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3-Sterne-Koch übernimmt Waldhotel Sonnora

Clemens Rambichler geht in schweren Zeiten mutig voran

 

Clemens Rambichler (im Bild), seit 2017 Küchenchef im Drei-Sterne-Restaurant Sonnora, wird das Waldhotel ab Januar 2021 übernehmen und gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Magdalena Brandstätter führen. Damit wechselt das legendäre Gourmet-Refugium, das 40 Jahre von der Familie Thieltges betrieben wurde, seine Besitzer. Nach dem frühen Tod des Drei-Sterne-Kochs Helmut Thieltges im Jahr 2017 übernahm Rambichler im Juli 2017 die Leitung der Küche und konnte diese höchste der Sternebewertungen halten. Das Waldhotel Sonnora wird vom 31. Dezember 2020 bis 18. Februar 2021 schließen und diese Zeit auch für die Renovierung der 20 Zimmer nutzen. Die ehemalige Patronin Ulrike Thieltges bleibt dem Hotel vorerst als Stütze erhalten.

Erinnerungen an Helmut Thieltges: Wie aus einer

Familienpension ein Drei-Sterne-Restaurant wurde

Wer im dunklen Tannenwald in der Südeifel im Verborgenen zu drohen bleibt, muss schon gehörig pfeifen, um auf sich aufmerksam zu machen. Oder so gut kochen können wie seinerzeit Helmut Thieltges. Das moselnahe Waldhotel wurde aber nicht über Nacht zum Wallfahrtsort für Gourmets aus aller Welt. Thieltges hatte nicht bei Eckart Witzigmann gelernt und auch nicht gemeinsam mit Heinz Winkler in den Pfannen gerührt. Er stand lieber gemeinsam mit seiner Mutter am Herd, als andere bei den Großmeistern der Zunft in die Lehre gingen. Im starken Familienbund entwickelte Helmut Thieltges ein sicheres Gespür für feinfühlige Zubereitungen und die Harmonie der Aromen. Seinen Gerichten wohnte eine Kraft und Zärtlichkeit inne, die weit über das souverän Handwerkliche hinaus ging – die Brust von der Challans-Ente mit Gewürzhaut in Limonen-Ingwer-Sauce gehörte zu jenen kulinarischen Höhenflügen, bei denen selbst weitgereiste Feinschmecker abheben mussten.

Ade Roulade, Hallo Hummer

Als das Sonnora 1978 als kleines Ferienhotel mit zwanzig Zimmern eröffnete, versuchten Helmut Thieltges und seine Mutter Anna Maria „einfach nur gut zu kochen“, weil sie damit auf sich und ihre abgeschiedene Lage im Wald irgendwo zwischen Trier und Koblenz aufmerksam machen wollten. Die Mutter hatte sich zuvor zumindest schon innerhalb der Region in ihrer „Fremdenpension“ mit Rinderrouladen und Rotkraut einen Namen gemacht. Doch da Ende der siebziger Jahre auch die Deutschen so langsam an der Haute Cuisine Gefallen fanden, kochten Mutter und Sohn für ihre Waldhotel-Gäste der damaligen Zeit entsprechend moderne Gerichte, wie Seezunge in Moselrieslingsauce und Sauté vom Hahn. Es gab jedoch Tage, da fand nicht ein einziger den Weg in den Tannenwald nach Dreis bei Wittlich. Doch es dauerte nicht allzu lange, da musste man Wochen im voraus reservieren, um am Abend einen der vierzig Plätze zu bekommen, vor allem an den Wochenenden.

Waldhotel Sonnora

Bis zum ersten Stern im Jahre 1982 arbeiteten Mutter Anna Maria und Sohn Helmut noch gemeinsam in der Küche. Wenn Thieltges auch bodenständig wirkte, so tüftelt er immer wieder ungewöhnliche Geschmacksvariationen à la „gegrillter Hummer auf Galettes von Schweinsfüßchen mit Linsencreme und Barolo-Essig“ aus. Seine fleischig-saftigen Seezungenfilets wurden der Speisekarte nach schlicht von „marinierten Gartenkräutern“ begleitet, die sich jedoch als eine köstliche Melange aus weißem Port, Olivenöl, Champagneressig, Lorbeer, Basilikum, Estragon, Kerbel, Schnittlauch und Dill entpuppten. Hinter jedem mit scheinbarer Leichtigkeit entworfenen Gericht steckte tiefe Leidenschaft und Detailbesessenheit. Klassiker wie die Gugelhupf-Terrine von Taubenbrust und Gänsestopfleber und das Törtchen vom Rinderfilet-Tatar mit Kaviar auf Kartoffelrösti offenbaren das einfach Geniale. Dieser Evergreen steht neben anderen Klassikern der Küche auch noch immer auf der Karte und gilt als unantastbar.

