In diesem Rosé spielt die Musik: Hampton Water rockt den Wein-Markt

Bed of Rosé: Joint Venture von Jesse Bongiovi, Jon Bon Jovi und Gérard Bertrand

 

Keine Promi-Plörre, sondern Spaß auf sehr gutem Niveau

 

Der Rosé Hampton Water hat zwar weltbekannte Urheber, ist aber keine Promi-Plörre. Rockstar Jon Bon Jovi, sein Sohn Jesse Bongiovi und der ebenfalls populäre Weingutsbesitzer und ehemalige Profi-Rugby-Spieler Gérard Bertrand aus Südfrankreich haben gemeinsam einen Wein auf den Markt gebracht, der in den USA Erfolge feiert und in Deutschland immer häufiger in der Gastronomie zu finden ist. Wir haben Jesse Bongiovi in Frankfurt getroffen und sind etwas mehr in den Hampton Water eingetaucht.

Jon Bon Jovi, Jesse Bongiovi, Gérard Bertrand (v.l.n.r.)

Bei Jon Bon Jovi und seiner Familie wurde in den Hamptons kalifornischer Roséwein wie Wasser getrunken. Die Feste im Refugium der Rich & Famous sind legendär. Der Spruch „Wenn in den Hamptons gefeiert wird, ist New York besoffen“, gilt noch immer. Über die Qualität der Weine machte man sich keine großen Gedanken, erinnert sich Jesse Bongiovi. Man trank belanglose kalifornische Rosés mit leicht süßlichem Touch. Mit den Jahren wuchsen die Ansprüche und der Wunsch einen eigenen Wein zu machen. „Wir wollten einen Rosé auf den Markt bringen, aber keinen kalifornischen, sondern einen südfranzösischen, wo die besten Rosés zu Hause sind“, meint Jesse.

Der Hampton Water mag wegen seiner Story wie ein Sonnyboy erscheinen, aber er ist ein handwerklich seriös gemachter Wein südfranzösischer Provenienz. Ein bekannter Name hilft, nützt aber nichts, wenn das Produkt nichts taugt. Der Hampton Water bringt es fertig, junge Weinfreunde zu gewinnen und solche, die Rosé-Weine kritisch sehen, mehr als neugierig zu machen. Das attraktive Etikett mit dem hohen Wiedererkennungswert hilft beim Verkauf, wer so etwas in den Regalen mit allseits austauschbaren Labels sieht, wird schneller zugreifen.

Jon Bon Jovi & Jesse Bongiovi

Man will mit diesem süffigen Rosé südfranzösisches Savoir-Vivre und den lässigen Lifestyle der US-Ostküste einfangen. Die Trauben für den Wein (Grenache, Cinsault, Syrah, Mourvedre) stammen aus dem Languedoc. Im Haus in den Hamptons von Bon Jovi wurden Roséweine bislang als „rosa Saft“ getrunken. Ihr eigener Rosé ist aber kein „Bed of Roses“. Der Hampton Water Rosé hat eine forsche Frische, entfaltet diskrete Fruchtaromen von Erdbeere, Himbeere und leicht herber Mandarine, wirkt aber zu keiner Zeit blumig, sondern vor allem saftig, geschmeidig und anregend. In der Magnum schmeckt er noch besser, was ja grundsätzlich für Großflaschen zutrifft, die man deshalb auch zu Hause haben sollte. In der Fachwelt kommt der Rosé Hampton Water sehr gut an, im britischen Decanter wird er als „highly recommended“ empfohlen, vom US-Magazin Wine Spectator ebenfalls mit 90 Punkten als „hervorragend“ eingestuft.

Neues Etikett, altes Etikett (r.)

Für Jesse Bongiovo (so eigentlich die richtige Schreibweise des Namens) muss ein guter Rosé crisp, frisch und leicht sein und sollte ohne aufdringliche Aromen auskommen. „Ein leicht salziges Finale“, so Jesse, „macht ihn leichter und animiert zum nächsten Glas.“ Natürlich weiß er, dass der berühmte Name für Aufmerksamkeit sorgt. „Aber wenn die Qualität schwach ausfällt, ist ein Wein nach dem ersten Schluck vergessen.“

Hampton Water gibt es seit dem Jahr 2018. Laut Jesse werden weltweit 1,4 Millionen Flaschen verkauft. Mit 80 Prozent sind die USA der größte Markt, in Europa ist Deutschland führend, gefolgt von der Schweiz und Skandinavien. In der deutschen Gastronomie ist Hampton Water gut vertreten. Durchaus typisch dafür ist die Sansibar auf Sylt, weil dort neben Prominenten auch Weinkenner zu Hause sind.

Jon Bon Jovi, Jesse Bongiovi

Jesse Bongiovi lebt in Manhattan, wo es alles gibt nur keine Weinkeller. Er muss mit einem Kühlschrank auskommen. Er mag es weder süß noch sauer und trinkt am liebsten Pinot Noir und Sparkling Wine.

