Winzerhof Stahl: Weingut mit Sterneküche

Dinner mit Wohlfühlcharakter

 

Christian Stahl ist Topwinzer und Sternekoch, eine Konstellation, die in Deutschland einzigartig ist. Sein Restaurant liegt abseits touristischer Trampelpfade im fränkischen Auernhofen und ist von einnehmendem Charakter – so wie die Küche und die Weine, die Atmosphäre und das Ambiente. Und der kochende Winzer selbst. Der Winzerhof Stahl gehört zu den interessantesten Adressen in Deutschland, allein schon, weil das ganze Leistungspaket stimmt, was Seltenheitswert hat.

Die offene Küche war früher auch die Küche der Mutter. Einen kleinen Tisch gibt es dort, der das schöne Gefühl vermittelt wie früher bei der Familie zu Gast zu sein. Mothers Finest findet man in der unbekümmerten Herzlichkeit des Lokals und bei delikaten Details, wie dem wundervollen hausgebackenem Sauerteigbrot mit brauner Butter. Allein damit und einem der guten Weine von Stahl wäre ein schöner Abend mit Wohlgefühl gesichert.

Über allem liegt ein Wohlbehagen mit starken kulinarischen Vibes. Die Starter, die zum Glück recht lange kommen, zeigen eine kleine Welt der großen Gefühle: Croustillant aus Rind und Gans; Krustentier und Kartoffelcrustillon; Blumenkohl, Obst, Rauchmandel; Forellen-Tatar, Kohlrabischeibchen, Kaviar und Salzzitrone im Kohlrabisud sowie Röstbrot. Hinter den Begriffen „Zwiebelkuchen und Speck“ steckt eine besonders köstliche Variante des Flammenkuchens mit Lardo im Kleinformat, die durch Schafgarbe und fränkischem Brotgewürz aus Fenchel, Muskat, Sternanis, Kreuzkümmel und Koriander eine pikante Pointe erlebt. Oft genügt es, Klassisches etwas moderner und leichter zu gestalten, was im Restaurant vom Winzerhof Stahl auch bei Matjes, Apfelessig, Dill und Vollkornbrot gelingt.

Sämtliche Gerichte werden feinsinnig präsentiert, jede Erbse scheint an ihrem Platz. Nicht nur, weil es dem Auge gefallen soll, alles hinter dieser filigranen Arbeit gibt auch geschmacklich einen Sinn. So, wie beim konfierten und kunstvoll modellierten Skrei mit Champignon, Gurke, Ei und Krabbe. Bei den cremigen Oeufs Cocotte mit feinwürziger Saint-Marcellinkäse-Sauce überrascht der fränkische Trüffel. Dieser kommt vom Trüffelpark der Familie Jungbluth, die das ungewöhnliche Naturprojekt vor acht Jahren in Giebelstadt gründete. Der Trüffel hat einen überraschend guten Geschmack und macht auch auf den Trüffelpark neugierig.

Wie schön, mal wieder Kalbsbries zu erleben, hier mit Chicorée in einem famosen Sud aus Orange und Orangenzeste. Bei Lamm und Lamm mit Salzjoghurt, Minze und mediterranem Mönchsbart on top mit Kürbisschaum wird das Menü mit bedächtiger Kraft geerdet. Der syrische Mokka (mit Baklava und Madeleines) am Ende des fabelhaften Reigens schmeckt gut und gibt einen angenehm leichten Koffeinkick – einer der Köche hat syrische Wurzeln.

Kalbsbries

Im Restaurant vom Winzerhof Stahl wird das Essen auf die Weine abgestimmt und nicht wie meist umgekehrt. Der spitzfindige Müller-Thurgau der Lage Hasennest findet mit seinem Zitrusaroma und der zarten Würze bei Forellentatar mit Salzzitrone einen stimmigen Partner, während sich der ausdrucksvolle Silvaner aus der Steillage Pfülben auch mit den fränkischen Trüffeln anfreundet. Ein so kultivierter, saftiger und schlanker Chardonnay wie der „Sonnenstuhl“, würde mit seiner inspirierenden Art auch Fleischgerichte begleiten können, nimmt hier aber Morchel und Steinpilze in den Arm. Bei unserem Menü kamen sechs verschiedene Weine und ein Blanc de Noirs Brut Sekt auf den Tisch (siehe dazu auch den Wein-Artikel von Biss vom Winzerhof Stahl).

Küche und Service arbeiten Hand in Hand, beide sind immer am Gast und servieren die Gerichte. Das schafft eine intime familiäre Atmosphäre, wie sie bei einem formellen Fine Dining sonst kaum zu erleben ist. Essen muss nicht allein gut sein, es muss auch Spaß machen. Der Winzerhof Stahl und sein Restaurant erschaffen etwas, was in der Gastronomie inzwischen viel zu selten zu erleben ist: Essen mit Wohlfühlcharakter.

Ludwig Fienhold

Winzerhof Stahl, Auernhofen-Simmershofen, Lange Dorfstr. 21.

Tel. 09848 96896.

www.winzerhof-stahl.de

 

Sterne-Menü mit 9 Gängen mit Weinbegleitung, Wasser, Café, Digestif 239 p.P. Mittwoch bis Samstag ab 18 Uhr. Samstagmittag 12 Uhr.

