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Daniel Schönberger ist neuer Küchenchef im Restaurant Goldmund

Restaurantkritik: Geschmackvoller Start

im Frankfurter Literaturhaus

 

Eine kulinarische Bereicherung für Frankfurt: Das Restaurant Goldmund im Literaturhaus an der Schönen Aussicht am Main hat mit Daniel Schönberger einen neuen Küchenchef gewonnen, der bereits nach wenigen Tagen Lust auf seine Gerichte zu machen versteht. Seine Art mit französischer Klassik umzugehen, ist so modern und leicht, dass sie animierend, unterhaltsam und bei keinem Gang ermüdend  wirkt. Oft wird daraus eine frische Gartenküche, die kraftvollen Partner auf dem Teller belebt und beschwingter macht. Eine solche Küche schließt in einem gastronomisch immer stärker werdenden Frankfurt durchaus noch eine der wenigen Lücken.

Die Küche

Schweinebauch

Schöne französische Evergreens, die immer Lust machen, gehören zum Standartrepertoire: Gratinierte Weinbergschnecken, bretonische Fischsuppe oder Rillette vom Eifel-Kaninchen. Die Kür erlebt man beim zarten Schweinebauch mit krosser Kruste, Flusskrebsen, Artischocken, Rettich, Estragoncreme und aromatischen Oberräder Tomaten. Kein Gramm zu viel, keine Penetranz der Aromen, einfach nur Finesse. Diese ruhige Schlichtheit der Eleganz wirkt anziehender als die nervöse Pseudokreativität vieler Köche. Großartig auch der zarte und perfekt rosa gebratene Kalbstafelspitz in seidiger und ausdrucksvoller Jus mit Kohlrabi, Bohnen-Cassoulet, Holunderbeeren und luftgetrocknetem Schinken. Beim Wildfang-Kabeljau mit Pfahlmuscheln erlebt man nicht nur einen Star auf dem Teller, sondern gleichberechtigte Partner unter allen Komponenten, die sich zu einem ganzen Großen zusammenfügen: Geschmeidiges und gekräutertes Perlgraupen-Risotto, geschmorte Paprika und einen wunderbaren Safran-Fischsud, der alles verbindet. Tadellos auch die Lachsforelle, gebeizt und als Tatar, nebst eingelegtem Essiggemüse, Kerbel, Bachkresse und Kartoffel-Eis. Die Desserts sind fein und leicht genug, um sie in ein kleines Menü passen zu lassen: Die annoncierte Sommerfrische wird mit Joghurtcreme, Limone, Basilikum-Eis und gebrannten Haselnüssen luftig umgesetzt. Bei Himbeere & Schaf finden Schafsmilch, Sauerrahm, Sauerklee, Schokocrunch und madagassischer Urwaldpfeffer (wer´s genau aussprechen will: Voatsiperifery) harmonisch zusammen. Alles in allem hochsolide.

Der Küchenchef

Daniel Schönberger war viel unterwegs in seinem Leben, scheint aber jetzt eine Heimat gefunden zu haben. Es war Souschef im Kempinski in Gravenbruch und beim Restaurant Hessler in Maintal sowie Küchenchef bei Döpfners in Frankfurt, betrieb mit dem Jacobs in Dreieich sein eigenes Lokal und führte zuletzt die Küche bei Star Clipper Segelschiffen und von Aida Cruises.

Speisekarte

Auch eine Speisekarte kann eine interessante Lektüre sein,  wie diese hier. Sie ist vielfach gegliedert und unterscheidet zwischen den beiden Hauptrichtungen Klassiker und Fine Dining. Auch für Vegetarier gibt es interessante und ungewöhnliche Angebote. Preise à la carte: Vorspeisen 12,90 – 18,90 €, Hauptgerichte 22,90 – 36,90 €. Desserts 10,90 – 14,90 €. Menüs: 3 Gänge 39 €, 4 Gänge 49 €, 5 Gänge 59. Die Menüs bieten den Gästen einen klaren Vorteil.

Weinkarte

Auf der Weinkarte gibt es gute Positionen, Riesling aus Rheinhessen oder Roero Arneis aus dem Piemont, im Vergleich kann diese aber nicht mit der Küche mithalten und darf sich noch durch mehr Individualität und eine eigene Handschrift steigern.

Service

Wenn man auf so natürliche Weise und strahlend wie von Edita empfangen wird, ist man als Gast gleich gut eingestimmt. Die Restaurantleiterin und Partnerin von Mitinhaber Martin Peters kommt eigentlich aus der Immobilienbranche, bringt aber genau die Herzlichkeit ein, die manchen Profis fehlt. Edita trägt am liebsten Dirndl, was ihr bestens steht, wobei sie so viele besitzt, dass sie einen Monat lang jeden Tag ein neues anziehen kann. Auch sonst agiert der adrette Service aufmerksam und freundlich.

Ambiente

Eindrucksvoller und stilvoll ausgestatteter Raum mit einer bemerkenswert hohen Decke, wie man sie in der Gastronomie eher selten findet. Entspannte Fine Dining Atmosphäre, die sich für ein Rendezvous ebenso eignet wie für Geschäftsgespräche. Hübsche kleine Terrasse. Unbedingt reservieren, da viele Gesellschaften und Events spontane Besuche verhindern könnten.

Narziss & Goldmund, eine durch Friedrich Nietzsche inspirierte Erzählung von Hermann Hesse, stand Pate für den Restaurantnamen. Das Literaturhaus mit seinem markanten Portikus als Entree sollte einmal als Schopenhauer-Archiv dienen, weil der Philosoph nur unweit an der Schönen Aussicht mit Mainblick gelebt hatte. Viele große Geister schweben im Literaturhaus, was man im Goldmund mit genießen sollte.

Ludwig Fienhold

Restaurant Goldmund im Literaturhaus
Frankfurt, Schöne Aussicht 2, Tel.
069 210 85 985.

Montag – Freitag 17 – 24 Uhr/Küche 22 Uhr

Samstag 18 – 24 Uhr/Küche 22 Uhr

Eine Reservierung ist dringend anzuraten, da an diesem attraktivem Ort viele Hochzeiten und andere geschlossene Gesellschaften stattfinden.

