Nubium: Großartiger Sparkling Wine aus einem Garagenweingut in Lanzarote

Die Bodega La Verea erregt

mit ihrem Nubium Aufsehen

 

Ein moussierender Wein

vom Mondmeer

 

Die einzigartige Wein-Insel Lanzarote hat ein Dutzend herausragender Weingüter, die inzwischen auch in ganz Europa immer mehr Beachtung finden.  Jetzt gibt es einen großartigen Schaumwein, den man getrunken haben sollte. Von dem moussierenden Wein „Nubium“ von der Bodega La Verea gibt es nur 560 Flaschen. Er kommt von einem winzigen Garagenweingut, aber in dieser Garage steht ein spritziger Ford Mustang.

Nubium bedeutet ist der Astrologie „Mondmeer“. Und genau wie Lanzarote gibt es dort Krater und Lava. Man könnte auch sagen, dieser schäumende Wein ist nicht von dieser Welt, was dem gewitzten Sergio Cabrera entsprechen würde, der für diese Rarität verantwortlich ist. Er ist wie seine Vorfahren Weinhändler und schaut ein wenig aus, als würde er als kreativer Werbetexter arbeiten. Entsprechend eloquent stellt er seine Erzeugnisse vor, obwohl diese auch für sich sprechen.

Sergio Cabrera

Erzeugt wird der Nubium nach der Methode Ancestral, dem Verfahren der Vorfahren. Der Definition nach ein Pét Nat (Pétillant Naturel), wie er in Deutschland landläufig heißt. Der Nubium aber ist viel frischer, reintöniger, feinperliger und substanzieller als viele Vertreter dieser Spezies. Einen Kronkorken hat aber auch er. Pét Nat mag ein Trend sein, in Wahrheit zeigt er eine Rückkehr zu den Wurzeln der Weinherstellung. Keine künstlichen Zusätze, keine Filtration, pure Handwerklichkeit.

Bei dem auf natürliche Weise prickelnde Wein entsteht die Perlage durch Flaschengärung (Método Ancestral oder Rurale). Der angenehm trockene Nubium basiert zu 70% auf Malvasia und zu 30% auf Listan Blanco. Diese Rebsorten geben dem Pét Nat von Lanzarote eine auffrischende salzige Note, wie sie inseltypisch ist. Der Ausbau der Grundweine verläuft in Fässern von der traditionsreichen österreichischen Fassbinderei Stockinger aus Waidhofen an der Ybbs, die in der Weinwelt berühmt ist. Außer den 500 Liter Eichenfässern sind Beton-Ei und Edelstahl an der Herstellung beteiligt. Sergio Cabrera hat sich als Erzeuger jeden Schritt genau überlegt, vor allem will er nicht, dass seine Produkte „französisch schmecken“. Neben dem schäumenden Nubium ist auch ein Stillwein der Bodega La Verea auf dem Markt. Der Tabaiba, ist ein Malvasia Volcánica, der ebenfalls Beachtung verdient.

Schaumweine werden seit etwa 37 Jahren auf Lanzarote erzeugt. Das Weingut El Grifo machte den Anfang, Los Bermejos verfeinerte die Herstellungsweise und gilt auf der Insel als besonders beliebt, gerade in der Gastronomie. Der El Grifo ist uns zu rustikal, vor allem die Perlage zeigt sich sehr robust. Die Produkte von Bermejos sind gut, gehören aber geschmacklich dem europäischen Mainstream zugeordnet. Individueller, charaktervoller und mehr Lanzarote-like ist für uns der neue Nubium.

Die Perlen der Bodga La Verea gibt es nicht im Handel, aber in der Weinbar Sede sowie den Toprestaurants La Tegala und Mirador de las Salinas auf Lanzarote.

Ludwig Fienhold

Fotos: Barbara Fienhold




Das Frankfurter Grandhotel Hessischer Hof hat als indisches Taj wieder eröffnet

Emmanuel Saridakis

führt die einst

berühmte Jimmy´s Bar

 

Knapp sechs Jahre war das Grandhotel Hessischer Hof geschlossen und hat nun als Taj Hessischer Hof Frankfurt wieder eröffnet, die Sanierung soll rund 15 Millionen Euro gekostet haben. Der Look erscheint international mit indischen Anklängen, der Chefbarkeeper der legendären Jimmy´s Bar Emmanuel Saridakis ist Grieche und war zuvor gut 20 Jahre Barchef in Harry´s New York Bar im Main Plaza in Frankfurt.

The Indian Hotels Company Limited hat einen zwanzig Jahre laufenden Vertrag mit der Investmentgesellschaft Peakside Capital Advisors AG geschlossen. An der Spitze des Hotels steht als General Manager Albert Mayr, der zuvor Hotelmanager im Frankfurter Melia Hotel und dem Frankfurter Hof war.

Das Taj Hessischer Hof hat 126 Zimmer und eine 180 Quadratmeter große Präsidentensuite, es verfügt über mehrere Veranstaltungsräume und das Restaurant Bombay Brasserie mit einem indischen Küchenchef sowie mehrere kleine Terrassen, einen Spa- und Fitnessbereich und eine Tiefgarage. Der Business Club The Chambers hat im neuen Hotel ebenfalls eine Heimat gefunden und will sich als internationaler Treffpunkt aufstellen.

