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Trauerspiel um Alfons Schuhbeck

Das scharfe Ingwer-Urteil

 

Die stramme Richterin ließ Alfons Schuhbeck wie einen Schmalhans aussehen, das Urteil ist gesprochen. Eine große Karriere endet im Knast: Alfons Schuhbeck wurde vom Landgericht München I im sogenannten Ingwer-Prozess wegen Steuerhinterziehung in Höhe von 2,3 Millionen Euro zu 3 Jahren und 2 Monaten Gefängnis verurteilt. Keine Bewährung, null Verständnis. Totschlag wird mit fünf Jahren geahndet, bei schwerer Körperverletzung kann man schon mit einem Jahr davonkommen, Vergewaltiger werden mit mindestens einem Jahr bestraft. Alles widerliche Straftaten, Alfons Schuhbeck hat nie einer Fliege etwas zuleide getan. Aber wer das Finanzamt hintergeht, kann keine Gnade erwarten. Deutsche Realität. Der Staat will nicht, dass ihm ein Bürger Geld vorenthält, das er selbst gerade milliardenfach verschleudert.

Wir leben in einer Neidgesellschaft und der Neid nagt bei vielen am Selbstbewusstsein. Die Erfolgreichen sind gerne das Ziel von eigenen Minderwertigkeitsgefühlen. Man gönnt sich nichts, aber denen noch viel weniger. Abgesehen davon, dass Alfons Schuhbeck durch seine Insolvenz und den Verlust seiner Existenzgrundlage schon hinreichend bestraft ist, so gäbe es noch andere Möglichkeiten seine Fahrlässigkeit zu ahnden. Statt ihn mehr als drei Jahre ins Gefängnis zu schicken, wo er für die Gesellschaft völlig wertlos ist, hätte man ihn beispielsweise dazu verurteilen können für die „Tafeln“ zu arbeiten und zu kochen, um arme Menschen zu versorgen. Der Philosoph und Kulturkolumnist Alexander Grau hat übrigens jetzt im Magazin für politische Kultur „Cicero“ einen klugen Artikel zum Schuhbeck-Urteil geschrieben – unter der Überschrift „Steuerhinterzieher sind keine Vergewaltiger“.

Auch schlimm: Die Münchner Schickeria will plötzlich nichts mehr mit Alfons Schuhbeck zu tun haben. Jene, die ihm jahrelang kostenfrei den Kaviar aus den Händen gefressen haben. Wo sind jetzt all seine Freunde, wo die Statements, die ihn stützen? Die Fälle liegen zwar anders und doch wird man gerade in diesen Tagen an den rüden Umgang mit Eckart Witzigmann und Johann Lafer erinnert, die ebenfalls mit der Justiz unfreundlich Bekanntschaft machten.

„Schuhbecks Teatro“ heißt jetzt übrigens nur noch Teatro. Es gibt weiterhin das von Schuhbeck konzipierte Menü. Man bleibe trotz der Trennung weiterhin „freundschaftlich“ verbunden heißt es. Welch ein Theater.

Alfons Schuhbeck ist jetzt 73, über drei Jahre Gefängnis kann er gesundheitlich kaum überstehen. Er ist ja jetzt schon ein Häuflein Elend und sieht erschreckend mitgenommen aus.

Wir haben Alfons Schuhbeck vom Kurhausstüberl in Waging am See bis hin nach München erlebt und als famosen Koch und aufrechten Charakter kennengelernt. Sein Stil: Schmankerl de luxe. Und noch mehr bayrisch nouvelle. Im Grunde sorgte er schon damals für eine Renaissance der Regionalküche.

Die Süddeutsche Zeitung erkannte ihn schon frühzeitig als Gesamtkunstwerk. Er machte Dampf in allen Gassen. Anfang der achtziger Jahre krönte Schuhbeck der Michelin mit einem Stern, was damals noch viel zählte. Der Gault & Millau ernannte ihn zum „Koch des Jahres“, was seinerzeit ebenfalls noch Wert hatte.

In seiner Jugend hieß Schuhbeck noch Alfons Karg, sein Adoptivvater hieß Schuhbeck. Der gelernte Fernmeldetechniker fängt als Kellner an. Seine Ausbildung findet dann aber bei den ersten Adressen statt – Käfers, Dallmayer, Walterspiel und schließlich in der legendären Aubergine von Eckart Witzigmann.

Dass Schuhbeck mehr wollte, als ihm guttat und einen übermäßigen Ehrgeiz entwickelte, mag in seiner persönlichen Geschichte begründet liegen, in seiner Kindheit und Jugend war er nicht auf Rosen gebettet. So oder so, Schuhbeck verlor den Überblick. Zu viele Gastspiele in der Society, zu viele Restaurants, Eisgeschäfte, Gewürzläden. Er liebte Gewürze, vor allem Ingwer.

Manfred Kohnke, der langjährige Chefredakteur und Herausgeber des Gault & Millau Deutschland meinte einst: „Dass sich der Workaholic Alfons Schuhbeck, der keine Freizeit und keine Ferien kennt, der nicht stillsitzen und innehalten kann, der immer ein Handy braucht und ständig Gas geben muss, nicht totgearbeitet hat, liegt an Dreierlei: Er ist bodenständig gescheit, denkt vorausschauend und bleibt unerschütterlicher Optimist. Diese Anschauung hat sich leider überholt.

Ludwig Fienhold