Photocredit: Barbara Fienhold

 




Biancalani reloaded: Andreas Busse ist neuer Küchenchef

Frankfurts Kreativ-Italiener

erweitert sein Konzept

mit frischen Ideen

 

Andreas Busse (r. im Bild)  löste am 1. September Christoph Kubenz als Küchenchef im Frankfurter Biancalani ab. Mit dem Wechsel erfolgte auch ein erweitertes Angebot: Das Restaurant wird zusätzlich zur Bühne von bekannten Gastköchen und Newcomern, will mit kulinarischen Events, Küchenpartys und individuellen Wein-Festivals auch gesellschaftliche Ereignisse schaffen. Die offene Küche, die schönste ihrer Art in Frankfurt, ist geradezu prädestiniert für jegliche gastronomische Performance.

Das Biancalani überraschte schon immer mit Veränderungen, neuen Ideen und unerwarteten Konzepten. Diesmal noch eine Prise mehr. Das Restaurant wird für Fine Dining am Donnerstag, Freitag und Samstag abends offen bleiben und an anderen Tagen die unterschiedlichsten Themenabende in lockerer Folge anbieten. Dann wird das Lokal zum Cooking Club oder zum Platz für private Feiern. Dazu gibt es viele neue Ideen. Biancalani-Mastermind Tom Bock will bei solchen Events beispielsweise Crazy Pizza in originellen Varianten servieren oder einfach mal als Aquapazza nur einen ganzen Fisch. Die Restaurant-Speisekarte soll weiterhin das leicht reduzierte Corso al Gusto mit wechselnden fantasievollen Tellern fahren und durch größere Portionen ergänzt werden, wobei sich beides gut kombinieren lässt. Beim Directors Cut wird ein besonderes Stück vom Fleisch oder Fisch angeboten. Klassik trifft auf Avantgarde. Bei Kichererbsen-Ravioli mit Pfirsich und Linsenbrot oder Filet vom Wolfsbarsch mit Erbse, Apfel und Majoran. Auch Risotto soll eine wichtige Rolle spielen, was sehr begrüßenswert wäre, denn dieses gibt es in Frankfurt kaum wirklich gut und frisch gemacht. „Ein wesentlicher Bestandteil bei Risotto und vielen anderen Gerichten ist erstklassiges Olivenöl“, weiß Busse. „Und das haben wir hier von den eigenen Olivenhainen in der Toskana in allerbester Qualität.“

Küchenchef Andreas Busse

Andreas Busse, Jahrgang 1980, blieb nicht lange in seiner Geburtsstadt Leipzig und kann nach all den Jahren auf bemerkenswerte Stationen verweisen, wo er teilweise auch als Souschef arbeitete: Ketschauer Hof in Deidesheim, Favorite Mainz, Tigerpalast in Frankfurt (bei Martin Göschel), allesamt Sternerestaurants. Besonders spannend empfand Andreas Busse seine Stage-Erfahrung im seligen Berliner Spitzenrestaurant Margaux. Seit 2018 ist er wieder in Frankfurt und stand bereits mit Christoph Kubenz gemeinsam am Herd. Nun übernimmt er den Chefposten und darf zeigen, was noch alles in ihm steckt (eine Restaurantkritik bei BISS folgt). Auf die Grundlagen von guten Jus und Fonds, die bislang viele Gerichte geschmacklich pointierten, legt Andreas Busse ebenfalls großen Wert. Genau dies war bislang auch ein wichtiges Charakteristikum des Restaurants Biancalani, was es von vielen Italienern unterschied. Der bisherige Küchenchef Christoph Kubenz macht sich selbständig und steigt gemeinsam mit seiner Frau ins Cateringgeschäft ein.

Ludwig Fienhold

 

Biancalani, Frankfurt, Walther-von-Cronberg-Platz 9,

Tel. 069 68 97 76 15. www.biancalani.de

 




Teehaus Ronnefeldt: Frank Holzapfel verstorben

Verleihung der

Brillat-Savarin-Plakette

im Frankfurter Städel abgesagt

 

Ronnefeldt begegnet einem sehr oft, meist irgendwo morgens in einem Hotel. Das traditionsreiche Frankfurter Unternehmen schaffte den Sprung vom kleinen Unternehmen zum Global Player und hat sich in der Welt einen Namen gemacht.  Frank Holzapfel, der das Unternehmen 1984 übernahm, starb jetzt im Alter von 80 Jahren. Er sollte am 16. November die nach dem französischen Genießer und Philosophen benannte Brillat-Savarain-Plakette im Frankfurter Städel verliehen bekommen. Diese wird ihm nun posthum zuerkannt, statt der großen Zeremonie wird es eine Feierstunde im kleinen Kreis geben. „Tee. Meine Leidenschaft. Mein Leben“, war der gedachte Titel der Preisverleihung, der seine Gültigkeit beibehält. Die Brillat-Savarin-Plakette soll zum 64. Mal verliehen werden, Preisträger waren unter anderem die Hoteliers Ingo C. Peters (Vier Jahreszeiten Hamburg), Thomas Althoff (u.a. Grand Hotel Schloss Bensberg) und Heiner Finkbeiner (Traube Tonbach) sowie der ehemalige Tophotel-Herausgeber Wolfgang Schmitz und Winzer Fritz Keller, der jetzt auch DFB-Präsident wurde.

Frank Holzapfel

Am 5. August konnte Frank Holzapfel noch seinen 80. Geburtstag feiern, jetzt verstarb er am Mittwoch, den 2. Oktober, nach langer Krankheit. Das Unternehmen Ronnefeldt zählt 180 Mitarbeiter, gehört zu den ältesten Teehandelsunternehmen in Europa und ist seit 1823 immer noch im Familienbesitz. Frank Holzapfel übernahm 1984 das Unternehmen von Herwarth Westphal, dem letzten Inhaber der Ronnefeldt-Familie. Mit unternehmerischem Weitblick entwickelte er die Marke zur internationalen anerkannten und exklusiven Brand für hochwertigen Tee. Die vorportionierten Lösungen von Ronnefeldt, wie Tea-Caddy, LeafCup und Teavelope sind in gehobenen Hotels in über 80 Ländern der Welt am Frühstücksbuffet, in der Lobby und im Konferenzbereich sowie in anderen F&B-Outlets zu finden. 1991 erwarb Holzapfel das Tee-Handels-Kontor Bremen mit rund 40 markant blauweißen Teefachgeschäften. Frank Holzapfel, gelernter Werbekaufmann, entwickelte Anfang 2000 auch das Trainingskonzept der TeaAcademy, das –  einzigartig für einen deutschen Mittelständler – Investitionen in Ausbildung weltweit umsetzt – von Amsterdam über Dubai bis Sydney: „Qualitativ hochwertiger Tee allein reicht nicht, der Tee braucht die richtige Zubereitung, das perfekte Handling und die kreative Inszenierung vor Ort im Hotel und Restaurant durch kompetente und geschulte Mitarbeiter“, so lautete sein Credo für das TeaMaster-Programm. Die deutsche Teebranche verliert mit Frank Holzapfel einen der engagiertesten und wichtigsten Botschafter für das älteste und am meisten genossene Heißgetränk der Welt. Im Jahr 2012 übergab Frank Holzapfel die Geschäftsführung der J.T. Ronnefeldt KG an seinen Sohn Jan-Berend. Der jüngere Bruder Arne führt das Vertriebsunternehmen Holzapfel & Cie. mit der Marke Tee-Handels-Kontor Bremen.




