Gerbermühle: Großes Gastro-Freiluftkino

Frankfurts schönstes Ausflugsziel

hat einen neuen Küchenchef

 

Christoph Kern aus Salzburg setzt auf herzhafte Klassik

 

In Frankfurts schönstem Gartenlokal blüht das Leben. Wo sonst kann man so stimmungsvoll unter schattigen Bäumen direkt am Flussufer sitzen? Das Traditionslokal hat mit Christoph Kern einen neuen Küchenchef, der aus Salzburg stammt.

Burrata/Tomaten | Basilikum / Gegenbauer Tomatenessig | Tomatenstaub

Die bewährte herzhafte Küche bleibt und versucht sich zu verbessern, die Weinkarte legt auch immer noch zu. Jedenfalls ist überall der Wille zur Verbessrung zu spüren. Chili Grillhändel und Wiener Schnitzel gehören zu den Highlights. Die ewig gleiche und langweilende Burrata kommt in der Gerbermühle etwas anders auf den Tisch, fällt nicht so cremig und fester aus. In Begleitung von besten Oberräder Tomaten und Tomaten-Essig von Erwin Gegenbauer aus Wien wird sie zu einem schönen aromatisches Gartengericht. Die Gerbermühle ist kein Sterne-Restaurant, aber ein ambitioniertes Ausflugslokal mit außergewöhnlicher Atmosphäre.

Weinberater Denis Mihaljevic

Die Weinkarte ist für ein Gartenlokal ambitioniert, aber die Gerbermühle war ja noch nie ein normales Ausflugsziel. Man findet eine Offensive an Rosé-Weinen, wie sie gut zur Gerbermühle und der Terrasse passen. Mallorca, Südfrankreich, Deutschland, es gibt unterschiedliche Provenienzen und Stile zu entdecken. Frankreich mag für viele die erste Wahl sein, der saftige, süffige und seidige Hampton Water von Gérard Bertrand kommt aus Südfrankreich, obwohl die Musik-Star-Family Bonjovi dahinter steht. Der neue Bubbly, von Hampton Water, ein Schäumer mit Trinkfreude auf gutem Niveau, wurde gerade auf die Karte gesetzt. Denis Mihaljevic kümmert sich engagiert um die Weine und sorgt mit Restaurantleiter Thomas Subtil und dem Team für einen gastfreundlichen Service.

Restaurant und Biergarten sind getrennt und bieten unterschiedliche Gerichte. Im Biergarten gibt es kleine und größere Deftigkeiten wie Wurstsalat, Handkäs mit Musik und Frankfurter Würstchen, aber auch den tollen Hausschoppen der Apfelwein-Kelterei Stier. Im Biergarten kann man nicht reservieren und findet eigentlich immer einen Platz, während im Restaurant eine Reservierung notwendig ist. Beide teilen sich aber diese ganz besondere Atmosphäre am Mainufer, dieses wunderbare große gastronomische Freiluftkino.

Ludwig Fienhold

 

Gerbermühle, Frankfurt, Gerbermühlstr. 105, Tel. 069/689 777 90.

Restaurant Mo – Fr 11.30-14 Uhr, 17.30 – 22.30 Uhr, Sa + So 11.30 – 22 Uhr. Das Designhotel bietet 19 Zimmer und Suiten, unter denen die Johann Wolfgang von Goethe Balcony Suite besonders attraktiv ist. Die Bar mit Natursteinwänden und Ledersesseln ist ebenfalls sehenswert.  

www.gerbermuehle.de

 

Fotos: Barbara Fienhold

 

 

Restaurantleiter Thomas Subtil

Küchenchef Christoph Kern




Abschied vom Promi-Gastronomen Salvatore Rimonti

Frankfurt trauert

um einen bunten Hund

der keine schwarzen Trauergäste möchte

Beerdigung jetzt am Dienstag

 

 

Salvatore mochte es gerne schnell, beim Rudern, Skifahren und Surfen. Und beim Reden, wenn er mit flinker Zunge aus seinem Leben erzählte. Auch jetzt ging alles ganz schnell, sein Herz hörte einfach auf zu schlagen. Am 16. Juli. Die Beerdigung wird jetzt Dienstag, 29. Juli, um 9.45 Uhr auf dem Frankfurter Südfriedhof stattfinden. Die Familie lässt wissen, dass es im Sinne von Salva wäre, wenn die Trauergäste nicht in Schwarz erscheinen. Das Bistro Salvatore an der Schönen Aussicht soll am 15. August wieder eröffnet werden.

Pizzabäcker haben meist Kugelbäuche. Salvatore Rimonti konnte sich enge T-Shirts leisten, denn sein Surfbrettbauch schlug keine Wellen. Wenn bei ihm „Wegen Wind geschlossen“ an der Tür stand, so wusste man, dass er wieder auf den Weltmeeren unterwegs war, denn das Longboat-Surfen war Jahrzehnte seine Leidenschaft, mit der er sich sogar schon für die Weltmeisterschaft qualifizierte.

1968 war „Salvatore“ noch eine Trinkhallen-Pizzeria an der „Schönen Aussicht“ gleich neben dem Schopenhauer-Haus, danach wurde daraus eine möblierte Pizzeria, die sich wegen des größeren Angebots später Bistro nannte. Aus 20 wurden über 80 Quadratmeter.

