Aniello Casalino: Neuer Küchenchef im Sternerestaurant Favorite

Von der Traube Tonbach

ins Mainzer Parkhotel

 

Das Gourmetrestaurant des Favorite Parkhotels in Mainz startet nach der Sommerpause mit Aniello Casalino als neuem Küchenchef. Der 31 Jahre alte Koch wird am 27. August zum ersten Mal seine Kreationen servieren. Er kommt aus der Kaderschmiede der Traube Tonbach und war dort im 1-Sterne-Restaurant 1789 als Sous-Chef tätig. Der bisherige Favorite-Küchenchef Tobias Schmitt zieht sich aus familiären Gründen zunächst einmal zurück.

Der Kontakt zur Mainzer Hoteliersfamilie Barth kam vor einigen Jahren zustande, Junior-Chefin Julia Barth war damals im fabelhaften Restaurant La Pergola von Heinz Beck in Rom zu Gast und ist dort erstmals auf Aniello Casalino aufmerksam geworden. Als der bisherige Favorite-Küchenchef Tobias Schmitt angekündigt habe, wegen der Geburt seines zweiten Kindes beruflich kürzer treten und sich aus der Chefposition der Favorite-Gourmetküche zurückziehen zu wollen, hat sich Julia Barth an den sehr talentierten jungen Koch aus Rom erinnert.

„Ich liebe die italienische, mediterrane Küche mit klassischen französischen Einflüssen“, sagt Aniello Casalino. Aus der Traube Tonbach, wo er zuletzt als Sous-Chef im Sterne-Restaurant 1789 sowie dem schwäbischen Lokal Schatzhauser tätig war, bringt er vielfältige Inspirationen mit. Dass seine Gäste sich dabei auf regionale, saisonale und authentisch präsentierte Produkte freuen dürfen, sei für ihn selbstverständlich, meint er.

Nach seiner Ausbildung in der Italian Chef Academy in Rom kochte Casalino in der italienischen Metropole im 3-Sterne-Restaurant La Pergola unter Heinz Beck und im Gourmetrestaurant La Posta Vecchia in Ladispoli. Nach einer Zwischenstation in seiner Heimat Ludwigsburg, unter anderem im Schlosshotel Monrepos, das von Familie Finkbeiner geführt wird, kam er in die Traube Tonbach.




Con Te Partirò – Time To Say Goodbye

350 farbenfrohe Trauergäste

beim Begräbnis

von Salvatore Rimonti

 

Salvatore mochte keine Tristesse, er wünschte sich farbenfrohe Trauergäste und keine in Schwarz. Es war in jeder Hinsicht eine eher bunte Schar von 350 Menschen, die am Frankfurter Südfriedhof zusammenkam und die kleine Kapelle so füllte, dass keine Kirchenmaus mehr Platz hätte finden können, weshalb viele vor der Tür standen und lauschten.

Alle hörten wehmütige Musik, Pavarottis mächtiges „Caruso“ und Leonard Cohens ergreifendes „Dance me to the End of Love“, die beide die Schönheit der Melancholie melodisch feiern. Ein guter Freund von Salvatore, Elvis genannt, sprach sehr persönlich und so bewegend, dass er mit tränenerstickter Stimme immer wieder innehalten musste. Es schien, so sprach er über Salvatore, als wolle er nie schlafen, „er wollte Leben, Leben, Leben“. Sie beide, meinte er, seien wohl wie Peter Pan, der nie erwachsen werden wollte. Was „Elvis“ erzählte, war so viel individueller und berührender als alles, was ein Geistlicher berichten konnte. Zu den Klängen von Andrea Bocellis Con Te Partirò gelangte der Sarg ins Freie.

Ehefrau Susanna und Sohn Dennis

Die Trauergäste waren eingeladen, in Salvatores Bistro an der „Schönen Aussicht“ bei Pizza und Prosecco zu feiern. Es flossen mehr Schaumweine als Tränen, fast jeder hatte eine Anekdote zu erzählen. Man hörte viele kleine Geschichten, die einen durchaus vielschichtigen Salvatore zeigten und nicht nur den Strahlemann, der mehr war als ein Promi-Gastronom. Der Schalk war dennoch sein bester Verbündeter, er liebte es die Gäste auf den Arm zu nehmen. Wir saßen am Nachbartisch, als er Amerikanern, die das Schopenhauer-Haus gleich nebenan fotografierten, ganz trocken erzählte, dass der 1860 in Frankfurt verstorbene große Philosoph Arthur Schopenhauer bei ihm Pizza gegessen hätte. Salvatore war an diesem Tag so gegenwärtig wie immer, sein Lachen hallt weiter.

Ludwig Fienhold

Das Bistro Salvatore wird am 15. August wieder eröffnen. Mit dem alten Team und einem neuen Geschäftsführer. Vorerst soll alles so laufen wie gewohnt, nur eben ohne einen Salva, der stets zeitig und mit Akkuratesse damit beschäftigt war die Tische einzudecken.

Fotos: Barbara Fienhold




Cool bleiben: Das sind die besten Eismacher

Frankfurt: Neueröffnungen, Schließungen, Preiskampf

 

Die Frankfurter Eis-Szene ist heftig in Bewegung, aber nicht allein wegen der gestiegenen Preise. Eiskalt erwischt hat es Mio Dio in der Eckenheimer Landstraße, das früher Eis Christina war und jetzt zum Lolli Eis Café wurde. Bereits kurz nach dem Start von Mio Dio gab es Krach zwischen den Besitzern und Eismacher Stefano Motta. Adriano, der Eisheilige, hielt noch eine Weile die Stellung, musste dann aber auch wegen der Schließung gehen. Er führte immerhin im seligen Pavone gegenüber der EZB und danach im ebenfalls geschlossenen Firenze am Walther-von-Cronberg-Platz in Sachsenhausen die besten Eissalons der Stadt. Dort hat jetzt auch ein neues Eis-Café namens Tati Gelato eröffnet. Inzwischen macht auch das neue Eis Christina im Oeder Weg von sich reden, das vom Mitglied der einstigen Betreiberfamilie, Andreas Spadatto betrieben wird. Er bekam gleich Ärger, aber nicht wegen der Preise, sondern weil sich die Nachbarn über Lärm beschwerten, den die Gäste verursachen sollen.

 

Unsere Spitzen des Eisbergs

 

1. Dolce Vita, Oberrad

Eis Grüne Soße im Dolce Vita

Neben gut gemachten Klassikern gibt es immer wieder neue Kreationen und Überraschungen. Profumo di Sardegna ist ein feinaromatisches Eis, das durch Myrte einen ungewöhnlichen und aparten Geschmack erhält – derzeit unser absoluter Favorit und das „Eis des Jahres“. Der große Klassiker im Dolce Vita ist das Grüne Soße Eis. Es wird aus den Kräutern der Frankfurter Grünen Soße gemacht, die natürlich aus Oberrad von der Gärtnerei Schecker kommen, und schmeckt unglaublich authentisch kräuterig – eigentlich fast besser als jede Grüne Soße. Diese Spezialität vom Eiscafé Dolce Vita wurde von anderen oft kopiert und nie erreicht. Es gibt im Dolce Vita viele gute Sorten, etwa Torrone/Weißer Nougat, Joghurt, Holunder, Kokos, Käsekuchen/Mango. Die hausgemachten Kuchen und Torten sind aber ebenfalls köstlich, vor allem Himbeer-Mascarpone, Käsesahne und ein Tiramisu, das so gut wie früher schmeckt, als Italienisches in Deutschland noch etwas ganz Besonderes war. Die Eisportionen kosten aktuell 1.90 – 2.20 € und fallen eher großzügig aus, also kein Grund zu jammern.

 

 

2. Fontanella, Kaiserstraße

So zuverlässig gut ist kein Eiscafé in der Stadt – und das seit 1957. Klassische Sorten und neue Kreationen sind durchweg top: Nussiges Opera, feines Panna Cotta, allerbestes Pistazie, schmelziges Cheesecake mit Karamell-Salz-Butter, aromatische Walnuss, feines Giotto, perfektes Kokos, sommerfrisches Yoghurt, elegant fruchtige weiße Schokolade mit Himbeer. Das wunderbare Eis Tiroler Strudel besteht aus 18 verschiedenen Zutaten, darunter Apfel, Zimt, Kokos sowie in Malagawein getränkte Rosinen. Die traditionellen Sorten wie Vanille, Haselnuss, Malaga und vor allem Amarena sind immer eine große Empfehlung. Wenn man fast das ganze Sortiment kennt, ist Fontanella die Nr. 1 in Frankfurt, wenigstens auf gleichem Level wie Dolce Vita. Die Portion Eis kostet 2 € und fällt keineswegs zu klein und eher groß aus.

