Das neue Hotel Maison Heler von Philippe Starck: Ein poetisches Kunstwerk zum Wohnen

Ein starkes Stück des

Star-Architekten

Philippe Starck

in der französischen

Stadt Metz

 

Es soll ein poetisches und surrealistisches Kunstwerk zum Wohnen sein. So beschreibt der weltbekannte Architekt und Designer Philippe Starck das von ihm gestaltete und neu eröffnete Hotel Maison Heler im Amphitheaterviertel der französischen Stadt Metz.

Restaurant

Zum ersten Mal in Europa konzipierte Phillipe Starck das gesamte Projekt von Grund auf neu. Das monolithische neunstöckige Gebäude, ein Wahrzeichen der Stadt Metz, bietet einen atemberaubenden Blick auf die umliegenden Herrenhäuser aus dem 19. Jahrhundert. Für das Hausrestaurant „La Maison de Manfred“ hat die Künstlerin und Tochter von Philippe, Ara Starck,19 Buntglasfenster geschaffen, darunter ein monumentales, das in kathedralenartigem Farbglanz den Hauptsaal des Restaurants geradezu illuminiert. Das Restaurant befindet sich auf dem obersten Stockwerk des Maison Heler.

Philippe Starck

Das Haus bietet 104 Zimmer und Suiten sowie zwei Restaurants und Bars. Die Zimmerpreise beginnen bei 170 € pro Nacht. Die Immobilie ist im Besitz eines Investorenpools und wird vom französischen Unternehmen Sohoma (Solent Hospitality Management) verwaltet.

Nach den Worten von Jenny Pham, der Direktorin des Maison Heler, positioniert sich das Hotel touristisch als Anziehungspunkt für die Stadt  und die Region Grand Est, im Einklang mit seinem dynamischen Viertel und der benachbarten Kulturinstitution, dem Centre Pompidou Metz. Das Maison Heler erweitere Metz um zusätzliche Kapazitäten der Spitzenklasse und eigne sich auch für Großveranstaltungen und Kongresse.

Metz liegt am Zusammenfluss von Mosel und Seille, 85 Minuten mit dem TGV von Paris und eine Stunde von Luxemburg und Deutschland entfernt. Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Metz zählen das Centre Pompidou Metz, ein Museum für moderne und zeitgenössische Kunst, die Kathedrale Saint-Étienne, das Museum Cour d’Or – Metz Eurométropole, das Erbe des Mittelalters und der Renaissance, die Plätze aus dem 18. Jahrhundert (das Opéra-Théâtre ist das älteste noch aktive Theater Frankreichs), die Befestigungsanlagen (die Porte des Allemands ist eine kleine Festung) und der Bahnhof Metz, der dreimal in Folge zum „schönsten Bahnhof Frankreichs“ gewählt wurde.

 

Die Curio Collection by Hilton ist ein globales Portfolio von180 individuell gestalteten Hotels, die gezielt ausgewählt wurden, um Gästen einzigartige Momente an den begehrtesten Reisezielen der Welt zu bieten. Jedes Hotel der Collection erzählt eine einzigartige Geschichte durch unverwechselbare Architektur und ungewöhnliches Design.

Photocredit: Hilton




Bohème-Charme mit gutem Wein: Dribbde Markt in Frankfurt

Positives Paradestück für ganz Sachsenhausen

 

Die Frankfurter Partyzone Sachsenhausen ist nicht nur Suffmeile für den schnellen alkoholischen Kopfschuss. Es gibt auch eine Oase im Viertel, die zu einem chilligen Treffpunkt für Weinfreunde wurde. Im Hof vom Dribbde Markt (zuvor Markt im Hof) gibt es Entdeckungen zu machen, auch für Anspruchsvolle.

Auf den flüchtigen Blick findet man eine erstaunliche Vielfalt an Apfelwein, Wein, Cremant, Prosecco oder Champagner. Bei genauer Betrachtung wird daraus ein Sortiment, das Qualität und Individualität bietet. Es dürfte wohl in ganz Sachsenhausen keinen so guten und wunderbar trockenen Prosecco geben wie den vom Weingut Case Paolin aus der Region Asolo. Dieser schöne Schäumer ist so trocken, genauer brut, dass ihn auch alle mögen werden, die sonst einen Bogen um blumige Vertreter dieser Spezies machen. Wenn man dann noch einen erstklassigen und dennoch preiswerten Wein wie den Soarda vom biodynmanisch arbeitenden Weingut Contra Soarda entdeckt, schließt man sofort Freundschaft mit dieser so anderen Adresse für Weinliebhaber. Der reinsortige saftige und gut strukturierte Wein aus der autochthonen Rebsorte Vespaiolo wächst auf vulkanischen Böden in Bassano del Grappa in Venezien. Zitrusfrische paart  sich mit einem Hauch von Orangenzeste und Grapefruit und wird von einer anregenden Salzspur durchzogen, die ungemein Lust nach mehr macht.