Man darf den knapp 30 Jahre alten Jesse nicht bloß als „Sohn“ betrachten, er hat seinen eigenen Kopf und ist eigentlich der Initiator von „Hampton Water“. Hinter seiner lässigen kumpelhaften Art steckt jemand, der Erfolg mit seinem Projekt haben will. Dass Jesse Betriebswirtschaft studiert hat und als ehemaliger Football-Spieler kampferprobt ist, mag dabei helfen. Und vielleicht auch die eine oder andere Flasche Hampton Water.

Ludwig Fienhold

 

Bezugs & Trinkquellen

Hampton Water gibt es beispielsweise in der Sansibar auf Sylt sowie in den Frankfurter Lokalen Gerbermühle, Vai Vai, Kabuki und Fortuna Irgendwo.

Bezugsquellen im Fachhandel:
Vini di Vini / Dreieich
Geschmackvoll – Interieur & Wein / Niederdorfelden
Wein & Wahrheit im Main Taunus Zentrum / Sulzbach

Distributeur für Wiederverkäufer in Deutschland:
Wein Wolf / Bonn

Photocredit: Hampton Water, Barbara Fienhold




Frankfurts Fresstempel Kleinmarkthalle: Dumm rumstehen und saufen

Für das Partyvolk

spielt Dreck keine Rolle

 

Die Kleinmarkthalle, der Bauch von Frankfurt, macht immer mehr Bauchschmerzen. Jeden Samstag feiern rund um den Eingang am Liebfrauenberg Hunderte von Menschen. Feiern? Eigentlich stehen sie nur dumm rum und saufen. Wenn es nur dabei bliebe. In unschöner Regelmäßigkeit werden zerbrochene Flaschen, viel Müll und noch mehr Gestank hinterlassen. Wer so viel in sich hineinschüttet wie diese Saufis, muss die ganze Flüssigkeit auch wieder rauslassen. Am besten gleich an Ort und Stelle oder um die Ecke. Das stinkt auch den Anwohnern ringsum gehörig. Sie wollen abends schon gar nicht mehr vor die Tür gehen, weil sie keine Lust haben in Scherben zu treten, zumal wenn sie mit ihren Hunden unterwegs sind

Die Frankfurter Saubermänner von FES sind oft im Einsatz, können aber nicht dauernd zur Stelle sein. Jetzt mischt sich die Politik mit ein, aber wie so oft wenig konstruktiv. Die einen wollen auch nach der Schließung der Kleinmarkthalle um 16 Uhr (samstags) Toilettenhäuschen aufstellen, wogegen das Denkmalamt Bedenken anmeldet, weil damit die denkmalgeschützte Kleinmarkthalle und das Territorium herum verunstaltet würde. Wie kommt es aber dann, dass unweit des Eingangs am Liebfrauenberg drei riesige Müllcontainer stehen, die auch keinen schönen Anblick bieten. Jedenfalls könnte man daneben auch die Klohäuschen hinstellen.

Fraglich ist aber, ob damit das Problem zu lösen ist. Denn für Menschen, ob besoffen oder nicht, für die Dreck keine Rolle spielt und für die der öffentliche Raum ohnehin ein einziges Klo zu sein scheint, gehören Manieren eher nicht zur Charakterbildung. Das Verhalten von vielen Menschen vor der Kleinmarkthalle ist nur ein weiteres Indiz für die zunehmende Verwahrlosung in der Stadt.

Vielleicht sollten die Lokale, die vom Partyvolk profitieren, wie etwa der Rolanderhof, sich freiwillig verpflichten oder verpflichtet werden, den desolaten Zustand einzudämmen oder gar nicht erst entstehen zu lassen. Beispielsweise mit einem so hohen Pfand auf Gläser und Flaschen, dass diese gerne wieder zurückgebracht werden.

Die Partyszene vor der Kleinmarkthalle entstand während der Isolation in der Corona-Krise, wie andere Auswüchse auch. Das schaffte Luft und Freiraum, der den Menschen durch die Restriktionen genommen wurde.

Die Betreiber der Marktstände sehen das Partyvolk nicht gerne, denn viele Menschen, gerade die älteren, wollen sich nicht durch die dicht an dicht stehenden Massen zwingen und bleiben zu Hause statt einzukaufen. Auch die salopp gemeine Sitte, mit gefüllten Gläsern durch die Kleinmarkthalle zu schlendern, ist keineswegs cool, sondern nur dämlich.

Ludwig Fienhold

Photocredit: BISS Magazin




Rosé Wein: Der Durst des Sommers

Unsere Favoriten für

Terrasse, Strand und Meer

 

Von Ludwig Fienhold

Rosé ist mehr als ein Wein, er ist der Duft und der Durst des Sommers. Oft ist er nur ein leichter beliebiger Lifestyle-Drink, er kann aber auch Qualität zeigen. Wir stellen einige unserer persönlichen Favoriten vor, die Geschmack und Persönlichkeit ins Glas bringen.