3. Michielin, Eschersheimer Landstraße

Wir sind auch in diesem Jahr wieder begeistert. Seit über 24 Jahren allerbeste italienische Eis-Tradition. Old School trifft aber auch auf neue Ideen, die ebenfalls handwerklich hervorragend umgesetzt werden. Lavendel ist ein schwieriges Geschmackserlebnis und kann bei falscher Handhabung leicht penetrant wirken. Doch bei Michielin gelingt dies großartig, harmonisch und feinfühlig. Erstklassig auch die Melange aus Joghurt, Pfirsich und Orange. Eine der besten Eissorten der Stadt. Weitere Probiertips: Joghurt/Amarena-Crunch, Joghurt pur, Ricotta mit gesalzenem Karamell. Alles hat Klasse. Bei zwei Kugeln gibt es eine große leckere Waffel, die das Eis gut hält und nicht kleckern lässt. Super Idee und einmalig in der Stadt. 1,80 € die Kugel. Sehr netter Service. Könnte auch die Nr. 1 in Frankfurt werden.

4. Marie feines Eis, Bornheim

Ungewöhnlich, anders, sympathisch. Dieser kleine Salon gehört zu den beliebtesten in der Stadt, was auch am positiven Auftritt und dem netten Personal liegt, merkwürdiger Weise in der Eisbranche eine Seltenheit. Wir haben dort erlebt, wie man eine Gurke so bearbeiten kann, dass daraus ein famoses Eis wird. Überraschend gut auch das Grüne Soße Eis, was wirklich selten gelingt. Christina Sell und Markus Becker haben sich längst zwischen italienischem Eis, Konditoren-Eis und amerikanisch orientierter Power klug positionieren können. Wir mögen Tonka-Eis, Mandarine Schmand, Basilikum Sahne, Quark Orange Holunder.

5. Dolce, Freßgass

Eine der wenigen Adressen, die den Namen „Freßgass“ noch ehrlich wirken lassen. Geschmacklich top, Konsistenz und Temperatur perfekt. Besonders gut: Raffaelo, Karamell, Amarena, Pistazie, Haselnuss, Cookies. Eis mit Goldauflage für 10 € hat dieser kleine Eissalon nicht nötig. Auf der Freßgass sind zwar viele Wichtigtuer unterwegs, aber nicht nur Idioten. Portion 2 – 2, 50 €.

Eiscafe Dolce Freßgass

Vom Eis Christina am Oeder Weg waren wir enttäuscht, wobei das auch schon früher im Café in der Eckenheimer Landstraße der Fall war. Das Eis im neuen Café schmeckte dünn und fad, die Konsistenz war nicht geschmeidig, die Aromen nicht harmonisch.

Das Tati Gelato belebt endlich wieder der völlig verwaisten Walther-von-Cronberg-Platz. Ein Eiscafé wie das am gleichen Ort stehende Firenze wird es auf diesem hohen Niveau kaum mehr geben, weshalb man erst gar keine Vergleiche ziehen sollte. Der Eismann an der Theke ist engagiert und offenbar in das eigene Eis verliebt. Es ist nicht zu süß, an der Geschmeidigkeit und den Aromen darf noch gearbeitet werden, Joghurt gelingt bereits gut. Die Betreiber kommen aus der Türkei.

 

 

Antipodean, Bornheim

Rachel, die Eiskönigin

Außerhalb der italienischen Eis-Cafes, bleibt das Antipodean die Nummer 1 in Frankfurt. Hier geht es funky und fancy zu, aber auf seriöser und handwerklich solider Basis. Originelle Kreationen sind eher der Standard als Klassiker. Es sind keine Italiener am Werk, die Chefin Rachel Dodoo-Mehl stamm aus Australien. Coconut-Mango ist göttlich, Eis aus Schafskäse-Ricotta mit einer Infusion aus Zitronenschale und Zimt und Saltet Coconut sowie Bratapfel muss man probiert haben. Es wird hier noch gespachtelt, was nicht nur italienische Tradition ist, sondern sich auch positiv auf Konsistenz, Geschmack und Optik auswirkt. Klasse sind obendrein die Sorbets  à la Blutorange und Red Dragon/Spicy Rasberry mit schöner Chilischärfe. Es gibt das ganze Jahr über Specials, das crunchig-nussige Eis-Sandwich ist ein Paradebeispiel dafür. Alles wird selbstgemacht, auch die Waffeln.

 

Leider wird mehr über die Preise geredet als über die Qualität. Wenn die Qualität stimmt, zahlt man auch gerne etwas mehr. Dennoch stimmt die Preispolitik der meisten Eismacher nicht. Natürlich sind die Energiekosten gestiegen und selbstverständlich auch die Rohkosten. Gute Pistazien muss man sich leisten wollen. Wenn man dann aber sieht, dass beim Pistazien-Eis keine Pistazien verwendet wurden, sie aber schön grün aussehen, ist dies reine Gaukelei. Das gleiche gilt für das gedachte Prädikat „hausgemacht“. Viel zu oft werden die Eissorten aus fertigen Mischungen zusammengerührt und basieren nicht aus frischen Zutaten. Es ist auch ein Unterschied, ob gekugelt oder gespachtelt wird. Im Firenze wurde nach alter Väter Sitte gespachtelt, jetzt machen das nur ganz wenige in Frankfurt.

Bei Preisen, die sich zwischen 2 und 3,50 € bewegen, fallen die Portionen recht unterschiedlich aus. Nur eine Kugel gibt es nicht mehr, wer 2,50 € verlangt, portioniert so gut wie immer größer, meist im Bereich von zwei Kugeln, mitunter aber auch mehr. Wie auch immer, die Größen fallen so aus, dass man nur noch eine Portion/Sorte bestellt – wegen des Preises, noch mehr aber, weil man nicht mehr essen möchte. Darunter leidet die Vielfalt. Früher konnte man spielend drei Kugeln schaffen und hatte drei verschiedene Geschmackserlebnisse. Vor allem das ist der gravierende und kundenfeindliche Fehler an der neuen Preispolitik der Eismacher.

Ludwig Fienhold




Adios: Die großartige Bodega Azul Perdido auf der Vulkan-Insel La Palma ist abgebrannt

Trinkfreude mit Tiefgang

 

Es ist und bleibt unser „Weingut des Jahres“

 

Von Ludwig Fienhold

 

Azul Perdido auf der Vulkaninsel La Palma ist unser „Weingut des Jahres“, was wir gerade mit Begeisterung verkünden wollten. Jetzt zerstörte ein Feuer das Anwesen. Nicht etwa durch einen Vulkanausbruch, sondern durch Bauarbeiten an einem Nachbargrundstück. Rüdiger Ewerth sieht sein Lebenswerk zerstört und hat auch nicht mehr die Kraft neu anzufangen, ein Nachfolger ist nicht in Sicht. Jetzt sind die allerletzten Flaschen im Umlauf, aber eins ist sicher: Diese wunderbaren Weine wird es nie wieder geben. Bei uns fließen Tränen in den Wein, wir hegen gegenüber diesem Weingut und den Menschen, die dahinterstehen, allergrößte Zuneigung.

Azul Perdido, das Weingut mit dem poetischen Namen „Verlorenes Blau“, wurde von dem Hamburger Rüdiger Ewerth und seiner Frau Diana über 25 Jahre lang betrieben. Schweißarbeiten am Nachbargrundstück hatten fatale Folgen und entfachten einen Brand, bei dem das Lager des Weinguts mit Maschinen, Fahrzeugen, Flaschen und anderem Material zerstört wurde. Hinzu kamen Streitigkeiten mit der Versicherung des Nachbarn, Fachkräftemangel und kräftezehrende Bürokratie. Das alles frisst die Energie auf und nagt an der Seele. Zuviel für einen auch noch so tapferen Winzer, der keine Mühe scheute in mühsamer Arbeit guten Wein aus Vulkanlöchern zu gewinnen. Für uns war Azul Perdido das beste Garagenweingut der Welt. Und kann auch mit vielen Großen sehr gut mithalten. Für alle Weine von Azul Perdido gilt: Trinkfreude mit Tiefgang.

