2-Sterne-Koch Christoph Rainer wird japanischer

Alpen-Resort Schloss Elmau:

Aus dem Luce d´Oro

wird Ikigai

 

Ein schöner Name: „Wofür es sich lohnt, morgens aufzustehen“. Das bedeutet sinngemäß Ikigai, das Restaurant von 2-Sterne-Koch Christoph Rainer auf Schloss Elmau will deutlich japanischer werden. Es fragen sich viele, wofür es sich eigentlich lohnt, morgens aufzustehen – vielleicht um das Ikagai in Elmau zu besuchen.

Christoph Rainer war schon immer von der japanischen Küche fasziniert und entwickelte sich mehr und mehr in diese Richtung. Den italienischen Namen Luce d´Oro in Ikigai umzubenennen war also nur konsequent. Die Küche ist nicht puristisch japanisch, sondern trägt auch weiter die starke französische Handschrift des Küchenchefs. Das Restaurant ist die kulinarische Visitenkarte des Hotels-Ensembles, in dem es gleich zehn Outlets gibt.

Christoph Rainer

Zur Neuorientierung meint Christoph Rainer: „Mich faszinieren vor allem drei Dinge, die in der japanischen Küche eine beeindruckende Symbiose des Geschmacks ergeben: ihre Leichtigkeit, ihre Produktqualität und ihre Nachhaltigkeit, die in der Küche als Respekt vor dem Lebensmittel in all ihren Facetten zum Ausdruck gebracht wird. Dies kulminiert in einer kulinarischen Ästhetik.“

Der 1974 in Hanau bei Frankfurt geborene Christoph Rainer fand in der Villa Rothschild in Königstein zu Hochleistungen, bevor er Ende 2017 im Alpen-Resort Schloss Elmau begann und an seine Auszeichnungen durch die Restaurantführer wieder anknüpfen konnte. Im Restaurant Ikagai kommen laktosefreie Produkte sowie glutenfreie Alternativen zum Einsatz, außerdem wird ein veganes Menü angeboten. Der Ikagai-Menüpreis für 6 Gänge kostet 249 €, wobei es wie immer bei Rainer viele kleine Delikatessen vorneweg zum Start gibt. Das vegane Menü mit 6 Gängen ist für 199 € zu haben.

Es gibt noch etwas Neues aus Elmau: Christoph Rainer hat gerade das Kochbuch My Culinary Ikigai herausgebracht. Er gewährt darin einen Blick hinter die Kulissen des Gourmet-Restaurants und zeigt eine Auswahl seiner Gerichte. Er präsentiert vier saisonale Menüs mit Speisen, welche die französische und japanische Küche zusammenführen. „Außerdem“, so Christoph Rainer „gebe ich Einblicke in den Alltag auf Schloss Elmau und beschreibe auch meine kulinarische Reise durch Japan.“

Ludwig Fienhold

 

Photocredit: Schloss Elmau




Seehotel Überfahrt: Neustart mit Küchenchefin Cornelia Fischer

Nach der 3-Sterne-Ära von Christian Jürgens

gibt es jetzt moderne Regionalküche am Tegernsee

 

Cornelia Fischer wird ab dem 6. September das Gourmetrestaurant im Seehotel Überfahrt am Tegernsee führen. Damit tritt sie die Nachfolge des einstigen 3-Sterne-Kochs Christian Jürgens an. Dieser geriet im Mai 2023 ins Gerede, weil man ihm einen allzu robusten Führungsstil und sexuelle Belästigung vorwarf, was indes nicht für eine strafrechtliche Verfolgung ausreichend belegbar war. Nach seinem Rauswurf versuchte die Althoff-Gruppe mit einem Berliner Szenekoch einen Übergang zu schaffen, was einer Verzweiflungstat glich und nicht funktionieren konnte. Durch den Neustart mit Cornelia Fischer im September gerät das Seehotel wahrscheinlich wieder in ruhigere Gewässer.

Die 39 Jahre alte Cornelia Fischer aus Unterfranken war bislang in guten Häusern in Deutschland und der Schweiz tätig und stand auch bereits im Restaurant Überfahrt als Chef de Partie in der Küche. Eine der wichtigsten Stationen ihrer Karriere waren die zwei Jahre als Sous-Chefin bei 3-Sterne-Koch Andreas Caminada in Graubünden. Von der Schweiz zog Fischer 2021 zurück in die Heimat und war als Küchenchefin im Hotel Zur Schwane für zwei Restaurants verantwortlich, das Lokal Weinstock erhielt einen Michelin-Stern.