Salvatore eröffnete etwa gleichzeitig mit dem damals gleich um die Ecke liegenden kultigen Kellerlokal „Sinkkasten“ und bekam von dort auch einen guten Teil seiner Kundschaft. Zuvor hatte er als Barkeeper im Londoner Hilton und als Kellner im Schlosshotel Kronberg und dem Intercontinental Frankfurt gearbeitet. Viele der alten „Sinkkasten“-Gäste kamen auch später wieder – damals Studenten, später Professoren, Ärzte, Anwälte.

Es fand sich immer mehr junges Klientel ein, viele Schicke und Schöne, zumal sein Lokal auf der Strecke zum Ausgehpflaster Hanauer Landstraße beziehungsweise dem Rückweg lag. Das Publikum war sehr bunt, von fast normal bis ganz schräg. Viele tranken lieber Champagner als Prosecco.

Salvatore Rimonti, der am 5.12. 1949 in Neapel geboren wurde, verbrachte den größten Teil seines Lebens am Main, wo er mit Blick auf den Fluss arbeitete und wohnte. Frankfurt wird ihn im Herzen behalten.

Ludwig Fienhold
Blumen, Kerzen und eine Mini-Pizza zum Abschied von Freunden

Blumen, Kerzen und eine Mini-Pizza von Freunden zum Abschied

 

 




Frankfurt: Das neue Kimpton Hotel will kulinarischer Hotspot werden  

Und setzt dabei auf bekannte Köche aus der lokalen Szene

 

Das neue Kimpton in der Innenstadt will ein Hotspot werden und setzt bei seinem gastronomischen Konzept auf bekannte und erfahrene Mitarbeiter. Das kürzlich eröffnete Hotel ist Teil des wuchtigen Gebäude-Ensembles Four in der Junghofstraße 7.

Die Konzeptionierung der beiden Restaurants und Bars lag bei der englischen „Gorgeous Group“. Man will eine moderne internationale Küche mit lokalem Touch bieten. David Bullett übernimmt als Head of Food & Beverage die gastronomische Leitung. An seiner Seite stehen Andrijana Golubovic als Restaurantmanagerin und Dominik M. Falger, der sich mit seinem Team um die Bar-Outlets kümmert. Komplettiert wird das Führungsteam durch Jörg Ludwig, der als Executive Küchendirektor die Gastronomie auf Erfolgskurs bringen soll.

Der Kanadier David Bullett ist bisher bei verschiedenen Lokalen in Frankfurt positiv als Gastgeber in Erscheinung getreten, im Biancalani, dem Goldman von Thomas Haus und dem VaiVai sowie der Gerbermühle. An Davids Seite wird Andrijana Golubovic die Restaurants führen. Andrijana arbeitete in den vergangenen zehn Jahren in Dubai, Bahrain und Montenegro und schärfte ihre Kenntnisse in Tophotels wie Four Seasons, Ritz Carlton und Shangri-La. Die Bars des kürzlich eröffneten Kimpton Hotels stehen unter der Leitung von Dominik M. Falger. Er war Gründer der (inzwischen geschlossenen) Embury Bar in Frankfurt und arbeitete in internationalen Häusern wie dem Burj Al Arab in Dubai und der Widder Bar in Zürich.

Jörg Ludwig

Als Küchendirektor konnte Kimpton Jörg Ludwig gewinnen, der seit über 35 Jahren am Herd steht und viele Jahre als Küchenchef für gute Leistungen in der Gerbermühle sorgte. Unter seiner Leitung komplettieren Lars Burtscheidt als Head Chef, Ignatius Gorby als Executive Sous Chef und Jakob Borowski als Sous Chef das Team. Alle drei sammelten bereits Erfahrungen bei guten Adressen in der Gastronomie und Hotellerie. Lars Burtscheidt arbeitete unter anderem im Frankfurter Hilton als Küchenchef. Ignatius Gorby wechselt nach sechsjähriger Tätigkeit im Frankfurter Sternerestaurant Bidlabu ins Kimpton. Zuvor war Ignatius im mittlerweile geschlossenen Weinsinn engagiert, das zu seiner Zeit ebenfalls mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet wurde. Sous Chef Jakob Borowski kochte zuletzt in der Gerbermühle, davor führte ihn sein Weg ins bekannte Landhaus Stricker auf Sylt. Am 23. April eröffnete mit dem Lazuli eine Rooftop-Location im fünften Stock, wo alle vier Türme des Four Frankfurt zusammenlaufen.

 

David Bullett

Jörg Ludwig & das Küchenteam

Barchef Dominik M. Falger

Jakob Borowski

Lars Burscheidt

Andrijana Golubovic

Photocredit: Kimpton




Winzer Fabian Schmidt aus dem Rheingau wird neuer Pächter des Weinguts der Stadt Frankfurt

Der Winzer will auf Bio umstellen und soll die Weine populärer machen

 

Das Weingut der Stadt Frankfurt ist eine Besonderheit, die aber mehr Beachtung verdient hätte. Viele haben davon gehört, aber dennoch nie einen dieser Weine getrunken, unter denen der Lohrberger Hang als einzigartige Lage hervorsticht. Der Vertrag der Pächerfamilie Rupp, die das städtische Weingut seit 1994 führt, endet dieses Jahr. Von Fabian Schmidt, der sein eigenes Weingut „Im Weinegg“ in Hochheim im Rheingau führt, erhofft sich die Stadt Frankfurt ab 2026 eine Umstellung auf biologischen Anbau sowie eine bessere Vermarktung. Eine Umstellung auf biologischen Weinbau geht allerdings nicht von heute auf morgen und wird drei Jahre dauern, bis ein entsprechendes Zertifikat ausgestellt werden kann. Da dies mit einem höheren Aufwand verbunden ist, dürfte sich das auch auf die Preise auswirken.