Als Rüdiger Ewerth auf La Palama den ersten Wein erzeugte, gab es noch keine bekannten Weingüter auf den Kanaren. „Aber die erforderlichen Genehmigungen zur Abfüllung wurden mir damals verwehrt, erinnert sich Ewerth, „ich hatte einen zu guten Listan Blanco in deutschen Schlegelflaschen abgefüllt – ein Skandal!“ Nach einigen Experimenten und vielen Erfahrungen wurde Azul Perdido schließlich offiziell 2017 gegründet.

Der Name „Azul Perdido“ – das verlorene Blau, kommt von der Lage auf der Insel, es befindet sich auf der grünen Ostseite, wo sich oft die Wolken am Nachmittag aufschieben und den blauen Himmel verdecken. „Wir mögen das, auch mit den Passatwinden, die die kühle salzige Luft nachts durch die Bodega ziehen lassen und einen Einfluss auf unsere Weine haben, wie im Süden Spaniens im Sherry Gebiet. Besonders beim Listan Blanco, dem Ur-Palomino, und dem Maresia del Atlantico“, erzählte uns Rüdiger Ewerth bei unserem letzten Gespräch.

 

Diese Weine bleiben unvergessen

Der Rosé La Negra Tomaso (Bild ganz oben) erzählt die Geschichte der Indianos und des Carnevals und ist einer der besten und aufregendsten Weine dieser Spezies. Fleischig, saftig, würzig, mit zarter Karamellnote, einem Hauch Himbeere, einer Prise Walderdbeere und der mystischen Witterung von Vulkanrauch.  Grapefruit, Orangenzeste, Quitte, Kräuter sowie eine Minimaldosis Chinarinde bringen eine Aromatik von Botanical Drinks ein. Ein faszinierender Stoff, eigenständig, individuell und gloriously unstoppable.

Maresia del Atlantico

Dieser schlanke und feingliedrige Listán Blanco kommt aus der bekannten 300 Meter hohen Lage Las Machuqueras am Fuß des San Antonio Vulkans, begraben von einer meterdicken, schwarzen Ascheschicht. Er besitzt eine Finesse und innere Ruhe und Strahlkraft, wie sie nicht viele Weine auf dieser Welt haben. Es gibt keinen unruhigen Aromenzoff, alles an Natur der Insel scheint zusammenzufließen, fein und seidig. Düfte von Zitronenzeste beleben die Sinne, eine schöne Salzigkeit lässt die Meeresbrise spüren. Ein flirrender Stoff, der begeistert. Authentisch, La Palma at its best. Einer der besten und feinsinnigen Weißweine, die wir in den letzten Jahren weltweit getrunken haben.

 

Alma de Tacande

Unglaubliche und so kaum zu erlebende Cuvée aus Listan Negro, Negramoll, Tintilla, Baboso Negro, Viejariego Negro. Eine volle Supernase feinster Aromen, schwarzbeerig, elegant und fein wie ein Pinot Noir. Beschwingt und duftig, zart cremig, geschmeidig, ungemein saftig und vielschichtig.Vom ersten bis letzten Schluck einfach schön und charaktervoll. Wie ein sehr guter Burgunder, aber mit ganz eigenem La Palma Feeling. Toll gereift, der Jahrgang 2018 ist jetzt auf dem Punkt.

Flor de Tacande

Wieder so ein kleines Wunderwerk. Aus ungewöhnlichen und autochthonen Rebsorten, Listan Negro, Negramoll, Baboso Negro, Viejariego Negro. Wenn dieser Wein nicht so eigenwillig wäre, könnte man ihn vielleicht als französischen Pinot Noir verstehen. Er kommt auch sanftmütig und durchaus fein daher, doch dann brodelt der Vulkan in ihm und gibt Asche, Teer und Gewürzfeuer frei. Nein, das ist auch kein Barolo, wenn er auch Gemeinsamkeiten mit ihm hat, das ist ein ungestümer Wilder mit freundlicher Ausstrahlung. Saftige Kirsche, Schlehe, Wurzelwerk, Erde, Pilze, mit süßem Kern mit reifer Kirsche. Ein Wein wie er vielleicht nur auf La Palma entstehen kann, zumindest wenn Könner am Werk sind. Seinen ganzen Charakter entfaltet er nach 20 Minuten. So viel Zeit muss sein.

Es gab noch mehr Weine, dies ist nur eine Auswahl, stellvertretend für die große Qualität. Die Weine von Azul Perdido waren schon immer stark limitiert, meist gab es nur wenige hundert Flaschen. Wir möchten nicht aufhören unsere Begeisterung in die Welt zu rufen, aber wir haben nur noch ganz wenig im Glas. Tieftraurig und doch glücklich, dass es ein solches Weingut überhaupt gab, schließen wir.

Rüdiger und Diana Ewerth

Vielleicht gibt es noch ein paar Flaschen beim Alleinimporteur „Wein am Limit“ von Hendrik Thoma, mit etwas Glück findet man auch noch die eine oder andere Flasche auf den Kanaren. 




Röststoff: Wo der Kaffee die Bohne wert ist

Cappuccino: Der große Tassen-Test

 

 

Die besten Adressen

in Frankfurt

 

Von Ludwig Fienhold

& Biss Team

Fotos: Barbara Fienhold

 

Der Cappuccino hat vielerorts die 4-Euro-Grenze erreicht und überschreitet sie auch immer öfter. Die Cafés werden deswegen aber nicht weniger gut besucht, allein in der Frankfurter Altstadt gibt es ein Dutzend Cafés, die mehr Gäste als Platz haben. Kaffeetrinken ist verglichen mit anderen Lokalbesuchen für die meisten offenbar noch ein preiswertes Vergnügen, zumal es einen gewissen Grad an Kultiviertheit verspricht. Umfragen haben sogar ergeben, dass den Deutschen Kaffee gegen schlechte Stimmung hilft und nach eigenem Empfinen zur Steigerung des Wohlbefindens noch weit mehr beiträgt als Süßigkeiten oder Alkohol.

Geschmacklich ganz oben auf der Beliebtheitsskala in Frankfurt steht das Café von Hoppenworth & Ploch in der sogenannten neuen Altstadt, was sich seit der Eröffnung der dazugehörigen Altstadtbäckerei nebenan verstärkt hat, zumal es dort ein großartiges Hausbrot und tolles Gebäck gibt. Dass Avantgarde-Cafés wie Hoppenworth & Ploch und die nahegelegenen Lokale Holy Cross und Drei Kaffeebar in der Fahrgasse geradezu magnetisch wirken, hat viele Gründe. Vor allem aber beweisen diese Vertreter der neuen Kaffeekultur durch eine durchgängig hohe Qualität und stets wechselnde Ausschank-Kaffees mit Bohnen aus aller Welt Charakter. Wo sonst bekommt man einen peruanischen „ Cafe del Futuro“, der vor dem Rösten in Whisky-Fässern reifte, nach Rum, Vanille und Kirschlikör schmeckt und nicht etwa in den bekannten Kaffee-Metropolen, sondern in Warschau unter dem Brand Hayb geröstet wird?

Das Café mit dem Namen The Holy Cross Brewing Society, der fast so lang ist wie eine Kaffeepause, spürt immer wieder solche großartigen Spezialitäten auf, die außer der standhaften Hausmarke im Angebot wechseln und die Spannung nach Neuem erhöhen. Neben Cafés der neuen Generation wachsen aber auch die eher traditionllen nach, wie das italienisch geprägte Café Monza, das jetzt nach Sachsenhausen und Freßgass am Römerberg seine dritte Filiale eröffnete. Der Espresso kommt von verschiedenen italienischen Röstereien und ergibt einen guten Cappuccino, die Pasticcini machen immer Lust und die Torta della Nonna mit Vanille- und Zitronencreme ist fabelhaft. Wenn sich das Café auch als Bar durchsetzen möchte, sollte es die Weinkarte aus dem Herkömmlichen herausholen. Der Service gerät auch bei vollem Haus nicht aus dem Tritt, die Tische stehen recht inkommod eng beieinander.