Welcher Wein passt zum Döner?

Ungewöhnliches Tasting in der Alten Textilfabrik in Frankfurt

mit Champagner und Blauarsch-Chardonnay

 

Welcher Wein passt zum Döner? Darf man zum Popcorn Chardonnay servieren? Diesen Fragen nähert sich Schluckweise Brigitte Weinhold und will mit sechs verschiedenen Weinen und einigen Imbisshappen Antworten geben. In der Eventlocation Alte Textilfabrik in der Frankfurter Taunusstraße 19 am 14. Oktober von 19 – 21.30 Uhr. Weine, Food, Wasser: 45 € pro Nase. Brigitte Weinhold ist für die Weine im Lokal gang & gäbe verantwortlich und lässt in der Alten Textilfabrik immer wieder kleine feine Tastings aufploppen. Und hier gleich die Antwort auf die Eingangsfrage: Zum Döner-Happen wird es keinen Wein, sondern einen guten Champagner geben.

Dass Champagner bestens zu Frankfurter Würstchen und Curry-Wurst passt, ist längst bekannt. Ein Döner ist vielleicht eine noch größere Herausforderung. „Ich werde kleine Portionen von jedem Gericht servieren. Es soll kein Imbiss Menü werden“, meint Brigitte Weinhold, die das Testing moderierend begleitet. Der Speiseplan: Pad Thai, Samosas, Döner und Popcorn. Zu jedem Happen werden zwei Weine gereicht. Im Detail: Zum Pad Thai Scheurebe vom Weingut Wechsler und Blauer Spätburgunder von Bettina Schumann. Die indischen Samosas werden vom Schlossgut Diel und dessen Riesling Spätlese Pittermännchen sowie von einem Moscato D’Asti von Molino begleitet. Der Döner beziehungsweise der Dürüm darf sich auf die Gesellschaft des cremigen und dichten Champagner Selection Eclats de Meuliere Extra Brut von Jeaunaux-Robin freuen. Zum Popcorn gibt es Chardonnay Im Blauarsch vom Weingut Milch aus Rheinhessen – der Blauarsch gilt als Gewannbezeichnung und gehört zur Lage Monsheimer Silberberg. Wer jetzt nicht Lust auf diese bemerkenswerte Verkostung bekommt, darf weiter Wasser trinken. Das Finger Food kommt übrigens von den Imbissläden der Nachbarschaft.

Wein an den Lippen, Tasting der Weinhandlung gang & gäbe in der Alten Textilfabrik (Bild oben r.), Frankfurt Bahnhofsviertel, Taunusstraße 19, Tel. 069/5800 505 17. Reservierung sehr empfohlen.




Bahnhofsrevier wird attraktiver: Althoff-Hotel Ameron Neckarvillen hat eröffnet

Wohnen im Denkmal

zu netten Preisen

 

Das neue Ameron Neckarvillen der Althoff-Hotels im Frankfurter Bahnhofsviertel wurde dieser Tage mit einjähriger Verspätung eröffnet und konnte die ersten Gäste einquartieren. Derzeit befindet man sich noch in der Softopeningphase, Ende des Jahres soll dann ganz offiziell gestartet werden. Der Sneak Preview bietet noch den Oktober über einen Preisnachlass von 30%, Zimmer sind bereits ab 111 € zu bekommen. Das Hotel liegt zwischen dem Hauptbahnhof und dem Bankenviertel und damit strategisch recht günstig.

Petit Royal Restaurant

Lobby

General Manager des Boutique Hotels ist Gisbert Kern, der zuvor unter anderem das Main Plaza in Frankfurt führte, das ja anfangs ebenfalls zu Althoff gehörte. Das Hotel und seine 133 Zimmer befinden sich in den ehemaligen stilvollen Neckarvillen. Das denkmalgeschützte Ensemble  aus vier benachbarten Gebäuden gehört zu den besonders attraktiven Bauten im Bahnhofsviertel, die historischen Sandsteinfassaden mit Elementen aus Neobarock, Neoklassizismus und Jugendstil und ihre aufwendigen Dach-Schnitzereien wurden glanzvoll in Szene gesetzt.

Die Geschichte wird  jedoch auch durch moderne Technik ergänzt. Den Zutritt zum Zimmer ermöglicht das eigene Smartphone: Ein digitales Schließsystem ersetzt die Schlüsselkarte und ermöglicht einen komfortablen Check-in und Check-out – ohne Wartezeit.

Im Erdgeschoss soll am 22. Oktober ein Ableger des Berliner Restaurants „Le Petit Royal“ eröffnen. Klassiker der französischen Bistro-Küche werden hier neu interpretiert, ein Schwerpunkt soll Seafood sein.

Zu Drinks und kleinen Gerichten lädt mittags und abends die „French Bento Bar“ ein. Sie schließt an das „Le Petit Royal Frankfurt“ an und bietet urbane Fusion-Küche mit Einflüssen aus Frankreich und Japan. Die Bar soll spätestens Ende Januar 2020 ihren Betrieb aufnehmen. Die Gastronomie liegt am Jürgen-Ponto-Platz, dessen Brunnen Treffpunkt für traurige Gestalten aus der Schattenwelt ist, die kaum mit den Gästen des Ameron-Hotels in Einklang zu bringen sind.

Lese Lounge

 

 




So schmeckt Italien: Die besten Adressen

Ein Stiefel voll Leidenschaft

 

Die besten Italiener

in Deutschland

 

Italien ist kein Land. Italien ist die Projektion unserer Begierden und Sehnsüchte. Italien hat noch das Chaos, um einen tanzenden Stern zu gebären, wie es sich Friedrich Nietzsche wünschte. Mit schöner Schlichtheit Ekstasegerichte zu schaffen, scheint gerade den Italienern zu gelingen. Viele Menschen kann man mit einem Teller Pasta glücklich machen, gut aber, dass es einige italienische Ristorante gibt, die noch etwas mehr bieten. Diese stellen wir heute in unserem gewohnt subjektiven und bissfesten kulinarischen Ranking vor.