Ein Restaurant mit Betten

Der Name „Sonnora“ klingt ein wenig italienisch, hat aber einen ganz anderen Hintergrund. Da der alten Pension der  Familie Thieltges namens „Haus Elisabeth“ eine zweite mit gleichem Türschild in die Quere kam und Konkurrenz machte, wollte man sich umbenennen. Inspiriert durch die Tochter eines amerikanischen Nachbarn, die „Sonnora“ (mit einem „n“) hieß, wurde die Pension kurzerhand umgetauft. „Sonnora“, so sahen es die Thieltges, drückt das Sonnige und das Sonore, wohlklingend aus.

„Das Restaurant belegt uns die Zimmer“ erzählte Helmut Thieltges. Neunzig Prozent der Gäste übernachteten auch, meist jene, die für den Abend im Restaurant reserviert hatten. Mittagsgäste, die oft aus der Region und dem ebenfalls nicht weiten Luxemburg kamen, machten sich eher wieder auf den Heimweg – obwohl auch ihnen angesichts der opulenten Weinkarte ein führerscheinsicheres Ruhekissen anzuraten gewesen wäre. Mehr als 600 Flaschen stehen bis heute darauf, davon über 100 aus der Mosel-Saar-Ruwer Region. Es gibt nicht viele Plätze, wo man solch wunderbar gereiften Rieslinge bekommt.

Wegen der Sterne flippen wir nicht aus

Das Waldhotel Sonnora strahlte stets eine milde Freundlichkeit aus, wobei Ehefrau Ulrike Thieltges erfrischend unkompliziert auftrat und wie alle anderen im Haus keine Star-Allüren und weihevollen Gourmetpalast-Attitüden an den Tag legte. Mitunter konnte es herzlich volkstümlich werden, vor allem, wenn Senior Vinzenz Thieltges zum Frühstück die Drehorgel erklingen ließ. Mutter Thieltges zog im weißen Kittel ihre Kreise, um die vielen Blumen zu pflegen, die wöchentlich für 250 Euro eingekauft wurden. Sie freute sich mit typischem Adenauer-Schalk im Blick über den erworbenen Ruhm, verlor aber nie ihre lässig-rheinische Haltung: „Wegen der Sterne flippen wir nicht aus.“

Damals sah man noch Usambaraveilchen auf gehäkelten Deckchen. Und auch die Flaschen „Echt Kölnisch Wasser“ auf den Toiletten gibt es nicht mehr. Erinnerungen aber sind weniger flüchtig als Duftwasser und können jederzeit aufgefrischt werden: Die Legende lebt weiter.

Ludwig Fienhold

 

Helmut Thieltges

Waldhotel Sonnora, Dreis bei Wittlich, Aufm Eichelfeld 1, Tel. 0 65 78 406 oder 9 82 20

www.hotel-sonnora.de

Photocredit: Waldhotel Sonnora




Café Hauptwache: Kampf um ein heiß begehrtes Objekt in Frankfurt

Ein Lokal wird zum Politikum

 

Die Politik kocht gerne ihr eigenes Süppchen. Mehr zum Thema Essen hat sie selten beizutragen. Politiker sind so gut wie nie Genießer, urteilen aber über Restaurants. Derzeit vor allem, weil sie diese schließen lassen. Das fällt ihnen deshalb leicht, weil sie ohnehin selten in Restaurants zu Gast sind, schon gar nicht in den Guten.

