Wechsel im kulinarischen Imperium von Wolfgang Puck

Der berühmteste und reichste Koch Amerikas

übergibt die Führung an Sohn Byron Lazaroff-Puck

 

Wolfgang Puck ist so etwas wie der reiche Onkel in Amerika von Alfons Schuhbeck. Beide haben sie mit viel Schmäh, Fleiß, Talent und hochsolidem Handwerk ein kulinarisches Imperium geschaffen, nur dass der Österreicher Wolfgang Puck alles größer und mit mehr Fortune auf die Beine stellte und Alfons Schuhbeck leider scheiterte. Jetzt tritt nach 44 Jahren der Großmeister, dem ganz Hollywood aus der Hand frisst, von der großen Bühne ab und übergibt die Leitung seines kulinarischen Imperiums an seinen Sohn Byron Lazaroff-Puck.

Der 77 Jahre alte Wolfgang Puck ist einer der erfolgreichsten Gastronomen dieser Welt und betreibt über 100 Restaurants, Cafés und Fast Food Lokale, wobei das Spago in Beverly Hills das Bekannteste ist. Dort steht noch immer das Wiener Schnitzel auf der Karte. Seit drei Jahrzehnten ist Puck auch verantwortlich für den Governors Ball der Oscar-Verleihung. Längst ist der Gastronom aus Kärten in den USA selbst ein Star, 2021 bekam er den Stern auf dem Walk of Fame in Los Angeles.

Pucks berühmte Lachs-Pizza

Sohn Byron begann als Tellerwäscher in den Puck-Betrieben und durchlief alle möglichen Stationen des väterlichen Unternehmens. Zusätzlich absolvierte er auch einige Stage-Aufenthalte (Praktika) in namhaften Restaurants, wie dem Alinea in Chicago, Guy Savoy in Paris oder Steirereck in Wien. Er studierte außerdem Hotelmanagement mit den Schwerpunkten Food & Beverage und Marketing in New York. Heute ist Byron 31 Jahre alt und wird im März die Pucks Fine Dining Group mit einem Jahresumsatz von 375 Millionen Dollar übernehmen. Die große Zeremonie des Generationenwechsels wird in Pucks Restaurant Cut in Washington DC stattfinden. Es wird zwar offiziell an keiner Stelle erwähnt, aber der Name des Restaurants hat Symbolkraft – Cut steht für Schnitt und in diesem Fall auch für einen neuen Abschnitt.

Ludwig Fienhold

 

Generation Tasting Tour

Wolfgang Pucks Abschiedstour führt ihn gemeinsam mit seinem Sohn Byron durch sechs Staaten, Auftakt ist ein Dinner im Restaurant Cut in Washington D.C. am 3. März. Dort wird ein von beiden zubereitetes Menü mit 5 Gängen für 250 Dollar serviert.

Amuse: – Rickey Cocktail Sphere – Chinois Oyster 1st Course (Byron Lazaroff-Puck Innovation): – Okinawa Sweet Potato Pie | Osetra Caviar | Creme Fraiche 2nd Course (Wolfgang Puck Tradition): – Rockfish en Croute | Julienne Vegetable Medley 3rd Course (Byron Lazaroff-Puck Innovation): – Fried Wolfe Ranch Quail | Mumbo Sauce | Hush Puppies 4th Course (Wolfgang Puck Tradition): – Liberty Farms Duck Breast | Pear | Pink Peppercorn 5th Course (Wolfgang Puck & Byron Lazaroff-Puck Dessert): – Apple Strudel Duo

Buchungen online hier mit einem Klick möglich

 

Photocredit: Puck Fine Dining Group

 




Schlosshotel Friedrichsruhe: Ein prachtvolles Hotel mit Blessuren 

Genügt ein neuer Hoteldirektor

um das Haus weiter voranzubringen?

 

 

Vermag ein neuer Direktor das in unruhiges Fahrwasser geratene Wald & Schlosshotel Friedrichsruhe wieder auf Kurs zu bringen? Der neue Steuermann Steffen Eisermann wäre nur eine Personalie, würde er nicht eines der schönsten Hideaways Deutschlands übernehmen. Und würde er nicht ein Haus führen, bei dem die meisten Hoteldirektoren nicht ganz freiwillig gingen.

Steffen Eisermann, der viele Jahre für Kempinski arbeitete und zuletzt General Manager im Parkhotel Bremen war, löst Rolf E. Brönnimann ab, der nur 19 Monate amtierte und ohnehin nicht als Dauerlösung galt.