Azul Perdido

Auf der Kanaren-Insel La Palma brodeln die Vulkane noch immer, 2021 flossen wieder Lavaströme. Glühende Leidenschaft zeigt die Bodega Azul Perdido bei ihren ungewöhnlichen Weinen. Das Garagenweingut von Rüdiger Ewerth ist so individuell wie die ganze kleine Vulkan-Insel. Der Rosé wird aus autochthonen Rebsorten erzeugt, die es teilweise sonst kaum noch gibt: Negramoll, Listan Blanco, Albillo Criollo und Viajariego Blanco. Der Clarete, Jahrgang 2021, ist ein fleischiger, saftiger, kompakter, runder und weicher Rosé. Ganz trocken, keine kitschige Frucht, nur ein wenig Cranberry, Kirsche, Hibiskus sowie ein Hauch Kräuter. Lustmacher erster Klasse. Ein vitaler Stoff, auch für Rotweinfreunde. Für uns jedenfalls einer der besten Rosé-Weine auf diesem Planeten. Mit einem schönen lyrischen Namen. Azul Perdido, verlorenes Blau.

Marta & Juan von Titerok Akaet

Titerok Akaet nannten die Ureinwohner die feuerroten brennenden Berge des Timafaya-Vulkans auf Lanzarote. Das kleine Weingut gleichen Namens hat nur Gutes und Einzigartiges zu bieten. Oft sind Rosé-Weine nur Abfallprodukte der Rotweinherstellung, hier reiht er sich in die Linie der Topweine mit ein. Der Rosé Ye-Yé ist super saftig, wildbeerig und prall und verhilft zu einer dynamischen Trinkgeschwindigkeit. Gloriously unstoppable.

Die Domaine de Marchandise schenkt uns einen köstlichen, nach praller Lebensfreude und Sinnlichkeit schmeckenden Rosé-Wein ein. Er schwebt in perfekter Harmonie über die Zunge und zeigt sich frisch, saftig, dicht und präzise in Ausdruck und Aromatik, wobei ihn ein Hauch Waldbeeren und ein Touch Grapefruit abrunden. Der Rosé Côte de Provence  aus den Rebsorten Syrah, Grenache und Cinsault lädt durch seine kühle Noblesse zum Weitertrinken ein.

Jeany & Stephen von Mirabeau

Die Rosé-Weine von Mirabeau sind duftig, geschmeidig, elegant und so harmonisch, wie man sich das ganze Leben wünscht.  Sie lächeln freundlich, aber in einer erfreulich trockenen Art, denn alle Weine haben unter einem Gramm Restzucker, was Geschmack und Bekömmlichkeit steigert. Uns gefällt die ganze Palette, aber der fabelhafte Mirabeau Rosé Classic zeigt alles, was ein erstklassiger Wein dieser Provenienz an Eigenschaften mitbringen sollte. Er ist feinsinnig und anregend, seidig und saftig, blitzblank sauber und so anschmiegsam, dass er lange im Mund bleibt. Über allem schwebt ein Hauch von Pfirsich, Himbeere und Erdbeere, pointiert durch frische Kräuter und einen Touch Minze. Ein armer Tropf, wer davon nicht mehr als ein Glas haben möchte. Der Pure fällt ähnlich aus und gestaltet sich doch etwas anders. Bei ihm dominiert trotz seines zarten Blütendufts eine salzige Mineralität. Nuancen von rosa Grapefruit und Pfirsich bereichern den Wein auf ganz dezente Weise. Ein feiner delikater Stoff, wie er nur aus der Provence kommen kann.

 

Bezugsquelle für Top-Rosé, wie Titerok-Akaet und Azul Perdido: www.weinamlimit.de

www.maisonmirabeau.com

 

Photocredit: Maison Mirabeau, Barbara Fienhold




Dancing Nietzsche: Der verrückteste Rosé aller Zeiten

Oxer Bastegieta:

Ein großer Wein von

einem ungewöhnlichen

baskischen Winzer

 

Von Ludwig Fienhold

 

Der Baske Oxer Bastegieta hat mit seinem „Otto“, Jahrgang 2022, etwas ganz und gar Ungewöhnliches geschaffen. Schon das Flaschenetikett signalisiert schräge Kunstfertigkeit: Friedrich Nietzsche im Ballettröckchen. Besser hätte man den lebenstollen Philosophen und sein gleichzeitig feines Wesen nicht einfangen können. Vor allem hätte es dem spitzfindigen Metaphysiker gefallen so kunstvoll auf einem Flaschenetikett zu erscheinen, zumal auf einem so irren Wein.