In Frankfurt am Main wurde die Gastronomie ebenfalls stets ignoriert, plötzlich aber wird sie zum Ziel einer merkwürdigen Begutachtung. Das Café Hauptwache, so urteilt die FDP, sei zu touristisch und preislich unakzeptabel. Deshalb wäre ein Betreiberwechsel von Vorteil. Das Café Hauptwache wird seit 20 Jahren von Sam Kamran geführt, der alles andere als Everybodys Darling ist und sich mit seiner militanten Veganer-Offensive ziemlich vergaloppierte. Aber er hat gerade die letzten Jahre das Café Hauptwache eben nicht nur bei Touristen beliebt gemacht, sondern auch die Frankfurter gewonnen. Der Kaffee war tadellos, man fand eine Handvoll guter Weine, und beim Essen wurde man auch fündig, die Weißwürschtl waren sogar erstaunlich gut. Einen solch netten und flinken Service findet man außerdem auch nicht oft in der Stadt, schon gar nicht in solchen Großbetrieben wie dem Café Hauptwache. Das wussten auch die Kollegen aus der Gastronomie zu schätzen, die hier täglich zu Gast waren.

Das denkmalgeschützte Café Hauptwache ist nicht nur ein bedeutender historischer Ort in Frankfurt, es auch die zentralste Adresse überhaupt. Es gibt nicht viele Plätze, wo man länger die Sonne genießen kann. Und: Dieses Lokal bot auch auf der Terrasse in den kalten Monaten durch Heizstrahler und Decken eine warme Bleibe für Gäste. Das alles wissen die Politiker nicht, weil sie dort nie oder selten waren.

Verwaltet wird das Café Hauptwache vom Amt für Bau und Immobilien (Liegenschaftsamt), der Hauptpächter ist die Radeberger Gruppe (Binding). Der Vertrag mit der Brauerei läuft im Oktober 2021 aus, entsprechend der mit dem Gastronomen Sam Kamran. Danach soll die Pacht neu ausgeschrieben werden. Wir werden das alles sehr genau verfolgen, denn bislang hat die Stadt selten eine glückliche Hand bei der Vergabe von Pachtverträgen in der Gastronomie gehabt. Wir möchten in diesem Zusammenhang nur an zwei besonders gravierende und blamable Fälle erinnern: Bis heute ist es nicht gelungen, eine Gastronomie im Ratskeller des Rathauses zu etablieren, was vor allem an den absurden Preisvorstellungen für die Pacht liegt. Ganz in der Nähe zerfällt zusehends in der Braubachstraße das Steinerne Haus, eines der letzten alten Wirtshäuser der Stadt, das längst renoviert gehört. Das Gebäude wird langsam zur Ruine.

Ludwig Fienhold

Photocredit: Barbara Fienhold




Gänsebraten: Soul Food kommt ins Haus

Privat und ungestört in den eigenen vier Wänden genießen

 

Ab sofort lässt Soul Food den Gänsebraten ins Haus fliegen: Dithmarsche Freilauf-Gans, fertig gegart und im Vakuum-Beutel bereits portioniert, mit selbstgemachtem Apfel-Rotkohl, fruchtig weihnachtlicher Gänse-Jus mit Sternanis-Kardamom und Ingwer sowie Serviettenknödel und Portwein-Maronen. Die Gans (4,5 – 5,5 kg) kostet 133 € und ist für 4 Personen gedacht. Der Preis ist höchst moderat. Während die meisten die Gänse im Ganzen anbieten, erlaubt die Portionierung, dass man sich auch zu zweit eine Gans liefern lassen kann und diese auf zwei Tage verteilt auftischt, sofern man sie nicht gleich auf einmal verspeist.   

Thomas Funke serviert persönlich

Revival für den Sonntagsbraten, den Soul Food ebenfalls anbietet: Der Sonntagsbraten ist ein kulinarischer Sehnsuchtsort. Er duftet nach Behaglichkeit in dampfender Küche und mütterlicher Fürsorge. Aber wo wartet schon ein Sonntagsbraten auf uns? Der Sonntagsbraten scheint ein Relikt vergangener Zeit. Thomas Funke von Soul Food  will ihn wieder beleben und liefert ihn sogar noch ins Haus.