Die eigentliche Überraschung waren die Geschehnisse im Juli 2024, als der damalige Hoteldirektor Jürgen Wegmann das Hotel völlig überraschend verließ. Gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin Violeta Pantic – beide aber in unterschiedliche Richtungen. Die Rolle von Pantic war nie definiert oder begründet, sie wurde ganz allgemein als „Managerin“ geführt und mischte überall mit. Ob ihre anmaßende Rolle und anderes mehr zu dem Aus führte, kann man vermuten,  aber der Abschied kam eher nicht freiwillig. Während man Jürgen Wegmann als moderaten, sachlichen und stets freundlichen  Menschen erleben konnte, war Violeta Pantic so anders gepolt, dass man sie als unangenehme Person empfinden musste.

Die einzige sichere Konstante war bislang die Gastronomie des Hotels, vor allem das Zwei-Sterne-Restaurant Le Cerf von Boris Rommel. Hier sind Küche und Service noch gut aufgestellt. Das Haus hat viel zu bieten und kann sich auf ein großartiges Ambiente stützen. Die Hardware ist bemerkenswert, bei der Software bedarf es deutlicher Verbesserungen, die große Schwachstelle liegt beim Personal.

Wir kennen das Wald & Schlosshotel Friedrichsruhe seit der Zeit von Lothar Eiermann, dem streitbaren Küchenpionier, den man am Schluss sehr dazu überreden musste, zu gehen. Die besten Zeit erlebte das Wald & Schlosshotel unter der Führung von Heinz Schiebenes (2008 – 2015), der selbst einmal Sternekoch war und der Gastronomie des Hauses zu einer Spitzenstellung verhalf. Dennoch fiel er in Ungnade.

Das Wald & Schlosshotel Friedrichsruhe gehört zur Würth-Gruppe mit Sitz in Waldenburg. Firmengründer Reinhold Würth ist 90 Jahre alt.

Ludwig Fienhold

 

BISS Artikel vom Juli 2024

 

Überraschung: Rolf Brönnimann ist neuer Direktor im Schlosshotel Friedrichsruhe

 

Jürgen Wegmann hat das Hotel bereits verlassen

 

Von Ludwig Fienhold

 

Paukenschlag in der Luxushotellerie: Das Wald & Schlosshotel Friedrichsruhe hat einen neuen Direktor, Jürgen Wegmann verließ das Hotel überraschend und wurde vom Schweizer Rolf Brönnimann abgelöst. Die Rochade, die weit mehr als eine Personalie ist, griff jetzt am 1. Juli. Friedrichsruhe ist eines der schönsten Hideaways in Deutschland und gehört zum Milliarden-Unternehmen Würth in Künzelsau.

Das Wald & Schlosshotel Friedrichsruhe glänzt mit einer erstklassigen Küche, für die Boris Rommel und sein Restaurant Le Cerf mit zwei Michelin Sternen ausgezeichnet wurde. Es hat außerdem eine Wellness-Oase von Weltklasse, einen Innenpool und einen ganzjährig benutzbaren beheizten Außenpool  sowie eine weitläufige Liegewiese im hoteleigenen Park zu bieten. Wer verlässt freiwillig ein solch einzigartiges Hotel und gibt seine Position als Direktor auf? Jürgen Wegmann führte das Haus sieben Jahre lang.

Boris Rommel

Es gibt sicher verschiedene Gründe für das überraschende Ausscheiden von Jürgen Wegmann. Seine Partnerin Violeta Pantic  fing in einem zur Würth-Gruppe gehörenden Lokal als Thekenkraft an, wurde ziemlich zielsicher zur rechten Hand von Wegmann und trat als „Hotelmanagerin“ auf. In der konservativen Hotellerie wird es nicht gerne gesehen, dass Partner im gleichen Haus arbeiten. Bei Steigenberger konnte man deshalb sogar versetzt oder ganz vom Hof gejagt werden. So oder so, das Ausscheiden des Paares kann nicht freiwillig gewesen sein.

Der neue Direktor vom Schlosshotel Friedrichsruhe Rolf Brönnimann war bis Ende 2018 in gleicher Position im Hotel Budersand auf Sylt tätig. Davor arbeitete er vor allem in der Schweiz , im Grand Hotel Victoria Jungfrau in Interlaken und als Direktor des Bürgenstock Resorts Lake Lucerne, das sich im Staatsbesitz des Emirates Katar befindet. Der 67 Jahre alte Hotelier ist Mitgründer und Mehrheitsaktionär der SH Swiss Hospitality Group. Diese soll angeblich das Wald & Schlosshotel Friedrichsruhe übernehmen, ohne dass es zu größeren personellen Veränderungen kommen wird. Das Hotel bleibt aber Mitglied der Würth-Gruppe.

