zwar von einer nicht minder die Arbeitskraft und das Geld raubenden Wirtschaftskrise abgelöst, aber Juan Weinhold und sein kleines Familienunternehmen gehen wieder mit Mut an den Neustart. Zwei Event-Locations wurden relauncht: Das Jewel am Walther-von-Cronberg-Platz und die Alte Textilfabrik in der Taunusstraße im Bahnhofsviertel.

Juan Weinhold (l.) und sein Bruder Oscar

Die Alte Textilfabrik ist Bahnhof pur. Zwischen Pizzabude und Puff und doch noch in der Nähe der wohlständigen Bankentürme. Die Alte Textilfabrik, die mal genau eine solche war, stammt aus dem 19. Jahrhundert und ist denkmalgeschützt. Mit solchem Loftcharakter beeindruckte einst New York, aber Frankfurt ist schließlich auch Mainhattan.

Neu bei dieser seit elf Jahren existierenden Event Location hinzugekommen ist das Souterrain, in dem zuvor abenteuerliche Clubs ihr Zuhause hatten. Jetzt kann man dort tafeln, Kerzenscheindinner mit Tiefgaragenatmosphäre. In der Alten Textilfabrik feiern oder tagen Kunden, die nicht Hochglanzschick suchen. Diese Location ist etwas für jene, für die Luxus nicht Pomp, sondern Individualität bedeutet.

Von den gleichen Betreibern wie der Cooking Ape wurde auch das Gang & Gäbe am Walther-von-Cronberg-Platz in Sachsenhausen geführt. Dieses Glashaus-Lokal unterhalb des Main Plaza Hotels hatte sich gerade in den letzten Jahren einen sehr guten Ruf als Adresse für Weinfreunde gemacht. Die große Terrasse mit Blick über den Main ist einzigartig. Das Gang & Gäbe wurde inzwischen durch einen neuen Namen und ein anderes Konzept ersetzt. Das Juwel ist eine Event Location und ein Ort für „extravagante Kongresse & Meetings“, wie es offiziell heißt. Der Name passte eher zufällig als beabsichtigt zu dem Weingut von Juliane Eller aus Alsheim in Rheinhessen. Ihre saftigen und frischen Rieslinge und Grauburgunder harmonieren mit den frischen Ideen des Cooking Ape. Ohne sich je zuvor gesehen zu haben, kam man allein über den Namen „Juwel“ zusammen und ging eine Partnerschaft ein. Das Juwel am Main soll weiter geschliffen werden, vielleicht wird es auch wieder ein Wein-Lokal, aber rein wirtschaftlich gesehen ist vorerst eine vielseitig nutzbare Location wichtiger.

Ludwig Fienhold

Fotos: Barbara Fienhold

 

The Cooking Ape, Juwel am Main & Alte Textilfabrik

http://the-cooking-ape.com

Tel. 069 5800 505 10

Juan-Enrique Weinhold ist schon lange in der Gastronomie & Catering-Szene zu Hause. Er arbeitete unter anderem bei Feinkost Plöger, der Havanna Lounge und KP Kofler, wo er auch seine spätere Frau Doris kennenlernte. Gemeinsam mit ihr, seinem Bruder Oscar und einem kleinen Team lässt er den „Cooking Ape“ nun wieder auftischen. Caterings/Meetings für 20 – 199 Gäste.

 

 

 




Kling Kasse, klingelingeling

Die Ups & Downs am Frankfurter Weihnachtsmarkt

 

Überall gibt´s Winzerglühwein. Was auch sonst, den hat ja kein Klempner gemacht. Das hoch gegriffene Wort soll etwas Besonderes und Individuelles signalisieren, dabei kommt die Brühe in großen Kanistern zu den Buden. 4 € kostet der Ballermann in Tassen. Einen wirklich guten Glühwein auf der Basis von französischem Landwein gab es sogar mal, bei Dieter und Andreas in der Garage vom Alten Limpurg am Frankfurter Römerberg. Dort wurde er noch täglich frisch mit den klassischen Zutaten im großen Kessel angerührt. Ganz wunderbar, aber leider Geschichte.Trinken kann man ihn auch in ordentlicher Qualität und ohne viel Geschubse an der Bude von Badia an der Schirn-Kunsthalle. Leider hat man den Grundwein gewechselt, in beiden Fällen handelt es sich aber um einen von richtigen und bekannten Weingütern. Gut ist, dass Badia den Winzer-Namen nennt und nichts Anonymes ausschenkt, wie die anderen.

Ein Weihnachtsmarkt ist keine kulinarische Veranstaltung. Die Produkte sind nicht besser, sondern nur teurer geworden. Das Beste, was man in diesem Jahr zu essen bekommen kann, sind die Kartoffelpuffer vom „Kartoffel-Kaiser“ nahe des Historischen Museums am Fahrtor kurz vor dem Main. 6 € drei Stück, aber die Puffer sind klasse, außen kross und innen saftig. Alles sieht hier einfach lecker aus, die Angestellten sind stets proper gekleidet und arbeiten ungemein routiniert, ohne das Lächeln zu vergessen. Übrigens: Friedrich der Große, auch preußischer Kartoffelkönig genannt, erließ 1756 den „Kartoffelbefehl“, wonach den Bauern klar gemacht werden sollte, überall wo möglich Kartoffeln anzupflanzen. Am Grabstein des Preußenkönigs in Potsdam vor Schloss Sanssouci werden immer noch Kartoffeln abgelegt.

