Mit oder ohne Stern: Carmelo Greco hat sein Talent nicht verloren

Kreative Menüs, feine Pasta und unwiderstehliche Weine

 

Von Ludwig Fienhold

 

Auf solch einen Teller Pasta muss man lange beim Italiener warten, vielleicht ewig. Auch bei Carmelo Greco gibt es ihn nicht jeden Tag, hoffentlich jetzt aber mehr als zuvor. Die seidig-zarten kleinen Ravioli mit cremig-flüssiger Carbonara-Butter-Parmigiano-Füllung in samtigen Butter-Parmesan-Sud verschmelzen mit dem Gelb vom Wachtelei in einer glücklich machenden Harmonie. Der für eine Carbonara typische Guanciale-Speck setzt eine schöne haptische und geschmackliche Pointe. Es gibt nicht allzu viele Gerichte, die von einem satten Geschmack sind, ohne eine Übertreibung der Zutaten, und ebenso wenige, die ein derartig angenehmes Mundgefühl hervorrufen.

RAVIOLI CARBONARA

In seinem Frankfurter Restaurant hat Carmelo Greco die letzten Jahre sehr auf Luxusprodukte gesetzt und dabei etwas die Kernkompetenz der Italiener vernachlässigt: Pasta. Er dachte vielleicht genau damit einem Gourmet Guide und einer zahlungskräftigen Klientel zu entsprechen. Nun zeigt er jedoch verstärkt, dass man auch eine Pasta auf hohem Niveau – und wenn man es unbedingt sagen mag, auf Sterne-Level – zubereiten kann.

BRETONISCHE HUMMER
ÄPFEL GRANNY SMITH-SELLERIE / BEURRE BLANC-MINZE

Carmelo Greco hat gerade seinen Michelin-Stern verloren, nicht aber sein Talent. Nach 30 Jahren mit dieser Auszeichnung kann man daran zu schlucken haben, wobei es keinen Grund gibt, zu verzweifeln und schon gar nicht an sich selbst zu zweifeln.

Sicher, es gab Turbulenzen in der Küche, Grecos Küchenchef hatte andere Vorstellungen als er, man lebte sich auseinander. Das kommt eben auch bei Küchen-Paarungen vor, wobei eine Doppelspitze noch nie funktioniert hat, weder in der Politik noch in der Gastronomie. Das ist Geschichte, Carmelo Greco steht inzwischen wieder selbst jede Minute am Herd und kann sich auf ein kleines und gutes Team in der Küche und beim Service stützen.

APRIKOSE / WEIßE SCHOKOLADE / BASILIKUMSCHAUM

Diese Harmonie findet man auch auf dem Teller wieder. Der feine bretonische Hummer mit Granny Smith und Sellerie in Beurre Blanc mit Minze ist von melodiösem Klang und akkurater Handwerklichkeit. Ein famoses Dessert von stiller Sinnlichkeit, wie die Basilikum-Zabaglione, mit Aprikosen-Cremosa und weißem Schokoladen-Eis, wird auch Gäste begeistern, die vielleicht sonst nicht zu Süßem neigen, weil es überhaupt nicht kitschig ist. Beim durchweg schönen Dulce-Reigen erinnert vor allem der saftige Mandelkuchen en miniature an die Anfangsjahre von Carmelo Greco in der Osteria Enoteca. Einfach wunderbar.

AUFTAKT: TOMATEN-GRANITÉ

Der Gast findet zwei Menüs (125 – 175 €, Degustation und vegetarisch) doch jeder Gang ist auch einzeln zu bekommen und preislich gekennzeichnet. Es ist kein Problem, auf zwei Teller und ein gutes Glas vorbeizukommen. Im Restaurant Carmelo Greco wartet eine erstklassige Weinauswahl, die nicht auf Etiketten setzt, sondern viele individuelle Offerten bereithält – wo sonst bekommt man einen herausragenden Wein der autochthonen Rebsorte Timorasso von Massa aus dem Piemont? Man könnte sich auch tagelang mit den Weinen von Elisabetta Foradori aus Südtirol vergnügen, eine der größten und sympathischsten Weinpersönlichkeiten der Weinwelt. Ihr Fontanasanta 2025 der Rebsorte Manzoni Bianco 2025 aus der Region Trentino ist von vielschichtiger Finesse. Man wird in eine Stimmung versetzt, die einen glauben lässt, Marille und Pfirsich seien die tollsten Gewächse der Welt, weil sie hier nicht quietschig und nur ganz filigran zu spüren sind. Kühle Eleganz, animierende Zitruslebhaftigkeit, salzig-mineralische Frische und ätherische alpine Kräuterwürze sorgen für einen glasklaren Trinkfluss. Jeder Schluck steckt voller Energie und schmeckt fast schon irritierend rund und gesund. Dieser geniale Wein macht nicht satt und ist von unwiderstehlicher Kraft.

Carmelo Greco, Frankfurt, Ziegelhüttenweg 1-3, Tel. 069 60 60 89 67.

Neue Öffnungszeiten: Mo – Sa 18.30 – 22 Uhr (Küche), Freitag mittags und abends geöffnet, Sonntag geschlossen.

www.carmelo-greco.de

FOTOS: BARBARA FIENHOLD

DULCE

WASSER-GLAS-KULTUR

WEIN-KULTUR

PRE-DESSERT: MARINIERTE ANNAS UND KOKOS-EIS




Frankfurter 2-Sterne-Gastronomen eröffnen neues Wirtshaus

Das andere Rausch-Konzept:

Wirtshausklassiker

mit guten Weinen

 

Wenn Gastronomen ein zusätzliches Lokal eröffnen, erweist sich das zweite Standbein oft als Krücke. Jochim Busch und Philipp Günther vom Restaurant Rausch, gerade mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet, haben indes so viel Energie und Talent, dass sie eine gute Basis haben. Es wird keine Gourmetadressen sein, sondern ein Wirtshaus mit rustikaler Küche und guten Weinen.