Ausgesuchte Champagner und Schaumweine, die man sonst nicht findet, Nischenwinzer und Newcomer prägen das Sortiment. Und dass es dann auch noch die famosen Apfelschaumweine und Apfelweine von Stier gibt, sollte gerade jene interessieren, die Sachsenhausen für ein nur im betrunkenen Zustand zu ertragenes Pflaster halten. Insgesamt stehen über 120 verschiedene Flaschen parat, Frankreich, Italien, Spanien und Deutschland stehen im Vordergrund. Es existiert eine Karte mit offenen Angeboten, man kann aber auch jede Flasche aus dem Ladensortiment für ein Korkgeld von 15 € bekommen. Man sitzt auf kleinen Bänken im Hof oder im Marktladen selbst, der Geschäft und Vinothek in einem ist, wo man zwischen den Weinregalen plaudern und trinken kann.

Im Hof gastieren wechselnde Stände mit Tapas, Streetfood oder Imbiss jeglicher Art. Veronica von Manduca Food Truck & Catering brachte kürzlich häppchenweise spanische Tapas mit, würzige Chorizo, Manchegokäse und richtig gute Chimichurri-Sauce. Kay Exenberger, der ehemalige Tausendsassa-Gastronom, ist auch Experte für Flipper und Spielautomaten. Diesen Geräten ist ein eigener Raum gewidmet, die man bespielen oder auch kaufen kann. Es finden auf dem Hof auch Flohmärkte, Kunst Workshops, Wein Tastings und anderes mehr statt (am besten aktuell auf der Webseite nachschauen).

Christiane Kern + Thomas Kastner

Betrieben wird der Dribbde Markt sehr engagiert von Thomas Kastner und Christiane Kern, die mit dem Naschmarkt am Dom eines der schönsten und besten Cafés mit ausgesuchten Leckereien betreibt. In der Wallstraße ist die Kneipendichte enorm, man kann von einem Lokal ins nächste fallen, wobei der Apfelwein keineswegs die Hauptrolle spielt. Der alte Platzhirsch Lobster hällt immer noch die Stellung, bei Whisky Spirits gab es eine Whiskymesse bei der auffällig viele Frauen ordentlich zum Zug kamen. So etwas wie den Dribbde-Markt hat es bislang aber nicht gegeben, er ist für die Szene eine große Bereicherung. Es sind genau solche Adressen, die das ramponierte Image von Sachsenhausen deutlich verbessern.

Ludwig Fienhold

Fotos: Barbara Fienhold

Hof-Laden Dribbde Markt, Frankfurt, Wallstr. 11

Geöffnet Do + Fr 16.30 – 20.30 Uhr, Sa 12 – 20 Uhr.

Tel. 01512 3595355

www.dribbdemarkt.de

 




JW Marriott Frankfurt: Eröffnungsfeier im neuen Restaurant Greta Oto

Farbenfrohes Flair und

südamerikanische Küche

sollen Gäste locken.

 

 

Für einen Abend wurde das neue JW Marriott zur Hüpfburg. Mit viel Wirbel und Samba-Rhythmen verwandelte sich das Hotel in einen Tanzsaal. Gefeiert wurde die Eröffnung des neuen Restaurants Greta Oto. Allein die frohe Farben des Interieurs hätten zwar für ausreichend gute Laune gereicht, aber offenbar wollte man seine Freude besonders laut kundtun.

Das neue Restaurant will sich optisch und kulinarisch südamerikanisch präsentieren. Die Partyhäppchen gingen im Getöse unter und waren weniger spicy als die Tänzerinnen. Den besten Eindruck vemittelte der einsatzfreudige Service, vor allem das Bar-Team von André.

Die Lobby-Bar, die zuvor beim Jumeirah Hotel ein kümmerlicher Appendix war, zeigt sich nun durch mehr Größe und eine neue schwungvolle Treppe deutlich attraktiver. Die Treppe ist nicht allein eine optische Bereicherung, sondern verbindet das Hotelentree mit dem Restaurant, das zuvor nur über den Lift zu erreichen war. Wenn jetzt noch die kleine Terrasse erweitert und nicht nur als Raucherecke genutzt würde, könnte das Hotel noch mehr gewinnen. Offiziliell soll eine Art Wintergarten entstehen, wovon noch nichts zu sehen ist. Man sollte sich beeilen, die Terrassen-Saison hat begonnen. Es gibt kaum jemand in der Stadt, der nicht draußen sitzen möchte. Man müsste sich bei der Hotelleitung auch verstärkt ein Bild von der Stadt und seinen Hotels machen, von denen es kaum eines geschafft hat, sich durch die Gastronomie bei den Frankfurtern beliebt zu machen.

Ludwig Fienhold

Fotos: Barbara Fienhold

 

Siehe auch Biss-Artikel

Anne Drescher ist neue Hoteldirektorin des JW Marriott in Frankfurt

Restaurantleiter Javier Villacampa




Wieder eine gute Adresse weniger in Frankfurt: Café im Kunstverein steht vor dem Aus

Gibt es eine Rettung

für das Lokal

an prominenter Stelle?