Genau so schmecken Nietzsches Dionysos-Dithyramben, besser kann man seine tiefgreifenden Gedanken nicht verflüssigen. Sinnlich, amüsant, rhythmisch und ganz und gar faunisch. Diesem Rosé entströmt ein exzentrisches Potpourri: Walderdbeeren, Süßholz, Rosenblätter, Kirsche, kandierter Rhabarberkuchen, Rumtopf, Karamell.
Letzte aufblühende Süße von verwelkenden Grabblumen. Wahnwitzig, schräg und doch saubere seriöse Arbeit. Hedonistisch, ein großes Glas voll Morgenröte. Ganz viel Nietzsche im Kopf. Trunkener Philosoph. Tanzender Zarathustra. Der Rosé basiert auf verschiedenen Rebsorten wie Garnacha, Graciano und Mazuelo, vor allem aber Tempranillo. Den 100 Jahre alten Rebstöcken werden nur winzige Erträge abgewonnen (20 hl/ha). Spontanvergärung, 10 Monate Ausbau in gebrauchten 100 Liter Tonneau. Es gibt nur 1000 Flaschen von diesem einzigartigen Wein (Preis 39 €).

Oxer Bastegieta ist ein Extremindividualist. Seine Weine sind allesamt Persönlichkeiten mit ganz eigenen Charakteren. Es sind viele schwierige Figuren darunter, doch keine langweilt. Oxer bevorzugt autochthone Rebsorten und schöpft vor allem aus der Region Rioja Alavesa, dem baskischen Teil des Weinanbaugebiets Rioja, wo besonders spannende Weine ihre Herkunft haben. Mit den klassischen altbekannten und oft in routinierter Langeweile versinkenden Rioja-Weinen hat diese Region wenig gemein. Oxers Weinzentrum bewegt sich in und um Laguardia.

Die Familie von Oxer Bastegieta betreibt ein Restaurant, er selbst hat Weinbau und Önologie studiert. Die Weinberge werden biologisch bewirtschaftet, beim Pflügen kommen noch Maultiere zum Einsatz. Derzeit werden knapp fünf Hektar bewirtschaftet, vorzugsweise mit autochthonen Rebsorten. Gärung und Reifung finden in den unterschiedlichsten Gefäßen statt, Edelstahltank, Betonei, Tonamphoren, Ex-Sherry-Fässer, Fässer und Eichenfässer unterschiedlicher Größe.

Oxer Bastegieta stammt aus dem Küstendorf Gernika/Guernica im Baskenland, das durch Picassos gleichnamiges Bild weltberühmt wurde. Bei den Namen und der Etikettierung seiner Weine besinnt er sich auf Schriftsteller, Dichter, Künstler und Musiker. Aber auch er selbst ist auf seine Weise ein Wein-Genie.

 

 




News im Frankfurter Eis-Krimi: Eis Christina heißt jetzt Dio Mio

Adriano, der Eisheilige, spachtelt jetzt die neuen Sorten

 

Mio Dio! Was für ein Gezänk um einen Eissalon. Die Familie Spadotto gab nach insgesamt 50 Jahren an der Eckenheimer Landstraße ihr Eis Christina auf und übergab an die Gastronomin Sara Saravini und ihren Mann Maurizio Grande. Diese nannten den neuen Eissalon dann Gelateria Christina, was den Vorbesitzern und vielen Stammgästen zu ähnlich erschien, weshalb sie so etwas wie geistigen Diebstahl empfanden. Die Spadattos hinterließen auf ihrem Anrufbeantworter eine Klageansage und warnten vor den neuen Pächtern. Der Eisverkauf lief in den ersten Tagen schleppend, aus den einstigen Schlangen an Besuchern wurden spärliche Einzelkunden. Jetzt gab es einen Knall, die Besitzer und Geldgeber, ein deutsches Ehepaar, trennten sich schlagartig von Sara Saravini und ihrem Partner. Aber nicht wegen des schlechten Verkaufs. Es gab massivere Gründe, das Verhältnis war zerrüttet. Auch Stefano Motta ist nicht mehr Geschäftsführer und Gelatiere im Eissalon, der sich nun Dio Mio nennt. Regie beim Eismachen führt inzwischen Adriano, der Eisheilige, der bereits im Pavone gegenüber der EZB erstklassige Kreationen herausbrachte und später im Firenze am Walther-von-Cronberg-Platz die Spitze des Eisbergs bildete.

Adriano, der Eisheilige

Der Eissalon Mio Dio hat handwerklich nichts mehr mit den Lokalen der beiden Vorgänger gemeinsam. Im neuen Mio Dio werden 24 Sorten täglich frisch im Eissalon hergestellt, die kleine Manufaktur kann man von der Theke aus durch die Glasscheibe gut einsehen. Es gibt keine Kugeln, es wird nach alter italienischer Tradition gespachtelt. Zu haben sind Ricotta-Eis, Joghurt-Heidelbeer oder Walnuss-Feige, aber uns gefällt besonders gut Fior di Latte, die reinste Eis-Form überhaupt. Sie war zuvor in Frankfurt nur im Firenze zu bekommen und ist auch jetzt wieder ein Alleinstellungsmerkmal .

Mio Dio

Adriano ist für die Eis-Qualität verantwortlich, die Einrichtung hat er nicht zu verantworten. Die schlichte Ausstattung von einst ist einem süßlichen Interieur gewichen. Es wurde alles viel teurer als zuvor ausgestattet, aber deshalb nicht besser. An dieser Stelle wurde unnötig viel Geld investiert, wo doch jeder wissen sollte, dass im Nordend solcher Quietschschick überhaupt nicht gut ankommt.