Das Rausch-Duo übernimmt im September das jetzige Lokal Speisekneipe im Baumweg 19 im Frankfurter Nordend, das sich selbst als „schlecht gelaunt und arrogant“ bezeichnet und wegen einer gewissen Kauzigkeit, aber auch guten Weinen von sich reden machte. Eigentlich ein nettes Konzept und etwas anders als die anderen. Nach einer einmonatigen Umgestaltungsphase ist die Eröffnung unter neuem und noch nicht bekannten Namen für Oktober geplant. Ziel ist es, ein entspanntes deutsches Bistro zu schaffen, in dem es frisch gezapftes Bier, eine schöne Weinkarte und eine ordentliche deutsche Küche in bester Qualität gibt: „Auf die Karte kommen Wirtshausklassiker und Lieblingsgerichte aus unserer baden-württembergischen Heimat wie Maultaschen, Spätzle und Wurstsalat. Die Karte soll ungefähr zehn Gerichte umfassen, die regelmäßig wechseln “, erklärt Jochim Busch.

Jochim Busch rauscht mit zweitem Lokal ab

Ein Team für das neue, 60 Plätze umfassende Kneipen-Restaurant gibt es bereits: Je zwei Mitarbeiter aus Küche und Service wechseln vom Rausch ins Wirtshaus. „Wir können unserem jungen Team so den Wunsch erfüllen, verschiedene Konzepte kennenzulernen und sich persönlich weiterzuentwickeln, ohne den Rausch-Kosmos ganz zu verlassen. Wir erhalten seit Tag eins unserer Eröffnung viele Bewerbungen, die wir jetzt mit höherem Personalbedarf auch annehmen können. Außerdem gibt es als Betreiber zweier Restaurants Synergien beim Wareneinkauf, der Administration und der Personalwirtschaft “, meint Philipp Günther.

Ein Name für das neue Lokal steht noch nicht fest. Die Öffnungszeiten aber schon: Mittwoch bis Samstag, jeweils am Abend.




Wien: Palais Coburg hat mit neuem Konzept eröffnet

2-Sterne-Koch Silvio Nickol

bietet einen Kochkurs

mit ihm am Herd

 

Das historische Schmuckstück thront auf den Stadtmauern Wiens und steht nach zwei Jahren des Umbaus seit 3. August auch als Hotelresidenz mit neuen Suiten den Gästen wieder offen. Ein Spa nebst Pool und Sonnenterrasse liegt über den Dächern Wiens, 60.000 Flaschen Wein führen ganz nach unten in die uralten Gewölbekeller. Der 2-Sterne-Koch Silvio Nickol hat sein gastronomisches Konzept erweitert und bietet obendrein den Gästen als „Chef Of The Day“ die Möglichkeit mit ihm am Herd gemeinsam ein Menü zu kochen.

Silvio Nickol und sein Co Florian Daube

Seite an Seite mit Silvio Nickol dürfen Gäste seine Haute Cuisine hautnah erleben. Man soll die Philosophie dieser Sterneküche erfahren, raffinierte Techniken kennenlernen und gemeinsam mit dem Meister ein Menü zubereiten. Es beginnt mit den Dienstantritt in Kochjacke. Danach folgen Tagesplanung, Passzuteilung, Warenannahme und Mise en Place. Sieden, dämpfen, garen, braten, backen, rühren, vakuumieren und anderes mehr. Höhepunkt ist das gemeinsame Abendessen. Unter der „Nachbesprechung“ versteht sich ein Feierabendbier

Palais Coburg, Wien

Wien vor der Tür. Ruhe im Haus. Das Palais Coburg will kein klassisches Stadthotel sein, sondern ein privates Zuhause auf Zeit. Hinter den Mauern öffnen sich ein privater Garten und großzügige Räume. „Das Palais Coburg lebt von seiner Geschichte, ohne in ihr stehen zu bleiben“, sagt Jochen Manninger, General Manager des Palais Coburg. „Wir haben bewahrt, was diesen Ort prägt, und ihn zugleich zeitgemäß weitergedacht. Unsere Gäste sollen hier nicht nur übernachten, sondern in ihrem eigenen Rhythmus wohnen. Persönlich begleitet, mit viel Raum und der Diskretion eines privaten Zuhauses.“

Entenleberwald, Palais Coburg

Die hochpreisigen 36 Suiten sind jeweils anders gestaltet. Separate Wohn- und Schlafbereiche bieten Platz zum Arbeiten, Zusammensein und Zurückziehen. Das kulinarische Angebot begleitet den Tag vom Frühstück über Brunch und Afternoon Tea bis zum Dinner. In den obersten Etagen liegt das Spa über den Dächern Wiens. Pool und Sonnenterrasse bieten einen weiten Blick über die Stadt. Das Gym hat direkten Zugang zum Garten.

Silvio Nickols Gourmet Restaurant bleibt eine eigenständige Adresse im Palais. Das mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnete Restaurant steht für präzises Handwerk, kulinarische Tiefe und eine klare Handschrift.

In sechs historischen Kellergewölben, den historischen Kasematten unterhalb der ehemaligen Wiener Stadtmauer, lagern mehr als 60.000 Flaschen: Große Jahrgänge, Raritäten und andere Weine von Rang.

 

Preise & Informationen unter: www.palais-coburg.com

Fotos: Palais Coburg




2-Sterne-Koch Luis Hendricks geht ins ehemalige Aqua nach Wolfsburg

Mit 27 Jahren der Jüngste

unter den Topköchen Deutschlands

 

Das Restaurant Aqua im Hotel Ritz-Carlton Wolfsburg will es doch noch einmal wissen: Nach dem Abgang von 3-Sterne-Koch Sven Elverfeld im März, übernimmt ab August Luis Hendricks als Küchenchef die kulinarische Leitung des neuen Restaurants, das sich derzeit in der Planungs- und Entwicklungsphase befindet und noch keinen Namen hat. Ein Eröffnungstermin steht noch nicht fest.

