Sylt: Restaurant & Weinbar Kökken hat eröffnet

Neues historisches Lokal

für den Benen-Diken-Hof

 

Nirgendwo scheint sich Deutschland lieber zu betrinken als auf Sylt. Der Pegelstand auf der Nordsee-Insel erreicht Höhen, von denen der Rest der Republik nur träumen kann, man muss nur sehen, wie stark Champagner und Wein im Kultlokal Sansibar fließen. Doch auch sonst bewegt sich etwas zwischen den Dünen, vielleicht nicht ganz so laut und heftig, aber auch mit Anspruch. Der Benen-Diken-Hof in Keitum, ein Hideaway in friesischem Landhausstil, hat jetzt mit dem Kökken ein neues Restaurant mit Weinbar eröffnet.

In dem historischen Reetdachhaus aus dem Jahr 1854 hat man bewusst auf Tischdecken verzichtet und will alles so familiär und unkompliziert wie möglich halten. Insgesamt stehen den Gästen 55 Sitzplätze im Restaurant, 10 in der Weinbar und 40 auf der noch entstehenden Außenterrasse zur Verfügung.

Kökken Restaurant + Weinbar

Küchenchef Lennart Dewies ist seit über 10 Jahren mit dem Benen-Diken-Hof verbunden und hat auch das Konzept für das Kökken entwickelt, das schnell erklärt ist: frisch. saisonal, regional. Neben allseits Bekannten findet man in der Weinbar auch Flaschen von Aufricht vom Bodensee und dem Winzerhof Stahl aus Franken sowie auffällig viele und gute Weingüter aus Österreich.

Claas-Erik Johannsen, dessen Familie seit über 50 Jahren den Benen-Diken-Hof mit Hotel, Ferien-Domizilen, Spa, Restaurant & Bar betreibt, hat sich bei der Gestaltung unter anderem auf regionale Handwerker und die Arbeiten des Sylter Künstlers und Bildhauers Ingo Kühl verlassen. Das Kökken, dänisch für Küche, liegt ganz in der Nähe des Bene-Diken-Hofs in der Keitumer Süderstraße.

Fotos: Loerke, Benen-Diken-Hof

Kökken Weinbar




Guy Bonnefoit: Abschied von einem der größten Wein-Experten

Ein letztes Glas auf

einen Virtuosen

des guten Geschmacks

 

Von Ludwig Fienhold

 

Guy Bonnefoit, einer der größten Weinexperten dieser Welt, ist im Alter von 87 Jahren verstorben. Er war Buchautor, Gastronomieberater, Sommelier, Wirtschaftsdirektor im Frankfurter Hof und ein virtuoser Aromen-Experte. Bonnefoit wurde in Paris geboren und lebte in Alzenau in der Nähe von Frankfurt.

Guy Bonnefoit schrieb die Manuskripte für seine Bücher auf Deutsch. Von 1961 bis 1988 arbeitete er für Steigenberger, unter anderem als Direktor im Europäischen Hof in Baden-Baden. Zwölf Jahre war er danach als kulinarischer Kopf für die Gastronomie aller 30 Hotels der Gruppe verantwortlich, was sich auch deutlich in den Bewertungen bei den Restaurantführern manifestierte. Nie zuvor und vor allem nie mehr danach hat Steigenberger gastronomisch eine solche Qualitätsoffensive erfahren, weil eine derart kompetente und auch strenge Hand stets fehlte. Viele hielten ihn trotz seiner virtuosen Zungenakrobatik für übergenau und trocken. Dabei war Bonnefoit, der deutsche Franzose, von geradezu britischem Humor, wobei er auch dort in der Hotellerie tätig war. Die Melange aus deutscher Gründlichkeit, französischem Weinenthusiasmus und britischer Gelassenheit war jedenfalls in der Weinwelt einmalig, weshalb genau diese Cuvée auch zur besonderen Reife des Weinkenners Bonnefoit beigetragen hatte.

Dass Weine nach Tabak, Tinte oder Teer schmecken können, vermögen vielleicht viele noch nachvollziehen können. Doch weit problematischer wird es, wenn so wunderliche Gerüche wie Blutwurst, Hühnerstall und Popcorn wahrzunehmen sind. Guy Bonnefoit, der seine Nase weit gründlicher als die meisten in der Materie versenkte, gab sich nie mit flüchtigen Eindrücken zufrieden. Nach Jahrzehnten intensiver Praxis hatte er ein monumentales Buch geschrieben, dass neben anderen beim Verlag Gebrüder Kornmayer (Dreieich) erschien und einen der renommiertesten Buchpreise gewinnen konnte – den „Gourmand World Cookbock Award“. So ausführlich, präzise, kenntnisreich und obsessiv wie sein Frankreich-Lexikon gibt es kein zweites Buch auf dieser Welt (außer dem von ihm über Deutschland). Über 10.000 verkostete Weine sind darin enthalten und mehr als 8.000 Empfehlungen von Speisen zum Wein. Guy Bonnefoit lebte mit seiner Frau Luzia in einem beschaulichen Häuschen mit Garten in Alzenau. Der Garten hatte es beiden angetan, weil sie hier Düfte wahrnehmen konnten, die anderswo längst verflogen waren. „Frauen sind viel näher an der Natur“, sagte er nicht nur einmal und meinte damit insbesondere seine Luzia, die ihn bei seinen Wein-Notizen unterstützte.