Dort liebt man eher rustikale und kauzige Lokalitäten mit persönlicher Handschrift. So wie das winzige Pizza Peppe nebenan, wo Eis Christina im Juli 1974 startete, bevor es 2002 ein paar Meter weiter zog.

Ludwig Fienhold

 

Gelateria Dio Mio, Frankfurt Nordend, Eckenheimer Landstraße 78.

Photocredit: Mio Dio, Fienhold/BISS Magazin




Adieu Michel Briedé: Die Weinbar ist dicht

Frankfurt verliert

eine sehr gute Adresse

 

Die Vinothequé Michel Briedé in Frankfurt ist geschlossen. Sie hat sich in vier Jahren als Institution etabliert, letzten Endes aber nicht genügend Umsatz generieren können, um die steigende Miete auffangen zu können. Den Niederländer Michel Briedé zieht es wieder nach Amsterdam, wo er in der Logistikbranche arbeiten wird und Wein nur noch privat genießen will.

Es gab über 100 handverlesene Weine, die meisten sogar glasweise. Einzigartig in Frankfurt und weit darüber hinaus. Solche individuellen und ambitionierten Lokale gibt es nur wenige in Deutschland. Michel Briedé war ein Wein-Scout. Er wurde getrieben von der Entdeckungsfreude nach neuen guten Weinen, die er auf der ganzen Welt fand. Seine Favoriten fand er in Europa, dort auch in England und den Niederlanden. Vom slowenischen Spitzenweingut Edi Simcic konnte er allein acht verschiedene Sorten anbieten. Es gab jedenfalls Weine, die man sonst vergeblich sucht.

Briedés Frau Katya sorgte für einfache, aber gute Leckerbissen, die verschiedenen Pfannkuchen und die Bitterballen waren ein Must-have. Im bürgerlichen Wohnviertel in der Vogtstraße gab es einige Weinfreunde in der Nachbarschaft, doch die meisten Gästen kamen von weiter her. Michel Briedé hielt nichts mehr in Frankfurt, wobei ihm die Stadt inzwischen langweiliger und schmutziger erschien als vor der Corona-Krise.

Nicht nur die mühsam aufgebaute Weinbarszene in der Stadt hat eine bemerkenswerte Adresse verloren. Es ist zu befürchten, dass solche mit großem persönlichem Engagement geführten Lokale zur Rarität werden, weil steigende Mieten und Betriebskosten immer weniger Lust machen, aber auch die ewig wuchernde Bürokratie der Fantasie die Flügel stutzt. Sehr entscheidend für den Erfolg von anspruchsvollen Weinbars ist aber auch die Location, auf die unmittelbare Nachbarschaft ist kein Verlass, die macht es sich auch gerne auf preiswerte Weise zu Hause gemütlich.

Ludwig Fienhold




Bussaco in Portugal: Historisches Hotel-Juwel mit Weinen der Königsklasse

Flüssige Patina, Geschichte zum Trinken

 

Im neogotischen Bussaco Palace ist die Zeit an einer besonders schönen Stelle stehen geblieben. Die Gäste flanieren durch die Hallen eines märchenhaften Ensembles, das wie eine Kreuzung aus Schloss und Kathedrale wirkt und nahezu unwirklich erscheint. Auch der verwunschene Zauberwald, der zum Schloss gehört, atmet Geschichte. Lange waren die eigenen Weine exklusiv für die Hausgäste reserviert, inzwischen kann man sie auch in Deutschland bekommen. Alles stark limitiert, denn insgesamt gibt es jährlich nur knapp 20.000 Flaschen.

Das zur Legende gewordene Hotel wurde 1885 für den letzten portugiesischen König errichtet und 1917 von der Familie de Almeida zum Luxus-Hotel umgebaut. Es liegt auf einem Hügel im Herzen des Bussaco-Nationalparks. Könige, Königinnen und Staatsoberhäupter bezogen Quartier, ausschließlich sie kamen in den Genuss der Palace-Weine. Nicht nur das Palace hat etwas von zeitloser Schönheit und Würde, auch die Weine sind von klassischer, fast schon archaischer Natur.

Die Trauben stammen aus den Regionen Dão und Bairrada. An der uralten Herstellungsweise hat sich nicht viel geändert. Die reifen Trauben werden bis heute in traditionellen Steintrögen, den Lagares, mit Füßen gestampft. Die Weine werden in Fudern oder auch in 300­ Liter-­Fässern ausgebaut. Als Weinberater hat das Bussaco Palace Dirk van der Niepoort gewinnen können, einen Großmeister der Weinelite Portugals. Ihm ist es zu verdanken, dass Hendrik Thomas Hamburger Unternehmen „Wein am Limit“ zu den ganz wenigen auf der Welt gehört, das diese Weine auch außerhalb des Hotels vertreiben darf.