Für den schönsten Duft am Frankfurter Weihnachtsmarkt sorgt wie immer die Mandelbar von Eiserloh vor dem Café im Kunstverein. Jetzt gibt es sogar Apfelwein-Mandeln und Mandeln, die der Frankfurter Eintracht gewidmet sind. Die klassischen gebrannten Mandeln oder die mit Vanille sind für uns immer noch die Bewährtesten. Es ist alles teurer geworden, Schaumküsse kosten inzwischen 90 Cent und 1 Euro, dafür steht auch auf dem Schild ganz edel gedacht  „Confiserie“ um den Preis zu rechtfertigen.

Neu auf dem Weihnachtsmarkt ist die „Hunde-Hütte“ direkt am Rathaus Römer. Dort gibt es „frisch gebackene“ Hundekuchen, die appetitlicher aussehen als manch anderes. Ob sie auch so schmecken können wir nicht bestätigen, zumal uns auch ein entsprechender Hund zum Testen fehlt.




Hôtel de Paris Monte-Carlo: Weihnachten im Weinkeller

Luxus der Extraklasse oder wer soll das bezahlen?

 

Wer es an Weihnachten und Silvester mal so richtig krachen lassen will, für den haben wir den ultimativen Tipp: Den Weinkeller des berühmten Hôtel de Paris in Monte-Carlo. Den kann man aber nicht einfach so betreten oder buchen, er ist nur den Gästen der Diamond Suites des Hauses vorbehalten. Ein äußerst kostspieliges Entree, um an den Kellerschlüssel zu kommen.

In diesen Weinkeller gehen die Gäste ganz bestimmt zum Lachen – wer sich den Eintritt leisten kann, muss ziemlich gut gelaunt sein. Der Weinkeller selbst macht auch Freude: Mit seiner Gesamtfläche von 1.500 m² und seinen auf mehr als 1,5 km Regalfläche gelagerten 350 000 Flaschen und 3.700 Weinsorten ist der Weinkeller des Hôtel de Paris einzigartig. Dieser Weinkeller lässt sich kaum überbieten, er beherbergt die besten und teuersten Weine an Bordeaux, Burgunder oder Champagner. Mit einem Musigny Grand Cru der Domaine Jacques-Frederic Mugnier aus dem Jahrgang 2012 oder dem Corton-Charlemagne Grand Cru 2010 von Coche-Dury kann man schon einen schönen Abend verbringen. Man sollte nur wissen, dass bereits diese beiden Weine im Handel allein über 11.000 Euro kosten und bei einem Hotel-Dinner nicht so „preiswert“ zu haben sein werden.

Der Weinkeller des Hôtel de Paris verfügt über einen eigenen Empfangssaal, in dem Abendessen für bis zu 40 Personen veranstaltet werden können. 1976 haben Prinz Rainier und Prinzessin Grace hier ihren 20. Hochzeitstag gefeiert. Dieser besondere Ort kann gebucht werden, für einen Stehempfang, ein Abendessen, aber auch nur eine einfache Besichtigung. Dies gilt jedoch nur für Gäste der Diamond Suites. Diese hochkarätigen Suiten kosten zwischen 9000 und 15.000 € die Nacht, die Princess Grace Suite mit eigenem Pool ist nicht ganz so preiswert zu haben.




Die legendäre Jimmy´s Bar im Hessischen Hof wird wiederbelebt

Gekko Group

übernimmt vorerst

 

Die Frankfurter Gekko Group wird als neuer Betreiber Jimmy’s Bar im Hotel Hessischer Hof wiedereröffnen. Ende 2020 schlossen das Grandhotel und die legendäre Jimmy’s Bar. Dieser Tage wurde das Hotel von der Hessischen Hausstiftung an Peakside Capital verkauf. Der Immobilien-Investor plant das Traditionshaus nach einer Renovierung als 5-Sterne-Hotel mit einem neuem Betreiber wiederzueröffnen. Auch Jimmy’s Bar ist Teil der Neuaufstellung.  Bis es soweit ist, wird Jimmy’s Bar vorübergehend von der Gekko Group betrieben.
Die Bar hat Kultstatus, Boris Becker, Udo Lindenberg, die Rolling Stones und viele andere Prominente haben sich dort vergnügt. Die Bar war aber nicht allein als Pick-up Place und Raucher-Refugium beliebt, sondern vor allem wegen seines diskreten Old School Barkeepers Andrès Amador, der dort 40 Jahre das Regiment der teilweisen schwer erziehbaren Gäste führte. Er war für seine Individualität und Umsicht bekannt, aber auch für spannende Sondereinlagen: Wir werden nie vergessen, wie er zum Wein köstliche und zarte Schweineschnauzen aus seiner spanischen Heimat servierte. Man kann eine Bar neu eröffnen, aber einen solchen Charakter wird man nur schwer finden können. Jimmy´s Bar soll ab sofort dienstags bis samstags von 18 bis 2 Uhr geöffnet sein.