Ein Newcomer, dem man anfangs vielleicht nicht so viel zutraute, ist erwachsener als sein Name Lolli (Bild ganz oben) vermuten lässt. Das Café, dessen Eis inzwischen sehr gut ausfällt und viele Süßigkeiten wie den unwiderstehlichen Pistaziencreme-Berliner offeriert, wird weder von Italienern noch deutschen Kaffee-Nerds betrieben, sondern Kaffee-Liebhabern aus Nordmazedonien. Die Hausmarke Caffèchi Francoforte ist eine eigene Röstung, die klassisch ausfällt und einen Duft von Wiener Kaffeehaus verbreitet, der Cappuccino schmeckt einfach gut und anders als in den meisten Lokalen der Stadt.

Immer stärker ins Bewußtsein kommt  mit dem Cortado auch eine spanische Variante des Kaffeegenusses. Eine ziemlich ingeniöse Art für alle, denen Espresso zu säurebtont und Capuuccino zu milchlastig ist. Hervorragend fällt der Cortado im Caffé Casa Nostra an der Kleinmarkthalle in der Hasengasse aus. Dieser kleine Familienbetrieb ist grundsätzlich eine gute Adresse für alle Kaffee-Spezialitäten und Pasticcini.

Monza

Eine alte gute Sitte ist leider fast vollständig verschwunden: Das Gebäckstück, das stets zum Kaffee oder Cappuccino serviert wurde. Wir erinnern uns noch gerne an die guten hausgemachten Leckereein, die es beispielsweise beim Café-Restaurant Margarate in der Braubachstraße gab und die durchaus eine Entscheidungshilfe für die Auswahl eines Lokals waren. Diese Gratisleistung wurde fast überall ersatzlos gestrichen. Es kommt vielleicht wieder die Zeit, wo sich die Betreiber daran erinnern werden, um die Gäste bei Laune zu halten, die für die stetig steigenden Preise auch gerne einmal im sozialen Ausgleich ein wenig belohnt werden.

 

 

Top Ten Frankfurt

 

Nr. 1

Hoppenworth & Ploch, Friedberger Landstr. 86 + Neue Altstadt, Am Hühnermarkt 

Hoppenworth & Ploch, Julian Ploch

Kaffee-Avantgarde der ersten Stunde. Das „Hopplo“-Duo zieht konsequent und auf hohem Niveau sein Kaffee-Konzept durch. Besonders gut sind die Kaffees aus Äthiopien, beispielsweise Worka, Dimitu Tero und Wolichu Wachu. Diese Kaffees sind so fein, aromatisch und dezent fruchtig, dass wirklich kein Mensch mehr Zucker dazu braucht. Matthias Hoppenworth und Julian Ploch sowie ihr Röstmeister Kilian Sieger holen aus jeder Bohne ein Optimum an Qualität heraus. Im Stammhaus an der Friedberger Landstraße gibt es die größte Auswahl im Ausschank. Der feinwürzige, leicht schokoladige, milde Brasilianer Fazenda Capoeira, der sanft fruchtige Shilcho aus Äthiopien und der kraftvolle La Divina Providencia aus El Salvador sind besonders gut. Solche exzellenten, sortentypischen, ausdrucksvollen, seidigen und überraschend andersartigen Kaffees machen große Freude. Wir trinken bei Hoppenworth & Ploch ständig Kaffee, nicht weil wir es müssen, sondern weil wir es wollen. Ein Kaffee/Cappuccino schöner als der andere: Kelloo Danche (Äthopien), Nkonge (Burundi), Esperanza (El Salvador), Sertao (Brasilien), Monte de Oro (Guatemala), Gakuyu-Ini (Kenia).

Altstadtbäckerei von Hoppenworth & Ploch

Die Milch für den Cappuccino kommt übrigens vom Weidenhof aus Wächtersbach mit hofeigener Molkerei. Hoppenworth & Ploch haben im Sommer 2019 ihr drittes Café eröffnet, in der Neuen Altstadt am Hühnermarkt 22. Das Café hat 16 Sitzplätze im Gastraum sowie 20 Plätze auf der Terrasse, wobei auch die Fensterbänke genutzt werden. Die Sortimentshandschrift ist nach den Worten von Matthias Hoppenworth „ganz klar Specialty Coffee in der gewohnten Qualität und mit der Philosophie von Hoppenworth & Ploch sein, ohne das Publikum in der Neuen Altstadt zu überfordern.“ Wer einfach nur auf einen guten Cappuccino vorbeikommen will, soll genau so auf seine Kosten kommen wie Nerds, die sich in die Altstadt verirrt haben. Außerdem bieten Hoppenworth & Ploch Röstkaffees, Geschirr von Hartmud und ausgesuchtes Equipment für zu Hause an. Darüber hinaus werden Snacks und hausgemachten Kuchen offeriert. Die Croissants sind hervorragend. Die Zitronentarte ist ebenfalls großartig und sollte viel mehr eingesetzt werden.

Nr. 2

The Holy Cross Brewing Society

Fahrgasse 7

Café Holy Cross in der Fahrgasse

Ausgezeichnete individuelle Kaffeeauswahl, perfekt zubereiteter Cappuccino von wechselnden Farmen und Röstereien – korrekte Temperatur, frische Landmilch vom Weidenhof in Wächtersbach, Crema von guter Konsistenz. Alle Kaffees, die wir hier zahlreich von der ersten Minute an probiert haben, zeigen Klasse, wobei uns die aus Äthiopien mit ihrer eleganten Struktur und noblen und dezenten  Fruchtigkeit besonders gut gefallen. Viele sehr empfehlenswerte hausgemachte Delikatessen, Stullen und Suppen sowie Kuchen – Käseschmand und Kürbistarte sind umwerfend gut, aber auch die Croissants gehören zu den besten der Stadt. Der lässig-nette Latzhosenservice gibt allem ein Sahnehäubchen obenauf.

Nr. 3

Café Brixia Pasticceria

Bockenheimer Landstraße 42-44

Ein Café wie aus dem Bilderbuch italienischer Lebensfreude. In diesem Genießer-Treffpunkt im Westend scheint einfach alles zu gelingen, Cappuccino, Pasticcini, Kuchen, Torten und Eis. Jede Miniatur ein Meisterwerk. Bestes Handwerk und Finesse zeichnen die selbstgemachten Delikatessen aus. Konditormeister Paolo bezieht dafür seine Produkte aus Brescia am Gardasee. Leider nur noch Selbstbedienung.

Nr. 4

Drei Kaffeebar, Fahrgasse 23

Die Drei Kaffeebar ist trotz der Fülle an guten Cafés ringsum eine Bereicherung. Freundlicher, ambitionierter Service, gute Kaffees und frische Ideen. Der Cappuccino aus El Salvador von den Manhattan Coffe Roasters ist einer unserer Favoriten. So schön schmeckt Nougat nur als Kaffee. Sehr puristisch eingerichtet, unabhängig vom Wetter genießen die Gäste ihre Tasse gerne vor der Tür.

 

Nr. 5

Caffé Casa Nostra, Hasengasse 3

Ein neues Café in der Hasengasse nahe der Frankfurter Kleinmarkthalle macht mit einem leckeren Angebot an Pasticcini und anderen kleinen Happen Appetit. Es gibt Canolo mit Cremefüllung, Ricotta oder Zuppa Inglese, Cornetto, gefüllte Quarkbällchen, Törtchen und anderes mehr. Außerdem sind gute gefüllte Arancini zu haben. Pino Pistara ist für seine Torten und süßen Hochzeitsarrangements bekannt und fertigt täglich frisch die ganzen Delikatessen im kleinen Lokal seines Sohnes Antonio, das dieser gemeinsam mit Frau Jennifer betreibt (siehe Foto). Der Kaffee wird selbst geröstet, der Cappuccino fällt sehr gut und kräftig aus. Und das in einer anständigen großen Tasse. Unbedingt probieren sollte man aber auch den Cortado, der hier erstklassig schmeckt.