Cornelia Fischer kommentiert: „Ich freue mich unwahrscheinlich darauf, wieder in die wunderschöne Überfahrt zurückzukommen und das Restaurant mit neuem Konzept und Leben füllen zu können.“ Vincent Ludwig, Managing Director des Althoff Seehotel Überfahrt, meint überschwänglich, dass Cornelia Fischer derzeit eines der größten kulinarischen Talente im deutschsprachigen Raum sei. Sie fokussiere eine moderne Regionalküche und zeige sich dabei erfrischend weltoffen. Im Mittelpunkt sollen heimische Produkte stehen, zum Teil aus eigenen Anbau. Übrigens: Christian Jürgens, von dem es damals hieß, dass er am Tegernsee beim Hotel Egerner Höfe als Küchenchef weitermachen würde, arbeitet derzeit als „Consultant“.

Photocredit: Althoff Hotels




Hoppenworth & Ploch: Neue Altstadtbäckerei mit Knusper-Appeal

Tolles Brot

und Croissants

mit Softeisfüllung

 

Die „Neue Altstadt“ in Frankfurt hat mit der jetzt am 1. März eröffneten „Altstadtbäckerei“ von der Kaffeerösterei Hoppenworth und Ploch Zuwachs bekommen und wertet das gastronomisch nach wie vor noch unterentwickelte Quartier damit kulinarisch auf. Allein das saftige Sauerteigbrot mit krosser Kruste ist einen Besuch wert.

Die Altstadtbäckerei liegt gleich neben dem Café Hoppenworth und Ploch, wo es aktuell Kaffee aus Burundi und Costa Rica sowie eine famosen und leichten New York Cheescake mit Limonenschmand gibt. Beides ist in der neuen „Altstadtbäckerei“ nicht zu haben, die ja auch eine Ergänzung mit einem anderen Sortiment sein soll. Das Sauerteigbrot ist ein Highlight, zum Bestseller könnte im Frühling auch das aufgeschnittene Croissant mit Softeisfüllung werden.

Max-Toby Welke

Zum Sortiment gehören Brot, Baguette, Croissants, Brötchen und süße Backwaren, selbstverständlich alles hausgemacht. Vor der Tür gibt es nur einige Stehtische, man hat es eben mit einem Geschäft zu tun, das dazugehörige Café ist ja gleich nebenan. Das kleine Haus Hinter dem Lämmchen Nr. 5 mit dem markanten Säuleneingang hatte zuvor einige glücklose Betreiber, denen es nicht nur an Marketing, sondern auch an einem schlüssigen Konzept mangelte. Die „Altstadtbäckerei“ macht aus dem Stand durch Qualität auf sich aufmerksam, hat mit Matthias Hoppenworth, Julian Ploch und Joris Kohnen aber auch die derzeit besten, beliebtesten und professionellsten Cafébetreiber im Rücken.

Die neue „Altstadtbäckerei“ ist ein kleines feines Häuschen, die eigentliche Werkstatt befindet sich im Länderweg, dort in Sachsenhausen sind Rösterei und Bäckerei zu Hause. Leiter der Backstube ist Max-Toby Welke. Der 28 Jahre alte Konditormeister kommt aus Usingen im Taunus und kann sich derzeit auf ein Team aus acht Mitarbeitern stützen, das noch erweitert werden soll.

Hühnermarkt

Eine Adresse wie die „Altstadtbäckerei“ tut der sogenannten Neuen Altstadt gut, wobei es mehr solche bemerkenswerte gastronomische Lokale geben könnte. Das als Kolonialwarenladen gedachte Lädchen im „Haus zur Flechte“ wurde nie ernsthaft und erkennbar betrieben und steht seit Wochen leer. Auch das Lokal schräg gegenüber der Weinbar Ress wurde ohne Fortune geführt und steht leer. Dem Metzgerstand Dey, der inzwischen auch Gerichte für seine Stehplätze anbietet, ist stets gut besucht. Die Weinbar Ress nebenan ist nach wie vor ein beliebter Treffpunkt und wird im Frühling zu einem richtigen Hotspot. Es sei denn der Nörgel-Nachbar vis-à-vis lehnt sich wieder mit Dezibelmessungen aus dem Fenster und schafft es, dass um 22 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt werden.

Ludwig Fienhold

Mo-Fr. 12-18 Uhr, Sa 10-18 Uhr, So 10-16 Uhr.

