Scherbengericht Dinner Show Cotton Club | BISS

Kategorie | 2014, Aktuelles, Dezember 2014, News

Scherbengericht Dinner Show Cotton Club

Traurig, aber vorhersehbar

 

Es war zu erwarten: Die Dinner-Show Cotton Club in Frankfurt und München musste mangels Interesse schließen. Die Gäste wurden einen Tag vor Weihnachten nach Hause geschickt und bleiben auf ihren bezahlten Tickets sitzen – natürlich auch jene, welche für Silvester und andere Feiern bis Februar 2015 gebucht haben. Die Premiere am 31. Oktober mit Fernsehkoch Nelson Müller offenbarte bereits das kommende Desaster. Das Essen war blamabel, die Show zeigte trotz aller Bemühungen der Akteure keine Inspiration, die Darbietungen wurden Stück für Stück lauthals abgenudelt. Aber nicht nur die Gäste haben einen Schaden davonzutragen, vor allem die Köche und Artisten bleiben unbezahlt. Auch Lieferanten klagen, so etwa der Frankfurter Floral-Artist Erhard Priewe: „Ich denke keiner bekommt Geld, er hat wie immer alle reingelegt. Wie bei Afrika! Afrika! Ich habe vor sechs Wochen eine Blumendekoration für 2.800 Euro geliefert und bis heute keinen Cent gesehen, könnte kotzen.“ Die Dinner Show in München mit den Fernsehköchen Stefan Marquard und Holger Stromberg hat den gleichen Weg ins Jenseits genommen. Allerorten ist man über das Scheitern erstaunt und gibt sich überrascht, wobei man eigentlich gewarnt sein hätte können.

CottonClub Pleite

Trist und abräumbereit

Es ist immerhin nicht das erste Mal, dass der Event-Manager Matthias Hoffmann scheiterte und seine Künstler unbezahlt ließ. Schon bei der Show Afrika! Afrika! hinterließ er einen riesigen Scherbenhaufen. Außerdem bei der Show India und einer weiteren mit Jamie Oliver. Und selbst mit Eckart Witzigmann ging vieles schief. Strafverfahren gegen Matthias Hoffmann und anderes mehr waren die Folge. Nun reiht sich diese Dinner Show in die Kette ein. Man mag so etwas längst nicht mehr einfach Misserfolg oder gezielten Schwachsinn nennen. Die richtigen Begriffe liegen in der Natur juristischer Bereiche. Traurig. Ganz gewiss nicht für den Veranstalter Hoffmann, sondern vor allem für alle, die ihm noch vertraut hatten. Warum aber eigentlich? Vielleicht lag es daran, dass in der von schwarzen Akteuren gestalteten Cotton Club Show die Frau von Matthias Hoffman, Faiza, Anprechpartner war, die aus Kenia stammt.

Die Dinner Show firmiert unter: Cotton Club Dinnershow GmbH & Co. KG, Augustaanlage 54-56, 68165 Mannheim. Als Insolvenzverwalter fungiert Rechtsanwalt Rainer Bachert aus Mannheim.

Veranstalter Matthias Hoffmann und Fernsehkoch Nelson Müller sind heillos zerstritten. Inzwischen finden sich immer mehr ehemalige Mitarbeiter und andere Geprellte zusammen, um gemeinsam gegen Hoffmann vorzugehen. Dem Scherbengericht wird sich die Justiz annehmen. Alsbald mehr an dieser Stelle.

 

Unser Artikel zur Premiere

Gäste unter der Zirkuskuppel: ratlos

Der Cotton Club hatte in Frankfurt Premiere

Beschwingte Show, vor allem mit Hits der 20er und 30er Jahre, halsbrecherischer Akrobatik und einem Koch, der sich in seinem Restaurant einen Stern erkocht hat.

Swing, Soul, Jazz am laufenden Band, die Gäste werden pausenlos beschallt. Die Musik verbreitet gute Laune, auch die Akteure haben sichtbar Spaß. Sogar der Service hat akrobatische Qualität und scheint mit den Tänzern um die Wette zu flitzen. Nur die Küche von Nelson Müller bleibt seltsam ausdruckslos. Er hat sich mit seinem Restaurant Schote in Essen einen Stern im Michelin erkocht, was bei der Premiere nicht zu bemerken ist. Aber es ist auch ein großer Unterschied, ob man für drei Dutzend oder mehrere hundert Gäste kocht. Einige Gäste sieht man später in umliegenden Lokalen, dem Saravini und Goldman noch essen und trinken.

Minivideo Cotton Club

 

 


 

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