Nr. 6

Espresso Espresso, Braubachstr. 28

Die Café-Bar in der Braubachstraße vermittelt Understatement. Kaum Dekor, aber einen Spitzenkaffee im Angebot. Der kommt von den jungen Altmeistern der Barista-Szene, Hoppenworth und Ploch, aber in einer speziellen Mischung exklusiv für Espresso Espresso. Der Cappuccino ist hervorragend und glänzt durch eine Harmonie, bei der jeder Krümel Zucker stören würde. Kaffee trinkt man ganz lässig im Stehen, so wie in den Espressobars in Italien. Nirgendwo Laptop-Lurche, die sich hinter ihren Monitoren verkriechen und wie paralysiert am Stuhl kleben. Das Café ist längst zu einer Weinbar geworden, was man nicht unbedingt an der Uhrzeit ablesen kann. Neben Kaffee gibt es meist ausgesuchte Bio-Weine, Winzersekt und Vermouth. Die Weinauswahl wird immer besser und weitet sich aus, aber mehr in der Qualität als in der Quantität. Engagierter freundlicher Service. Mitten im vielseitigen Cafézentrum von Frankfurt findet das kleine Lokal mit seinem ambitionierten Auftritt eine Nische. Die Gäste stehen sogar im Winter vor der Tür. Dieser Kaffee wärmt das Herz.

Nr. 7

Dining Raum, Fahrgasse 15

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Café Dining Raum an der Fahrgasse eroberte aus dem Stand die Sympathien der Frankfurter. Betrieben wird es von Australiern mit südkoreanischen Wurzeln. Alles optisch clean, spartanischer Minimalismus mit Kaffeeduft. Es geht sehr akkurat und sehr freundlich zu. So höflich wie eher selten in unseren Cafés, in denen immer mehr Menschen arbeiten, die so cool sein wollen wie Barkeeper, aber nur abgebrüht erscheinen. Im Dining Raum schmeckt der Cappuccino ausgezeichnet und wird (meist) korrekt zubereitet (Brand von Hoppenworth und Ploch). Leider wird das Croissant nur mit Marmelade serviert, wer es ohne haben möchte, geht leer aus. Ein sonst so nettes Café sollte flexibler sein, denn das Bestehen auf die Marmelade wirkt unprofessionell. Dennoch alles in allem: Eine Bereicherung für die immer interessanter werdende Fahrgasse.

Nr. 8

Lolli, Freßgass (Große Bockenheimer Str. 42)

Vielleicht lag es am etwas infantilen Namen Lolli, dass man diesem Newcomer nicht so viel zutraute. Aber das Café ist sehr erwachsen, was die Qualität angeht. Der Cappuccino fällt anders und gut aus, das Eis erreicht ein hohes Dessert-Niveau und die Süßigkeiten haben trotz etwas übertriebener Optik etwas Unwiderstehliches. Die Pistaziencreme-Berliner sind Extraklasse, ebenso die Croissants mit dieser sehr hippen Creme. Das Café wird weder von Italienern noch deutschen Kaffee-Nerds betrieben, sondern Kaffee-Liebhabern aus Nordmazedonien. Die Hausmarke Caffèchi Francoforte ist eine eigene Röstung, die klassisch ausfällt und einen Duft von Wiener Kaffeehaus verbreitet, der Cappuccino schmeckt einfach gut und anders als in den meisten Lokalen der Stadt.

 

Nr. 9

Café im Frankfurter Kunstverein, Markt 44. Leider geschlossen

Der Betrieb musste Insolvenz anmelden und hat seit Wochen geschlossen. Davor konnten wir noch diese sehr positive Bewertung schreiben: Ausgezeichneter Cappuccino, sehr guter Cortado, die Frankfurter Rösterei Due Mani liefert Qualität. Aber auch sonst setzt man auf Klasse. Der Apfelwein vom Fass kommt von der Kelterei Stier, mit den Weinen vom Pfälzer Emil Bauer kann man nichts falsch machen. Wer nach Höherem strebt, wird beim Champagner Ruinart Rosé fündig, der mit 95 € für die Flasche gastfreundlich kalkuliert ist. Die kleine Speisekarte wechselt durch animierende Tagesempfehlungen. Einsatzfreudiges, freundliches, junges Team. Hübsches und bequemes Terrassenmobiliar. Viele Gäste sind in Gespräche vertieft, andere schauen sich den Strom an Besuchern an, der vorbeizieht und den Platz zum Laufsteg macht. Man befindet sich schließlich an einem historisch prominenten Ort, dem Frankfurter Krönungsweg zwischen Dom und Römer.

Nr. 10

Café Monza, Römerberg

Monza

Das neue Café am prominenten Römerberg hat einen guten Start hingelegt. Der Cappuccino ist gut, die Torta della Nonna allein schon den Besuch wert. Das Lokal wurde zwar ansehnlich, aber räumlich nicht optimal gestaltet, die Tische stehen zu eng und sorgen ständig für Stühlerücken. An den ersten sonnigen Tagen im Jahr saßen die Gäste schon vor der Tür, man weiß schon jetzt, wie begehrt die Plätze im Frühling sein werden, zumal kein Ort länger und besser in der Sonne liegt.

 

 

Weitere Tipps

für Cappuccino-Genießer

 

mehlwassersalz, Domstr. 10

mehlwassersalz

Das Café im Museum für Moderne Kunst begeistert durch Qualität, die sich vor allem im fabelhaften hausgebackenen Sauerteigbrot und den genialen Queens (eine zart karamellisierte Mischung aus Croissant und Brioche) ausdrückt. Der Kaffee kommt nicht mehr von Hoppenworth & Ploch, offenbar sind die im Quartier zu stark vertreten. Jetzt wird „Café No 48“ serviert.  Der Cappuccino schmeckt aber weit weniger gut und wirkt etwas flach. Trotz mangelnder Qualität sind die Preise gestiegen, ein normaler Cappuccino kostet jetzt schmerzhafte 4,60 €. Am Wochenende ist das Café meist überfüllt, stehen die Gäste Schlange. Der Innenraum ist dann von betäubender Akustik.  Zum Kaffeegenuss gehört aber eine gewisse entspannte Atmosphäre.

 

Coffeosi, Vilbeler Str. 2

Die Vilbeler Straße hat manch gute Adresse zu bieten, seit dem aus einem Friseur eine Coffee Bar wurde, noch eine mehr. Das große Ladenlokal wurde attraktiv bis ins Detail ausgestattet und einladend gestaltet. Die Betreiber nennen sich „Kaffee-Agenten aus Leidenschaft“, weshalb sich ihr Geschäft auch Passion Store nennet. Neben Kaffees werden hochwertige Espresso-Siebträger-Maschinen verkauft, allesamt Schmuckstücke. Die Betreiber verstehen ihr Handwerk, können gut beraten und treten engagiert und freundlich auf. Basis der Kaffees sind die Hausmarken Isqueta und Anno 1961. Der Cappuccino fällt tadellos aus, kräftiger Geschmack, feine Crema, Latte Art. Ambitioniert, genussvoll, sympathisch.

Caffeosi

 

 

Aniis, Hanauer Landstr. 82

Raum für Kaffee-Kultur, nennt sich das Lokal im Untertitel. Ein nettes Café in trister Umgebung. Dunkle Holzoptik, mit sicherer Hand zurechtgezimmertes Mobiliar. Ein afrikanisch kaffeebraunes Porträt in Übergröße gibt den Ton an. Es gibt unter anderem frische Brühkaffees und Cappuccino, die Hausmarke und wechselnde, wie den aus Kolumbien – beide sehr gut, der kolumbianische ein klein wenig spannender. Rachid el Ofairi versteht sein Handwerk. Aniis steht im Arabischen für „guter Freund“ – so kann man sich in diesem netten und ambitionierten Café auch fühlen.

 

Bunca, Kirchnerstr. 4

Samson Habtom aus dem Kaffeeland Eritrea hat sich in der Innenstadt in der Nähe des Frankfurter Hofs gleich neben kaffeeähnlichen Kettenbetrieben mit seinem individuellen Lokal gut aufgestellt. Ausgezeichneter, geschmeidiger Cappuccino, oft mit feinem Schokoladenaroma. Wechselnde Sorten.