Fotos: Barbara Fienhold

 




Fasten auf der Freßgass: Wem geht ein Licht auf?

 

Kommentar von Ludwig Fienhold

 

Der Fastenmonat Ramadan wird ausgerechnet auf der Frankfurter Freßgass festlich in Szene gesetzt. Die Freßgass steht für genau das Gegenteil von Fasten. Ramadan bedeutet den unbedingten Verzicht auf Essen und Trinken, sogar auf Parfüm, Rauchen und andere Attribute von Luxus und Lust. Dazu wird die Luxus- und Flaniermeile, auf der sich zwar keine Gourmetrestaurants, aber Fress-Tempel aneinanderreihen, mit Lichterketten, Halbmonden und orientalischen Laternen illuminiert, was den Bürger zwischen 50.000 und 100.000 € kosten soll. Wieder einmal machen die Grünen und die SPD unangenehm auf sich aufmerksam. Es ist alles andere als eine einleuchtende Idee, die Freßgass wegen des muslimischen Ramadans in helles Licht zu setzen. Gleichzeitig dürfen die Bürger auf dem Römerberg, im Westend und überall in der Stadt im Dunkeln tappen, weil angeblich Strom gespart werden muss. Wie dunkel muss es erst in den Köpfen der Verantwortlichen aussehen, die so etwas ins Leben rufen? Offiziell wird behauptet, dies seien „Lichter gegen Rassismus und Diskriminierung“. Diskriminiert müssen sich jedoch alle anderen Religionen fühlen, vor allem aber die Juden in Frankfurt, die nur unter Polizeischutz in ihren Synagogen Feierlichkeit zeigen können.




Feuer frei: Master Sommelier Hendrik Thoma präsentiert seine Vulkan-Weine

Ungewöhnliche Vibes in der Weinlocation Juwel am Main

 

Terroir auf der Zunge: Bei den Weinen vulkanischen Ursprungs schmeckt man den Boden, die Glut und das Feuer. Master Sommelier Hendrik Thoma aus Hamburg wird eigens nach Frankfurt kommen, um einige seiner Vulkan-Weine zu präsentieren, die alles sind, nur nicht langweilig. Diese ungewöhnlichen und eigenwilligen Erzeugnisse kommen am 24. April von19-23 Uhr in der Weinlocation Juwel in Frankfurt zum Einsatz, wo man mit Blick auf den Main auch auf der Terrasse flanieren und plaudern kann.

Der Event wird kein Seminar, sondern ein lockeres Get-Together. Learning by drinking. An der Degustations-Station werden die Gäste mit Hendrik Thoma ins Gespräch kommen. Man wird viele spannende Weine kennenlernen, die es so kaum in den Lokalen gibt. Einige von ihnen sind wild und ungestüm, andere einfach nur delikat. Alle sind sie Individualisten, Weine mit Charakter, von denen es nur wenige tausend Flaschen gibt. Sie reifen in Löchern mit Vulkanasche wie auf Lanzarote und La Palma oder am Rande des Ätna wie auf Sizilien. Vulkan Power spürt man beim kraftvollen Versante Nord von Eduardo Torres Costa aus Sizilien, der mit zwei Kraftpaketen vertreten ist. Einer der schönsten Weine Siziliens kommt vom ehemaligen Kriegsreporter und jetzigen Weingutsbesitzer Peter Vinding, dessen Weingut Montecarrubo gleich neben dem Krater eines erloschenen Vulkans liegt. Der Carubo ist ein superbes Elexier aus Kräutern, schwarze Oliven, Brombeeren, Leder, Mokka, Lakritz. Würzige Waldluft kommt auf. Man fühlt sich an die nördliche Rhone erinnert, wo der Syrah dominiert. Der Carubo ist muskulös, aber nicht breit, eher elastisch wie ein Balletttänzer. Elegant, feinsinnig, lustmachend.

Juwel am Main

Titerok Akaet ist ein höchst individuelles kleines Weingut auf Lanzarote. Mehr Terroir geht nicht. Es sind lediglich kleine Parzellen mit Weinen, die aus den Vulkanaschelöchern kriechen. Teilweise wurzelechte Reben von 100 und sogar 200 Jahren. Bei einem solch phänomenalen Naturereignis wie man es auf Lanzarote vorfindet, sehen sich Marta Labanda und Juan Daniel Ramirez der biologischen Bewirtschaftung verpflichtet. Der Ausbau erfolgt in Holzfässern, großen Glasballons und Amphoren. Den Weinen wohnt Kraft und Ausgeglichenheit inne, sie sind puristisch und unverfälscht. Eine anregende Salzigkeit und diskrete Kräuterdüfte durchziehen das gesamte Repertoire. Der Akaet Paraje, eine Cuvée aus Malvasia, Diego, Listan Blanco und Listan Negro, ist  geschmeidig, dicht und saftig und wird von einer animierenden salzigen Meeresbrise begleitet. Titerok-Akaet nannten die Ureinwohner die feuerroten brennenden Berge des Timafaya-Vulkans.