Jürgen Wegmann

Bekannt wurde das Wald & Schlosshotel in der Zeit von Lothar Eiermann, dem verbal rauflustigen Koch und Küchendirektor, der kürzlich verstarb. Der nach 35 Jahren als Schlossherr etwas mürbe gewordene Eiermann musste das Feld mit 63 Jahren nicht ganz freiwillig räumen. 2008 übernahm Heinz Schiebenes das Ruder, der einst als Küchenchef im Restaurant Zauberflöte in der Alten Oper in Frankfurt mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet wurde. Der kulinarisch versierte Schiebenes baute das Hotel zu einer Gourmet-Destination aus, die es bis heute geblieben ist.

Fotos: Barbara Fienhold

 

 




Exklusives Raritäten-Dinner mit Châteauneuf-du-Pape

Die Weine von Beaucastel im Restaurant Medici in Frankfurt

 

Großes Wein-Menü zum gastfreundlichen Preis

 

Das Weingut Beaucastel ist ein Mythos. Es liegt in der südlichen Rhône umgeben von Rebhängen, Trüffeleichen und uralten Olivenbäumen. Der Châteauneuf-du-Pape ist ein herausragender Wein, den man bewundern darf, aber noch besser trinken sollte. Von dieser flüssigen Delikatesse wird es beim Raritäten-Dinner im Frankfurter Restaurant Medici auch ein paar Flaschen geben, die sonst nicht in Deutschland zu haben sind.

Champagner, 6 verschiedene Weine, 6 Gänge plus Amuse Bouche und Aperitif-Champagner sowie Wasser und Kaffee zu einem ungewöhnlich guten Preis von insgesamt 320 €. Wenn man sieht, dass allein schon der Warenwert der Rohstoffe fürs Restaurant selbst bei über 200 € netto liegt und die Weine teilweise nur schwer oder gar nicht zu bekommen sind, wurde hier unwiderstehlich gut für den Gast kalkuliert (das gesamte Menü mit Weinen weiter unten).

Zu dem bei 72 Stunden Niedrigtemperatur gegarten US-Short Rip mit Thymian-Polenta werden gleich zwei Rotweine der Jahrgänge 2007 und 2017 aus der Appellation Châteauneuf-du-Pape serviert. 2007 war ein außergewöhnlicher Jahrgang, mit expressiver schwarzer und roter Frucht, etwas Trüffel und Sandelholz. 2017 zeigt sich kraftvoll, konzentriert, würzig, dezent rauchig und entfaltet Aromen von Lorbeer und Schokolade. Ungewöhnlich: Dieser Châteauneuf-du-Pape wird aus allen 13 für dieses Anbaugebiet zugelassenen Rebsorten erzeugt.

Gänselebergericht

Der Châteauneuf-du-Pape 2004 ist ein Charakter mit Eleganz Fülle und Geschmackstiefe. Der Duft von Mokka, Lakritz, Brombeere und Trüffel wird von der Medici-Küche mit Salzwiesen-Lammrücken unter der Kräuterkruste gefördert. Ein Highlight wird auch der weiße Châteauneuf-du-Pape Roussanne Vieilles Vigne 2022 sein, einer der besten Rhone-Weißweine und einer der größten der Welt überhaupt. Ein üppiges Aroma aus Birne, Zitrus, Rosmarin und Brioche füllt die Sinne. Eine Prise Meersalz, die den Wein luftig durchzieht, frischt die mollige cremige Art schwungvoll auf.

2004 ist auch das Gründungsjahr vom Restaurant Medici. Diesen Jahrgang sowie die Jahrgänge 2007 und 2017 von Beaucastel, die es in Deutschland nicht zu kaufen gibt, werden an diesem besonderen Abend in der Holzkiste mit jeweils zwei Flaschen zu bekommen sein.

Das von der Familie Perrin geführte Château de Beaucastel wird vollständig biologisch bewirtschaftet. Die Moderation des hochwertigen Dinners übernimmt Matthieu Perrin auf englisch, wobei Elea Kern mit deutscher Übersetzung hilfreich zur Seite steht.