 

Café Herz, Braubachstr. 31

Das Café hat sich trotz großer Konkurrenz einen Platz in der Altstadt erobert. Die Brüder Mengi, Teff und Jeshi Zeleke, die sich mit ihrem seligen Club Unity beliebt machen konnten, haben ein Händchen für hübsche Bedienungen. Diese sind meist flott, können aber bei vollem Haus schon mal ins Schleudern geraten, was sie gerne und gut weglächeln. Aus den  Wänden wächst Efeu, der eine warme Atmosphäre schafft. Die Kuchen fallen meist sehr gut aus. Der Cappuccino kam bei den letzten Besuchen entweder zu lau oder zu überhitzt an den Tisch, war nie korrekt temperiert und blieb damit geschmacklich weit unter den Erwartungen. Daran ist aber auch das Glas schuld, das für einen Cappuccino überhaupt nicht geeignet ist und sich auch für den Handgebrauch als untauglich erweist (Glas statt Tasse geht nur mit einem Cortado).

Kuku Vaia, Oeder Weg 23

Die Griechen können nicht nur Wein, die Griechen schaffen auch einen guten Kaffee. Davon kann man sich im Kuku Vaia im Oeder Weg überzeugen, wo ein perfekter Cappuccino serviert wird. Bean Inspector Nesto Domanis sorgt für einen sympathischen, saloppen und freundlichen Umgang. Das kleine Lokal wurde ausgesprochen hübsch in Kaffeebraun und mit viel Holz gestaltet. Am Abend verwandelt sich das Café in eine Bar.

 

 

 

The Espresso Bar, Schäfergasse 42  

Die Kaffee-Szene wird größer, deren Protagonisten aber vereinzeln sich immer mehr und kommen auch in der kleinsten Hütte klar. Bestes Beispiel: The Espresso Bar in der Schäfergasse. Wenn der Einmannbetrieb fünf Gäste hat, ist der Laden voll. Vom Geschmack und der Kaffeekultur her, weniger Third Wave, mehr klassisch American & Italian Style. Der junge Kaffee Keeper trägt einen schmalen Oberlippenbart wie er so kaum noch vorkommt. Das macht ihn nicht besser, passt aber zu seinen Tassen mit Schnurbart-Emblem. Der Cappuccino ist sehr gut und wird optimal zubereitet, gleiches gilt für den Espresso. Die Ware kommt von den Red Code Coffee Roasters aus Bensheim. Gut so. Von den üblichen Verdächtigen gibt es schon genügend in der Stadt.

 

IImori, Braubachstr. 24

Das japanische Café ist besonders hübsch & herzig eingerichtet. Viele Desserts sind köstlich, vor allem der New York Cheesecake. Ein ganz kleines Stück vom Glück kostet allerdings auch unwirtliche 4,40 €. Der Cappuccino schmeckt sehr gut und aromatisch und wird korrekt temperiert und mit standhaftem Milchschaum serviert.  Er basiert auf den Bohnen der Kaffeerösterei Langen aus Medenbach im Hochsauerland.

 

Under Pressure, Große Rittergasse 20 

Cooler Name. Kaffee braucht Druck, der Chef ist aber immer entspannt. Im Apfelwein-Revier Sachsenhausen ist eine gute Kaffee-Adresse so selten wie ein Pinguin in der Sahara. Sven Wörth hat sich sein Wohnzimmerlokal weitgehend selbst geschickt zusammengebaut. Er kennt sich in der Bar-Szene ebenso gut aus wie in der Barista-Welt. Es sind unter anderem ein kenianischer Karindundu mit apart herbem Schokotouch und ein leicht karamelliger Paradenia aus Südindien im Angebot. Gehört mit seinen eher kräftigen Kaffees zur progressiven Szene und stellt auch an die Gäste gewisse Ansprüche und Kenntnisse.

 

Peter Gerigk

Espresso-Store, Kleinmarkthalle

Peter Gerigk gehört zu den Kaffee-Pionieren in Frankfurt und servierte schon sehr guten Stoff als andere noch am Tchibo nuckelten. Vor 22 Jahren gab es weit und breit nichts in seiner Klasse, wobei er dem allgegenwärtigen Wacker Paroli bieten konnte. Peter Gerigks Kaffeestand in der Kleinmarkthalle existiert nun auch schon über 15 Jahre. Der Cappuccino im Espresso-Store in der Kleinmarkthalle fällt meist so aus wie er sein soll: Aromatisch, korrekt temperiert und von einer samtig dichten und schmalen Milchschicht mit Stand gekrönt. Alle Sorten kommen aus der eigenen Frankfurter Kaffeerösterei. Es gibt auch einige hoch angesiedelte Spezialitäten, wie den sortenreinen Plantagenkaffee aus Kenia. Peter Gerigk betreibt mit der Frankfurter Kaffeerösterei ein eigenes Label mit verschiedenen Sorten.

 

 

Zeit für Brot, Oeder Weg 15

Es duftet oft nach frischem Brot und anderen Backwaren, die offen einsehbare Backstube vermittelt solides Handwerk. Das Laden-Lokal ist jedenfalls eine gute Adresse. Der Cappuccino ist von feiner Cremigkeit und von mittelkräftigem Ausdruck. Der ideale Cappuccino für jeden Tag.

L´Art Sucré, Freßgass 25

Macarons von Köller

Der Weltklasse-Pâtissier Florian Köller hat nach Wiesbaden und Bad Homburg auch eine Edelnasch-Boutique mit Café in Frankfurt eröffnet. Die Macarons, Pralinen und Küchlein gehören zum Besten, was es in diesem Genre auf der Welt gibt, auch der Haus-Cappuccino fällt gut aus, kann mit der überragenden Qualität der süßen Delikatessen nicht mithalten.

Manufactum, Opernturm, Bockenheimer Anlage 49-50

Elitärer Tante-Emma-Laden für den anspruchsvollen Tagedieb. Wer einmal in diese Welt eingetreten ist, wird mit dem Herumschnüffeln nicht aufhören können und die Zeit vergessen. Neben ausgesuchten Delikatessen, Küchenaccessoires und hochpreisigem Lifestyle-Mobiliar, lässt es sich im angeschlossenen Bisto-Café Brot & Butter hübsch tafeln. Dort wird auch ein ausgezeichneter Cappuccino in großen Tassen serviert, dessen Kaffee/Espresso aus der italienischen Rösterei Trinci stammt, wo man die Bohnen noch immer nach alter Tradition über Holz röstet.

Die beliebten Frankfurter Traditionsbetriebe Wissmüller und Wacker sind oft in der Stadt vertreten, fallen aber recht unterschiedlich aus, weshalb man den Unternehmen nur raten kann, auch die Qualität der von ihnen belieferten Betriebe strenger zu kontrollieren. Wir sind nicht die großen Freunde von Wacker-Kaffee, doch wenn man ihn schon trinkt, dann wenigstens im Stammhaus am Kornmarkt 9 mitten in der City, wo der Duft frischgerösteter Kaffeebohnen animiert und die Stimmung so belebend ist, dass die Leute Schlange stehen und selbst bei strenger Kälte an den Stehtischen vor der Tür kleben. Auf der Berger Straße und im Mittelweg befinden sich die schönsten Wacker-Cafés, doch fallen dort die Ergebnisse so unterschiedlich aus, wie es auch die Bedienungen sein können. Der süßeste Laden der Stadt ist der Naschmarkt in der Domstraße, wo es unglaublich viele gute und schöne Süßigkeiten, Backwerk und Kuchen der besonderen Art gibt, die allesamt unwiderstehlich aussehen und auch so schmecken. Früher gab es dort mittelmäßigen Wacker Kaffee, jetzt einen sehr guten von Due Mani, einer bemerkenswerten Rösterei aus Frankfurt.

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Champagner Collard-Picard will Deutschland erobern

Premiere in Frankfurt

mit Donadel & Fils

 

Guter Champagner muss trocken sein, mit Finesse und Frische. Er sollte mit einer feinen lange anhaltende Perlage dichte und dezenten Aromen zum Schwingen bringen. Wenn dann noch eine Familienunternehmen mit ausschließlich eigenen Weinbergen dahintersteht, sind schon sehr viele Qualitätsmerkmale erreicht. Das Frankfurter Weinhandelsunternehmen Donadel & Fils, das sich gerne individueller Erzeugnisse und auch weniger bekannter Weinpersönlichkeiten annimmt, hat jetzt bei einer Deutschlandpremiere in Frankfurt verschiedene Qualitäten der Champagnerkellerei Collard-Picard vorgestellt, die exklusiv im Sortiment geführt werden.