Winzer Fabian Schmidt

Wir kennen das Weingut Im Weinegg von Fabian Schmidt seit zehn Jahren. Der 42 Jahre alte Winzer konnte einige beachtenswerte Weine vorlegen und hat über die Jahre an Qualität zugelegt, was auch entsprechende Bewertungen in einschlägigen Fachmagazinen bestätigen. Schmidt ist vielseitig engagiert, man darf ihm einiges zutrauen. Seit 2023 ist sein 12 Hektar großes Weingut in Hochheim ein biodynamisch zertifizierter Demeter-Betrieb.

Armin Rupp, der das Weingut der Stadt Frankfurt maßgeblich aufgebaut hat und mit den Jahren ebenfalls eine Steigerung des Niveaus fertigbrachte, hat aus Sicht der Stadt zu wenig für die Vermarktung getan. Sohn Jürgen Rupp hatte sich ebenfalls als Pächter beworben, konnte aber ein nicht näher bekanntes und nur allgemein als Jury genanntes Gremium der Stadt nicht so sehr überzeugen wie Fabian Schmidt.

Neben den den Weinbergen im Rheingau gehört zum Weingut der Stadt Frankfurt auch der Lohrberger Hang, der dem Frankfurts Ortsteil Seckbach zugeordnet wird und damit ein echter lokaler Wein ist. Der trockene Riesling Lohrberger Hang, von dem jährlich rund 10.000 Flaschen erzeugt werden, ist der interessanteste Wein im Sortiment. Der Weinberg mit Südhanglage gehört der Stadt seit 1803 und wurde davor vom Frankfurter Karmeliterkloster betrieben. Den Riesling ziert ein historisches Etikett, das im Gegensatz zu den anderen Flaschenetiketten Gestaltungswillen zeigt. Er schmeckt frisch, reintönig und saftig und fällt weit weniger säureknackig wie beispielsweise ein Rheingauer Riesling aus. Er eignet sich wegen seiner geografischen Einzigartigkeit und seiner nicht wahrnehmbaren Säure besonders gut für Hiesige und Auswärtige, die Angst vor der Rieslingsäure haben. Es ist ein seriöser Spaßwein, den man gerne verschenkt, aber auch selbst im Hause hat, um Gäste zu überraschen.

Die Stadt Frankfurt hätte es gerne, dass der neue Pächter des städtischen Weinguts auch die Weinstube im Römer betreiben würde. Ein Winzer als Gastronom? Bislang war dies aus guten Gründen nicht so, wurden Weingut und Gastronomie in zwei verschiedene Hände gegeben. Auch Fabian Schmidt bestätigte auf unsere Nachfrage, dass er erst einmal mit dem Weingut alle Hände voll zu tun habe und nicht an eine Pacht für die Weinstube im Rathaus Römer denke.

Frankfurter Römerberg

Dennoch muss sich etwas ändern. Bislang wird die an Frankfurts prominentesten Platz liegende Weinstube im Römer chaotisch geführt, gleich drei Köche in Folge und ein Restaurantleiter haben seit der erst wenige Monate zurückliegenden Eröffnung das Handtuch geworfen. Das Lokal sollte aus Sicht der Stadt als Interimslösung betrieben werden, ob bis 2026 oder sogar 2027 blieb offen. Dabei zählt jeder Tag, die Stadt muss sich für das Lokal schnellstens etwas anderes überlegen und blamiert sich mit dieser Gastronomie gehörig.

Zumindest die Neuverpachtung der städtischen Weinguts scheint nun sicher zu sein. Man sollte sich jetzt vielleicht noch einige Flaschen vom aktuellen Jahrgang zulegen, weil es diese so nie wieder geben wird. Und weil man dann später vergleichen kann, welche Unterschiede es im Geschmack und bei der Qualität zwischen den alten und den neuen Weinen gibt.

Ludwig Fienhold

Fotos: Fienhold, Schmidt




Althoff Collection: Das neue Hotel The Florentin eröffnet im November in Frankfurt

Zimmer von 421 bis 13.175 Euro die Nacht

 

Wie die die einstige Villa Kennedy will auch

The Florentin mit der Innenhof-Terrasse glänzen

Aber das ist nichts Neues

 

Noch lässt sich nicht erkennen, wie das Hotel The Florentin, das zuvor als Villa Kennedy von Rocco Forte als Pächter geführt wurde, Gäste gewinnen will. Vor allem wird nicht deutlich, wie man die Fehler des Vorgängers vermeiden will und mit welchem kulinarischen Konzept man antreten möchte. Ab 1. November wird General Manager Boris Messmer die ersten Gäste begrüßen, die aber schon jetzt buchen können. Die Preise: Deluxe Zimmer (32-36 qm) ab 421 €, Junior Suite ab 757 €, Florentin Terrace Suite ab 1.275 €. Suite in der historischen Villa Speyer 1.998 – 4.845€. Royal Suite (322 qm) 13.175 €. Frühstück 45 €.