Das Restaurant Medici kann mit einer exzellenten Weinauswahl glänzen und macht immer wieder durch besondere Wein-Events Furore. Es lohnt sich beim Restaurantbesuch auch die neue Sonderkarte mit Burgunder-Offerten anzusehen, die Entdeckungen und Geheimtipps versprechen.

Ludwig Fienhold

 

Beaucastel 2004

Raritäten-Dinner Beaucastel, Restaurant Medici in Frankfurt, Weißadlergasse 2.

Samstag 21. März 2026.

Einlass & Aperitif ab 18 Uhr, Menübeginn 18.30 Uhr.

Preis pro Person: 320 € (inkl. Champagner, Wein, Wasser, Kaffee).

Limitierte Gästezahl, nur mit Vorkasse.

Reservierungen: info@restaurantmedici.de

 

www.restaurantmedici.de

 

 

Fotos: Beaucastel, Medici, Barbara Fienhold

Die Medici-Chefs Christos und Stamatios Simiakos




Ernüchternde Bilanz bei alkoholfreien Weinen und Sekten

Statt Wasser in Wein verwandelt man Wein zu Wasser

 

Von Ludwig Fienhold

 

Alkoholfreier Wein ist so etwas wie vegane Bratwurst, ein widersprüchliches und sinnfreies Erzeugnis. Wir haben über 100 alkoholfreie Weine und Sekte probiert, das Ergebnis stimmt nüchtern.

Es wird viel geschrieben und diskutiert, der Dry January ist zwar schon wieder vorbei, doch wollen viele Journalisten auch weiter einen Trend im alkoholfreiem Wein sehen, als ob sie noch nie etwas von Wasser, Tee oder Apfelsaftschorle gehört hätten. In der Gastronomie ist das Thema zwar registriert worden, aber nie richtig angekommen. Man hält vielleicht für Gäste eine oder zwei Flaschen bereit die so etwas mal probieren möchten, aber Getränkekarten mit gut bestückten alkoholfreien Weinen und Sekten wird man nicht finden. Der Januar ist für die Gastronomie grundsätzlich kein guter Monat, weil nach all den Feiertagen im Dezember der Körper Ruhe braucht und das Verlangen nach Alkohol viel geringer als sonst ist. Man geht auch einfach weniger aus, zumal das Wetter obendrein mehr Lust auf das eigenen Sofa macht. Insgesamt sorgt dieser alkoholische Rückzug in der Gastronomie in manchen Fällen für einen Umsatzrückgang von einem Drittel.

Das Angebot an alkoholfreien Weinen ist beachtlich, doch die Qualität ist dies weniger. Ein Wein, dem man den Alkohol entzogen hat, schmeckt leblos, belanglos, tot. Besonders schlimm fallen Rotweine aus. Wegen des speziellen Verfahrens sind alkoholfreie Weine keineswegs billiger und im Vergleich sogar teurer. Für ein schlechtes Ergebnis scheint ohnehin jeder Cent zu viel. Der alkoholfreie Riesling Grünlack von Schloss Johannisberg im Rheingau treibt es auf die Spitze, zumindest preislich. Er ist für rund 100 € im Handel und man will es angesichts des geschmacklichen Ergebnisses einfach nicht glauben. Bei Aldi gibt es einen alkoholfreien Chardonnay für 2,99 €, der so schmeckt wie die meisten alkoholfreien Weine, aber er macht sich wenigstens nicht wichtig. Alkoholfreie Weine sind nicht zu Hundertprozent alkoholfrei und haben noch einen Anteil von 0,5 % Alkohol. Vor allem aber ist ihr Restzucker hoch, was sie nicht gerade gesünder macht und vor allem für Diabetiker ein Warnhinweis sein muss.

Die Kolonne Null in Berlin hat sich auf alkoholfreie Weine und Schaumweine spezialisiert und kann ein großes Sortiment vorweisen. Man bemüht sich redlich und glaubhaft um seriöse Produkte, wir können uns indes nicht damit anfreunden. Auch die Sektmanufaktur von Heinz Wagner wird immer mal wieder positiv herausgestellt, gerne von dem einen oder anderen Journalisten. Der prickelnde Rosé ist ein alkoholfreies aromatisiertes Getränk aus entalkoholisiertem Wein (zu 90%), der zudem noch aus Wasser, Aromaextrakt, Zucker, Kohlensäure, Säurungsmittel und Apfelsäure besteht. Bei 3,6 Gramm Restzucker erscheint er uns überraschend süß. Die Produzenten erkennen in dem Rosé „beerige Frische und Aromen von Granatapfel, Zitrus, Stachelbeere, Holunderblüte sowie einem Hauch Vanille“. Wir schmecken eine Art Erdbeer/Himbeer/Rhabarber-Schorle, die recht penetrant wirkt und an einer Überdosis an Aromen leidet. Die Ingredienzen finden nicht harmonisch zusammen, die Balance von Süße und Säure kippt. Wenn man es nicht anders weiß, denkt man eine Berliner Weiße mit Himbeer-Schuss vor sich zu haben. Dieses quietschige Getränk nervt bereits nach dem ersten Glas. Für 14 € die Flasche kein schönes Ergebnis.