Der 1999 in Burgwedel in Niedersachsen geborene Hendricks ist der jüngste Zwei-Sterne-Koch Deutschlands, er wurde 2025 im Restaurant Pietsch in Wernigrode vom Michelin ausgezeichnet, wo er gemeinsam mit Inhaber Robin Pietsch am Herd stand.

Luis Hendricks, Ritz-Carlton

Die Küche des 27 Jahre alten Kochs steht in der Selbstdarstellung für handwerkliche Präzision, Kreativität und eine geschmackliche Identität, die sich über viele Jahre und zahlreiche Reisen durch Asien entwickelt hat. Wichtig dabei sind ihm intensive Aromen, Tiefe, Balance, Säure und Umami – kombiniert mit einer modernen europäischen Basis und den Einflüssen unterschiedlichster asiatischer Esskulturen.„Die Nähe zu meiner Heimat und zu den Menschen der Region ist für mich ein wichtiger Antrieb. Gleichzeitig freue ich mich darauf, meine persönliche kulinarische Handschrift weiterzuentwickeln. Gemeinsam mit dem Team des The Ritz-Carlton möchte er einen Ort schaffen, der für Gastfreundschaft, Qualität und eine unverwechselbare Kulinarik steht.

Das Ritz-Carlton mit 170 Zimmern und Suiten liegt inmitten der Autostadt in Wolfsburg. Der freischwimmende und 40 Meter lange ganzjährig beheizte Infinity-Pool im Hafenbecken ist vor dem denkmalgeschützten Volkswagen-Kraftwerk mit seinen vier hohen Schornsteinen ein Eyecatcher. Ein ebenso spektakulärer Blick bietet sich den Gästen aus dem Fitness-Bereich des Ritz-Carlton Spa & Kraftwerk. Über 600 Kunstwerke mit dem Schwerpunkt der Fotografie prägen das Ambiente des Hauses, ebenso wie die Ausstattung von Elliott Barnes.

 

Foto: Matthias Leitzke




Spanien ist Weltmeister: Das spanische Lokal La Trinca hat auch einen Pokal verdient

Modern inszenierte Evergreens

und erstklassige Weine

 

Von Ludwig Fienhold

 

Wenn man sich und andere fragt, welche Art Lokal in Frankfurt fehlt, so kommt schnell die Antwort: ein guter Spanier. Das Restaurant La Trinca by Cedric hat sich in den letzten Monaten rasant entwickelt und überrascht mit einer kreativen Speisekarte und erstklassigen handverlesenen spanischen Weinen. Jetzt endlich hat Frankfurt einen sehr guten Spanier.

Sandy & Cedric

Bei Cedric gibt es klassische Gerichte, die man so vielleicht noch nicht kennt, weil sie modern und pointiert zugespitzt werden, wobei man eine Produktqualität erlebt, wie sie auch in Spanien nicht oft anzutreffen ist. Der Jamón Cebo Campo aus der Extremadura stammt von freilaufenden Schweinen und reift 36 Monate traditionell im Steinhaus. In Frankfurt wird der Schinken vom Hinterbein mit der Hand frisch geschnitten, aber so perfekt, dass er sein Aroma entfalten kann und für ein schönes saftig-zartes Mundgefühl sorgt. Der spanische Evergreen Gambas al Ajillo wird meist mit kleinen billigen Garnelen und viel Öl, Knoblauch und Chili gebrutzelt, oft geraten sie zäh, trocken oder matschig. Wenn man hochwertige und große Black Tiger Garnelen wie im La Trinca verwendet und mit schönen Kräutern, pfiffigen Gewürzen und frischem Öl zubereitet, kommt es zu einem anderen Ergebnis, haben die Garnelen Geschmack und leichten Biss.

Avocado-Tatar

Chipirones zählen ebenfalls zu den Klassikern, die aber die Galle herausfordern können, weil die kleinen Calamares in Spanien gerne sehr fettig aufgetischt und mit einem dicken Panierteppich frittiert werden. Im La Trinca werden sie nur hauchdünn paniert und bleiben so schlank und juicy, dass man sie als hervorragendes Gericht erkennen kann. Fabelhaft sind zudem die gut gewürzten Baby-Calamares in Pastis-Orangensud.

Mais müssen wir eigentlich nicht unbedingt haben, aber man kann daraus auch etwas machen, das zu begeistern vermag: Gegrillten Mais mit delikaten Maispüree und Sonnenblumenkernen. Die vegetarischen Gerichte zeigen Klasse und werden wie alles andere auch durch gute Produkte und ausgewogene Aromen veredelt. Bei dem Tomaten-Carpaccio sind es die gelben süßen und aromatischen Ananastomaten, die Liebe zum Detail verraten. Blumenkohl ist bei jungen Köchen derzeit beliebt, man sollte nur ein Gespür für Originalität haben. Der flambierte Blumenkohl mit Blumenkohlpüree sowie Estragon-Tabioka-Chips und Pistazie macht uns nun in diesem Lokal schon zum dritten Mal an einem Abend zu gut gelaunten Vegetariern.