 

Top Ten Frankfurt

 

1. Carmelo Greco

Carmelo Greco

Carmelo Greco

Die Küche der Mütter hat sich Ausnahmekoch Carmelo Greco regelrecht einverleibt. Wenn er seine emotionale Basis mit kreativer Energie umsetzt, ist er am besten: Mit Flusskrebsen und Minze gefüllte Ravioli im Muschelsud; cremige Blutwurst-Ravioli mit Gänsestopfleber und Sauerkraut; Steinbutt all´ Osolana mit Rosinen, Pinienkernen und kandierten Tomaten. Carne su Carne, Carpaccio und Tatar vom Simmentaler Rind mit weißem Trüffel, sowie ofenfrisches Costata-Kotelett gehören zu den Hausklassikern. Ein angenehmer Service und das noble Ambiente lassen die triste Wohnsiedlung vor der Tür vergessen. Besondere Freude macht uns die starke Verbesserung der Weinkarte, die auch Unbekanntes und nicht nur die üblichen Verdächtigen präsentiert.

Carmelo Greco, Frankfurt, Ziegelhüttenweg 1-3, Tel. (069) 60 60 89 67  

 

2. Biancalani

Famoser Raviolo

Ein moderner Klassiker. Andreas Busse und sein Team bescheren verfeinerte Klassik und kreative Italo-Küche. Probier-Tipp: Wolfsbarsch mit Thymian und Rosmarin und Gambero Rosso in Garnelenfond mit geräuchertem Fenchel, Fenchelcreme und frittiertem Dill. Es gibt auch sonst einige italienische Adressen, die bekannt für ihre Saucen sind, doch nur wenige kümmern sich in einer solchen Leichtigkeit dem Thema. Im Biancalani sind es eher selten muskulöse Reduktionen, sondern mehr luftige und doch ausdrucksvolle Fonds, die jeweils im Mini-Milchkännchen à part serviert werden. Diese Essenzen der Küche sind das ganz besondere Charakteristikum des Biancalani. Herausragende individuelle Weinkarte, lässiges Ambiente, entspannte Atmosphäre. Eines der am besten gestalteten Restaurants und die schönste offene Küche der Stadt. 

Biancalani, Frankfurt, Walther-von-Cronberg-Platz 7-9, Tel. (069) 68 97 76 15

 

 

3. Fabbri-ca

Fabbri-Ca

Aus einem Beautysalon im schönen Frankfurter Westend wurde ein kleines feines Lokal. Es gibt nur eine Schiefertafel mit knapp zehn Gerichten, doch die sind ausnahmslos gut. Luigi Fabbri besinnt sich auf die Kernkompetenz der italienischen Küche. Gute Produkte, sensibel zubereitet und temperamentvoll gewürzt. Basta. Ein solch saftig-zartes, kräuterwürziges Kotelette wie hier muss man lange suchen. Bravo! Die mit Muskatkürbis gefüllten Cappellacci fallen wunderbar schlotzig aus, die Lasagne aus dem Ofen haben wir schon sehr lange nicht mehr so gut bekommen. Das Risotto marinara bringt eine Meeresbrise und schön durchgezogenes Garnelenaroma auf den Teller. Die frisch aufgeschnittene Porchetta hat Klasse, ebenso der fein geschnittene Gorgonzola mit Senffrüchten. Die kühle Creme aus gerösteten Pistazien ist umwerfend gut und sollte keinesfalls verpasst werden. Durch die offene Küche kann man jeden Handgriff sehen.Der Prosecco von Dal Din ist immer gut für einen Einstieg, beim Costaripa vom Gardasee freut man sich über sommerliche Düfte von Zitronenmelisse und Kräutern und der Soave Montesei von Le Battistelle ist eine in jeder Hinsicht reife Leistung – Kräuter und reife Früchte mit seidig-cremiger Frische.

Fabbri-ca, Frankfurt, Westendstr. 73, Tel. (069)677 779 44.

 

4. Pasta Davini

Pasta Davini

Ganz viel Italien und vor allem Toskana auf kleinstem Raum. Allerbeste frische Pasta. Mit Lammragout, Weißweinsauce & Miesmuscheln oder als Bolognese. Je nachdem, welche der talentierten Hausfrauen gerade kocht, wechselt das Angebot. Selbst die Gnocchi sind hier richtig gut und die Spaghetti alla Carbonara gibt es natürlich ohne Sahne. Die Saucen sind allesamt zum Wegschlecken. Rosi Stern, geborene Davini, ist in der Toskana verwurzelt und sorgt mit ihrem Team für einen netten, kompetenten Service. Die Atmosphäre: Eng, laut, heiter. Es gibt keine Speisekarte, die Preise machen auch nicht misstrauisch. Ohne Reservierung hat man keine Chance.

Pasta Davini, Frankfurt, Heiligkreuzgasse 9a, Tel. 069 57805106.

 

 

 

5. Promis

Saro Barbagallos Speisekarte verrät bereits die Individualität des Lokals: Luftgetrocknetes und dezent geräuchertes Rib-Eye mit Feldsalat und Castelmagno-Käse, dem berühmten Grotten-Käse aus dem Piemont. Lauwarmes Spanferkel-Carpaccio. Oder Pizza mit Mozzarella, geräuchertem Provola-Käse und Tiroler Speck. Die Pasta ist umwerfend gut, immer schlotzig und süffig, stets so fleischig wie nötig und so filigran wie möglich. Hausgemachte Tagliatelle mit Kräuterseitlingen und hausgemachte Pappardelle mit Wildschweinragout muss man genau so probiert haben, wie hausgemachte Trofie mit Kalbsragout. Die Ragouts haben Substanz und eine Qualität, wie man sie eher selten findet. Ein absolutes Highlight ist die Pasta con Sarde aus der sizilianischen Heimat von Saro Barbagalo. Die saftigen Mezzi Paccheri vereinen sich hinreißend mit Wildfenchel, Sardinen/Anchovis, Frühlingszwiebeln, Peperoncini, Rosinen, gerösteten Pinienkernen und in Olivenöl geschwenkten Semmelbröseln. Letizia Barbagolla führt den Service mit bemerkenswerter Selbstherrlichkeit. Letizia bedeutet eigentlich „die Fröhliche“, was kaum zu glauben ist.