Stand der Ermittlungen: Eher wird es gelingen, Wasser in Wein zu verwandeln als einen guten alkoholfreien Wein zu erzeugen. Derzeit verwandelt die Szene mit dem Entzug von Alkohol eher Wein in Wasser.




Aus für Drei-Sterne-Restaurant Aqua

Sven Elverfeld beendet

seine Karriere

 

 

Eine große Karriere geht nach 25 Jahren Spitzenküche zu Ende. Der 3-Sterne-Koch Sven Elverfeld schickt am 30. März sein letztes Menü im Restaurant Aqua im Ritz-Carlton Wolfsburg  über den Pass, wo er im Jahr 2000 begann. Er will künftig seine Frau Saskia, die das Parkhotel in Wolfsburg als Eigentümerin übernommen hat, unterstützen. Über die neue Ausrichtung des Restaurants Aqua kann das Hotel noch nicht informieren, wobei es sicher nicht mehr die ganz große kostenintensive Küche anstreben wird.

Sven Elverfeld ist das, was man unter einem feinen Kerl versteht. Fein und akzentuiert ist auch seine Küche, bei der er stets auf die leisen Töne und nicht Fanfarenstärke setzte. Es zog ihn nicht ins Fernsehen, er suchte nie das Rampenlicht, seine Bühne war die Küche.

Sven Elverfeld

Der 58 Jahre Elverfeld wurde im hessischen Hanau geboren und begann als Konditor, bevor er sich zum Koch ausbilden ließ. Er war unter anderem Souschef im seligen Restaurant Hessler in Maintal bei Frankfurt, arbeitete in der vom großartigen Dieter Biesler geleiteten Gutsschänke auf Schloss Johannisberg im Rheingau und stand bei Dieter Müller im Schloss Lerbach in Bergisch-Gladbach am Herd. Außerdem war Elverfeld Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts auch noch für ein gutes Jahr im Frankfurter Restaurant Humperdinck beim früh verstorbenen Küchentalent Willi Tetz, der gemeinsam mit Edmund Teusch das damals beste Restaurant der Stadt führte.

Wenn Sven Elverfeld auch private Gründe für seinen Abschied anführt, so ist doch unübersehbar, dass die große Küche in Deutschland Stück für Stück ihre kulinarischen Helden verliert und gleichzeitig kaum etwas Entsprechendes nachwächst. Es fehlt vielen Betreibern an Personal, finanziellen Mitteln und auch an Gästen, die noch Geld haben oder bereit sind Geld auszugeben.

LF

 

Fotos: Gary Schmid (Restaurant Aqua),

Kirchgasser Photography (Sven Elverfeld)




Alkoholfrei, aber gut

Die Saveur Drinks von Sommelier

Niklas in´t Veld zeigen Geschmack

 

Man kann sich alkoholfreie Weine nicht schön trinken. Aber es gibt Alternativen zu Zero Taste. Niklas in´t Veld geht mit seinen Saveur Drinks einen ganz anderen Weg. Dabei werden keine Weine verwendet, die Basis bilden Früchte der Bodenseeregion, sizilianische Bergamotten oder Holunderblüten und Yuzu. Der Drink-Druide bringt viel Know-how und Geschmackstalent mit ein, als gelernter Koch und aktiver Restaurant-Sommelier war er jahrelang den Umgang mit anspruchsvollen Erzeugnissen gewohnt.