Iberico Bäckchen

Gambas al ajillo

Ein absolutes Highlight aber sind die butterzarten Iberico-Bäckchen in einer schlotzigen und umwerfend guten Sauce, die man bis zum Schluss löffeln wird. Die Küche zeichnet sich durch Raffinesse mit Herz aus und zeigt ein gutes Würzgefühl. Küchenchef Cedric Kouyoumdjian und seine Frau Sandy Pavon Regalado, die spanische Wurzeln hat, betreiben das Restaurant. Anfangs gemeinsam mit dem Vater als einfaches Tapas-Lokal, die letzten beiden Jahre dann in Eigenregie als Restaurant.. Doch jetzt starten sie im Grunde erst durch – mit großem Engagement, frischen Ideen und neuer Weinkarte.

Ulrich Klein

Die Weinkarte entstand in Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Weinhändler Ulrich Klein, der mit Fingerspitzengefühl eine hervorragende Kollektion zusammengestellt hat. Mit dem wunderbar trockenen Sparkling Wine von Terras de Asorei , einem Albariño Brut Nature aus dem Gebiet Rías Baixas, findet man einen Allrounder, der zu fast jedem Gericht passt – und zum Sommerwetter. Der Albariño „Sobre Lias“ von der gleichen Bodega bringt Freude pur ins Glas. Er ist duftig, dicht, cremig, saftig und zitrusfrisch, mediterrane Kräuter und atlantische Salzigkeit machen ihn unwiderstehlich. Ein großartiger Wein zum sympathischen Preis. Aus der autochthonen Rebsorte Godello entstehen einige der besten Weine Spaniens. Von Rafael Palacios kommt ein Godello der Extraklasse, doch im La Trinca achtet man auch auf ein besonders ausgewogenes Preis/Geschmacksverhältnis und bietet einen sehr guten, frischen und an knackige Äpfel und Birnen erinnernden Godello der Bodegas Estefania aus Bierzo an, der bezahlbar bleibt. Ähnliches gilt für den seltenen Tempranillo Blanco Ad Libitum von Juan Carlos Sancha, einem Bio-Winzer und Professor der Weinuniversität Rioja. Dieser sehr trockene, leicht salzige, geschmeidige und diskret cremige Stoff ist ein Must-have und bietet in seiner Preisklasse viel Wein fürs Geld.

Jamón Cebo Campo 50% Ibérico

Tomaten-Carpaccio
Vitello Ximenez

Eladio Piñeiro, ein im besten Sinne eigensinniger biodynamischer Winzer, fällt bereits durch ungewöhnliche Flaschen und künstlerische Etiketten positiv auf, vor allem aber begeistert er mit charaktervollen, individuellen und limitierten Weinen von herausragender Qualität. Sein Albariño Envidia Cochina (Tête de Cuvée) 2024 aus der Region Rias Baixas ist derart subtil, tiefgründig und feinaromatisch, dass man so lange in schierer Lust nachschmecken muss, bis die Flasche leer ist. Solche Weine findet man in Deutschland nicht, schon gar nicht in der Gastronomie, aber auch höchst selten in Spanien selbst. Gerade diese Entdeckungen zeichnen das La Trinca by Cedric aus, weil das Restaurant die Gäste auf unbekanntes Terrain aufmerksam machen möchte, beim Essen und auch beim Trinken.

Mais

Servicemitarbeiter Sotirius

Mandeltörtchen

Churros

Deutschland trinkt Rotweine immer viel zu warm, dabei gibt es sogar Rotweine, die leicht gekühlt besonders gut schmecken. Der Serras del Priorat Tinto 2023 von der Bodega Clos Figueres ist ein großartiger und moderner Vertreter dieser Region. Seine reifen Fruchtaromen, die süßen Gewürze und die sanften Tannine geben gute Voraussetzungen für ein Temperierung, die zum Sommer passt. So flink flitzt selten ein Rotwein über die Zunge. Die neue Weinkarte setzt voll auf Spanien, was angesichts des ungewöhnlichen guten Angebots und der fairen Preise allzu verständlich ist. Die Weine im offenen Ausschank kosten zwischen 7 und 11 € (0,2l), wie schön, dass es auch Offerten im Format 0,5l gibt.

Der Service ist dem ganzen Auftritt und der Atmosphäre des Restaurants entsprechend freundlich, locker und gastorientiert. Das Lokal startet nicht allein mit einer überarbeiteten Karte und einem besseren Weinangebot, sondern auch mit einem stärkeren Selbstbewusstsein. La Trinca by Cedric könnte so auch in Madrid oder Barcelona stehen, aber wir sind froh, dass es Frankfurt kulinarisch bereichert.

 

La Trinca by Cedric, Frankfurt, Schweizer Straße 14,

T 0160 909 76971.

www.latrinca.net

Fotos: Barbara Fienhold

Das Küchenteam: Lenny, Cedric, Mohammed (v.l.)

Baby-Calamares in Pastis-Orangensud

 

 

 

 

 

 




Winzerhof Stahl: Weingut mit Sterneküche

Dinner mit Wohlfühlcharakter

 

Christian Stahl ist Topwinzer und Sternekoch, eine Konstellation, die in Deutschland einzigartig ist. Sein Restaurant liegt abseits touristischer Trampelpfade im fränkischen Auernhofen und ist von einnehmendem Charakter – so wie die Küche und die Weine, die Atmosphäre und das Ambiente. Und der kochende Winzer selbst. Der Winzerhof Stahl gehört zu den interessantesten Adressen in Deutschland, allein schon, weil das ganze Leistungspaket stimmt, was Seltenheitswert hat.

Die offene Küche war früher auch die Küche der Mutter. Einen kleinen Tisch gibt es dort, der das schöne Gefühl vermittelt wie früher bei der Familie zu Gast zu sein. Mothers Finest findet man in der unbekümmerten Herzlichkeit des Lokals und bei delikaten Details, wie dem wundervollen hausgebackenem Sauerteigbrot mit brauner Butter. Allein damit und einem der guten Weine von Stahl wäre ein schöner Abend mit Wohlgefühl gesichert.