4 Gänge Casual Menü aus der Hochzeitsküche ohne Sterne, aber mit Niveau, inkl. Wein und Wasser 125 € p.P.

Nur freitags und samstags ab 18 Uhr.

Alles nur mit Reservierung.

Der Winzerhof bietet auch einige Zimmer zur Übernachtung an.

Fotos: Barbara Fienhold

Siehe dazu auch Biss-Artikel „Sommerfrische im Glas“

 

 




Monument und Methusalem: 85 Jahre Eckart Witzigmann

Im Münchner Tantris gibt es

ein Menü mit einigen

seiner Klassiker

 

Eckart Witzigmann ist nicht nur ein kulinarisches Monument, sondern auch ein Methusalem: Am 4. Juli wurde er 85 Jahre alt. Im Münchner Tantris, wo seine Karriere begann, gibt es ein Menü, das er gemeinsam mit dem jetzigen Executive Chef Benjamin Chmura entwickelt hat. Grundlage sind seine Kochbücher und Rezepte, jeden Gang hat Witzigmann selbst ausgewählt. Der Menüreigen soll mittags und abends (auf Vorbestellung) bis Ende September gehen, der Altmeister wird nicht anwesend sein, er genießt sein Leben am Tegernsee.

Franz Keller, Eckart Witzigmann und das ehemalige Tantris Besitzer-Paar Eichbauer (v.l.)

Es wird unter anderem Salat von bretonischem Hummer mit Artischocken und Bohnen geben. Der Hummer steht besonders für Witzigmanns Tantris-Jahre, wo es noch ein Hummerbecken an der damals offenen Küche gab. Rotbarbe, gefüllt mit einem Tatar von Kalmaren, war für Witzigmann auch schon immer ein Star in seiner Küche. Ein weiterer Klassiker sind die Rehnüsschen „Belle Alliance”:Rehnüsschen vom Maibock, über Holzkohle geräuchert, dazu ein Selleriepüree, eingelegte Kirschen und Kartoffel-Crêpes.

Am 2. Dezember 1971 stand Eckart Witzigmann als erster Küchenchef am Herd des neu eröffneten Tantris. Was folgte, ist Geschichte: 1973 der erste, 1974 der zweite Michelin-Stern – das Tantris wurde damit zum ersten Zwei-Sterne-Restaurant Deutschlands. Dort entstand 1976 auch sein berühmtestes Gericht, das Kalbsbries „Rumohr” mit schwarzen Trüffeln, Gänsestopfleber. Beim Witzigmann Revival im Tantris DNA steht es nicht auf der Speisekarte.

Witzigmanns Produktbesessenheit war legendär. Im Tantris hielt er eigene Becken für Hummer und Süßwasserfische, ließ Ware aus Paris einfliegen und machte den Münchner Viktualienmarkt zur Bühne seiner Suche nach dem Besten. Später, in seinem eigenen Restaurant Aubergine, wurde er als erster Koch Deutschlands mit drei Sternen ausgezeichnet.

1994 kürte ihn der Gault & Millau zum „Koch des Jahrhunderts“, eine Auszeichnung, die bis heute nur drei weiteren und ausnahmslos französischen Köchen weltweit zuteilwurde: Paul Bocuse, Joël Robuchon und Frédy Girardet.

Benjamin Chmura (l.), Eckart Witzigmann

Witzigmann-Menüs im Restaurant Tantris DNA

Es gibt unter dem gleichen Dach das Restaurant Tantris (2 Sterne) sowie das Tantris DNA (1 Stern)

Menü à la Witzigmann im Tantris DNA 220 € pro Person, 5-Gang-Menü, mittags und abends – nur auf Vorbestellung. www.tantris.de

Photocredit: Tantris




Kann man da auch essen oder ist es nur Kunst?

Wo einst die Bethmann Bank residierte,

haust jetzt das Künstlerkollektiv

Massif Central

 

Eine kunterbunte Transformation

in der Bankenstadt Frankfurt

 

Von Ludwig Fienhold

Zugegeben, die Bethmann Bank war uns lieb und teuer. Wir konnten dort einige schöne Feste mit guten Weinen, feinen Häppchen und sympathischen Gesprächen erleben. Wir konnten dort Bankiers treffen als sie noch so und nicht Bänker hießen. Und wir kamen bei einem kleinen Lunch mit einem Bankier zusammen, der selbst ein Croissant so geräuschfrei essen konnte, als ob es dafür Zinsen gäbe. Inzwischen sieht es bei der ehemaligen Bethmann Bank aus, als hätten Kapitalismuskritiker und andere alternative Piraten das Gebäude besetzt. Aber man sollte ruhig einmal eintreten und sich überraschen lassen.