Bussaco Palace

Die Weine, ob Rot, Weiß oder Rosé, brauchen viel Luft, man sollte sie karaffieren und nicht zu warm trinken. Die Weine sind „old school“, nicht üppig und konzentriert, sondern schlank und eher dezent. So oder so ähnlich könnten sie auch zu königlichen Zeiten geschmeckt haben. Bussaco (international) oder Buçaco (portugiesisch) will den Spirit von früher einfangen und bewahren.

Warum wir gerade den Rosé des Bussaco-Trios vorstellen? In dieser BISS-Ausgabe geht es ausschließlich um das Thema Rosé und die besonderen Vertreter dieser Spezies. Außerdem ist dieser Rosé eine Rarität, die nicht in jedem Weinjahr erzeugt wird. Der Rosé wurde 2017 erstmals nach rund 100 Jahren wieder gekeltert. Insgesamt drei Mal, 2017, 2019 und 2020. Dieser Wein tanzt nicht nur einen Sommer, er kann gut reifen.

Wir wollen den Wein ganz gewiss nicht heilig sprechen, aber er hat wirklich etwas vom Odeur einer Kathedrale, von in Stein gehauener Geschichte. Flüssige Patina. Er ist steinig, straight, trocken. Ein Hauch Steinobst, etwas Cranberry, nichts Quietschiges. Eigentlich ein Anti-Rosé. Den Preis von 79 € wird nicht jeder verstehen, aber man trinkt mit dieser Rarität eben auch Geschichte.

Ludwig Fienhold

 

Bezugsquelle: Wein am Limit, www.weinamlimit.de

Photocredit: Bussaco Palace

 




Kulinarische Sensation im Hotel Schloss Reinhartshausen im Rheingau: Frauen-Duo aus 3-Sterne-Restaurant soll das Marcobrunn führen

Simone Kubitzek und Hella Eggers kommen

aus dem Toprestaurant Aqua in Wolfsburg

 

Von Ludwig Fienhold

 

Das Schloss Reinhartshausen in Eltiville im Rheingau, das zuletzt als Flüchtlingsunterkunft diente, sollte komplett renoviert und umgestaltet schon Ende letztens Jahres fertig sein, wird aber nach neusten Erkenntnissen erst im Herbst eröffnen. Die größte Überraschung: Das Gourmetrestaurant Marcobrunn soll künftig von einem Frauen-Duo geführt werden: Hella Eggers (l. im Bild) und Simone Kubitzek (r. im Bild) kommen aus dem 3-Sterne-Restaurant Aqua von Sven Elverfeld in Wolfsburg.

Simone Kubitzek aus Würzburg war seit 2019 Junior Sous Chefin im Restaurant Aqua, Hella Eggers arbeitet dort zwei Jahre als Chefpâtissière. Beide haben bemerkenswerte Preise gewonnen und ihr Talent vielfach unter Beweis gestellt. Die Voraussetzung einen Spitzenplatz in der deutschen Gastronomie einzunehmen und sich im Rheingau ganz oben zu positionieren sind sehr gut. Jedenfalls ist es eine kleine kulinarische Sensation, was sich  hier gerade entwickelt.

Grundsätzlich soll die Küche französisch orientiert sein, aber mit starken asiatischen Einflüssen. Ein Gericht für die neue Karte ist zum Beispiel der Gebrannte Lauch, mit Sauce Soubise, Salzzitrone & Seidentofu. Die Salzzitrone soll der leicht rauchigen Sauce Soubise nicht nur die nötige Frische verleihen, sondern sich auch mit dem cremigen Seidentofu zu einem harmonischen Gesamtkunstwerk verbinden.

Das Restaurant Marcobrunn war einst eines der besten und schönsten Restaurants in Deutschland. Der selige Alfred Friedrich machte daraus ein kulinarisches Juwel (1999 – 2004). Joachim Wissler war von 1991 – 1996 im Marcobrunn Küchenchef und wurde dort zuletzt mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet.

Das neue Restaurant Marcobrunn by Tristan Brandt soll Ende Oktober an den Start gehen und will von Freitag bis Montag Gäste empfangen.

 

Photocredit: Fabian Matalla




Die Wein-Kometen von Santorini

Trauminsel mit berauschend schönen Weinen

 

Die Bilderbuchkulisse der weißblauen Dörfer am Kraterrand hat die Vulkaninsel Santorini zu einem der begehrtesten Traumziele gemacht, doch inzwischen ist sie auch als Weindestination bekannt. Es gibt im Touristenstrudel zwar ein Meer der Mittelmäßigkeit, doch einige Weingüter ragen wie Felsen heraus.

Die Weine von Santorini haben einen phänomenalen Aufstieg an Qualität genommen, was sich oft auch im Preis ausdrückt. Auf der Vulkaninsel wachsen Weine, wie man sie nur auf einem solch einzigartigen Boden ziehen kann. Man findet einige absolute Bravourstücke, der Wein von Mikra Thira, Jahrgang 2020, gehört dazu.