Über allem liegt ein Wohlbehagen mit starken kulinarischen Vibes. Die Starter, die zum Glück recht lange kommen, zeigen eine kleine Welt der großen Gefühle: Croustillant aus Rind und Gans; Krustentier und Kartoffelcrustillon; Blumenkohl, Obst, Rauchmandel; Forellen-Tatar, Kohlrabischeibchen, Kaviar und Salzzitrone im Kohlrabisud sowie Röstbrot. Hinter den Begriffen „Zwiebelkuchen und Speck“ steckt eine besonders köstliche Variante des Flammenkuchens mit Lardo im Kleinformat, die durch Schafgarbe und fränkischem Brotgewürz aus Fenchel, Muskat, Sternanis, Kreuzkümmel und Koriander eine pikante Pointe erlebt. Oft genügt es, Klassisches etwas moderner und leichter zu gestalten, was im Restaurant vom Winzerhof Stahl auch bei Matjes, Apfelessig, Dill und Vollkornbrot gelingt.

Sämtliche Gerichte werden feinsinnig präsentiert, jede Erbse scheint an ihrem Platz. Nicht nur, weil es dem Auge gefallen soll, alles hinter dieser filigranen Arbeit gibt auch geschmacklich einen Sinn. So, wie beim konfierten und kunstvoll modellierten Skrei mit Champignon, Gurke, Ei und Krabbe. Bei den cremigen Oeufs Cocotte mit feinwürziger Saint-Marcellinkäse-Sauce überrascht der fränkische Trüffel. Dieser kommt vom Trüffelpark der Familie Jungbluth, die das ungewöhnliche Naturprojekt vor acht Jahren in Giebelstadt gründete. Der Trüffel hat einen überraschend guten Geschmack und macht auch auf den Trüffelpark neugierig.

Wie schön, mal wieder Kalbsbries zu erleben, hier mit Chicorée in einem famosen Sud aus Orange und Orangenzeste. Bei Lamm und Lamm mit Salzjoghurt, Minze und mediterranem Mönchsbart on top mit Kürbisschaum wird das Menü mit bedächtiger Kraft geerdet. Der syrische Mokka (mit Baklava und Madeleines) am Ende des fabelhaften Reigens schmeckt gut und gibt einen angenehm leichten Koffeinkick – einer der Köche hat syrische Wurzeln.

Kalbsbries

Im Restaurant vom Winzerhof Stahl wird das Essen auf die Weine abgestimmt und nicht wie meist umgekehrt. Der spitzfindige Müller-Thurgau der Lage Hasennest findet mit seinem Zitrusaroma und der zarten Würze bei Forellentatar mit Salzzitrone einen stimmigen Partner, während sich der ausdrucksvolle Silvaner aus der Steillage Pfülben auch mit den fränkischen Trüffeln anfreundet. Ein so kultivierter, saftiger und schlanker Chardonnay wie der „Sonnenstuhl“, würde mit seiner inspirierenden Art auch Fleischgerichte begleiten können, nimmt hier aber Morchel und Steinpilze in den Arm. Bei unserem Menü kamen sechs verschiedene Weine und ein Blanc de Noirs Brut Sekt auf den Tisch (siehe dazu auch den Wein-Artikel von Biss vom Winzerhof Stahl).

Küche und Service arbeiten Hand in Hand, beide sind immer am Gast und servieren die Gerichte. Das schafft eine intime familiäre Atmosphäre, wie sie bei einem formellen Fine Dining sonst kaum zu erleben ist. Essen muss nicht allein gut sein, es muss auch Spaß machen. Der Winzerhof Stahl und sein Restaurant erschaffen etwas, was in der Gastronomie inzwischen viel zu selten zu erleben ist: Essen mit Wohlfühlcharakter.

Ludwig Fienhold

Winzerhof Stahl, Auernhofen-Simmershofen, Lange Dorfstr. 21.

Tel. 09848 96896.

www.winzerhof-stahl.de

 

Sterne-Menü mit 9 Gängen mit Weinbegleitung, Wasser, Café, Digestif 239 p.P. Mittwoch bis Samstag ab 18 Uhr. Samstagmittag 12 Uhr.

4 Gänge Casual Menü aus der Hochzeitsküche ohne Sterne, aber mit Niveau, inkl. Wein und Wasser 125 € p.P.

Nur freitags und samstags ab 18 Uhr.

Alles nur mit Reservierung.

Der Winzerhof bietet auch einige Zimmer zur Übernachtung an.

Fotos: Barbara Fienhold

Siehe dazu auch Biss-Artikel „Sommerfrische im Glas“

 

 




Monument und Methusalem: 85 Jahre Eckart Witzigmann

Im Münchner Tantris gibt es

ein Menü mit einigen

seiner Klassiker

 

Eckart Witzigmann ist nicht nur ein kulinarisches Monument, sondern auch ein Methusalem: Am 4. Juli wurde er 85 Jahre alt. Im Münchner Tantris, wo seine Karriere begann, gibt es ein Menü, das er gemeinsam mit dem jetzigen Executive Chef Benjamin Chmura entwickelt hat. Grundlage sind seine Kochbücher und Rezepte, jeden Gang hat Witzigmann selbst ausgewählt. Der Menüreigen soll mittags und abends (auf Vorbestellung) bis Ende September gehen, der Altmeister wird nicht anwesend sein, er genießt sein Leben am Tegernsee.

Franz Keller, Eckart Witzigmann und das ehemalige Tantris Besitzer-Paar Eichbauer (v.l.)

Es wird unter anderem Salat von bretonischem Hummer mit Artischocken und Bohnen geben. Der Hummer steht besonders für Witzigmanns Tantris-Jahre, wo es noch ein Hummerbecken an der damals offenen Küche gab. Rotbarbe, gefüllt mit einem Tatar von Kalmaren, war für Witzigmann auch schon immer ein Star in seiner Küche. Ein weiterer Klassiker sind die Rehnüsschen „Belle Alliance”:Rehnüsschen vom Maibock, über Holzkohle geräuchert, dazu ein Selleriepüree, eingelegte Kirschen und Kartoffel-Crêpes.