Niklas in´t Veld aus Villingen-Schwenningen hat eine glänzende Karriere hinter sich, absolvierte seine Ausbildung im Mandarin Oriental in München und arbeitete dann im 2-Sterne-Restaurant Haerlin im Hotel Vier Jahreszeiten in Hamburg. Später zog es ihn in den Schwarzwald, wo er als Sommelier im 2-Sterne-Restaurant Ösch Noir große Weine und fantasievolle Menüs zusammenbrachte. Doch Niklas in´t Veld verließ den sicheren Hafen und machte sich selbständig. Dazu auch noch mit der sehr speziellen Idee, eigenständige Drinks für die ambitionierte Gastronomie und anspruchsvolle Genießer zu erzeugen. Einen imposanten Sparkling aus Quittensaft, Birnen und Äpfeln vom Bodensee sowie koffeinfreiem Ceylon-Schwarztee oder einen Sparkling White Tea mit Bergamotte. Insgesamt hat Niklas aktuell sieben verschiedene Sorten im Sortiment (schäumend und still, jeweils 19 oder 25  €), die auffälligen Etiketten der Flaschen hat seine Frau Chantal Boos gestaltet.

Der Sparkling Wild Strawberry ist besonders gelungen. Er schmeckt sehr fein nach Walderdbeeren und Kirschen und entfaltet ein zartes und doch deutliches Fruchtaroma mit frischem Kräuterkick. Dieses Getränk in der Kronkorken-Flasche besteht aus einem Aufguss aus Brombeerblättern, Himbeeren, Brombeeren, Passionsblumenkraut, schwarzen und roten Johannisbeeren, Holunderbeeren, Hagebutten, wilden Blaubeeren, Malven und Wasser (56%) sowie Traubenmost, Sauerkirschsaft, Johannisbeersaft, Waldbeermark und  Erdbeersaftkonzentrat. So detailliert steht es auch auf der Rückseite des Etiketts. Dieser alkoholfreie Sparkling Aperitif nennt sich „Kohlensäurehaltiges Getränk aus Aufguss von Früchten und Kräutern mit Fruchtsäften“. Das ist gesetzmäßiges Deutsch und klingt weniger aufregend als der Drink schmeckt. Der Sparkling Wild Strawberry erscheint fruchtig, ist aber komplett zuckerfrei.

Die Saveur Drinks mögen es eher kühl, Niklas in´t Veld empfiehlt 5 Grad und ein gutes Weinglas, wobei er Riedel bevorzugt. Seine  Erzeugnisse nennt Niklas „Grand Cru der alkoholfreien  Getränke“.

Ludwig Fienhold

Saveur Drinks, Villingen-Schwenningen, Tel.: 0170 49 44 010.

www.saveur-drinks.de

Fotos: Barbara Fienhold




München: Kevin Romes wird neuer Küchenchef im 2-Sterne-Restaurant Atelier im Bayerischen Hof

Die Sterne sind weiter

das Ziel der Küche

 

So überraschend Küchenchef Anton Gschwendtner Anfang des Jahres das Hotel verlassend hatte, so schnell kann der Bayerische Hof für sein Spitzenrestaurant Atelier bereits einen neuen Chef de Cuisine als Nachfolger aufstellen: Kevin Romes wird ab 17. April das Restaurant führen.

Seiner Biografie nach scheint der 33 Jahre alte Kevin Romes in die anspruchsvolle Position zu passen, die zuvor von einigen hochkarätigen Küchenchefs besetzt war. Der in Andernach geborene Romes war von Frühjahr 2022 bis heute als Küchenchef im Skins Restaurant in Lenzburg in Aargau in der Schweiz tätig. Unter seiner Leitung wurde das Restaurant nur kurze Zeit nach der Eröffnung mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet. Zuvor arbeitete Kevin Romes als Sous Chef im ebenfalls mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichneten Restaurant Ikigai im Schloss Elmau unter Küchenchef Chris Rainer.

Kevin Romes

Weitere prägende Stationen führten ihn als Sous Chef in das Restaurant Einstein (2 Michelin- Sterne) in St. Gallen unter Sebastian Zier und Moses Ceylan sowie als Chef de Partie in das Gourmet Restaurant Überfahrt (3 Michelin-Sterne) in Rottach-Egern unter Christian Jürgens. Seine Karriere begann Kevin Romes im Restaurant Le Val d’Or auf der Stromburg (1 Michelin-Stern), wo er unter Johann Lafer und Bernhard Munding zunächst als Demi Chef de Partie und später als Chef der Partie tätig war. Internationale Erfahrung sammelte Romes zudem bei Stage-Stationen im Vila Joya (2 Michelin- Sterne) in Albufeira unter Dieter Koschina und Matteo Ferrantino sowie im Restaurant Amber (3 Michelin- Sterne) im Landmark Mandarin Oriental Hotel in Hongkong unter Richard Ekkebus.

