Winzer des Jahres: Hajo Becker aus dem Rheingau
Der neue Henris Weinguide
kürt die besten Winzer Deutschlands
Lob für Legenden
und junge Talente
Die Weine von Hans-Josef Becker sind noch trockner als sein Humor. Durchgegoren, knackig frisch und doch mit Tiefgang. Sie richten sich gegen den Massenstrom und sind anders als die meisten im Rheingau. Individuell, kantig, altersweise.
Jetzt wurde der Altmeister bei der Buchpräsentation des neuen Weinguides zur „Weinpersönlichkeut des Jahres“ gekürt. Von Henris, dem Münchner Verlag, der bis vor kurzem noch für den deutschen Gault & Millau Restaurantführer verantwortlich war und an der Herausgeberschaft dazu wegen Streitigkeiten mit den französischen Lizenzgebern die Lust verlor. Das Buch bietet in seiner moderaten Haltung mehr Gesprächsstoff als Zündstoff. Vorbildhaft dabei: Das Expertengremium verkostet blind ohne Kenntnis der jeweiligen Flaschen und Etiketten.
Nur weil Hajo Becker jede Modetorheit vermeidet, wird er oft als altmodisch betrachtet. Er lässt die Rieslinge ein Jahr im alten Holzfass reifen und vertraut der Natur. „Der Wein weiß sich schon zu helfen.“ Man darf, wie bei allen Rieslingen, vor allem denen aus dem Rheingau, nicht gleich die frischen Abfüllungen trinken, sondern sollte die etwas oder länger gereiften Weine bevorzugen. Beckers Erzeugnisse sind nichts für jene, die flüchtige und fruchtige Aromen suchen, sondern für solche, die eine kühle Stilistik mit Frischekick und mehr noch mit Tiefe finden wollen. Auf seinem Weingut in Walluf hat Becker auch viele ältere und ganz alte Flaschen auf Lager, wobei es immer wieder erstaunlich ist, wie lebendig diese über die Zunge flitzen.
Als ich Hajo Becker in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vorstellte, wurde der bis dahin nur einigen Fachtrinkern zugängliche Winzer einem größeren Publikum bekannt. Um so schöner ist jetzt die Auszeichnung der über 80 Jahre alten Weinlegende, die das Lebenswerk dieses Charakterkopfs würdigt.
„Wein erinnert uns daran, dass das gute Leben nicht im Mehr liegt, sondern im Tiefer“, schreibt aphoristisch der Leiter des Verkosterteams, Otto Geisel in seinem Vorwort. Es gibt viel zu entdecken im Wein und auch in diesem Buch.
Besondere Ehrungen in diesem Jahr für:
- WEINPERSÖNLICHKEIT DES JAHRES: Hans-Josef Becker, Weingut J. B. Becker, Rheingau
- KOLLEKTION DES JAHRES: Ökonomierat Rebholz, Pfalz
- GENOSSENSCHAFT DES JAHRES: Winzer Sommerach, Franken
- HANDSCHRIFT DES JAHRES: Clemens Busch, Weingut Clemens Busch, Mosel
- WEINGUTSLEITER DES JAHRES: Claus Burmeister, Weingut Burg Ravensburg, Baden
- IMPULSGEBER DES JAHRES: Kaiserstuhl Touristik Ihringen e.V., Weinwirtschaft Ihringen, Baden
- HÖCHSTER NEUEINSTEIGER DES JAHRES: Oliver Zeter, Weingut Oliver Zeter, Pfalz
- GENOSSENSCHAFTLICHER NEUEINSTIEG DES JAHRES: Remstalkellerei eG, Württemberg
Eine schöne und wichtige Rubrik im neuen Weinguide ist die Auszeichnung von Jungwinzern, die durch ihr Talent auffielen. Next Generation 2026: Ina-Sophie Bamberger, Wein- und Sektgut Bamberger (Nahe) – Carlo Clauß, Weingut Clauß (Baden) – Felix Estelmann, Weingut Estelmann (Pfalz) – Julia Glaser, Weingut Glaser Himmelstoss (Franken) – Johanna Bernhart, Privat-Weingut Schlumberger-Bernhart (Baden) – Johannes Tesch, Weingut Tesch (Nahe) – Felix Walter, Weingut Josef Walter (Franken).
Das ist nur ein kleiner Ausschnitt, in dem Buch werden über 550 Weingüter vorgestellt und bewertet.
Ludwig Fienhold
Fotos: Henris Verlag