Um auf dem Boden des Glases die Geschmackswahrheit zu finden, musste Bonnefoit viele Bouteillen entkorken, im Schnitt kam eine Flasche pro Tag zusammen. Doch gerade Fachtrinker wie er sind sehr diszipliniert und neigen nicht zu Übertreibungen. Er hatte sichtlich Spaß an seiner Arbeit und konnte sich schelmisch freuen, wenn er bei seinen Wein-Menüs gerade zu einem schwierigen Gericht den passenden Wein servierte, der alle überraschte.

Ich habe nie jemanden erlebt, der so punktgenau Weine zum Essen aussuchen konnte wie er, wobei Bonnefoit der Ansicht war, dass sich das Essen dem Wein anzupassen habe. Für ihn war der perfekte Zeitpunkt, einen Wein zu verkosten um elf Uhr morgens. Bonnefoit hat im Laufe seines Lebens weit über 40.000 Weine analysiert.

Guy Bonnefoit, der auch Autor des BISS-Magazins war, verstarb am 9. März, seine Frau Luzia bereits am 2. Februar 2026. Dies teilte jetzt der Sohn Christian dem Collegium Vini mit, bei dem Bonnefoit mehr als 45 Jahre Mitglied war.

Wir haben einen sehr guten Freund verloren, die Welt einen ihrer größten Wein-Experten.




Sanfte Riesen aus Australien, faunische Weine aus dem Piemont

Über 60 Weingüter

luden zur Probe

nach Düsseldorf und München

 

Was geschieht, wenn man einem Meer von Wein gegenübersteht? Man kann darin fröhlich ertrinken oder man kann stark selektiv vorgehen und sich Schlückchenweise dem Thema annehmen. Über 60 Winzer und Weingüter sowie einige Hundert Weine erwarteten in Düsseldorf und München die Gäste. Wein Wolf, einer der großen Weinhändler in Deutschland, lud ein und feierte gleichzeitig sein 45-jähriges Bestehen.

Die meisten der rund 500 Gäste steuerten zielgerade an die Stände mit den hochpreisigen Weinen und Champagner – Brunello di Montalcino „Suolo“, Paul Jaboulet mit seinem Hermitage La Chapelle oder Castillo Ygay und die Gran Reserva Especial, wo die Flaschen zwischen 200 und 250 Euro gehandelt werden. Bei den alkoholfreien Angeboten war sehr viel Platz. Wir begannen mit dem preiswertesten Weingut, Dr. Koehler aus Rheinhessen, der von Christian Dreißigacker betrieben wird. Dort ging es auch angenehm ruhig zu, konnte man mit dem Aussteller gut ins Gespräch kommen. Dr. Koehler steht für klare frische (Weiß)Weine mit Bodenhaftung, die zum Frühling und Sommer besonders gut passen und als anspruchsvolle Terrassenweine besonders saisontauglich sind.

In einer ganz anderen Liga spielt das zur Antinori-Familie gehörende Weingut Prunotto in Alba. Gleich acht Qualitäten gab es zu probieren, in einem Preisgefüge zwischen 19 und 80 Euro. Alle Weine konnten glänzen und zeigten sich in ihrer jeweils eigenen charaktervollen Art als Individualisten. Der Gaumenschmeichler Costamiole ebenso wie der Charmeur Bansella. Das Highlight des Weinguts im Piemont aber ist der Barolo aus der einzigartigen Amphitheater-Lage Bussia. Gerade beim großartigen Jahrgang 2021wird dies deutlich. Dieser Wein explodiert nicht, weil er das auch nicht will, er schleicht auf Samtpfoten ein und begeistert mit Kräuterwürze, feinster Beerenfrucht, saftiger Kirsche und der Erdigkeit feuchten Waldbodens. Ein faunischer Wein, der gerade durch seine diskrete Noblesse große Lust erzeugt. Prunotto war für uns mit seinem Sortiment jedenfalls eines der beste Weingüter dieser Verkostung.

Henschke ist in Australien ein großer Name. Die Weine sind von opulenter Statur, werden aber mit den Jahren immer eleganter. Johann Henschke, der in Adelaide und Geisenheim studierte, schenkte die Weine des 1868 in Barossas Eden Valley gegründeten Weinguts persönlich aus. Mit einer Freude und Professionalität, wie man dies bei Verkostungen nicht oft erlebt. Es lohnt sich, diese Rotweine etwas genauer zu betrachten, wobei sie in Deutschland nicht oft anzutreffen sind. Vor allem der hochpreisige Shiraz Mount Edelstone ist ein sympathischer sanfter Riese mit wunderbaren Aromen von Wildkräutern, Eukalyptus, Rosmarin, Thymian, Blaubeeren und Liebstöckel. In den kleinen Verkostungsgläsern werden gerade solche satten Weine eingesperrt, man muss sie sich in großen Gläsern vorstellen und nachprobieren, in denen sie sich richtig entfalten können.