Promis, Frankfurt, Gartenstr. 17, Tel. 069 619 951 50

 

6. Brighella

Steinbutt im Brighella

Feine Küche, faire Preise, freundlicher Service und gute Weine bieten ausreichend Gründe für einen Besuch. Leo und Mario führen das Ristorante nun schon 30 Jahre erfolgreich und werden nicht müde, sich zu engagieren. Probier-Tipps: Bullen-Charolais-Filet mit Pfefferkruste in samtiger Jus, saftig fleischiger Steinbutt in delikater Gin-Creme-Sauce, Pasta mit Bottarga. Trink-Tipps: Ceretto aus dem Piemont, Valentino-Spumante, Poggio alle Gazze von Ornellaia.

Brighella, Frankfurt, Eschersheimer Landstr. 442, Tel. 069 53 39 92

 

 

 

 

7. Settimo Cielo

Gute kulinarische Leistungen in einer Kontinuität, wie sie für Frankfurter Italiener eher selten ist. Probier-Tipps: Gegrillte Seezunge mit frischen Kräutern, Ossobuco mit Polenta. Die Tagliolini mit Flusskrebsen in Hummersauce und die hausgemachten Kaninchen-Tortelloni mit schwarzem Trüffel gehören auch zu den Must-have.

Settimo Cielo, Frankfurt, Eckenheimer Landstr. 86, Tel. 069 59 67 38 08

 

8. Scuderia

Massimo Desortes von der Scuderia im Westend weiß ganz ausgezeichnet Pasta zuzubereiten, beispielsweise Fettucine mit Pilzen und Spaghetti mit Muscheln. Auch Fisch und Meeresfrüchte sind immer eine Empfehlung. Eine sprechende Speisekarte birgt immer Gefahren und Missverständnisse. Eine gedruckte Speisekarte könnte davor schützen und wäre uns lieber.

Scuderia, Frankfurt, Feuerbachstr. 23, Tel. 069 72 54 80

 

9. A Casa di Tomilaia

A Casa di Weine und Olivenöl vom eigenen Weingut. Ein paar leckere Antipasti mit frisch aufgeschnittener Fenchelsalami und Tiroler Schinkenspeck, hausgemachte frische Pasta, gutes Brot und allerbestes Olivenöl von der eigenen Plantage sowie Weine von den eigenen Weingütern des Betreibers Tom Bock – und fertig ist das Erfolgsrezept dieses lebhaften Lokals. Das sollte man bestellen: Picci-Pasta mit feingehacktem Rinderragout; Wildschweinragout mit prallen Pappardelle und Pilzen; Brasato von der geschmorten Rinderschulter. 

A Casa di Tomilaia, Frankfurt, Florentinisches Viertel, Walther-von-Cronberg-Platz 9, Tel. (069) 68977625

 

 

10. Lella Mozzarella

Lella Mozarella Das Gute-Laune-Lokal ist so etwas wie die Blaue Grotte mit Bewirtung. Heiteres Meerestürkis lässt die Gäste in eine Urlaubsatmosphäre abtauchen. Dazu trägt auch der einsatzfreudige Service bei. Die Tische stehen sehr eng, geflüstert wird dennoch nicht. Lesebrillen und kleine Frotteehandtücher als Servietten in Maledivenblau sind neckische Begleiter. Gute klassische Italo-Gerichte machen Freude: Tagliata, Rinderfiletscheiben aus der Gusspfanne, sowie hausgemachte fleischig-saftige Pappardelle mit geschmortem Ochsenragout zählen zu den Highlights. Sogar die sonst banalen Gnocchi schmecken hier geschmeidig und sind wie vieles andere selbstgemacht. Die gut abgeschmeckte Fischsuppe ist zu recht einer der Bestseller, die sonst nicht oft zu bekommenden Spaghetti alla Puttanesca mit Kapern, Knoblauch, Sardellen und Peperoncini sind ein toller Muntermacher. Selbstredend sind viele Mozzarella-Varianten zu haben, von der Bio-Käse-Manufaktur L´abbate aus der Nachbarstadt Offenbach. Es gibt zudem erstklassigen Aufschnitt von Parmaschinken, Fenchelsalami oder Coppa, der mit einem Glas Wein für eine schöne Zeit schon reichen würde. Die Weinauswahl entspricht dem ganzen Konzept, ist bezahlbar, aber nicht anspruchslos.

Lella Mozzarella, Frankfurt, Mörfelder Landstraße. 137, Tel. 069 663 667

 

Unsere Favoriten-Liste unterliegt der Aktualisierung und wird auch bei den Bewertungen ergänzt und erneuert. Durch diesen stetigen Wechsel kann es in der Reihenfolge auch Veränderungen geben.

 

Top Five Deutschland

 

1. Carmelo Greco, Frankfurt

Carmelo Greco

Carmelo Greco 

Feinsinnige phantasievolle italienische Küche (siehe Top Ten Frankfurt). Große Steigerung bei der Weinauswahl, für die der ehemalige Sommelier Enrico Resta verantwortlich ist, dessen Vorliebe für autochthone Rebsorten auf unser besonderes Interesse stößt.

Carmelo Greco, Frankfurt, Ziegelhüttenweg 1-3, Tel. (069) 60608967.

 

 

 

2. Im Schiffchen bei Enzo, Düsseldorf

Feine kreative italienische Küche mit schönen Kombinationen: San Remo Zahnbrasse, Amalfi-Zitrone, marinierter Fenchel, Tropea-Zwiebeln und Tränen von Taggiasca-Oliven oder mit Steinpilzen und Kalbsbries gefüllte Pacchero-Pasta nebst Kalbsjus und Trüffelschaum. Tolle Desserts. Es gibt aber auch wunderbar Traditionelles wie Trüffelpizza. Der gut eingesetzte französische Einschlag kommt nicht von ungefähr, Hausherr Jean-Claude Bourgueil führte an gleicher Stelle fast vier Jahrzehnte lang sein 2-Sterne-Restaurant Schiffchen und hört jetzt mit 71 Jahren weitgehend auf, will aber auch noch teilweise mit am Herd stehen. Küchenchefin ist seine langjährige Mitarbeiterin Nina Ranger, als Gastgeber tritt weiter Enzo Caso mit Stil und Freundlichkeit auf.

Im Schiffchen bei Enzo, Düsseldorf, Kaiserwerther Markt 9, Tel. 0211 40 10 50.