 

Das neu geführte Café im Kunstverein in Frankfurt war viel mehr als eines unter vielen Cafés. Es war ein cooler Hotspot, eine Mischung aus Café, Weinbar und internationalem Treffpunkt. Durch seine Pole Position an der Schnittstelle zwischen Altstadt und Neuer Altstadt zog es Frankfurter und Besucher gleichermaßen an. Das historische denkmalgeschützte Haus liegt am legendären Krönungsweg, auf dem die Kaiser nach der Krönung im Dom zum Römerberg zogen.

Es gibt einige bemerkenswerte Adressen zwischen Römer und Dom in Frankfurt, das Café im Kunstverein war eine der besten. Es wurde die letzten beiden Jahre von neuen Betreibern weit besser und professioneller geführt als je zuvor. Cappuccino und Cortado waren ausgezeichnet und handwerklich gut gemacht, es gab mit der Kelterei Stier nicht irgendeinen beliebigen Apfelwein, sondern einen wunderbaren dieser Spezies. Daneben konnte man ordentliche Weine bekommen, auch ausreichend glasweise. Auch andere schäumende Weine und Champagner schimmerten verlockend im eisgefüllten Kühler. Der Service war flink und freundlich und fand auch bei vollem Haus ein nettes Wort. Es gab auch einige gut gemachte Tellergerichte und Happen, mehr ließ der Denkmalschutz nicht zu, da eine richtige Küche mit offenem Feuer angeblich brandgefährlich wäre.

Das Lokal wurde jedenfalls so engagiert geführt, wie nie zuvor an dieser Stelle: Und trotzdem steht es jetzt völlig überraschend vor dem Aus. Die Betreiber haben Insolvenz angemeldet. Inzwischen hat das Café im Kunstverein seit drei Wochen geschlossen und reagiert leider nicht auf unsere Nachfragen. Das Lokal war immer gut besucht, die Gäste haben nicht wenig konsumiert. Was aber hat zu dieser wirtschaftlichen Schieflage geführt? Vermieter des gastronomischen Betriebs ist der Kunstverein, vielleicht kann es mit ihm noch zu einer Verständigung kommen. Ein Insolvenzantragsverfahren bedeutet zwar in den meiste Fällen das Aus, muss aber kein Todesurteil sein. Vielleicht gibt es noch eine Chance.

Ludwig Fienhold

Photocredit: Barbara Fienhold




Abschied von der Mode-Avantgardistin Christine Staatz

Ihre Hysterie-Läden haben Frankfurt-Geschichte geschrieben

 

Christine Staatz brachte die bunte Modewelt nach Frankfurt, als man dort noch in Sack und Asche ging. 1985 eröffnete sie ihr erstes Modegeschäft in der Stiftstraße. Labels von Galliano, Comme des Garcons, Yamamoto oder Hervé Leger begeisterten ein nach extravaganten Neuheiten suchendes Publikum. Nach kurzer schwerer Krankheit ist Christine Staatz am Osterwochenende überraschend verstorben, einige Wochen nach ihrem 66. Geburtstag am 13. Januar.

Christine Staatz im Hotel Lindenberg in Frankfurt

Christine wuchs in einem kleinen Ort in der Nähe von Heidelberg auf und stylte bereits als Kind stundenlang ihre Puppen. Die Laufbahn im Bankengeschäft wurde ihr trotz guter Karriereaussichten schnell zu langweilig, ebenso wie die dort herrschende Kleiderordnung. „Ich habe mein ganzes Geld für Designerkleidung ausgegeben. Ich wusste, ich muss in die Modebranche wechseln.“

Christine Staatz war auch selbst eine Modefigur wie aus der Vogue gesprungen. Sie galt als schrill, dabei zeigte sie nur wie expressiv, heiter und eigenwillig Mode sein kann. Markanntes Erkennungszeichen waren ihre kunstvoll nach oben gedrehten Haare. Auch mit ihren wechselnden Perücken machte sie eine gute Figur. Chrsitine Staatz war ein vielfotografiertes It-Girl.  Auf den Fashion-Shows in New York und Paris war sie ein Eyecatcher und kam backstage schnell in Kontakt mit jenen Menschen, die ihren Marken die Namen gaben: Yohji Yamamoto, Jean-Paul Gaultier, Thierry Mugler oder Hervé Leger,

Christine in Marbella

Ihre größten Erfolge feierte die alterslos erscheinende Staatz in ihrem Geschäft in der Stiftstraße und konnte auch noch in der Schillerpassage auftrumpfen, während ihre letzte Adresse in der Bethmannstraße schräg gegenüber vom Steigenberger Hotel Frankfurter Hof weit weniger vorteilhaft ausfiel. Sie erinnerte sich bis zum Schluss vor allen an die guten Zeiten. „Die haben mir den Laden leer gekauft, manche Kunden kamen nach Ladenschluss und blieben bis Mitternacht.“ Es shoppten internationale Stars, die Bandmitglieder von Aerosmith und die Pet Shop Boys oder Pink, begleitet von vier Bodyguards.