Ludwig Fienhold




Wein-Mythos Beaucastel: Sanfte Riesen mit großen Aromen

Schlossherr Matthieu Perrin präsentierte seine Raritäten

 

Matthieu Perrin kam eigens aus New York angereist, um persönlich seine Weine für einen langen Abend in Frankfurt zu präsentieren. Die Weine von Beaucastel hüllten das Restaurant Medici in sinnliche Duftwolken. Die Perrins gehören zu den bedeutendsten Persönlichkeiten in der Weinwelt, die Geschichte des traditionsreichen Châteaus de Beaucastel reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Tradition allein ist noch kein Verdienst, eine Wein-Legende wird nur zur Legende, wenn man die Größe auch im Glas schmecken kann.

Stamatios + Christos Simiakos, in der Mitte Matthieu Perrin von Beaucastel

Die Weinraritäten wurden von einem mehrgängigen Menü begleitet, dessen Stärke insbesondere in den Saucen lag, die mit den Weinen zu einer Einheit wurden. Bereits der erste dichte und satte Weißwein von der Lage Coudoulet zeigte erstaunliche Qualität, die dem großen Bruder, dem weißen Châteauneuf-du-Pape fast ebenbürtig ist. Mit diesem Coudoulet Blanc aus dem Jahr 2024 hätte man sich bereits einen vergnüglichen Abend machen können, doch viele Gäste fieberten dem eigentlichen Rhône-Mythos Châteauneuf-du-Pape entgegen. Diesen brachte der flotte Service in gleich drei Jahrgängen, 2007, 2017 und 2004. Allesamt außergewöhnlich gute Jahrgänge, jede Bouteille ein Ereignis. Voller Spannung, elastischer Kraft und Geschmackstiefe. Aromen von schwarzem Trüffel, orientalischem Mokka und Liebstöckel. Unter diesen sanften Riesen waren die Jahrgänge von 2007 und 2004 nicht weniger als sensationell zu nennen.

Ein Universum für sich sind weiße Châteauneuf-du-Pape, der cremige und auffrischend meersalzige Beaucastel Roussanne Vielles Vigne  2022 ist durch seine poetische Kraft und all seinen aufregend flirrenden Aromen ein Weltereignis. So eine Flasche kostet rund 250 €, was nicht wenig erscheint, angesichts dieser Rarität aber angemessen ist. Die Terrine von französischem Ziegenkäse mit violettem Senfeis an Trauben-Pinienkernsalat und Rosa Pfeffer nahm den Wein harmonisch in den Arm, wobei sich die Küche sehr viele gute Gedanken zum idealen Pairing machte.

Ziegenkäse-Terrine mit Senfeis

Der locker parlierende Schlossherr Matthieu Perrin, der seit drei Jahren mit seiner Familie in New York lebt, und seine Vertriebsleiterin Éléa Kern, die in Wiesbaden zu Hause ist, referierten kurzweilig vor ausverkauften Plätzen. Es ist wichtig, dass solche Wein-Dinner nicht zu schulmeisterlich abgehalten werden, was die Freude am Essen und Trinken nur bremsen würde. Das Restaurant Medici hat sich längst einen Namen für hochrangige Wein-Events gemacht und plant noch einiges in diesem Jahr.

Text: Ludwig Fienhold

Fotos: Barbara Fienhold

 

Siehe auch BISS-Story „Exklusives Raritäten-Dinner“

 

Die Brüder Simiakos

Highlight mit Gänseleber




Die kulinarische Botschaft aus Berlin: Das Speiselokal Nobelhart & Schmutzig

Heimat, Humor und

Kürbisse in Damenslips

Das Berliner Lokal mit dem auffälligen Namen Nobelhardt & Schmutzig ist das wahrscheinlich beste Lokal, in dem wir noch nie waren. Es gibt jedenfalls keine Adresse in Deutschland, die durch ihre Postillen genannten Newsletter mit so viel Humor, guter Laune und kenntnisreichen Infos Lust zu machen versteht. Während viele PR-Agenturen mit den immergleichen Phrasen über Hotels und Restaurants zu informieren versuchen, schaffen es Nobelhart & Schmutzig mit interessanten kulinarischen News und griffigen Themen große Aufmerksamkeit zu erzeugen. Und das stets unterhaltsam, individuell und bissfest. So gesehen sind wir Brüder im BISS-Geiste, auch dann, wenn wir manches etwas anders sehen.

Dieser Tage animiert „No-Schmu“ mit einer thailändischen Köchin, die trotz aller Tradition über den Tellerrand hinauszuschauen will. Duangporn „Bo“ Songvisava gastiert mit ihrem Team am 10. und 11. April in Berlin, um die Gerichte ihres Restaurants Bo.Lan aus Bangkok zu präsentieren. Mit ihren eigenen Pasten, Zutaten und Gewürzen, gemeinsam mit den besten Lebensmitteln aus Berlin Brandenburg, wie es stets mit positiven Vibes aus Berlin heißt: Info Thailand in Berlin

Das Berliner Lokal Nobelhart & Schmutzig macht im Grunde all das, was andere nicht machen. Weil diese es nicht können oder weil ihnen einfach die Ideen fehlen. Bei „No-Schmu“ gibt es ungewöhnliche armenische Weine, Kürbisse in Damenslips oder fulminanten Eierlikör. Unter dem Signet „Heimat“ werden in lockerer Folge deutsche Evergreens wie Kohlroulade vom Kalb oder Hühnerfrikassee aufgetischt. Grundsätzlich basiert die Karte auf kreativen Gerichten und solchen mit rustikaler Bodenhaftung. Berliner Garstigkeiten werden nett verpackt, die Weinkarte ist unverschämt gut. Man findet im Newsletter lesenswerte und vielschichtige Beiträge, wie den über Alkohol und Drogen in der Gastronomie. Die Mannschaft von Nobelhart & Schmutzig erinnert auf Bildern an die Raufbolde, die der großartige Anthony Bourdin um sich versammelte. Nobelhart & Schmutzig nennt sich Speiselokal und hat einen Stern im Michelin, was uns weniger animiert als der ironische Begriff „Speiselokal“.