Boris Messmer, GM The Florentin

Nach den Worten von General Manager Boris Messmer versteht sich das Hotel als „Urban Retreat“ der Luxusklasse, als ein Rückzugsort mitten in der pulsierenden Mainmetropole. Der Name Florentin steht für die große Innenhof-Terrasse, das blühende Herzstück des architektonisch attraktiven Ensembles. Sieht man vom Frankfurter Hof ab, gibt es keine so großzügige und inspirierende Terrasse in einem Hotel Frankfurts. Diese Großstadt-Oase lässt den Blick flanieren und bietet ausreichend Atmosphäre, um sich als Treffpunkt etablieren zu können. Leider liegt sie im Gegensatz zum Frankfurter Hof nicht im Zentrum Frankfurts, sondern abseits städtischen Lebens. Hier läuft man nicht so einfach vorbei, nicht einmal der Bahnhof ist zu Fuß zu erreichen. Das Florentin, und damit muss es leben und dadurch muss es noch mehr Ideen als der Vorgänger entwickeln, befindet sich auf der Schnellstraße, die zum Flughafen von Frankfurt herausführt.

Was früher in der Villa Kennedy das italienisch geprägte Restaurant Gusto war, nennt sich nun The Garden. Es ist ganztägig geöffnet und bedient die Gäste vom Frühstück bis zum Dinner. Nach offiziellem Wortlaut wird „Destination Dining“ geboten. Das hört sich schwer nach internationaler Küche an, was kein Grund wäre, hierher zu kommen. Schon das Gusto konnte das Frankfurter Publikum nicht für sich gewinnen.

The Florentin Frankfurt

Man muss schon etwas mehr bieten als „Destination Dining“, was auch für irgendeine Airline stehen könnte. Was genau will die Küche mit welchem Konzept bieten, wie will man die große Innenhof-Terrasse bespielen, wer wird Küchenchef? Viele Fragen, aber keine Antworten auf unsere Nachfragen. Nur dies: Man will erst in einigen Wochen informieren.

Als Villa Speyer wurde das herrschaftliche Wohnhaus 1901 für die Bankiersfamilie von Speyer erbaut. In der Villa Speyer befinden sich die besonders reizvollen Suiten des Hotels. Mit seinen 147 Zimmern (98 Deluxe Zimmer und 49 Suiten) richtet sich The Florentin nach offiziellem Statement an anspruchsvolle Business- und Leisure-Reisende.

Die Villa Kennedy wurde 2006 als ein Rocco Forte Hotel eröffnet und war zumindest ein optischer Leckerbissen. Im März 2022 war Schluss. So schön das Hotel sein mag, die Lage ist keineswegs optimal. Man befindet sich viel zu weit ab von der Innenstadt. Außerdem gibt es keine Geschäfte ringsherum oder gar Flaniermeilen, das Museumsufer muss man sich stramm erlaufen. Auf dieses Manko muss Althoff eine Antwort finden.

Bei allen offenen Fragen und Bedenken: Frankfurt darf sich auf ein neues Luxushotel freuen, das auch die schläfrig gewordene Spitzenhotellerie aufwecken könnte.

Ludwig Fienhold  

 

Photocredit: Althoff




Frankfurt kommt unter die Räder: Brandbrief der Gastronomen

Wie eine fahrlässige Verkehrspolitik

der Stadt Schaden zufügt

 

Frankfurt kommt unter die Räder. Die Stadt wird ohne Sinn und Verstand völlig willkürlich mit Radwegen überzogen. Offenbar will man Paris in seiner drastischen Autofeindlichkeit noch überholen. Ganze Stadtteile werden durch rot markierte breite Fahrradwege irrwitzig umgestaltet, im Nordend und in Bockheim werden Autofahrer und Fußgänger immer mehr zu Randexistenzen. Der Oeder Weg wurde hässlicher und unsicherer, Radfahrer fahren noch rigoroser und schneller als je zuvor. Die Gutmenschen strampeln als Weltretter in einen moralischen Eskapismus.

Die Berliner Sraße ist ein Paradebeispiel der Abwegigkeit. Dort lässt man zugunsten der Radfahrer den Autofahrern mit nur noch einer Spur weit weniger Platz, was vor allem samstags zum Zusammenbruch des innerstädtischen Verkehrs führt. Dort und in den angrenzenden Straßen stecken die Autos ewig fest und werden zu einem übermäßigen CO2-Ausstoß genötigt. Vielleicht benutzen die Radfahrer ja deshalb auch lieber die Fußgängerwege statt sich in ihren neu markierten Freiflächen breit zu machen.

Größtmögliche Sinnlosigkeit zeigen die Pläne der Stadt für die Bockenheimer Landstraße, wo man trotz bereits bestehender Fahrradwege diese weiter verbreitern will bei gleichzeitiger Beschneidung der Fahrspuren für die Autos.

Frankfurt ist immer weniger zu erkennen und verliert sein Gesicht. Die Straßen, die durch Geschäfte, Restaurants, Cafés und andere gesellschaftliche Treffpunkte überhaupt erst zum Leben erweckt werden, haben an Qualität verloren und müssen sich mitsamt den Geschäften und Lokalen ihrer Existenz beraubt sehen. Die verantwortlichen Politiker agieren in maßloser Selbstrgerechtigkeit. In der Verkehrspolitik ist man geistig und politisch festgfahren. Ausgerechnet der Grünen-Politiker Wolfgang Siefert nennt sich wahrhaftig Mobilitätsdezernent, obwohl er für das Gegenteil sorgt. Er verfällt in ideoligische Starrheit und erweist sich als mental unbweglich. Durch seine Sessilität büßt Frankfurt seine Attraktivität ein und verliert an Glaubwürdigkeit.