Danach versuchte Christine Staatz ihr Glück mit einem Internet Store und eigener Overknee Collection. Obwohl dabei weniger als erwartet umgesetzt wurde, gab sie nicht auf und ging einen anderen Weg. Schon immer vom Schönen angezogen, versuchte sie in Marrakesch in Zusammenarbeit mit Hotels, Boutiquen und anderen noblen Adressen Kunden für exklusive Buchungen zu gewinnen. Man konnte sich mit ihr über Hotels und Restaurants, die gute Küche überhaupt, ebenso ausgiebig unterhalten wie über Mode. Nach sieben Jahren in Marroko zog es sie zu einer weiteren Glamour-Destination, nach Marbella. Mit einem ähnlichen Konzept wie in Marrakesch sowie Immobilienvermittlungen konnte sie sich dort ein gutes Leben aufbauen, das nun jäh zu Ende ging.

Christine Staatz liebte Luxus und Glamour, vor allem hatte sie Lust aufs Leben. Ihr Lachen hätte einen Saal füllen können, aber sie konnte auch ganz still und leise und nachdenklich sein. Getrieben wurde sie immerfort von einer kindlichen Neugierde. Sie hatte eine tiefe Sehnsucht in sich, die noch nach Erfüllung suchte.

Ludwig Fienhold

 

Photocredit: Barbara Fienhold, Staatz privat

 




Restaurantkritik Purs in Andernach: Die Entdeckung der genialen Leichtigkeit

Peter Fridén begeistert mit

New Nordic Japanese Cuisine

 

Von Ludwig Fienhold

 

In den letzten Jahren hat uns kaum jemand so begeistert wie Peter Fridén, der mit einer Leichtigkeit kocht, die vielen anderen verlorenzugehen scheint. Präzission, Finesse. Purismus. Immer auf den Punkt. Unverkrampf, ungekünstelt unverstellt, und dabei fidel und faunisch.

Eine Fusion aus skandinavischer und japanischer Küche mit französischer Haute Cuisine klingt spannend, kann aber auch riskant sein und überstrapazieren. Peter Fridén gelingt jedoch im Restaurant Purs mit viel Geschmacksgefühl ein Bravourstück nach dem anderen. Die erstklassige norwegische Langoustine im zarten japanischen Koshihikari-Reismantel wäre für sich schon ein Ereignis. Grüner Spargel im Spargelsud mit Estragon-Öl, eine delikate Shoyu Tamago Creme aus Eigelb und Soja sowie ein separat servierter superber japanischer Eierstich auf Basis einer Krustentier-Bisque machen ein Meisterwerk daraus. Eine derart feinsinnige Kombinationsfreude, bei der jeder Akzent eine Aussage hat, zeichnet alle Gerichte aus.

Team Purs

Der von Natur aus leicht buttrige und süße dänische Hamachi-Fisch wird von Weinbergspfirsich, Bora King Rettich und als „Kaviar des Feldes“ bezeichneten knusprig-nussigen Tonburi-Samen eskortiert und durch eine umwerfend gute Sauce aus Pfirsich-Dashi und Ingwer auf höchstes Niveau gebracht. Japanische Ästhetik trifft auf skandinavische Klarheit.

Patio

Um die Qualität eines Fischs optimal zu halten und die Fleischstruktur nicht zu beschädigen, greift man in Japan seit uralten Zeiten zur Ikejime-Technik. Mit der Benutzung eines Edlstahldrahts sollen beim Schlachten Stress und Schmerzen vermieden werden, was für den Fisch Vorteile hat, aber auch den Geschmack fördert. Der Wolfsbarsch wurde in diesem Fall in Butter pochiert und ist von einer außergewöhnlichen Feinheit und Reinheit. Der Clou ist ein Ara Dashi, für den Kopf, Knochen und Flossen mit verwendet wurden, um daraus einen so intensiven wie subtilen Sud zu ziehen, dessen Röstaromen sich mit fermentierten Mirabellen und Erbsen innig verbrüdern.

Und noch ein geniales Gericht, das in den Mund zu schweben scheint: Chawanmushi-Eierstich mit Flusskrebsen und Jakobsmuschel in einer fabelhaften Bisque aus Flusskrebsen mit Kaffir-Limettenblättern. Das gereifte und gegrillte Schwarzfederhuhn bringt süffige satte Aromen auf den Teller. Steinpilzscheiben, gegrillter Lauch und ein sehr saftiger Gänseleber Bun in einer Sauce aus weißem Miso und würzigem Vin Jaune sind von einer Diversität, die scheinbare Gegensätze harmonisch zusammenführt.

Auch die Patisserie weiß unter aderem durch luftigen Blätterteig mit Rosinen, pochierter Nashi-Birnenfüllung, Birnen-Sorbet, Crème Chantilly und burgundischen Herbsttrüffeln zu glänzen und bringt sich hervorragend in die Spitzenküche ein. Es gibt nur zwei Menüs, eines rein vegetarisch. Dazu werden stets aufwendige und exquisiete Appetizer serviert: Norwegische Fjord-Forelle und Gelbe Bete mit Nussbutterschaum und Kräutervinaigrette.