Der saftige Kalbsrollbraten (im Bild oben ) wird mit einer Knoblauch-Zimt-Jus auf Höhe gebracht und kann am Stück oder tranchiert vakuumiert geliefert werden. Dazu gibt es drei Scheiben Serviettenknödel mit Speck und Petersilie sowie selbstgemachten Apfel-Rotkohl. Auch eine Versuchung ist der Braten vom Duroc-Schweinenacken mit Apfelwein-Jus und den gleichen Beilagen. Ein halbes Kilo vom Braten, der gut und gerne für zwei Personen reicht, kostet 30,50 €, die Beilagen (jeweils 100 Gramm) werden mit 4,50 € berechnet. Insgesamt kostet der rollende Sonntagsbraten vergnügliche 35 € (plus derzeitige MwSt. von 5%). Hinzu kommen Anfahrtskosten (Frankfurt/Offenbach/Taunus) von 15 €, andere Zielgebiete im Rhein-Main-Gebiet nach Absprache. Bei einer Bestellmenge von über 99 € entfallen die Anfahrtsgebühren. Der Sonntagsbraten wird natürlich nicht nur sonntags geliefert.

Thomas Funke kann mit seinem „fahrenden Restaurant“ an jeden beliebigen Ort kommen, ins Büro, in den Garten oder ins Haus. Die Sonntagsbraten, ein kreatives Menü oder ein kleines Buffet gehören zum Repertoire, an Weihnachten und Silvester ist Soul Food wieder verstärkt im Einsatz, weshalb man rechtzeitig buchen sollte.

Soul Food, Kelkheim, Frankfurter Str. 172, Tel. 0172 6971061.

E-Mail: info@soulfood.de

www.soulfood.de

 

Thomas Funke betreibt seit 10 Jahren mit Soul Food sein eigenes Unternehmen. Zu seinen Stationen gehörten der Frankfurter Brückenkeller und die Egener Höfe am Tegernsee. Funke kochte in der Blütezeit des Frankfurter Museumslokals Schirn, die seinerzeit Klaus-Peter Kofler betrieb und bei dem er auch zweitweise für die gesamte Cateringküche verantwortlich war.

Porträt von Thomas Funke und Soul Food:

https://www.fienholdbiss.de/aktuelles/private-cooking-der-spitzenkoch-fuer-zuhause/




Corona-Gastro: Viele fallen in ein tiefes schwarzes Loch

Nicht jammern,

sondern klagen!

 

Nicht nur Geld, auch die Gerichte könnten helfen

 

Die Hotellerie & Gastronomie hat trotz größter Geldsorgen viel in die geforderten Hygienemaßnahmen investiert. Die Hotels und Restaurants gehören zu den sichersten Orten, wobei überhaupt keine ernsthaften Fälle bekannt sind, die dort ihren Ursprung haben könnten. Dennoch wird wieder das Gastgewerbe in den Zwangsurlaub geschickt, was traurig und wütend macht. Vorerst gilt das Berufsverbot für vier Wochen, die allein schon existenzbedrohlich genug sind. Aber was ist im Dezember, wie sehen die Pläne für Januar, Februar, März und das ganze nächste Jahr aus? Die Politik reagiert lediglich auf Zahlen, die keineswegs plausibel sind. Geplante staatliche finanzielle Zuwendungen sind lediglich ein Narkosemittel, tragen aber nicht zum Überleben bei.

Die Zukunft sieht düster aus, viele fallen in ein tiefes schwarzes Loch

Politik soll ja irgendwie Sinn machen, der aber auch in diesen Tagen nicht zu erkennen ist. Schon gar nicht im Fall der Schließung für die Gastronomie. Längst ist klar, dass die Menschen weiterfeiern, jetzt sogar noch mehr, aber weit unkontrollierter. In den Hotels und Restaurants wurden die verordneten Hygienemaßnahmen eingehalten, was man von den privaten Partykellern nicht erwarten kann. Die Prohibition in den Vereinigten Staaten (von 1920 bis 1933), welche den Verkauf und die Verbreitung von  Alkohol verbot, hatte eine gegenteilige Wirkung. Die illegale Produktion und Verbreitung von Alkohol breitet sich noch weit mehr aus. Es entstanden die legendären Speakeasys, hinter deren geheimen Türen ungebremst gefeiert wurde. Anfangs gab es rund 5000 solcher Clubs, am Ende waren es 100.000. Auch die Kriminalität stieg an, Mafiosi wie Al Capone schwammen auf der Welle des Alkoholverbots ganz nach oben. Außerdem wurden in der Zeit der Prohibition 13% mehr schwere Verbrechen registriert und 81% mehr Fälle von Trunkenheit am Steuer.