Fotos: Taj Hessischer Hof Frankfurt




Moons: Neues Lifestyle-Hotel für die Frankfurter Innenstadt

Aus einem öden Bürogebäude

soll Lebensgefühl wachsen

 

In der Frankfurter Innenstadt nahe des historischen Eschenheimer Turms entsteht in der Stiftstraße 30 das neue Moons Hotel mit über 200 Betten. Eröffnung soll 2029 sein. In Wien existiert bereits ein Haus dieser Marke, in Deutschland wird es das erste sein.

Das Moons Frankfurt will sich im gehobenen Segment als Boutique-Lifestyle-Hotel positionieren. Derzeit sieht das ehemalige Wohn- und Bürogebäude, das drei Jahre leer stand, noch sehr trist aus. Die Immobilie wird nicht abgerissen und soll im Rahmen einer umfassenden Revitalisierung in ein Hotel konvertiert und um zwei zusätzliche Etagen erweitert werden.

Moons, wie es werden soll

Gebäude, aus dem das Moons werden soll

Das Moons ist die Eigenmarke der MHP Hotel AG, die Betreiberkonzepte für Hotels entwickelt und als Franchisenehmer internationaler Hotelgruppen wie Marriott International, Hilton und Hyatt auftritt. Zum Portfolio gehört beispielsweise auch das JW Marriott in Frankfurt. Projektentwickler und Eigentümer des Frankfurter Moons ist die Rock Capital Group mit Sitz in Grünwald bei München.

Das Food-&-Beverage-Angebot basiert dem offiziellen Wortlaut nach auf einem Betriebsmodell mit reduziertem Flächen- und Personalbedarf. Das Angebot wird überwiegend vegetarische und vegane Speisen auf Bio-Basis sowie eine anspruchsvolle Getränkekarte umfassen, die sowohl Hotelgäste als auch lokale Besucher ansprechen möchte. Die gilt auch für die Bar des Hauses.

Das Moons wird sich in zentraler Stadtlage befinden, unweit der Hotels JW Marriott und Flemings. Das spart den Gästen Taxikosten, denn viele Einkaufsstraßen, Wochenmärkte, Restaurants und Cafés befindet sich in Laufnähe. Während der Ausblick vom JW Marriott auf die Frankfurter Skyline und die großartige Panorama-Aussicht vom Flemings das Highlight eines Aufenthalts sein können, muss den Gästen des Moons die Umgebung eher banal erscheinen.

Visualisierung: MHP Hotels, Foto: Biss Magazin Frankfurt

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Bild: Barbara Fienhold

 




Geht Essen und schneidet den Fahrradkurieren den Weg ab

Lieferdienst – ausgeliefert

Bissiges von Ludwig Fienhold

 

Gehen Sie wieder mehr Essen, allein schon deshalb um den Lieferdiensten, deren Fahrer lästig wie Moskitos durch die Stadt schwirren, den Lebensraum zu entziehen.

Lokalbesuche jeglicher Art ärgern derzeit zwar, weil sich die Preise täglich zu erhöhen scheinen und das bei meist sinkenden Leistungen. Doch dürfen wir deshalb nicht zu Hause auf dem Sofa im Pizzasumpf versacken. Fast Food macht einsam. Allein daheim, ohne soziale Kontakte, die das muntere Leben in einem Lokal bietet, kann nicht daseinsfördernd sein. Wer glaubt, der Home Imbiss wäre eine sparsame Idee, wird feststellen, dass vor allem an der Qualität des Essens gespart wird. Das Essen erscheint billig, ist aber trotzdem selten den Preis wert. Auf der Strecke bleiben vor allem der gute Geschmack und viele Fußgänger, die rasende Lieferradler auf dem Weg zu Ihnen überrollt haben.

Trotz der Lieferdienstraketen kommt das Essen nicht immer pünktlich an die Haustür. Vor allem, wenn man in Straßen wohnt, die nicht einmal Einheimische kennen. Dann sitzen Willi und sein Dackel so lange vor dem Fernseher, bis die letzte Werbung für Tiefkühlpizza vorbeigeflimmert ist. Und am Ende haben Willi und sein Dackel zur Sättigung so viele Biere getrunken, dass ihnen nur noch der Ruf nach einem Sanitäter bleibt – der aber auf dem Weg mit just dem Fahrradkurier zusammenstößt, der die Pizza liefern sollte.

Während sich Lieferdienstfahrer bewegen, sitzen die Belieferten regungslos zu Hause und warten. Sie lassen sich sehr viel Essen bringen, ohne selbst einen Schritt zu tun, und merken nicht wie sie erstarren. Mastiges Essen bei gleichzeitiger Bewegungslosigkeit bahnt schnell den Weg in die Klinik oder auf den Friedhof. Auf jeden Fall aber macht dieser einseitige und ungesunde Verzehr-Transfer dick und krank. Er füttert und entzieht gleichzeitig dem Gehirn Nahrung. Die bessere Alternative wäre natürlich zu Hause selbst zu kochen. Doch Menschen, die Lieferdienste nutzen, können nicht kochen. Sie können nur die Tür öffnen, die Pakete in Empfang nehmen und sich damit aufs Sofa plumpsen lassen.