Juwel Terrasse

Die Weine der griechischen Bilderbuchinsel Santorini haben einen phänomenalen Aufstieg an Qualität genommen, was sich auch im Preis ausdrückt. Die weiß-blaue Ansichtskartenschönheit ist längst eine Wein-Destination geworden. Auf der Vulkan-Insel wachsen Weine, wie man sie nur auf einem solch einzigartigen Boden ziehen kann. Man findet einige absolute Bravourstücke, der Wein von Mikra Thira gehört dazu. Das Garagenweingut Mikra Thira ist selbstbewusst genug, um zu behaupten, dass sie mit den besten Assyrtiko Griechenlands keltern. Hendrik Thoma sieht darin einen der besten Weißweine Griechenlands und überhaupt der Welt. Und wirklich: Hier fließt etwas Großartiges ins Glas und verströmt so viel lustvolle Energie, die rauschig macht, weil man nicht aufhören möchte. Diese Kraft und Frische wird über die wunderbare Salzigkeit transportiert, die viele erstklassigen Vulkan-Weine auszeichnet. Dazu kommt eine pikante Limettenfrische, ein Hauch Mirabelle und allerfeinste Kräuternoten. Genial.

Insgesamt stehen acht herausragende Weine zur Verkostung, darunter einige Raritäten von Weltklasse. Man muss für die Vulkanweine nicht viel Asche locker machen. Die Weine und das Flying Menü kosten zusammen 99 €. Die Teilnehmerzahl ist auf 50 Gäste beschränkt, first come, first served.Für ein solch einzigartiges Erlebnis fast schon ein Freundschaftsangebot. Hendrik Thoma, Mastermind von „Wein am Limit“ hätte noch mehr solcher Weine im Repertoire, will aber mit diesen Vulkan-Weinen erst einmal den Funken überspringen lassen, der das Feuer entzünden kann.

Ludwig Fienhold

 

Die Weine

2020 Montecarrubo, Carubo – Sizilien, Italien

Rot

2020 Versante Nord, Eduardo Torres Acosta – Sizilien, Italien
Rot

2019 Cuvée Alta Quota MAGNUM, Eduardo Torres Acosta – Sizilien, Itlien
Rot

2021 Ye-Ye, Titerot-Akaet – Lanzarote, Spanien
Dunkler Rosé

2022 Paraje, Titerot-Akaet – Lanzarote, Spanien
Weiß

2018 Las Migas Cosecha, Victoria Torres Pecis – La Palma, Spanien
Weiß

2021 Clarete, Azul Perdido – La Palma, Spanien
Rosé

2020 Mikra Thira – Santorini, Griechenland

Weiß

 

Das Essen

Zu den Weinen reicht The Cooking Ape als Flying Menü passende kulinarische Begleitungen mit lateinamerikanischen Wurzeln, entsprechend den Ursprüngen des Familienunternehmens um Oscar und Juan-Enrique.

Migas y Mojos
Pull-Apart-Bread mit Dips

Variacion de Empanadas
Geflügel- oder Rindfleisch gefüllte Teigtaschen

Ceviche Chapin con Pollo o Camaron o Pescado
Guatemaltekischer-Salat-Cocktail mit Hähnchen oder Shrimps oder Fisch

Humitas Peladas
gebratene Mais-Happen

Cazuela del Moro
Eintopf nach Ouhamida-Art

Pan Dulce
Süßes

 

Anmeldung und Tickets für die Vulkanweine hier klicken

Vulkanweine

 

Hendrik Thoma, ganz oben im Bild Hendrik mit einem Maul voll Vulkanwein

Juwel am Main (früher gang & gäbe)

Walther-von-Cronberg-Platz 5, Frankfurt,

Event Vulkanweine

Mittwoch, 24. April, 19 – 23 Uhr.

Im Ticketpreis von 99 € enthalten sind die Degustation der Weine und die Speisen Die Teilnehmerzahl ist auf 50 Gäste begrenzt.