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Dehoga vertritt die Interessen seiner Mitglieder gegenüber der Politik. Bislang beschwert er sich recht freundlich, zeigt aber keinen Biss. Es gibt einen Punkt, an dem keine Appelle an die Vernunft mehr helfen, zumal man eine solche ohnehin nicht erkennen kann. Und dieser Punkt ist längst überschritten. Jetzt hilft nicht mehr bloß jammern, sondern Klagen, denn die Gerichte haben bislang in einigen Fällen eine andere Einsicht als die Exekutive. Gerichte haben das Beherbergungsverbot gekippt und auch schon die Sperrstunde, weil diese als nicht verhältnismäßig und zielführend bewertet wurden.

Angst essen Seele auf

Die Corona-Politik gibt vor zu schützen, vernichtet aber viele Existenzen und macht krank. Existenzängste machen krank, soziale Einengung macht krank, die Isolation der Alten in den Heimen macht sie und ihre Angehörigen krank. Jetzt herrscht im November noch mehr Dunkelheit als sonst. Um 17.30 Uhr ist das Licht wie ausgeschaltet, die Welt ist ein großes schwarzes Loch. Wer hat überhaupt noch Lust einzukaufen? Dinge, die man in diesen Tagen nicht braucht, für Reisen, die es nicht gibt. Der Einzelhandel wird immer kleiner gemacht und Amazon bläht sich auf. Dem Mittelstand, der Stütze der Gesellschaft, geht die Luft aus. Kein Atmungsgerät kann das verhindern.

Das Maskengeschäft floriert. Die Menschen tragen Masken, die das Eindringen von Viren nicht verhindern. Ein System, das auf Angst aufgebaut ist, wird an dieser Angst ersticken. Auch mit Maske. Vieles, das der Gesundheit dient, wird verboten: Sport im Fitnessstudio, Laufen an frischer Luft ohne Maske (damit auch wirklich Sauerstoff reinkommt und nicht die eigene verbrauchte Atemluft). Zur Gesundheit trägt alles bei, was Psyche und Immunsystem aufrecht erhält. Soziales und kulturelles Leben sind human- und gesundheitsrelevant, Besuche von Lokalen, Cafés, Theatern, Kinos oder Museen. Es wird bald mehr Psycho-Ruinen geben als ohnehin schon. Wenn einer niest, springen sie in Deckung, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Die Angst ist ein schlechter Ratgeber und fördert eine Entmenschlichung, die man schon jetzt allerorten erleben kann. Es gibt kein Glück im falschen Leben. Die Maske steht dafür als Symbol: Die Menschen haben ihr Lächeln verloren.

Ludwig Fienhold




Corona: Aus Lokalen werden Klassenzimmer

Wein und Bier als Lehrstoff

 

Wirtschaftsminister Altmaier will in Lokalen Klassenzimmer einrichten. Gar nicht so abwegig, wie man glauben mag, Gaststätten waren ja schon immer die Schule des Lebens. Wir sehen es schon vor uns: Der Lehrer bezieht hinter der Theke Stellung, die Schüler sitzen an jenen Tischen, an denen gestern noch Pasta, Schnitzel oder Hummer serviert wurden. Die Schüler sind guter Stimmung, der Bierzapfhahn und die Flaschen Wein in den Regalen wecken mehr Erwartungen als die Logarithmen im Laptop. Der Name Lehrstoff füllt sich mit Inhalt. Spätestens nach der zweiten Stunde. Präsenzunterricht heißt hier vor allem die Präsenz von Bier und Wein. Der geforderte hybride Wechselbetrieb bedeutet den Wechsel von Wein und Bier. Hinter die Binde kippen war gestern, jetzt wird hinter die Maske gekippt.

Per Videokonferenz werden ein Sommelier und ein Bierexperte zugeschaltet, die wichtige Informationen und Anleitungen zum korrekten Umtrunk liefern. Wissenschaftlicher Hintergrund: Gerade einmal 0,17% der Schüler/inner wurden Covid-positiv getestet. Das lässt sich mühelos auf 1,8% Promille Alkohol steigern. Dann hat das Robert Koch Institut noch eine schöne Kurve mehr, mit der sie die Bevölkerung verwirren kann.