Die Stadt Frankfurt muss sich wieder auf das besinnen, was wirklich wichtig ist und die Steuergelder nicht der Ideologie opfern, sondern gezielt zum Nutzen der Bewohner einsetzen. Das einst stolze Bahnhofsviertel ist zum Elendsquatier geworden. Der Drogensumpf breitet sich immer mehr aus, und mit ihm gewaltbereite aggressive Kriminielle. Sie haben auch längst zwischen Hauptwache und Konstablerwache von der Zeil Besitz ergriffen und nisten sich in öffentlichen Parkhäusern ein. Zur sozialen Verwahrlosung kommt eine brachiale Vermüllung der Stadt, die den erbärmlichen Zustand Frankfurts weiter verstärkt. Es herrscht allerorten Notstand, da bedarf es vieler Maßnahmen, aber ganz gewiss keiner sinnlosen Radwege.

Kommentar: Ludwig Fienhold

 

In einem Brandbrief, der sich unter anderem an Oberbürgermeister Mike Josef von der SPD und den Grünen-Politiker und Mobilitätsdezernenten Wolfgang Siefert wendet, beziehen Gastronomen Stellung und weisen schlüssig auf die weitreichenden Schäden hin, die durch eine geplante Verbreiterung der Radwege auf der Bockenheimer Landstraße entstehen. Hier das Schreiben im Wortlaut:   

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Josef,
sehr geehrte Damen und Herren des Verkehrsdezernats, des Mobilitätsdezernats, der Stadtverordnetenversammlung, der IHK Frankfurt und des DEHOGA Hessen,

die unterzeichnenden Gastronomen der Bockenheimer Landstraße wenden sich mit großer Sorge an Sie. Wie wir aus der Presse erfahren mussten, plant die Stadt Frankfurt, den bereits bestehenden Fahrradweg entlang der Bockenheimer Landstraße so zu verbreitern, dass die Straße durchgängig nur noch einspurig befahrbar wäre. Diese Maßnahme wurde ohne jede Rücksprache mit den betroffenen Anliegern beschlossen und hätte gravierende Konsequenzen für den Verkehrsfluss, die Erreichbarkeit unserer Betriebe und die Attraktivität des Standorts.

Dabei ist dieser Umbau vollkommen überflüssig. Schon heute existieren auf beiden Seiten der Bockenheimer Landstraße eigene Fahrradwege. Zusätzlich wurde der parallel verlaufende Kettenhofweg erst kürzlich zur Fahrradstraße umgebaut. Die Radinfrastruktur in diesem Bereich ist also bereits umfassend ausgebaut – eine weitere Verbreiterung auf Kosten des Autoverkehrs entbehrt deshalb jeder Notwendigkeit.

Die Bockenheimer Landstraße ist keine klassische Einkaufsstraße, sondern eine lebendige Gastronomie- und Ausgehmeile. Restaurants, Cafés und Bistros prägen das Straßenbild und ziehen Kunden aus der ganzen Region an. Eine künstliche Verengung der Straße führt unweigerlich zu endlosen Staus, erschwert den Lieferverkehr und macht es unseren Gästen schwer, uns mit dem Auto zu erreichen. Zudem wird die Aufenthaltsqualität massiv beeinträchtigt – insbesondere für diejenigen, die auf unseren Terrassen speisen wollen und künftig auf eine endlose, CO2-emittierende Blechlawine blicken müssen.

Besonders empörend ist, dass die betroffenen Gastronomiebetriebe im Vorfeld nicht nach ihrer Meinung gefragt wurden. Jetzt zeigt sich deutlich, dass die überwältigende Mehrheit der betroffenen Gastronomen klar gegen diesen teuren und kontraproduktiven Umbau ist. Es kann nicht sein, dass über die Zukunft eines der wichtigsten Gastronomiestandorte Frankfurts entschieden wird, ohne die Menschen einzubeziehen, die hier täglich arbeiten und investieren.

Doch dieser überflüssige Umbau geht nicht nur zulasten des Autoverkehrs und der Gastronomie – er wird auch mit Steuergeldern finanziert. In Zeiten knapper öffentlicher Mittel ist es unverantwortlich, Millionenbeträge in ein Projekt zu stecken, das keinerlei erkennbaren Nutzen bringt, aber nachweislich massive Nachteile für Anwohner, Gewerbetreibende, Behinderte und Besucher verursacht. Statt Steuergelder für eine fragwürdige Fahrbahnverengung zu verschwenden, sollten diese Mittel sinnvoller eingesetzt werden – beispielsweise für die Sanierung bestehender Straßen, mehr Sauberkeit, einen besseren öffentlichen Nahverkehr oder die Schaffung dringend benötigter Parkmöglichkeiten.

Unsere Gäste, Lieferanten und Mitarbeiter sind auf eine funktionierende Infrastruktur angewiesen. Die willkürliche Reduzierung der Fahrspuren und der Wegfall dringend benötigter Parkmöglichkeiten gefährden nicht nur die Erreichbarkeit unserer Betriebe, sondern stellen auch einen direkten Angriff auf die Gastronomie, die Wirtschaftskraft und die Lebensqualität in diesem Viertel dar. Unsere Restaurants und Cafés sind ein zentraler Bestandteil des Frankfurter Stadtlebens und ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Wir beschäftigen zahlreiche Mitarbeiter, zahlen erhebliche Gewerbesteuern und tragen maßgeblich zur Attraktivität der Stadt bei. Eine Einschränkung unserer Geschäftstätigkeit hätte daher nicht nur gravierende Folgen für unsere Unternehmen, den Arbeitsmarkt und die städtischen Finanzen, sondern würde auch das kulturelle Leben Frankfurts spürbar beeinträchtigen. Unsere Betriebe sind nicht nur Orte des Genusses, sondern auch soziale Treffpunkte, die das gesellschaftliche Miteinander und die kulturelle Vielfalt der Stadt prägen. Ihre Existenz zu gefährden, bedeutet, ein Stück urbaner Lebensqualität aufs Spiel zu setzen.