Intensiv, frisch, geradlinig, crispy mit einem zart-duftigen Aroma aus saftigem Apfel und zitrischer Kalamansi. Ein Spitzenchampagner mit Charakter und Temperament: Der Jahrgangschampagner 2019 Dom Picard Blanc de Blancs (100% Chardonnay) stammt aus Grand Cru Lagen in Mesnil sur Oger und Oger, hatte vier Jahre Hefelager und eine niedrige Dosage von 4g Restzucker. Fabelhaft.

Der Racines, Blanc de Noirs aus Petit Meunier (entspricht unserer roten Rebsorte Schwarzriesling) wird aus Weinen der Jahrgänge 2013 – 2017 erzeugt, hatte sechs Jahre Hefelager und ist mit einer niedrigen Dosage von 3g Restzucker auch extra brut. Ein richtig guter Meunier, was keineswegs selbstverständlich ist und nicht so oft vorkommt. Sehr frisch, schöne Säure, knackig aber nicht anstrengend, anregende Würze. Außergewöhnlich gut.

Die Rosé Assemblage Extra Brut ADN (Deutsch DNA) ist ein wunderbar nach Wein schmeckender Champagner, der zeigt, dass auch ein schäumender Wein letztendlich immer auch ein Wein ist. Frische mit feiner Frucht, ein Hauch von Erdbeere und Himbeere. Basis: Chardonnay, etwas Pinot Noir und Meunier. Belebende Salzspur, die zu einem Glas mehr inspiriert.

Angelina Schmücker

Der Perpétuelle ist der Everybodys Darling des Sortiments. Ein sympathischer Schmeichler, rund und cremig, mit einer Brioche-Note, den viele von einem Champagner erwarten. Dieser für den Einstieg auf hohem Niveau geeignete Champagner wird aus gleich 13 Jahrgängen erzeugt (2008-2020). Chardonnay, Pinot Noir, Pinot Meunier.

Collard-Picard ist kein Mainstream-Champagner. Die Produktion fällt mit 90.000 bis 140.000 Flaschen im Jahr eher gering aus. Das kleine Familienunternehmen setzt ausschließlich auf die eigenen Weinberge von 16 Hektar, es gibt keinen Zukauf, wie so oft in der Champagne. Vinifikation: Spontanvergärung mit natürlichen Hefen. Ausbau in großen Eichenfässern und seit 2024 auch in Amphoren.

Angelina Schmücker von Donadel & Fils (Dealer de Vin) , die in Rheinhessen auch ein eigenes Weingut betreibt, präsentierte die Champagner im Frankfurter Logenhaus (Eventlocation + Bar), das auch eine eigene Champagnerkarte offeriert. Das war erst der Anfang, der Champagner Collard-Picard soll noch weit mehr Terrain in der Gastronomie und bei Privatkunden erobern. Die Qualität dazu hat er.

Ludwig Fienhold

 

Dealer de Vin, Frankfurt, Hufnagelstr. 19-21, Tel. 069 97698938.

https://dealerdevin.com




Neueröffnung: Zwei-Sterne-Koch Jochim Busch startet mit Restaurant Rausch

Frankfurt: Aus dem Gustav wird das Rausch

 

Wird es wieder das beste Restaurant der Stadt?

 

 

Seit vielen Wochen werden schon die Möbel in den Reuterweg 57 geschleppt, seit dem 1. Juli hat das Restaurant geöffnet: Aus „Gustav“ wurde „Rausch“. Der Zwei-Sterne-Koch Jochim Busch will mit seinem Partner Philipp Günther neu in die Selbständigkeit starten. Für BISS war vor 10 Jahren das Gustav mit Jochim Busch die erfreulichste Neueröffnung seit langem. Wir hoffen, dass wir bald wieder zu einer solch enthusastischen Aussage kommn können.

Alles wird anders und basiert doch auf der gleichen Grundhaltung: Höchster Qualitätsanspruch. Das Rausch will nicht eine Fortsetzung des alten Gustav werden, zumal es auch mit einem neuen Team aufgestellt sein wird, vor allem ohne das ehemalige Betreiber-Paar Scheiber, das inzwischen das „Sommerfeld“ im Bahnhofsviertel führt.

Jochim Busch und Philipp Günther (l. und r. im Bild oben) kennen sich bereits seit 15 Jahren, damals haben sie im Brenners Park-Hotel in Baden-Baden gearbeitet. Jochim Busch kam anschließend in den Frankfurter Tigerpalast, Philipp Günther arbeitete in Australien und auf einem kleinen Luxus-Segler, bevor auch er wieder nach Frankfurt kam und sich die Wege der beiden dort in der Gastronomie erneut kreuzten. Inzwischen verbindet beide eine langjährige Freundschaft und nun auch das erste gemeinsame Restaurant.

„Wir haben die Räumlichkeiten nach unseren Vorstellungen komplett umgestaltet, man betritt das Restaurant künftig über die Terrasse, die im Sommer mit Lounge-Möbeln ausgestattet ist. Und dann steht man schon direkt in der Küche, dem Herzstück des Restaurants”, erklärt Busch. An zwei Tischen direkt im Eingangsbereich haben Gäste die Möglichkeit, auf Wunsch einen Aperitif zu nehmen und entspannt mit Koch und Gastgeber ins Gespräch zu kommen, bevor es an den Platz geht. Drei Räume reihen sich im Halbkreis aneinander und lassen erkennen, dass hier mehrere kleine Ladengeschäfte des Gründerzeithauses miteinander verbunden wurden. Das Farbkonzept besteht aus teils erdigen und puderig-warmen Tönen, dunkles Ochsenblutrot, Altrosa und Graubraun.

Das Interieur wurde mit natürlichen Materialien gestaltet, zwei große dunkelrote Tische sind Eyecatcher, die anderen Tische haben eine gebeizte Holzoberfläche. Hochwertige dänische Möbel von Muuto, handgefertigtes Geschirr und ei netzartiges Beleuchtungskonzept von Artemide, das sich durch die Decken jedes Raumes zieht, vervollständigen das individuelle Konzept.

Ungeachtet vieler optischer und kulinarischer Neuerungen, wird es ein Wiedersehen mit Klassikern aus Buschs Repertoire geben. Immerhin steht er für eine in Frankfurt unerreichte feinsinnige, filigrane und emotionale Küche. Auch die neue Speisekarte soll Leichtigkeit zeigen. Im Fokus steht dabei der Geschmack der Heimat. „Regionalität und Saisonalität ergeben sich für uns ganz natürlich, allerdings machen wir kein Dogma daraus. Wir verbinden die deutsche Küche mit Lebensfreude und Esprit, und unsere Gäste sollen einfach eine genussvolle Zeit bei uns verbringen. Für uns gibt es keine vorgegebenen Linien, wir wollen uns in keiner Hinsicht einschränken, sondern frei und innovativ kochen“, meint Jochim Busch. Wie schon zuvor, verwendet er viel Gemüse und will eine gute Balance zwischen Neuem und seinen weiterentwickelten Klassikern finden, wie etwa der dehydrierten Roten Bete oder dem gebeizten Saibling in durchdeklinierten Varianten. Wer kein Menü essen möchte, bestellt à la Carte, besondere Gerichte wie das Perlhuhn in zwei Gängen sind für zwei Personen konzipiert.

Rauschig: „Aktuell umfasst unsere Weinkarte über 500 Positionen mit einem Schwerpunkt auf Europa mit allem, was schmeckt, was zu unserer Küche passt und handwerklich gut gemacht ist“, sagt Gastgeber Philipp Günther. Rausch ist ein schöner Name und hätte auch gut zu einem Konzept für eine Wein-Bar gepasst. Rausch steht nicht per se für Trunkenheit, sondern für einen überglücklichen und ekstatischen Zustand. Nietzsche war der Philosoph des Rausches. Von ihm stammt der aphoristische Enthusiasmus-Gedanke „Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.“

Ludwig Fienhold

 

Jochim Busch (l.), Philipp Günther

Das Rstaurant Rausch bietet Platz für insgesamt 30 Gäste, es steht ein offenes Separee für bis zu 12 Personen bereit. Das Restaurant hat von Dienstag bis Donnerstag ab 18.30 Uhr geöffnet, am Freitag von 12 bis 14 Uhr und ab 19 Uhr. Am Wochenende bleibt das Restaurant geschlossen, perspektivisch können samstags exklusive Buchungen und ausgewählte Events stattfinden.

