Abschied von Marbella-Ikone Graf Rudolf von Schönburg

Der Hotelier machte

aus dem Fischerdorf

einen Treffpunkt

des internationalen Jetsets

 

Von Ludwig Fienhold

 

 

Graf Rudolf von Schönburg, der über Jahrzehnte das legendäre Marbella Club Hotel führte und gemeinsam mit Fürst Alfonso von Hohenlohe das einstige Fischerdorf an der Costa del Sol zum Treffpunkt des internationalen Jetsets machte, ist im Alter von 94 Jahren gestorben. Ich kannte Conde Rudi, wie er in Marbella kurz genannt wurde, über 30 Jahre lang und traf ihn im Hotel-Restaurant, im Champagne Room oder im Garten des Marbella Clubs, seinem Lieblingsort.

Conde Rudi

Als ich Rudolf von Schönburg einmal in seinem Hotel zum Interview traf, meinte er trocken: „Früher wären Sie hier so nicht hereingelassen worden“, mit Blick auf Leinenjacke und Jeans. Bei einem gemeinsamen Essen im Grill-Restaurant erinnerte sich Conde Rudi an die alten Zeiten. Kaum vorstellbar, aber anfangs signalisierte nicht der Umfang der Weinkarte oder die Größe der Zimmer den Luxus, sondern ein eigenes Telefon an der Rezeption, dass auch die Gäste benutzen konnten, weil sie keines auf dem Zimmer hatten.

Conde Rudi, Markenzeichen verschmitzter Blick, kräftiger Händedruck, schien „gloriously unstoppable“. Erst durch ihn wurden Szenen lebendig, die man nie miterlebt hatte. Die Gäste waren oft in Feierlaune, Conde Rudi freute sich daran, wie Gunther Sachs, Brigitte Bardot und Prinz Alfonso Flamenco im Champagne Room tanzten. Er legte seinerzeit noch selbst die Platten auf und war damit auch so etwas wie der erste Discjockey von Marbella. In jenen Tagen Anfang der 50er Jahre konnte man den Marbella Club nur mit Vollpension buchen, zumal keine anderen Restaurants existieren – eine Nacht für 285 Pesetas inklusive, knapp vier Deutsche Mark. Heute liegen die Preise für eine Übernachtung zwischen 1000 und 3000 Euro, in den Suiten und Villen bewegen sie sich bis 7000 Euro. Conde Rudi wohnte in den Anfangsjahren in der Garage des Marbella Clubs und kam nie vor ein Uhr nachts ins Bett. Trotz Champagne Bar gehen die Gäste heute früher schlafen.

Die weitgefächerte Hotelanlage hat viele schöne Ecken, doch der prächtige Garten entfaltet eine schon mystische Aura. Ob Palmen, Orangen- Zitronen- und Olivenbäume, riesige Kiefern oder Orchideen, Hibiskus, Sternjasmin und expressiv farbige Bougainvilleas, hier scheint alles imposant zu wachsen, was die Natur an Schönheiten hergibt. Die ausladenden Trompetenbäume wirken berauschend, während die Dama de Noche ihren intensiven Wohlgeruch nur in der Nacht entfaltet. Der Garten setzt eine Wolke an aphrodisiakischen Düften frei. Conde Rudi spazierte besonders gerne durch dieses Blütenmeer. Wenn er mit neugierig gebliebenen Blick und Strohhut durch den Garten schlenderte, dann spürte man, wie tief er in diesem Club und seinem Garten verwurzelt war. Im Grunde galt er bis zuletzt als er der wahre Sonnenkönig von Marbella und der Costa del Sol.

Mitten in diesem Blütenmeer verzaubert abends das mit Hunderten von Kerzen illuminierte Grill-Restaurant die Gäste. Als das Lokal 1962 eröffnet wurde, war es kaum mehr als ein rustikales Landhäuschen mit Balkenromantik und gerade einmal 14 Plätzen. Den Gästen wurde hervorragendes Fleisch geboten, zubereitet von einem argentinischen Grillchef, den der Gründer des Marbella Clubs, Prinz Alfonso von Hohenlohe, im Ritz in Madrid entdeckt hatte. Es ist ein schöner Zufall der Geschichte, dass dessen Sohn Juan Gálvez auch wieder Küchenchef im Grill-Restaurant ist. Es hat sich vielleicht nicht allzu viel geändert, aber bei den Preisen spürt man die Neuzeit: Das exzellente Chateaubriand mit hervorragender Sauce Bérnaise und Grillgemüse kostet 94 Euro.

Conde Rudi

Das 1954 von Prinz Alfonso von Hohenlohe gegründete Marbella Club war viele Jahre der Hotspot der High Society. Graf Rudolf von Schönburg führte das Hotel bald danach jahrzehntelang und prägte das Haus mit freundlichem Gespür für die Gäste und mehr noch mit Stil und Haltung. Sein Sohn Friedrich von Schönburg macht ebenfalls in der Hotellerie Karriere, leitete das Mandarin Oriental Ritz in Madrid und ist heute Direktor des Starwood-Luxushotels Villa Magna in Madrid.

 

Photocredit: Marbella Club