Peter Fridén

Peter Fridén

Küchenchef Peter Fridén wurde in Südkorea geboren, wuchs in Schweden auf und gelangte zu seinen Fertigkeiten in der französischen Küche unter anderem bei Heinz Winkler in Aschau. Nun macht er Andernach zu einer Gourmet-Destination. Das Purs ist ein stilvolles Restaurant mit angenehmen Tischabstand und Blick in die hinter Glas arbeitenden Küche. Es will kein formeller Tempel sein, sondern ein heiterer Ort für Genießer mit einem saloppen, freundlichen und engagierten Service. Sommelier Johannes Gutt weiß die gut gewählten Weine und Sake schwungvoll und animierend einzusetzen. Die Weinkarte ist erstklassig aufgestellt, für uns passen am besten Champagner und Sake zur Küche des neuen Purs.

Die asiatische und die nordische Küche haben sehr verschiedene kulinarische Traditionen und Zutaten, auch die Kochtechniken sind unterschiedlich. Dennoch sieht Peter Fridén verbindende Elemente wie Fisch und Meeresfrüchte, die starke Nähe zur Natur und die Verwendung von frischen, saisonalen Zutaten. Fridén will mit seiner Küche die Schönheit und den Geschmack der natürlichen Zutaten betonen und einen Genuss mit Tiefe bieten.

Zuvor kochte im Purs Yannick Noack, der zwei Sterne im Michelin erhielt. Peter Fridén, den wir für ungleich besser halten, wurde aktuell mit einem Stern ausgezeichnet. Der 43 Jahre alte Koch ist ein Ausnahmetalent, das erst vor einigen Monaten vom Yoso ins Purs wechselte, die beide zu den „Purs Fine Hotels & Restaurants“ in Andernach gehören.

Purs, Luxury Boutique Hotel, Andernach, Steinweg 28

Tel. 026 32 95 86 75-0. Mittwoch – Samstag ab 18.30 Uhr

www.purs.com

Menü 6 Gänge 190 €

Winepairing 120 € (0,1l)

Auch ungewöhnliche alkoholfreie Weinbegleitung

Offene Weine 10 – 20 € (0,1).

Photocredit: Purs/Ydo Sol

Fienhold (1)

 




Purs Hotel: Hideaway mit Sinn für extravagante Schönheit  

Das Auge flaniert durch eine Welt der leisen Wunder

 

Eine alte Bischofskanzlei aus dem Jahr 1677 wurde zu einem der schönsten Hideaways in Deutschland. Der weltbekannte Innenarchitekt und Antiquitätenhändler Axel Vervoordt haucht dem Haus durch seine Gestaltung eine kunstvolle Seele ein, die keinen Gast unberührt lasen wird. Dass dieser optische Leckerbissen durch die feingeistige Küche von Peter Fridén eine ästhetische passende Ergänzung findet, macht einen Besuch zu einem Ereignis. Das Auge flaniert durch ein Haus der tausend Sinnlichkeiten.

Bibliothek

Wohin man blickt entdeckt man Antiquitäten, Kunsthandwerk und Design-Finessen. Antike Dielenböden, alte Bauernschränke, ein pyrenäischer Hirtentisch, eine Apotheke aus dem 18. Jahrhundert wurde zur Rezeption. Die Suite Nr. 3 ist von extravaganter Schönheit und wird durch eine Terrasse mit Ausblick erweitert. Wenn Axel Vervoordt zu Gast ist, dann zieht er dort ein. Allerdings wird auf seinen Wunsch einiges verändert: TV und Telefon und alles andere, was ihn stört, werden entfernt. Eine Minibar gibt es ohnehin nicht.

Rezeption

Suite

Das Hotel zieht Kunstsinnige und Designaffine an, aber auch Menschen ganz anderer Coleur. Da Axel Vervoordt auch in der Welt der Prominenten beliebt ist und unter anderem das Penthouse von Robert De Niro in New York gestaltete, kamen auch Kim Kardashian, Katy Perry und Orlando Blum nach Andernach

Das Purs ist das erste Gebäude, das Axel Vervoordt als Ganzes bis in jedes Detail gestaltet hat. Es wurde nicht nur ein Gesamtkunstwerk und integriert besondere Objekte namhafter Künstler. Japanische Werke, darunter Keramikkunst von Shiro Tsujimura, einem der gefragtesten zeitgenössischen Töpfer und Werke des Bildhauers und Installationskünstlers Susumu Koshimizu, wurden von Vervoordt im Purs effektvoll in Szene gesetzt.

Das ausgezeichnete und individuelle Frühstück wird dort serviert, wo man an der Bar noch seinen Nightcap getrunken hat. In normalen Hotels macht man das als Gast nicht gerne, im Purs freut mach sich zu jeder Zeit auf Entdeckeung in allen Ecken und Winkeln.