Berlin ist schwierig, wäre ohne schwierig zu sein aber auch nicht Berlin.

Ludwig Fienhold

 

Klick Webseite: Nobelhart & Schmutzig

 




Mario Adorf, der stille Genießer

Ein Essen mit dem

großen Schauspieler

in der Krone Assmanshausen

vor 22 Jahren

 

Von Ludwig Fienhold

 

Mario Adorf ist ein stiller Genießer. Bei den Jakobsmuscheln auf Orangensauce flüstert er ein andächtiges „köstlich“. Und er lässt sich auch nicht aus der Ruhe bringen, wenn ihm zwischen den Gängen immer wieder „Der römische Schneeball“ zum Signieren neben den Teller geschoben wird.

Für meine Freundin, die im Krankenhaus liegt, bittet eine Dame. Für meine Tochter, die auch schon mit ihnen gedreht hat, betont ein Herr. Nur wenige von den hundert Gästen, die in die „Krone“ nach Assmannshausen gekommen sind, gehen an diesem Abend ohne das neue Buch des schreibenden Schauspielers nach Hause, seinen vierten Prosaband. In den realen und fabulierten „Gedanken eines Römers“ offenbart sich heiter Erscheinendes und doch Bedenkliches, stets aber persönlich Erlebtes und Empfundenes. Weißhaarig und stattlich gerundet, könnte auch Adorf ein römischer Schneeball genannt werden. Nur, dass er weniger eisig wirkt. Seinen Verehrern begegnet er mit freundlicher Distanz. Beim Tischgespräch zeigt er sich nachdenklich und spricht mit wohldosierten Pausen. In dem 156 Jahre alten Hotel „Krone“ und seiner knarzigen Holzdielenatmosphäre fühlt sich Mario Adorf wohl, zumal ihm sein Zimmer einen romantischen Rheinblick und ein Bad beschert, in dem man Schiffe versenken könnte.

Doch nicht Wasser, sondern Wein ist das Element Adorfs. Hausherr Hans-Burkhard Ullrich weiß um die Vorliebe des Schauspielers für große Bordeaux und lässt Château Latour, L´Evangile und Léoville- Las-Cases dekantieren, die den Rehrücken mit Wacholdersauce und Schupfnudeln ebenso gut begleiten wie den scharf angebratenen Seewolf mit roten Zwiebelravioli. In Italien und Frankreich, wo der weltläufige Adorf wohnt, hat man sich noch nie davor gescheut, auch Fisch in Rotwein schwimmen zu lassen, wenn es Zubereitungsart und Sauce erlauben.

Mario Adorf wurde 1930 in der Schweiz geboren, wuchs aber in Mayen bei Koblenz auf, also gar nicht so weit von der Assmannshäuser „Krone“ entfernt. Bevor er in München auf der Bühne stand, studierte er in Mainz Philologie und Theaterwissenschaften. Adorfs großer Charakterkopf ist mit Wissen ausgefüllt, vor allem aber spürt man bei ihm, was es heißt, dass Reisen bildet. Mehr als in seinen eigenen Domizilen, ist er in Hotels zuhause, wo er sich ebenso „geborgen“ fühlt. Natürlich in den guten, wie der „Krone“ oder dem Four Seasons in Berlin, wo er die Lesereise fortsetzt. Wie so oft, trägt sich Adorf auch ins Goldene Buch der „Krone“ ein. Vor Jahren unterschrieb er unter Robert Mitchum, jetzt hat er eine weiße Seite für sich allein.

Mario Adorf ist auch optisch eine farbige Persönlichkeit: Die Côte d´ Azur-Bräune setzt sich sogar gegen den kobaltblauen Anzug und die blitzend gelbe Krawatte durch. Die kleinen Elefanten auf seiner Krawatte stehen durchaus symbolisch für das dicke Fell, dass sich der nicht immer geliebte und schon gar nicht in seiner Leistung richtig erkannte und eingesetzte Schauspieler gerade und trotz seiner Sensibilität zulegen musste. In seinem Äußeren vermag man ebenso grobe wie feine Züge erkennen, Widersprüche zwischen seiner mächtigen Stirn mit den verwegenen Augenbrauen und den zarten, perfekt manikürten Händen. Und einen Blick, der ebenso fest und geradlinig wie melancholisch umschleiert ist.