Man darf sich den Lieferdiensten nicht ausliefern. Je weniger Menschen diese Form der schnellen Sättigung wählen, desto weniger Lieferdienste sind im Einsatz. Wenn das Essen im Restaurant zu teuer ist, sollte man sein ausgewähltes Lokal zu Fuß aufsuchen, je weiter, desto besser. Das gesparte Geld für den Hin- und Rückweg (ob beim Benzin oder dem Taxi) kommt in etwa einem Hauptgericht gleich, bei einem teuren Restaurant würde immerhin die Vorspeise kompensiert. Mit dieser Einstellung würden sich die Menschen jedenfalls wieder mehr bewegen und wären gesünder, vor allem aber wären die Straßen von einer Plage befreit. Vielleicht erinnert sich noch jemand: Vor zehn Jahren gab es noch keine Lieferdienste, die Menschen gingen in Restaurants und die Straßen waren ein gutes Stück sicherer. Der Begriff „Essen gehen“ würde so seiner wahren Bedeutung gerecht werden.

Photocredit: BISS Magazin

 




Winzerhof Stahl: Sommerfrische im Glas

Weine für die Terrasse

und Luxus-Abende

 

Der Winzerhof Stahl hat die sozial vernachlässigte Rebsorte Müller-Thurgau salonfähig gemacht. Sein „Hasennest“ ist ein Paradebeispiel für die Wiederbelebung dieser unterschätzten Spezies. Dieser saftige, frische und leicht salzige Wein schwingt im Glas wie ein großer Schluck Sommer. Aber auch sonst herrscht auf dem Weingut im fränkischen Auernhofen flaschenweise Sommerfrische.

Vom einfachen aber keineswegs anspruchslosen Basiswein, über eine „Best of Selection“ der Einzellagen, bis zum „Liquid Luxury“ in Magnumflaschen, präsentiert Christian Stahl ein blitzsauberes Sortiment. Wenn die Basisweine stimmen, wackelt auch die Pyramide nach oben nicht. Der Feder-Stahl Blanc de Noirs zeigt für kleines Geld eine schöne Süffigkeit, wobei Christian Stahl diesen Tropfen auch wegen seiner beschwingten Leichtigkeit gerne beim Kochen trinkt. Die Weinserie „Nachschlag“ bietet bestes Amüsement für die Terrasse, gut gekühlt mit und ohne Bubbles.

Die Stahl-Weine gehören zur deutschen Weißweinelite. Selbst so etwas Exotisches wie die Scheurebe gelingt hier in einer selten zu erlebenden Präzision und Vielschichtigkeit an Aromen, der Sauvignon Blanc ist deutlich besser als vieles, was unter diesem Namen an penetranter Aromatik auf den Markt kommt. Deutsche Chardonnays können recht belanglos oder überstrapaziert sein. der Chardonnay von Stahl ist von solch einer eleganten und saftigen Souplesse, dass es nicht bei einem Glas oder nur einer Flasche bleibt. Bereits der Einstiegswein davon hat Klasse, die Einzellage Sonnenstuhl ist noch komplexer und ein Must-have. Riesling und Silvaner von uralten Rebstöcken aus der Steilhang-Spitzenlage Pfülben geraten besonders konzentriert und geschmeidig. Nicht zu vergessen, es war Christian Stahl, der den Müller-Thurgau der sozialen Ächtung entrissen hat und bereits mit dem Jahrgang 2012 einen glänzenden Müller-Thurgau präsentieren konnte.

Der Winzerhof Stahl rockt das ganze Taubertal. Über 180 Hochzeiten werden dort im Jahr gefeiert, mitunter gleich vier an einem Wochenende. Diese Feste stellen das Dorf auf den Kopf und füllen Betten, die es vorher gar nicht für Gäste gab, wobei der Winzerhof auch eigene Zimmer anbieten kann. Eine Hochzeitsfeier auf einem Weingut mit kulinarischer Expertise und gutem Weinkeller bietet gute Voraussetzungen, man kann dort aber natürlich auch nur das Leben feiern.

Ludwig Fienhold

 

Siehe auch BISS-Artikel „Weingut mit Sterneküche“

 Winzerhof Stahl, Auernhofen-Simmershofen, Lange Dorfstr. 21.

Tel. 09848 96896.

www.winzerhof-stahl.de

Fotos: Winzerhof Stahl, Barbara Fienhold




Champagner belebt die Fußball WM 2026

Special World Cup Edition

von Taittinger

 

Mit nichts lassen sich Siege besser feiern und Niederlagen eher ertragen als mit Champagner. Wenn die Fußball-Weltmeisterschaft am 11. Juni beginnt und nach 39 Tagen am 19. Juli endet, wird man Grund genug für beides finden. Für dieses sportliche Weltereignis hat Taittinger eine FIFA World Cup Special Edition als Brut Réserve auf den Markt gebracht, deren schwungvolles Etikett bereits gute Stimmung verbreitet.

Taittinger ist seit 2014 der offizielle Champagner für die Fußball-Weltmeisterschaft und gehört inzwischen dazu wie der Ball zum Tor. Die Partnerschaft wird noch bis mindestens 2030 weitergeführt.