Aus der einst stattlichen Bethmann Bank, aus der auch sehr gut ein Boutique Hotel hätte werden können, wurde eine Villa Kunterbunt. Dieser Transformation hat angeblich nur stattfinden können, weil die Bausubstanz einer Bank nicht mehr würdig genug gewesen sein soll. Kaum zu glauben. Jedenfalls zog das Künstlerkollektiv Massif Central im Juni 2023 ein und machte daraus ein Kreativlabor mit vielen Events und einer Art Volkskantine. Neben einer karibischen BBQ-Hütte und einer Getränkebude im Innenhof, wo gelegentlich sogar Champagner zum Einsatz kommt, existiert ein großer Speisesaal mit unterschiedlichen Bewirtungskonzepten. Uns interessiert vor allem der Freitag, an dem es „Omas Lieblinge“ gibt. Beispielsweise eine Frikadelle mit Wirsing. Gut, wie von Oma. Die Oma heißt aber Dimi und ist für die ganze Gastronomie verantwortlich. Es geht deftig zu, selbst vegetarisch ist immer herzhaft. Vor allem der Wirsing erinnert uns an gute alte Zeiten. Serviettenknödel mit Waldpilzrahm oder Hühnerfrikassee und andere Evergreens aus fast vergessenen Jahren erleben im Massif Central eine Wiederbelebung, „Oma“ ist jedenfalls ein schönes kulinarisches Thema.

Die bunte Schar der jungen Mitarbeiter jeglicher Couleur und jeglichen Geschlechts deckt sich mit dem Publikum, das man an dieser Stelle getrost mit dem abgedroschenen Begriff als gemischt zusammenfassen kann. Es passiert ungemein viel an diesem Ort mit Wundertütencharme, man kann sich die einzelnen Events und die Öffnungszeiten kaum merken und sollte immer auf die Webseite gehen, um sich zu informieren.

Der Innenhof ist gerade bei sommerlichen Temperaturen Treffpunkt für alle, die dem rastlosen und meist nervigen Treiben in der Frankfurter Innenstadt entkommen möchten. Massif Central ist lebendig, aber selten nervig. An der BBQ-Hütte kann man sich Ribs mit Coleslaw, Octopus, Grillgemüse, sehr gute Bratwurst vom fränkischen Bio-Hof May, Zitronenhühnchen oder Thunfischsteak mit orientalischem Couscous abholen, je nach der wechselnden Themenwahl. Beim Greek Special von Dimi fehlt auch Gyros nicht. Griechische Weine findet man nicht, wäre aber mal eine Idee. Die Weine wechseln nach einem kryptischen System, man freut sich aber bereits, wenn Qualitäten vom Winzerhof Stahl aus Franken zu finden sind. Warum aber nicht auch Weine, die zum Namen Massif Central passen, also beispielsweise solche von den Weinbergen am Fuße der Vulkanhänge des französischen Massif Central, der Côtes d´Auvergne.

Massif Central im Bethmannhof, Frankfurt, Bethmannstraße 7-9.

Tel. 0049 160 1413865

www.massifcentral.rocks/de

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Die leerstehende Bethmann Bank

 Fotos: Biss Magazin Frankfurt

 

 

 

 

 

 

 




Restaurantkritik: The Dune im neuen Hotel The Florentin

Endlich hat Frankfurt ein weiteres Spitzenrestaurant

Von Ludwig Fienhold

Trotz einiger herausragender Einzelleistungen kocht die Frankfurter Gastronomie derzeit auf Sparflamme. Um so mehr freut es, dass es mit dem Restaurant The Dune einen Neuzugang gibt, der ganz weit oben mitspielen kann, nicht nur in der Stadt, sondern in ganz Deutschland.

An diesem Restaurant führt kein Weg vorbei. Bildlich gesprochen. Man muss es aber erst einmal finden. Es hält sich geradezu versteckt, als wolle es ein Geheimnis bleiben. Gleich neben der Rezeption befindet sich ein schmaler Eingang, als Pforte zu einem abgedunkelten Raum, in dem galaktische Sterne funkeln, die vielleicht ein anderes Universum öffnen möchten. Die Lichtdramaturgie erzeugt Spannung, Tisch und Teller werden gezielt durch Spots sichtbar gemacht.

Kaisergranat/Mandel/ Yuzu Kosho

Auch bei der Küche von Niclas Nussbaumer ist man schnell im Bilde, sie arbeitet selbst auf den vier Zentimetern ihrer Miniatur-Delikatessen mit Präzision und Ausdruckskraft: Wagyu-Tatar und Nori-Alge, Ziegenkäse & Gurke, Kaisergranat und Kamille. Die famose Kaisergranatessenz mit Kaffirlimette, die aus der Teekanne ausgeschenkt wird, würde man sich am liebsten in Flaschen abfüllen lassen. Ein im Porzellan-Ei gefülltes Potpourri, im Wesentlichen Dorade und Iberico-Schinken, ist ein bestens austariertes Überraschungsei. Wie alles in diesem Restaurant gut abgeschmeckt. Dem hausgebackenem Sauerteigbrot und der exzellenten Butter widmen wir eine eigene Geschichte, weil auch solche Leistungen herausgestellt gehören (siehe „Warum Brot ein eigenes Gericht sein kann“).