 




Der New Yorker Sternekoch David Bouley stirbt mit 70

Abschied von einem

kreativen und klugen Kopf

 

Es gibt bald mehr gute Köche im Himmel als auf Erden. Jetzt ist mit David Bouley wieder einer hinzugekommen. In einer Zeit als die USA am Steak nagte, brachte er eine behutsam ins amerikanische übersetzte französische Küche nach New York. Die kulinarischen Grundwerte vermittelten ihm seine französischen Großeltern, die eine Farm führten. Den letzten Schliff erhielt er bei Großmeistern der Zunft wie Paul Bocuse, Joël Robouchon und Frédy Girardet.

Im Restaurant Montrachet machte David Bouley 1985 als Küchenchef auf sich aufmerksam und eröffnete zwei Jahre später sein eigenes Restaurant mit dem Namen Bouley, das er an wechselnden Stellen führte. Er verzichtete auf Kaviar und Trüffel sowie Butter und Sahne und wollte die Natürlichkeit der Aromen in den Mittelpunkt stellen. Dies konnte ihm auch mit so einfach klingenden Gerichten wie Erbsen-Eis mit Apfelschaum gelingen. Sein folgendes Projekt, das stimmungsvolle Restaurant Bouley Bakery wurde mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet und nannte sich später wieder einfach nur Bouley. Vielleicht dachten zu viele, dass es sich bei diesem Lokal tatsächlich um eine Bäckerei handeln würde, was noch durch eine ungewöhnlich große Brotauswahl verstärkt wurde, bei der Brote aus Buchweizen, Walnüssen, Kokosfasern und Pistazien glänzten, die obendrein kein Gluten enthielten. Dies zeigte den Weg, den Bouley noch weit stärker ausbauen wollte: Gesundheitsbewusstsein, Lebensmittelkunde und Landwirtschaft gepaart mit Genuss.

Die größte Aufmerksamkeit erreichte David Bouley mit dem Restaurant Danube, das ebenfalls in seinem Lieblingsrevier Tribeca in der Hudson Street lag und sich zwei Michelin-Sternen schmücken konnte. Der Interior-Designer Jacques Garcia machte daraus das schönste und schickste Restaurant von New York, einen samtenen und poetisch glimmernden Jugendstilpalast. Es wurde schnell zum Lieblingsplatz der Restaurantkritiker und Prominenten. Paul McCartney, Keith Richards, Lou Reed und die Band U2 stimmten in den Lobgesang ein, Celebrities wie Jessica Sarah Parker, Naomi Campbell, Jennifer Lopez oder Leonardo Di Caprio bescherten Boulevardglanz. Auch die vielbeschäftigten Küchenstars Alain Ducasse und Ferran Adrià lockte der gute Ruf ins Danube. Dem Namen „Donau“ entsprechend hatte David Bouley einen Österreicher als Küchenchef gesucht – und fand ihn mit dem jungen Mario Lohninger, der mit seinen 24 Jahren viel Talent und gute Laune einbrachte. Durch Gröstl vom Maine-Hummer, Kavalierspitz, Wiener Schnitzel und Rinderbäckchen in Zweigelt-Sauce wurde Lohninger zum Liebling der Society. „Die New Yorker Gourmets weinen Freudentränen in ihre Schnitzel“ dichtete damals die Presse.

Aus dem 1999 eröffneten Danube wurde im Jahr 2011 mit dem japanischen Brushstroke ein völlig anderes Restaurant. Trotz der Auszeichnung von zwei Sternen im Michelin war dort nach fünf Jahren Schluss. David Bouley rückte zuletzt seine kulinarische Philosophie mit speziellen und oft japanisch inspirierten Botanical-Themen in den Mittelpunkt seines Lebens. Bei der Dinner-Serie The Chef & The Doctors kombinierte er seine Küchenideen mit medizinischen und ernährungswissenschaftlichen Aspekten. Eine spannende Konzeption, die ein Herzinfarkt nun beendete.

Interview mit David Bouley (r.) und Mario Lohninger, 9/11

Der im Mai 1953 in Storrs in Connecticut geborene David Bouley besaß eine amerikanische und eine französische Staatsbürgerschaft, man hörte im Gespräch mit ihm mehr ein französisches als ein amerikanisches Idiom. Bouley stammte aus einer Intellektuellenfamilie, seine Frau Nicole Bartelme ist Künstlerin und Gründerin des TriBeCa Film Festivals. Was an David Bouley vielleicht noch mehr als sein Kenntnisreichtum und sein unbändiger Wissensdurst beeindruckte, war seine überlegte besonnene Art. Es sind die stillen Menschen, die sich weit eher im Gedächtnis halten und dort lange leben bleiben.