 

3. Acetaia, München

Feinste kreative italienische Küche im flauschigen Jugendstilrestaurant. Giorgio Maetzke aus dem Piemont interpretiert nicht nur Klassisches neu, sondern blickt viel weiter über den Tellerrand. Die phantasievollen Gerichte werden bildhübsch präsentiert. Die saftig-fleischige Rotbarbe mit Fenchel-Hirse-Flan wäre schon fabelhaft, doch geräuchertes Fischfond-Gelee setzt die Pointe. Weitere Empfehlungen: Fagottoni mit Edelfischfüllung nebst gebratenen Steinpilzen und Petersiliensaft. Gratinierte Paccherie mit Rehragout und Bohnencreme. Risotto, mit Tegernsee-Bier angegossen, nebst Erbsen und Guanciale-Speck. Freundlicher und kompetenter Service, Michele Perego führt stil- und geschmacksicher durchs Menü. Ausgezeichnete Weine, wobei die autocchtonen Rebsorten besondere Beachtung verdienen.

 

3. Tafelspitz 1876, Düsseldorf

Trotz seiner blassen Fassade ein reines Sonnenschein-Restaurant. Das liegt an den pure Lebensfreude ausstrahlenden Gerichten, dem herzlichen Service und den vielen guten Weinen, auch bei den offen Ausgeschenkten. Daniel Dan-Ben kombiniert mutig, aber nicht übermütig. Schweinebauch mit Hibiskus-Sauce ist ungewöhnlich und ungewöhnlich gut. Gänseleber-Eis, Olivenschokolade und Pfirsich schmeckt ebenso aufregend wie Spanferkel mit Shrimps in Portweinbutter und famoser Vichyssoise. Probiert haben muss man auch Frutti di Mare, die natürlich anders als beim Italiener an der Ecke ausfallen. Allerbeste Carabinero, zarter Tintenfisch, mit Garnelenfarce gefüllten Kalmar, geschmeidige Fregola-Sarda mit Borlottibohnen-Schaum. Übrigens: Tafelspitz haben wir hier noch nie gesehen.

 

5. Biancalani, Frankfurt

Biancalani-Titel - 1Amüsante Küche, die zwischen klassisch und kreativ changiert. Siehe Top Ten Frankfurt.

Biancalani, Frankfurt, Walther-von-Cronberg-Platz 7-9, Tel. (069) 68 97 76 15

 

 

Unsere Top Five Texte werden stetig aktualisiert, Kritiken und Rangfolgen können sich ändern.

 

Italiener-TomateDas Titelbild sowie das nebenstehende mit Tomate stammen von der Künstlerin Ute Ringwald, die im Schwarzwald geboren wurde und in Bad Vilbel bei Frankfurt lebt und arbeitet. Ihre opulenten, farbenfrohen und ironischen Aquarelle sind oft von genießerischen und erotischen Motiven geprägt und haben eine lebensfrohe Ausstrahlung. www.uteringwald.de www.facebook.com/ute.ringwald.malerei 

Photocredit: Barbara Fienhold, Trattoria Promis, A Casa di Tomilaia, Acetaia




Neue Altstadt Frankfurt: Was ist eigentlich mit der Gastronomie los?

Jetzt hat die Kaffeerösterei Hoppenworth & Ploch eröffnet

 

Neue Lokale, viele Touristen, keine öffentlichen Toiletten

 

Der offizielle Begriff „Neue Altstadt“ ist genau so ein ungeschicktes Konstrukt, wie teilweise das Quartier selbst. Wer die Enge sucht, wird sich dort wohlfühlen. Die Horden an Touristen, die durch die Gassen geschleust werden, mögen der Statistik nutzen, der Gastronomie bescheren sie kaum Kunden. Ganz im Gegenteil: Die Fremdenführer lassen ihre ungeordneten Gruppen stets so nah an die Gasttische kommen, dass dies einer Belästigung gleichkommt. Noch sind auch nicht längst die Wohnungen in der Neuen Altstadt vermietet, weil auch hier das Zusammenspiel von Mietern, Touristen und Gastronomie nicht geordnet scheint.

Die für das Terrain verantwortliche Dom Römer GmbH empfindet die Enge der „Neuen Altstadt“ gerne als authentisch. Dann muss sie auch die Notdurftwilden und ihre Hinterlassenschaften als historisch bewerten, denn früher stank es hier ja ordentlich nach Kloake. In der Neuen Altstadt gibt es keine Toiletten, es sei denn man sucht ein Lokal auf. Es gab bislang auch keine Hinweise auf die unterirdischen und so gut wie nicht sichtbaren Toiletten am unweiten Paulsplatz. Wie sollten unsere ausländischen Touristen von Guangzhou bis Offenbach aber dorthin finden? Die Fremdenführer erklären jeden Giebel vom Dom, aber wissen sie auch von den wahren Bedürfnisse ihrer Schützlinge?

Sommelier Dave Müller, Weinbar Ress

Man hat in der Neuen Altstadt so viel verbaut, vor allem Geld, aber an öffentliche Toiletten dachte niemand. Jetzt machen jene Probleme, die nicht lange nach einem WC suchen wollen. Unappetitliches gibt es in der Neuen Altstadt gewiss manches, aber leider schafft es auch die Gastronomie nur teilweise Appetit zu machen. So eine kleine Filiale aus der Kleinmarkthalle, wie die von der Metzgerei Dey, vermag natürlich nicht die Lebendigkeit der ehemaligen Metzgerschirne wieder auferstehen zu lassen. Aber dort, wo die Schirne waren, kann man seine Bratwurst, Frankfurter Würstchen oder andere Imbisshappen an Stehtischen essen. Gleich daneben zeugt die Wein-Bar vom Rheingauer Weingut Ress indes von einem Gestaltungswillen, wie er nicht überall zu spüren ist. Die kleine Bar zieht keineswegs nur die eiligen touristischen Besucher an, sondern besonders stark das lokale Publikum. Man trifft auf weltoffene, kommunikative und durstige Gäste. Eine angenehme Mischung, wie sie in diesem Biotop bislang eher selten zu sehen ist. Die Weine von Ress sind meist von knackiger Art, wie sie Menschen mit Angst vor Säure wahrscheinlich nicht angenehm erscheinen. Für diese eignet sich am besten der ohnehin empfehlenswerte Rosé und der Rosé-Sekt, gerade bei warmem Wetter eine schöne Auffrischung. Für uns die beste Wahl bleibt der frische, animierende und trinkflüssige Riesling „Von Unserm“. Er muss nur richtig gekühlt sein, was hier auch stets der Fall ist. Die Barhappen machen auf ihre ganz einfache und bescheidene Weise Spaß. Allein das sehr gute geröstete Brot mit dem delikaten Schmalz der Metzgerei Dey ist top. Das Backwerk von „Zeit für Brot“, der Spundekäs, der Grillschinken und noch mehr der Jamon Iberico sowie die guten Käse vom Rheingauer Affineur beweisen Qualität. Gleich gegenüber lässt sich in der Tagesbar eine Krönungswurst verspeisen, je nach Gusto mit Apfelwein oder Champagner. Die Krönungswurst ist nichts anderes als ein Synonym für Frankfurter Würstchen. Wenn im Kaiserreich ein Haupt gekrönt wurde, gab es fürs Volks Reste vom Festmahl, mithin Frankfurter Würstchen. So lassen sich Namen vergolden.