Restaurantleiterin Lea Rupp, Küchenchef Niclas Nussbaumer

Groß in Form gerät die Küche mit einem anderen kleinen Format von geschmacklicher Tiefenschärfe. Beim Kalbstatar mit geröstetem Lauch setzt ein cremiges Uni-Eis (Seeigel) die Pointe. Leicht salzig, nussig und in diesem Fall nicht fischig. Bei vielen Gerichten im Menü blitzt Japanisches auf, aber immer feinfühlig eingesetzt. Ein geschmackliches und auch optisches Highlight bildet der auf Holzkohle gegrillte Kaisergranat, zart und mit leichtem Biss, der mit weißer Mandelcreme, Mandeln, Yuzu Kosho-Gewürz und Grapefruit belebt wird. Das Limousin Lamm mit geschmortem Lammbauch in einer leichten Auberginenhülle wird von einer wunderbar intensiven Jus eskortiert, bei der das Brot zum Tunken animiert – es liegt auch ein Löffel bereit, aber tunken bringt einfach mehr Leben in den Mund. In der Menüfolge das konventionellste Gericht, was angesichts der sonstigen kreativen Kapriolen aber einen geschmacklichen Ruhepunkt einbringt.

Caviar Dessert

Eine Überraschung verbirgt sich hinter dem kurz C&C auf der Speisekarte genannten letzten Gang, der auch attraktiv inszeniert wird: Cornflakes-Eis-Creme mit Algen-Crunch und Vanille-Essig sowie Caviar on top. Das schmeckt so einfach, wie genial, dass man nur allein deshalb ins Restaurant The Dune gehen möchte.

Die Küche würzt beherzt, Vitalität und Finesse finden spielend und ausgewogen zusammen. Am Ende eines künstlerisch ästhetischen und sensorisch ideenreichen Menüs lehnt man sich äußerst zufrieden zurück und freut sich auf den nächsten Besuch, zumal in diesem Restaurant noch mehr Potential steckt. Das Menü mit 7 Gängen kostet 249 €, wobei man das Brot als  eigener Gang sehen könnte und es zudem noch einige Starter vorneweg gibt. Es existiert ein kleiner Bereich à la carte, der sich hier „Fine Bites & Wine“ nennt, preislich aber so ausfällt, dass man eher zum Menü greifen wird (18 – 99 €).  

Tatar vom Kalb, gerösteter Lauch und Seeigel (Uni)-Eis

Niclas Nussbaumer hat in unterschiedlichen Topküchen gearbeitet,  im zeitlosen Klassiker Erbprinz in Ettlingen, dem Spitzenrestaurant Seehotel Überfahrt am Tegernsee und dem Schlosshotel Friedrichsruhe als Chef Patissier. In der Schwarzwälder Mühle am Schluchsee wurde seine Küche dann mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet.

Sommelier Erik Veelmann

Die Restaurantleitung im Restaurant Dune liegt in den Händen von Lea Rupp, der Lebensgefährtin von Niclas Nussbaumer. Neu im Team ist Erik Veelmann als Sommelier, der zuvor fünf Jahre in Ernos Bistro in Frankfurt arbeitete, das für seine erstklassige Küche und eine herausragende französische Weinkarte bekannt ist. Im Dune favorisiert Veelmann Frankreich und Deutschland, wobei Bordeaux und Burgund besonders gut besetzt sind. Der großartige weiße Burgunder Santenay Les Hâtes, Jahrgang 2023, von René Lequin-Colin ist eine selten zu findende flüssige Delikatesse, in der man ertrinken möchte. Die ebenfalls nicht oft zu bekommenden Weine der Domaine Tempier aus dem südfranzösischen Bandol sind von markanter Würze und tiefgründiger Erdigkeit. Der Bandol Rouge, Jahrgang 2016, ist jetzt perfekt. Wie bei allen Weinen, ist es nicht immer einfach den richtigen Zeitpunkt der bestmöglichen Trinkfähigkeit zu finden. In der Gastronomie werden oft Jahrgänge aufgetischt, die noch nicht ihr bestmögliches Alter erreichen konnten, oder solche, die ihren Zenit längst überschritten haben. Gerade deshalb sind Sommeliers so wichtig, gute Sommeliers, wie Erik Veelmann. Die Wines by the Glass im Restaurant Dune bieten sehr gute Qualitäten, sind aber derzeit nicht schlüssig und gastfreundlich kalkuliert, was nachgebessert werden soll.

Das Restaurant The Dune hat mit Tempo und Talent einen enormen Start gezeigt. Der Marathon aber hat erst begonnen.

The Dune im Hotel Florentin, Frankfurt, Grandhotel der stark kulinarisch ausgeprägten Althoff-Gruppe.

Frankfurt, Paul-Ehrlich-Str. 9, T: 069 60 51 350.