Das Garagenweingut ist selbstbewusst genug, um zu behaupten, dass es einen der besten, vielleicht sogar den besten Assyrtiko Griechenlands keltert. Und wirklich: Hier fließt etwas Großartiges ins Glas und verströmt so viel lustvolle Energie, die rauschig macht, weil man nicht aufhören möchte. Diese Kraft und Frische wird über eine feine Salzigkeit transportiert, die vielen erstklassigen Vulkan-Weinen innewohnt. Dazu kommt eine pikante Limettenfrische, ein Hauch Mirabelle und zarte Kräuternoten. Genial. Ein vibrierender Wein, der das Herz wärmt und die Sinne füllt. 50 % im Stahltank ausgebaut, 50 % auf der Feinhefe im gebrauchten französischen Fässern. Mit 2,3 % Restzucker schön trocken. Man sollte der Flasche 20 Minuten Luft gönnen oder gleich dekantieren.

Die Insel Santorini und ihr ungewöhnliches Terroir waren nie betroffen von der Phylloxera-Reblaus. Der karge vulkanischer Basalt schien keine geeignete Heimat für die meisten Pflanzen, aber auch nicht für Schädlinge zu sein. Assyrtiko ist mit gut 70 Prozent Anbaufläche die wichtigste Rebsorte und stammt ursprünglich auch aus Santorini. Die Weine besitzen geschmacklich etwas Gesundes, Reines. Die besten Tropfen zeichnen sich durch Natürlichkeit, Mineralität, Frische, Salzigkeit, feine Frucht und Konzentration aus. Begleitet von Zitrus- und Grapefruitgeschmack und aparten Kräuteraromen. Exemplarisch dafür stehen die Weine von Tselepos und dessen Weingut Canava Chrissou auf Santorini. Der Assyrtiko Vieilles Vignes 2017 schmeckt großartig, burgundisch, saftig, salzig, kräuterwürzig, kraftvoll. Ein klein wenig Chartreuse-Charme rollt dabei über die Zunge. Im Vordergrund aber stehen eine animierende Zitrusfrische sowie ein Hauch von Mandarine und Grapefruit. An keiner Stelle wirkt dieser griechische Grandseigneur parfümiert, sein Auftritt ist aromatisch verschwenderisch und doch kühl und trocken. Auch dieser Wein öffnet erst nach einer halben Stunde seine ganze Kraft und Sinnlichkeit. Der Jahrgang 2021 ist ebenfalls ausgezeichnet, aber freundlicher und schneller zugänglich als der gereifte aus dem Jahr 2017.

Bei den Santorini Assyrtiko Wein-Enthusiasten steht die Domaine Sigalas ganz hoch im Kurs. Der „Sigalas Santorini“ ist ein Assyrtiko, der auch Rieslingfreunde begeistern sollte. Schlank, frisch, mineralisch und auf einem Schluck überzeugend. Wiesenblumen flirren umher, Kräuterdüfte sorgen für mediterranes Feeling, eine subtile Salzspur regt zum nächsten Glas an und lässt den Wein nie müde erscheinen (und den Weintrinker auch nicht). Eine solche Dynamik und Klasse im Glas macht einfach nur Spaß. Der Les Iles de Sigalas ist ähnlich, elastisch cremig, aber nicht so vielschichtig. Er gehört zu den preiswertesten Santorini-Weinen und kann dennoch weit oben mitspielen. Man muss sich nur beeilen, ihn noch zu bekommen, denn er wird nicht mehr im Sortiment geführt. Bei einigen wenigen Händlern und mehr noch in manchen Lokalen ist er zu finden Der A&M von Sigalas, eine harmonische Cuvée aus Assyrtiko und Monemvasia, ist saftig, straff und knackig wie ein Riesling, lässt aber zudem diese einmalige vulkanische Santorini-Mystik aufblitzen, die ihn geschmacklich in eine andere Sphäre bringt.

Hatzidakis ist ein legendäres Weingut und das erste aus Santorini, das weit über die Insel hinaus bekannt wurde. Dies lag am Visionär Haridimos Hatzidakis, dessen Spirit die ersten und entscheidenden Jahre des 1996 gegründeten Weinguts prägte. Das große Talent verließ freiwillig diese Welt und hinterließ ein hoch kultiviertes Erbe. Tochter Stella und die übrige Familie übernahmen das Weingut und legten 2018 ihren ersten Jahrgang vor. Wer zuerst Bekanntschaft mit dem Assyrtiko „Familia“ 2021 macht, wird den Hype nicht unbedingt verstehen, weil diesem Wein die Tiefgründigkeit fehlt. Der Rosé, ein hundertprozentiger Mandilaria, hat Charakter und ist kein blasser Terrassentropfen, ist aber eben auch nicht die Paraderebsorte des Weinguts. Der Assyrtiko Cuvée No 15, Jahrgang 2020, stammt aus drei eigenen und unterschiedlichen Weinbergen und wurde im Stahltank ausgebaut. Er brilliert durch komplexe Fruchtaromen, Mineralität, Salzigkeit und einen Tiefsinn, der an die genialen Brüder Louros und Mylos erinnert. Die große Magie der Lava-Weine von Hatzidakis erlebt man vor allem beim Assyrtiko de Louros und mehr noch dem Assyrtiko de Mylos von 100-jährigen Reben.  Von beiden gibt es nur wenige tausend Flaschen, was den Preis von fast 100 € verständlich macht. Wer das Glück hat, gereifte Flaschen dieser phänomenalen Qualitäten zu verkosten, wird begeistert sein. Der Assyrtiko aus der Klosterparzelle Mylos 2011 ist eine absolute Rarität und kaum zu bekommen. Ein solcher komplexer, tiefgründiger und nach Bergkräutern duftender Weinriese wird zum Weltereignis.