Weinbar Ress

Kein Lokal hat wie geplant eröffnet, manches mehr als ein Jahr später. Auch im Haus „Zu den drei Römern“ gähnte lange die Leere, jetzt bewegt sich etwas. Das Café mit dem langen Namen Pasteleria Estrela Doce hat nun am ersten Augustwochenende eröffnet. Das Lokal des Ehepaars Bayram und Sevilay Tulan will der Herkunft entsprechend portugiesische und türkische Spezialitäten anbieten, Erzeugnisse aus der Bäckerei und Konditorei, aber auch Mittagsgerichte. In dem Neubau wurden im Lokal im Erdgeschoss unter anderem originale rotsandsteinerne Renaissance-Arkaden verbaut sowie den Bögen alle Kerben, Brandnarben, Absplitterungen und Risse belassen, die der Krieg ihnen zufügte. Das türkisch-portugiesische Lokal am Eingang zum ehemaligen Krönungsweg könnte den schmalen Eingangsbereich gut nutzen – obwohl nur wenige Tische vor die Tür gestellt werden dürfen. Ein Handicap, Terrassenplätze sind überlebensnotwendig.

Das neue Café von Hoppenworth & Ploch, links im Bild

Glanz in die Neue Altstadt dürften die Kaffee-Avantgardisten Hoppenworth & Ploch bringen, die nun schon etwas früher als gedacht heute am 1. August eröffnet haben (Mitinhaber Julian Ploch oben r. im Bild). Das neue Café hat 20 Sitzplätze und einige Stehplätze im Gastraum innen sowie 16 Plätze auf der Terrasse, wobei auch die Fensterbänke zusätzlich genutzt werden können. Die Sortimentshandschrift wird nach den Worten von Matthias Hoppenworth „ganz klar Specialty Coffee in der gewohnten Qualität und mit der Philosophie von Hoppenworth & Ploch sein, ohne das Publikum in der Neuen Altstadt zu überfordern.“ Wer einfach nur auf einen guten Cappuccino vorbeikommen will (3,20 €), soll genau so auf seine Kosten kommen wie Nerds, die sich in die Altstadt verirrt haben. Außerdem bieten Hoppenworth & Ploch Röstkaffees, Geschirr vom Studio Hartmud (Craft Tableware) und ausgesuchtes Equipment für zu Hause an. Darüber hinaus soll es ein Angebot an Snacks und Speisen geben, bei dem die hausgemachten Kuchen nicht fehlen, die mit Zutaten von regionalen Erzeugern und Lieferanten hergestellt werden. Die Tarte mit Himbeeren und Kokos beispielsweise ist ausgezeichnet. Ergänzt werden soll das Angebot abends mit alkoholischen Getränken, getreu dem Motto „coffee keeps me going until it’s time for wine.“ Die ersten zwei Wochen wird es allerdings keine Weine und nur Kaffee geben.

Filialleiter Viktor Keil (l.) und Julian Ploch

Wer den Touristengruppen aus dem Weg gehen will, sollte eher montags kommen, wo unsere Bilder entstanden sind. Oder sich bei Badia ins Schirncafé setzen, wo man wie von einem Logeplatzt das Treiben in der Neuen Altstadt ganz nahe und doch aus sicherer Distanz beobachten kann.

Ludwig Fienhold

 

Photocredit: Barbara Fienhold




Endless Summer: Urlaubsweine aus Portugal und Spanien

Flüssiges im Weinbistro gang & gäbe

an der Mainpromenade in Frankfurt

 

Der Sommer geht in die Verlängerung. Im Weinbistro gang & gäbe kann man auf der Terrasse noch entspannt Wein trinken, garniert mit Blick auf den Main und die Frankfurter Skyline. Bei dem Special „Endless Summer“ gibt es sieben handverlesene Urlaubsweine, von sommerlich leicht bis herbstlich frisch. Das Angebot mit reduzierten Preisen läuft bis 15. September, danach sind die Weine und Speisen zu normalen Preisen zu haben.

Es soll locker zugehen, eine Moderation wird es nicht geben. Brigitte Weinhold, die ihren Namen lebt, wird aber für Fragen bereitstehen und ein betreutes Trinken möglich machen. Es wird Weine aus den beliebten Urlaubsländern Portugal und Spanien geben, zwei Weindestinationen, die bei uns in der Gastronomie noch mehr Beachtung verdient hätten, wobei gute Weine aus Portugal fast schon eine Rarität sind.

Mit dabei: Der knackig-frische Espumante 3 B Rosé Extra Brut von Filipa Pato aus Bairrada. 3 Bsteht für die Weinregion Bairrada und die autochthonen Rebsorten Baga und Bical, die Basis für diesen sehr trocknen Schaumwein. Rieslingfreunde finden nur selten andere Weißweine, die zu ihnen passen. Der Granitböden entspringende Alvarinho der Quinta de Soalheiro Granit ist von einem derart reintönenden mineralischem Ausdruck und kühler Stilistik, dass jedes Glas Lust auf das nächste macht. Einen endlosen Sommer signalisiert auf besonders leichtlebige Weise der Rosé Mineral von Soalheiro, der heiter über die Zunge flitzt.

Wie gut gekühlte Rotweine bei sommerlichen Temperaturen schmecken können, zeigt der Nat Cool vom Ausnahmewinzer Dirk van Niepoort. Dieser dezent perlende, beerenduftige und würzige Wein verbindet auf saftig trinkfreudige Weise den Sommer mit dem Herbst. Außerdem sind bei Endless Summer noch diese bemerkenswerten spanischen Weine zu haben: La del Vivo von Raul Perez aus dem Bierzo; Habla la Tierra von den Bodegas Habla aus der Extremadura sowie der Llenca Plana aus Katalonien. Auf der Special-Sonderkarte: Gambas al ajillo, Pulpo Carpaccio, Miesmuscheln, Sardinen und gebratene Chorizo.