Die schneeweißen und eine gewisse Gütigkeit verheißenden Haare trägt er wie zum Trotz gegen sein ewiges Öffentlichkeitsbild vom windigen und draufgängerischen Südländer. Robuste Zerbrechlichkeit. Hinter der nahezu statischen Ruhe des Mario Adorf liegt Unruhe, aus dem Gesicht lugt ein Lauern hervor. Auch auf Ansprache und Anerkennung, wie sie selbst jene noch immer brauchen, von denen man annimmt, ihr Ruhm hätte ihnen Sicherheit gebracht. Drehbuch und Regisseur legen auch einem festgesattelten Schauspieler jedes Wort in den Mund. Von dieser Gängelung versucht sich Adorf als Autor zu befreien. Schreiben, sagt er im persönlichen Gespräch, werde für ihn immer wichtiger. Auch dabei scheint jedes Wort überlegt und bedächtig abgewogen.

Filmexperte Thomas Hocke stellte den Schauspieler als „Weltstar“ vor, einen der wenigen, die Deutschland in Cinemascope zu bieten hat. Den größten Erfolg hier zu Lande haben ihm allerdings die TV-Serien „Kir Royal“ (1988, von Helmut Dietl) und „Der große Bellheim“ (1992, von Dieter Wedel) beschert. Mit dem Regisseur Dieter Wedel hat er zwischenzeitlich auch TV-Werbespots für eine Versicherung gefilmt, „weil sie gut gemacht sind und auch nicht ganz schlecht bezahlt werden.“ Jetzt dreht er mit ihm wieder einen Sechsteiler fürs Fernsehen. Es geht um Hausbau, Spekulation, Politik und Bestechlichkeit, wobei Adorf einen „Wehnertypen“ spielt – „nicht unbedingt sympathisch, aber interessant.“ Zu den negativen Figuren tendiert er ohnedies: „Bösewichter sind Glanzrollen, weil sie mehr Charakter haben. Das Gute darzustellen, beinhaltet auch das Risiko des Langweiligen.“ Eine ähnliche Serie lief bereits vor zwanzig Jahren, nun soll es ein Wiedersehen mit genau denselben, älter gewordenen Schauspielern aus diesen Tagen kommen.

Frankfurt wird Mario Adorf erneut Ende des Jahres in der „Alten Oper“ mit seiner musikalischen One-Man-Show „Al dente“ erleben können. Er ist gefragter und erfolgreicher denn je. Der Mann, der in Winnetou I  Nscho-Tschi erschoss und dafür von halb Deutschland gehasst wurde, ist nicht mehr der Schurke der Nation. Dabei hatte er schon damals einen treuen Teddybärblick – doch den wollte niemand sehen.

Dieser Artikel erschien im Jahr 2004 in einer Frankfurter Zeitung

 

 




Wechsel im kulinarischen Imperium von Wolfgang Puck

Der berühmteste und reichste Koch Amerikas

übergibt die Führung an Sohn Byron Lazaroff-Puck

 

Wolfgang Puck ist so etwas wie der reiche Onkel in Amerika von Alfons Schuhbeck. Beide haben sie mit viel Schmäh, Fleiß, Talent und hochsolidem Handwerk ein kulinarisches Imperium geschaffen, nur dass der Österreicher Wolfgang Puck alles größer und mit mehr Fortune auf die Beine stellte und Alfons Schuhbeck leider scheiterte. Jetzt tritt nach 44 Jahren der Großmeister, dem ganz Hollywood aus der Hand frisst, von der großen Bühne ab und übergibt die Leitung seines kulinarischen Imperiums an seinen Sohn Byron Lazaroff-Puck.

Der 77 Jahre alte Wolfgang Puck ist einer der erfolgreichsten Gastronomen dieser Welt und betreibt über 100 Restaurants, Cafés und Fast Food Lokale, wobei das Spago in Beverly Hills das Bekannteste ist. Dort steht noch immer das Wiener Schnitzel auf der Karte. Seit drei Jahrzehnten ist Puck auch verantwortlich für den Governors Ball der Oscar-Verleihung. Längst ist der Gastronom aus Kärten in den USA selbst ein Star, 2021 bekam er den Stern auf dem Walk of Fame in Los Angeles.

Pucks berühmte Lachs-Pizza

Sohn Byron begann als Tellerwäscher in den Puck-Betrieben und durchlief alle möglichen Stationen des väterlichen Unternehmens. Zusätzlich absolvierte er auch einige Stage-Aufenthalte (Praktika) in namhaften Restaurants, wie dem Alinea in Chicago, Guy Savoy in Paris oder Steirereck in Wien. Er studierte außerdem Hotelmanagement mit den Schwerpunkten Food & Beverage und Marketing in New York. Heute ist Byron 31 Jahre alt und wird im März die Pucks Fine Dining Group mit einem Jahresumsatz von 375 Millionen Dollar übernehmen. Die große Zeremonie des Generationenwechsels wird in Pucks Restaurant Cut in Washington DC stattfinden. Es wird zwar offiziell an keiner Stelle erwähnt, aber der Name des Restaurants hat Symbolkraft – Cut steht für Schnitt und in diesem Fall auch für einen neuen Abschnitt.

Ludwig Fienhold

 

Generation Tasting Tour

Wolfgang Pucks Abschiedstour führt ihn gemeinsam mit seinem Sohn Byron durch sechs Staaten, Auftakt ist ein Dinner im Restaurant Cut in Washington D.C. am 3. März. Dort wird ein von beiden zubereitetes Menü mit 5 Gängen für 250 Dollar serviert.