Am 2. Dezember 1971 stand Eckart Witzigmann als erster Küchenchef am Herd des neu eröffneten Tantris. Was folgte, ist Geschichte: 1973 der erste, 1974 der zweite Michelin-Stern – das Tantris wurde damit zum ersten Zwei-Sterne-Restaurant Deutschlands. Dort entstand 1976 auch sein berühmtestes Gericht, das Kalbsbries „Rumohr” mit schwarzen Trüffeln, Gänsestopfleber. Beim Witzigmann Revival im Tantris DNA steht es nicht auf der Speisekarte.

Witzigmanns Produktbesessenheit war legendär. Im Tantris hielt er eigene Becken für Hummer und Süßwasserfische, ließ Ware aus Paris einfliegen und machte den Münchner Viktualienmarkt zur Bühne seiner Suche nach dem Besten. Später, in seinem eigenen Restaurant Aubergine, wurde er als erster Koch Deutschlands mit drei Sternen ausgezeichnet.

1994 kürte ihn der Gault & Millau zum „Koch des Jahrhunderts“, eine Auszeichnung, die bis heute nur drei weiteren und ausnahmslos französischen Köchen weltweit zuteilwurde: Paul Bocuse, Joël Robuchon und Frédy Girardet.

Benjamin Chmura (l.), Eckart Witzigmann

Witzigmann-Menüs im Restaurant Tantris DNA

Es gibt unter dem gleichen Dach das Restaurant Tantris (2 Sterne) sowie das Tantris DNA (1 Stern)

Menü à la Witzigmann im Tantris DNA 220 € pro Person, 5-Gang-Menü, mittags und abends – nur auf Vorbestellung. www.tantris.de

Photocredit: Tantris




Kann man da auch essen oder ist es nur Kunst?

Wo einst die Bethmann Bank residierte,

haust jetzt das Künstlerkollektiv

Massif Central

 

Eine kunterbunte Transformation

in der Bankenstadt Frankfurt

 

Von Ludwig Fienhold

Zugegeben, die Bethmann Bank war uns lieb und teuer. Wir konnten dort einige schöne Feste mit guten Weinen, feinen Häppchen und sympathischen Gesprächen erleben. Wir konnten dort Bankiers treffen als sie noch so und nicht Bänker hießen. Und wir kamen bei einem kleinen Lunch mit einem Bankier zusammen, der selbst ein Croissant so geräuschfrei essen konnte, als ob es dafür Zinsen gäbe. Inzwischen sieht es bei der ehemaligen Bethmann Bank aus, als hätten Kapitalismuskritiker und andere alternative Piraten das Gebäude besetzt. Aber man sollte ruhig einmal eintreten und sich überraschen lassen.

Aus der einst stattlichen Bethmann Bank, aus der auch sehr gut ein Boutique Hotel hätte werden können, wurde eine Villa Kunterbunt. Dieser Transformation hat angeblich nur stattfinden können, weil die Bausubstanz einer Bank nicht mehr würdig genug gewesen sein soll. Kaum zu glauben. Jedenfalls zog das Künstlerkollektiv Massif Central im Juni 2023 ein und machte daraus ein Kreativlabor mit vielen Events und einer Art Volkskantine. Neben einer karibischen BBQ-Hütte und einer Getränkebude im Innenhof, wo gelegentlich sogar Champagner zum Einsatz kommt, existiert ein großer Speisesaal mit unterschiedlichen Bewirtungskonzepten. Uns interessiert vor allem der Freitag, an dem es „Omas Lieblinge“ gibt. Beispielsweise eine Frikadelle mit Wirsing. Gut, wie von Oma. Die Oma heißt aber Dimi und ist für die ganze Gastronomie verantwortlich. Es geht deftig zu, selbst vegetarisch ist immer herzhaft. Vor allem der Wirsing erinnert uns an gute alte Zeiten. Serviettenknödel mit Waldpilzrahm oder Hühnerfrikassee und andere Evergreens aus fast vergessenen Jahren erleben im Massif Central eine Wiederbelebung, „Oma“ ist jedenfalls ein schönes kulinarisches Thema.

Die bunte Schar der jungen Mitarbeiter jeglicher Couleur und jeglichen Geschlechts deckt sich mit dem Publikum, das man an dieser Stelle getrost mit dem abgedroschenen Begriff als gemischt zusammenfassen kann. Es passiert ungemein viel an diesem Ort mit Wundertütencharme, man kann sich die einzelnen Events und die Öffnungszeiten kaum merken und sollte immer auf die Webseite gehen, um sich zu informieren.

Der Innenhof ist gerade bei sommerlichen Temperaturen Treffpunkt für alle, die dem rastlosen und meist nervigen Treiben in der Frankfurter Innenstadt entkommen möchten. Massif Central ist lebendig, aber selten nervig. An der BBQ-Hütte kann man sich Ribs mit Coleslaw, Octopus, Grillgemüse, sehr gute Bratwurst vom fränkischen Bio-Hof May, Zitronenhühnchen oder Thunfischsteak mit orientalischem Couscous abholen, je nach der wechselnden Themenwahl. Beim Greek Special von Dimi fehlt auch Gyros nicht. Griechische Weine findet man nicht, wäre aber mal eine Idee. Die Weine wechseln nach einem kryptischen System, man freut sich aber bereits, wenn Qualitäten vom Winzerhof Stahl aus Franken zu finden sind. Warum aber nicht auch Weine, die zum Namen Massif Central passen, also beispielsweise solche von den Weinbergen am Fuße der Vulkanhänge des französischen Massif Central, der Côtes d´Auvergne.