 

Weinbistro gang & gäbe, Frankfurt, Walther-von-Cronberg-Platz 1, Tel. 069 58 00 50 517.

service@dasgangundgaebe.de

www.dasgangundgaebe.de

 

 

 

 

 

 

 

 




Bethmannstraße Frankfurt: Ein neues Gastro-Quartier entsteht

Bar-Restaurant Sensasion und Café Dalma haben eröffnet

 

Gleich hinter dem Standesamt bahnt sich neues Gastro-Glück an. Die Bethmannstraße hat inzwischen sogar eine eigene Haltestelle bekommen, wobei man sich nun mit der Bahn bis vor die Tür der neuen Adressen bringen lassen kann: Motel One, Café Dalma und Bar-Restaurant Sensasion.

Café Dalma

Das neue Café Dalma hat gerade erst seine Tür geöffnet und nimmt einen gleich durch sein charmantes Interieur in die Arme. Wiener Kaffeehaus-Charakter vermischt sich mit Vintage-Bar-Design. Alles mit persönlicher Note handgestrickt, aufgeschäumt durch Gefühl und Sinn für das alte Frankfurt. Der Cappuccino kommt kräftig in die Tasse, die Frankfurter Rösterei Due Mani macht sich auch an dieser Stelle beliebt, gehört aber immer noch zu den Geheimtipps. Abends will man nach den Worten der Betreiberfamilie vom Café zur Weinbar wechseln und wörtlich einen fließenden Übergang schaffen. Derzeit hat das Café Dalma von 8 bis 19.30 Uhr geöffnet und sonntags geschlossen, doch wird es nach der Anlaufphase neue Zeiten geben.

Seyavash Franke & Sanny

Vor drei Jahrzehnten war an gleicher Stelle noch eine düstere Pilsstube zu Hause, dann stetig wechselnde Läden. Gleich nebenan befindet sich ein abenteuerlicher Chinese, der gerne große Gruppen einfängt und keine Rücksicht auf europäische Zungen nimmt, was zumindest für einige Frankfurter besonders anziehend ist. Nur wenige Schritte weiter hofft das Indian Curry Castle auf wachsenden Zuspruch durch die neue Entwicklung in der Bethmannstraße. Gleich daneben hat vor zwei Tagen die Restaurant-Bar Sensasion eröffnet, dort war zuvor der Eintracht-Shop ansässig. Von der Einrichtung her sieht das Lokal wie eine samtige Bar aus, Eyecatcher sind die beiden Schaukelplätze an der Theke. Viele Cocktails, einige Mittagsgerichte und ein moderater DJ-Einsatz am Wochenende stehen bislang auf dem Programm. Ein Humidor nebst separatem Raucherzimmer sind auch vorhanden. So etwas wie ein Konzept wird sich indes noch entwickeln. Inhaber Soroosh Gadegki-Far ist erst einmal froh, dass er diese Location vor sieben Monaten entdeckt hat. Sein Bruder Seyavash (im Bild oben) hilft ihm im Lokal, Mitstreiter sind unter anderem noch Barchef Fabio Billante (zuvor 22n Bar im Eurotheum) und Serviceleiterin Sanny. Das Lokal Sensasion hat Montag bis Donnerstag von 11 bis 23 Uhr geöffnet, Freitag und Samstag bis 1 Uhr, Sonntag bleibt es geschlossen. Gleich nebenan wird übrigens noch ein Laden mit Kaffee und Kuchen eröffnen.

Gegenüber hat sich das Motel One auf dem Gelände des ehemaligen Bundesrechnungshofs sehr gut entfaltet. Die Bar gehört zu den nettesten Meeting-points in Frankfurt und hat 24 Stunden lang geöffnet. Das fidele Design, das Frankfurt als Goethe- und Buchmessen-Stadt salopp aufgreift, macht Laune. Der lockere und einsatzfreudige Service ebenso. Trink-Tipp: Die saftig-süffigen Weine von Heitlinger zum einladenden Preis. Die Bethmannstraße liegt günstig zwischen Theaterplatz und Römer und ist auch von der Hauptwache schnell zu Fuß zu erreichen. Im neuen Bethmann-Quartier geht noch mehr.

FB   

 

 




Champagnerluft: Alexandre Sadowczyk hat sein l´Ecume eröffnet

Frankfurt ist gespannt auf diese neue Adresse

 

Die Fette Henne war gestern, jetzt kocht hier der schlanke Alexandre Sadowyc in seinem ersten eigenen Restaurant: L´Ecume. Schaum bedeutet das unter anderem in Französischen. Alex wurde in Reims geboren, wo die Babys statt Schnuller einen Champagnerkorken in den Mund gesteckt bekommen. Auf Champagnerqualität legt der Franzose selbstredend großen Wert, mit seinem Hauschampagner, der Grande Reserve von Fourny & Fils aus dem Premier Cru Weindorf Vertus, belegt er dies. Im Ecume soll es nur Champagner von kleinen individuellen Kellereien geben und damit solche, die man in der Stadt sonst nirgendwo findet.

Alex und seine Frau Yana

Alex steht gemeinsam mit seinem Weggefährten und Freund Fabian Hildebrandt am Herd, der länger in Österreich zu Hause war und ein gutes Händchen für Desserts hat. Alexandre Sadowczyk hat in Paris in guten Restaurants gearbeitet und auch im Frankfurter Sterne-Restaurant Lafleur Station machen können. Doch mit dem ersten eigenen Restaurant wird mit einem Schlag alles anders. Hier muss er nun wirklich zeigen, was in ihm steckt. Die Speisekarte ist klein, es gibt neun Positionen. Das ist gut so, denn dies kann der Küche zu mehr Qualität und Konzentration verhelfen. Es gibt alles à la carte, Menüs (4-6 Gänge) kann man sich für 59, 69 und 79 € zusammenstellen. Das Ambiente ist Bistro-like, das schönste Teil ist die gekachelte Theke. Dort kann man auch nur auf ein Glas vorbeikommen oder ein ganz lässig ein Tellerchen im Stehen verputzen.

Fabian Hildebrandt

Zur kleinen feinen Eröffnungsfeier des Restaurants L´Ecume gab es einige Häppchen, die Freude gemacht haben, aber nicht Gegenstand einer Kritik sein können. Vorbesitzer Franco Carlucci, der an gleicher Stelle die Fette Henne betrieb und jetzt das Tischlein deck dich führt, war auch dabei. Die Weinkarte vom L´Ecume mag noch nicht ganz fertig sein, aber es gibt schon jetzt ausreichend Flaschen und guten Champagner, die eine Anfahrt mit der Straßenbahn sinnvoll machen – die Station Friedberger Platz liegt vor der Tür.

LF

Restaurant l´Ecume, Frankfurt, Friedberger Landstraße 62, Tel. 069/90 43 73 07.

www.restaurant-lecume.de

 

Photocredit: Barbara Fienhold