Der hohe Chardonnay-Anteil und drei bis vier Jahre lange Reifezeit geben dem Champagner Statur und Struktur. Gleich beim ersten Schluck zeigt er vitale Frische und eine aparte Frucht, die aber immer schön trocken bleibt. Im Glas entfalten sich ausgewogene Aromen von leicht buttriger Brioche,  Akazienblüte, Beeren und einem Hauch Vanilleschote. Die Taittinger Brut Réserve wurde aus 37 Cru-Lagen der eigenen Weinberge komponiert und basiert auf Chardonnay, Pinot Noir und Pinot Meunier. Sie hat eine feine Perlage mit langanhaltendem Schaum und wirkt belebend.   

Auch optisch ist diese limitierte Collector Edition ein Highlight: Die Flasche leuchtet in holografischen Farbverläufen aus Rot, Grün und Blau als Hommage an die Gastgeberländer der Weltmeisterschaft. Ihr dynamisches Design soll an die Flugbahn eines Balls und die charakteristische Naht eines Fußballs erinnern und dadurch Bewegung und Energie verkörpern. Eine Trophäe für Sammler und ein schönes Geschenk für Fans und Fußballabende in guter Gesellschaft.

 

Taittinger Special World Cup Edition,

Empfohlener Endverbraucherpreis 54,99 €,

Bezugsquelle für Privatkunden:

Geschmackvoll Interieur & Wein / Oberdorfelder Straße 46 / Niederdorfelden

www.geschmackvoll-niederdorfelden.de

Kontakt für  Wiederverkäufer im Rhein-Main-Gebiet:

Handelsagentur Beesdo & Cap GmbH / Salon-de-Provence Ring 22 / Wertheim

www.beesdo-cap.de

Kontakt für Wiederverkäufer national:

Wein Wolf GmbH / Königswinterer Straße 552 /Bonn

www.weinwolf.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotos: Wein Wolf,

Biss Magazin Frankfurt




Lohninger: Alpiner Geschmacks-Gipfel der Extraklasse

Der Österreicher

bringt seit 22 Jahren

Frankfurt zum Kochen

 

Von Ludwig Fienhold

 

Mario Lohninger ist ein Phänomen. Er beherrscht von kraftvoll-bodenständig bis lustvoll-kreativ die ganze Klaviatur des guten Geschmacks. Sein famoses Ochsenbackerlgulasch rockt, der fabelhafte gegrillte Black Cod à la japonaise in geräucherter Consommé tönt zart wie Glockenspiel. Eines der allerschönsten Lohninger-Gerichte steht aktuell auf der Karte, ist aber nur noch bis zum 28. März zu haben: Saftig zartes Bio-Schweinsbrat´l vom Schwäbisch-Hällischen Schwein mit krachiger Kruste, famosem Krautsalat, Serviettenknödel und feinem Majoransaft. Keine Angst, das Gericht ist überhaupt nicht füllig, außerdem wirkt allein der Majoran wie ein natürlicher Digestif.

Mario LohningerOb Lohninger Asiatisches oder Italienisches einfließen lässt, alles erscheint mit einer Selbstverständlichkeit, als hätte es das Gericht schon immer so gegeben. Das kulinarische Terroir von Mario Lohninger aber ist seine Heimat Österreich. Alpine Gerichte wie die Hochgebirgs-Käse-Ravioli „Kärntner Schlutzkrapfen“ mit Haselnuss und Salbei-Butter zeigen dies in klassischer Form, beim prallen bretonischen Seeteufel mit Eierschwammerl-Gulasch in Schalotten-Thymian-Jus werden sie moderner interpretiert. Nicht jeder Österreicher versteht sich auf Wiener Schnitzel, doch im Restaurant Lohninger wird es so genial wie selten zu erleben zubereitet, aus dem Kalbsrücken, saftig und zart, dünn geklopft und mit luftig soufflierter Panade. Auf der Karte von Lohninger stehen im Grunde seine ganzen Evergreens, die kein Gast missen möchte. Die Hausklassiker werden aber immer wieder mit frischen Ideen ergänzt, derzeit mit der großartiger Amela-Tomate, etwas Burrata, Olivenöl-Eis und hocharomatischer California-Salsa, die der Star auf diesem Teller ist. Neu ist auch das feine Fingerfood Crispy Sesam Taco mit Spicy Thunfisch-Tatar. Die Charakteristik dieser Küche: lustvoll, sinnlich, anregend. Jeder Bissen ein Stück Lebensfreude. Eine Besonderheit, dass Lohninger die entsprechenden Teller glutenfrei auf den Tisch bringt, aber so, dass der Geschmack nicht darunter leidet. Er hat jahrelang daran getüftelt, um dies zu perfektionieren, wie gerade Pasta und Kaiserschmarrn zeigen. Wir kennen keinen Koch, der glutenfrei so gut beherrscht.