Die Stadt Frankfurt darf die Bedürfnisse der Anwohner, Geschäftsleute und Besucher nicht ignorieren. Statt den Verkehr durch eine durchgängige Fahrbahnverengung zum Erliegen zu bringen, braucht es Lösungen, die die Erreichbarkeit erhalten, den Verkehrsfluss gewährleisten und den Charakter der Bockenheimer Landstraße als gastronomischen Hotspot nicht gefährden.

Wir fordern die Stadt Frankfurt daher auf, von den geplanten Maßnahmen Abstand zu nehmen.

Mit freundlichen Grüßen

Gregor Bernd (Gregor’s – Boutique Vinothek)

Karsten Boy (Block House)

Igor Cakalic (The Black Bulls)

Myers del Alamo (Sunny Side Up)

Sedat Durmaz (Oceans)

Dimitrios Kalyvas (Café Laumer)

Anik Katyal (Palmenhof)

Gregor Meyer (Meyer Deli Coffee Kitchen)

Christian Mook (Mon Amie Maxi)

Luel Mulugeta (Elaine’s World)

Mickey Rosen & Alex Urseanu (Moriki)

Dennis Rimonti (Via Monte Napoleone)

Philip Ricken (Le Bistro 66)

Karlheinz Schneider (Schneider´s Café Snackbar)

Giuseppe Talarico (Brixia)

Caroline & Dirk Vater (Chinaski)




Casa Pintor: Tapas & Vino gefühlsecht

Ein seltenes Stück

Spanien in Frankfurt

 

Tapas e Vino, wo gibts das schon in Frankfurt? Wo findet man, was man so gerne als gute Erinnerung aus dem Spanien-Urlaub mit nach Hause nimmt und dort weiter erleben möchte? Die Casa Pintor liegt nicht am Meer, sondern recht bescheiden im Frankfurter Bornwiesenweg, unweit des Oeder Wegs. Aber es ist seit 28 Jahren ein kleines Stück Heimat für jene, die Spanien pur erleben möchten. Schlicht, aber keineswegs anspruchslos.

Das Lokal ist so schräg und gleichzeitig geradlinig geblieben, wie es immer war. Kein schicker Pudel, sondern ein unfrisierter Straßenköter. Aber einer mit Charakter. Nicht nur Singles, auch Pärchen nehmen gerne auf den Hockern am Tresen Platz. Der winzige Logenplatz neben dem Eingang, ein Stehtisch mit zwei Hockern, ist eng, und doch zwängen sich manche gerade hier hinein, weil man von dort das ganze Lokal im Blick hat. Die Tische mit den Bänken und ihren hohen Rückenlehnen werden von Vierergruppen bevorzugt. Diese Plätze gab es früher so nicht und sind der Corona-Politik nach Distanz geschuldet. Man hört das Gerede nebenan nicht mehr, aber man kann auch nicht mehr so einfach Tische übergreifend mit Sitznachbarn ins Gespräch kommen. Die Gäste gleichen den Kacheln an der Theke, einige sind gut in Schuss, bei anderen blättert der Lack, manche haben einen Sprung. Die Mischung ist erstaunlich, man hat es mit einem bunten Haufen an Individualisten zu tun. Rüstige und redselige Ältere und junge Pärchen, Singles mit einem letzten Glas zum Müde- oder Wachwerden, je nach Laune und Uhrzeit. So ist das bei einem Stadtteil-Treffpunkt, der Kneipe an der Ecke.

Jose Manuel Perez Fincias

Auf solche Tapas wie hier hat man immer Lust. Sie werden nicht schick inszeniert, aber ansprechend angerichtet und vor allem herzhaft gewürzt. Klassiker wie Gambas al Ajillo, Chorizo frito oder Albóndigas con Tomate sind jene Happen Heiterkeit mit denen man gerne seinem Wein zu einer netten Begleitung verhilft. Gut sind auch die Miesmuscheln in Weißweinsauce (oder picante) und die kalten Gambas mit Zwiebeln und Paprika. Den Tagesempfehlungen auf einer Schiefertafel kann man ebenso vertrauen, wie den Tapas in der Vitrine. Das schöne hausgebackene Sauerteigbrot eignet sich hervorragend zum Saucentunken. Die meisten Tapas sind noch bis Mitternacht zu haben.

Küche und Service kommen aus allen möglichen Ländern, vor allem Südamerika, Köchin Liliana ist schon ewig dabei. Patrón José, der aus Zamora in der Region Castilla y León stammt, hat in seinem Lokal als Koch, Kellner und Weinberater gearbeitet und ist so oder so der gute Geist des Hauses. Inzwischen auch der Weingeist.