Di – Sa ab 18.30 Uhr geöffnet,

www.theflorentin.com

Photocredit: BISS Magazin Frankfurt

The Dune Restaurant

Hoteldirektor Boris Meßmer

Küchenchef Niclas Nussbaumer




Sterneregen über Frankfurt: Mario Lohninger wird endlich vom Michelin ausgezeichnet

Die Frankfurter Restaurants Rausch und Dune

haben sich zwei Michelin-Sterne verdient

 

Das neue 3-Sterne-Restaurant:

L.A. Jordan in Deidesheim

Mario Lohninger kocht seit 16 Jahren in seinem Restaurant an der Schweizer Straße in Frankfurt auf hohem Niveau und schafft es, seine österreichische Heimatküche und weltgewandte Gerichte gemeinsam an den Tisch zu bringen. In seinem vorherigen Restaurant Silk in Frankfurt hatte Mario Lohninger (im Bild oben) bereits einen Michelin-Stern. Dass er im jetzigen Restaurant Lohninger anders, aber auf gleichem Level arbeitet, haben wir vielfach intensiv beschrieben, nun ist auch beim Michelin der Groschen gefallen. In einer Kreuzung aus Papst und Rockstar stürmte Mario Lohninger mit weit ausgebreiteten Armen auf die Bühne im Gesellschaftshaus im Palmengarten in Frankfurt, wo die Auszeichnungen vergeben wurden.

Nussbaumer rechts

Niclas Nußbaumer (r.)

Niclas Nussbaumer, Küchenchef im neuen The Dune im Hotel Florentin in Frankfurt wurde für seine Arbeit mit zwei Michelin-Sternen gewürdigt, in der Schwarzwälder Mühle war seine Küche zuvor gleich hoch bewertet. Jochim Busch, man hatte es nicht anders erwartet, erhielt ebenfalls zwei Sterne, aber erstmals für sein eigenes und vor einem Jahr eröffnete Restaurant Rausch in Frankfurt. Für das Restaurant Gustav, wo er als Küchenchef Großartiges leistete, konnte er an gleicher Stelle auch zwei Sterne vom Himmel holen.

Daniel Schimkowitsch

Im Pfälzer Weindorf Deidesheim steht mit dem Restaurant L.A. Jordan im Boutique-Hotel Ketschauer Hof ein Restaurant, für das sich jede Reise lohnt. In entspannter Atmosphäre kocht der gleichfalls entspannte Daniel Schimkowitsch mit seiner Crew sinnliche und tiefgründige Gerichte, bei denen man hochsolides Handwerk, großes Talent und Top-Produkte erlebt. Als Gast spürt man sehr genau, dass diese Küche Charakter hat.

Jochim Busch (r.) & Partner Philipp Günther

Der Bornheimer Ratskeller in Bornheim in Frankfurt erhielt einen Bib-Gourmand, eine kleine und nicht unwichtige Trophäe für eine sehr solide Küche mit besonders gutem Preis/Leistungsverhältnis. Das hört sich erst einmal gut an. Man kann aber auch fragen, warum die Küche von Mario Furlanello nicht gleich einen richtigen Michelin-Stern wert gewesen ist – in den Anfangsjahren des Michelin wären genau solche Adressen weit oben gelandet.

Mario Lohninger

Der Guide Michelin listet insgesamt 339 Sterne-Restaurants in ganz Deutschland: 12 Drei-Sterne-Restaurants, 48 Zwei-Sterne-Restaurants sowie 279 Ein-Stern-Restaurants.

 

Nicht am Rande, sondern explizit sei vermerkt, dass die erste Ausgabe des Michelin in Deutschland im Jahr 1966 im ganzen Bundesgebiet insgesamt nur 66 Sterne-Restaurants verzeichnet hat. In Frankfurt gab es mit dem Italiener Da Bruno das einzige Lokal mit dieser Auszeichnung. Es befand sich in der Elbestraße im Bahnhofsviertel, das heute um sein Überleben kämpft.

Siehe dazu die Artikel über Lohninger, Rausch und Dune im BISS-Magazin.

Text: Ludwig Fienhold, Fotos: Christine Scharrer (9), Barbara Fienhold (4)

 

Alle Sterne-Restaurants in Deutschland

und die verlorenen Sterne hier mit einem Klick

 

Lohninger, Nussbaumer, Busch (v.l.)

 

 




La Tegala: Das spannendste Restaurant der Vulkan-Insel Lanzarote

Kreative kanarische Küche

 

Kulinarische Metamorphosen

 

Von Ludwig Fienhold

Auch ein Käsekuchen hat die Möglichkeit sich als Evergreen unsterblich zu machen. Wenn er so vollendet daherkommt, wie im Restaurant Tegala auf Lanzarote: Samtige Creme aus Ziegenfrischkäse von der Nachbarinsel La Graciosa, mit Bananen-Toffee, Palmenhonig und geröstetes Gofio-Crumble. Daniel Jiménez verwendet mit Vorliebe kanarische Produkte, um daraus moderne leichte und vor allem sinnliche Gerichte zu machen.

Das futuristisch gezackte Restaurant La Tegala erscheint wie ein gestrandetes unbekanntes Flugobjekt. Auch die Küche wirkt wie von einem anderen Planeten. Die Insel ist gespickt mit Gasthäusern und Fischlokalen. Im kunstvollen Tegala ist alles ganz anders, obwohl Küchenchef Daniel Jiménez gerade durch seine neuen Interpretationen die traditionelle Küche seiner Insel beleben möchte.