Das legendäre Wiener

Knusprig-saftiges Schweinsbraterl

Klein & fein mit aromatischer Salsa

Bei Mario Lohninger finden hochsolides Handwerk und großes Geschmackstalent zusammen. Lehrmeister war Vater Paul im heimischen Betrieb im Salzburger Land, doch weltweite Stationen bei großen Köchen brachten den Feinschliff – Obauers in Werfen, Hans Haas im Tantris in München, Wolfgang Puck im Spago in Los Angeles, Guy Savoy in Paris und David Bouley in New York, dessen Restaurant Danube Lohninger als Küchenchef führte. In Deutschland machte Mario Lohninger mit seinem spacigen Lounge-Restaurant Silk in Frankfurt Furore, wo er fantasievolle Haute Cuisine en miniature präsentierte. Dort startete er 2004 im Cocoon Club, wo er neben dem Silk noch das ebenfalls hervorragende Micro führte. Seit 16 Jahren ist er nun auf der Schweizer Straße zu Hause. Alles in diesem Restaurant bewegt sich auf Sterne-Niveau, was allseits bekannt ist, nur nicht beim Michelin, der auf einem anderen Stern zu wohnen scheint, der irgendwo hinter dem Mond liegt.

Das beste Pastrami Sandwich außerhalb New Yorks

Das Restaurant Lohninger hat einen ganz eigenen Schick und ist fast so etwas wie eine Edel-Beisl. Der saloppe Service ist engagiert und verbreitet gute Stimmung. Vater Paul Lohninger, der Mentor und Meister der klassischen Küche Österreichs, und die beherzte Erika Lohninger, die früher den Service führte, haben sich aus dem operativen Restaurantgeschäft zurückgezogen, sind aber regelmäßig in Frankfurt zu Besuch.

Bei der Weinkarte stößt man auf viele handverlesene Champagner und Spitzenweine aus Europa, doch sollte man bei Lohninger unbedingt die Weine Österreichs entdecken, Pichler, Knoll oder Ott sind immer die richtige Wahl.

Unglaublich gut: Imperial Kaviar, hauchdünne knusprige Pinzgauer Erdäpfel Bladln und Vodka-Crème-fraîche.

Lohninger, Frankfurt, Schweizer Str. 1, 069 24 75 57 860. Mi-Sa, 12-14 Uhr + 18 -22 Uhr, So + Mo geschlossen.

www.lohninger.de

Vorbildlich: Man kann à la carte bestellen, außerdem werden zwei Menüs angeboten, deren Gänge man aber auch einzeln wählen kann.

Fotos: Barbara Fienhold

 

 




Ress & Rosso: Neue Wein-Lounge am Frankfurter Opernplatz

Perlender Sekt

und rustikale

Happen unter freiem Himmel

 

Der Frankfurter Opernplatz ist so fest in italienischer Hand, dass man sich schon über ein Stück Brot vom deutschen Bäcker freut. Im neuen Ress & Rosso gibt es zu Wein und Sekt passende Happen, die in den anderen Lokalen auf dem Platz mangels preiswerter und neuer Ideen nicht auf den Tisch kommen. Die neueröffnete Wein-Lounge will mit ihrem Konzept eine Lücke füllen, um das einseitig besetzte Terrain zu beleben – mit Weinen aus dem Rheingau und ausgesuchten Produkten von lokalen und regionalen Erzeugern.

Frankfurts schönste Sonnenbank bietet vor allem Gästen Platz, die sich auch selbst in ein gutes Licht setzen wollen. Und die sich unverkennbar am eigenen Glück sonnen, weil sie sich diese Pole Position leisten können. Im neuen Ress & Rosso wird auch nichts verschenkt, aber es ist auch kein Ort für Prahlemann & Söhne. Die Sitzplätze im Lounge-Stil für 60 Gäste sowie einige Stehtische befinden sich direkt gegenüber von der Rosso Suite (einst Café Rosso) an der Alten Oper, die ebenfalls zur Kuffler-Gastronomie gehört.

Das gute Brot für Ress & Rosso kommt von der angesagten Frankfurter Bio-Bäckerei Ouwe, der auffällige Name steht nicht etwa für „Uwe“, sondern bedeutet im Wäller Platt des Westerwaldes „Ofen“. Die Hungener Käsescheune liefert Hartkäse aus dem Gewölbekeller und der in der Spitzengastronomie so beliebte Biohof May steuert einiges mehr als den guten Wurstsalat bei. Die regionale Snackplatte für 2 Personen zu 38 € besteht aus Coppa, Kochschinken, Guanciale und Salami sowie Käse, Salzbutter, Gewürzgurke, Radieschen, Kren und Bio-Weizenbrot von Ouwe. Mini Snacks, wie die vier kleinen und gut gewürzten Kalbsfrikadellen mit saftigem Kartoffelsalat, kosten jeweils 8,50 €.

Der Geschäftsführer der Kuffler-Gastronomie, Richard Schmitz, holte sich als Partner Christian Ress und seine Rheingauer Weine mit ins Boot. Es wurde eigens eine Cuvée de L´Opéra ins Leben gerufen. Der Riesling Sekt Brut springt mit Frische, Saftigkeit und feinen Perlen aus dem Glas und ist genau die richtige und anspruchsvolle Sommerbegleitung. Wer vielleicht sonst Vorbehalte gegenüber Rheingauer Weinen und Sekten wegen ihrer Säure hat, wird diesen angenehm trockenen und animierenden Sekt schätzen, den es zudem als Rosé gibt. Zehn verschiedene Weine und Sekte stehen bereit, darunter auch der Ress Bestseller- Riesling „Von Unserm“.

Es herrscht lebhaftes Geplauder. Einer Beschallung bedarf es nicht, sie würde nur stören. Der Sound in der Wein-Lounge ist weit angenehmer und lässt nur die Gläser klingen. Das neue Ress & Rosso macht den Opernplatz ein gutes Stück sympathischer.