Ludwig Fienhold

www.purs.com

Photocredit: Purs, Fienhold




Timorasso-Weine erobern Toprestaurants: Rarität aus dem Piemont für Feintrinker

Hedonistisches im Glas

 

Von Ludwig Fienhold 

 

Es gab viele gute Flaschen und Raritäten beim Gourmet & Wein-Festival zu verkosten, doch die italienischen Weine aus der eher unbekannten und autochthonen Rebsorte Timorasso waren der Knaller. Diese erstklassigen Weine sind noch ein Geheimtipp, erobern aber gerade die Spitzenrestaurants in Deutschland. Da sie noch bezahlbar sind, werden sie auch bald verstärkt Einzug in die privaten Keller finden. Conrad Mattern, der eigentlich als promovierter Ökonom Vermögensverwalter ist, hat sich ganz auf Timorasso und den Handel damit spezialisiert. Im Kronenschlösschen im Rheingau präsentierte er eine schöne Auswahl dieser ganz anderen und besonderen Weißweine aus dem Piemont.

Conrad Mattern

Conrad Mattern hat mit 40 unterschiedlichen Winzern und noch mehr Weinen das größte Angbot dieser Spezies weltweit. Charakteristisch für Timorasso sind pikante und präzise Noten von Salz und Zitrone, mitunter auch eine Petrolnote, die aber mehr für die Nase wahrnehmbar ist und kaum im Geschmack – und vor allem damit nicht so nervt wie mancher gereifter Riesling. Die Timorasso-Weine haben eine gute Säurestruktur und weisen überdurchschnittlich viel Alkohol (14-15 %) auf, was aber in bester Balance geschieht und keineswegs Zunge und Kopf überstrapaziert. Die jüngeren Weine sind von energiegeladener Frische, die älteren fallen weich und cremig aus und überraschen mit einem großen Alterungspotential, was gerade bei italienischen Weißweinen ungewöhnlich ist. Alles in allem erlebt man komplexe Weine mit Tiefgang, denen etwas imposant Burgundisches anhaftet, was sich bei großen bauchigen Gläsern noch beser darstellt. Der Wein braucht viel Luft.

Der Il Montino aus dem Jahrgang 2017 von La Colombera ist ein wunderbarer Stoff für Feintrinker. Saftige Birne, fruchtig-herbe Quitte, Frischekick von Zitrus, delikate Kräuterwürze, ein Hauch von Honig. Langer Nachhall. Eine Salzspur, die auffrischt und Lust auf das nächste Glas macht. Auch der Lagenwein Pitasso 2017 von Claudio Mariotto zeigt, wie fabelhaft die Timorasso-Weine altern können. Die meisten von ihnen reifen im Stahltank, manche im Stahl und im Holzfass, wobei man beim Holz nie übertreibt und mit diesem Ausbau nur etwas mehr Tiefenschärfe einbringt. Grundsätzlich gibt es von Timorasso-Weinen nur geringe Mengen, rund 100 Winzer verfügen über gerade einmal 400 Hektar Rebland.

Walter Massa ist der große Pionier auf dem Gebiet des Timorasso, er hatte schon in der Mitte der 1980er Jahre die Qualität und das Potential erkannt, während andere sich lieber mit Nebbiolo und Barbera beschäftigten. Seine Weine sind von einer Eleganz und Feinsinnigkeit, wie sie nur die Allerbesten aus dieser Rebsorte herausholen. Man muss nur einmal seinen wunderbar gereiften Lagenwein Costa del Vento aus dem Jahr 2013 probieren, um zu erkennen, wie grandios diese Weine geraten können. Betörender Blütenduft, Kräuter, Mandarine, etwas Minze – famos.

Die Küchenchefs Benedetto Russo und Carmelo Greco, die den Weinreigen kulinarisch begleiteten, Johanna Ullrich, Managerin vom Kronenschlösschen, Conrad Mattern (v.l.n.r.)

Der Pazienza 2013 von Walter Massa ist eine absolute Rarität und wurde als Spätlese geerntet. Nur einmal als Unikat. Bernsteinfarben liegt er wie ein gerade entdeckter mystischer Schatz im Glas. Ein betörender Duft von Rosinen, Datteln und Ananas steigt empor. Sein stattliches Säurerückgrat lässt ihn ungemein frisch und lebendig und alles andere als kitschig süß wirken. Italien traut man keine großen Weißweine zu, Timorasso beweist das Gegenteil.