Kanarischer Ziegenkäsekuchen

Wer das Tegala besucht muss einiges mitbringen: Neugierde, Zeit und Freude an einer Inszenierung, die unterhaltsam und lehrreich ist. Die Präsentation der Gerichte ist ebenso fantasievoll wie schön. Beim Entree an der Bar wird man gleich mit einem Drink aus Banane, Limette und gerösteten Gofio-Getreide begrüßt, dem Ur-Nahrungsstoff der Kanaren. Die Chorizo von Chacon kennt jedes Kind auf Lanzarote als Streichwurst. Im Tegala wird sie nicht vom Schwein, sondern aus Fisch auf einer Messerspitze zu einem hausgemachten und mit Käse von der Finca de Uga gefüllten Brötchen serviert. Ungewöhnlich und delikat. Die Gerichte werden in schwarzen Schalen aufgetischt, die an Vulkangestein erinnern sollen. Das Restaurant empfängt nur 16 Gäste, um seine volle Leistung erreichen zu können.

Tintenfisch

Zu einem Gofio-Hörnchen wird ein umgestaltetes Nutellaglas als Nutegala gereicht, das der Haselnusscreme gleicht, aber aus cremiger Blutwurst besteht und überraschend gut und nur leicht süß schmeckt. Der gerne auf der Insel vernaschte Snack „Tirma“ ist nicht allein bei Kids beliebt, im Tegala wird er mit Ziegenleber zubereitet. Der Service lässt die Gäste vor dem Essen im Unklaren, weil es die meisten abschrecken könnte. Das Ergebnis erinnert an gute Gänselebergerichte. Dazwischen gibt es selbst in diesem ungewöhnlichen Menü fast schon normal erscheinende Gerichte wie die Scarlet Prawns in einer wunderbar würzigen Emulsion aus „50 Zutaten aus aller Welt“.

Das extravagantes Menu „Maresia“ ist vor allem etwas für Fortgeschrittene und solche, die sich auf die kulinarische Geschichte der Insel in moderner Interpretation einlassen möchten. Grundsätzlich ist das klassische Menü „La Tegala“ eher zu empfehlen. Es ist mindestens so kreativ, handwerklich präzise und von geschmacklicher Ausdruckskraft – dabei aber noch eher auf geschmacklich klarem Terrain. Charakteristisch und ungewöhnlich gut sind Tintenfisch „Carbonara“ in süffiger Sauce mit Guanciale-Speck und Napfschnecken-Tatar mit Seeigel-Eiscreme. Zu den besonderen Delikatessen zählt außerdem die saftige Forelle, die als „Peking-Ente“ mit krosser dunkler Kruste zubereitet wird. Auch die Appetithappen fallen besonders gut und originell aus, etwa die „Atlantik“-Krokette, gefüllt mit einer Farce aus Zackenbarsch nebst bittersüßem Kräutergarten und Kinn vom schwarzem Schwein.

Daniel Jiménez und seine Küchenchefin Loren Layos (Bild Mitte) sind ein bestens eingespieltes Duo, deren Gerichte von Restaurantleiter Sergio Mulas aus Sardinien gut erklärt werden, wobei er auch noch die ausgezeichnete Weinkarte betreut. Man findet die Winzer-Avantgarde von Lanzarote, wie Titerok Akaet und Jable de Tao, Spitzenweine von David Fernandez und der Bodega Erupción sowie den wunderbaren Pét Nat Nubium. Aber nicht allein die Insel-Elite ist vertreten, die Gäste können auch Entdeckungen machen, die sonst kaum zu erleben sind. Favorisiert werden die Weine von Lanzarote (und Teneriffa), die es in dieser Auswahl nirgendwo besser gibt. Eine Entdeckung ist auch das Bier-Sortiment der zwei Insel-Brauereien.

 

Fotos: Barbara Fienhold

La Tegula, Lanzarote, Mácher, Carretera Mácher 60.

Tel. +34 659 09 98 74.

Mo, Di, Mi 18.30 – 21.30 Uhr (Küche),

Do, Fr. Sa 13.30 -16 Uhr, 18.30 – 21.30 Uhr (Küche),

Sonntag geschlossen

www.restaurantelategala.com

Im Tegala werden ausschließlich drei Menüs

angeboten (98 – 165 €).

 

Maitre Sergio Mulas




Nubium: Großartiger Sparkling Wine aus einem Garagenweingut in Lanzarote

Die Bodega La Verea erregt

mit ihrem Nubium Aufsehen

 

Ein moussierender Wein

vom Mondmeer

 

Die einzigartige Wein-Insel Lanzarote hat ein Dutzend herausragender Weingüter, die inzwischen auch in ganz Europa immer mehr Beachtung finden.  Jetzt gibt es einen großartigen Schaumwein, den man getrunken haben sollte. Von dem moussierenden Wein „Nubium“ von der Bodega La Verea gibt es nur 560 Flaschen. Er kommt von einem winzigen Garagenweingut, aber in dieser Garage steht ein spritziger Ford Mustang.

Nubium bedeutet ist der Astrologie „Mondmeer“. Und genau wie Lanzarote gibt es dort Krater und Lava. Man könnte auch sagen, dieser schäumende Wein ist nicht von dieser Welt, was dem gewitzten Sergio Cabrera entsprechen würde, der für diese Rarität verantwortlich ist. Er ist wie seine Vorfahren Weinhändler und schaut ein wenig aus, als würde er als kreativer Werbetexter arbeiten. Entsprechend eloquent stellt er seine Erzeugnisse vor, obwohl diese auch für sich sprechen.