Ludwig Fienhold

Ress & Rosso, Wein Lounge, Opernplatz Frankfurt,

Mo. – Fr. 15:00 – 00:00 Uhr, Sa. + So. 12:00 – 00:00 Uhr.

Die Lounge ist nur bei schönem Wetter geöffnet.

Fotos: Barbara Fienhold

Siehe auch Biss-Artikel über den Opernplatz „Gastronomie oder Seifenoper“




Warum ein Brot ein eigenes Gericht sein kann

Manchmal braucht man nur Brot mit Butter,

aber bitte so herausragend wie im Restaurant The Dune

 

Inzwischen gibt es sehr viele Lokale, die Brot und Butter in guter Qualität anbieten und sich dies auch bezahlen lassen. Das ist richtig so, denn schwaches Weißbrot mit harter Butter erleben wir schon viel zu oft beim Italiener und freuen uns darüber auch dann nicht, nur weil es kostenlos ist.

Im neuen Restaurant The Dune im Hotel The Florentin in Frankfurt (ehemals Villa Kennedy) wird ein so exzellentes hausgemachtes Sauerteigbrot mit der wunderbaren bretonischen Butter von Yves Bordier serviert, dass man vor Begeisterung Purzelbäume schlagen möchte. Küchenchef Niclas Nussbaumer, der selbst auf einen Familienbaumstamm von Konditoren und Bäckern wurzeln kann, backt es nach guter Väter Sitte selbst. Die Butter von Yves Bordier, der eigentlich Käse-Affineur ist, erscheint ihm als „die beste Butter der Welt“.

Diese ungewöhnlich gute Butter & Brot Paarung gibt es im The Dune leider nur innerhalb des Menüs. Wir meinen, dass es unbedingt auch bei à la carte angeboten werden sollte.

Beim Menü erlebt man es derzeit in einer liebenswerten Form: Das Brot kommt in einem versiegelten Briefchen an den Tisch, in dem schön formuliert steht, welches Handwerk in dieser Krume und der Butter steckt.

Ludwig Fienhold

 

Photocredit: BISS Magazin, Claudia Simchen




Der Scheinheilige mit der Grillgabel: Ein Nachruf auf das System Redzepi

Das Restaurant Noma von René Redzepi

lässt in gastronomische Abgründe blicken

 

Erschreckendes Versagen von Köchen und Journalisten

 

Von Jörg Zipprick

Es ist vollbracht. Im März 2026 ist René Redzepi zurückgetreten. Die Gourmetpresse, die ihn jahrzehntelang wie eine Mischung aus kulinarischem Erlöser und Ameisen-Messias im Leinenkittel verehrte, muss nun ihre Lobeshymnen auf Pause stellen – oft erkennbar widerwillig, so als müsste man dem eigenen Idol die Heiligenschein-Politur eigenhändig mit dem Schaber abkratzen. Dank der Initiative #NomaAbuse wissen wir nun: Die Karriere Redzepis war kein alleiniger Sieg des Handwerks, sondern der Triumph des Storytellings über die Realität. Das Noma war kein Restaurant, sondern die Kulisse für eine perfekt vermarktete Fiktion.

Der Chronist des Abgrunds

Jason Ignacio White saß als Leiter des Fermentationslabors an einer der wichtigsten Schaltstellen der Noma-Ideologie. Mit dem Hashtag #NomaAbuse sammelte er die Zeugnisse einer vergifteten Arbeitskultur, die den Preis für das Storytelling bezahlte. Um die 40 Berichte ehemaliger Mitarbeiter entlarven das System als einen Ort, an dem „kreative Exzellenz“ durch systematische Unterdrückung erkauft wurde. White kündigt bereits an, dass die finanziellen Kapitel dieser Geschichte – das undurchsichtige Gebaren des Noma-Imperiums – als Nächstes folgen werden.

Die von White gesammelten Aussagen führen uns in die dunkelsten Ecken moralischer Taubheit:

  • „Die eine Bemerkung, die sich in mein Gedächtnis eingebrannt hat, stammt vom Senior Sous Chef gegenüber einer jungen Frau: ‚Wenn du nicht schneller arbeitest, packe ich dich an deiner P***y und bringe dich dazu, schneller zu arbeiten.‘“
  • „K. war mein Manager… Während er eine Linie Koks auf dem Toilettensitz zerkleinerte, fragte er mich, ob ich Lust auf einen Dreier mit ihm und seiner Frau hätte… Nachdem ich abgelehnt hatte, fing er an, mich schlecht zu behandeln.“
  • „Ich habe es der Personalabteilung gemeldet. Nichts wurde unternommen. Nichts. Wenn man ein Problem verursacht, stellen sie sicher, dass dein Name auf einer schwarzen Liste landet und dich niemand mehr einstellt.“

Die Konstruktion des René R.