Ludwig Fienhold

 

Photocredit: David Bouley at Home, Mario Lohninger




Restaurant Parthenon: 50 Jahre griechische Spitzenküche

Ausnahmegastronom Stelios

hat seinen eigenen

kulinarischen Olymp erschaffen

 

Welcher Gastronom hat es sonst geschafft unglaubliche 50 Jahre lang in seinem Restaurant für Spitzenküche zu sorgen? Asterios „Stelios“ Kokkinoplitis ist diese Leistung mit dem Parthenon in Frankfurt gelungen. Einmalig, nicht nur für Frankfurt. Jetzt konnte der quirlige Grieche aus der Region Chalkidiki sein großes Jubiläum feiern, bei dem das ganze Füllhorn der Küche ausgeschüttet wurde und die wunderbaren Weine aus Santorini in den Gläsern funkelten.

Stelios mit seiner Frau Emilia

Niemand hat ein Erfolgsrezept, aber es gibt gute Gründe, warum Stelios etwas schaffen konnte, was im kulinarischen Gedächtnis bleiben wird. Geholfen bei seiner Arbeit hat, dass er die wichtigsten Arbeitsplätze in der Gastronomie kennt, selbst am Herd stand oder im Service Hand anlegte. Vor allem aber ist er ein Qualitätsenthusiast und freut sich vom frischen Fisch, dem besten Fleisch und den feinsten Olivenölen zu schwärmen.

Lammkoteletts

Im Grunde besteht die Speisekarte im Parthenon nur aus Evergreens und Highlights. Die Milchkalbsfrikadellen, von denen beim Jubelfest 80 Kilo verputzt wurden, wären allein schon eine Anreise wert. Und wenn man dazu noch die hauchdünnen und nur kurz in Olivenöl frittierten und mit Salz und Oregano gewürzten Scheibchen aus jungen Zypern-Kartoffeln genießt, wähnt man sich bereits im kulinarischen Olymp.

Zicklein aus dem Ofen, Lammkoteletts, Lammkrone und geschmortes Lamm muss man im Parthenon gegessen haben. Schmorgerichte gelingen umwerfend gut. Das Fleisch ist zart und wird beherzt gewürzt, wobei meist eine Prise Zimt die Pointe setzt. Die traditionellen Kokkinisto-Eintopf-Gerichte können mit Huhn, Lamm, Schwein, Rind und auch Kaninchen gleichermaßen begeistern. Auch bei Fisch und Meeresfrüchten spürt man, dass Spitzenware verwendet wird, ganzen Fischen sollte man den Vorzug geben. Der Oktopus ist von saftiger Geschmeidigkeit. Sehr gut gerät außerdem der Stockfisch mit Kartoffel-Knoblauch-Mousseline. Das Parthenon ist weder Taverne noch Tempel. Es ist ein prächtiger Ort für dionysische Gelage. Man darf sich schon jetzt wieder auf die Gartensaison freuen, wenn Zicklein und Lamm auf den Grill kommen.

Stelios mit 19 Jahren

Das Parthenon war eines der ersten griechischen Restaurants in Deutschland, dass herausragende Weine aus Griechenland anbot. Längst hat sich das Angebot erweitert und verbessert, zudem betreibt Stelios gleich um die Ecke noch das Weingeschäft Cava Oinos mit ausgesuchten Tropfen und Olivenölen. Die Weine von der Vulkaninsel Santorini sind eine Klasse für sich, gerade die aus der autochthonen Rebsorte Assyrtiko, wir lieben die von Sigalas und Canava Chrissou-Tselepos.

Im Dickicht des Parthenon-Gartens kann man ein Schild entdecken, auf dem zu lesen ist, dass Asterios Kokkinoplitis ein Jahr nach der Eröffnung des Lokals 1975 diesen Baum pflanzte – einen Ahornbaum, dessen Holz als elastisch, zäh und robust gilt. Dies trifft auch auf den zu, der diesen Baum und das Parthenon großgezogen hat.