Amuse: – Rickey Cocktail Sphere – Chinois Oyster 1st Course (Byron Lazaroff-Puck Innovation): – Okinawa Sweet Potato Pie | Osetra Caviar | Creme Fraiche 2nd Course (Wolfgang Puck Tradition): – Rockfish en Croute | Julienne Vegetable Medley 3rd Course (Byron Lazaroff-Puck Innovation): – Fried Wolfe Ranch Quail | Mumbo Sauce | Hush Puppies 4th Course (Wolfgang Puck Tradition): – Liberty Farms Duck Breast | Pear | Pink Peppercorn 5th Course (Wolfgang Puck & Byron Lazaroff-Puck Dessert): – Apple Strudel Duo

Buchungen online hier mit einem Klick möglich

 

Photocredit: Puck Fine Dining Group

 




Schlosshotel Friedrichsruhe: Ein prachtvolles Hotel mit Blessuren 

Genügt ein neuer Hoteldirektor

um das Haus weiter voranzubringen?

 

 

Vermag ein neuer Direktor das in unruhiges Fahrwasser geratene Wald & Schlosshotel Friedrichsruhe wieder auf Kurs zu bringen? Der neue Steuermann Steffen Eisermann wäre nur eine Personalie, würde er nicht eines der schönsten Hideaways Deutschlands übernehmen. Und würde er nicht ein Haus führen, bei dem die meisten Hoteldirektoren nicht ganz freiwillig gingen.

Steffen Eisermann, der viele Jahre für Kempinski arbeitete und zuletzt General Manager im Parkhotel Bremen war, löst Rolf E. Brönnimann ab, der nur 19 Monate amtierte und ohnehin nicht als Dauerlösung galt.

Die eigentliche Überraschung waren die Geschehnisse im Juli 2024, als der damalige Hoteldirektor Jürgen Wegmann das Hotel völlig überraschend verließ. Gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin Violeta Pantic – beide aber in unterschiedliche Richtungen. Die Rolle von Pantic war nie definiert oder begründet, sie wurde ganz allgemein als „Managerin“ geführt und mischte überall mit. Ob ihre anmaßende Rolle und anderes mehr zu dem Aus führte, kann man vermuten,  aber der Abschied kam eher nicht freiwillig. Während man Jürgen Wegmann als moderaten, sachlichen und stets freundlichen  Menschen erleben konnte, war Violeta Pantic so anders gepolt, dass man sie als unangenehme Person empfinden musste.

Die einzige sichere Konstante war bislang die Gastronomie des Hotels, vor allem das Zwei-Sterne-Restaurant Le Cerf von Boris Rommel. Hier sind Küche und Service noch gut aufgestellt. Das Haus hat viel zu bieten und kann sich auf ein großartiges Ambiente stützen. Die Hardware ist bemerkenswert, bei der Software bedarf es deutlicher Verbesserungen, die große Schwachstelle liegt beim Personal.

Wir kennen das Wald & Schlosshotel Friedrichsruhe seit der Zeit von Lothar Eiermann, dem streitbaren Küchenpionier, den man am Schluss sehr dazu überreden musste, zu gehen. Die besten Zeit erlebte das Wald & Schlosshotel unter der Führung von Heinz Schiebenes (2008 – 2015), der selbst einmal Sternekoch war und der Gastronomie des Hauses zu einer Spitzenstellung verhalf. Dennoch fiel er in Ungnade.

Das Wald & Schlosshotel Friedrichsruhe gehört zur Würth-Gruppe mit Sitz in Waldenburg. Firmengründer Reinhold Würth ist 90 Jahre alt.

Ludwig Fienhold

 

BISS Artikel vom Juli 2024

 

Überraschung: Rolf Brönnimann ist neuer Direktor im Schlosshotel Friedrichsruhe

 

Jürgen Wegmann hat das Hotel bereits verlassen

 

Von Ludwig Fienhold

 

Paukenschlag in der Luxushotellerie: Das Wald & Schlosshotel Friedrichsruhe hat einen neuen Direktor, Jürgen Wegmann verließ das Hotel überraschend und wurde vom Schweizer Rolf Brönnimann abgelöst. Die Rochade, die weit mehr als eine Personalie ist, griff jetzt am 1. Juli. Friedrichsruhe ist eines der schönsten Hideaways in Deutschland und gehört zum Milliarden-Unternehmen Würth in Künzelsau.

Das Wald & Schlosshotel Friedrichsruhe glänzt mit einer erstklassigen Küche, für die Boris Rommel und sein Restaurant Le Cerf mit zwei Michelin Sternen ausgezeichnet wurde. Es hat außerdem eine Wellness-Oase von Weltklasse, einen Innenpool und einen ganzjährig benutzbaren beheizten Außenpool  sowie eine weitläufige Liegewiese im hoteleigenen Park zu bieten. Wer verlässt freiwillig ein solch einzigartiges Hotel und gibt seine Position als Direktor auf? Jürgen Wegmann führte das Haus sieben Jahre lang.

Boris Rommel

Es gibt sicher verschiedene Gründe für das überraschende Ausscheiden von Jürgen Wegmann. Seine Partnerin Violeta Pantic  fing in einem zur Würth-Gruppe gehörenden Lokal als Thekenkraft an, wurde ziemlich zielsicher zur rechten Hand von Wegmann und trat als „Hotelmanagerin“ auf. In der konservativen Hotellerie wird es nicht gerne gesehen, dass Partner im gleichen Haus arbeiten. Bei Steigenberger konnte man deshalb sogar versetzt oder ganz vom Hof gejagt werden. So oder so, das Ausscheiden des Paares kann nicht freiwillig gewesen sein.