 

A N Z E I G E




Weihnachten unterm Apfelbaum

Wir wünschen unserer kulinarischen Community
gesunde & genussvolle Weihnachten
sowie ein funkelndes Jahr 2023!

Bei uns in Frankfurt haben

die Heiligen Drei Könige als Gaben 

etwas besonders Landestypisches: 

Einen Bembel mit Apfelwein 

(fotografiert auf dem Weihnachtsmarkt am Paradieshof in Alt-Sachsenhause).

Ludwig & Barbara Fienhold
und die BISS Redaktion

 




Bordeaux 2019 Arrivage: Geschmacklich und preislich explosiv

Bordeaux-Probe: Tipps

Überraschungen

und Preiswertes

 

Die einen springen einem erschrocken von der Zunge, weil sie noch nicht getrunken werden möchten, andere lassen sich sofort ins Herz schließen. Der neue Bordeaux-Jahrgang 2019 wird als einer der allerbesten überhaupt gefeiert, was sich oft auch in exorbitanten Preisen ausdrückt. Die Degustation vom Weinhandelsunternehmen Grand Cru Select im Frankfurter Hotel Flemings war jetzt keine Probe aufs Exempel, zeigte aber sehr gut die Bandbreite der Weine, bei Qualität und Preis. Die Range reichte von 17 bis 1.000 Euro (Endverbraucherpreis), die Konditionen für Gastronomie und Handel, denen diese exklusive Verkostung vorbehalten war, haben natürlich bessere Konditionen, bekommen aber auch nichts geschenkt.

Der Lafite-Rothschild muss nicht erst in die Jahre kommen, um zu beweisen, wie groß er werden kann, er ist schon jetzt erstaunlich zugänglich und trinkbar. Der Lafite ist immer würdevoll, aber nicht immer so charmant wie der vom Jahrgang 2019. Er strahlt viel Wärme und Harmonie aus. Sein zartes Aroma aus Cassis, Schwarzkirsche und süßem Tabak, die delikate Würze und das ätherische seines Wesens machen ihn ziemlich unwiderstehlich. Er wurde aus über 90% Cabernet Sauvignon, etwas Merlot und ein klein wenig Petit Verdot erzeugt. Der Lafite-Rothschild ist einer der Allerfeinsten unter den Spitzen-Bordeaux. Er kostet rund 1.000 € (und mehr). Mit der Flasche ploppt auch immer wieder die Frage auf: Kann man so viel Geld schmecken, ist er das wert? Es ist ganz einfach: Für den, dem es das wert ist, ist es das wert.

Thomas Hänle von Grand Cru Select

Besonders Schlaue versuchen ja gerne mit einem preiswerteren Zweitwein sich und andere zu beeindrucken, aber es gibt eben keinen Rolls-Royce zum Porsche-Preis, so gut auch beide sein mögen. Der Carruades de Lafite ist für etwas weniger als die Hälfte seines großen Bruders zu haben, aber so verwandt sie sind, so unterschiedlich fallen sie doch aus. Der Zweitwein ist gut, kann aber nicht mit einer solchen erhabenen Finesse aufwarten wie der Lafite. Außerdem braucht der Carruades de Lafite noch vier bis fünf Jahre Zeit, bis er sich voll entfaltet hat. Relativ günstig liegt man mit Anseillan, der zu den Domaines Barons de Rothschild (Lafite) gehört und mit rund 50 € moderat ausfällt. Dieser  Sympathieträger ermöglicht schon jetzt einen guten Einstieg in die Welt der Bordeaux und des Jahrgangs 2019.

Esther Martin Cap, Nathalie Anselmo. Mario Hönighausen

Die Preise explodieren mitunter, die Märkte in China, Russland oder Japan scheinen schmerzfrei. Es gibt aber sogar interessante Bordeaux, die einen Preisabschlag von 30% gewährten wie der Pontet-Canet. Man muss schon sehr viel probiert und auch investiert haben, bis man einen guten Bordeaux zum netten Preis erleben kann. Château Puygueraud 2019 (viel Merlot, etwas Cabernet Franc) bringt das Kunststück fertig und ist schon für 17 € zu bekommen. Dicht, schwarz, fast schon opulent und doch sehr geschmeidig. Kein Tannin-Raubein und schon jetzt zugänglich. Duft- und Geschmacksnoten von Cassis, Eukalyptus und Süßholz machen ihn liebens- und lobenswert.

Die wahrscheinlich größte Überraschung bei der Verkostung boten die weißen Bordeaux, denen wir in unserer nächsten BISS-Ausgabe einen eigenen Artikel widmen.

Ludwig Fienhold

 

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