Text: Ludwig Fienhold

Fotos: Barbara Fienhold

Parthenon, Frankfurt, Kennedyallee 34, Tel. 069 63 54 19.

www.parthenon-restaurant.de

 




BISSiges: Aufgespießt mit spitzer Feder

Geschichten, die

das Leben schreibt

 

 

Mit Condor spuckt man melodischer

Es gibt ja Menschen, die sogar die Spucktüten aus dem Flugzeug sammeln. Unbenutzt natürlich. Die Sickness Bags werden übrigens tatsächlich bei ebay zu Preisen zwischen 1 – 9 € verkauft. Der Ferienflieger Condor hat sich zwar nicht unbedingt bei der Qualität der Bordküche verbessert, beweist aber Kreativität und Ironie bei der Gestaltung der Spucktüten. „Hello Again“ steht dort zu lesen. Ob Wiedersehen nun Freude macht, ist dabei nicht ganz so wichtig, hier zählt nur die Idee. Und die ist absolut hitverdächtig und verhilft sogar einem unverdaulichen Schlager zur Sympathie.

 

Journalistischer Doggy Bag
Philipp Elsbrock, ein fader Typ, der so blutleer über die Gastronomie schrieb, dass man sich fragen musste, was er eigentlich in diesem Sujet verloren hat, konnte nun endlich nach vielen Jahren als Redakteur bei Feinschmecker und Falstaff seine wahre Berufung finden: Er arbeitet jetzt bei Vegdog, einer Marke für vegane Hundeernährung.

 

Suppen-Attacke auf die Mona Lisa

Militante Lebensmittel-Ideologen haben im Pariser Louvre-Museum die Mona Lisa mit Suppe beworfen. Sie fragen, ob Kunst wichtiger sei als gesunde Ernährung. Die beiden Mitglieder der Gruppe „Riposte alimentaire“ alias „Lebensmittel-Gegenschlag“ treten mit ihrem Vandalismus für das „Recht auf gesunde und nachhaltige Ernährung“ ein. Nachfrage: Ist es im Sinne einer „nachhaltigen Ernährung“ mit Suppe zu werfen? Ist gerade eine solch sinnlose Lebensmittelvergeudung in irgendeiner Weise als gesund oder als gesunde Ernährung zu betrachten? Müssen wir das überhaupt Menschen fragen, die einfach nur keinen Sinn im Leben gefunden haben? Die Mona Lisa lächelt noch immer, dank Glasschutz. Aber eigentlich müsste sie sich übergeben.

LF

 




Abschied von Hotelbesitzer und Unternehmer Bernard große Broermann

Vom Bauernsohn

zum Milliardär

 

 

Er hatte Freude am Reisen und am Wein, er besaß eine gewitzte Art, einen gewissen Schalk und ein großes Vermögen. Bernard große Broermann war kein Wichtigtuer und bevorzugte den ruhigem Auftritt, Die Kindheit auf dem Land in Oldenburg hat ihn geerdet. Vom Bauernsohn zum Milliardär. Sein erstes Geld verdiente er als Zeitungsjunge in den USA. Bernard große Broermann ist zu verdanken, dass die Villa Rothschild aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt wurde. Dieses Kleinod im Taunus gehört zu den schönsten Hideaways in Deutschland und zur Luxushotelgruppe Broermann Health & Heritage Hotels.

Bernard große Broermann starb jetzt im Alter von 80 Jahren. 1999 gründete er die kleine feine Hotelgruppe, zu der fünf exklusive Luxushotels gehören: Das Falkenstein Grand und die Villa Rothschild in Königstein im Taunus und das Hotel Atlantic Hamburg sowie in der Schweiz in Montreux am Genfer See das Grand Hotel Suisse Majestic und das Fairmont Le Montreux Palace. Broermann zählt zu den erfolgreichsten Unternehmern Deutschlands. Er war Gründer der Asklepios Kliniken, einem der führenden Gesundheitsanbieter in Deutschland.

Broermann wurde am 20. November 1943 im niedersächsischen Damme geboren. Er studierte Medizin, Chemie, Betriebswirtschaftslehre und Rechtswissenschaften und promovierte als Jurist. Für die Zukunft seiner Unternehmensgruppe hat Broermann festgelegt, dass ein Gremium aus Familienangehörigen und langjährig Vertrauten die Wahrung von Gesellschafterinteressen dauerhaft sicherstellt und das unternehmerische Werk in seinem Sinne fortführt.