Weitere Informationen bald unter 

www.rauschrauschrausch.com

 

Fotos: Rausch, Fienhold




Simon Kieslich ist neuer Küchenchef im Schloss Johannisberg im Rheingau

Wie anspruchsvoll darf man als Ausflugsziel sein?

 

Das Parkhotel Favorite in Mainz, das ein bemerkenswertes Sternerestaurant betreibt, ist mit seiner kulinarischen Expertise seit Mai als Partner von Schloss Johannisberg in Geisenheim für die Schlossschänke sowie den Eventbereich verantwortlich. Simon Kieslich wurde als neuer Küchenchef die führende Kraft in der Gastronomie. Er war jahrelang Souschef von Tobias Schmitt, der vor seiner Zeit in Mainz als Souschef von Andreas Krolik im Frankfurter Lafleur arbeitete.

Die Schlossschänke ist ein sehr bekanntes Ausflugsziel im Rheingau und lockt Gäste aus der Umgebung und Touristen aus aller Welt an. Darin liegt die Attraktivität, aber auch die Herausforderung für eine Küche, die anspruchsvoll sein will, aber auch nicht zu individuell auftreten kann. Das Lokal verfügt mitsamt Terrasse über mehr als 200 Sitzplätze. Es gibt hervorragende Köche, die aber nur mit bis zu 40 Plätzen Qualität liefern können. Auch das ist Hürde und Bürde.

Jetzt soll Simon Kieslich die Gastronomie voranbringen und dabei „seine Handschrift frei entfalten“, wie es offiziell heißt. Von einem sehr gut gemachten Kalbsschnitzel bis hin zu einem am Tisch filetierten Steinbutt oder einer klassischen Seezunge will die Küche „modern interpretierte Vielfalt“ zeigen.

Zuvor hatten sich schon einige gute und renommierte Köche der Schlossschänke angenommen und sich daran die Zähne ausgebissen. Zuletzt stand Bruno Sojer dort am Herd, der unter anderem beim großen Heinz Winkler tätig war und mit dem italienischen Spitzenkoch Paradi Mimmo Nicoli sowie dem legendären Alfred Friedrich zusammenarbeiten konnte. Bruno Sojer hielt es nur kurz im Rheingau. Der hoch talentierte Sternekoch Dirk Schröer führte 2017 die Schlossschänke und stieg schon ein Jahr später wieder aus, um die Weinschänke Groenesteyn in Kiedrich zu übernehmen – neuerdings betreibt er das Restaurant Baiken in Eltville. Die Schlossschänke Johannisberg hat manchen hervorragenden Koch kommen und gehen sehen. Es ist ein schöner, aber kein einfacher Ort.

Ludwig Fienhold

 

Fotos: Laura Schnier, Schloss Johannisberg




Wein-Beben im Rheingau: Florian Richter verlässt das Kronenschlösschen und geht zur Sektkellerei Schloss Vaux

Ein Sommelier auf Abwegen: Herber Verlust für das Wein-Hotel in Hattenheim

 

Florian Richter ist einer der besten und bekanntesten Sommeliers in Deutschland und ein Aushängeschild für den Rheingau. Deshalb ist es auch keine läppische Personalie, dass er das Hotel Kronenschlösschen (Bild oben) im Rheingau verlässt und ab Juni in Diensten der Setkellerei Schloss Vaux in Eltville steht. Der Wechsel wirft Fragen auf. Dass Richter nach 12 Jahren dem Kronenschlösschen den Rücken kehrt mag man vielleicht noch nachvollziehen können, doch hätte man dann einen Neuanfang in einem renommierten Hotel oder Restaurant erwartet und nicht ausgerechnet in der Sektkellerei Schloss Vaux.

Sommelier Florian Richter

Dass wir die Erzeugnisse von Schloss Vaux nicht schätzen ist kein Geheminis, doch waren wir sicher, dass sie auch nicht ins anspruchsvolle Geschmacksbild von Florian Richter passen, der sonst für ganz andere Weingüter von Format steht.  Welche Rolle genau Florian Richter bei Schloss Vaux spielen wird, muss sich noch erweisen. Er selbst spricht von neuen Projekten, die der Genusssteigerung dienen sollen. Schloss Vaux ist eine Aktiengesellschaft, an der 62 Aktionäre beteiligt sind. Für das Kronenschlösschen in Hattenheim, das auch für das legendäre Rheingau Gourmet & Wein Festival verantwortlich zeichnet, ist der Abgang von Florian Richter ein herber Verlust. Das Restaurant hatte bereits seinen Michelin-Stern verloren, was zu verschmerzen ist, der Verlust von Florian Richter wiegt weit schwerer.

Ludwig Fienhold

Fotos: Barbara Fienhold




Freigut wird zum Pizza-Boot

Offenbach will Frankfurt erobern

 

Die beliebte Pizzeria Rimini geht in die Offensive

 

Das Freigut, das in Frankfurt an der Südseite vom Eisernen Steg vor Anker liegt, ist jetzt ein Pizza-Boot geworden. „Rimini“ steht am Bug, denn die Piraten von der gleichnamigen Pizzeria in Offenbach entern an bestimmten Tagen die Eventlocation und servieren ihre allseits bekannte Pizza. Es gibt verschiedene Varianten, einige funky, andere klassisch (9 – 17 €). Die „Salami Napoli“ mit Tomaten aus San Marzano, Basilikum, Parmesan, Olivenöl, Mozzarella Fior di Latte und Salame Napoli ist ein typischer Vertreter. Die Pizza ist würzig gut, der Käse geschmeidig und nicht pampig, der Boden eher fluffy, nur die Ränder sind knusprig. Die Ränder sind absichtlich leicht angekohlt, um ein schönes Röstaroma zu bekommen. Die Pizza ist nicht fettig, was ebenso zur besseren Verträglichkeit beiträgt. Es gibt also viele Pluspunkte, die erklärt, warum Rimini so beliebt ist. Das mag nicht die beste Pizza der Stadt sein, hat aber was und schmeckt so ganz anders. Vor allem liegt sie nicht schwer im Magen, insbesondere dann, wenn man sich eine Pizza teilt, was bei der Größe leicht möglich ist.

Das Freigut ist eine Eventlocation, feiert an vielen Tagen oder wird oft für private Feste gemietet. Zum Pizza-Boot wird es an den Tagen, wo keine geschlossenen Veranstaltungen auf dem Programm stehen. Man muss sich also immer die Webseite ansehen oder Social Media im Auge behalten, um die Tage herauszufischen. Im Prinzip soll es von Mittwoch bis Sonntag Pizza geben,  was aber durch die Events nicht als gesichert gilt. Das Freigut hat zwar sein Konzept geändert, auf der Weinkarte stehen aber immer noch gute alte Bekannte. Der Weißburgunder von Wittmann aus Rheinhessen sowie die Weine von  Becker und Bauer aus der Pfalz sind seetüchtig und bieten ein passables Vergnügen.

Der Eroberungszug der Offenbacher Pizza-Piraten geht aber noch weiter. Schon bald soll im Sommer, wahrscheinlich Juli, direkt am Frankfurter Dom ein Lokal eröffnet werden, in diesem Rimini in der Domstraße wird es aus  Gründen des Brandschutzes aber keine Pizza, sondern vor allem Pasta geben. Nur frisch gemachte Pasta, darunter auch eine authentische Carbonara, wie sie selten in der Stadt zu finden ist. Wahrscheinlich wird das Pasta-Lokal täglich von 12 bis 22 Uhr geöffnet sein, was auch davon abhängt, ob man genug Mitarbeiter findet. Mit dem Freigut haben die Offenbacher aber einen guten Fang gemacht, um ihre Pizza in Frankfurt zu präsentieren.

Text + Fotos: Barbara Fienhold