Doch beginnen wir mit dem Anfang: Jede gute Geschichte braucht einen Helden, und im Falle Noma wurde dieser von Beginn an am Reißbrett entworfen. Tatsächlich war das Noma ein strategisches Projekt des Unternehmers Claus Meyer, der Redzepi als Gesicht für ein nationales Standortmarketing platzierte. Er spielte auch eine Rolle in der Finanzierung: Im Rahmen des Programms „Ny Nordisk Mad“ (kurz: Noma) wurde die nordische Gastronomie zunächst mit fünf Millionen Euro an öffentlichen Mitteln gefördert. Ein Teil davon ging an Universitäten, die sich mit der Zubereitung von Algen oder Insekten befassen. Und irgendwie standen Noma und Redzepi oft im Mittelpunkt dieser steuerlich geförderten Programme.

Die Presse als Resonanzraum des Mythos

Dass diese Erzählung über Jahrzehnte unantastbar blieb, liegt an einer strukturellen Besonderheit des gastronomischen Journalismus: Er zeigt sich prinzipiell näher an der Begeisterung als an der Skepsis. Restaurantkritiker agieren selten als Enthüllungsjournalisten; sie verstehen sich als Vermittler von guten Adressen. Als das Noma auftauchte, entstand ein gewaltiger Verstärkungseffekt. Reisejournalisten und Food-Blogger lieferten Bilder von Moosen und Steinen – Stillleben, die mit jeder Wiederholung die Ikone festigten. Journalisten wie Lisa Abend und Matt Goulding vom Time Magazine gehörten zu jenen, die diesen Status eines unfehlbaren Kurators der Natur so bereitwillig wie kritiklos zuschrieben. Wenn Zeitungen Redzepi heute kritisieren, wirkt das wie der Versuch, die eigene Komplizenschaft im Nachhinein als Beobachtung zu tarnen.

Ein Beispiel für die enge Verflechtung zwischen Kritik, Rankings und kulinarischem Netzwerk liefert auch der italienische Restaurantkritiker Andrea Petrini. Beim 50. Geburtstag Petrinis versammelte sich eine bemerkenswerte Runde von Spitzenköchen aus ganz Europa; Fotos zeigen ihn lachend zwischen René Redzepi, Fulvio Pierangelini und anderen prominenten Vertretern der Szene. Geschenke wurden überreicht, es wurde gefeiert – ein vertrautes Bild aus einer Branche, die sich gern als unabhängige Bewertungskultur präsentiert. Petrini ist jedoch nicht nur Gastgeber solcher Zusammenkünfte. Er leitete damals auch die französische Jury für die Liste der „World’s 50 Best Restaurants“, vermarktet unter dem Label San Pellegrino. Gleichzeitig gehörte er zu den Organisatoren des Kochfestivals Cook It Raw, dessen Stargast in den Jahren 2009 und 2010 natürlich René Redzepi war. Ermöglicht wurde diese Veranstaltung unter anderem durch Unterstützung des dänischen Wirtschaftsministeriums.

Die „Ultrafoodie-Szene“ ist ein enges Netzwerk aus Köchen, Kritikern und Sponsoren – ein Resonanzraum, in dem sich die gleichen Namen immer wieder gegenseitig bestätigen

Psychoterror als „Spannungsfeld“

Wenn etwa der Berliner Sternekoch Max Strohe im „Spiegel“ versucht, das Grauen in wohlgefällige Worte zu kleiden, offenbart dies die Befangenheit der Zunft. Strohe schreibt:

„Doch die Skandale um unseren Primus, Gründer und Koch des Kopenhagener Spitzenrestaurants Noma, richten das Spotlight auf ein Spannungsfeld, das weit über eine Person hinausreicht: Es geht um das Verhältnis von kreativer Exzellenz, persönlicher Biografie und mörderischem öffentlichem Druck in jungen Jahren – aber es geht auch um die bekannten strukturellen Probleme der Spitzengastronomie. Der Ton in den Sterneküchen gilt als harsch, die Arbeitsbedingungen sind oft nicht regelkonform.“

„Nicht regelkonform“ klingt nach falsch ausgefüllten Stundenzetteln, doch die Realität war systematische körperliche und psychische Gewalt.

„Ich wurde dort während des Service ins Gesicht geschlagen“, erinnert sich ein Mitarbeiter. Ein anderer ergänzt: „Ich bekam Schläge in die Rippen, weil ich nicht wusste, wie man eine Artischocke kocht.“ Mitarbeiter berichten zudem, dass Redzepi sie unter dem Tisch mit einer Grillgabel gestochen haben soll.

Lebendige Ameisen und tote Seelen

Sinnbildlich für diesen Kult steht Redzepis Umgang mit dem Leben an sich. Er ließ seine Jünger lebende Ameisen servieren, die – halb betäubt durch Kälte – auf dem Teller der Gäste langsam wieder zu sich kamen und verzweifelt umherkrabbelten, bevor sie zerbissen wurden. Ein Spektakel, das die Presse als „ultimative Nähe zur Natur“ feierte. Es war eine Vorstufe zur Empathielosigkeit: Wer lernt, das Zappeln auf dem Teller als ästhetischen Kick zu verkaufen, dem fallen vielleicht auch die Schläge in die Rippen der Angestellten leichter.

Die „neue Natürlichkeit“ aus der Chemiefabrik

Parallel zum moralischen Verfall lief die technologische Täuschung. Während die Gäste die lebenden Ameisen als Beweis für Redzepis Naturverbundenheit schluckten, kam der Rest des Menüs oft direkt aus dem Labor für Lebensmitteltechnologie. Wer Redzepis Buch „Time and Space in Nordic Cuisine“ aufschlägt, verliert schnell den Glauben an das Märchen der Ursprünglichkeit. Für Gerichte wie „Gurke und Eisenkraut“ oder den „Schneemann“ benötigt man keine Waldfee, sondern massive Mengen an Maltodextrin, E415 und E953 (Isomalt).