Wo bleibt das für die Schule so elementar Soziale, Emotionale, Kognitive? Ach, was denn, Wein ist hoch emotional und sozial und kognitiv sowieso. Und: Kinder aus sozial schwachen Verhältnissen sind hier nicht mehr benachteiligt, eher im Gegenteil. Vorteilhaft zudem, weil das Atmen für einen frischen Kopf sorgt: Beim Trinken muss niemand Maske tragen. Lehrer und Schüler wahren Abstand, am Ende des Unterrichts halten sie nur die Flaschen in den Armen.

Ludwig Fienhold




Corona: Hotellerie, Gastronomie und Touristik laufen Sturm

Das neue Infektionsschutzgesetz

empört die Branche

 

„Infektionsschutzgesetz“ – allein der Begriff scheint eine reine Schutzbehauptung zu sein und führt in die Irre. Wenn ein „Schutzgesetz“ derart viele Menschen und Unternehmen ungeschützt lässt und mehr noch verletzt und sogar eine vernichtende Existenzbedrohung zulässt, dann muss man sich über die Empörung darüber nicht wundern, sondern darf zustimmend erkennen, dass nicht alle die hochproblematische und selbstzerstörerische Entwicklung in dieser Republik gedanken- und widerspruchslos hinnehmen. Das „Infektionsschutzgesetz“ will im Wesentlichen das rigoros restriktive Handeln der Bundesregierung auch rechtlich legitimieren, denn nicht selten mussten ja Gerichte korrigierend eingreifen (Beherbergungsverbot u.a.m). Erstaunlich ist dabei, wie schnell plötzlich Gesetze im Schweinsgalopp verabschiedet werden können. Bedenklich auch das Verhalten der Grünen, die (im etwa Gegensatz zur FDP und der Linken) wohl auch deshalb diesem Gesetz zustimmten, um damit die Weichen für eine künftige Koalition mit der CDU zu stellen.

Schließung ohne Entschädigung

Entsetzen über das neue „Infektionsschutzgesetz“ herrscht nicht nur bei vielen Menschen, sondern auch Institutionen, die nicht im Verdacht stehen, grundsätzlich regierungskritisch zu sein. Der ergänzende Paragraph 28a stellt auch Gastro-Schließungen sowie Beherbergungsverbote auf eine rechtliche Grundlage – aber ohne entsprechende Entschädigungs-Regelung. Branchenvertreter sind empört, der Dehoga hatte bereits Anfang der Woche mit einer Verfassungsbeschwerde gedroht, sollte das Gesetz so verabschiedet werden. Der Interessenverband der Hotellerie/Gastronomie Dehoga will jetzt Verfassungsbeschwerde einreichen, vor allem, weil keine Entschädigungsklausel in diesem Gesetz integriert wurde, die bei Schließung für einen finanziellen Ausgleich sorgen könnte. „Alles andere als eine Entschädigungsleistung im Ernstfall käme einer Zwangsenteignung gleich.” Zudem weist der Verband darauf hin, dass die Details zu den Novemberhilfen immer noch nicht vorliegen. “Die Hilfen müssen nun schnell fließen und sollte der Teillockdown in den Dezember hinein verlängert werden, müssen nach den Novemberhilfen auch Dezemberhilfen kommen, meint Dehoga-Chef Guido Zöllick (im Bild o.r.).

Reiseverbote ohne Kriterien

Auch der Deutsche Tourismusverband reagiert: “Die Änderung des Infektionsschutzgesetzes ist kritikwürdig. Mit dem neuen Paragraphen 28a werden Maßnahmen wie Reise- und Beherbergungsverbote, Veranstaltungsverbote, Gastronomieschließungen, ja sogar Transportverbote gesetzlich als Schutzmaßnahmen im Pandemiefall festgeschrieben. Der Gesetzgeber versäumt es aber, diese Schutzmaßnahmen anhand von Kriterien abzustufen.”