Bei unseren ersten Besuchen war die Weinkarte von allen guten Geistern verlassen, das hat sich längst geändert. Es gibt 40 Flaschen, vier im offenen Ausschank, alle stehen sie unter dem Diktum „ordentlich und bezahlbar“. Ein einfaches Beispiel dafür ist der Verdejo aus der Region Rueda, so etwas wie der Hauswein (5,90 € das Glas, 0,2l). Wer einen richtig guten und doch preiswerten Wein trinken will, greift zum Acustic Blanc von der Bodega Acustic aus Katalonien. Ein zitrusfrischer, saftiger, cremiger und harmonischer Wein aus verschiedenen interessanten Rebsorten (Flasche 31 €). José will alsbald auch wieder sein erstklassiges eigenes Olivenöl anbieten. Es sind solche persönlichen und selten gewordenen Adressen, die Frankfurt liebenswert machen. Sie sollten unter Artenschutz stehen.

Ludwig Fienhold

Fotos: Barbara Fienhold

 

Casa Pintor, Frankfurt, Bornwiesenweg 75, Tel. 069 597 37 23. Geöffnet 18 – 1 Uhr, Sonntag + Montag zu.

www.casapintor.de




Das neue Hotel Maison Heler von Philippe Starck: Ein poetisches Kunstwerk zum Wohnen

Ein starkes Stück des

Star-Architekten

Philippe Starck

in der französischen

Stadt Metz

 

Es soll ein poetisches und surrealistisches Kunstwerk zum Wohnen sein. So beschreibt der weltbekannte Architekt und Designer Philippe Starck das von ihm gestaltete und neu eröffnete Hotel Maison Heler im Amphitheaterviertel der französischen Stadt Metz.

Restaurant

Zum ersten Mal in Europa konzipierte Phillipe Starck das gesamte Projekt von Grund auf neu. Das monolithische neunstöckige Gebäude, ein Wahrzeichen der Stadt Metz, bietet einen atemberaubenden Blick auf die umliegenden Herrenhäuser aus dem 19. Jahrhundert. Für das Hausrestaurant „La Maison de Manfred“ hat die Künstlerin und Tochter von Philippe, Ara Starck,19 Buntglasfenster geschaffen, darunter ein monumentales, das in kathedralenartigem Farbglanz den Hauptsaal des Restaurants geradezu illuminiert. Das Restaurant befindet sich auf dem obersten Stockwerk des Maison Heler.

Philippe Starck

Das Haus bietet 104 Zimmer und Suiten sowie zwei Restaurants und Bars. Die Zimmerpreise beginnen bei 170 € pro Nacht. Die Immobilie ist im Besitz eines Investorenpools und wird vom französischen Unternehmen Sohoma (Solent Hospitality Management) verwaltet.

Nach den Worten von Jenny Pham, der Direktorin des Maison Heler, positioniert sich das Hotel touristisch als Anziehungspunkt für die Stadt  und die Region Grand Est, im Einklang mit seinem dynamischen Viertel und der benachbarten Kulturinstitution, dem Centre Pompidou Metz. Das Maison Heler erweitere Metz um zusätzliche Kapazitäten der Spitzenklasse und eigne sich auch für Großveranstaltungen und Kongresse.

Metz liegt am Zusammenfluss von Mosel und Seille, 85 Minuten mit dem TGV von Paris und eine Stunde von Luxemburg und Deutschland entfernt. Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Metz zählen das Centre Pompidou Metz, ein Museum für moderne und zeitgenössische Kunst, die Kathedrale Saint-Étienne, das Museum Cour d’Or – Metz Eurométropole, das Erbe des Mittelalters und der Renaissance, die Plätze aus dem 18. Jahrhundert (das Opéra-Théâtre ist das älteste noch aktive Theater Frankreichs), die Befestigungsanlagen (die Porte des Allemands ist eine kleine Festung) und der Bahnhof Metz, der dreimal in Folge zum „schönsten Bahnhof Frankreichs“ gewählt wurde.

 

Die Curio Collection by Hilton ist ein globales Portfolio von180 individuell gestalteten Hotels, die gezielt ausgewählt wurden, um Gästen einzigartige Momente an den begehrtesten Reisezielen der Welt zu bieten. Jedes Hotel der Collection erzählt eine einzigartige Geschichte durch unverwechselbare Architektur und ungewöhnliches Design.

Photocredit: Hilton




Bohème-Charme mit gutem Wein: Dribbde Markt in Frankfurt

Positives Paradestück für ganz Sachsenhausen

 

Die Frankfurter Partyzone Sachsenhausen ist nicht nur Suffmeile für den schnellen alkoholischen Kopfschuss. Es gibt auch eine Oase im Viertel, die zu einem chilligen Treffpunkt für Weinfreunde wurde. Im Hof vom Dribbde Markt (zuvor Markt im Hof) gibt es Entdeckungen zu machen, auch für Anspruchsvolle.

Auf den flüchtigen Blick findet man eine erstaunliche Vielfalt an Apfelwein, Wein, Cremant, Prosecco oder Champagner. Bei genauer Betrachtung wird daraus ein Sortiment, das Qualität und Individualität bietet. Es dürfte wohl in ganz Sachsenhausen keinen so guten und wunderbar trockenen Prosecco geben wie den vom Weingut Case Paolin aus der Region Asolo. Dieser schöne Schäumer ist so trocken, genauer brut, dass ihn auch alle mögen werden, die sonst einen Bogen um blumige Vertreter dieser Spezies machen. Wenn man dann noch einen erstklassigen und dennoch preiswerten Wein wie den Soarda vom biodynmanisch arbeitenden Weingut Contra Soarda entdeckt, schließt man sofort Freundschaft mit dieser so anderen Adresse für Weinliebhaber. Der reinsortige saftige und gut strukturierte Wein aus der autochthonen Rebsorte Vespaiolo wächst auf vulkanischen Böden in Bassano del Grappa in Venezien. Zitrusfrische paart  sich mit einem Hauch von Orangenzeste und Grapefruit und wird von einer anregenden Salzspur durchzogen, die ungemein Lust nach mehr macht.