Die vermeintlich raren Gotland-Trüffeln wurden im Rezept „Kartoffeln mit Speck“ mit nicht weniger als 24 Gramm Bis(methylthio)methan – schnödem industriellem Trüffelöl – aromatisiert. Besonders bezeichnend ist Redzepis Vorliebe für IFT (Instant Food Thickener). Dieser Verdicker wird normalerweise in Krankenhäusern für Patienten mit Dysphagie eingesetzt. Redzepi „veredelte“ damit Rindertartar, Hummersalat mit Blattsalat und Rosen, Lammbrust mit Senföl und sogar ein „Glas mit Radieschen“. Der Erfolg des Noma erzählt deshalb auch eine Geschichte über den gastronomischen Journalismus selbst. Nach Jahrzehnten französischer Dominanz und der spanischen Laborküche suchte die Branche dringend nach einer neuen Erzählung. Die nordische Küche bot genau das: eine Revolution ohne politische Risiken. Natur statt Technik, Wald statt Labor – zumindest in der Sprache der Artikel. Dass im Hintergrund alltägliche Lebensmittelchemie arbeitete, störte diese Erzählung nicht. Im Gegenteil: Sie machte sie erst möglich.

Das Märchen der Unwirtschaftlichkeit

Unvergessen bleibt Redzepis Abschieds-Show von 2023, als er das Fine-Dining-Businessmodell für überholt erklärte. Er tönte in der New York Times, das Modell sei schlichtweg „unpraktikabel“ geworden, da man fast 100 Mitarbeiter nicht wettbewerbsfähig bezahlen könne. Ein Hohn, wenn man bedenkt, dass Heerscharen von Stagiaires (Praktikanten) jahrelang überhaupt kein Gehalt erhielten. In Dänemark kann man die finanziellen Statements der Unternehmen leicht abrufen – sie zeigen ein Bild, das Redzepis Klagelied Lügen straft. Die „Unwirtschaftlichkeit“ war kein finanzielles Schicksal, sondern ein strategisches Narrativ, das auftauchte, als sich die Presse für das Schicksal der Stagiaires interessierte.

Hygiene-Versagen und Mafia-Benehmen

Im Februar 2013 erkrankten 63 Gäste an Noroviren. Während Redzepi als „weltbester Koch“ gefeiert wurde, herrschten Zustände wie in einer billigen Kantine: kranke Mitarbeiter, kein heißes Wasser, ignorierte Hygiene-Vorschriften, ignorierte Warn-Mails von kranken Gästen. Die Rechtfertigung, man habe in Kopenhagen niemanden gefunden, der dänische Mails lesen konnte, ist eine Beleidigung für jeden Intellekt.

Intern herrschte Mafia-Stimmung: „Jedes Mal, wenn René die Küche betrat, schrie jemand ‚CHEF’S COMING‘. Dann verkündete seine rechte Hand: ‚Hat jemand eine Zigarette für Mr. Redzepi?‘ Wie irgendein Mafia-Boss.“ Wer sich beschweren wollte, landete bei der „Praktikanten-Therapeutin“ – Redzepis Schwiegermutter.

Der unantastbare Heilige

René Redzepi hat über Jahrzehnte bewiesen, dass man in der modernen Welt alles tun darf, solange man die bessere Geschichte erzählt. Es ist die Kapitulation der Moral vor dem Marketing. Die Gastronomie scheint die letzte Branche zu sein, in der das „Werk“ die Misshandlung der Menschen dahinter vollständig unsichtbar machen darf. Ein Koch darf über Finanzen schwindeln, Gäste durch Hygienemängel gefährden, Rezepte mit Industrie-Substanzen „veredeln“ und Mitarbeiter schlagen – solange er die Welt glauben lässt, er tue es für eine höhere ästhetische Idee.

Natürlich wird es keine Strafanzeigen geben. Ein Mann wie Redzepi bewirtet keine Feinschmecker, sondern eine Gemeinde, die bereitwillig beide Augen fest zudrückt – vorzugsweise das, das gerade einen Faustschlag abbekommen hat. Wer die Opfer sucht, findet sie auf noma-abuse.com. Wer eine Bestätigung seines Status braucht, wartet auf das nächste Wunder vom Scheinheiligen mit der Grillgabel.

 

Anm. der Red.

René Redzepi hat sich als Inhaber und Küchenchef aus dem Noma verabschiedet. In einer Ansprache an seine Mitarbeiter, die entlarvend ist. Er stellt sich als Märtyrer da, gesteht seine Taten und meint durch diese „Ehrlichkeit“ sanktionsfrei zu sein. Nach dem Motto: Ich gestehe ein Charakterschwein zu sein und kann deshalb keines sein.

Die New York Times hat über den Skandal-Koch und seinen Mitarbeiter-Mißbrauch berichtet, der Link dazu geht nur über Anmeldung, aber die Schlagzeilen und Stichworte genügen, um den Appetit zu verderben.

New York Times zu René Redzepi, ein Klick