Das erste Mal mit Timorasso in Kontakt kam Conrad Mattern alias Dr. Timorasso vor zehn Jahren im Restaurant Carmelo Greco in Frankfurt, das gleich sieben verschieden Sorten gelistet hat. Seitdem kann er davon nicht mehr lassen und weiß einen Schatz in Händen zu halten – als Genießer und Ökonom. Inzwischen steht Timorasso von unterschiedlichen Erzeugern auf den Weinkarten von Topadressen wie den Drei-Sterne-Restaurants Schwarzwaldstube oder dem Bareiss in Baiersbronn.

www.timorasso.de

Fotos: Barbara Fienhold

 

Das neue Buch von Ludwig Fienhold mit einem Klick bestellen




Chaos in der neuen Weinstube im Römer

Die Gastronomie am Frankfurter Römerberg bleibt ein Ärgernis

 

Die unter neuer Führung erst im Dezember wieder eröffnete „Weinstube im Römer“ hat mit schweren Turbulenzen zu kämpfen.
Bereits im Januar verließ Küchenchef Markus Rudeck das Lokal im Streit wegen finanzieller Differenzen. Sein Nachfolger, ebenfalls sehr engagiert, hielt es noch kürzer aus und ergriff die Flucht wegen unterschiedlicher Auffassung bei Qualitätsfragen, wie er sagte. Auch beim Servicepersonal ist eine ungewöhnliche Fluktuation zu beobachten, sogar Restaurantleiter Gökhan Arikan ist verschwunden. Am Samstag, 22. Februar, war das Lokal bereits um 21.30 Uhr geschlossen.

Das Treiben in der neu besetzten Weinstube im Römer gibt zu denken, was nicht weiter von Bedeutung wäre, würde es sich bei diesem Lokal nicht um eine Adresse am prominenten und von Besuchern aus aller Welt und von Frankfurtern stark frequientierten Römerberg im Zentrum der Stadt handeln.

Wenn sogar die FAZ, die eher gutmütig mit der Gastronomie umgeht, aus allen Wolken fällt und den „faden Handkäs“ und die „harte Ochsenbrust“ bemängelt, muss es schon sehr schlecht um ein Lokal stehen. Der Autor Matthias Trautsch registrierte neben schlechtem Handwerk bei seinem Besuch zudem Convenience-Food zu überhöhten Preisen.

Der Römerberg steht das ganze Jahr über im Blickpunkt von politischen Ereignissen und wurde durch Triumphe der Fußballwelt ein geradezu berühmter Ort. Trotz seiner herausragenden Bedeutung und der optischen Wertigkeit, ist die gastronomische Lage beschämend. Es gibt nicht ein Lokal, das über Imbissniveau herauskommt und sich offenbar nicht einmal schämt eine bloße Touristenfalle zu sein. Durch die Neuvergabe der Pacht bei der „Weinstube im Römer“ waren die Erwartungen einigermaßen groß. Der Start gab Anlass zur Hoffnung und glückte vor allem durch den Koch und Metzger Markus Rudeck, dem einige Gerichte sehr gut gelangen und der mit seinem rustikalen und handwerklich sauberen Konzept eine für diesen Standort passende lokale und regionale Küche bot.

Wenn es dem jetzigen Pächter, der gastronomisch zuvor nicht weiter auffiel, nicht in Lichtgeschwindigkeit gelingt einen guten Koch und noch besser eine solide und stabile Küchen- und Servicecrew zu installieren, wird er den Ruf der Stadt Frankfurt weiter ramponieren und den Römerberg dauerhaft schädigen.

Für die Vergabe der Pacht für die „Weinstube im Römer“ ist die Stadt Frankfurt und insbesondere das Liegenschaftsamt (Amt für Bau und Immobilien) verantwortlich. Wer aber genau entscheidet nach welchen Kritieren darüber? Diese Frage stellt sich nicht zum ersten Mal bei solchen städtischen Objekten. Die Gastronomie an einem so populären Platz wie dem Römerberg muss zur Chefsache werden. Auch der Oberbürgermeister der Stadt und die Führungskräfte müssen, auch wenn sie keine Genießer sein sollten, ein Interesse daran haben, dass die Visitenkarte Frankfurts eine solche bleibt und nicht zu einem desaströsen Image beiträgt.

Für Januar 2026 sucht die Stadt Frankfurt für das eigene Weingut und das Lokal „Weinstube im Römer“ zwar eine neue Führung. Einen Zustand wie jetzt kann man jedoch nicht so lange bestehen lassen. Außerdem wird auch ein neuer Pächter darunter zu leiden haben, was hier zuvor für großen Verdruss sorgte. Es dauert lange, bis ein schlechter Ruf ausgeglichen werden kann. Meistens länger als die Arbeitskraft und das Geld reichen.

LF




Vom Grill-Imbiss zur Gourmet-Destination

Es gibt viel zu entdecken

im Rheinland:

Gute Lokale, essbare Grünanlagen

und den rauen Dichter Charles Bukowski

 

Bevor Andernach zu einer Gourmet-Destination wurde, prägten Lokalitäten wie die Ali Baba Grillstube das Stadtbild. Die Besitzer-Familie Doetsch der Purs Fine Hotels & Restaurants, die kulinarisch anspruchsvoll ist und auch beim Wein Qualität schätzt, hat sehr viel Geld in die Hand genommen, um im kleinen Andernach große Gastronomie aufzubauen. Anfangs mit dem herausragenden Zwei-Sterne-Koch Christian Eckhardt und seiner Frau Sarah Henke, inzwischen mit einer anderen Mannschaft und einer neuen Offensive, bei der Peter Fridén als koreanisch-skandinaischer Koch federführend ist (siehe BISS Restaurantkritik „Die Entdeckung der genialen Leichtigkeit“).