Kevin Romes zu seiner neuen Aufgabe: „Mit großer Freude und Respekt übernehme ich die Leitung des Ateliers im Hotel Bayerischer Hof. Nach vielen Jahren in Bayern freue ich mich, in meine Wahlheimat zurückzukehren. Gemeinsam mit diesem großartigen Team mochte ich die reiche kulinarische Geschichte des Hauses weiterentwickeln – mit Leidenschaft und Herz.“

Das Restaurant Atelier befindet sich vom 3.-17. April in der Osterpause. Bis zur Wiedereröffnung bleibt Sous Chef Valentin Krehl kommissarischer Küchenchef. Anton Gschwendtner hatte das Hotel „aus privaten Gründen“ verlassen, wie es offiziell hieß.

Das Traditionsunternehmen Hotel Bayerischer Hof, das sich seit mehr als hundert Jahren in Besitz der Familie Volkhardt befindet, gehört mit 337 Zimmern inklusive 74 Suiten zu den führenden deutschen Häusern. Zur Unternehmensgruppe gehört auch die Weinhandlung Volkhardts Wein in München Pasing.

 

Fotocredit Kevin Romes: Olivia Pulver

Fotocredit Restaurant Atelier: Benjamin Monn 




Neuer General Manager im JW Marriott Hotel Frankfurt

Holger Hanselmann übernimmt Hotelleitung

 

Mit Holger Hanselmann hat das JW Marriott Hotel Frankfurt schon wieder einen neuen General Manager. Er folgt auf Anne Drescher, die jetzt als Head of Operations bei Archer Hotels in London arbeitet und damit für das operative Geschäft von 13 Hotels des Unternehmens verantwortlich ist. Anne Drescher war erst im Februar 2025 bei JW Marriott angetreten und hatte den zuvor entlassenen General Manager David Salomon abgelöst. Dieses Personalkarussell in so kurzer Zeit macht schwindelig. Dabei ist Stabilität gefragt, zumal es noch Probleme zu lösen gilt. Eines davon: Wie schafft man es, das Frankfurter Publikum deutlich mehr zu gewinnen als bisher? Vor allem im Frühling und Sommer, wo die ganze Stadt die Terrassen bevölkert, aber das JW Marriott keine Terrasse anbieten kann – die Raucherecke vor der Tür am Parkplatz kann ja wohl nicht ernsthaft dazu dienen.

General Manager Holger Hanselmann

Der neue GM Holger Hanselmann leitete zuletzt als General Manager das Brunfels Hotel „The Unbound Collection by Hyatt“ in Mainz. Zuvor war er unter anderem als General Manager für me and all hotels Mainz verantwortlich und mehrere Jahre als Director of Operations im Hilton Mainz sowie im Hilton München tätig.

Das JW Marriott Hotel Frankfurt wurde 2025 nach einer umfassenden Neugestaltung aller Zimmer und Suiten, öffentlichen Bereiche und Konferenzflächen vollständig modernisiert. Mit dem im Mai 2025 eröffneten Restaurant Greta Oto wurde auch das gastronomische Konzept des Hauses neu aufgestellt.

Das 99 Meter hohe Hotel mit 24 Etagen wurde 2011 von Jumeirah im Zentrum Frankfurts eröffnet, als erstes Haus auf dem europäischen Festland der Luxushotelgruppe in Dubai. 2022 öffnete es dann als JW Marriott seine Türen, als erstes Hotel dieser Luxusmarke von Marriott in Deutschland.

LF




Die getrüffelte Frau

Eine Suchmeldung

mit Geschmack

 

Aus dem Buch Bye-Bye Love

 

Arthur Pauillac gehört nicht zu jenen, die sich lediglich durch schlichtes Türklopfen bemerkbar zu machen pflegen. Wann im­mer er Einlass begehrt, pocht er eine Melo­die. Selbst an bewusstem Tage als er von großer Nervosität und Eile getrieben bei Hauptwachtmeister Grüner vor dem Zim­mer steht, verzichtet er nicht auf sein ge­wohntes Ritual. Nachdem er zart und ein­fühlsam den Anfang von Beethovens „Für Elise“ aufs Holz geklopft hat, schlägt ihm ein zackiges „Herein“ entgegen.

„Was wollen Sie?“ fragt spürbar belä­stigt Hauptwachtmeister Grüner.