Massif Central im Bethmannhof, Frankfurt, Bethmannstraße 7-9.

Tel. 0049 160 1413865

www.massifcentral.rocks/de

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Die leerstehende Bethmann Bank

 Fotos: Biss Magazin Frankfurt

 

 

 

 

 

 

 




Restaurantkritik: The Dune im neuen Hotel The Florentin

Endlich hat Frankfurt ein weiteres Spitzenrestaurant

Von Ludwig Fienhold

Trotz einiger herausragender Einzelleistungen kocht die Frankfurter Gastronomie derzeit auf Sparflamme. Um so mehr freut es, dass es mit dem Restaurant The Dune einen Neuzugang gibt, der ganz weit oben mitspielen kann, nicht nur in der Stadt, sondern in ganz Deutschland.

An diesem Restaurant führt kein Weg vorbei. Bildlich gesprochen. Man muss es aber erst einmal finden. Es hält sich geradezu versteckt, als wolle es ein Geheimnis bleiben. Gleich neben der Rezeption befindet sich ein schmaler Eingang, als Pforte zu einem abgedunkelten Raum, in dem galaktische Sterne funkeln, die vielleicht ein anderes Universum öffnen möchten. Die Lichtdramaturgie erzeugt Spannung, Tisch und Teller werden gezielt durch Spots sichtbar gemacht.

Kaisergranat/Mandel/ Yuzu Kosho

Auch bei der Küche von Niclas Nussbaumer ist man schnell im Bilde, sie arbeitet selbst auf den vier Zentimetern ihrer Miniatur-Delikatessen mit Präzision und Ausdruckskraft: Wagyu-Tatar und Nori-Alge, Ziegenkäse & Gurke, Kaisergranat und Kamille. Die famose Kaisergranatessenz mit Kaffirlimette, die aus der Teekanne ausgeschenkt wird, würde man sich am liebsten in Flaschen abfüllen lassen. Ein im Porzellan-Ei gefülltes Potpourri, im Wesentlichen Dorade und Iberico-Schinken, ist ein bestens austariertes Überraschungsei. Wie alles in diesem Restaurant gut abgeschmeckt. Dem hausgebackenem Sauerteigbrot und der exzellenten Butter widmen wir eine eigene Geschichte, weil auch solche Leistungen herausgestellt gehören (siehe „Warum Brot ein eigenes Gericht sein kann“).

Restaurantleiterin Lea Rupp, Küchenchef Niclas Nussbaumer

Groß in Form gerät die Küche mit einem anderen kleinen Format von geschmacklicher Tiefenschärfe. Beim Kalbstatar mit geröstetem Lauch setzt ein cremiges Uni-Eis (Seeigel) die Pointe. Leicht salzig, nussig und in diesem Fall nicht fischig. Bei vielen Gerichten im Menü blitzt Japanisches auf, aber immer feinfühlig eingesetzt. Ein geschmackliches und auch optisches Highlight bildet der auf Holzkohle gegrillte Kaisergranat, zart und mit leichtem Biss, der mit weißer Mandelcreme, Mandeln, Yuzu Kosho-Gewürz und Grapefruit belebt wird. Das Limousin Lamm mit geschmortem Lammbauch in einer leichten Auberginenhülle wird von einer wunderbar intensiven Jus eskortiert, bei der das Brot zum Tunken animiert – es liegt auch ein Löffel bereit, aber tunken bringt einfach mehr Leben in den Mund. In der Menüfolge das konventionellste Gericht, was angesichts der sonstigen kreativen Kapriolen aber einen geschmacklichen Ruhepunkt einbringt.

Caviar Dessert

Eine Überraschung verbirgt sich hinter dem kurz C&C auf der Speisekarte genannten letzten Gang, der auch attraktiv inszeniert wird: Cornflakes-Eis-Creme mit Algen-Crunch und Vanille-Essig sowie Caviar on top. Das schmeckt so einfach, wie genial, dass man nur allein deshalb ins Restaurant The Dune gehen möchte.

Die Küche würzt beherzt, Vitalität und Finesse finden spielend und ausgewogen zusammen. Am Ende eines künstlerisch ästhetischen und sensorisch ideenreichen Menüs lehnt man sich äußerst zufrieden zurück und freut sich auf den nächsten Besuch, zumal in diesem Restaurant noch mehr Potential steckt. Das Menü mit 7 Gängen kostet 249 €, wobei man das Brot als  eigener Gang sehen könnte und es zudem noch einige Starter vorneweg gibt. Es existiert ein kleiner Bereich à la carte, der sich hier „Fine Bites & Wine“ nennt, preislich aber so ausfällt, dass man eher zum Menü greifen wird (18 – 99 €).  

Tatar vom Kalb, gerösteter Lauch und Seeigel (Uni)-Eis

Niclas Nussbaumer hat in unterschiedlichen Topküchen gearbeitet,  im zeitlosen Klassiker Erbprinz in Ettlingen, dem Spitzenrestaurant Seehotel Überfahrt am Tegernsee und dem Schlosshotel Friedrichsruhe als Chef Patissier. In der Schwarzwälder Mühle am Schluchsee wurde seine Küche dann mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet.