Ai Pero

Aus dem Purs ist inzwsichen ein kleines Gourmet-Imperium geworden, zu dem zwei Hotels, fünf Restaurants und eine Eventlocation gehören. Das Restaurant Purs war dem Michelin bis letztes Jahr unter der Ägide von Küchenchef Yannick Noack (2022 – 2024) zwei Sterne wert, doch die Auszeichnung brachte nicht den gewünschten Erfolg. Das Hotelmanagement zog wegen der mangelnden Wirtschaftlichkeit die Reißleine und reagierte auf die deutschlandweit rückläufige Entwicklung der klassischen Gourmetgastronomie. „Auch im Restaurant Purs mussten wir 2023 diese Erfahrung machen und haben einen starken Einbruch der Gästezahlen hinnehmen müssen“, so Purs CEO Gerhard Pohl. Es folge eine Rochade: Der Küchenchef vom Restaurant Yoso, Peter Fridén, wechselte ins optisch hochwertigere Purs im gleichnamigen Hotel, während Yannick Noack das Haus verließ, um sich in Koblenz niederzulassen. Der einstige Zwei-Sterne-Koch Christian Eckhardt, der das Purs eröffnete und bekannt gemacht hatte (2018 – 2022), führt heute in Boppard gemeinsam mit seiner Frau Sarah Henke das kinderfreundliche Konzeptlokal Lemabri.

Yoso

Das Restaurant Purs ist nun auch rein ästhetisch dem stilvollen Design- Hotel näher gerückt und schafft eine homogene und ungewöhnliche Atmosphäre. Aus dem zuvor innovativen Yoso wurde jetzt ein eher auf den lokalen Markt zielendes Lokal mit „Asian Comfort Food“. Auf der Karte stehen japanisches Izakaya, chinesische Dim Sum oder koreanischer Pocha und anderes Street Food, das im Yoso verfeinert wird. Das unweit liegende italienische Lokal Ai Pero ist Enoteca und Trattoria unter einem Dach, es gibt sogar eine gute Pizza. Das Interieur und die Terrasse wirken einladend. Man darf auch nur auf ein Glas (guten) Prosecco oder eine schöne Flasche ohne Essensbegleitung einkehren. Man kann sehr gut essen und auf gutem Level trinken.

Charles Bukowski, der bekannteste Sohn der Stadt, hätte genug Durst für alle Purs-Lokale und noch den Ali Baba Grill dazu gehabt. Unvergessen ist seine Lesung in den Hamburger Markthallen im Mai 1978, bei der ein Kühlschrank auf der Bühne stand, damit ausreichend Flaschen Müller-Thurgau bereitstehen konnten.

Bukowski in Andernach

Der deutsch-amerikaniswche Schriftsteller wurde 1920 in Andernach geboren und veröffentlichte über vierzig Bücher, allein in Deutschland verkaufte er über vier Millionen davon. Einige seiner Werke erschienen im Maro Verlag von Literatur-Pionier Benno Käsmayr in Gersthofen. Eines der bekanntesten hieß „Gedichte, die einer schrieb, bevor er im 8. Stockwerk aus dem Fesnter sprang“. Charles Bukowski war vor allem an gebrochenen Charakteren interessiert, an Ganoven, Alkoholikern, Prostituierten. Seine witzig-derbe Diktion machte das Lesen leicht, wobei  die selbstironische und melancholische Seite seine Stärke war. Sprachlich war Bukowski verwegen, doch seine fast schon sanfte ruhige Art und die angenehme Stimme ließen noch mehr das Innere erkennen. Ein Charakterkopf, dessen Werk jedenfalls wieder entdeckt werden sollte. Andernach, das Bukowski anfangs eher verschämt verschwieg, erinnert sich mittlererweile gerne an ihn und hat einen Platz am Flussufer nach ihm benannt. Man sollte Bukowski in Andernach wieder eine literarische Bühne geben, warum nicht mit einer Lesung im Design-Kleinod Purs.

Ludwig Fienhold

 

Die essbare Stadt

Der Bienenstich-Kuchen soll in Andernach erfunden worden sein, doch tritt der Ort auch als „Essbare Stadt“ auf. Gemüsesorten wie Bohnen und Möhren, Obst- und Beerensorten, Spaliergehölze oder Küchenkräuter tragen zu einem schönen Stadtbild bei und laden sogar zum Ernten ein. Wo es andernorts heißt „Betreten verboten“ ruft man in Andernach „Pflücken erlaubt“. Der Anbau regionaler und seltener Sorten soll die Identifikation mit der Heimat stärken und die urbane Biodiversität unterstützen. Man kann sich alleine auf den Weg entlang der alten Stadtmauern machen, es gibt aber auch geführte Rundgänge, die lohnenswert sind. Eine solche Tour macht nicht satt, aber wir haben ja ausreichend gute Lokale genannt.  

Das Programm mit einem Klick:

Die essbare Stadt

 

Photocredit: Purs, Fienhold