„Ich fürchte, dass ich Ihnen ein wenig Arbeit auferlegen muss“, tastet sich Arthur Pauillac vor. „Meine liebe Gattin ist von einer Reise durchs Périgord bis heute nicht zurückge­kehrt, obwohl sie bereits vor drei Tagen zu Hause sein sollte, um mir ihre köstlichen Truffes sous la cendre zuzubereiten.“

Hauptwachtmeister Grüner nimmt ungerührt die Meldung auf: „Name der Vermissten?“

„Oh, ja“, fährt es Arthur Pauillac voll des Entzückens über die Lippen. „Feuer verheißt er, dem Allegro zweier Weingläser gleich, die im Sin­nesrausch immer wieder aneinandersto­ßen, um mit klarem Klirren eine neue Morgenröte einzuläuten.“

„Langsam, langsam“, unterbricht Hauptwachtmeister Grüner, der sich mit verkrampften Fingern mühsam quält. „Geburtsort?“

Arthur Pauillac erhebt prophetisch die Hände. „Ihre aus bester Limousin-Eiche handgefertigte Wiege stand an jenem Ort, wo das Wasser zum Weine findet, sich Dordogne und Garonne vereinigen, unweit der großen Châteaux Lafite, Latour und Mouton-Rothschild, zwischen Hängen und Hügeln in weingeschwängerter Luft, die mit jedem Atemzug den Geist erquickt.“

„Alter?“ fragt Hauptwachtmeister Grüner mit besorgtem Blick auf seine geröteten Fingerkuppen schau­end. „Alter?!“ winkt Arthur Pauillac empört ab. „Welch grobe Banalität. Sie ist voll der Reife. Tiefgründig wie ein Château Petrus und doch auch so delikat wie ein Montrachet.“

„Größe?“ „Würde man zwei Flaschen Methusa­lem und drei Magnum übereinanderstellen, so reichte der letzte Korken bis zu ih­rem Schenkel. „Wohnhaft?“ „Etwa achtzig Havanna-Längen von je­nem Drei-Sterne-Restaurant entfernt, des­sen begnadeter Küchenchef nicht nur mit einem heitergesinnten Namen, sondern auch mit einem kulinarischen Gewissen ausgestattet ist.“

Hauptwachtmeister Grüner setzt nach einigen Fingerlockerungsübungen seine Fragen fort. „Eine genaue Personenbeschreibung.“ Arthur Pauillac lächelt milde, als er an­hebt: „Ihre Augen sind so dunkel wie die schwärzesten Trüffel aus dem Périgord. Ihre Nase, klein und süß wie ein Wiesen­champignon in Portwein, hebt sich leicht zwischen ihren Rochenbäckchen hervor. Ihr Mund, noch sanfter als Balik-Lachs, gleicht einem heiter farbigen Himbeer-Sorbet, und ihre Küsse schmecken frisch, zartfruchtig und ein we­nig nach Eichenfass. Sie trägt den stolzen Hals einer Bresse-Taube, und ihre Figur ist so zerbrechlich wie die eines Stubenkükens. Lang und ätherisch wie feinster Spargel sind ihre Finger, feingespon­nen wie chinesische Glasnudeln ihre Haa­re. Nur die edelsten Rotweinkelche errei­chen die elegante, körperreiche Form ihrer Brüste. Samtige Stimulans, wie mit Reif überzoge­ne Cabernet-Trauben in Lafite, verheißt ihre Haut. Des Mittags um­weht sie der Duft eines 45er d‘ Yquem, während sie abends mehr den Odem eines 47er Lafite-Rothschild aushaucht.“

Hauptwachtmeister Grüner unterbricht die Ausführungen und knirscht knurrend: „Be­vor wir hier weitermachen, gehe ich erst einmal in die Kantine. Heute gibt’s Saftgu­lasch.“ Und wäre dabei sein Gesichtsaus­druck nicht so entschlossen gewesen, wie der von Paul Bocuse, als er die Cuisine du Marché postulierte, hätte ihn Arthur Pau­illac wegen seines degoutanten Ansinnens gewiss in ein Fass mit Glykolwein gesteckt. So aber wartet er brav und hoffnungsvoll auf die Rückkehr des Hauptwachtmei­sters. Zu diesem Zeitpunkt wusste er noch nicht, dass sich seine Frau bereits seit Tagen in der Stadt in einem Schnellimbiss aufhielt, um sich nach zwanzigjähriger Feinschmeckerehe bei Bratwurst und Fritten auszuweinen.

Ludwig Fienhold

 

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