Ludwig Fienhold

 

Weinhändler mit einer Auswahl an Weinen von Santorini

Cava Oinos, Frankfurt, Gartenstr. 101, Tel 069 96360808 

Wein am Limit, www.weinamlimit.de

Lobenberg, www.gute-weine.de

Stelios, stelios-weine.de

Cava, griechischer Wein, www.cava-griechischerwein.de

Restaurants mit Weinen aus Santorini

Parthenon und Nibelungenschänke in Frankfurt.

 

 




Küchenchef Hannes Ceglarz übernimmt das Restaurant Herr Franz

Lokal-Größe Franz Zlunka

geht und bleibt

 

Franz Zlunka vom Lokal im Livingston Palais im Frankfurter Westend, das jeder nur als „Herr Franz“ kennt, will den Betrieb jetzt an Küchenchef Hannes Ceglarz übergeben. Das hat der 73 Jahre alte Gastronom schon länger vor, nun aber ist der Handover beschlossen. So ganz kann und will Franz nicht entschwinden, denn er ist das Gesicht dieses Lokals. Man wird ihn also noch oft im Lokal und auf der Terrasse erleben können, mit einem guten Glas, einer Zigarette und einem flotten Mundwerk. Der neue Patron Hannes Ceglarz hat sich als Küchenchef vor allem in der Emma Metzler bei Jacky Strenz hervorgetan, wo ihn der Gourmet Guide Gault & Millau für seine kreative Küche mit 16 Punkte auszeichnete, während ihn der Michelin ignorierte.

Der Herr Franz ist schon ein Phänomen. Er ist enorm beliebt und niemand scheint sich zu fragen, warum eigentlich. Franz Zlumka  ist jedenfalls eine Lokal-Größe. Ähnlich wie sein Namensvetter, der Herr Franz aus dem legendären Wiener Café Hawelka, wo die Kellner noch Herren waren.

Herr Franz

Seine größte Zeit hatte Franz Zlunka im Literaturhaus an der Bockenheimer Landstraße. Es war einmalig, kauzig, kurios, und künstlerisch, so wie er halt eben auch. An eine Fortsetzung an anderer Stelle mochte man kaum glauben, aber sie ist irgendwie gelungen. Der historische Pferdestall im Westend, Livingston Palais genannt, ist schließlich ähnlich schön und inspirierend wie das Haus an der Bockenheimer. Keller und Küche haben sich auch nicht verändert. Auf Grüne Veltliner, knackige Rieslinge und große Franzosen ist nach wie vor Verlass. Manchmal aber meint es der Herr Franz gar nicht gut. Dann holt er eine Flasche heraus, die ein Weinhändler vergessen hat. Einen Orange-Wein, der auch noch Spitfire heißt. Untrinkbar. Das scheint ihm Spaß zu machen, dem Herrn Franz, so wie einst dem großen österreichischen Schriftsteller Thomas Bernhard seine Boshaftigkeiten, die von einer gewissen Gewitztheit begleitet wurden.

Franz Zlunka hatte auch den indischen Köchen seinen Stempel aufgedrückt. Sie kochten mitunter, als wären sie von Großmüttern in Österreich großgezogen worden. Hannes Ceglarz wird die Küche behutsam modernisieren, ohne die Klassiker wie Wiener Schnitzel oder Gulasch aufzugeben. Mittags wird es wohl rustikal bleiben, abends ein wenig kreativer. Man wird sehen, man wird schmecken. So oder so tafelt man in einem Baudenkmal. Die Innenhof-Terrasse ist traumhaft, das Palais ein Schlösschen.

Das Publikum besteht zumeist aus Gästen, die man keineswegs als langweilig einstufen kann, wobei sie auch nicht unbedingt extravagant sind. Es ist ein Haufen von Individualisten und heiligen Trinkern. Auch viele Prominente sind darunter, wobei Hannelore Elstner einem besonders die Augen öffnete. Und doch erregt hier niemand Aufsehen, denn jeder hält sich für einen Promi.

Manchmal fragt man sich, warum der Franz so beliebt ist. Warum wohl: Weil er so ist, wie er ist. Franz Zlunka ist nicht der erste und auch nicht der letzte in seinem Lokal. Irgendwann ist er da und irgendwann ist er plötzlich weg. Und so wird es auch jetzt wieder sein.

Ludwig Fienhold

 

 

 

 

 

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