Ausgesuchte Champagner und Schaumweine, die man sonst nicht findet, Nischenwinzer und Newcomer prägen das Sortiment. Und dass es dann auch noch die famosen Apfelschaumweine und Apfelweine von Stier gibt, sollte gerade jene interessieren, die Sachsenhausen für ein nur im betrunkenen Zustand zu ertragenes Pflaster halten. Insgesamt stehen über 120 verschiedene Flaschen parat, Frankreich, Italien, Spanien und Deutschland stehen im Vordergrund. Es existiert eine Karte mit offenen Angeboten, man kann aber auch jede Flasche aus dem Ladensortiment für ein Korkgeld von 15 € bekommen. Man sitzt auf kleinen Bänken im Hof oder im Marktladen selbst, der Geschäft und Vinothek in einem ist, wo man zwischen den Weinregalen plaudern und trinken kann.

Im Hof gastieren wechselnde Stände mit Tapas, Streetfood oder Imbiss jeglicher Art. Veronica von Manduca Food Truck & Catering brachte kürzlich häppchenweise spanische Tapas mit, würzige Chorizo, Manchegokäse und richtig gute Chimichurri-Sauce. Kay Exenberger, der ehemalige Tausendsassa-Gastronom, ist auch Experte für Flipper und Spielautomaten. Diesen Geräten ist ein eigener Raum gewidmet, die man bespielen oder auch kaufen kann. Es finden auf dem Hof auch Flohmärkte, Kunst Workshops, Wein Tastings und anderes mehr statt (am besten aktuell auf der Webseite nachschauen).

Christiane Kern + Thomas Kastner

Betrieben wird der Dribbde Markt sehr engagiert von Thomas Kastner und Christiane Kern, die mit dem Naschmarkt am Dom eines der schönsten und besten Cafés mit ausgesuchten Leckereien betreibt. In der Wallstraße ist die Kneipendichte enorm, man kann von einem Lokal ins nächste fallen, wobei der Apfelwein keineswegs die Hauptrolle spielt. Der alte Platzhirsch Lobster hällt immer noch die Stellung, bei Whisky Spirits gab es eine Whiskymesse bei der auffällig viele Frauen ordentlich zum Zug kamen. So etwas wie den Dribbde-Markt hat es bislang aber nicht gegeben, er ist für die Szene eine große Bereicherung. Es sind genau solche Adressen, die das ramponierte Image von Sachsenhausen deutlich verbessern.

Ludwig Fienhold

Fotos: Barbara Fienhold

Hof-Laden Dribbde Markt, Frankfurt, Wallstr. 11

Geöffnet Do + Fr 16.30 – 20.30 Uhr, Sa 12 – 20 Uhr.

Tel. 01512 3595355

www.dribbdemarkt.de

 




JW Marriott Frankfurt: Eröffnungsfeier im neuen Restaurant Greta Oto

Farbenfrohes Flair und

südamerikanische Küche

sollen Gäste locken.

 

 

Für einen Abend wurde das neue JW Marriott zur Hüpfburg. Mit viel Wirbel und Samba-Rhythmen verwandelte sich das Hotel in einen Tanzsaal. Gefeiert wurde die Eröffnung des neuen Restaurants Greta Oto. Allein die frohe Farben des Interieurs hätten zwar für ausreichend gute Laune gereicht, aber offenbar wollte man seine Freude besonders laut kundtun.

Das neue Restaurant will sich optisch und kulinarisch südamerikanisch präsentieren. Die Partyhäppchen gingen im Getöse unter und waren weniger spicy als die Tänzerinnen. Den besten Eindruck vemittelte der einsatzfreudige Service, vor allem das Bar-Team von André.

Die Lobby-Bar, die zuvor beim Jumeirah Hotel ein kümmerlicher Appendix war, zeigt sich nun durch mehr Größe und eine neue schwungvolle Treppe deutlich attraktiver. Die Treppe ist nicht allein eine optische Bereicherung, sondern verbindet das Hotelentree mit dem Restaurant, das zuvor nur über den Lift zu erreichen war. Wenn jetzt noch die kleine Terrasse erweitert und nicht nur als Raucherecke genutzt würde, könnte das Hotel noch mehr gewinnen. Offiziliell soll eine Art Wintergarten entstehen, wovon noch nichts zu sehen ist. Man sollte sich beeilen, die Terrassen-Saison hat begonnen. Es gibt kaum jemand in der Stadt, der nicht draußen sitzen möchte. Man müsste sich bei der Hotelleitung auch verstärkt ein Bild von der Stadt und seinen Hotels machen, von denen es kaum eines geschafft hat, sich durch die Gastronomie bei den Frankfurtern beliebt zu machen.

Ludwig Fienhold

Fotos: Barbara Fienhold

 

Siehe auch Biss-Artikel

Anne Drescher ist neue Hoteldirektorin des JW Marriott in Frankfurt

Restaurantleiter Javier Villacampa