 

 




I can´t stop drinking: Die letzten Plätze für das Dinner mit top Weinen von Edi Simčič

Die letzten Plätze für „Weine mit BISS“

im Restaurant Brighella am Freitag

 

Von Ludwig Fienhold

 

Noch ist das Weingut Edi Simčič ein Geheimtipp. Doch mit der Begeisterung werden auch schon bald die Preise wachsen. Die satten saftigen und eleganten Weißweine sind Terroir pur mit Statur. Die Weinberge liegen in Slowenien nur einen Korkenflug von der italienischen Spitzenregion Collio im Friaul entfernt. Leo und Mario vom Frankfurter Restaurant Brighella wollen die Erzeugnisse ihrer slowenischen Nachbarn mit einem Menü begleiten. Die Gäste können erleben, dass die Weine aus Slowenien Gemeinsamkeit mit Italien und dem Friaul haben und doch so ganz anders sind. Dieses einzigartige Wein-Dinner findet am Freitag, 26. April, um 19 Uhr statt.

Wer durch die wunderschöne Hügellandschaft zwischen Slowenien und dem Fruial reist, wird keine Trennlinie spüren, alles fließt zusammen und geht ineinander über. Das Weingut Edi Simčič hat in Slowenien Starstatus und verfügt über ausreichend Qualität und Charakter, dies auszuweiten. Die Nähe zu Italien und Österreich ist für Slowenien charakterbildend, die salzige Luft von der Adria und die kühlen Winde von den Alpen prägen den Wein. Das spürt man besonders stark beim großartigen Tokata (ein Friulano alias Sauvignonasse), der mit einem faunischen Aromenreichtum begeistert. Frische, Mineralität, Zitrusnoten und feine Salzigkeit lassen ihn schlank erscheinen. Sommer und Sinnlichkeit im Glas.

Edi Simčič hat das Weingut hochgezogen, sein Sohn Aleks bestimmt aber längst prägend den Weinkurs, wobei dessen Söhne Jure und Jakob ebenfalls großes Talent zeigen. Ihr grandioses Debüt aus der autochthonen Rebsorte Friulano,   nennt sich I can´t stop, weil man sich einfach beim Trinken nicht bremsen will. Reife Früchte verwirbeln sich mit mediterranen Kräutern. Ein Duft von Wiesenblumen schwingt bei jedem Schluck mit, der zarte Geschmack von Orangenschale gibt eine leicht bittersüße Pointe. Vibrierend, spannend, dabei aber nicht nervös, sondern ungemein ausgeglichen. Jugendlicher Elan und viel Weisheit in einer Flasche. Ein Wein von Tiefe und Finesse, typisch Simčič. Diesen Wein gibt es nur in stark limitierter Auflage, kaum mehr als 600 Flaschen wurden erzeugt, diese Rarität kann man jetzt im Restaurant Brighella erleben.

Ein wenig opulenter, aber keineswegs fett, präsentiert sich der diskret buttrige und bestens balancierte Chardonnay von Simčič als schön definierter Burgunderbody. Der Rotwein Duet aus Merlot, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc ist ein freundliches Samtkissen, das aber nicht dumpf einlullt, sondern hellwaches Trinkvergnügen bereitet. Man kann diesen beschwingten Rotwein auch leicht gekühlt trinken, sein Duft von Brombeeren und Kirschen bleibt spürbar.

Die Flaschenetiketten mit den heiteren Hunden werden sich ebenso im Gedächtnis festbeißen, wie der mitreißende Geschmack. Alle vier genannten Weine (3 x Weiß, 1 x Rot) wird es im Brighella während des Wein-Dinners geben. So viel Weine von Simčič kann man so gut wie nie in einem Restaurant erleben. Bei Flaschenpreisen, die zwischen 22 und  48 Euro liegen, kommt man im Brighella zu einem preiswerten Vergnügen. Zudem gibt es ein sehr gutes und auf die Weine abgestimmtes Menü: Alle Weine und Gerichte zum sympathischen Pauschalpreis von 125 €.

Das Menü:

  1. Zarte Calamaretti mit Grissinikruste und Kartoffelcreme sowie“verbrannter“ Zitrone als überraschendes Gewürz.
  2. Belugalinsen, Fenchelcreme, Garnelen, Basilikum-Öl und Granatapfel.
  3. Loup de Mer mit Quinoa-Crunch on top in Zitronengrassauce.
  4. Kalbsrücken in samtiger Weinjus

 

Reservierungen ab sofort im Restaurant Brighella,

Tel. (069) 53 39 92.

Frankfurt, Eschersheimer Landstraße 442,

www.ristorante-brighella.de

Importeur für Weine von Edi Simčič ist Uwe Kohlwes in Bad Vilbel

www.just-wein.de

 

 

Wein-Dinner, Freitag, 26. April, um 19 Uhr.

4 Weine, 4 Gänge: 125 €.