Sergio Cabrera

Erzeugt wird der Nubium nach der Methode Ancestral, dem Verfahren der Vorfahren. Der Definition nach ein Pét Nat (Pétillant Naturel), wie er in Deutschland landläufig heißt. Der Nubium aber ist viel frischer, reintöniger, feinperliger und substanzieller als viele Vertreter dieser Spezies. Einen Kronkorken hat aber auch er. Pét Nat mag ein Trend sein, in Wahrheit zeigt er eine Rückkehr zu den Wurzeln der Weinherstellung. Keine künstlichen Zusätze, keine Filtration, pure Handwerklichkeit.

Bei dem auf natürliche Weise prickelnde Wein entsteht die Perlage durch Flaschengärung (Método Ancestral oder Rurale). Der angenehm trockene Nubium basiert zu 70% auf Malvasia und zu 30% auf Listan Blanco. Diese Rebsorten geben dem Pét Nat von Lanzarote eine auffrischende salzige Note, wie sie inseltypisch ist. Der Ausbau der Grundweine verläuft in Fässern von der traditionsreichen österreichischen Fassbinderei Stockinger aus Waidhofen an der Ybbs, die in der Weinwelt berühmt ist. Außer den 500 Liter Eichenfässern sind Beton-Ei und Edelstahl an der Herstellung beteiligt. Sergio Cabrera hat sich als Erzeuger jeden Schritt genau überlegt, vor allem will er nicht, dass seine Produkte „französisch schmecken“. Neben dem schäumenden Nubium ist auch ein Stillwein der Bodega La Verea auf dem Markt. Der Tabaiba, ist ein Malvasia Volcánica, der ebenfalls Beachtung verdient.

Schaumweine werden seit etwa 37 Jahren auf Lanzarote erzeugt. Das Weingut El Grifo machte den Anfang, Los Bermejos verfeinerte die Herstellungsweise und gilt auf der Insel als besonders beliebt, gerade in der Gastronomie. Der El Grifo ist uns zu rustikal, vor allem die Perlage zeigt sich sehr robust. Die Produkte von Bermejos sind gut, gehören aber geschmacklich dem europäischen Mainstream zugeordnet. Individueller, charaktervoller und mehr Lanzarote-like ist für uns der neue Nubium.

Die Perlen der Bodga La Verea gibt es nicht im Handel, aber in der Weinbar Sede sowie den Toprestaurants La Tegala und Mirador de las Salinas auf Lanzarote.

Ludwig Fienhold

Fotos: Barbara Fienhold




Das Frankfurter Grandhotel Hessischer Hof hat als indisches Taj wieder eröffnet

Emmanuel Saridakis

führt die einst

berühmte Jimmy´s Bar

 

Knapp sechs Jahre war das Grandhotel Hessischer Hof geschlossen und hat nun als Taj Hessischer Hof Frankfurt wieder eröffnet, die Sanierung soll rund 15 Millionen Euro gekostet haben. Der Look erscheint international mit indischen Anklängen, der Chefbarkeeper der legendären Jimmy´s Bar Emmanuel Saridakis ist Grieche und war zuvor gut 20 Jahre Barchef in Harry´s New York Bar im Main Plaza in Frankfurt.

The Indian Hotels Company Limited hat einen zwanzig Jahre laufenden Vertrag mit der Investmentgesellschaft Peakside Capital Advisors AG geschlossen. An der Spitze des Hotels steht als General Manager Albert Mayr, der zuvor Hotelmanager im Frankfurter Melia Hotel und dem Frankfurter Hof war.

Das Taj Hessischer Hof hat 126 Zimmer und eine 180 Quadratmeter große Präsidentensuite, es verfügt über mehrere Veranstaltungsräume und das Restaurant Bombay Brasserie mit einem indischen Küchenchef sowie mehrere kleine Terrassen, einen Spa- und Fitnessbereich und eine Tiefgarage. Der Business Club The Chambers hat im neuen Hotel ebenfalls eine Heimat gefunden und will sich als internationaler Treffpunkt aufstellen.

Fotos: Taj Hessischer Hof Frankfurt




Moons: Neues Lifestyle-Hotel für die Frankfurter Innenstadt

Aus einem öden Bürogebäude

soll Lebensgefühl wachsen

 

In der Frankfurter Innenstadt nahe des historischen Eschenheimer Turms entsteht in der Stiftstraße 30 das neue Moons Hotel mit über 200 Betten. Eröffnung soll 2029 sein. In Wien existiert bereits ein Haus dieser Marke, in Deutschland wird es das erste sein.

Das Moons Frankfurt will sich im gehobenen Segment als Boutique-Lifestyle-Hotel positionieren. Derzeit sieht das ehemalige Wohn- und Bürogebäude, das drei Jahre leer stand, noch sehr trist aus. Die Immobilie wird nicht abgerissen und soll im Rahmen einer umfassenden Revitalisierung in ein Hotel konvertiert und um zwei zusätzliche Etagen erweitert werden.