Bei diesem “völlig übereilten Gesetzgebungsverfahren” sei nicht einmal ein Mindestmaßan parlamentarischen Gepflogenheiten eingehalten worden. Obwohl der Deutschlandtourismus zu den am stärksten betroffenen Branchen zähle, “wurde der Deutsche Tourismusverband nicht angehört.” Nicht einmal der Tourismusausschuss des Bundestages habe das Gesetz formal mitberaten, sondern wurde nur über eine gutachtliche Stellungnahme beteiligt. Der Deutschlandtourismus stehe nun de facto zum zweiten Mal komplett still. Jede Woche Stillstand koste 1,8 Milliarden Euro an Umsatzverlusten.




Neu: Flowdeli-Café im Jüdischen Museum

Das Frankfurter Mainufer

ist im Fluss

 

Das Rothschild Palais am Frankfurter Mainufer ist ein klassizistisches Kleinod, das den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstand. Das Gebäude und seine Räume sind sehenswert, allen voran der holzgetäfelte Rauchsalon mit seiner vergoldeten Kassettendecke. Aus dem 1820 errichteten historischen Herrschaftshaus der Bankiersfamilie Rothschild entstand das Jüdische Museum, das jetzt durch einen nachbarlichen modernen Neubau ergänzt wurde. Dort ist auch das Café von Flowdeli untergebracht, es steht unter der Obhut eines Rabbiners und eines die Lebensmittel kontrollierenden Maschgiach – und wurde entsprechend als koscher zertifiziert.

Die Servicemitarbeiterinnen sind trotz Maske als freundlich auszumachen. Der Kaffee kommt vom lokalen Röst-Pionier Hoppenworth & Ploch, was schon einmal eine beruhigende Basis verschafft. Der hausgemachte Cooky dazu ist auch gut und reicht für einen netten Nachmittag. Es gibt zudem heiße Schokolade mit Fleur de Sel vom belgischen Schokoriesen Callebaut, von dem auch die Premium-Klasse 811 zu haben ist. Champagner von Laurent Perrier, Prosecco Primo V und israelische Weine stehen ebenfalls auf der Karte.

Das Café hat wie alle anderen Gastro-Betriebe im November leider nicht geöffnet, läuft aber mit Take Away weiter. Alle Speisen und Getränke sowie Kaffee gibt es ab Dienstag, 3. November, zwischen 11 und 15 Uhr zum Mitnehmen, die Speisen im Einweckglas. Zum Repertoire gehören Salate, Hummus, Shakshuka, Auberginen-Crème, Chai Latte, frisch gepresste Säfte, hausgemachte Kuchen und Kaffee. Hummus und Auberginen-Mus sind gut, wobei man sie zu Hause mit Olivenöl und Fleur de Sel noch aufbessern kann.

Flowdeli Café im Jüdischen Museum, Frankfurt, Bertha-Pappenheim-Platz 1 (oberhalb vom Restaurant Nizza am Untermainkai 17).

Das Unternehmen Flowdeli mit Sitz in Kelsterbach wird geführt von Florian Große, Miroslava und Daniel Wittstock und betreibt Catering und Events aller Art, auch im Jüdischen Museum selbst.

 

Photocredit: Barbara Fienhold

 

 

 

 




Top oder Flop: Gault & Millau Deutschland 2021

Der neue Gourmet Guide erscheint am 30. November

 

Der neue Gault & Millau soll am 30. November erscheinen, mitten in der Corona-Krise, wo die Gastronomie – und mit ihr viele Gäste – sorgenvoll in die Zukunft blickt. In dem Restaurantführer werden die 500 besten Adressen in Deutschland präsentiert und bewertet, außerdem weitere 500 Empfehlungen ohne Wertung vorgestellt. Im Gegensatz zu den bisherigen Gepflogenheiten, wird es keine Feier mit Preisübergabe in einem Hotel oder Restaurant geben können, sondern lediglich eine virtuelle Award-Verleihung am 26. November. Im Rahmen dieser ungewohnt trockenen Darstellung wird auch der „Koch des Jahres 2021“ gekürt. In den Jahren zuvor wurden über 1000 Restaurant getestet und bewertet. Der langjährige Chefredakteur und spätere Herausgeber, Manfred Kohnke, spricht deshalb bei der deutlich schlankeren Version des neuen Gault & Millau von einem Armutszeugnis, weil nur besuchte und getestete Lokale einen Erkenntnisgewinn bringen würden. Ob es Überraschungen geben wird, erfahren Sie hier wie stets aktuell im BISS-Magazin.