Der neue Direktor vom Schlosshotel Friedrichsruhe Rolf Brönnimann war bis Ende 2018 in gleicher Position im Hotel Budersand auf Sylt tätig. Davor arbeitete er vor allem in der Schweiz , im Grand Hotel Victoria Jungfrau in Interlaken und als Direktor des Bürgenstock Resorts Lake Lucerne, das sich im Staatsbesitz des Emirates Katar befindet. Der 67 Jahre alte Hotelier ist Mitgründer und Mehrheitsaktionär der SH Swiss Hospitality Group. Diese soll angeblich das Wald & Schlosshotel Friedrichsruhe übernehmen, ohne dass es zu größeren personellen Veränderungen kommen wird. Das Hotel bleibt aber Mitglied der Würth-Gruppe.

Jürgen Wegmann

Bekannt wurde das Wald & Schlosshotel in der Zeit von Lothar Eiermann, dem verbal rauflustigen Koch und Küchendirektor, der kürzlich verstarb. Der nach 35 Jahren als Schlossherr etwas mürbe gewordene Eiermann musste das Feld mit 63 Jahren nicht ganz freiwillig räumen. 2008 übernahm Heinz Schiebenes das Ruder, der einst als Küchenchef im Restaurant Zauberflöte in der Alten Oper in Frankfurt mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet wurde. Der kulinarisch versierte Schiebenes baute das Hotel zu einer Gourmet-Destination aus, die es bis heute geblieben ist.

Fotos: Barbara Fienhold

 

 




Schamanen-Weinprobe mit Alexander Danner

Die etwas andere Art

der Verkostung

Der Winzer löst seinen Weinkeller auf

und verkauft die letzten Flaschen & Raritäten

 

Alexander Danner war schon immer ein Winzer der anderen Art. Er setzte auf Naturweine, als diese noch kein Trend waren, erzeugte obendrein einen herausragenden Sekt und inszeniert jetzt Schamanen-Weinproben, die Spiritualität mit Fachwissen verbinden. Es wird allerhöchste Zeit ihn zu entdecken, denn jetzt werden seine letzten Flaschen verkauft.

Neben seiner Arbeit als Winzer beschäftigt sich Alexander Danner intensiv mit Natur, Alchemie und schamanischer Praxis. Über viele Jahre verbrachte er längere Zeiträume im Amazonasgebiet bei indigenen Völkern, um seine Verbindung zur Natur und zur Erde zu vertiefen. Diese Erfahrung prägte auch seine Weine. Für Alexander Danner sind seine Erzeugnisse nicht nur handwerklich hergestellte Naturweine, sondern sehr eigenständige Gewächse mit starkem Charakter und Energie. „Radikal naturbelassen“, nennt der Winzer seine Weine. Weder im Weinberg noch im Keller werden chemische Mittel oder Zusatzstoffe verwendet. Die Weine entstehen ausschließlich aus Trauben, Zeit, Geduld und natürlicher Entwicklung.

Einige Danner-Weine öffnen sich erst nach Stunden, dafür kann man sie auch sehr lange offen stehen lassen, ohne Qualitäts- und Aromenverlust. Mitunter bis zu einer Woche. Neben dem Sekt, von dem es nur noch ganz wenige Flaschen gibt, gefällt uns besonders der Rosé Amphoria 2018, mit zwei Jahren Reife im Eichenfass und nur 1,5 Gramm Restzucker. Fleisch, saftig, rund, ein Rosé für Rotweintrinker. Er rollt mit einer Lawine an Aromen über die Zunge, Erdbeere, Hagebutte, Salbei. Ein samtiges sattes Mundgefühl. Kein Rosé für die Poolkante, ein Wein für Erwachsene.

Alexander Danner

Der Sekt von Danner hat etwas Sphärisches, als ob man Spiritualität schmecken könnte. Eine solche Elastizität, Finesse und Sinnlichkeit erlebt man nicht oft bei einem deutschen Sekt. Die Entstehung dieser Perle ist auch ungewöhnlich: Die Assemblage aus fünf verschiedenen Rebsorten durchlebte zehn Jahre auf der Hefe in der Flasche (die Mindestreife für einen Champagner beträgt drei Jahre). Das Ergebnis im Glas: Feinste Perlage mit langanhaltender Persistenz, seidig geschmeidige Textur, extraktreich und doch von schwungvoller Leichtigkeit, Duft von reifem Obst und Kräuternoten.

Alexander Danner veranstaltet „Schamanische Weinproben“, bei denen die Weine als spirituelle Begleiter erlebbar werden sollen. Sie sollen seinen Worten nach auf Körper, Geist und Seele wirken. „Jeder Wein trägt eine Botschaft: Klarheit, Herzöffnung, Erdung, Bewusstsein.“ Man soll die Weine nicht nur trinken, sondern auch fühlen. Wer den Winzer kennt, weiß, dass hier kein Hokuspokus inszeniert wird, sondern sich Quantenphysik, Spiritualität, Weinkunde und Genuss verbinden. Dabei öffnen sich nicht nur die Weine, sondern auch die Menschen.