Moons, wie es werden soll

Gebäude, aus dem das Moons werden soll

Das Moons ist die Eigenmarke der MHP Hotel AG, die Betreiberkonzepte für Hotels entwickelt und als Franchisenehmer internationaler Hotelgruppen wie Marriott International, Hilton und Hyatt auftritt. Zum Portfolio gehört beispielsweise auch das JW Marriott in Frankfurt. Projektentwickler und Eigentümer des Frankfurter Moons ist die Rock Capital Group mit Sitz in Grünwald bei München.

Das Food-&-Beverage-Angebot basiert dem offiziellen Wortlaut nach auf einem Betriebsmodell mit reduziertem Flächen- und Personalbedarf. Das Angebot wird überwiegend vegetarische und vegane Speisen auf Bio-Basis sowie eine anspruchsvolle Getränkekarte umfassen, die sowohl Hotelgäste als auch lokale Besucher ansprechen möchte. Die gilt auch für die Bar des Hauses.

Das Moons wird sich in zentraler Stadtlage befinden, unweit der Hotels JW Marriott und Flemings. Das spart den Gästen Taxikosten, denn viele Einkaufsstraßen, Wochenmärkte, Restaurants und Cafés befindet sich in Laufnähe. Während der Ausblick vom JW Marriott auf die Frankfurter Skyline und die großartige Panorama-Aussicht vom Flemings das Highlight eines Aufenthalts sein können, muss den Gästen des Moons die Umgebung eher banal erscheinen.

Visualisierung: MHP Hotels, Foto: Biss Magazin Frankfurt

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Bild: Barbara Fienhold

 




Geht Essen und schneidet den Fahrradkurieren den Weg ab

Lieferdienst – ausgeliefert

Bissiges von Ludwig Fienhold

 

Gehen Sie wieder mehr Essen, allein schon deshalb um den Lieferdiensten, deren Fahrer lästig wie Moskitos durch die Stadt schwirren, den Lebensraum zu entziehen.

Lokalbesuche jeglicher Art ärgern derzeit zwar, weil sich die Preise täglich zu erhöhen scheinen und das bei meist sinkenden Leistungen. Doch dürfen wir deshalb nicht zu Hause auf dem Sofa im Pizzasumpf versacken. Fast Food macht einsam. Allein daheim, ohne soziale Kontakte, die das muntere Leben in einem Lokal bietet, kann nicht daseinsfördernd sein. Wer glaubt, der Home Imbiss wäre eine sparsame Idee, wird feststellen, dass vor allem an der Qualität des Essens gespart wird. Das Essen erscheint billig, ist aber trotzdem selten den Preis wert. Auf der Strecke bleiben vor allem der gute Geschmack und viele Fußgänger, die rasende Lieferradler auf dem Weg zu Ihnen überrollt haben.

Trotz der Lieferdienstraketen kommt das Essen nicht immer pünktlich an die Haustür. Vor allem, wenn man in Straßen wohnt, die nicht einmal Einheimische kennen. Dann sitzen Willi und sein Dackel so lange vor dem Fernseher, bis die letzte Werbung für Tiefkühlpizza vorbeigeflimmert ist. Und am Ende haben Willi und sein Dackel zur Sättigung so viele Biere getrunken, dass ihnen nur noch der Ruf nach einem Sanitäter bleibt – der aber auf dem Weg mit just dem Fahrradkurier zusammenstößt, der die Pizza liefern sollte.

Während sich Lieferdienstfahrer bewegen, sitzen die Belieferten regungslos zu Hause und warten. Sie lassen sich sehr viel Essen bringen, ohne selbst einen Schritt zu tun, und merken nicht wie sie erstarren. Mastiges Essen bei gleichzeitiger Bewegungslosigkeit bahnt schnell den Weg in die Klinik oder auf den Friedhof. Auf jeden Fall aber macht dieser einseitige und ungesunde Verzehr-Transfer dick und krank. Er füttert und entzieht gleichzeitig dem Gehirn Nahrung. Die bessere Alternative wäre natürlich zu Hause selbst zu kochen. Doch Menschen, die Lieferdienste nutzen, können nicht kochen. Sie können nur die Tür öffnen, die Pakete in Empfang nehmen und sich damit aufs Sofa plumpsen lassen.

Man darf sich den Lieferdiensten nicht ausliefern. Je weniger Menschen diese Form der schnellen Sättigung wählen, desto weniger Lieferdienste sind im Einsatz. Wenn das Essen im Restaurant zu teuer ist, sollte man sein ausgewähltes Lokal zu Fuß aufsuchen, je weiter, desto besser. Das gesparte Geld für den Hin- und Rückweg (ob beim Benzin oder dem Taxi) kommt in etwa einem Hauptgericht gleich, bei einem teuren Restaurant würde immerhin die Vorspeise kompensiert. Mit dieser Einstellung würden sich die Menschen jedenfalls wieder mehr bewegen und wären gesünder, vor allem aber wären die Straßen von einer Plage befreit. Vielleicht erinnert sich noch jemand: Vor zehn Jahren gab es noch keine Lieferdienste, die Menschen gingen in Restaurants und die Straßen waren ein gutes Stück sicherer. Der Begriff „Essen gehen“ würde so seiner wahren Bedeutung gerecht werden.

Photocredit: BISS Magazin