Sommelier Erik Veelmann

Die Restaurantleitung im Restaurant Dune liegt in den Händen von Lea Rupp, der Lebensgefährtin von Niclas Nussbaumer. Neu im Team ist Erik Veelmann als Sommelier, der zuvor fünf Jahre in Ernos Bistro in Frankfurt arbeitete, das für seine erstklassige Küche und eine herausragende französische Weinkarte bekannt ist. Im Dune favorisiert Veelmann Frankreich und Deutschland, wobei Bordeaux und Burgund besonders gut besetzt sind. Der großartige weiße Burgunder Santenay Les Hâtes, Jahrgang 2023, von René Lequin-Colin ist eine selten zu findende flüssige Delikatesse, in der man ertrinken möchte. Die ebenfalls nicht oft zu bekommenden Weine der Domaine Tempier aus dem südfranzösischen Bandol sind von markanter Würze und tiefgründiger Erdigkeit. Der Bandol Rouge, Jahrgang 2016, ist jetzt perfekt. Wie bei allen Weinen, ist es nicht immer einfach den richtigen Zeitpunkt der bestmöglichen Trinkfähigkeit zu finden. In der Gastronomie werden oft Jahrgänge aufgetischt, die noch nicht ihr bestmögliches Alter erreichen konnten, oder solche, die ihren Zenit längst überschritten haben. Gerade deshalb sind Sommeliers so wichtig, gute Sommeliers, wie Erik Veelmann. Die Wines by the Glass im Restaurant Dune bieten sehr gute Qualitäten, sind aber derzeit nicht schlüssig und gastfreundlich kalkuliert, was nachgebessert werden soll.

Das Restaurant The Dune hat mit Tempo und Talent einen enormen Start gezeigt. Der Marathon aber hat erst begonnen.

The Dune im Hotel Florentin, Frankfurt, Grandhotel der stark kulinarisch ausgeprägten Althoff-Gruppe.

Frankfurt, Paul-Ehrlich-Str. 9, T: 069 60 51 350.

Di – Sa ab 18.30 Uhr geöffnet,

www.theflorentin.com

Photocredit: BISS Magazin Frankfurt

The Dune Restaurant

Hoteldirektor Boris Meßmer

Küchenchef Niclas Nussbaumer




Sterneregen über Frankfurt: Mario Lohninger wird endlich vom Michelin ausgezeichnet

Die Frankfurter Restaurants Rausch und Dune

haben sich zwei Michelin-Sterne verdient

 

Das neue 3-Sterne-Restaurant:

L.A. Jordan in Deidesheim

Mario Lohninger kocht seit 16 Jahren in seinem Restaurant an der Schweizer Straße in Frankfurt auf hohem Niveau und schafft es, seine österreichische Heimatküche und weltgewandte Gerichte gemeinsam an den Tisch zu bringen. In seinem vorherigen Restaurant Silk in Frankfurt hatte Mario Lohninger (im Bild oben) bereits einen Michelin-Stern. Dass er im jetzigen Restaurant Lohninger anders, aber auf gleichem Level arbeitet, haben wir vielfach intensiv beschrieben, nun ist auch beim Michelin der Groschen gefallen. In einer Kreuzung aus Papst und Rockstar stürmte Mario Lohninger mit weit ausgebreiteten Armen auf die Bühne im Gesellschaftshaus im Palmengarten in Frankfurt, wo die Auszeichnungen vergeben wurden.

Nussbaumer rechts

Niclas Nußbaumer (r.)

Niclas Nussbaumer, Küchenchef im neuen The Dune im Hotel Florentin in Frankfurt wurde für seine Arbeit mit zwei Michelin-Sternen gewürdigt, in der Schwarzwälder Mühle war seine Küche zuvor gleich hoch bewertet. Jochim Busch, man hatte es nicht anders erwartet, erhielt ebenfalls zwei Sterne, aber erstmals für sein eigenes und vor einem Jahr eröffnete Restaurant Rausch in Frankfurt. Für das Restaurant Gustav, wo er als Küchenchef Großartiges leistete, konnte er an gleicher Stelle auch zwei Sterne vom Himmel holen.

Daniel Schimkowitsch

Im Pfälzer Weindorf Deidesheim steht mit dem Restaurant L.A. Jordan im Boutique-Hotel Ketschauer Hof ein Restaurant, für das sich jede Reise lohnt. In entspannter Atmosphäre kocht der gleichfalls entspannte Daniel Schimkowitsch mit seiner Crew sinnliche und tiefgründige Gerichte, bei denen man hochsolides Handwerk, großes Talent und Top-Produkte erlebt. Als Gast spürt man sehr genau, dass diese Küche Charakter hat.

Jochim Busch (r.) & Partner Philipp Günther

Der Bornheimer Ratskeller in Bornheim in Frankfurt erhielt einen Bib-Gourmand, eine kleine und nicht unwichtige Trophäe für eine sehr solide Küche mit besonders gutem Preis/Leistungsverhältnis. Das hört sich erst einmal gut an. Man kann aber auch fragen, warum die Küche von Mario Furlanello nicht gleich einen richtigen Michelin-Stern wert gewesen ist – in den Anfangsjahren des Michelin wären genau solche Adressen weit oben gelandet.

Mario Lohninger

Der Guide Michelin listet insgesamt 339 Sterne-Restaurants in ganz Deutschland: 12 Drei-Sterne-Restaurants48 Zwei-Sterne-Restaurants sowie 279 Ein-Stern-Restaurants.

 

Nicht am Rande, sondern explizit sei vermerkt, dass die erste Ausgabe des Michelin in Deutschland im Jahr 1966 im ganzen Bundesgebiet insgesamt nur 66 Sterne-Restaurants verzeichnet hat. In Frankfurt gab es mit dem Italiener Da Bruno das einzige Lokal mit dieser Auszeichnung. Es befand sich in der Elbestraße im Bahnhofsviertel, das heute um sein Überleben kämpft.

Siehe dazu die Artikel über Lohninger, Rausch und Dune im BISS-Magazin.

Text: Ludwig Fienhold, Fotos: Christine Scharrer (9), Barbara Fienhold (4)

 

Alle Sterne-Restaurants in Deutschland

und die verlorenen Sterne hier mit einem Klick

 

Lohninger, Nussbaumer, Busch (v.l.)