Man muss nicht alle Weine von Danner verstehen oder mögen, sie fallen unterschiedlich, doch nie belanglos aus. Aber man sollte erkennen, dass Alexander Danner zu den außergewöhnlichsten Winzern Deutschlands gehört.

Ein Leben bis zum letzten Tropfen. Alexander Danner hat viel verloren, aber nie seinen Mut und seine Lebensfreude. Er bewirtschaftete in Durbach ein bemerkenswertes Weingut, das seine Eltern verkauften und ihn damit um seine Existenz brachten. Sein Weinlager wird gerade aufgelöst, die Preise wurden drastisch gesenkt. Jetzt werden die letzten Flaschen verkauft. Diese Weine wird es nie wieder geben.

Ludwig Fienhold  

Mit einem Klick zum Danner-Weingut 

Fotos: Wolf Peter Steinheißer




Exklusives Raritäten-Dinner mit Châteauneuf-du-Pape

Die Weine von Beaucastel im Restaurant Medici in Frankfurt

 

Großes Wein-Menü zum gastfreundlichen Preis

 

Das Weingut Beaucastel ist ein Mythos. Es liegt in der südlichen Rhône umgeben von Rebhängen, Trüffeleichen und uralten Olivenbäumen. Der Châteauneuf-du-Pape ist ein herausragender Wein, den man bewundern darf, aber noch besser trinken sollte. Von dieser flüssigen Delikatesse wird es beim Raritäten-Dinner im Frankfurter Restaurant Medici auch ein paar Flaschen geben, die sonst nicht in Deutschland zu haben sind.

Champagner, 6 verschiedene Weine, 6 Gänge plus Amuse Bouche und Aperitif-Champagner sowie Wasser und Kaffee zu einem ungewöhnlich guten Preis von insgesamt 320 €. Wenn man sieht, dass allein schon der Warenwert der Rohstoffe fürs Restaurant selbst bei über 200 € netto liegt und die Weine teilweise nur schwer oder gar nicht zu bekommen sind, wurde hier unwiderstehlich gut für den Gast kalkuliert (das gesamte Menü mit Weinen weiter unten).

Zu dem bei 72 Stunden Niedrigtemperatur gegarten US-Short Rip mit Thymian-Polenta werden gleich zwei Rotweine der Jahrgänge 2007 und 2017 aus der Appellation Châteauneuf-du-Pape serviert. 2007 war ein außergewöhnlicher Jahrgang, mit expressiver schwarzer und roter Frucht, etwas Trüffel und Sandelholz. 2017 zeigt sich kraftvoll, konzentriert, würzig, dezent rauchig und entfaltet Aromen von Lorbeer und Schokolade. Ungewöhnlich: Dieser Châteauneuf-du-Pape wird aus allen 13 für dieses Anbaugebiet zugelassenen Rebsorten erzeugt.

Gänselebergericht

Der Châteauneuf-du-Pape 2004 ist ein Charakter mit Eleganz Fülle und Geschmackstiefe. Der Duft von Mokka, Lakritz, Brombeere und Trüffel wird von der Medici-Küche mit Salzwiesen-Lammrücken unter der Kräuterkruste gefördert. Ein Highlight wird auch der weiße Châteauneuf-du-Pape Roussanne Vieilles Vigne 2022 sein, einer der besten Rhone-Weißweine und einer der größten der Welt überhaupt. Ein üppiges Aroma aus Birne, Zitrus, Rosmarin und Brioche füllt die Sinne. Eine Prise Meersalz, die den Wein luftig durchzieht, frischt die mollige cremige Art schwungvoll auf.

2004 ist auch das Gründungsjahr vom Restaurant Medici. Diesen Jahrgang sowie die Jahrgänge 2007 und 2017 von Beaucastel, die es in Deutschland nicht zu kaufen gibt, werden an diesem besonderen Abend in der Holzkiste mit jeweils zwei Flaschen zu bekommen sein.

Das von der Familie Perrin geführte Château de Beaucastel wird vollständig biologisch bewirtschaftet. Die Moderation des hochwertigen Dinners übernimmt Matthieu Perrin auf englisch, wobei Elea Kern mit deutscher Übersetzung hilfreich zur Seite steht.

Das Restaurant Medici kann mit einer exzellenten Weinauswahl glänzen und macht immer wieder durch besondere Wein-Events Furore. Es lohnt sich beim Restaurantbesuch auch die neue Sonderkarte mit Burgunder-Offerten anzusehen, die Entdeckungen und Geheimtipps versprechen.

Ludwig Fienhold

 

Beaucastel 2004

Raritäten-Dinner Beaucastel, Restaurant Medici in Frankfurt, Weißadlergasse 2.

Samstag 21. März 2026.

Einlass & Aperitif ab 18 Uhr, Menübeginn 18.30 Uhr.

Preis pro Person: 320 € (inkl. Champagner, Wein, Wasser, Kaffee).

Limitierte Gästezahl, nur mit Vorkasse.

Reservierungen: info@restaurantmedici.de

 

www.restaurantmedici.de

 

 

Fotos: Beaucastel, Medici, Barbara Fienhold

Die Medici-Chefs Christos und Stamatios Simiakos